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    <title>Begleitschreiben (&quot;Denken ist vor allem Mut...&quot; (Ludwig Hohl)) : Rubrik:Splitter</title>
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    <description>&quot;Denken ist vor allem Mut...&quot; (Ludwig Hohl)</description>
    <dc:publisher>Gregor Keuschnig</dc:publisher>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:date>2009-12-14T16:37:16Z</dc:date>
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    <title>Begleitschreiben</title>
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  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/6028761/">
    <title>Der trauernde Affe</title>
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    <description>&lt;div style=&quot;border:3px solid #0000FF; padding: 5px;&quot;&gt;Da unser Rückflug sich verzögerte, hatten wir, Vater und Sohn, unverhofft ein paar Stunden Zeit und gingen in den Berliner Zoo. Während Noam um die Habitate exotischer Tiere strolchte, saß ich da und schaute den gefangenen Affen zu. Alle sprangen lebhaft und verspielt von einem Ast zum anderen. Mit einer Hand hielten sie sich fest, streckten die andere nach dem nächsten Ast aus und hangelten sich weiter. Ein Affe saß allein abseits und mischte sich nicht unter die anderen. Ich erkundigte mich bei einem vorbeigehenden Tierpfleger, was das hier habe. &quot;Er ist anders&quot;, antwortete er. &quot;Er kann nicht klettern, weil er Angst hat, den Ast loszulassen. Wenn man sich mit beiden Händen an dem Ast festhält, kann man nicht klettern. Das ist sein Schicksal. Er sitzt den ganzen Tag auf dem Boden wie ein Trauernder, der vom Leben um ihn herum isoliert ist.&quot;   &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;

&lt;small&gt;Aus &quot;Hitler besiegen&quot; von Avraham Burg [Seite 28]  einem Buch, dass es hier noch ausführlich zu besprechen gilt.&lt;/small&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-05T17:51:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5701623/">
    <title>Rätsel</title>
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    <description>Wer hat dies als junger Mensch gesagt/geschrieben?

&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Um gläubig zu sein, muß man nicht Hostien verschlucken, muß man nicht alle Jahre zweimal beichten. Es genügt, wenn der Mensch ins Antlitz der Welt schaut, tief hinein in seine Mitte [...] Man soll niemals über die Kirche spotten, aber man darf die schlechten Priester als schlecht bezeichnen und die niederträchtigen Nonnen als niederträchtig. Man muß aber auch den Glanz und die Güte Gottes preisen... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[...]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Reichtum...nützte nichts, das ganze Geld nützte nichts, alles, alles, nützte nichts, nieder sinkt er, scheinbar klein wird er letztlich, und nieder kniet er sich in Delirien und fleht um die letzte Erleuchtung: um den ewigen Vater!&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;small&gt;Es gibt nichts Materielles zu gewinnen; nur ganz viel Ruhm.&lt;/small&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2009-05-14T16:43:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5567917/">
    <title>Kay Peter Jankrift: Henker, Huren, Handelsherren</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5567917/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Kay Peter Jankrift Henker Huren Handelsherren&quot; height=&quot;163&quot; alt=&quot;Kay Peter Jankrift Henker Huren Handelsherren&quot; width=&quot;109&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Kay-Peter-Jankrift-Henker-Huren-Handelsherren.jpg&quot; /&gt;Hat man sich nicht schon einmal nach einem Besuch eines der inzwischen so zahlreichen mittelalterlichen Märkte gefragt, wie denn das Leben im Mittelalter tatsächlich gewesen ist? Wie haben die Menschen gelebt? Kay Peter Jankrift verspricht mit seinem Buch, diesen Alltag zu beschreiben. Störend ist dabei zunächst der reisserische Titel &quot;Henker, Huren, Handelsherren&quot; - zumal ein alltägliches Leben streng genommen nicht alleine auf diese drei Berufsgruppen basieren konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Behandelt wird im Wesentlichen das Spätmittelalter von Mitte des 14. bis Beginn des 16. Jahrhunderts; der Fokus der Betrachtung liegt auf der Stadt Augsburg, einer Stadt mit 15.000-20.000 Einwohnern und seit 1276 &quot;Freie Reichsstadt&quot;. Ausführlich erläutert Jankrift warum seine Wahl auf Augsburg fiel und nicht etwa auf Nürnberg oder Köln (mit 40.000 Einwohnern eine für damalige Verhältnisse untypisch grosse Stadt). Quellenlage und Alter spielten eine Rolle, aber der überraschte Leser erfährt dann, dass unter anderem der überregionale Bekanntheitsgrad des Marionettentheaters der  &quot;Augsburger Puppenkiste&quot; ein Kriterium gewesen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so erfährt der Lesetr in bisweilen ausladendem Erzählstil von den zahlreichen Pestseuchen (inklusiver einer kleinen aufschlussreichen Kulturgeschichte der Pest), die Augsburg heimgesucht haben (insbesondere 1348 und 1358; aber auch den Heimsuchungen im 15. Jahrhundert wie 1420, 1429, 1438, 1462 [die &quot;Rote Ruhr&quot;], 1463, 1483, usw.), von den Judenpogromen 1348, der Ausweisung der Juden 1438, den Funktionen der Henker (sie hatten unter anderem auch die Aufgabe die Abtritte sauber zu halten) und deren Ächtung, die dann zu Scharfrichterdynastien führte. Man lernt, dass die Strassen aufgrund von Fäkalien und Müll bestialisch gestunken haben müssen, dass die Dienste einer Hure zwei Pfennige &quot;kostete&quot; (ein Geselle verdiente bis zu 20 Pfennige pro Tag) und den Unterschied zwischen freien Prostituierten und Frauenhäusern. Diverse Hinrichtungs- und Foltermethoden werden erläutert  und Jankrift hat auch immer ein Beispiel (mit Namen!) dabei, sofern es die Quellen hergeben. Wenn es aber aus Augsburg nichts gibt, dann werden Daten beispielsweise aus Köln, München, Ulm oder Nürnberg locker (und mitunter reichlich verwirrend) integriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt eine Abhandlung über Homosexualität im Mittelalter und sogar über Sodomie (aber davon ist nur ein Fall belegt) und auch die (oft vergebliche) Kunst der Ärzte (und Quacksalber) wird erläutert. Es gibt Informationen über mittelalterliche Friedhöfe (die auch arg gestunken haben müssen), die diversen &quot;Ungelde&quot; (Steuerfestsetzungen nach Kassenlage - daran hat sich also auch nach 600 Jahren nicht viel geändert), einen interessanten Exkurs über Pergament und Papier  und gefälschten Safran. Wir bekommen den Einzug eines &quot;Ketzermeisters&quot; (1393) erzählt, erfahren einiges über das (fragile) Verhältnis von Juden und Christen (dabei erstaunlich wenig von der Religiosität der &quot;normalen&quot; Leute), sind beim Schützenfest 1509 dabei, erfahren, dass die Opferzahlen bei Seuchen meist viel zu hoch veranschlagt wurden, wie die Stadt um 1412 den Brunnen- und Rohrleitungsbau ausbaute und wie viel ein Fuhrmann für die Beförderung von Baumaterial bekommen hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jankrift erzählt nicht chronologisch sondern nach Themenbereichen. Aber selbst innerhalb der Kapitel springt er nach Lust und Laune durch die Jahrhunderte (und auch Orte). Im Kapitel über Verbrechen, ihre Aufdeckung und Bestrafung springt er von einem Szenario aus dem Jahr 1449 auf ein anderes um 1513, dann die Schilderung eines Vorfalls um 1355, dann 1467, 1430, 1348, 1429, 1448 und 1499. Einmal wird die Neuzeit mit der Entdeckung der &quot;neuen Welt&quot; durch Columbus 1492 ausgerufen  und wenige Zeilen weiter ist man zurück im Jahr 1438. Eine irgendwie geartete Information über die Einheitlichkeit dieser Epoche findet sich aber nirgendwo. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich soll die &quot;grosse Politik&quot; in diesem Buch nicht die erste Rolle spielen. Konsequent ist es daher, dass die Fugger und ihre enorme Wirkungsmacht tatsächlich nur am Rande auftauchen (in einem Unterkapitel). Und packend wird es, wenn Jankrift das ausserordentlich facettenreiche Leben des Kaufmanns (und späteren Chronisten) Bernhard Zink (1396-1474/75) aufgrund von Zinks Schriften rekonstruiert (und dabei klugerweise zum Beispiel Übertreibungen zurechtrückt). Diese Seiten zählen zu den besten in diesem Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich muss man die Kriege, in die Augsburg verwickelt wurde, erwähnen (beispielsweise 1372 gegen die bayerischen Herzöge). Jankrift stellt in einem sehr lehrreichen Kapitel auch heraus, wie sich das Kriegswesen im 14. Jahrhundert grundlegend zu verändern begann (es gab Feuerwaffen; man schickte Söldner in den Krieg). Natürlich haben all diese Entwicklungen auch den Alltag der Menschen geprägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wie dieser Alltag tatsächlich aussah  bei aller Detailfülle (die manchmal etwas arg schulmeisterlich daherkommt) fehlen essentielle Erläuterungen: Was war damals eine Stadt? (&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Stadt#Stadtentwicklung_im_Mittelalter&quot;&gt;Warum wird dies nicht lexikalisch kurz gebündelt erläutert?&lt;/a&gt;) Was zeichnet eine &quot;Freie Reichsstadt&quot; aus? Worin bestanden die Konflikte zwischen dem Reich, den Adeligen und den Städten? Warum nicht mindestens kurz erklären, was die Verbannung, die so oft ausgesprochen wurde, bedeutete? Setzt Jankrift diese Kenntnisse voraus? Wenn ja, warum wendet er sich dann so detailliert den Zünften zu  auch dies müsste dann beim Leser als bekannt vorausgesetzt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und warum werden diese unterschiedlichen Währungen (Gulden, Taler, Pfennige) nicht versuchsweise in eine gewisse Relation zueinander gebracht (wie er es bei den Prostituierten-Preisen aus Nürnberg und Nördlingen macht)? Statt die Bischöfe von Augsburg im Anhang aufzuzählen, wären andere Tabellen erhellender gewesen. Und was haben die Menschen im Mittelalter eigentlich gegessen? (Einmal ist ganz allgemein ist vom hohen Fleischkonsum die Rede.) Und was hat man getrunken? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich ist es interessant, dem Autor (in seinem Stolz) bei der Ausbreitung all seiner Fundstücke aus Archiven und Sekundärquellen zuzuschauen (obwohl manchmal Unterkapitel auch förmlich &quot;abstürzen&quot;, wenn zugegeben werden muss, dass keine Informationen vorliegen). Man liest dieses schön aufbereitete (und in der Mitte bebilderte) Buch gerne und durchaus mit Gewinn. Aber dem Anspruch, den Alltag von Menschen im Mittelalter zu zeigen, wird es nur teilweise gerecht. Umfassende Lektüreverweise gibt es in den Fussnoten und im Glossar (ein bisschen oft verweist Jankrift auf eigene Werke). Und wer ein wunderbares, belletristisches Buch aus dieser Zeit lesen will, ist mit Boccaccios &quot;Decamerone&quot; ausgezeichnet bedient.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2009-03-08T16:37:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5444847/">
    <title>Lächerliche Spielchen</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5444847/</link>
    <description>Wieder einmal ist es geschafft: Die Diskurswächter haben das Monopol auf ihre Deutungshoheit anderen aufgedrängt. &lt;a href=&quot;http://www.tagesschau.de/wirtschaft/tchiboesso100.html&quot;&gt;Aktuell im Beispiel Tchibo und Esso&lt;/a&gt;. Hatten beide Unternehmen (in seltsamer Parallelität) doch die Frechheit besessen mit dem (merkwürdig anmutenden) Spruch &quot;Jedem den Seinen&quot; für ihre Produkte zu werben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das durfte natürlich nicht sein. Der scheinbar notorisch unterbeschäftigte Zentralrat der Juden schmeisst  wie inzwischen üblich -  ganz schnell die Empörungsritualmaschine an. &quot;Nicht zu überbietende Geschmacklosigkeit&quot; oder ein Beispiel &quot;totaler Geschichtsunkenntnis&quot; schmettern sie dann in die Runde. Weil während der Zeit des Nationalsozialismus der Spruch &quot;Jedem das Seine&quot; über dem Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald prangte, scheint es so zu sein, dass das Eigentum der Rechte an diesem &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Suum_cuique&quot;&gt;ursprünglich harmlosen Lebenshilfe-Diktum aus der Antike&lt;/a&gt; an den Zentralrat übergegangen zu sein scheint und von nun an im rhetorischen Giftschrank zu verbleiben habe. Ob man damit den Nationalsozialisten nicht ein bisschen zuviel Ehre zukommen lässt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnliches durfte der Ministerpräsident Niedersachsens, Christian Wulff, mit dem Begriff des &quot;Pogroms&quot; erfahren. Auch hier beharrte man auf die Exklusivrechte. Wulff hatte in einer Talkshow folgende Formulierung gebraucht: &quot;Ich finde, wenn jemand 40 Millionen Steuern zahlt als Person und Zehntausende Jobs sichert, dann muss sich gegen den hier nicht eine Pogromstimmung entwickeln.&quot; Zweifellos ist dieser Vergleich unangemessen und übertrieben. Aber ist er auch eine &quot;nicht hinnehmbare&quot; Entgleisung, wie die Vorsitzende Knobloch nahe legt? &lt;a href=&quot;http://www.tagesschau.de/inland/wulff110.html&quot;&gt;Geradezu absurd die &quot;Forderung&quot; des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer nach einem Rücktritt des Ministerpräsidenten.&lt;/a&gt; Wulff telefonierte mit Kramer, der sich zunächst &quot;nicht zufrieden&quot; mit der Entschuldigung des Ministerpräsidenten zeigte. Ein albernes Spiel: ein freigewählter Politiker, der einen blöden Vergleich intonierte, sich dafür jedoch entschuldigte, wird öffentlich einem virtuellen Tribunal unterzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam aber sicher verspielt der Zentralrat der Juden mit solchen lächerlichen Spielchen seinen Ruf als intellektuelle Instanz der Bundesrepublik. Die Zeiten eines Ignatz Bubis, der sich mit Martin Walser an einen Tisch setzte und diskutierte, sind offensichtlich leider längst vorbei. Von Kierkegaard stammt das Bild des Theaterbesuchers, dessen Feuerwarnung nicht mehr gehört wird, weil er vorher immer seinen Spass damit getrieben hatte. Unter der Ägide von Charlotte Knobloch rück-entwickelt sich der Zentralrat zur profanen Diskurspolizei, die mit pawlowschen Affekten die &quot;Verfehlungen&quot; aus Politik, Wirtschaft und Popkultur abstrafen will. Dabei scheuen sie vor keinen noch so abwegigen Übertreibungen zurück, als müssten sie die Inflationierung der Nazi-Vergleiche (die es zweifellos in einer aufmerksamkeitsgeilen Diskursgesellschaft gibt) mit superlativem Betroffenheitsgestus kontern (vielleicht eine Folge der langsam aber sicher eintretenden Abgestumpftheit eben aufgrund übermässiger Orchestrierung). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Suche nach Empörungsfutter lässt inzwischen sogar &quot;Bild&quot;-Leserreporter &lt;a href=&quot;http://www.shz.de/home/top-thema/article//hakenkreuze-beim-discounter.html&quot;&gt;&quot;Nazi-Kleiderständer&quot;&lt;/a&gt; entdecken. Und in den USA fand man vor anderthalb Jahren einen &lt;a href=&quot;http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,508184,00.html&quot;&gt;Jahrzehnte alten US-Navy-Stützpunkt in Hakenkreuzform.&lt;/a&gt; Das erinnert alles ein bisschen an die (belegte) Szene im 1977 entführten Flugzeug &quot;Landshut&quot;, als eine Passagierin vom &quot;Anführer&quot; der Entführer, einem rasenden Antisemiten, als &quot;jüdisch&quot; beschimpft wurde, weil das Logo ihres Mont-Blanc-Stiftes für ihn als Davidstern interpretiert wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wäre es, nicht mehr jeden Unsinn und jeden blödsinnigen Nazi-Vergleich durch übertriebene und irgendwann selbst den wohlwollenden Geistern enervierende Erregungen noch künstlich aufzuwerten? Wie wäre es mit einer rhetorischen und verbalen Abrüstung, damit tatsächlich besorgniserregende Entwicklungen nicht mit dem gleichen Gestus kommentiert werden müssen wie die debilen Absonderungen diverser Promis? Warum nicht ein gewisses Vertrauen in eine Diskurskultur entwickeln?</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2009-01-14T10:07:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5406688/">
    <title>Die Pharisäer</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5406688/</link>
    <description>Viel wäre schon gewonnen, wenn einem die Meldungen über die lächerlich-heuchlerischen Weihnachtspredigten diverser Bischöfe und Kardinäle erspart bliebe. Denke ich gerade, als ich von &lt;a href=&quot;http://www.tagesschau.de/inland/huber148.html&quot;&gt;Bischof Hubers Weihnachtspredigt&lt;/a&gt; lese. &quot;Wir dürfen das Geld nicht länger vergötzen&quot; heisst es da wohl  so von tagesschau.de zitiert. Auch der Rest des Beitrags: der übliche Schmus, die Appelle an die der Bescheidenheit. Und Kardinal Meisner empört sich darüber, dass Leute mit Dingen, die nicht existieren handeln. Atheisten könnten dies der Kirche ebenfalls vorwerfen. Aber darum geht es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was mich abstösst, ist das pharisäerhafte Gehabe, diese sonn- und feiertägliche verdummende, bigotte Schwafelrhetorik von Leuten, die es besser wissen und alljährlich meine Intelligenz mit ihren Reden beleidigen. &lt;a href=&quot;http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~E6074EAEEB31746C6B1BF81E064127FD4~ATpl~Ecommon~Scontent.html&quot;&gt;&quot;Die heimlichen Geschäfte der Wohltäter&quot;&lt;/a&gt; heisst ein Artikel aus der F.A.Z. von 2006 (von Rainer Hank). Hank skizziert die Organisationstrukturen der grossen kirchlichen Organisationen, deren Intransparenz, Geheimniskrämerei und Schacherei, wenn es um staatliche Beihilfen geht. Auf 55 Milliarden Euro schätzen Experten den Umsatz derer, die die Vergötzung des Geldes anprangern. 80% der Einnahmen stammen aus öffentlichen Mitteln.

&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt; Die staatlich gewährten Privilegien sichern der Wohlfahrtspflege ihre führende Marktstellung im Sozialbereich. Unbehelligt von Wettbewerbern, handeln sie mit den Kostenträgern Pflegesätze für das Altenheim oder Betreuungskosten für den Kindergarten aus: Im teuren Kartell wird Hand in Hand gearbeitet.&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;

Nein, das ist kein Plädoyer für die Öffnung der &quot;Märkte&quot;. Obwohl die Verwaltungsquote sicherlich hoch wäre. Aber was geschieht? Richtig, nichts: &lt;i&gt;Die Wohlfahrtsbranche kennt diese Kritik. Und reagiert ziemlich gelassen. Denn sie weiß die öffentliche Meinung auf ihrer Seite. Wer Gutes tut, ist vor Wirtschaftlichkeitskritik geschützt.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Non-Profit-Status von Caritas und Diakonie ist  im Beitrag wird es angedeutet  ein Witz. In Wirklichkeit werden über verschachtelte Organisationsstrukturen Gelder hin und her geschoben  solange, bis die Kriterien erfüllt sind. Ansonsten könnte kein privatbetriebenes Altenheim wirtschaftlich arbeiten (die Kosten sind beinahe identisch). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, ich kann dieses billige Gewäsch nicht mehr hören. Ich will auch nicht hören, dass die Kirchen ja soviel Gutes tun. Ich will von diesen Leuten nicht mehr belästigt werden. Warum lassen sie die Leute nicht einfach in Ruhe und Frieden Weihnachten feiern?</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-12-24T13:54:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5378500/">
    <title>Dreifaches Nein</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5378500/</link>
    <description>Gestern hat das Bundesverfassungsgericht die Kürzung der Pendlerpauschale (Zahlung von EUR 0,30 pro km erst ab 21. Kilometer) verworfen. Diese Kürzung war am 1. Januar 2007 in Kraft getreten. Beschlossen wurde sie vom Bundeskabinett am 10. Mai 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Vorgang ist ein Musterbeispiel für die Stümperhaftigkeit, mit der gelegentlich Gesetze beschlossen werden. Aber er ist auch exemplarisch für den unerträglich-anbiederischen Opportunismus von Politikern, die sich plötzlich nicht mehr an ihre Beschlüsse von vor zwei Jahren erinnern mögen, nur weil sich herausstellt, dass diese plötzlich unpopulärer sind, als man seinerzeit dachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals mit im Kabinett als Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz war Horst Seehofer (CSU). Von einer Opposition Seehofers diesem Beschluss gegenüber ist nichts dokumentiert. Im bayerischen Landtagswahlkampf hatte die CSU die Pendlerpauschale als Wahlkampfthema entdeckt, was insofern unsinnig war, weil es sich um ein Bundesgesetz handelte und die Causa längst beim Verfassungsgericht lag. Die CSU wollte sich als Anwalt der Leistungsträger generieren und &quot;forderte&quot; etwas zurückzunehmen, was sie selber vor zwei Jahren mitbeschlossen hatte. Als Grund wurden die steigenden Benzinpreise genannt. In Wirklichkeit ging es darum, die bröckelnde Mehrheit in Bayern mit einem Wahlgeschenk verhindern zu wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5i4mLGjSTgP-bRyI3lFL3xnaeghUA&quot;&gt;Bei AFP&lt;/a&gt; kann man lesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Mit Blick auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Pendlerpauschale sagte Seehofer, Merkels Regierung hätte die von der CSU geäußerten Bedenken gegen eine Einschränkung der Pauschale &quot;ernst nehmen und aufgreifen sollen&quot;. &quot;Das hätte uns Rückenwind für den Wahlkampf in Bayern gegeben&quot;, fügte der CSU-Chef hinzu. &quot;Diese Fehlentscheidung hat uns mit das Wahlergebnis verhagelt.