<?xml version="1.0" encoding="UTF-8" standalone="yes"?>
<?xml-stylesheet href="http://begleitschreiben.twoday.net/rss2html.xsl" type="text/xsl"?>
<rdf:RDF 
  xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" 
  xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
  xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
  xmlns:cc="http://web.resource.org/cc/"
  xmlns="http://purl.org/rss/1.0/"
> 

  <channel rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/">
    <title>Begleitschreiben (&quot;Denken ist vor allem Mut...&quot; (Ludwig Hohl)) : Rubrik:Peter Handke</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/</link>
    <description>&quot;Denken ist vor allem Mut...&quot; (Ludwig Hohl)</description>
    <dc:publisher>Gregor Keuschnig</dc:publisher>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:date>2009-08-20T20:03:00Z</dc:date>
    <dc:language>en</dc:language>
    <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
    <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
    <sy:updateBase>2000-01-01T00:00:00Z</sy:updateBase>
    
    <image rdf:resource="http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/icon.jpg" />
    <items>
      <rdf:Seq>
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5872998/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5600766/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5406504/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5236035/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4873932/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4729011/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4689420/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4413433/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/3320688/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/3100006/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2556374/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2504464/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2460962/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2194004/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2090161/" />

      </rdf:Seq>
    </items>
  </channel>

  <image rdf:about="http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/icon.jpg">
    <title>Begleitschreiben</title>
    <url>http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/icon.jpg</url>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/</link>
  </image>

  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5872998/">
    <title>&quot;Es gibt keine Idyllen in dieser Welt. Nirgendwo.&quot;</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5872998/</link>
    <description>&lt;a href=&quot;http://www.salzburg.com/online/thema/thema+festspiele/Alle-Texte-sind-Ausdruck-meines-Nicht-Gelingens-.html?article=eGMmOI8V5MBHtbQi6SzzyAFBXeB1PuU2OBGAUpF&amp;img=&amp;text=&amp;mode=&amp;&quot;&gt;Schönes Interview mit Peter Handke in den &quot;Salzburger Nachrichten&quot; (SN).&lt;/a&gt;*

&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt; &lt;b&gt;SN:&lt;/b&gt; Wünschten Sie sich, manchmal etwas oberflächlicher wahrgenommen zu werden? &lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Handke:&lt;/b&gt; &lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Ja, Sie haben recht. Ich würd mir wünschen, dass einige meiner Stücke als Boulevard stücke wahrgenommen werden. &lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;SN:&lt;/b&gt; Passiert aber nicht. Vielleicht auch, weil Sie ja so ein Art Heiligkeit umgibt, der Dichter jenseits von jedem, der im Wald um Paris Schwammerl sucht, sich manchmal provokant zu Wort meldet. Das ist doch nicht schön, nur so  als Schwieriger  wahrgenommen zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Handke:&lt;/b&gt; &lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Natürlich ist es ein Dilemma heutzutage für einen, der ernsthaft Literatur schreibt, Träume formuliert, vielleicht wirke ich da manchmal nicht so ernsthaft, sondern etwas flapsig, aber die Frage ist tatsächlich immer schwieriger zu beantworten: Wo habe ich meinen Platz als Schreiber? Es ist eine schwierige Situation, ein Dilemma, das nie größer war als in dieser Zeit.&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;SN:&lt;/b&gt; Woran liegt das?&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Handke&lt;/b&gt;: &lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Wir werden immer in ein bisschen ein seltsames Licht gerückt. Und das ist ja auch normal. Aber die meisten Schriftsteller und Schreiber sind ja längst unglaublich tüchtige Bankiers und Produzenten und Regisseure und auch die Conferenciers ihrer selbst. Ich hab das schon auch zwischendurch ein paar Mal versucht zu machen, Aber ich hab bemerkt: Ich bin da nicht gut darin. &lt;/font&gt;&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;

Irgendwann am Ende wird es dann ein bisschen Ernst:

&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt; &lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Es gibt keine Idyllen in dieser Welt. Nirgendwo. [] Nie hats Idylle gegeben. Nie. Es gibt vielleicht Atemräume für einen Moment. Und es ist vielleicht ein Vorteil, einen Garten zu haben, um dort lesen zu können. Aber es hat nichts mit Idylle zu tun. Der Garten kann Ort es größten Dramas sein oder des schönsten Dramas. Vielleicht gibts solche Momente, wenn der Wind durch die Kastanien geht. Aber Idylle ist das nicht. Vielleicht ein Aufatmen und dann denkt man: Jetzt ist jetzt. Das ist ja eine Gabe, das sagen zu können. &lt;/font&gt;&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;

Etwas über Handkes in Salzburg gespieltes Stück: &lt;a href=&quot;http://www.glanzundelend.de/Artikel/handketag.htm&quot;&gt;&quot;Bis daß der Tag Euch scheidet oder Eine Frage des Lichts&quot;&lt;/a&gt;. Und &lt;a href=&quot;http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/sitegen.php?tab=2&amp;source=/kulturzeit/specials/136513/index.html&quot;&gt;hier die Besprechung aus &quot;Kulturzeit&quot; von 3sat.&lt;/a&gt;

&lt;hr /&gt;
&lt;small&gt;*&lt;a href=&quot;http://www.salzburg.com/nwas/index.php?channel=nachrichten&amp;section=kultur&quot;&gt;Salzburger Nachrichten&lt;/a&gt;, 11. August 2009, Seite 10; Interview mit Bernhard Flieher&lt;/small&gt;
&lt;hr /&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2009-08-12T07:47:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5600766/">
    <title>Bemerkungen zu Peter Handkes &quot;Die Kuckucke von Velika Ho&#269;a&quot;</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5600766/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Peter Handke Die Kuckucke von Velika Hoca&quot; height=&quot;314&quot; alt=&quot;Peter Handke Die Kuckucke von Velika Hoca&quot; width=&quot;200&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Peter-Handke-Die-Kuckucke-von-Velika-Hoca.jpg&quot; /&gt;Naturgemäss findet Peter Handkes neuestes Buch &quot;Die Kuckucke von Velika Ho&#269;a&quot; weder annährend die Aufmerksamkeit noch die fast einhellige Zustimmung wie sein letztes Prosabuch &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4689420/&quot;&gt;&quot;Die morawische Nacht&quot;.&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint fast ein Gesetz zu sein: Immer wenn Handke Bücher mit der &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5236035/&quot;&gt;Problematik des Zerfalls seines Arkadien (= Jugoslawien)&lt;/a&gt; als Zeugenbericht in der Ich-Form schreibt und Dichter und Erzähler verschmelzen (oder beinahe verschmelzen), scheint ein &quot;Skandal&quot; (also das, was man dafür hält) in der Luft zu liegen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &lt;a href=&quot;http://mp3.swr.de/swr2/journal/interviews/260533.6444m.mp3&quot;&gt;ARD-Korrespondent Andreas Meyer-Feist lässt sich zum Buch im SWR2&lt;/a&gt; befragen. Bemerkenswert, denn so ganz genau scheint er es nicht gelesen zu haben, etwa wenn er behauptet, es handele auch von den Kuckucken, die im Dorf &quot;früher dort zu hören&quot; gewesen wären und jetzt  durch die Klimaerwärmung  nicht mehr. In Wirklichkeit ist Handkes Beobachtung genau anders: Gerade dort, in Velika Ho&#269;a, sind diese Vögel noch zu hören (die Symbolik dahinter streift Meyer-Feist nur am Rande). &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Rajika&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;Rajika&quot; width=&quot;144&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Rajika.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Auch Meyer-Feists Vorwurf, Handke mache genau das, was er anderen Reportern vorwerfe, ist absurd: Fast das Gegenteil ist der Fall, wenn Handke eben genau auch wie die von ihm nach wie vor ambivalent empfundenen Journalisten plötzlich das Wort &quot;angeblich&quot; verwendet  aber genau nicht, um Äusserungen von Zeugen zu relativieren oder gar zu diskreditieren, sondern wenn er Gesagtes schlichtweg nicht bezeugen kann.      &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine interessante Besprechung findet sich in der &lt;a href=&quot;http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/der_balkan_im_fruehling_1.2190927.html&quot;&gt;Neuen Züricher Zeitung von Beqë Cufaj&lt;/a&gt;. Der Rezensent versteht Handke wie er es gerne möchte, moniert, was dieser nicht gesehen habe und versteift sich am Ende zu der reichlich kühnen Aussage, dass &quot;mit der Unabhängigkeit Kosovos der Balkankonflikt entschärft scheint&quot;. &lt;a href=&quot;http://www.sueddeutsche.de/257381/646/2793941/Die-Kino-Klappsitze-im-Container-Rambouillet.html&quot;&gt;Lothar Müller abstrahiert immerhin in der &quot;Süddeutschen Zeitung&quot;&lt;/a&gt; den Ich-Erzähler des Buches von Handke, macht aber kaum mehr als eine Inhaltsangabe des Buches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer dezidierten Besprechung in der &lt;a href=&quot;http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~E54A76B25EAA6408BA9DC36B1804122BB~ATpl~Ecommon~Scontent.html&quot;&gt;&quot;Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung&quot; sieht Michael Martens&lt;/a&gt; Handke in einer unbewussten (!) &quot;weithin unbekannten (beziehungsweise schon vor Generationen wieder vergessenen) Tradition einer schwärmerischen deutschsprachigen Serbienliteratur.&quot; Martens&apos; Quintessenz des Buches &quot;Handke erzählt allein von sich&quot; greift allerdings zu kurz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Besprechung (die erste) findet sich im &lt;a href=&quot;http://derstandard.at/?url=/?id=1234508916772%26_seite=2%26sap=2&quot;&gt;&quot;Standard&quot; (Stefan Gmünder)&lt;/a&gt;, wobei der Autor Handke an dessen Essay &quot;Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms&quot; erinnert und fast entrüstet anmahnt, Handke solle sich doch an sein damaliges Diktum, welches eine dezidiert politische Literatur ablehnt, halten. (Die anschliessende Diskussion zeigt das Dilemma, wenn Leute aufgrund von Sekundärliteratur ihre Urteile fällen.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach ja, und dann hier noch ein Versuch einer Darstellung des Buches: &lt;a href=&quot;http://www.glanzundelend.de/Artikel/handkekuckucke.htm&quot;&gt;&quot;Kuckuckskonzil&quot;&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2009-03-23T10:21:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5406504/">
    <title>Augen auf...</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5406504/</link>
    <description>&lt;div style=&quot;border:3px solid #0000FF; padding: 5px;&quot;&gt;Augen auf, du bist allein: im Bahnhof von Brighton die saalartige unterirdische Toilette, traumgroß, traumleer, dazu der Mosaikboden, und draußen der Vollmond; Augen auf: die vielen Rothaarigen im letzten Zug zurück nach London, und zuvor, Augen auf: die, wir, paar Alleinigen in der letzten Kinovorstellung, am Nachmittag des Weihnachtsabends in B., Frauen fast nur, und nach dem Film die Kassen des Kinos schon mit Hüllen drüber&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;small&gt;&lt;i&gt;Peter Handke: &quot;Gestern unterwegs&quot;; undatiert, aber Weihnachten 1988 zuzuschreiben&lt;/i&gt;&lt;/small&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;

&lt;div style=&quot;border:3px solid #0000FF; padding: 5px;&quot;&gt;Heute war der erste Morgen, an dem ich aufwachte und bis zum Aufstehen einige Minuten zubrachte, ohne direkt daran zu denken, daß ich würde sterben müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;small&gt;&lt;i&gt;Aleksandar Tima, Tagebücher, aus: Schreibheft Nr. 71; unter dem Datum des 25.12.1994&lt;/i&gt;&lt;/small&gt;&lt;/div&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-12-25T11:09:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5236035/">
    <title>Fabjan Hafner: Peter Handke - Unterwegs ins Neunte Land</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5236035/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Fabjan Hafner   Peter Handke unterwegs ins Neunte Land&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;Fabjan Hafner   Peter Handke unterwegs ins Neunte Land&quot; width=&quot;245&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Fabjan-Hafner-Peter-Handke-unterwegs-ins-Neunte-Land.jpg&quot; /&gt;Mit seinem Buch &quot;Peter Handke  Unterwegs ins Neunte Land&quot; möchte Fabjan Hafner aufzeigen, dass das Slowenische bei Peter Handke mehr als nur eine Beschäftigung mit seinen Ahnen ist, sondern &lt;i&gt;nichts weniger als ein Lebensthema &lt;/i&gt;, ja der &lt;i&gt;Generalbaß im Gesamtwerk&lt;/i&gt; des Dichters. Slowenien ist &lt;i&gt;Sehnsuchtsort&lt;/i&gt;, (s)ein &lt;i&gt;Utopia sui generis&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;bukolisches Traumland&lt;/i&gt;. Die gesamte mütterliche Verwandtschaft Handkes gehörte der Minderheit der Kärntner Slowenen an. Besonders der Grossvater, Gregor Siutz (slowenisch: Sivec) und dessen gleichnamiger Sohn sind Lichtgestalten in Handkes Kindheit und Jugend und bleiben darüber hinaus prägend. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hafner betont zwar wiederholt, dass Handke selber eine biografische Deutung seiner Erzählungen (insbesondere seiner Slowenien-Rekurse) ablehnt, konzidiert dann jedoch, dass die &lt;i&gt;lebensgeschichtliche Lesartergiebiger&lt;/i&gt; sei als die intertextuelle. 1942 wurde Peter Handke in Altenmarkt (bei Griffen) in Südkärnten geboren. 1944 geht die Familie nach Berlin (in den Ostteil der Stadt); Handkes Stiefvater (es stellte sich für Handke erst später erst heraus, dass es sein Stiefvater war) kam aus Berlin. 1948 zurück, hat der kleine Handke das Slowenische vollkommen vergessen und spricht &quot;hochdeutsch&quot;, was im Dorf als abgehoben empfunden wird. Er kann sich mit den Einheimischen, wie auch dem Grossvater nur schlecht verständigen; ihren Dialekt versteht er nicht. Hieraus rührt  so Hafner  Handkes generelle Ablehnung des Dialekts gegenüber. Die Familie ist in mehrfacher Hinsicht &quot;am Rand&quot;, der junge Handke &lt;i&gt;doppelt unzuhause&lt;/i&gt;: Geografisch bewohnt die Familie einen Hof am Dorfrand; es sind &quot;einfache Verhältnisse&quot;. Gesellschaftlich sind sie Kärntner Slowenen, also eine Minderheit, andererseits stammt der Mann der Mutter aus Deutschland. In der Familie dient (wie auch unter den &quot;österreichischen Kärntnern&quot;) das Slowenische als eine Art &lt;i&gt;Geheimsprache&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handke ist Aussenseiter. Zwischen dem Grossvater, der weitgehend Vaterersatz wird (Handke &quot;überspringt&quot; sozusagen zeitweise eine Generation) und seinem Enkel lockert sich &lt;i&gt;das sprachliche Band&lt;/i&gt;; Handkes Schriftsprache ist das Deutsche geworden. Die Internatszeit in Tanzenberg wird von Handke selber rückwirkend sehr negativ betrachtet; er ist dort ebenfalls &lt;i&gt;heimatlos&lt;/i&gt;. In der Gruppenbildung &quot;Deutschkärntner&quot; versus &quot;Slowenen&quot; (Hafner weist interessanterweise darauf hin, dass niemand auf den Gedanken kommt, statt &quot;Slowenen&quot; die Bezeichung &quot;Slowenenkärntner&quot; zu verwenden) findet Handke keinen Platz. Er nimmt dort den Unterricht in slowenischer Sprache wieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Hinwendung zum Slowenischen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach rund einem Viertel des Buches beginnt Hafner mit der Werkbesprechung, in dem er Buch für Buch (allerdings nicht alle) auf das slowenische Thema hin abhandelt. Handkes erste Bücher können zunächst durchaus als Absonderung seiner Herkunft gegenüber gelesen werden. Dennoch schimmert die Auseinandersetzung mit &quot;dem Slowenischen&quot; als &lt;i&gt;durchgängiges Lateralphänomen&lt;/i&gt; auch in seinem Erstling &quot;Die Hornissen&quot; durch. Hafner entwickelt dies durchaus überzeugend. Indem Handke Kindheitsbilder aneinanderreiht (das Hornissen-Symbol steht für die Bomberflugzeuge, die Handke als Kind wahrgenommen hat), ist die Motivlage fast vorgegeben, obwohl sich der junge Schriftsteller zunächst als Sprachspieler und kritiker geriert und &lt;i&gt;Lust am Experiment&lt;/i&gt; zeigt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine verstärkte Hinwendung &quot;zum Slowenischen&quot;, eine Art &lt;i&gt;Vorfahrenvergegenwärtigung&lt;/i&gt;, beginnt mit der Erzählung &quot;Wunschloses Unglück&quot; (1972), in der Handke über seine Mutter und deren Freitod erzählt. Eingehend werden die Bücher seiner &quot;Langsame Heimkehr&quot;-Tetralogie abgeklopft. Die Bücher bis Anfang der 80er Jahre (inklusive &quot;Die Geschichte des Bleistifts&quot;) subsumiert Hafner (weitgehend treffend) unter der Kapitelüberschrift &lt;i&gt;Aufbruch heimwärts&lt;/i&gt;. Ende der 70er Jahre beginnt Handke mit der Übersetzung zweier Bücher aus dem Slowenischen. Zunächst Florjan Lipu&apos; &quot;Der Zögling Tja&quot; (zusammen mit Helga Mra&#269;nikar) und dann Gedichte von Gustav Janu. Übrigens waren beide Autoren, was vielen Beobachtern damals entgangen war, nicht &lt;i&gt;aus Slowenien selbst&lt;/i&gt;, sondern können als &quot;Auslandsslowenen&quot; (Lipu als &quot;Kärntner Slowene&quot;) bezeichnet werden. Beide, Lipu und Janu, besuchten wie Handke das Internat Tanzenberg (ein Zufall?). Handke musste für den &quot;Zögling&quot; die slowenische Sprache praktisch wieder neu erlernen. Die Hilfe von Helga Mra&#269;nikar war, wie er selber rückwirkend schreibt, unbedingt notwendig. Janu konnte er dann selber übersetzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Übersetzungen widmet Hafner ein eigenes, kleines Kapitel. Es steht vor dem grössten Abschnitt seines Buches &lt;i&gt;In der Heimat&lt;/i&gt; mit der doppeldeutigen Parenthese &lt;i&gt;Auszeit von der Weltgeschichte&lt;/i&gt;. Besonders ergiebig wird hier das 1986 erschienene Buch &quot;Die Wiederholung&quot; untersucht. In diesem Buch bricht der Protagonist und Ich-Erzähler Filip Kobal (die Vokabel &quot;kobal&quot; entnimmt Handke dem letzten Satz des &quot;Zögling Tja&quot;), der noch nie Österreich verlassen hat, auf, um seinen verschollenen Bruder in Slowenien zu suchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Suche nach dem verschollenen Bruder&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während des Reisens, des Zug- und Busfahrens, vor allem aber des Gehens erfährt Kobal nun in epiphanischen Momenten (die Hafner sehr gut deutet) den Rekurs auf seinen Ahnen (was allerdings keinesfalls mit einem &lt;i&gt;Ahnenkult&lt;/i&gt; verwechselt werden darf). Die Suche bleibt zwar faktisch erfolglos und Kobal kehrt am Ende wieder zurück zu Familie, aber diese Reise, die eine Reise zu sich selbst ist (&quot;Die Wiederholung&quot; ist ein klassischer Entwicklungsroman) hat den Protagonisten verwandelt, denn in den epiphanischen Erscheinungen, erzeugt durch &lt;i&gt;Aufgehen in der Landschaft&lt;/i&gt;, ist er sehr wohl seinem Bruder begegnet. Denn &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;&lt;i&gt;Filip Kobal hat es mit dem Schein!&lt;/i&gt;&lt;/font&gt; Dabei ist &lt;i&gt;Schein&lt;/i&gt; als &lt;i&gt;Abglanz fremden Erlebens&lt;/i&gt;, nicht mit Täuschung zu verwechseln. &quot;Wiederholung&quot; bedeutet bei Handke auch immer &quot;Verwandlung&quot; (eine Tatsache, die Hafner ein bisschen vernachlässigt). Und am Ende beginnt Filip auch über das Erzählen zu erzählen; ein weiteres, häufiges (und wichtiges!) Motiv bei Handke, was Hafner (fast naturgemäss) vernachlässigt. Und die einst zerstrittene Familie ist plötzlich miteinander versöhnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hafner bemerkt, Cornelia Blasberg, zitierend zutreffend, dass für Filip Kobal gelte, &lt;i&gt;was die meisten Gregor-Figuren im Werk Handkes auszeichnet, er &quot;scheint somit die Chiffre jener Kreisbewegung zu sein, die sich als Zirkel von Ausziehen, sich Verlieren, sich Finden und Heimkehren nachzeichnen lässt&quot;.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die autobiografischen Anspielungen sind überdeutlich. Wie Handkes Onkel heisst der gesuchte Bruder Gregor. Und wie Gregor Siutz, der &lt;i&gt;in der Zeit von 1932 bis 1937 die Landwirtschaftsschule in Maribor&lt;/i&gt; besuchte und eine Handschrift über den Obstbau verfasste, reist Filip Kobal mit einem &quot;Werkheft&quot; des Bruders welches &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;vor allem vom Obstbau&lt;/font&gt; handelt. Handke bemerkt in Interviews selbst, wie wichtig ihm diese Handschrift des Onkels ist (&lt;i&gt;&lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;Ich habe sein Obstbaubuch noch bei mir zu HauseDas schwebt oben im Plafond, und ich sehe jeden Tag hinauf auf die slowenischen Beschreibungen der Äpfel, der Birnen, der &apos;jabolke&apos; und so weiter und les zumindest ein paar Wörter davon&lt;/font&gt;&lt;/i&gt;). Gregor Siutz wird (anders als der andere &lt;i&gt;gefallene Mutterbruder&lt;/i&gt;) durch die Feldpostbriefe (teilweise in der &quot;verbotenen&quot; Sprache slowenisch) und das &quot;Obstbaubuch&quot; zum &lt;i&gt;&quot;schreibenden Vorfahren&quot;&lt;/i&gt; (Hafner zitiert hier Adolf Haslinger); ein Abwesender, der &lt;i&gt;Schrift geworden&lt;/i&gt; ist. Und wie Handke sich mit dem &lt;a href=&quot;http://isjfr.zrc-sazu.si/pletersnik/uvod.htm&quot;&gt;&lt;i&gt;Pleternik-Wörterbuches von 1894/95&lt;/i&gt;&lt;/a&gt; das Slowenische Ende der 70er Jahre wieder nahebringt so benutzt Filip das &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;große slowenisch-deutsche Wörterbuch aus dem neunzehnten Jahrhundert&lt;/font&gt;, um die Schrift des Bruders zu entziffern. Dezidiert anders ist allerdings, dass die Romanfigur als  Widerstandsheld mindestens phantasiert wird, während der &quot;reale&quot; Gregor zwar ein slowenischer &lt;i&gt;&lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;Agitator&lt;/font&gt;&lt;/i&gt;  war, aber letztlich &lt;i&gt;als Slawe&lt;/i&gt; in der Armee Hitlerdeutschlands ums Leben kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die &quot;Wiederholung&quot;  keine Suche nach der verlorenen Zeit&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zentrale Motiv nicht nur in diesem Roman, aber vor allem hier, ist das der &quot;Wiederholung&quot;. Der Titel ist demzufolge doppeldeutig und dem Leser erschliesst sich dies erst im Laufe der Lektüre (der Terminus selber fällt ausser im Titel selber- ansonsten nicht ein einziges Mal). Das Motiv der &quot;Wiederholung&quot; entlehnt Handke bei Heidegger und Sören Kierkegaard, der folgendermassen definiert: &lt;i&gt;&quot;Wiederholung und Erinnerung sind dieselbe Bewegung, nur in entgegengesetzter Richtung. Denn was da erinnert wird, ist gewesen, wird nach rückwärts wiederholt, wohingegen die eigentliche Wiederholung nach vorwärts erinnert wird&quot;&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und Handke lässt Filip Kobal finden: &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;Erinnerung hiess nicht: Was gewesen war, kehrte wieder; sondern: Was gewesen war, zeigte, indem es wiederkehrte, seinen Platz. Wenn ich mich erinnerte, erfuhr ich: So war das Erlebnis, genau so!, und damit wurde mir dieses erst bewusst, benennbar, stimmhaft und spruchreif, und deshalb ist mir die Erinnerung kein beliebiges Zurückdenken, sondern ein Am-Werk-Sein, und das Werk der Erinnerung schreibt dem Erlebten seinen Platz zu, in der es am Leben haltenden Folge, der Erzählung, die immer wieder übergehen kann ins offene Erzählen, ins grössere Leben, in die Erfindung. &lt;/font&gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hafner zitiert Frauke Maier-Gossau, die dieses &quot;Verfahren&quot; Handkes treffend zusammenfasst: &lt;i&gt;&quot;der Verschwundene und seine Hinterlassenschaften sowie die Landschaften und Orte selbst, zu denen sie in einer innigen Beziehung stehen, [dienen] zu nichts anderem als zur Beschwörung von &apos;Erinnerung&apos;: erinnernd ein Bild sich zu machen, von dem für den Suchenden alsdann eine Vorstellung von Zukunft ausgehen kann  eine Hoffnung auf eine andere Art zu leben, die freilich vollends imaginativ bleibt.&quot;&lt;/i&gt; Hier wird das beschrieben, was auf der rein poetologisch-ästhetischen Ebene seinerzeit durchaus Diskussionen auslöste (und zum grossen Missverständnis führte, Handke sei ein Verfechter slowenischer Unabhängigkeit), Ende der 90er Jahre jedoch mit Handkes (sogenannten) Serbien-Büchern zu heftigen politischen Konfrontationen führen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei war immer schon klar: Handke vertraut explizit nicht der gängigen Geschichtsschreibung, die für ihn &lt;i&gt;im Dienst der Gegenwart&lt;/i&gt; steht. Das &lt;i&gt;Grundmisstrauen&lt;/i&gt; den &lt;i&gt;vermittelnden Instanzen&lt;/i&gt; gegenüber, &lt;i&gt;&lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;gegen das Vorausgewusste&lt;/font&gt;&lt;/i&gt; sitzt tief. Handkes &lt;i&gt;Ideal von Überlieferung&lt;/i&gt;, die &lt;i&gt;Anschauung, der Augenschein&lt;/i&gt;, &quot;verfechtet&quot; ein  &lt;i&gt;induktives Verfahren&lt;/i&gt;: &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;&lt;i&gt;Und Nahsicht und Weitsicht haben dabei in eins zu gehen: Weitsicht wird erst, wenn Nahsicht wird: Die Sierra fern nur durch das Weggras nah.&lt;/i&gt;&lt;/font&gt;. Poetische &lt;i&gt;Evidenz wohnt nur dem Bild inne&lt;/i&gt; nicht die &lt;i&gt;Faktengenauigkeit&lt;/i&gt;. Nur die Anschauung führt zur Wiederholung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Zwillingsbücher&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Das Wiederholen wird als Gegenmaßnahme gegen die Abwesenheit zum Mittel der Vergegenwärtigung, ist dadurch unterschieden vom Erinnern, das die Vergangenheit in der Vergangenheit belässt. Der Moment der Epiphanie zeichnet sich aus durch ein alles andere verdrängendes Hier und Jetzt.&lt;/i&gt; Gekonnt verknüpft Hafner das Wiederholungs- mit dem Abwesenheitsmotiv. Die Abwesenden werden zu &lt;i&gt;Sehnsuchtsobjekten&lt;/i&gt;, wie man exemplarisch in &quot;Die Abwesenheit&quot; sehen kann. &lt;i&gt;Ein Greis, ein Spieler, ein Soldat und eine Schöne machen sich jeder für sich auf, finden aber schnell, wie zufällig, zueinander. Doch erst nachdem der Alteverschwindet, wissen die verbliebenen drei, wo es langgeht. Das gesuchte Andere  ihr erklärtes Ziel  offenbart sich erstdurch diese Abwesenheit.&lt;/i&gt; Nach der Unsicherheit, gar Angst, erfolgt das &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;Zerwürfnis&lt;/font&gt;. Schliesslich aber kommen die drei zum Erzählen und &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;Jeder der drei legte schließlich dem anderen den Arm um die Schultern. Und für eine kleine Weile saßen wir da und ließen uns einfach sehen. &lt;/font&gt; (Ein ähnliches Arrangement, ausgefeilter und verspielter, im 1989 entstandenen Theaterstück &quot;Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land&quot;). Am Ende die Versöhnung - womit der Bogen zur &quot;Wiederholung&quot; wieder geschlagen ist (und die Verwandlung eingetreten ist). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hafner sieht die beiden Bücher &lt;i&gt;zentral&lt;/i&gt; in Handkes Werk als sich &lt;i&gt;einander spiegelbildlich ergänzende Zwillingsbücher[:] &apos;Die Wiederholung&apos;  über die Suche nach dem Vorfahren  und &apos;Die Abwesenheit&apos;  nach dem Verschwinden des Vorfahren.&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Diese Übereinstimmung&lt;/i&gt;, so Hafner, &lt;i&gt;ist stupend in ihrer Schlüssigkeit. Das Abwesende ist für Handke zugleich das Andere, das seine Beweggründe bestimmt&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Rande wird erwähnt, dass aus den Landschaftsbeschreibungen in der Erzählung &quot;Die Abwesenheit&quot; (Gattungsbegriff: &quot;Ein Märchen&quot;) sehr wohl auf Slowenien als Wander- und Geh-Ort geschlossen werden kann (auch wenn es keine Ortsnamen gibt), diese Indizien jedoch aus &lt;a href=&quot;http://www.basisfilm.de/Filme/abwesenheit/abwesenheit02.html&quot;&gt;dem Film &quot;L&apos;Absence&quot;&lt;/a&gt;, der 1992 als deutscher Beitrag zum Filmfestival in Venedig unter der Regie von Peter Handke gedreht wurde (unter anderem mit Bruno Ganz, Jeanne Moreau und Handkes späterer Frau Sophie Semin), getilgt worden sind.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Das Poetische und das Politische&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all diesen Parallelen muss jedoch gefragt werden, wie weit eine Deutung der Prosa von Peter Handke alleine auf biografische Rekurse hin möglich ist. Hafner relativiert dies klugerweise selber, in dem er beispielsweise von einer Brudersuche &lt;i&gt;im emphatischen Sinn&lt;/i&gt; spricht. Und natürlich stellt er klar, dass mit Slowenien und dem &lt;i&gt;Slowenen-Volk&lt;/i&gt; nicht unbedingt das geografische Slowenien gemeint ist  was sich an Handkes heftiger Ablehnung dem Begriff &quot;Mitteleuropa&quot; gegenüber indirekt zeigt. Das &lt;i&gt;Slowenen-Volk&lt;/i&gt; ist für Handke &lt;i&gt;ein durch Wörter (nicht Worte!) verbundenes&lt;/i&gt;. Das Slowenische ist für Handke eine &quot;unverdorbene&quot; Sprache (anders als das Deutsche, in dem es &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;&lt;i&gt;wegen des Nazismus noch heute schwer ist, poetische Prosa zu schreiben&lt;/i&gt;&lt;/font&gt;). Slowenien, ein &lt;i&gt;Mutterkindland&lt;/i&gt;, Handkes &lt;i&gt;&quot;Neuntes Land&quot;&lt;/i&gt;, basierend auf einem Volksmythos (erschaffen von Josip Stritar) - eine &lt;i&gt;agrarische Insel, ähnlich Morus&apos; Utopia&lt;/i&gt;, eine &lt;i&gt;Savanne der Freiheit&lt;/i&gt;. Handkes Slowenien soll (kann), so Hafner, keinesfalls mit dem realen Slowenien (der jugoslawischen Provinz) gleichgesetzt werden und muss als rein metaphorisches Land verstanden werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn aber Hafner feststellt, dass Handkes &lt;i&gt;emphatischer Begriff von Wirklichkeit (der eben gerade nicht die Alltagsrealität, sondern die herausgehobenen Momente der Epiphanie meint)&lt;/i&gt; dahingehend zu interpretieren sei, dass &lt;i&gt;die slowenische Eigenartsich im slawischen Verband leichter bewahren [liesse], als unter dem normierenden, gleichmacherischen Druck der westlichen Warenwelt&lt;/i&gt;, dann muss es doch eine mindestens partielle Übereinstimmung zwischen dem &quot;real existierenden&quot; Slowenien und Handkes &lt;i&gt;Schwellenland&lt;/i&gt;, welches er als &lt;i&gt;Sache meines Lebens&lt;/i&gt; betrachtet, geben. Da mag das Eintreten für die &lt;a href=&quot;http://books.google.de/books?id=VZB1O4rnmDwC&amp;pg=PA385&amp;lpg=PA385&amp;dq=kobarid+widerstand&amp;source=web&amp;ots=vmWT7dGXgS&amp;sig=5-3HKF7Z9YvFVujGm22GOpQ6hGg&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;resnum=9&amp;ct=result&quot;&gt;Republik von Kobarid&lt;/a&gt;, einem Dorf, welches im Zweiten Weltkrieg zwei Monate Widerstand gegen die deutsche Besatzung leistete, nur noch zusätzliches Indiz sein (Hafner legt dies irrigerweise dahingehend aus, dass Handke prinzipiell nicht gegen Sezessionen sei). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jugoslawien ist Handkes A priori&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hafners These, Handkes &quot;Engagement&quot; für Serbien sei mit der Angelegenheit des &quot;Slowenischen&quot; in seiner Intensität und Wichtigkeit nicht vergleichbar, ist bei näherer Betrachtung kühn. Richtig wird zunächst herausgearbeitet, dass mit der politischen (und vor allem gesellschaftlichen und ökonomischen) Orientierung Sloweniens an &quot;den Westen&quot;, die Handke als Anbiederung und als vorschnelle Aufgabe kultureller Identität bewertet, bei Handke ein &lt;i&gt;Bildverlust&lt;/i&gt; eingetreten sei (sein sperriges Opus Magnum mit diesem Titel liefert hier profund Zeugnis). Handke sei, so Hafner, &lt;i&gt;seines Kinderlandes enteignet&lt;/i&gt; worden. Dieser Feststellung ist unbedingt zuzustimmen. Aber in dem Hafner das &lt;i&gt;Kinderland&lt;/i&gt; ausschliesslich mit Slowenien gleichsetzt, springt er zu kurz. Handkes vehemeter Protest der Loslösung Sloweniens von 1991 in &quot;Abschied des Träumers vom Neunten Land&quot; (hier beginnt Hafners Kapitel &lt;i&gt;Heimatlos&lt;/i&gt;) bezog sich darauf, dass mit der slowenischen Sezession dem Staatenbund Jugoslawien der Todesstoss versetzt wurde  Jugoslawien: Handkes Arkadien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;small&gt;&lt;font color=&quot;#006600&quot;&gt;Die Quelle springt, vereinigt stürzen Bäche,&lt;br /&gt;
und schon sind Schluchten, Hänge, Matten grün.&lt;br /&gt;
Auf hundert Hügeln unterbrochner Fläche&lt;br /&gt;
Siehst Wollenherden ausgebreitet ziehn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verteilt, vorsichtig abgemessen schreitet&lt;br /&gt;
Gehörntes Rind hinan zum jähen Rand;&lt;br /&gt;
Doch Obdach ist den sämtlichen bereitet,&lt;br /&gt;
Zu hundert Höhlen wölbt sich Felsenwand.&lt;br /&gt;
[]&lt;br /&gt;
Und mütterlich im stillen Schattenkreise&lt;br /&gt;
Quillt laue Milch bereit für Kind und Lamm;&lt;br /&gt;
Obst ist nicht weit, der Ebnen reife Speise,&lt;br /&gt;
Und Honig trieft vom ausgehöhlten Stamm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ist das Wohlbehagen erblich,&lt;br /&gt;
Die Wange heitert wie der Mund,&lt;br /&gt;
Ein jeder ist an seinem Platz unsterblich:&lt;br /&gt;
Sie sind zufrieden und gesund.&lt;/font&gt;&lt;/small&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So schildert Faust seine Vorstellung von Arkadien. Er wird es betreten  und wieder hinausgetragen werden. Arkadien war (nicht nur) für Goethe Synonym für das &quot;goldene Zeitalter&quot;. Insofern erscheint die Zuweisung, Handkes Jugoslawien sei sein Arkadien gewesen, nicht übertrieben. Dabei ist dieses Arkadien beileibe nicht nur Selbstzweck und Jugoslawien nicht nur &lt;i&gt;Träger der Kontinuität&lt;/i&gt;. Auch von antikapitalistischer Schwärmerei ist Handke, wenn man ihn genau liest, weit entfernt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parallel dazu, dass Handke Slowenien, dem Land seiner (mütterlichen) Vorfahren als eine Art &lt;i&gt;Gegenwelt&lt;/i&gt; sah, war dieses Slowenien natürlich (geografisch und politisch) Bestandteil des  Staatenverbunds Jugoslawien und rückte somit in den politischen Kontext des Widerstandes gegen die nationalsozialistische Besatzung. Hier findet nämlich  bei aller Rede um die &lt;i&gt;Geschichtslosigkeit&lt;/i&gt; des Handkeschen Denkens und Schreibens  sehr wohl eine historische Einordnung statt. Und diese ist fundamental. Handke betont ausdrücklich, dass die Findung des Staates Jugoslawien im weitgehend eigenen, von anderen Mächten autarken Widerstand konstituierend und beispielhaft für ihn sei. Hafner weist selber darauf hin, dass Handke im &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;&lt;i&gt;gemeinschaftliche[n] Kampf der Völker Jugoslawiens, auch der unterschiedlichen Parteien und Weltanschauungen  ausgenommen fast nur die kroatischen Ustascha-Faschisten  gegen das Grossdeutschland&lt;/i&gt;&lt;/font&gt;  einen &lt;i&gt;integrativen Gründungsmythos seines weiten Seelen-Landes&lt;/i&gt; sieht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele werfen Handke vor, diesen &lt;i&gt;Gründungsmythos&lt;/i&gt; idealisierend darzustellen. Tatsächlich interessiert er sich für die (spätere) Politik Titos nur am Rande. Aber hier greift dann das von Hafner so ausführlich dargelegte &lt;i&gt;Ideal von Überlieferung&lt;/i&gt;. Jugoslawien ist Handkes A priori  Voraussetzung für alles Andere. Hafner weist zwar darauf hin, dass die &lt;i&gt;von Handke ersehnte Gegengeschichte...kein aus der Luft gegriffener Entwurf&lt;/i&gt; ist, erkennt jedoch nicht den Rang dieser &lt;i&gt;Gegengeschichte&lt;/i&gt;. Wenn er schreibt, dass &lt;i&gt;Jugoslawienim Kindheitskrieg auf der Gegenseite jener Aggressoren [stand], die den Tod der Mutterbrüder verschuldetoder zumindest des Gewährenlassens auf die Väter geworfen haben&lt;/i&gt;, dann muss man auch hier die biografischen Bezüge Handkes erkennen: Sowohl Handkes &quot;Lichtgestalt&quot; Onkel Gregor, als auch Handkes Stiefvater Bruno Adolf [sic!] und sein leiblicher Vater (Ernst Schönemann) waren Soldaten der deutschen Wehrmacht. Handke verfremdet in der &quot;Wiederholung&quot; das Soldatentum Gregors in dem er Kobals verschollenen Bruder zum Widerstandskämpfer in der Republik Kobarid macht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Konstituierend im Widerstand gegen den Nationalsozialismus&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus, insbesondere der &quot;einfachen Leute&quot; spielt für Handke eine wichtige Rolle: &quot;&lt;a href=&quot;http://www.friwe.at/jugoslawien/bewegung/%D6sterreich/handke.htm&quot;&gt;Und wenn es in diesem Jahrhundert in Europa für mich Helden gegeben hat, dann waren das die jugoslawischen Partisanen.&lt;/a&gt;&quot; Und im &quot;Figaro littéraire&quot;, aus dem Hafner zitiert, sagte Handke 2004: &lt;i&gt;&lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;Die Slowenen (das Volk meiner Mutter) haben durch haben durch &lt;/font&gt;&lt;/i&gt;&lt;a href=&quot;http://www.trend.infopartisan.net/trd1102/t081102.html&quot;&gt;den Widerstand ihrer Minderheit gegen Hitler&lt;/a&gt; die Ehre Kärntens gerettet. Gegenwärtig vergisst man den Beitrag der Partisanen zur Befreiung Kärntens im Jahr 1945. Damals war es ein Ruhmesblatt Mitteleuropas.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne diese politische Grundhaltung ist seine Emphase für Jugoslawien nicht denkbar, wie sich auch im 1983 erschienenen &quot;Chinese des Schmerzes&quot; zeigt. Hafner sucht in der Besprechung hierzu ausführlich nach biografischen Parallelen Handkes mit denen des &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;&lt;i&gt;&quot;Schwellenkundler[s]&quot;&lt;/i&gt;&lt;/font&gt; Loser, der Hauptfigur. Die eigentliche Tat, die dem Buch so etwas wie eine Handlung gibt, wird jedoch fast nur beiläufig erörtert: Loser tötet im Affekt einen Hakenkreuzschmierer (archaisch mit einem Steinwurf), den er in flagranti erwischt. Die Hakenkreuze tauchen im Buch vorher mehrfach auf; Loser entfernt sie sogar mithilfe seiner kleinen Tochter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unverständlich, wie Hafner dies dahingehend deutet, dass Loser durch diese Tat &lt;i&gt;gleichsam zum Deutschen&lt;/i&gt;, also zum &lt;i&gt;Täter&lt;/i&gt; werde und Handke sich damit &lt;i&gt;auf die Seite der Väter&lt;/i&gt; stelle. Das genaue Gegenteil dürfte der Fall sein. Durch diesen Totschlag konstituiert sich in der Person des Protagonisten der (in der Familie nicht vorhandene) Widerstand gegen den Nazismus. Unabhängig von einer juristischen Bewertung der Tat (Handke hat Jura studiert) wird Loser zu einem &quot;Gerechten&quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Jugoslawien als A priori sind die späteren, sogenannten Serbien-Bücher Handkes nicht verständlich (&lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;Was Jugoslawien betrifft, bin ich gern ewiggestrig oder meinetwegen nostalgisch&lt;/font&gt;). Und in dem Hafner herausstellt, dass Handke seine Heimat aufgrund der &lt;i&gt;lebensgeschichtlichen Tatsachen&lt;/i&gt; in Slowenien gefunden habe (vermutlich jedoch eher das, was Handke &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;&lt;i&gt;meine Art Heimat&lt;/i&gt;&lt;/font&gt; nennt) und allen späteren &lt;i&gt;Engagementsdieses schicksalhafte Moment&lt;/i&gt; abspricht (&lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;&lt;i&gt;Danach durch Serbien reisend, hatte ich dagegen keinerlei Heimat zu verlieren&lt;/i&gt;&lt;/font&gt;) übersieht er Ursache und Wirkung: Nach dem &quot;Zusammenbruch&quot; Jugoslawiens gibt es für Handke keine Heimat im emphatischen (freilich allegorischen) Sinne mehr. Handkes Sehnsucht nach &lt;i&gt;Aufgehobensein und Aufgehen&lt;/i&gt; in einer Gemeinschaft (die freilich immer eine Gemeinschaft der &lt;i&gt;Verstreuten&lt;/i&gt; war), wird mit der Zerschlagung Jugoslawiens unerreichbar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Noch einmal für Jugoslawien&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prägung der Protagonisten in Handkes Prosa ist durchaus nicht auf Slowenien beschränkt  so eindeutig dies auch zunächst scheinen mag. Autobiografisch bleibt anzumerken, dass Handke auf der Insel Krk (Kroatien) eine Art Initiationserlebnis hatte und seinen Erstling &quot;Die Hornissen&quot; fertigstellte (Hafner erwähnt dies). Handkes Theaterstück &quot;Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land&quot; kann durchaus (wenn auch ohne textuellen Bezug) als ein Aufbruch in das &quot;sonore Land&quot; Jugoslawien verstanden werden. Und wie man im Journalband &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4413433/&quot;&gt;Gestern Unterwegs&lt;/a&gt; nachlesen kann, bereist Handke zwischen November 1987 und Juli 1990 beileibe nicht nur Slowenien und Jugoslawien (man ist geneigt, die Notizen zu diesen Reisen als Abschiede zu lesen). Auch einiger seiner Erzählungen aus dem 1991 erschienenen Band &quot;Noch einmal für Thukydides&quot; spielen an jugoslawischen Orten. 1995 wird in einer Neuauflage die Erzählung &quot;Noch einmal für Jugoslawien&quot; aufgenommen, die 1992 bereits in der &quot;taz&quot; abgedruckt war. Sie heisst im Buch: &quot;Die Kopfbedeckungen von Skopje&quot;; ein Beschwörungstext:  