&quot; Seehofer wandte sich gegen eine Neuregelung der Pendlerpauschale. &quot;Ein dreifaches Nein. Wir wollen, dass diese Entlastung den Arbeitnehmern voll zugute kommt.&quot;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, wirklich: Ein &quot;dreifaches Nein&quot; solchen erbärmlichen Politikerimitationen wie Horst Seehofer! Da ist mir die Bärbeissigkeit und Unbeirrbarkeit eines Peer Steinbrück zig mal lieber als dieses jämmerliche Schmierentheater dieses bajuwarischen Pseudo-Sozialritters. Seehofer zeigt sich wie immer: Als wetterwendischer Opportunist ohne Rückgrat. Wie schon damals als Gesundheitsminister, als er vor Lobbyisten resignierte und die Brocken hinwarf, wenn&apos;s ihm zu kompliziert wird und das noch nachträglich als Konsequenz feiern lässt.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-12-10T10:12:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5310148/">
    <title>Blässe und Jagdszenen</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5310148/</link>
    <description>Zum 9. November &lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2008/46/Wendeerzaehlung?page=all&quot;&gt;eine Erzählung von Durs Grünbein&lt;/a&gt; in der aktuellen Zeit; angeblich autobiografisch. Man wundert sich über die doch sehr hölzerne, uninspirierte und bleierne Sprache. Und so voller Klischees. Eine merkwürdige Blässe schlägt einem da entgegen, die auch nicht mit Lakonie verwechselt werden kann. Selbst die anfangs so penetrante Selbstinszenierung des Widerständigen ist nur hohles Wortgeklingel. Ich muss an &apos;Schulaufsatz&apos; denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
---&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strike&gt;Leider im Moment nicht online&lt;/strike&gt; Dagegen dieses wunderbare &quot;Road-Telling&quot; von Henning Sussebach über den Deutschen und das Auto:  &lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2008/46/DOS-Autos?page=all&quot;&gt;Eine Liebe verschwindet.&lt;/a&gt; Zwar befragt Sussebach nicht direkt die seit Wochen kursierenden alarmistischen Szenarien und Zahlen, die natürlich nicht grundlos von der Automobilindustrie in die Medien geblasen werden  (was davon ist notwendige Korrektur infolge massloser Überproduktion?), aber seine Methode, des Deutschen liebsten Fetisch anhand exemplarischer Begegnungen zu erfassen, ist bestes Feuilleton.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &lt;i&gt;faradaysche Käfig&lt;/i&gt; für die durchschnittlichen 40 Tageskilometer als letztes Refugium. Wie selbstverständlich ist das inzwischen akzeptiert. Sussebach zitiert einen &lt;i&gt;Verkehrspsychologen&lt;/i&gt;, der konstatiert, &lt;i&gt;&quot;dass unsere Umwelt nicht mehr nach dem Bedarf des Menschen gestaltet ist, sondern nach dem Bedarf des Menschen im Automobil&quot;&lt;/i&gt;. Da passt die Aussage, dass &lt;i&gt;wer auf dem Land an der Bushaltestelle sitzt&lt;/i&gt; entweder &lt;i&gt;Kind oder Kauz&lt;/i&gt; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast genial die Passage über den sakral daherkommenden Daniel Goeudevert, der sich als weintrinkender Wasserprediger entpuppt. Und &lt;i&gt;draußen jagt ein BMW einen Mercedes der einen Audi jagt&lt;/i&gt;. Eine Liebe verschwindet? Nein, so schnell nicht.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-11-09T16:29:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5290685/">
    <title>Der kleine Unterschied</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5290685/</link>
    <description>Horst Seehofer gab das Amt Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf, weil er Ministerpräsident in Bayern wurde. Zur Neubesetzung des Ministeriums in Berlin ein paar Zitate aus unseren Qualitätsmedien aus den letzten Tagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/news/artikel/2008/10/31/2649964.xml&quot;&gt;DIE ZEIT&lt;/a&gt;:&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Aigner ist über die Anfrage von Horst Seehofer, ob sie seine Nachfolge in Berlin antreten wolle, nach eigenem Bekunden zunächst &quot;zusammengezuckt&quot;. Sie habe &quot;erst mal schlucken und nachdenken&quot; müssen, sagte sie am Freitag im ARD-&quot;Morgenmagazin&quot;. &quot;Aber mich freut das natürlich wahnsinnig, dass Horst Seehofer in mich das Vertrauen setzt.&quot;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.welt.de/welt_print/article2653173/Die-neuen-Ober-Bayern.html&quot;&gt;Die Welt&lt;/a&gt;:&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Diesen Posten wird künftig die oberbayerische Bundestagsabgeordnete Ilse Aigner übernehmen - Seehofer zog sie dem von der CSU-Landesgruppe favorisierten Agrarstaatssekretär Gerd Müller vor.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE49T0DP20081030&quot;&gt;Reuters (30.10.):&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Die CSU-Bundestagsabgeordnete Ilse Aigner wird neue Agrar- und Verbraucherschutzministerin im Bund.&lt;br /&gt;
CSU-Chef Horst Seehofer sagte am Donnerstag in München, die von ihm als Nachfolgerin ausgewählte 43-jährige Oberbayerin verfüge über große politische Erfahrung und kenne das Berliner Parkett in- und auswendig.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/5/0,3672,7396997,00.html&quot;&gt;ZDF - heute.de (30.10.):&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Seehofer zeigte sich aber mit dem Ergebnis zufrieden: &quot;Wenn das kein Neuanfang ist, weiß ich nicht, was man noch machen soll.&quot; Aigner, bisher vor allem als Bildungspolitikerin bekannt und bis Mittwoch auch als Generalsekretärin im Gespräch, sei &quot;mit der Landwirtschaft groß geworden und wird eine gute Ministerin abgeben&quot;, sagte Seehofer.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt noch einmal für all die Herr- und Frauschaften, die diese Artikel verfasst haben, der Satz aus dem Grundgesetz, Artikel 64, Absatz 1:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Bundesminister werden auf Vorschlag des Bundeskanzlers vom Bundespräsidenten ernannt und entlassen.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir war neu, dass Horst Seehofer jetzt auch Bundeskanzler ist.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-10-31T12:50:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4905380/">