&lt;blockquote&gt;&lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;Ein mögliches, kleines Epos: das von den unterschiedlichen Kopfbedeckungen der vorübergehenden Menschheit in den großen Städten, wie zum Beispiel in Skopje in Mazedonien/Jugoslawien am 10. Dezember 1987. Es gab sogar, mitten in der Metropole, jene &quot;Passe-Montagne&quot; oder Gebirgsüberquer-Mützen, über die Nase unten und dir Stirn oben gehend und nur die Augen freilassend, und dazwischen die Radkarrenfahrer mit schwarzen Moslemkappen, die fest auf den Schädeln saßen, während daneben am Straßenrand ein alter Mann Abschied nahm von seine Tochter oder Enkelin aus Titograd/Montenegro oder Vipava/Slowenien, vielfache Spitzgiebel in seiner Haube, ein islamisches Fenster- und Kapitellornament (die Tochter oder Enkelin weinte). Es schneite im südlichsten Jugoslawien und taute zugleich. Und dann passierte einer mit weißem gestrickten, von orientalischen Mustern durchschossenen Käppi unter dem vertropfenden Schnee, gefolgt von einem blonden Mädchen mit dicker Schimütze (Quaste obenauf), und gleich darauf einem Bebrillten mit Baskenmütze, dunkelblauer Strengel obenauf, gefolgt von einem Beret eines Großschrittsoldaten und den paarweise Polizisten-Schirmmützen und deren gemuldeter Oberfläche. [] Ein Junger mit vielschichtiger Ledermütze, von Schicht zu Schicht eine andere Farbe. Einer schob einen Karren und hatte eine Plastikkappe über den Ohren, das Kinn umwickelt mit einem Palästinensertuch.&lt;br /&gt;
[]&lt;br /&gt;
Eine Brillenschönheit ging vorbei mit lila Borsalinohut und schlenderte um die Ecke, gefolgt von einer sehr kleinen Frau mit selbstgestrickter Zopfmütze, welche hoch aufragte, gefolgt von einem Säugling mit Sombrero auf der noch offenen Schädelfontanelle, getragen von einem Mädchen mit überkopfgroßer Baskenmütze &apos;made in Hongkong&apos;. Ein Junge mit Schal um Hals und Ohren. Ein Bursche mit Schifahrer-Ohrenschützern, Aufschrift TRICOT. Undsoweiter. All das schöne Undsoweiter. All das schöne Undsoweiter. &lt;/font&gt;&lt;/blockquote&gt;     

&lt;b&gt;Wille zum Miteinander: Der ewige Friede ist möglich&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hafner betont zwar, dass Handke sich &lt;i&gt;durchaus bewusst in die Tradition er literarischen Friedens- und Freiheitssehnsucht&lt;/i&gt; stellt, überrascht jedoch mit ausgesprochen sparsamen Hinweisen in seinem Werk hierauf. So klopft er zwar Handkes &quot;dramatisches Gedicht&quot; &quot;Über die Dörfer&quot; wieder hinsichtlich der Parallelen zum Slowenischen hin ab (wieder das Heimkehrmotiv; wieder ein Gregor; wieder die nachher versöhnte Familie [durch Gregors grosszügigen Verzicht auf das Erbe]), unterlässt es aber die eminent politische Rede der &quot;Nova&quot; in dem Stück als Beleg für diese Friedenssehnsucht einzubringen:  

&lt;blockquote&gt;&lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;Der Krieg ist fern von hier. Das zwischen euch Vorgefallene sei euer letztes Drama gewesen, das gesagte sei ungesagt. Unsere Heerscharen stehen nicht grau in grau auf den grauen Betonpisten, sondern gelb in gelb in den gelben Blütenkelchen, und die Blume steht hochaufgerichtet als unser heimlicher König. [] Das Bergblau &lt;b&gt;ist&lt;/b&gt; - das Braun der Pistolentasche ist &lt;b&gt;nicht&lt;/b&gt;; und wen oder was man vom Fernsehen kennt, das kennt man nicht. Geht in der ausgestöpselten freien Ebene, als Nähe die Farben, als Ferne die Formen, die Farben leuchtend zu euren Füssen, die Formen die Zugkraft zu euren Häuptern, und beides eure Beschützer. [] Die Natur ist das einzige, was ich euch versprechen kann  das einzig stichhaltige Versprechen. [] Sie kann freilich weder Zufluchtsort noch Ausweg sein. Aber sie ist das Vorbild und gibt das Maß: dieses muß nur täglich genommen werden. [] Übergeht die kindfernen Zweifler. Wartet nicht auf einen neuen Krieg, um geistesgegenwärtig zu werden: die Klügsten sind die im Angesicht der Natur. Blickt ins Land  so vergeht die böse Dummheit. [] Und verachtet die unernsten Spötter: &lt;b&gt;es&lt;/b&gt; ist noch immer  seid dankbar. Die Dankbarkeit ist die Begeisterung, und erst das bedankte erscheint als die Dauerform  erst die Dankbarkeit gibt den Blick in die weite Welt. [] Laßt die Illusionslosen böse grinsen: die Illusion ist die Kraft der Vision, und die Vision ist wahr. [] Der ewige Friede ist möglich. &lt;/font&gt;&lt;/blockquote&gt;