    <title>Von Verdeutschungen und sprachlichem Fremdenhass</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4905380/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;FAZ Reading Room zu Die Wohlgesinnten&quot; height=&quot;394&quot; alt=&quot;FAZ Reading Room zu Die Wohlgesinnten&quot; width=&quot;400&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/FAZ-Reading-Room-zu-Die-Wohlgesinnten.jpg&quot; /&gt;&lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4851393/&quot;&gt;Hier&lt;/a&gt; äusserte ich am Rande eine Kritik an dem (wie ich finde grässlichen) Anglizismus &quot;Reading Room&quot;, den die FAZ für ihren neu geschaffenes Bücherforum verwendet. Nun, es interessiert die FAZ natürlich nicht, wenn sich unsereiner von diesem Begriff geradezu angeekelt fühlt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Jonathan Littells &quot;Die Wohlgesinnten&quot; und Martins Walsers &quot;Ein liebender Mann&quot; wird nun Jutta Limbachs Buch &quot;Hat Deutsch eine Zukunft&quot; (mit der emphatisch überschriebenen Einführung &lt;a href=&quot;http://readingroom.faz.net/limbach/article.php?txtid=einfuehrung&quot;&gt;&quot;Mehr Deutsch wagen&quot;&lt;/a&gt;) vorgestellt und die Thesen der Autorin diskutiert. Fast logisch, dass sich irgendwann die Frage stellt, warum man den englischen Ausdruck &quot;Reading Room&quot; verwendet und kein deutsches Wort finden wollte. Löblich, dass die FAZ dies nun seit dem 02. Mai mit Lesern diskutiert  mit dem merkwürdigen Untertitel in der Fragestellung: &lt;a href=&quot;http://readingroom.faz.net/limbach/leser_forum.php?rid=11&quot;&gt;&quot;Darf dieses Forum &apos;Reading Room&apos; heissen?&quot;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Merkwürdig deshalb, weil es kaum um ein &quot;dürfen&quot; geht  eher um ein &quot;müssen&quot;. Immerhin, es darf diskutiert werden. Wie schon vorher ist der Aufwand beträchtlich, die Software sehr gut. Die Beiträge werden moderiert  das ist bei der FAZ üblich. Bis zum 10. Mai will man Stimmen sammeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Der &quot;Reading Room&quot; ist meiner Meinung nach ein gelungenes, multimediales Angebot  fast könnte man es &quot;zeitgemäss&quot; nennen, wenn dies nicht ein bisschen negativ klingt. Der gute, alte Fortsetzungsroman wurde auf &quot;Web 2.0&quot; getrimmt. Das hat ja mit der Qualität der vorgestellten Bücher zunächst einmal nichts zu tun. Ich finde es auch weitgehend überflüssig, den &quot;Reading Room&quot; abzulehnen, weil es letztlich nichts anderes ist als ein Vermarktungsinstrument für Neuerscheinungen. Es ist natürlich mit kommerziellem Hintergrund (d. h. es geht darum, das Buch zu verkaufen)  aber das, was geboten wird, ist mehr als ein dröger Appetithappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten Vorschläge zu einer deutschen Bezeichnung trudelten am Freitag ein und auch ich hatte &lt;a href=&quot;http://readingroom.faz.net/limbach/leser_forum_comment.php?rid=11&amp;tid=93#eintrag&quot;&gt;einen Kommentar hinterlassen.&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser blieb nicht ohne Resonanz. Wenige Stunden später nahm  ohne den Kommentar direkt zu zitieren  einer der Experten, Hans-Martin Gauger, &lt;a href=&quot;http://readingroom.faz.net/limbach/leser_forum_comment.php?rid=11&amp;tid=110#eintrag&quot;&gt;hierzu Stellung&lt;/a&gt;. Und flugs wurde ich (und auch indirekt einige andere Kommentatoren, die sich fast ausnahmslos für einen deutschen Namen aussprachen) als &lt;i&gt;sprachlicher Nationalist&lt;/i&gt; bezeichnet, der &lt;i&gt;sprachliche[n] Fremdenhass&lt;/i&gt; praktiziere. Gauger geht noch weiter. In professoralem Duktus wird &lt;i&gt;Deutschtümelei, wie wir sie nie mehr haben wollen&lt;/i&gt; entdeckt. Gauger unterstellt, ich hätte geschrieben, dass &lt;i&gt;das unpassendste deutsche Wort besser als das passendste englische&lt;/i&gt; sei. Das ist erkennbar mitnichten der Fall. Für jemanden wie Gauger, immerhin Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, muss das offenkundig sein, also ist seine Unterstellung nur bösartig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Kommentars &quot;übernimmt&quot; er dann einen meiner Vorschläge (Lesesaal), weil dies die äquivalente &lt;i&gt;Verdeutschung&lt;/i&gt; von &quot;Reading Room&quot; sei. Er argumentiert damit ähnlich wie &lt;a href=&quot;http://readingroom.faz.net/limbach/leser_forum_comment.php?rid=11&amp;tid=94#eintrag&quot;&gt;Jürgen Schiewe&lt;/a&gt;, der auch Probleme mit &quot;Verdeutschungen&quot; hat. Die Frage eines Lesers, worin &lt;tt&gt;dieses&lt;/tt&gt; Problem denn bestehen soll, ist derzeit noch unbeantwortet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Konsequenz bedeutet ein solches Vorgehen: Man sucht einen Anglizismus, den man dann möglichst treffend ins Deutsche überträgt. Das klingt irgendwie paradox. Ausgerechnet Intellektuelle, die sich für die Pflege der deutsche Sprache einsetzen sollen, sehen die Anglizismen mit einer gewissen Nonchalance.

&lt;hr /&gt;
&lt;big&gt;&lt;b&gt;AKTUALISIERUNG&lt;/b&gt; 07.05.08 - 17:30 Uhr&lt;/big&gt;: Die Umbenennung erfolgt in &lt;a href=&quot;http://readingroom.faz.net/limbach/article.php?aid=29&amp;newentry=1#eintrag&quot;&gt;&lt;font &gt;&quot;Lesesaal&quot;&lt;/font&gt;&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Uwe Ebbinghaus in der Begründung: &quot;Deutschtümelei? - Iwo! Eher ein Experiment mit der Hypothese, dass das Deutsche auch Entwicklungen der neuen Medien angemessen benennen kann.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Na also.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-03T15:53:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4758857/">
    <title>Jerzy Jedlicki: Die Intellektuellen als europäische Spezies</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4758857/</link>
    <description>&lt;div style=&quot;border:3px solid #0000FF; padding: 5px;&quot;&gt;Der Grundzug der neuen Zeit ist nicht die Festigkeit der Überzeugungen  davon hatten wir immer mehr als genug -, sondern im Gegenteil eine Ungewissheit, die selbst jene Denker nicht verschont, die mit dem Absoluten auf vertrautem Fuss stehen, die aber wissen, dass heilige Gebote nur sehr verschwommene Hinweis geben, wie man in konfliktträchtigen und unübersichtlichen Situationen zu urteilen und zu handeln habe. Die Ethik der Erkenntnis heisst uns grösseren Respekt vor ehrlich eingestandenen Zweifeln als vor unzureichend begründeten Überzeugungen zu haben. So kann der Respekt vor der Wahrheit paradoxerweise zu einer Schwächung unserer moralischen Entschlossenheit im handeln führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher wird die Herausbildung eines neuen Typus des Intellektuellen  sensibel gegenüber Leiden und Unrecht, bereit zum Protest gegen Verfolgungen und Ungerechtigkeit, dabei aber Individualist und Skeptiker, der niemals als Apostel der Einen Wahrheit auf die Fähigkeit zum kritischen Denken und Zweifeln verzichtet  ganz gewiss ein schwieriger Wandlungsprozess, der unter dem Beschuss der Anwälte diverser heiliger Werte verlaufen wird. Sie werden dieser Haltung moralischen Relativismus vorwerfen und nachzuweisen versuchen, wie nutzlos solche Weicheier seien, die sich auf Vorbehalte und Zweifel, auf all diese verschiedenen &quot;Aber&quot; spezialisiert hätten, wo die Menschen doch vor allem des Gefühls eines kollektiven Sinnes bedürften  und dessen Quellen könnten allein Glaube und Tradition sein. .&lt;/div&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;small&gt;&lt;i&gt;&lt;b&gt;&lt;/b&gt;&lt;/i&gt;&lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4758878/&quot;&gt;Jerzy Jedlicki &quot;Die entartete Welt&quot;&lt;/a&gt;; Denken und Wissen  Eine polnische Bibliothek - Suhrkamp 2008, S. 293f&lt;/small&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-04T19:49:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4516599/">
    <title>Wörter...</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4516599/</link>
    <description>Manchmal vermag ein Wort tatsächlich sehr viel zu sagen. Beispielsweise über eine Gesellschaft und deren Sorgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Deutschland wurde heute das &quot;Wort des Jahres 2007&quot; von der &quot;Gesellschaft für deutsche Sprache&quot; bekanntgegeben (ermittelt?): &lt;b&gt;Klimakatastrophe&lt;/b&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich könnte schwören, einige Nachrichtenquellen hätten &quot;Klimawandel&quot; genannt, aber ich täusche mich vermutlich. Dieses Wort ist wohl zu neutral, zu wenig effekthascherisch. Für Deutschland muss es immer auch ein bisschen deutlicher sein. Da passt &lt;b&gt;Klimakatastrophe&lt;/b&gt; genau. Es bezeichnet nicht nur die augenblickliche Stimmung zu diesem Thema im medialen Zirkus, sondern ist auch gleichzeitig wertend; keinen Widerspruch duldend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das an sich wäre noch nicht wichtig. Wenn nicht heute auch in der Schweiz das &quot;Wort des Jahres&quot; gekürt worden wäre. Und das heisst nun - für den normalen Deutschen, der sich mit der Schweiz so gut wie nie befasst, vollkommen unverständlich: &lt;b&gt;Sterbetourismus&lt;/b&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch &lt;b&gt;Sterbetourismus&lt;/b&gt; spiegelt eine Diskussion wieder, die in der Schweiz stattgefunden hat. Nämlich dass es u. a. Deutsche gibt, die in die Schweiz kommen, um die Hilfe von sogenannten (kommerziellen) &quot;Sterbehelfern&quot; in Anspruch zu nehmen. Für die Schweiz, die vom Tourismus nicht unwesentlich profitiert, ist ein solcher Tourismus eher peinlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal abgesehen von den jeweiligen Diskussionen: Wäre es möglich, dass in der Schweiz irgendwann einmal das Wort &lt;b&gt;Klimakatastophe&lt;/b&gt; &quot;Wort des Jahres&quot; würde? Und umgekehrt das Wort &lt;b&gt;Sterbetourismus&lt;/b&gt; in Deutschland? Ich glaube nicht. Und das sagt auch etwas über diese Länder aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Österreich lässt man sich mit dem &quot;Wort des Jahres&quot; Zeit bis zum 31.12. Ich bin gespannt.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2007-12-07T21:20:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4453153/">
    <title>Schizophrenes Rollenspiel</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4453153/</link>
    <description>Gestern hat wenigstens einer einmal dieses unsäglich dumme Geschwätz von der &quot;Tarifautonomie&quot; im Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn AG und der GDL angekratzt. In einem Interview mit Verkehrsminister Tiefensee konstatierte Claus Kleber im &quot;heute journal&quot;, als Tiefensee seinen üblichen Sermon wieder abspulen wollte, dass in diesem Fall die Bundesregierung (als Vertreter für die Bundesrepublik Deutschland) ja selber Tarifpartei sei, also die gesetzlich geregelte Tarifautonomie, die den Staat bei Tarifverhandlungen zur Neutralität verpflichtet, gar nicht gelte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider hakte Kleber nicht &lt;i&gt;sachlich&lt;/i&gt; nach, als der Minister dann seine Nebelkerzen wieder zündete, sondern versuchte sich mit der Frage zu profilieren, warum er, Tiefensee, als Minister eigentlich noch nicht zurückgetreten sei. Und irgendwann fiel dann wieder das &quot;T&quot;-Wort und niemand scherte es mehr (vermutlich, weil die Zeit für das Gespräch abgelaufen war).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich reicht es, eine unrichtige Aussage nur lange genug zu wiederholen, damit sie nicht mehr von deutschen Journalisten befragt wird. Statt sich in präzisem Nachhaken zu üben, hüpft man zum anderen Punkt auf der Liste und klopft dann auch schon mal einen markigen Spruch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mich hätte beispielsweise interessiert, warum der Mehrheitsaktionär eines Unternehmens, dessen gewählte Repräsentanten gelobt haben, Schaden vom Volk abzuwenden, bei einem derartigen volkswirtschaftlichen Schaden nicht wenigstens moderierend eingreift, sondern sich in ein schizophrenes Rollenspiel flüchtet, nur um die Gallionsfigur (Mehdorn) nicht zu beschädigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder ist es einfach nur  Inkompetenz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;small&gt;Leider habe ich in der Mediathek des ZDF das Interview nicht als Einzelfilm gefunden. Man muss wohl die gesamte Sendung anschauen.&lt;/small&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-16T09:51:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4244387/">
    <title>Blaming the victim</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4244387/</link>
    <description>David Harnasch, ein Juniorschreiber der Achse des Blöden, nimmt seinen Schmähartikel auf den angeblich bloggenden Murat Kurnaz nach der Enttarnung dieses Blogs als Fälschung nicht etwa vom Netz, sondern fügt lapidar hinzu, dass er zur Recherche, ob denn das Blog tatsächlich von Kurnaz stamme, &lt;i&gt;keine Zeit&lt;/i&gt; gehabt habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist natürlich unlogisch. Hätte er, &lt;a href=&quot;http://www.stefan-niggemeier.de/blog/murat-kurnaz-bloggt-nicht/&quot;&gt;wie Stefan Niggemeier empfiehlt&lt;/a&gt;, recherchiert, hätte er sich das anschliessende geifernde Wortgetümmel ganz sparen können. Aber genau das wollte Harnasch offensichtlich nicht. Es kam ihm gar nicht darauf an, die Authentizität des Blogs zu erfragen (trotz seines Satzes in Parenthese). In wunderbarer Art und Weise bot ihm das gefälschte Blog Anlass, seinen latenten Hass auf Kurnaz abzulassen. Psychologen bezeichnen dieses Phänomen als &quot;blaming the victim&quot;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Harnasch befindet sich damit übrigens in bester (deutscher) Tradition. Auch Altnazis nach dem Krieg machten weniger den Urhebern der Katastrophe Vorwürfe (hier fanden sie allerhand Entlastendes; auch Selbst-Entlastendes), sondern den Verfolgten, die die Barbarei (oftmals nur durch ein Wunder) überlebten. Sie fühlten sich von diesen Davongekommenen geradezu beleidigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber gemach: Man sollte, ja muss mit den Anhängern des primitiven Bushismus, die ihre kruden Weltverschwörungstheorien im aufklärerischen Mäntelchen der westlichen Wertevermittlung präsentieren, Mitleid haben. Man sollte ihre Schmähungen, Unwahrheiten, Verdrehungen, politischen &quot;Unkorrektheiten&quot; und peinlichen Affekte geduldig archivieren. Man sollte ihnen ansonsten medial aus dem Weg gehen; das Lesen von Markwort- und Schönbohm- Laudationes dringend unterlassen; Klimaskeptikerskeptiker-Artikeln in &quot;Qualitätsmedien&quot; meiden  und mit der gewonnenen Zeit beispielsweise schöne Reisen machen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren sollte man dann die Archive wieder öffnen und sie einfach nur zitieren. Jens Jessen hat dies neulich schon in einem sehr stupenden Artikel in der ZEIT gemacht (&quot;&lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2007/35/Irakkrieg-Intellektuelle?page=all&quot;&gt;Der Krieg der Worte&lt;/a&gt;&quot;  und die &lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2007/35/Irakkrieg-Zitate?page=all&quot;&gt;Zitatensammlung&lt;/a&gt; dazu). Der Unterhaltungswert ist enorm; etliche der zitierten müssten sich eigentlich für ihre Lügen und Unterstellungen in Grund und Boden schämen. Schlechte Erziehung und selektive Wahrnehmung verhindern dies wohl. Und irgendwie erwartet man es auch nicht anders.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2007-09-09T15:01:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4178320/">