&quot;Der ewige Friede&quot;  eine Anspielung auf Kants Schrift &quot;Zum ewigen Frieden&quot;. Das &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;&lt;i&gt;Sein im Frieden&lt;/i&gt;&lt;/font&gt; ist Handkes Vision, eine &lt;i&gt;Sehnsucht nach der friedlichen Gemeinschaft&lt;/i&gt;. Vielleicht ist sie eine Illusion; vielleicht war Jugoslawien eine &lt;i&gt;Projektionsfläche&lt;/i&gt;, wie Hafner einmal anmerkt. Aber Jugoslawien ist für Handke &lt;i&gt;&quot;Beispielland für ein anderes Europa&quot;&lt;/i&gt;. Und &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;ohne Illusion würde man gar nichts tun, würde man immer seine Scheiße verschmieren, vielleichtohne Illusion ist man depressiv.&lt;/font&gt; Handke versuchte noch, ein Refugium für seine Illusion zu finden. Er, der Heimatlose &quot;entdeckte&quot; das &quot;Exil&quot; Serbien, welches sich &quot;Bundesrepublik Jugoslawien&quot; nannte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Patiniertes Pathos&lt;/i&gt; erkennt Hafner da gelegentlich, zitiert Slavoj ieks kritische Haltung Handkes Slowenienbild gegenüber und erwähnt Drago Jan&#269;ars Diktum, Handke habe, was Slowenien anbelangt, eine &lt;i&gt;&quot;rosarote Brille&quot;&lt;/i&gt; auf (das war im Verhältnis zu dem, was Handke noch zu hören bekommen sollte, harmlos; Jan&#269;ar argumentierte noch). Gregors Schwester Sophie wirft ihrem Bruder in &quot;Über die Dörfer&quot; eine &lt;font color=&quot;#000099&quot;&gt;&lt;i&gt;Kraft der Verklärung&lt;/i&gt;&lt;/font&gt; vor, die Hafner auf einzelne Äusserungen Handkes bezieht und fast entschuldigend anbringt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem fast angeklebt erscheinenden 6. Kapitel fragt Hafner anhand der &quot;Morawischen Nacht&quot;: &lt;i&gt;Ist nicht doch eine Heimkehr möglich?&lt;/i&gt; Handke könnte, so Hafners Idee, sich zwischenzeitlich selber &quot;verwandelt&quot;, sozusagen eine Versöhnung mit sich selbst vorgenommen haben. Es gibt im Buch sehr wohl Indizien für eine derartige Versöhnung, insbesondere wenn man den erzählenden (inzwischen verstummten) Dichter mit Handke gleichsetzt. Aber indem Hafner auf Äusserungen Handkes hinweist, die eine Art &lt;i&gt;Partisanenstück&lt;/i&gt; über den slowenischen Widerstandskämpfer Lipej Kolenik-Stanko (1925-2008) zu schreiben, dürfte es wohl ziemlich sicher sein, dass Handke die Thematik nicht mehr loslassen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Profunde Kennerschaft&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur selten sind Hafners Interpretationen ein bisschen gewagt, etwa wenn er auf Handkes Präferenz dem Vornamen Gregor gegenüber hinweisend suggeriert, dass die Wahl seines jetzigen Wohnsitzes (Chaville) auch damit zu tun haben könnte, dass dort eine Kirche dem heiligen Gregor gewidmet sei. Oder wenn er darin, dass für den verschollenen Onkel Gregor dessen Schwester Ursula, also Handkes Tante, Taufpatin wurde, das &lt;i&gt;Weibliche&lt;/i&gt; in Handkes Werk &lt;i&gt;stellvertretend für das Andere, das Abwesende&lt;/i&gt; deutet. Und auch die Interpretation des Namens &quot;Sorger&quot; (des Protagonisten aus &quot;Langsame Heimkehr&quot;), die Hafner auf den Fluss &quot;La Sorgue&quot;, der Heimat des &lt;i&gt;Dichters und Widerstandskämpfers René Char&lt;/i&gt; zurückführt, scheint verstiegen (der Bezug auf Heideggers &quot;Sorge&quot; und &quot;Besorgen&quot; ist deutlich näherliegender).     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fabjan Hafner hat sich  aller Divergenzen zum Trotz - mit diesem überaus detailreichen Buch als profunder Kenner des Werkes von Peter Handke erwiesen. Er vermeidet ermüdendes Germanistenjargon, in dem er streng am &quot;Text&quot; bleibt. Hafner animiert, Handke wieder zu lesen und in seinen Romanen und Erzählungen neue Facetten zu entdecken. Hierfür muss man ihm danken.

&lt;hr /&gt;
&lt;small&gt;Die kursiv gedruckten Passagen sind Zitate aus Fabjan Hafners Buch. Zur besseren Orientierung wurden Zitate von Peter Handke in blau hinterlegt. Eine Passage kursiv und blau bedeutet demnach, dass es sich um ein Handke-Zitat handelt, welches im Buch angeführt wird. Auf eine Unterscheidung zwischen Textzitat und Interviewzitat wurde verzichtet, da sich dies aus dem Geschriebenen ergibt.&lt;/small&gt;   

&lt;hr /&gt;
&lt;small&gt;Zu Handkes Beziehung zu Lipej Kolenik-Stanko (und mehr) siehe dieses Interview mit der &lt;a href=&quot;http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/kultur/652301/index.do&quot;&gt;&quot;Kleinen Zeitung&quot;: &quot;Ich bin ein überzeugter Staatenloser&quot;&lt;/a&gt;.&lt;/small&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;big&gt;&lt;b&gt;Nachtrag 08.10.08&lt;/b&gt;&lt;/big&gt;: &lt;a title=&quot;Fabjan Hafners Reaktion&quot; href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/files/Fabjan-Hafners-Reaktion/&quot;&gt;Fabjan-Hafners-Reaktion&lt;/a&gt; (pdf, 392 KB) auf dieses Begleitschreiben per Mail vom 06.10.08. Sie sei ausdrücklich als ergänzende Lektüre empfohlen.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-10-05T11:49:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4873932/">
    <title>Peter Handke / Alfred Kolleritsch: Schönheit ist die erste Bürgerpflicht</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4873932/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Handke und Kolleritsch  Schoenheit ist die erste Buergerpflicht&quot; height=&quot;240&quot; alt=&quot;Handke und Kolleritsch  Schoenheit ist die erste Buergerpflicht&quot; width=&quot;240&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Handke-und-Kolleritsch-Schoenheit-ist-die-erste-Buergerpflicht.jpg&quot; /&gt;Die Philologisierung des Werkes von Peter Handke schreitet voran. Nach der Veröffentlichung des &lt;a href=&quot;http://www.nicolasborn.de/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=33&amp;Itemid=0&quot;&gt;Briefwechsels mit Nicolas Born im Jahr 2005&lt;/a&gt; und - ein Jahr später  Hermann Lenz nun die Publikation der Korrespondenz &lt;i&gt;zwischen Freunden, die noch am Leben sind&lt;/i&gt; (Alfred Kolleritsch). Diese ist zunächst einmal für den werkinteressierten und ein bisschen kundigen Leser von Bedeutung, aber obendrein für den durch E-Mail oder SMS inzwischen dem Briefschreiben entwöhnten Zeitgenossen. So ist dieser Briefwechsel zwischen Alfred Kolleritsch (geboren 1931) und dem elf Jahre jüngeren Handke zusätzlich ein Dokument einer schwindenden Kulturtechnik  einer Kulturtechnik des Wortes, der Nuance, der Albernheit, der Ernsthaftigkeit, der Schwermut (und auch des Nachschauens im Briefkasten ob der sehnsuchtsvoll erwarteten Antwort). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele der  man ahnt es im Verlauf des Buches  schönen, ja: reichen Briefe Kolleritschs sind nicht mehr da (der Verlust wohl Handkes zahlreichen Umzügen geschuldet), so dass die Korrespondenz von Peter Handke eine Überzahl bilden. Manchmal kann man aufgrund der Antworten ein bisschen erahnen, was wohl im Brief gestanden haben mag  später, wenn dann auch Kolleritsch-Briefe abgedruckt sind, merkt man, dass man diesen Stil dann vermisst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast von Anfang sind die Voraussetzungen verdreht: Nicht der ältere protegiert den jungen Schriftsteller  nein, es ist Kolleritsch der (besonders zu Beginn) massiv um Handke fast buhlt, der (natürlich) das grosse Talent erkennt und immer Neues für seine Literaturzeitschrift &lt;a href=&quot;http://www.manuskripte.at/&quot;&gt;&quot;Manuskripte&quot;&lt;/a&gt; nachfragt. Manchmal kann Handke diesen Wünschen gar nicht nachkommen, zumal er schnell ziemlich &quot;prominent&quot; wird (&lt;i&gt;Dein Peter Handke, Erfolgsautor&lt;/i&gt; zeichnet er einmal selber halb kokettierend, halb erschrocken) und  vor allem  sehr produktiv und da &quot;Manuskripte&quot; immer nur bis dato unveröffentlichtes Material aufnimmt, ist die Exklusivität der Beiträge häufig nur von kurzer Dauer und manchmal konstatiert Handke, er habe einfach nichts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemals steigt Handke der Erfolg zu Kopf. Im Gegenteil: Er unterstützt die Zeitschrift finanziell, sobald sich seine eigene Situation verbessert (das Buch beginnt mit einem Brief Handkes, mit dem er um einen Fahrkostenvorschuss ersucht). Er wird früh selbständiger Schriftsteller, während Kolleritsch immer seine Lehrertätigkeit ausübt und Schriftsteller und Herausgeber &quot;nebenbei&quot; bleibt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei aller Loyalität beanstandet Handke im Einzelfall sehr wohl Beiträge im Heft. Und auch die Gedichte von Kolleritsch belegt er ab und an mit subtiler Kritik: &lt;i&gt;Ich hörte darin ein wenig zu sehr Deine eigene Stimme, sah zu sehr Deine Gestalt; das hiesse, ein andrer, der Dich nicht kennte, sähe wahrscheinlich zu wenig Gestalt, d. h. Sprachgestalt&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt viel Privates in diesen Briefen, viele Terminabsprachen, einige (unerhörte) Wünsche nach Treffen, Lesungen, Geschriebenem und nach verstanden-werden- wollen. Und es gibt auch einiges Lustige wie beispielsweise dieser Brief Handkes am Tag seiner Hochzeit mit Libgart Schwarz, den er in albern-euphorischem Duktus schreibt oder als Handke eine Elektrogitarre geschenkt bekommt und bemerkt, dass jetzt &lt;i&gt;nur noch etwas&lt;/i&gt; aus ihm werden müsse. Meist aber viele Zweifel, &lt;i&gt;Überdruss&lt;/i&gt;, eine &lt;i&gt;erdumspannende Trägheit&lt;/i&gt; oder eine &lt;i&gt;Nachdenklichkeit&lt;/i&gt;. Und immer mal wieder Alkohol (auf beiden Seiten) und  dezent  die Frauen. Später die Vaterfreuden (und leiden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Handke und Kerbler  und machte mich auf meinen Namen zu suchen&quot; height=&quot;200&quot; alt=&quot;Handke und Kerbler  und machte mich auf meinen Namen zu suchen&quot; width=&quot;116&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Handke-und-Kerbler-und-machte-mich-auf-meinen-Namen-zu-suchen.jpg&quot; /&gt;Merkwürdig diese schon früh aufkommende, ängstliche Zurückhaltung Handkes jeder Art von Vernetzung, jeder gruppenähnlichen Verbindung gegenüber, die sofort in den Verdacht gerät, &lt;i&gt;Kumpanei&lt;/i&gt; zu sein. Sogar bei Suhrkamp verhielten sich einige offensichtlich &lt;i&gt;knilchös&lt;/i&gt;. Und auch Kolleritsch ist für ihn &lt;i&gt;eingedunstet in den Betrieb&lt;/i&gt;; seine Verbindungen in und zur Grazer Literaturszene (u. a. &quot;Forum Stadtpark&quot;) fast suspekt. Was Handke allerdings später nicht darin hinderte, wenigstens teilweise durch sein Jurorentum beim Petrarca- bzw. Hermann-Lenz-Preis selber ein Teil eines literarischen Zirkels zu sein. Und irgendwie fühlt man sich an die letzten Sätze im feinspürigen (und hörenswerten) Gespräch mit Michael Kerbler (unlängst im Wieser-Verlag als CD mit Textbuch erschienen: &lt;a href=&quot;http://www.falter.at/web/shop/detail.php?id=26009&amp;SESSID=274d76e1f866b564cc6c02428e7a1bca&quot;&gt;&quot;und machte mich auf, meinen Namen zu suchen&quot;&lt;/a&gt;) erinnert: &quot;Das Alleinsein ist keine Lösung, und das dauernde Gemeinsam, das ist, glaube ich, noch verderblicher. Das ganze Geheimnis im Leben ist der Abstand  der Abstand und der Rhythmus, was man aus dem Abstand macht.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einher geht diese Scheu mit den oft erstaunlichen &quot;Geständnissen&quot; Handkes, &lt;i&gt;schon seit Tagen (5) niemanden mehr getroffen&lt;/i&gt; zu haben &lt;i&gt;ausser einer Portugiesin, die seit ein paar Wochen manchmal bei mir aufräumt&lt;/i&gt;. Das sei, so Handke, &lt;i&gt;auch eine Art Expedition&lt;/i&gt;. Aber auch eine Art Bekenntnis, wenn er davon schreibt, sich aufs Wohnen zu freuen, &lt;i&gt;wie ich mich noch nie auf so etwas gefreut habe.&lt;/i&gt; Stetig ist da nur die Unstetigkeit, die Ambivalenzen zwischen Sesshaftigkeit und Reiselust (es gibt auch einen launigen &lt;i&gt;Gruss von der ewigen Flucht&lt;/i&gt; an den Freund, dem es aber offensichtlich gelingt, den &quot;Flüchtigen&quot; irgendwie zu erreichen). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann wieder entmutigt: &lt;i&gt;Was für falsche Ideen ich vom Schreiben hatte&lt;/i&gt;. Und auch diese Verzagtheiten, am stärksten Ende 1996, nach den beiden Büchern &quot;Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien&quot; und &quot;Sommerlicher Nachtrag zu einer winterlichen Reise&quot;, als Handke Kolleritsch bittet mit &lt;i&gt;&quot;Petar Sivec&quot; (Mutter-Name, jugo)&lt;/i&gt; zu veröffentlichen, denn &lt;i&gt;durch das Zeug, was letztens schaltsatzweise gegen mich in den &quot;m&quot; stand&lt;/i&gt; kann (oder will?) er &lt;i&gt;nichts mehr mit meinem Namen da publizieren.&lt;/i&gt; Aber gleich die Geste zum Freund: &lt;i&gt;Klar, dass das nichts mit uns beiden zu tun hat. Es ist eine objektive Gegebenheit, und unser beider Weihnachts- und Pfingstgeschichte wird umso erfreulicher weitergehen&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Respekt und die Freundschaftsgefühle auf beiden Seiten  immer gegenwärtig. (Sie haben selbst  wie Kolleritsch im Nachwort schreibt - &lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=TS9_ipu9GKw&quot;&gt;ein gemeinsames Lied&lt;/a&gt;.) Trotz gelegentlich divergierender Meinungen, nicht erhaltener Antworten (beide Seiten mahnen manchmal Auskünfte oder Festlegungen an, derer sich der jeweils andere nonchalant widersetzte) oder anderer Empfindlichkeiten. So moniert Kolleritsch einmal, dass Handke während eines Spaziergangs ein Notizbuch zückt und etwas zu schreiben beginnt. Handke beschwichtigte, er soll es nicht so wichtig nehmen  um dann ein Jahr später diesen &quot;Vorfalls&quot; wieder aufzunehmen: &lt;i&gt;Ich werde wohl nicht &apos;in der Arbeit&apos; sein, wie beim letzten Mal, wo Du, Anfang Dezember, beleidigt warst von meinem Abdriften zum Notizbuch, als wir in den Wäldern gingen&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlag versichert, dass nichts gestrichen wurde und keine &quot;Rücksichten&quot; hinsichtlich despektierlicher Äusserungen anderen Personen gegenüber genommen wurden. Obwohl Invektiven nicht vorkommen, intime Details der beiden Briefschreiber eher selten berichtet werden (&lt;i&gt;Ich lebe recht für mich im Moment, ohne Vögeln, und warte auf die Frau meines Lebens&lt;/i&gt; - Handke 1976) und Klatschgeschichten sind eher rar (gut so). Dass Handke seine Frau Libgart mal als &lt;i&gt;faul&lt;/i&gt; betitelt (sie sortiert Kolleritschs Briefe, den Handke mit &lt;i&gt;Fredy&lt;/i&gt; anredet unter &quot;Freddy Quinn&quot;) oder Marcel Reich-Ranicki einmal als &lt;i&gt;gemeindumme[s] Monster von Frankfurt&lt;/i&gt;, einige andere Literaturkritiker als &lt;i&gt;eine Horde von Gesindel&lt;/i&gt; bezeichnet oder in Grass&apos; Buch &lt;i&gt;keinen Moment der Wahrheit&lt;/i&gt; entdeckt - das sind schon fast die deftigsten Sentenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch bietet einige Miniaturen zur zeitgenössischen Literatur bzw. Literaten aber nur selten tiefe Einblicke in den &quot;Betrieb&quot;. Gleich am Anfang eine Überraschung, denn Peymanns Inszenierung der &quot;Publikumsbeschimpfung&quot; (1968) findet Handke &lt;i&gt;ganz schlecht&lt;/i&gt;. Bisweilen wirkt er auch ein bisschen hilflos, etwa wenn er Besuch von seinem damaligen Übersetzer hat: Michael &lt;i&gt;Roloff ist im Moment in Paris und trägt einen wildledernen Hut mit einer langen Fasanenfeder daran. Er isst Austern schon zum Frühstück und ist freundlich und auf eine manchmal wohltuende Weise langweilig.&lt;/i&gt; Einfühlsames zu Karin Struck (deren Literatur ihm nicht zusagt, aber ihren Furor respektierte er). Reserviert Handkes Urteil über Gerhard Roth, den er einer zu grosser Routine bezichtigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kolleritschs Kritik an John Bergers zweitem Erzählband (&lt;i&gt;stilisiertnicht vom Leben durchdrungen, sondern nach einer Ideologie gearbeitet&lt;/i&gt;) setzt Handke überraschend wenig entgegen und über den Thomas Bernhard von 1985 gibt es von Kolleritsch die Einschätzung, es handele sich um einen &lt;i&gt;Zitatenschatz der Negation, der den letzten Ernst, die letzte Literatur + Sehnsucht danach, verdampft.&lt;/i&gt; Jahre vorher schon Handke (in anderem Bezug, aber durchaus treffend): &lt;i&gt;Elend macht einen der Unernst.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt sehr schöne Stellen, ja ergreifendes, etwa wenn Handke von Kolleritschs Mutter, von der er so ehrfurchtsvoll spricht, ihrem Garten und den Tomaten und diesem Ort Brunnsee (Kolleritschs Geburtsort) schwärmt. Brunnsee wird für beide zum fast mythischen Sehnsuchts- und Freundschaftsort. Und Kolleritschs Bemerkungen, Einwürfe und Reflexionen zu Handkes Büchern sind, obwohl ausnahmslos positiv nie devot, sondern höchst anregend und von stupender Analysekraft  - übrigens auch, was die Rezeption durch die Literaturkritik angeht. Das alleine lohnt die Lektüre. 

&lt;hr /&gt;

&lt;small&gt;Alle kursiv gedruckten Passagen sind Zitate aus dem besprochenen Buch.&lt;/small&gt;
&lt;hr /&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-19T13:50:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4729011/">
    <title>Kosovo ante portas 2</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4729011/</link>
    <description>In der gestrigen Ausgabe der &lt;a href=&quot;http://www.lefigaro.fr/debats/2008/02/20/01005-20080220ARTFIG00656-notre-venerable-europea-perdu-son-cur-.php&quot;&gt;französischen Zeitung &quot;Le Figaro&quot;&lt;/a&gt; nimmt Peter Handke in einem kurzen Kommentar Stellung zur Unabhängigkeit des Kosovo. Hier die  unautorisierte  Übersetzung (für Hinweise und Korrekturen bin ich dankbar):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;border:3px solid #0000FF; padding: 5px;&quot;&gt;&lt;b&gt;Unser ehrwürdiges Europa hat sein Herz verloren&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jugoslawien war während des Zweiten Weltkrieges das Land, das sich (fast) allein von der nazistischen Besatzung befreit hat. Was dächten sie heute, diese Partisanen, die damaligen  Widerstandskämpfer, die Slowenen, die Kroaten, die Bosnier, die Serben, die Mazedonier und auch die Albaner, den Refrain hörend (präsidial geworden), dass das große Jugoslawien, für das sie zusammen gekämpft haben, seit jeher ein &quot;künstlicher Staat&quot; war und das seine Zerstörung gar kein Riss und vor allem keine Tragödie sei? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den albanischen Staat Kosovo (KOCOBO im kyrillischen) anerkennend, haben die selbsternannten Ärzte der westlichen Hemisphäre für einen Kranken gegen einen anderen Kranken grundsätzlich Partei ergriffen. Den albanischen Staat Kosovo anerkennend, haben diese Ärzte den Eid des Hippokrates verletzt und sich als falsche Ärzte erwiesen. Den albanischen Staat Kosovo anerkennend haben die westlichen Gaunerstaaten, die vorher das serbische Jugoslawien bombardiert und zerstört hatten, einen neuen Gaunerstaat bekommen. Den kosovo-albanischen Staat anerkennend, hat der Westen mit einem tödlichen Schlag dem serbischen Volk des Kosovo seine Heimat entzogen und ihn zum Gefangenen und Verbannten in seinem eigenen Land gemacht. Den albanischen Staat Kosovo anerkennend, hat unser ehrwürdiges Europa endgültig sein Herz verloren. Trauern wir still um die unparteiischen Wesen guten Willens, um das verlorene serbische Volk des Kosovo, KOCOBO.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;

Vorher hatte Handke in einem Interview für das &lt;a href=&quot;http://www.ots.at/presseaussendung.php?schluessel=OTS_20080206_OTS0143&quot;&gt;österreichische Magazin &quot;NEWS&quot;&lt;/a&gt; gesagt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div style=&quot;border:3px solid #0000FF; padding: 5px;&quot;&gt;Irgendwann  wird es nicht anders möglich sein, als dass wir alle ohne Grenzen leben können. Da wird dann dieser zweite albanische Staat auch dazugehören. Aber im Moment ist die Zeit noch nicht reif. Um das Wort Demokratie, das mir immer schwerer über die Lippen geht, doch noch zu verwenden: Man hätte im Kosovo ein bisschen mehr Demokratie walten lassen sollen, damit das Volk sich daran gewöhnt. Durch die Verwaltung des Westens ist jedenfalls gerade das Gegenteil eingetreten, Schmuggel und Drogenhandel sind noch stärker geworden.&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;

Kritische Stimmen, die auf völkerrechtlicher Basis argumentieren, findet man &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4612848/&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;.