    <title>Die Mitschuld des Zuschauers</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4178320/</link>
    <description>Am 8. und 15. August brachte die ARD um 22.45 Uhr eine zweiteilige Dokumentation mit dem etwas martialischen Titel &lt;a href=&quot;http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/tips/111983/index.html&quot;&gt;&quot;Blut und Spiele&quot;&lt;/a&gt;. Die drei Autoren (neben Freddie Röckenhaus auch Petra Höfer und Francesca D&apos;Amicis) führten dort auf beeindruckende Weise vor, wie auch der Sport im &quot;westlichen Lager&quot; mit Doping durchdrungen war (und vermutlich noch ist). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Aufrüstung der USA&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Teil beschäftigte sich der Film ausführlich mit der US-amerikanischen Leichtathletik, die seit Mitte der 80er Jahre mit dem staatlichen osteuropäischen Doping aufgeschlossen hatte. Es werden Dokumente gezeigt, die belegen, dass mehrere Wochen vor den Olympischen Spielen 1988 in Seoul zahlreiche US-Athleten bei den &quot;Trails&quot; positiv gedopt waren. Die eiligst vorgenommene Amnestie (&quot;Exucse&quot;) hatte auch zur Folge, dass diese Resultate verschwanden. Die Athleten nahmen an den Olympischen Spielen teil; zahlreiche Olympiasieger und Medaillengewinner unter ihnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den inkriminierten Sportlern gehört auch Carl Lewis. Ausgerechnet er, der nach der Disqualifikation von Ben Johnson im 100 m-Lauf die Goldmedaille zugesprochen bekam. Im weiteren Verlauf des Berichtes wird gezeigt, dass nur einer der acht Endlaufteilnehmer des 100 m-Herren-Finales von Seoul niemals mit Doping in Kontakt gekommen ist. Warum ausgerechnet Ben Johnson erwischt wurde  auch das wird thematisiert. Zumal Johnson mit einem Mittel überführt wurde, welches er  nach übereinstimmenden, freimütigen Aussagen seines damaligen Managers und Arztes  niemals genommen hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlreiche Zeugen aus der amerikanischen Leichtathletik-Szene kommen zu Wort und berichten in einer nie gesehenen Offenheit. Ins Visier gerät Florence Griffith-Joyner, die in sehr frühem Alter unter mysteriösen Umständen starb (ihr 100 m-Weltrekord dürfte für immer unerreicht bleiben), aber auch Marion Jones. Der ehemalige Doping-Händler Victor Conte gibt freimütig Auskunft über seine Kunden, über Produkte, Mengen und Trainingspläne. Ein US-Kugelstosser und die (Ex-)Doppelweltmeisterin Kelli White, die später des Dopings überführt wurde und gestand, komplettieren das Bild eines flächendeckenden Dopings. Es ist, so der Tenor des Films, nicht der so häufig beschworene Einzelfall  es handelt sich um systematisches Doping mit Wissen der entsprechenden Verbände. US-Sportler wurden sogar von IOC-zugelassenen Labors vor entsprechenden Meisterschaften vorgetestet  um nur ja nicht bei den entsprechenden Wettbewerben aufzufallen. Die positiven Ergebnisse verschwanden in den Archiven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Auch der Fussball ist längst nicht mehr dopingfrei&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Teil dreht es sich hauptsächlich um den Radsport und die Blutdopingaktivitäten des ominösen Arztes Fuentes. Die Autoren fragen unter anderem warum ein spanischer Richter den Ermittlern nach wie vor verbietet, die bei Razzien beschlagnahmten Computer zu untersuchen. Die These: Fuentes&apos; Verwicklungen reichen auch in den italienischen und spanischen Fussball hinein. Am Rande wird über den Prozess um &lt;a href=&quot;http://www.fussball-berichte.de/fussball_nachrichten_details3232.htm&quot;&gt;Juventus Turin&lt;/a&gt; herum &lt;a href=&quot;http://www.faz.net/s/RubFF9A99DD616D4AA19EB6C911D32E4E59/Doc~EC880043A02F141C8A63DB70A4F9E979A~ATpl~Ecommon~Scontent.html&quot;&gt;berichtet&lt;/a&gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich gibt es viele kämpferische und appellative Stellungnahmen von Dopingjägern. Aber die Ernüchterung bleibt. Auch der Zweifel, diesem Treiben jemals Herr zu werden  und falls doch, zu welchem Preis? Erhellend an dieser Dokumentation ist aber auch, dass der Zuschauer mit in die Verantwortung gezogen wird. Auch er wird in gewisser Weise für das Geschehen mitverantwortlich gemacht. Wie Freddie Röckenhaus im Interview in &lt;a href=&quot;http://www.3sat.de/webtv/?kuz_070815_roeckenhaus_16zu9.rm&quot;&gt;&quot;Kulturzeit&quot;&lt;/a&gt; erwähnt, besteht durchaus eine Bereitschaft beim Publikum, von allzu vielen Details &quot;verschont&quot; zu bleiben, damit die Mythen weiter gesponnen werden können und es auch weiterhin die &quot;grossen Emotionen&quot; und Märchenstorys gibt. Der Jubel um immer neue Weltrekorde ist fatal  denn die physische Leistungsgrenze des Menschen muss irgendwann erreicht sein  -Trainingsmethoden oder Ausrüstung hin oder her.        &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Freigabe oder Repression? - Was ist überhaupt &quot;Doping&quot;?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was also tun? Die Freigabe aller bisher verbotenen Mittel? Oder ist dies das falsche Signal? Alle Argumente, die insbesondere &lt;a href=&quot;http://kwakuananse.twoday.net/stories/3760627/&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; dagegen ausgeführt wurden, konnten mich nicht vollständig überzeugen. Matthias Heitmann schreibt in einem Artikel für die neueste Ausgabe von &lt;a href=&quot;http://www.novo-magazin.de/89/novo8911.htm&quot;&gt;&quot;Novo&quot;&lt;/a&gt;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Wo liegen die Ursachen dafür, dass zwischen verschiedenen Arten der Leistungssteigerung so vehement unterschieden wird? Man könnte es sich leicht machen und sagen, der Unterschied läge darin, dass einige verboten seien und andere nicht. Doch das ist zu einfach. Regeln haben dann einen Sinn, wenn sie ein konkretes Ziel verfolgen und sich gleichzeitig an lebensweltlichen Wirklichkeiten und klar bestimmbaren Unterschieden orientieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Ziele werden mit dem Dopingverbot verfolgt? Ein sauberer, gerechter sportlicher Wettbewerb, sagen manche. Doch ist es gerecht, wenn manche Sportler, da sie die finanziellen Mittel dazu haben, in Hightech-Labors trainieren können und andere nicht? Ist es fair, große Menschen gegen kleine antreten zu lassen? Warum gilt jemand, der sich zweimal im Jahr ein intensives Höhentraining leistet, um im Flachland bessere Leistungen zu bringen, als natürlicher und ehrlicher als jemand, der sich Eigenblut  also nicht einmal etwas Körperfremdes  injiziert? Sind Gebirgsbewohner eigentlich immer gedopt? Wo liegt die angeblich so klare Grenze zwischen Vitamin-C-Präparaten und Epo, die viele dazu bringt, das eine zu nehmen und gleichzeitig das andere zu verteufeln? Ob ich mir Hilfsmittel in die Blutbahn spritze oder sie nur auf dem Körper trage  wo liegt der moralische Unterschied? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doping sei ungesund, argumentieren andere. Das mag stimmen. Andererseits üben Leistungssportler ihren Sport nicht aus, um gesund zu bleiben. Sie verbrauchen ihren Körper, um Ziele zu erreichen. Körperkraft ist Mittel zum Zweck. Ist die Leistung erbracht, ist der Körper nicht selten ein Wrack, der Mensch aber oft ein Held.&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heitmann wird sehr deutlich, was das moralische Argument angeht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Die moralische Ablehnung von Doping erklärt sich nicht dadurch, dass jemand offensichtlich gegen eine klar umrissene Spielregel verstoßen hat. Sie rührt vielmehr von einem sehr seltsamen Verständnis dessen her, was als natürliche oder menschliche Leistung angesehen wird. Dabei macht doch menschliche Leistung  und menschliches Leben insgesamt  gerade aus, dass natürliche Grenzen beständig durchbrochen werden. Wenn Doping als willentlich herbeigeführte unnatürliche Leistungssteigerung definiert würde, wären wir alle überführt. Doch die Definition ist viel banaler, denn sie existiert nicht: Doping ist, was auf der Liste eines Sportverbandes steht.&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Welchem Zweck dient der Sport in unserer Gesellschaft? &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So oft man diese Argumentation vertritt, kommt man schnell in den Geruch, den Sport &quot;kaputt&quot; machen zu wollen. Aber wer macht den Sport denn jetzt kaputt? Ist die jetzige Situation für denjenigen besser, der nicht gedopt hat? Wird er sich nicht irgendwann resigniert zurückziehen oder eben einfach mitmachen? Was ist  auch dieses Problem wird in &quot;Blut und Spiele&quot; angesprochen  wenn irgendwann das &quot;Gen-Doping&quot; kommt? Die Veränderung ist dann irreversibel und wird nur noch ein einziges Mal durchgeführt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einerseits. Und andererseits: Wollen wir einen Sport mit Mutanten? Sicherlich nicht. Aber wer sagt denn, dass wir so etwas nicht längst schon haben? Schwimmer, die in ihrem Körper Luftpolster tragen? Beispielsweise. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn, wie oben angesprochen, der Zuschauer eine Mitschuld an der Entwicklung trägt (und es auch nur durch eine Verdrängungskultur) - was sagt dies über den Stellenwert des Sports in der Gesellschaft aus? Dient er überhaupt noch dem hehren Ziel einer &quot;Gesundheit&quot; oder &quot;körperlichen Ertüchtigung&quot;? Oder sind die Sportler schon längst die modernen Gladiatoren des 21. Jahrhunderts?    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles spricht vorerst dafür, dass die Medien wieder zur Tagesordnung zurückkehren werden. Es gab bei der Tour de France einige Bauernopfer. Bei der Live-Berichterstattung zur &quot;Deutschland-Tour&quot; gab es keinerlei kritische Töne mehr  obwohl sich an den Parametern nichts verändert hat. Die Durchschnittsgeschwindigkeiten der Spitzenfahrer lag deutlich über 40 km/h. Und das soll nur vom Nudelessen kommen?

&lt;hr /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;big&gt;&lt;b&gt;ERGÄNZUNG&lt;/b&gt;: Die Manuskripte der Sendungen als PDF-Dateien (jeweils ca. 160 kB) kann man anfordern unter inland@wdr.de&lt;/big&gt;
&lt;hr /&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Splitter</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Gregor Keuschnig</dc:rights>
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  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4121852/">
    <title>Alles Käse</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4121852/</link>
    <description>Seit einigen Tagen wird der zu erwartende Anstieg bei Milch und Milchprodukten unter anderem auch eine erhöhte Nachfrage für diese Produkte aus Asien  speziell aus China  angeführt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soeben meldete immer noch die ZDF-&quot;heute&quot;-Sendung davon (&lt;a href=&quot;http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/20/0,1872,5579380,00.html&quot;&gt;&quot;Andererseits steigt die Milchnachfrage in Schwellenländern wie China.&quot;&lt;/a&gt;)  und auch die Tagesschau schloss sich dem Tenor der Meldung an. Von der &quot;Bild&quot;-Zeitung ist man ja nichts anders gewöhnt. Und die &quot;FTD&quot; erklärt, dass &lt;a href=&quot;http://www.boerse-online.de/tools/ftd/2230808.html&quot;&gt;Chinesen mit Käse keine Probleme&lt;/a&gt; hätten. Das Gegenteil ist der Fall. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun, es wird seit langer Zeit versucht, bei der Ernährung von Kindern auch in Asien Milch und Milchpulver ins Geschäft zu kommen. Den Eltern wird versprochen, die Kinder würden besser wachsen und eher &quot;westliche&quot; Längen erreichen. Die Erfolge sind jedoch eher mässig. Denn in Asien (speziell in China) ist die &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Laktoseintoleranz&quot;&gt;Laktoseintoleranz&lt;/a&gt; sehr weit verbreitet. In China sind beispielsweise ca. 93% der Bevölkerung nicht in der Lage, Milch oder Milchprodukte ohne gesundheitliche Schäden zu konsumieren. Die Karte der Wikipedia illustriert das deutlich (je dunkler die Felder, je höher die Laktoseintoleranz in den entsprechenden Regionen):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Weltweite Verteilung Laktoseintoleranz   c Wikipedia&quot; height=&quot;206&quot; alt=&quot;Weltweite Verteilung Laktoseintoleranz   c Wikipedia&quot; width=&quot;400&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Weltweite-Verteilung-Laktoseintoleranz-c-Wikipedia.png&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der fast schon affektartige Reflex, ökonomische Nachfrage oder Verknappungen von Produkten mit einem Boom von China und/oder Indien zu verkoppeln, dürfte hier also in keinem Fall zutreffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hier dürfte schreibt also wieder einmal einer vom anderen ab. Der Milchwirtschaft gefällt&apos;s: Die &quot;Schuld&quot; für höhere Preise wird delegiert. Wieder mal sind es die Chinesen. Und kein Wissenschaftsjournalist fragt mal</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Gregor Keuschnig</dc:rights>
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