&lt;hr /&gt;
&lt;small&gt;Dank für den Link an Michael Roloff&lt;/small&gt;
&lt;hr /&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-02-23T10:30:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4689420/">
    <title>Einiges zu &quot;Die morawische Nacht&quot; von Peter Handke</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4689420/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Peter Handke   Die morawische Nacht&quot; height=&quot;240&quot; alt=&quot;Peter Handke   Die morawische Nacht&quot; width=&quot;240&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Peter-Handke-Die-morawische-Nacht.jpg&quot; /&gt;Über das &lt;i&gt;Verschwinden der Vorurteile&lt;/i&gt; zu erzählen, das sei Epik  so heisst es an einer Stelle in der &quot;Morawischen Nacht&quot; von Peter Handke. So ganz sind diese Vorurteile (oder Urteile) bei den Damen und Herren Kritiker noch nicht verschwunden  es wird reichlich Buße festgestellt und manchmal kann es schlimmer sein, so hinterrücks, so gönnerhaft, so fast-verzeihend gelobt zu werden als herzhaft verrissen. (Immerhin &lt;a href=&quot;http://www.swr.de/bestenliste/&quot;&gt;Platz 1 und viele Punkte in der Februar-Bestenliste des SWR&lt;/a&gt;.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So knüpft &lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2008/03/L-Handke?page=all&quot;&gt;Iris Radisch in ihrer Besprechung&lt;/a&gt; Bande zu Handkes Jugoslawien-Reisebücher und konstatiert, er, Handke, habe sich nun abgewandt von der &quot;verstörenden Parteinahme&quot;, aber vor lauter &quot;Budenzauber&quot; übersehe man das Herzstück der Erzählung, welches sie in der Lossprechung der Sünden des Sohnes durch die Mutter sieht. Oh ja. Und was diese Frau liest und vor allem wie sie liest (liest oder nur herunterrattert?) erkennt man daran, dass sie das Buch dann am Ende mit einer Computeranimation vergleicht. Was haben die heutigen Dichter eigentlich verbrochen, einen solchen Blödsinn über sich ergehen lassen zu müssen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die FAZ bemüht sogar zwei Rezensenten. &lt;a href=&quot;http://www.buecher.de/shop/H-I/Handke-Peter/Die-morawische-Nacht/products_products/detail/prod_id/22804646/vnode/7877/lfa/richcontent-0/selection/1500520/#richcontent_1500520&quot;&gt;Hubert Spiegel&lt;/a&gt; trifft dabei erstaunlicherweise gelegentlich sogar den Ton und kommt fast ohne Häme aus, wobei er freilich Handke ziemlich gerne noch ins Büssergewand stecken würde. (&lt;a href=&quot;http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E844C554B7B6644898504FCAFF8A8AE49~ATpl~Ecommon~Scontent.html&quot;&gt;Er legt dann noch einmal nach&lt;/a&gt;  vielleicht weil ihm seine Rezension zu positiv schien?)  &lt;a href=&quot;http://www.buecher.de/shop/H-I/Handke-Peter/Die-morawische-Nacht/products_products/detail/prod_id/22804646/vnode/7877/lfa/richcontent-0/selection/1500520/#richcontent_1500520&quot;&gt;Volker Weidermann glaubt sogar&lt;/a&gt;, Handke verabschiede sich vom Balkan und macht damit seinen Wunsch zum Vater des (Leser-)Gedankens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schön das Herantasten und Einfühlen von &lt;a href=&quot;http://www.buecher.de/shop/H-I/Handke-Peter/Die-morawische-Nacht/products_products/detail/prod_id/22804646/&quot;&gt;Thomas Steinfeld in der Süddeutschen Zeitung&lt;/a&gt;. &quot;Keinen Funken Provokation&quot; findet &lt;a href=&quot;http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/diemorawischenacht-r.htm&quot;&gt;Martin Krumbholz in der Frankfurter Rundschau&lt;/a&gt; und man fragt sich &quot;warum auch?&quot;, und der Rezensent attestiert Handke ein &quot;defensives&quot; Buch und zeigt damit, dass er sich selber nicht von der Rezeption ÜBER Handke lösen kann (oder auch, dass er dazu nicht bereit ist), statt den Zauber des Buches auf sich wirken zu lassen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Treffend der Titel der Besprechung von &lt;a href=&quot;http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/die_grosse_versoehnungstour_1.651518.html&quot;&gt;Andreas Breitenstein in der Neuen Zürcher Zeitung, &quot;Die grosse Versöhnungstour&quot;&lt;/a&gt;, aber auch hier einige alte Rechnungen und gelegentlich ein rechthaberischer Unterton; sei&apos;s drum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwingen muss man sich, &lt;a href=&quot;http://www.titel-forum.de/modules.php?op=modload&amp;name=News&amp;file=article&amp;sid=6669&quot;&gt;Peter Mohrs Besprechung im &quot;Titel-Magazin&quot;&lt;/a&gt; bis zum Ende zu lesen, denn spätestens wenn jemand als &quot;eigenwillig&quot; charakterisiert wird, sollte man aufhören. Der Rezensent stellt dann noch Parallelen bis zum Narzissmus zum eigenen Werk Handkes fest (was für ein Unsinn) und hat offensichtlich gar nicht bemerkt, dass der Ex-Autor im Buch den Gregor Keuschnig gar &lt;b&gt;nicht trifft&lt;/b&gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und flankierend natürlich ein Interview. Mindestens eines. Aber auch ein &quot;gutes&quot;, fruchtbares. Von Christine Eichel in der &lt;a href=&quot;http://www.cicero.de/97.php?ress_id=9&amp;item=2344&quot;&gt;Online-Ausgabe des &quot;Cicero&quot;: &quot;Der Zorn verraucht, das Feuer bleibt&quot;&lt;/a&gt;. Dort finden sich sehr bemerkenswerte Sätze von Handke; es ist wirklich lesens- und nachdenkenswert (obwohl einmal ein Umbruch fehlt, d. h. eine Frage wird in einer Antwort versteckt  wer findet&apos;s?). Eichel beginnt ihr Interview (ist es nicht schon fast ein Gespräch?) mit dem Zitat aus &quot;Selbstportrait aus unwillkürlichen Selbstgesprächen&quot; (aus der Zeitschrift &quot;Manuskripte&quot;, im März 2007 erschienen, &lt;a href=&quot;http://www.manuskripte.at/texte/handke175.pdf&quot;&gt;hier herunterzuladen [PDF; ca. 110 kb])&lt;/a&gt;, die man noch am ehesten mit Handkes Journalen vergleichen könnte, wenn diese auch wesentlich ausführlicher angelegt sind, während es sich bei den &quot;Selbstgesprächen&quot; weitgehend um kleine Sentenzen, nein, eher: Gedankensplitter handelt (auch diese Sätze hier enden ohne Punkt  wie in den Journalen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.glanzundelend.de/Artikel/handkenacht.htm&quot;&gt;Ach ja, und da gibt es noch eine Besprechung (unter sicher noch vielen anderen). Noch ein Versuch.&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möge sich jeder sein Urteil bilden.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-02-08T15:06:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4413433/">
    <title>Peter Handke: Gestern unterwegs</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4413433/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Peter Handke  Gestern unterwegs  Buch&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;Peter Handke  Gestern unterwegs  Buch&quot; width=&quot;256&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Peter-Handke-Gestern-unterwegs-Buch.jpg&quot; /&gt;In &quot;Gestern unterwegs&quot; setzte sich die Entwicklung aus den Journalen von Peter Handke fort, die sich schon bei seinem vorletzten Journal &quot;Am Felsfenster, morgens&quot; abzeichnete. Während die tagebuchähnliche Journale davor durchaus auch aphoristisches enthielten, teilweise ein bisschen jungenhaft daherkamen, zeigen sich in der von Handke vorgenommenen Auswahl insbesondere bei &quot;Gestern unterwegs&quot; neben den Reise-, nein, besser: Geh-Impressionen auch die Fingerübungen zu später entstehenden Büchern. Das ist bei einem Dichter sicherlich nicht ungewöhnlich, setzt jedoch beim Leser eine gewisse Auseinandersetzung mit dem Werk voraus, ohne die solche Verweise (auf zukünftige Literatur) sicherlich nur halb so interessant sein mögen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann man sich überrascht zeigen, dass Handkes (bisher weitgehend unverstandenes Buch) &quot;Der Bildverlust&quot; (2002 erschienen) durchaus bereits in den &quot;Aufzeichnungen November 1987 bis Juli 1990&quot; (so der Untertitel des Buches) Form annahm und mehr als nur ein vages Projekt gewesen sein muss (freilich betont Handke im kurzen Vorwort [&lt;i&gt;Lieber Leser!&lt;/i&gt;], dass einiges bereits in dem 1994 erschienenen Buch &quot;Mein Jahr in der Niemandsbucht&quot; aufgenommen wurde). Natürlich fallen in die Zeit Handkes &quot;Versuche&quot; (die sich an zahlreichen Stellen abzeichnen), der Erzähl- und Novellenband &quot;Noch einmal für Thukydides&quot; und sein Theaterstück &quot;Das Spiel vom Fragen&quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Peter Handke  Gestern unterwegs  Hoerbuch&quot; height=&quot;164&quot; alt=&quot;Peter Handke  Gestern unterwegs  Hoerbuch&quot; width=&quot;150&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Peter-Handke-Gestern-unterwegs-Hoerbuch.jpg&quot; /&gt;Lösgelöst von diesen manchmal fast philologischen Details hat man sich im vorliegenden Hörbuch (4 CDs mit insgesamt 232 Minuten) bei Hoffmann und Campe fast ausschliesslich auf die wunderbaren Reisenotizen Handkes konzentriert. Und das alles von ihm selbst gelesen, bedächtig, in einer adäquaten Langsamkeit (die keine Trägheit ist), die die Episoden oft wie ein Gedicht rezitieren, ja zelebrieren; gelegentlich psalmodieren. (Wie schön, dass einige Male Vogelgezwitscher im Hintergrund zu hören ist.) Und ab und zu scheint Handke geradezu über eine Formulierung, ein Wort, ein Bild überrascht; manchmal erheitert und ein paar Mal fügt er etwas hinzu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handke, der &lt;i&gt;Augenblickdenker&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Gegenwartsammler&lt;/i&gt; mit dem &lt;i&gt;Vergewisserungsblick&lt;/i&gt;, der rastlos Suchende mit der Sehnsucht nach Stille (und Ruhe), reist alleine durch das jugoslawische Karst, das Friaul, Triest, Griechenland, Kairo, dann nach Frankreich, Belgien, irgendwann ist er in Tokio und dann irgendwo anders in Japan durch Wälder irrend eine Buddhastatue suchend (und dann findend). Dann im Flugzeug nach Anchorage (man erinnert sich an &quot;Langsame Heimkehr&quot;), dann London, Lissabon/Portugal, Galizien, Baskenland; Nimes/Aix en Provence; wieder Triest, das Friaul; Versailles, London (er landete am Tag des Lockerbie-Unglücks mit der &quot;Zubringer&quot;-Maschine aus Frankfurt in London  eine der wenigen Male, wo Handke &quot;zeitaktuell&quot; wird); Schottland; Rouen/Bretagne; die Pyrenäen - und so weiter. Und immer wieder kommt er nach Jugoslawien, insbesondere nach Slowenien und es klingt nun (nachträglich) wie eine lange Abschiedsreise von seinem Arkadien, dem Land Jugoslawien, welches er, wie er einmal sagt, als &lt;i&gt;Gegenland zu Hofmannsthals Deutschland&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&apos;Staunend unterwegs&apos; oder &apos;Exerzitien des Schauens&apos; hätte man es auch nennen können. Handkes Aufzeichnungen &quot;handeln&quot; im landläufigen Sinne von  nichts; scheinbar nichts! Vom Fallen eines Blattes, von Spatzen (den einzelnen oder auch den Schwärmen) , der Wasserlache eines Feldwegs, den Figuren einer Kirche oder Moschee, den &lt;i&gt;Kindern des Abends&lt;/i&gt; (Amseln), Passantenzügen, dem Fahren in Bussen oder Zügen (Handke kann nicht Autofahren); der Stille eines Ortes  mit und ohne Menschen; von so etwas wie den Glücksmomenten des Lebens und wenn sich so etwas ungeheuerliches dann &quot;ereignet&quot;, wenn Handke so etwas in Sprache bringt, da begreift man erst einmal, was man im allgemeinen Lärm des (sogenannten) Alltags alles nicht mehr mitbekommt und man lernt  im Idealfall  wieder das Schauen, das Ruhen (das Ausruhen können) und vielleicht sogar wieder das Staunen. (Und Handkes Beschwörung des Verbots der Sorge [an Heidegger angelehnt]  und dieser Appell an sich selbst zeigt ja auch so einiges.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles ist bei Handke auch Suche (er nennt sich einen &lt;i&gt;Stöberer&lt;/i&gt;); im Wissen um die &quot;Unvollkommenheit&quot;. Einmal heisst es: &lt;i&gt;... und jetzt lass dem Phänomen wieder seine Ruhe&lt;/i&gt; - als verunreinige der menschliche Blick geradezu die Welt. Das Streben nach der &lt;i&gt;Vollständigkeit&lt;/i&gt; des Mensch-Daseins  nichts weniger als das ist sein Wunsch; und es wäre fast eine Plattitüde würde man sagen, Handke wolle &quot;eins sein&quot; mit der Natur  nein: er will mit den Dingen &lt;i&gt;wirklich&lt;/i&gt; sein. Ein freilich ephemeres Glück (das weiss Handke natürlich), aber eines, das unbedingt versucht werden muss (und kann). Und das Beschwören, das Tasten, das Offen-Werden für diese &lt;i&gt;aufwandlosen Augenblicke&lt;/i&gt;, das Erzählen dieser Begebenheiten (die dann manchmal noch mit einem Datum versehen werden  sozusagen als eine Art wahres, neues, letztes Geschichtsbuch [Wann wurde das Eichhörnchen von Jägern in Mazedonien getötet? Wann zog der Spatzenschwarm davon? Wann ereignete sich die Kellnergeschichte?]), das Verbsuchen; die &quot;Und-Gedichte&quot; (Zweizeiler)  all dies mit der eingangs beschriebenen Handke-Stimme: Und der Leser sieht das gelesene Buch noch einmal ganz neu  durch das Hören. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal heisst es: &lt;i&gt;Ein (halbwegs) geglücktes Leben erkennst Du daran, dass derjenige nicht zum Popanz seiner selbst (seines Selbst) wird, sondern zittert, und zittert, kindlich, schwach, auf der Kippe, bis zuletzt&lt;/i&gt;. Und der letzte Satz auf der vierten CD im Hörbuch ist plötzlich nicht mehr so ganz abwegig: &quot;ein Regentropfen fiel in seine Oberlippenfurche. Eine Flocke streifte sie und das war das Leben.  (==&gt; Hörprobe hier: &lt;a title=&quot;Peter Handke Gestern unterwegs - Erscheinungen der Wintersonne&quot; href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/files/Peter-Handke-Gestern-unterwegs-Erscheinungen-der-Wintersonne/&quot;&gt;Peter-Handke-Gestern-unterwegs-Erscheinungen-der-Wintersonne&lt;/a&gt; (wma, 4,137 KB)) 
&lt;br /&gt;
&lt;center&gt;*  *  *  *&lt;/center&gt; 
&lt;br /&gt;
Von den dreieinhalb Jahren dieses Journals ist Handke bestimmt insgesamt drei Jahre unterwegs. Dieses Journal sei denn das letzte seiner Art, schreibt er. Leider  fügt der Leser hinzu. Seit 1991 ist Handke  für seine Verhältnisse  sesshaft geworden und lebt in Chaville (in der Nähe von Paris). Seine weiteren Reisebücher sind dann schon diejenigen, die vom Abgesang Jugoslawiens erzählen.  
&lt;br /&gt;
&lt;center&gt;*  *  *  *&lt;/center&gt; 
&lt;br /&gt;
Hörbucher haben gelegentlich den Fehler, dass die Stimme des Vorlesers  meist eines Schauspielers, aber nicht nur bei ihnen - über Inhalt und Form des Geschriebenen dominiert. Stimme und Betonungen lenken ab von der Erfassung des Textes. Sei es, weil diese Vorleser sich besonders hingezogen fühlen zu dem Text und ihn noch ein bisschen herausheben wollen (was meist unnötig ist) oder einfach aus Eitelkeit, um sich selbst herauszustellen (was schrecklich ist). Von all dem hier nichts. Handke stellt sich sozusagen voll im Dienste des Wortes, des Satzes, des Begriffes, des Bildes   praktisch mit ihm verschmelzend, ohne es (das Geschriebene) zu dominieren zu wollen; ein gravitätisches Lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach ja, und noch etwas für (oder besser: gegen) alle diejenigen, die uns von den &quot;tollen Möglichkeiten&quot; erzählen, Hörbucher &quot;beim Autofahren&quot; quasi zu konsumieren: Glaubt diesen Möchtegernlesern, diesen Literaturkritiker-Imitationen kein Wort! Wenigstens nicht hier und mit diesem Hörbuch. Aber auch sonst: Räumt dem Lesen, dem Hören, dem Schauen den Platz ein, der ihm gebührt. Nicht als Geräuschkulisse im Hintergrund soll Literatur dienen, sondern als in diesem Augenblick das Wichtigste auf der Welt. Man &lt;tt&gt;er&lt;/tt&gt;schaffe sich solche Augenblicke. Und staunt dann wieder. Endlich. &lt;i&gt;Recht so.&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-05T11:47:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/3320688/">
    <title>Peter Handke: Kali - Eine Vorwintergeschichte</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/3320688/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Peter Hanke   Kali&quot; height=&quot;333&quot; alt=&quot;Peter Hanke   Kali&quot; width=&quot;200&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Peter-Handke-Kali.jpg&quot; /&gt;Vor einem Vierteljahrhundert deklamierte Nova in &lt;i&gt;Über die Dörfer&lt;/i&gt;: &lt;i&gt;Die Natur ist das einzige, was ich euch versprechen kann  das einzig stichhaltige Versprechen. In ihr ist nichts &quot;aus&quot;, wie in der bloßen Spielwelt, wo dann gefragt werden muß: &quot;Und was jetzt?&quot; Sie kann freilich weder Zufluchtsort noch Ausweg sein. Aber sie ist das Vorbild und gibt das Maß: dieses muß nur täglich genommen werden...euer Arbeiten soll ein Wirken sein  gebt etwas weiter. Weitergeben tun aber nur, die was lieben: liebt eines  es genügt für alles. Die Liebe erst ermöglicht die Sachlichkeit. Nur du, Geliebter, giltst. Dich liebend, erwache ich zu mir.&lt;/i&gt; Die emphatisch-programmatische Rede, nein: diese Philippika des Poetischen  niemals hat Peter Handke gesellschaftspolitisch konkreteres geschrieben  nahm die Häme von Teilen der Kritik bereits vorweg: &lt;i&gt;Laßt die Illusionslosen böse grinsen: die Illusion ist die Kraft der Vision, und die Vision ist wahr.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Novas Vision ist einfach und doch grundlegend: &lt;i&gt;Der ewige Friede ist möglich&lt;/i&gt;. Nichts weniger als eine neues Zeitalter phantasiert der Dichter hier (die Anlehnung an den grossen Philosophen ist natürlich beabsichtigt)  und wenn man Handkes Werk genau betrachtet und (grob verkürzend) auf einen Nenner bringen will, so hat er seitdem niemals mehr von diesem &quot;Projekt&quot; abgelassen. Immer suchen Handkes Protagonisten &quot;ihr Glück&quot; in einer anderen als der &lt;i&gt;Allerwelt&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;Kali&lt;/i&gt;) und so sind seine Bücher fortwährende &quot;Versuche&quot; eines Entkommens; in seinen Journalen lesen wir dann die &quot;Selbst(ver)suche&quot; des Dichters (wie wortmächtig diese Bücher doch sind - erhellend und weitend für den Leser; wirkliche Pretiosen). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Fehler wäre es, Handke eines Eskapismus zu zeihen  genau das macht er nicht bzw. er macht es nur, um einen Blick hinter die Dinge, die Menschen, die Natur werfen zu können; einen, wie er vielleicht sagen würde, notwendigen Blick. Ein Blick, der uns im Alltag schon längst abhanden gekommen ist; verschüttet wurde vom Unrat des Banalen und Einförmigen. Handkes Prosa ist durchdrungen von einer Sehnsucht nach einer entprofanisierten Welt. Man darf das nicht voreilig mit einer &quot;heilen Welt&quot; denunzieren; von einer verkitschten Weltvision ist Handkes Ideal weit entfernt. Er setzt nicht auf die Unterdrückung mephistophelischer Affekte, sondern auf deren Überwindung. Hinwendung zur Natur im Bewusstsein, hier einen Taktgeber, den Taktgeber, finden zu wollen; nicht Natur als vermenschlichten Kulturraum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich strebt Handke eine Loslösung von der Abstraktion der Konsum- und Warenwelt unserer Zeit an  hin zu einer wieder &quot;stofflichen&quot; Welt, in dem das soziale Miteinander, das Eingebettetsein in so etwas wie Natur ein &quot;Gesetz&quot; ist; mehr noch: sich sozusagen das Gesetz selber konstituiert und von allen wie selbstverständlich verstanden und gelebt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit einigen Jahren sind es bei Handke oft Frauen, die zu solchen Reisen in ein neues Zeitalter, eine neue Welt(erfahrung) aufbrechen. In den 70er/80er-Jahren nur sporadisch, wie in der &lt;i&gt;linkshändigen Frau&lt;/i&gt;, der bereits erwähnten Nova in &lt;i&gt;Über die Dörfer&lt;/i&gt; (auch interpretierbar als die &quot;weibliche Seite&quot; des Rück- und Heimkehrers Gregor), die starken Frauenfiguren in der &lt;i&gt;Abwesenheit&lt;/i&gt;, dann jedoch 2002 mit der &lt;i&gt;Abenteuerin&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;&quot;Finanzfürstin&quot;&lt;/i&gt; (aus dem &lt;i&gt;kleinteiligen Deutschland&lt;/i&gt; stammend, dem &lt;i&gt;abwesenden ostdeutschen Geburtsland&lt;/i&gt; - ist es eigentlich jemandem aufgefallen, dass Handke, der Deutschenhasser, eine Deutsche zur &quot;Heldin&quot; machte?) in Handkes sperrigstem und &lt;a href=&quot;http://www.manuskripte.at/hamm.htm&quot;&gt;ambitioniertesten&lt;/a&gt; Buch, dem &lt;i&gt;Bildverlust&lt;/i&gt; und der kindlichen (kindlichen?) Lucie in der heiteren Märchenerzählung &lt;i&gt;Lucie im Wald mit den Dingsda&lt;/i&gt;. So unterschiedlich diese Protagonistinnen auch sind: sie sind Sucherinnen (die Sängerin in &lt;i&gt;Kali&lt;/i&gt; ist  konsequenterweise  dann eine &lt;i&gt;Finderin&lt;/i&gt;), mit &lt;i&gt;Missionsdrang&lt;/i&gt; (freilich nicht im landläufigen Sinne), Reisende &lt;i&gt;zum sonoren Land&lt;/i&gt; (&lt;i&gt;Das Spiel vom Fragen&lt;/i&gt;), Verlasserinnen des ihnen Bekannten; ohne Aussicht (oder gar Wunsch) auf Rückkehr. Diese Unumkehrbarkeit verleiht Handkes Protagonisten (und Protagonistinnen) eine Aura von Stärke und gleichzeitig Verletzbarkeit; für den Leser bleibt eine Ungewissheit, ein Schwebezustand bis zum Schluss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Mont St. Victoire oder ein Salzberg?&quot; height=&quot;268&quot; alt=&quot;Mont St. Victoire oder ein Salzberg?&quot; width=&quot;400&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Mont-St-Victoire-oder-ein-Salzberg.jpg&quot; /&gt;Die namenlose Heldin der jüngsten Erzählung &lt;i&gt;Kali&lt;/i&gt;, eine Sängerin, (eine Verwandte Novas oder der &lt;i&gt;Finanzfrau&lt;/i&gt; aus dem &lt;i&gt;Bildverlust&lt;/i&gt;?) beendet an einem &lt;i&gt;Vorwintertag&lt;/i&gt; ihre Konzertsaison, fährt zu ihrer Mutter, begegnet einem Mann, besucht mit ihm eine Kali-Grube (Salzbergwerk) und am Ende findet sie wie zufällig, unbeabsichtigt, das verlorene, verschollene, das einzige Kind und es endet in mit einem grossen Fest und sie entrinnt durch die Liebe dem sicher geglaubten Tod (Überwindung einer Depression? Ja, vielleicht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Plot gibt naturgemäss nicht die Filigranität der Erzählung wieder. Wie so oft wird bei Handke das scheinbar Nebensächliche zur Hauptsache herbeiphantasiert, zur Hauptsache gemacht. Im Nebensächlichen ist das zu finden, was man, pathetisch ausgedrückt (ja, gelegentlich wird es auch pathetisch), die Verbundenheit mit der Welt nennen könnte; freilich einer Welt, die eine andere ist, als die uns gemeinhin umgebende. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Nichts Aktuelles soll in dieses Haus. Immer ging es mir um ganz anderes als die Aktualität. Schon zu meiner Zeit kam mir vor, als würde sie, die verfluchte Aktualität, alles andere, was nicht sie ist, auffressen. Und inzwischen: als sei das Leben außerhalb der Aktualitäten nicht mehr der Rede wert, sei mit keinem Blick mehr zu würdigen, sei kein Gegenstand, keine Sache, kein Thema mehr, dürfe nicht mehr Leben oder Das Leben heißen. [...] Das Leben, es gilt bei euch draußen nicht mehr. Ihr habt das Leben, das einzige große, für null und nichtig erklärt, von euren Tischen gewischt, mitsamt den Tischen. Wie hieß doch einmal ein Satz der Sätze, in den Evangelien oder wo, und hieß so in der Folge immer wieder?: Das Leben ist erschienen. Und jetzt: Das Leben ist verschwunden? Das Leben hat verloren? Ihr glaubt, ich erkenne euch nicht? Ihr bildet euch ein, ich sei blind für euer Treiben?&lt;/cite&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So spricht die Mutter der Sängerin. Und später, als sie dann den Ort des Kalibergwerks erreicht hat, den grossen Salzberg vor Augen, (das Ziel? Der Salzberg ist Handkes Mont St. Victoire?), lässt Handke die Pfarrerin (wieder eine Frau!) sagen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Wenn ich für mich bin, mit den Büchern hier, auch ohne sie, ist immer alles voll Sinn, warm von Sinn, heiß, kochheiß. Aber draußen dort und ebenso drinnen dort: weg, verpufft. Allgemeiner Unsinn. Unsinn, der kann ja lustig sein und fröhlich stimmen. Aber der Unsinn dort draußen ist lau und flau. Für meine Generation gibt es nichts Höheres mehr. Und je mehr das trotzdem behauptet wird, desto mehr wird noch der letzte Rest davon vernichtet. Existiert das denn überhaupt noch, eine Generation? Eine Generation im Aufbruch? Eine Pioniergeneration? Oder meinetwegen auch eine verlorene Generation? Eine verkaufte? Eine verratene? Nichts da. Meine sogenannte Generation, und genauso die vor mir, die vielleicht noch schlimmere, die der noch nicht so recht Alten, die auch nie so recht alt sein werden, wir und die, wir richten nichts als Unheil an in den lieben Welt, und das nicht einmal durch unser Tun und Lassen, sondern durch unser bloßes Dasein. Allein durch die Art unseres Daseins, ständig voll da, ständig in der Überzahl, ist unsereiner eine Beleidigung allein schon für das Auge...&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in dem die Figuren derart &lt;i&gt;ins Reden kommen&lt;/i&gt;, erzählen sie sich die &lt;i&gt;Allerwelt&lt;/i&gt; (zum letzten Mal sei dieses Wort benutzt) vom Leib. Die Reden sind Beichte und Reinigung, Selbstvergewisserung und Schwur; &lt;i&gt;Kali&lt;/i&gt; ist mehr ein &lt;i&gt;&lt;a href=&quot;http://www.fernuni-hagen.de/EUROL/termini/welcome.html?page=/EUROL/termini/8110.htm&quot;&gt; dramatisches Gedicht&lt;/a&gt;&lt;/i&gt; als eine Erzählung; ein Theaterstück  ja vielleicht die Fortschreibung von &lt;i&gt;Über die Dörfer&lt;/i&gt;? Der Erzähler, der &quot;Verfolger&quot; der Sängerin, oft genug sie suchend, mehr ein Beschreiber als ein Erzähler; ein Ins-Bild-Setzer und wesenhaft einem guten (einem guten!) Radioreporter ähnlich: Sein Schildern ermöglicht die Teilhabe; beflügelt die Phantasie (auch dann, wenn das Verschüttete aus dem dunklen Salzbergwerk allzu metaphernschwer daherkommt; ein seltener Moment im ansonsten so schön luftigen Buch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spielte der &lt;i&gt;Bildverlust&lt;/i&gt; noch (vordergründig?) in fiktiven Orten in der spanischen Sierra de Gredos  allerdings in einer nicht definierten Zeit -, so gibt es in &lt;i&gt;Kali&lt;/i&gt; eine bewusste Zeit- und Ortlosigkeit. Das sonore Land (?), der &lt;i&gt;Salzberg&lt;/i&gt;  die Verirrten, Versprengten, Flüchtlinge (welch&apos; eine Rede auf [auf!] Flüchtlinge!) - &lt;i&gt;ewig Schiffbrüchige&lt;/i&gt; - sie sind &lt;i&gt;Überlebende des Dritten Weltkriegs&lt;/i&gt; und doch, wie selten bei Handke (noch nie derart?) der Trost (kein &quot;billiger Trost&quot;, kein &quot;Friede, Freude, Eierkuchen [Andreas Isenschmid in &quot;Kulturzeit&quot;]): das Sprachengewirr der Bergleute ist nicht babylonisch-verwirrend, sondern die Worte werden plötzlich &lt;i&gt;so weit vom Himmel weg&lt;/i&gt; - im Bergstollen - &lt;i&gt;sonnenklar&lt;/i&gt;; der ewige Friede wird vom Zeitungsjungen wenigstens als Schlagzeile gerufen (in der Zeitung steht es dann doch anders); das Wünschen hat geholfen und am Ende, in der Kirche, die &lt;i&gt;Verwandlung&lt;/i&gt; (ein zentraler Topos von Handke), die Pastorin vor dem Volk (&lt;i&gt;ohne Kanzel&lt;/i&gt;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Ich habe es gewusst. Alle die Äpfel auf dem Gartentisch beim ersten Blick aus dem Fenster am Morgen, und ich bin da. Und es ist da. Ich und es sind da. Das Leben ist neu erschienen. Die Träume sind zurückgekommen: Schaut, schaut  hört, hört. Nach all dem Schrecken, dem Grauen: wie sehe ich klarer, wie höre ich besser. Unser Geschichte: aufzugeben? Ausgeträumt? Nein, ich gebe die Geschichte nicht auf. Sie weiterträumen. Ereignete sich denn nicht jener eine göttliche Augenblick in ihr, und ereignet sich der nicht immer wieder, und das ist die wahre Geschichte?&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann, im &lt;i&gt;toten Winkel&lt;/i&gt; (keine &lt;i&gt;Enklave&lt;/i&gt; oder erst recht eine?) heisst es &lt;i&gt;Weg von den Dramen. Weg auch von den Liedern. Und auch genug gepredigt...&lt;/i&gt; und es beginnt das Erzählen  und das Buch endet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Kali&lt;/i&gt; ist kein Buch, den notorischen Handke-Ablehner zu befrieden. Das hatten in den 90er Jahren einmal kurz die &lt;i&gt;Versuche&lt;/i&gt; geschafft (insbesondere der &lt;i&gt;Versuch über den geglückten Tag&lt;/i&gt;). Dem HandkeAdepten setzt es das Werk fort; ein Kontinuum. Die Anspielungen auf vergangene Bücher sind zahlreich und fruchtbar und werden erneuert und erweitert. Relativ neu ist die tröstliche Aussicht, die das Buch am Ende verströmt  die &lt;i&gt;Verwandlungen&lt;/i&gt; geschehen und sind nicht nur möglich.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Rezensenten überinstrumentalisieren das Buch mit dem Verweis auf die indische &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Kali_(G%C3%B6ttin)&quot;&gt;Göttin Kali&lt;/a&gt;. Wenn dem so wäre, müsste man von einem mindestens ambivalenten Bildgebrauch Handkes sprechen, denn allzu stark ist die Erlösungs- und Verwandlungsmetaphorik des Christentums in diesem Buch präsent. Handkes Hinwendung zu religiösen Bildern (nicht nur des Christentums)  stetig zu beobachten seit &lt;i&gt;Mein Jahr in der Niemandsbucht&lt;/i&gt; 1997  ist zwar unverkennbar, aber eine spirituell aufgeladene Sinnsuche ist von Handke weder beabsichtigt noch gewünscht.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2007-02-14T15:11:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/3100006/">
    <title>Frohes Fest</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/3100006/</link>
    <description>&lt;h1&gt;&lt;b&gt;&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Etwas auspacken und statt das Papier den Inhalt in den Abfall werfen&lt;/font&gt;&lt;/b&gt;&lt;/h1&gt;

&lt;small&gt;&lt;i&gt;Peter Handke &quot;Die Geschichte des Bleistifts&quot;&lt;/i&gt;&lt;/small&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2006-12-23T11:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2556374/">
    <title>&quot;Schön - wie so vieles&quot; - Michael Roloff zu Peter Handke (III)</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2556374/</link>
    <description>&lt;b&gt;und den Tautologien der Justiz, der Sinnlosigkeit des Glaubens des Künstlers als Vorbild, der massenmedialen Bilderbeeinflussung, Deutschland als Schwamm und Handkes desillusionierenden Blick, was den Nobelpreis angeht.&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&lt;sup&gt;&lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2460962/&quot;&gt;Teil I&lt;/a&gt; - &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2504464/&quot;&gt;Teil II&lt;/a&gt;&lt;/sup&gt;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;In dem Essay &quot;&lt;a title=&quot;Die Tautologien der Justiz&quot; href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/files/Die-Tautologien-der-Justiz/&quot;&gt;Die-Tautologien-der-Justiz&lt;/a&gt; (pdf, 2,428 KB)&quot; beschreibt Handke 1969 als Prozessbeobachter das Vorgehen der (deutschen) Justiz gegen die Hausbesetzer- und Demonstrantenszene. Bereits damals spricht er überaus deutlich dem Gericht die Möglichkeit ab, ein unvoreingenommenes Urteil fällen zu können - woran das liegt, wäre eine separate Erörterung wert&lt;/i&gt;    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;221&quot; alt=&quot;par-villages&quot; width=&quot;400&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/par-villages.jpg&quot; /&gt;&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Es ist eigentlich ziemlich klar woran das liegt. An Vor-Urteilen, die eigentlich nichts mit Gerichtsbarkeit zu tun haben. In den USA ist man, jedenfalls vor einem Gericht, unschuldig bis zum Urteil. Unter dem deutschen Justizsystem ist man, wenn arretiert, erst einmal schuldig bis zum eventuellen Freispruch. Da sind von vornherein die Akzente anders gesetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tautologische von dem Handke da sehr schön beobachtend spricht, hängt also eher mit Habitus, mit Mief, mit dem Obrigkeitsdenken zusammen, die tief in der Volkspsyche verankert sind. Hier ja manchmal auch, wenn man sich das berühmte Gerichtsverfahren gegen die &quot;&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Chicago_Seven&quot;&gt;Chicago Sieben&lt;/a&gt;&quot; nach der 68er Democratic Convention ansieht, mit dem Richter Hoffman. Richter, die dann sich eher wie verklemmte Väter/Mütterchen benehmen, und nur aus Zufall Richter sind, oder was man sich davon vorstellt, also dem &quot;gesunde Volksempfinden&quot; Ausdruck verleihen.&lt;/font&gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt; Aus dem Handke-Text zitiert:&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;die Tatsachen, wenn sie später, bei den Fragen &apos;Recht oder Unrecht&apos; und &apos;schuldig oder unschuldig&apos;, beurteilt werden sollen, [brauchen] gar nicht mehr beurteilt zu werden, weil sie schon vorher derart beschrieben wurden, dass sie die Urteile vorweg nehmen: sie sind selber schon die Urteile.&lt;/cite&gt;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Ja, das stimmte schon zu der damaligen Zeit (60er/70er Jahre). Ob sich da was verändert hat, bin ich nicht in der Lage zu beurteilen. Man [ich] bringe diese schöne Handke Schrift in Zusammenhang mit seiner Beurteilung des Tribunals in Den Haag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem der Interviews dieses Jahres hielt er der das Tribunal schon gerechtfertigt, um die verschiedenen Kriegverbrecher (serbischer, kroatischer, bosniakischer und kosovo-albanischer Provenienz) vor Gericht zu stellen, aber er fand, das Gericht sei nicht das richtige für Milosevic. Er sparte ihn da aus, da er ihn schon für vor-verurteilt hielt, und sagte, M. solle, wenn dann in Belgrad vor ein Gericht gestellt werden. (Zur der Zeit lief ja ein Verfahren in Belgrad, dass Milosevic posthum und ohne dass er sich hat persönlich verteidigen können, verurteilte. Auch das spart Handke aus.) Ich finde die Unterscheidung, die er zwischen Milosevic und den anderen Angeklagten macht (viele von ihnen inzwischen verurteilt, einige schon wieder frei gelassen) nicht überzeugend. Handke spart ihn schon seit Jahren aus, bspw. &quot;&lt;a href=&quot;http://www.literaturhaus.at/buch/buch/rez/handke_grossestribunal/&quot;&gt;Rund um das grosse Tribunal&lt;/a&gt;&quot;  [a.k.a. rund um den &quot;heissen Brei&quot;]. Er macht mehr oder weniger Milosevics&apos; Untergebene für die Untaten verantwortlich  woher weiss Handke das überhaupt? &lt;/font&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Warum kommt jemand auf die Idee, Handke als Entlastungszeuge für Milosevic zu benennen?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Er wäre nur als &quot;Charakterzeuge&quot; in Betracht gekommen, da er ja wohl, soweit wir wissen, nie unmittelbar in Milosevics&apos; Taten eingebunden war.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wissen sehr wenig über sein Verhältnis zu Milosevic und Familie. Zu Milosevic&apos; Zeit wurden Handkes Stücke in Belgrad gespielt, jetzt haben sein Mitarbeiter Materic [&quot;La Cuisine&quot;] und andere grosse Schwierigkeiten, das da überhaupt etwas gespielt wird. Wir wissen nicht, ob sich Handke freundschaftlich zur Familie hingezogen fühlt  falls ja, warum hat er denn nicht als Zeuge ausgesagt? Das hätte wohl noch mehr Aufregung gegeben, als das Auftauchen bei der Beerdigung.&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Die berühmte Frage nach dem Verhältnis von Macht und Künstler und der romantisch-/moralisierenden Einstellung speziell der Deutschen hierzu  nebst den &quot;üblichen Verdächtigen&quot; wie Heidegger, Céline, Hamsun oder auch Brecht und Benn&lt;/i&gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Auf Anhieb fällt mir Nietzsches Bemerkung ein, dass nach dem Hund der Mensch Gottes zweite Missgeburt sei. Warum sollen Künstler, arme Tropfe, dem viel Schönes des Lebens versperrt, irgendwie weniger auf Macht und Mächtige dieser Welt angewiesen sein und sich weniger hundsföttisch benehmen? Aber warum muss die Masse immer auf einen Erlöser oder dann den Künstler als Erlöser warten? Schöne Worte darüber in &quot;Über die Dörfer&quot;. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist der Menschen-Affe doch selbständig, oder nicht? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der schönen Sachen in den &quot;Tablas&quot; ist, wie sich Handke über seine eigene Selbstgerechtigkeit lustig macht. Das ist ja der Kern des Gottes des Alten Testaments, dieser rachsüchtige Gott, der fordert, dass die Masse der Schafe immer in die selbe Richtung gehen; ein Gott, der alles Divergente, andere, intolerant abschaffen möchte. Die Leute, die da sich über seinen Meinungsunterschied so selbstgerecht aufregen, sollten sich eigentlich erst mal in ihrem eigenen Haushalt umschauen, was da so in Ordnung oder nicht ist. Unter einer wirklichen Diktatur, wie die der Nazis - welcher Verlass wäre auf diese so gerechten, moralisierenden? Im Gros würden sie doch brav mitschwimmen. Darüber könnten wir uns noch detailliert unterhalten...  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich glaube ein Enzensberger Essay machte mich vor Jahren darauf aufmerksam, dass in der Zeit nach der französischen Revolution; dass heisst seit Anfang der modernen Demokratien, und ihren Diktaturen, Künstler aller Art eine kritische Einstellung zu aller Macht, allen Regierungen eingenommen haben, und Lobgesänge wer immer auf wen immer, eher komisch wenn nicht ekelerregend wirkten, da die Mächtigen oft genau so oder größere Ungeheuer waren als die vorhergehenden Könige. Im 20. Jahrhundert  dem der Diktatoren wie Hitler, Stalin, Mussolini, Mao, Parteidiktaturen aller Art - bleiben allerdings auch die wenige Nichtdiktatoren kaum des Lobpreisens würdig. Aber die wahrhaftig gewählten Staatoberhäupter sind auch weniger auf Lob von Künstlern angewiesen, da sie ja wenigstens eine Zeitlang den Rückhalt des Volkes besitzen. Deswegen wohl auch der Unterschied, dass Stalin, Mao, Hitler sich Statuen während ihrer Machtzeit haben bauen lassen, während Statuen für F.D.R. oder Disraeli erst nach Amtzeit oder ihrem Tod gebaut werden. Das Kontinuum ist zu beachten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Faschismus sowohl als der Kommunismus romantische und abenteuerliche und idealistische Quellen haben, hatten sich sehr viele Künstler insbesondere dem sozialistischen Impuls verschrieben; manche nur kurz. Andere, wie Elliot, fanden sich ihre Wurzeln in der Religion. Die Geschichte überfordert die meisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um auf Handke zurückzukommen und seinem Verhältnis zu Milosevic. Vielleicht kommen ja noch Lobgesänge des angeblich heroischen oder tragischen. Aber bisher war doch kaum etwas. Sonst steht Handke, trotz eigener autoritärer Anlagen, wacker in der modernen Tradition der Skepsis gegenüber allen Mächtigen; siehe &quot;Über die Dörfer&quot;. Sein Machtgebiet heisst Sprache.&lt;/font&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Glauben Sie, dass Handke den Versuch erkannt hat, dass einige sein Werk beginnen zu demontieren? Daher vielleicht die sehr eindeutigen Stellungnahmen in der SZ und im NZZ-Interview?&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Na ja, wenn Buchläden sein Werk wegen seiner Einstellung zu Jugoslawien nicht mehr im Sortiment führen, merkt man das schon schnell. Aber mit Amazon oder ähnlichem ist der Leser nicht mehr so sehr auf das Sortiment angewiesen. Hier in Amerika sind glaube ich nur noch 6 [von ungefähr 20 verlegten] Büchern erhältlich, für die andern muss man sich an das Antiquariat wenden, wo die Preise so gestiegen sind, dass ich bereue nicht mehr von meinen eigenen Übersetzungen eingelegt zu haben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von all den Stücken die da, beinahe alle von mir übersetzt, im letzten Jahr hier, weltweit gespielt wurden, auf Englisch: zweimal &quot;Selbstbezichtigung&quot;. Dem war nicht immer so. Und bei einer der Aufführungen, im Cabaret des Yale Drama School, in New Haven, Connecticut, tauchte auch so einer auf, für den Handke=Milosevics=Hitler=Teufel war. &quot;Atrocity atrocity atrocity&quot;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist für einige viel erregender als Pornographie. Da schaltet das Gehirn ganz schnell auf Psychose und Selbstgerechtigkeit um. Und ist einer der wichtigsten, grundlegendsten Hebel der Meinungsmanipulation geworden. Mein eigenes erstes Erlebnis dieser Art war, als ich als Kind KZ Bilder in einem von der Besatzung finanzierten &quot;broadsheets&quot; herumguckte. Es waren Bilder von Buchenwald. Ich schaute, ob ich darin den idealisierten Großvater finden würde, der da befreit wurde. Es wäre mir nie eingefallen, als ich endlich Glück hatte als 12jähriger da weg zu kommen, ins Land der &quot;Declaration of Independence&quot;, das irgendjemand Auschwitz jemals bezweifeln könnte, oder so etwas als Werkzeug der Propaganda und Manipulation der Meinungen gebraucht würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen hat diese bildliche Manipulation ein tägliches Massengewicht erreicht, dass sich ein Gefühl der allgemeinen Ohnmacht weltweit ausgebreitet hat, und der Indifferenz, der emotionalen Überforderung, einer negativ besetzten Empathie, mit Ausnahme der kleinsten persönlichen und städtischen Bereiche. Und wenn so etwas wie die Attacke auf das WTC und den Pentagon passiert wird es von einer Regierung zur Propaganda und Manipulation benutzt; statt darauf zu reflektieren: Warum wird man angegriffen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der lange Umweg zur kurzen Antwort: was ich da in den Deutschen durchs Web erreichbare Feuilletons zu lesen bekam, bei dem dritten &quot;coming&quot; der Handke-Yugo Kontroverse, lässt darauf schließen, das wenige Leute, die sich da aufregen, jemals irgendetwas von Handke gelesen haben, und wenn, dass es den geringsten Eindruck hinterlassen hat. Das einzige, was sie wissen, ist, das Handke eben nicht wie sie Milosovics als Teufel verdammt! Sogenannte Intellektuelle sind &quot;Prét-à-Porter&quot; wie der Rest, nur heisst ihre Kleidung &apos;wohlfeile Meinung&apos;.&lt;/font&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Mit &quot;Nie wieder Auschwitz&quot; wurde ja der Angriffskrieg auf Jugoslawien/Kosovo 1999 speziell von der deutschen Politik gerechtfertigt. Eine ungeheuerliche Relativierung genau der gleichen politischen Klasse, die heute Handke als Heine-Preisträger ablehnt und ihm gar selbst Relativierung unterstellt. Wenn man sich das vergegenwärtigt, haben wir in Deutschland längst amerikanische Verhältnisse...&lt;/i&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Ja, von hier aus sieht Deutschland oft wie der 51. Staat aus. Deutschland ein Schwamm, schon seit dem Dreissigjährigen Krieg. Oder seit der Hermannschlacht!&lt;/font&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Deutschland  ein Schwamm? Wie meinen Sie das?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Deborah Solomon&quot; height=&quot;142&quot; alt=&quot;Deborah Solomon&quot; width=&quot;150&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Deborah-Solomon.jpg&quot; /&gt;&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Aufsaugen; ein Anpassen an das gerade sprachlich und kulturell dominierende. Französisch im 18. Jahrhundert (was sich noch in meinem aristokratisch gefärbten Vokabular niedergeschlagen hat); die ganze Lateinisierung durch Mönchsübersetzungen der Sprache, besonders auch der Syntax. Hochdeutsch: unvergleichbar anders als/mit dem schönen &quot;Platt&quot;. Jetzt alles veramerikanisiert; versowjetisiert seinerzeit in Ostdeutschland (&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_den_Proze%C3%9F_der_Zivilisation&quot;&gt;Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation&lt;/a&gt;). Lesen Sie mal Kempowskis &quot;Haben sie Hitler gesehen?&quot;&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Abschliessend noch: Glauben Sie, dass Handke den Nobelpreis annehmen würde?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Deborah Solomon fragte Handke in ihrem &lt;a href=&quot;http://www.nytimes.com/2006/07/02/magazine/02wwln_q4.html?ei=5090&amp;en=a0b7131c45bf11a5&amp;ex=1309492800&amp;partner=rssuserland&amp;emc=rss&amp;pagewanted=print&quot;&gt;New York Times Magazine Interview&lt;/a&gt;, ob er glaube den Nobelpreis jetzt noch zu bekommen. Handke antwortete - diesen Interviews ist allerdings nicht zu trauen, da sie zusammengebastelt werden! - dass er sich diesen Preis jedenfalls zu einer Zeit gewünscht hätte, aber dass das wegen seiner Jugoslawien-Sache vorbei sei. Als Mitglied beider Amerikanischen P.E.N. Clubs wähle ich jährlich auf beiden schon für Handke seit ungefähr 30 Jahren. Nicht der Person, sondern des Werkes wegen, verdient er ihn wie kein anderer. Was er und sein vom Autismus begnadetes Wesen der Sprache, der Schrift, der Literatur ermöglicht haben. Ich erinnere mich als die Jelinek diesen Preis vor ein paar Jahren bekam, musste er sich gleich mal hinsetzen! For sure! Und die Jelinek war aber so groß zu sagen, dass unter Österreichern wenigstens sowas dem Handke gehörte. War der/die erste überhaupt unter all den grossen österreichischen Schriftstellern, dem dieser Preis zugesprochen wurde. Und die Aufregung hier schon wegen der Jelinek. Besonders unter den Neo-Cons! Was sich hier an Faschismus angestaut hat...&lt;/font&gt;

&lt;hr /&gt;
&lt;a href=&quot;http://roloff.freeservers.com/about.html&quot;&gt;Michael Roloffs Webseite&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.handke.scriptmania.com/&quot;&gt;Die Hauptseite seiner Textsammlung über Peter Handke&lt;/a&gt;
&lt;hr /&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-21T13:19:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2504464/">
    <title>&quot;Schön - wie so vieles&quot; - Michael Roloff zu Peter Handke  (II)</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2504464/</link>
    <description>&lt;b&gt;und der Handke-Rezeption in Deutschland und den USA, Sezessionen und Freiheitskämpfen, Karl-Heinz Bohrer und der Aussenpolitik der Vereinigten Staaten.&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&lt;sup&gt;fortgesetzt von &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2460962/&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; &lt;/sup&gt;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Peter Handke als Kind  - links -&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;Peter Handke als Kind  - links -&quot; width=&quot;222&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Peter-Handke-als-Kind-links-.jpg&quot; /&gt;&lt;i&gt;Es gab in den deutschen Feuilletons 1996 kaum Befürworter für Handkes Position; fast nur Häme. Andreas Kilb in der ZEIT damals war recht ausgewogen. Martin Walser hat, glaube ich, auch was positives dazu gesagt. Einige schwiegen. Wilfried F. Schoeller, damals beim Hessischen Rundfunk, sass während der Frankfurter Lesung nur unweit von mir und war sichtlich auf Handkes Seite. Eine Sendung, die Handkes Position mal ausgewogen darstellte, gab es nicht. Wäre die &quot;Winterliche Reise&quot; ohne diese frontale Medienkritik gewesen, sondern ein purer Reisebericht  man wäre nicht so über ihn hergefallen.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Es war, glaube ich, nicht nur die Medienkritik. Das Buch beginnt ja genauso gut begründet wie das &quot;Abschied des Träumers vom Neunten Land&quot;. Handke gibt Rechenschaft ab für seine Position - also man kann ganz vernünftig mit ihm übereinstimmen, oder eben nicht. Ja, dann kommt die Provokation über die Medien, aber soweit ich mich jetzt erinnere, stürzten sich diese Leute doch auf ihn, weil er etwas anderes berichtete, nicht was sie in ihren Verteufelungen bestätigte. &quot;Andersgelbe Nudelnester&quot; war das auslösende Wort worauf sich die Biester stürzten. Kommt mir vor wie bei einer Hexenjagd.&lt;/font&gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ja, die &quot;Nudelnester&quot; hatten es allen angetan: Winkels, Lau, dem Herrn Scobel in der &quot;Kulturzeit&quot;... Und dann der &quot;Sommerliche Nachtrag&quot;. Die Frage ist, ob Handke einfach auf der &quot;Welle&quot; weiterreiten wollte und aus Trotz weitergeschrieben hat  oder ob sein Engagement &quot;echt&quot; ist.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Nein, das ist vollkommen authentisch! So ist der Kerl. Nach der ersten Reise musste er meines Erachtens wegen Srebrenica unbedingt so einen nachträglichen Bericht erstellen. Und dann auch zum Kosovo Krieg 1999; natürlich musste er hin. Auf die Berichterstattung ist ja wirklich kein Verlass. Man bekommt wenigstens eigene Eindrücke, wenn auch vielleicht einseitige.    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so ziemlich mit derselben abenteuerlichen Truppe; einer von denen taucht ja zum ersten mal in der Kneipe außerhalb Salzburg im &quot;Nachmittag eines Schriftstellers&quot; auf. Was aber ungünstig ist, weil er auch die guten Berichterstatter, wie Michael Danner oder Chris Hedges, von der NY Times reserviert betrachtet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat in vielen Sachen recht, aber etwas in ihm sträubt sich natürlich, dass so etwas überhaupt hat passieren können, das Serben-Jugoslawen [es ist nicht immer klar inwiefern er da Unterschiede sieht] so etwas haben tun können. Handke ist ein wirklich tief liebender und hilfreicher Mensch. Trotzdem, wenn man auch seine unangenehmen Seiten erlebt hat, kann er als das Gegenteil erscheinen, als &apos;Ekel-Peter&apos;. Leider verträgt er als Verhöhner das Verhöhntwerden überhaupt nicht. Er ist mir nicht verspielt genug, oder nicht mehr, wird zu leicht humorlos. Vieles von den vielen Preisgeldern ist dann sofort weitergeleitet worden (und nicht nur als öffentliche Geste), auch jetzt der &quot;Berliner Heine Preis&quot;  eine Gaudi-Idee vom Peymann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob er zum Begräbnis von Milosevic fahren musste? Inzwischen bin ich auf sechs verschiedene Gründe gestoßen, die er angegeben hat für diese Fahrt. Dass das ein ganz großer Eklat geben würde, dass zu sagen &quot;mit Milosevic&quot; und da photographiert zu werden... Naja, eine Tortur ist es wohl dann erst nachher geworden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da gibt&apos;s ein &quot;cochon&quot; in Frankreich, der ein so großes Stück wie &quot;Die Kunst des Fragens&quot; einfach absetzte, der Bozonnet, &lt;a href=&quot;http://www.lemonde.fr/web/article/0,1-0@2-3246,36-797547@51-797243,0.html&quot;&gt;jetzt, am 26. Juli, abgesägt&lt;/a&gt;. Er hat das Stück wahrscheinlich überhaupt nicht gelesen, Bruno Bayen vertraut, und dann ganz plötzlich geht ihm da ein Licht auf, dass der Handke kontrovers ist.&lt;/font&gt; &lt;i&gt;[Gemeint ist die Absetzung des Stückes &quot;Das Spiel vom Fragen oder die Reise zum sonoren Land&quot; vom Spielplan der Comédie Française 2007  siehe &lt;a href=&quot;http://twylyfe.kultur.at/log/set15/log704b.htm&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/theater/zettelkasten/91739/index.html&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;. Das Stück wird auch &quot;Die Kunst des Fragens&quot; genannt.]&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Ich hatte sehr früh den Eindruck, dass Handke eine Art Röntgenblick für Charaktere hatte. Hätte ich ihn zu der Zeit besser gekannt, hätte ich jemanden nicht so auf meine berühmte nonchalante überoptimistische Schulter genommen. Vielleicht bin ich aber auch ein ziemlicher Aussenseiter, ein störrischer Mensch, deswegen gebe ich Handke in dem Fall von M. den was auf amerikanisch &quot;benefit of the doubt&quot; heisst. Vielleicht ist Milosevic wirklich ein tragischer Fall. Jedenfalls vertraue ich Handke mehr als jemand wie Roger Cohen von der NY Times. Der Holbrooke fand Milosevic auch noch den besten der drei grossen Wichte, die die drei Regionen regierte. &lt;/font&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl-Heinz Bohrer sagte neulich, Handkes Jugoslawien-Bücher könnten in keinem Fall von seinem übrigen Werk separat betrachtet werden  also hier die &quot;guten Bücher&quot; und dort die &quot;bösen&quot;. Was ist Ihre Meinung dazu? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Ich kenne Herrn Bohrer von London her. Ich habe vor langer Zeit mal einen Abend mit ihm und anderen Leuten verbracht. Fand was er schrieb immer halbwegs interessant. Aber diese Fragestellung schon, überhaupt, vielleicht nicht seine, aber er lässt sich ja darauf ein, als ob diese Jugoslawien Texte etwas so kriminelles, aussätziges, indiskutables seien, und er und die ganze Welt wissen das, und darüber besteht also ein Konsens, treibt mich schon sofort auf die Palme. Was kann da überhaupt dabei herauskommen? Eine Unterhaltung dritter Garnitur, für das allerlangweiligste aller Seminare. Etwas für Leichensammler. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&apos;Intertextualität&apos; ist noch so was langweiliges für eine Branche, deren Zweig sich selbst am Baum der Literatur absägt, fällt mir dabei ein. Bohrer schrieb auch vor einiger Zeit, dass Handke irgendwie nicht vollkommen der &quot;Moderne&quot; angehörte: noch so was für diskutierende Leichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, warum soll man die denn auch aussortieren, separieren - es sind doch sehr schöne Bücher. Die Reisebericht-Eindrücke, eben dann vielleicht ein wenig unüberlegt und rasch niedergeschrieben. Man sollte aus ihnen herausschöpfen, was da zu schöpfen ist: die miserable Iris Radisch hat &quot;Unter Tränen fragend&quot; damals in der &quot;Zeit&quot;...das war gar keine Rezension, so jemanden würde ich als Verleger, der ich einmal war, nicht einmal als Leserin, was nicht das selbe als Lektor ist, anstellen. Auch wenn sie Handkes Belletristik, wie diesen &quot;Spätversuch&quot; &quot;Don Juan&quot; dann positiv bewertet - wer ist das, der so jemand überhaupt anstellt? Zum Vergleich: am Herrn Greiner, auch von &quot;Zeit&quot;, habe ich nichts auszusetzen...    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was würde eigentlich geschehen wenn sich der Konsens, trotz allem, als falsch, dumm und faul informiert erweisen würde? Wie viele dieser Menschen würden es zugeben, dass sie falsch geurteilt haben, und sich dann entschuldigen? Kaum jemand glaube ich.&lt;/font&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ist Handkes Engagement für Serbien auch eines wider den Kapitalismus? Ich denke beispielsweise an seine Beschreibung, wie auf dem Markt Benzin bis zum letzten Tropfen umgefüllt wird, da es so knapp ist  wegen des Embargos.&lt;/i&gt;   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Handkes Impuls ist des eines Sozialisten, und zwar &quot;dörfischer&quot; Art, also intim. Er scheint mir einer der wenigen der &quot;up by your own bootstraps&quot; Leute  (&quot;self-made man&quot;), der seine Herkunft aus der Armut  nicht vergessen haben, und zwar eine was Ernst Bloch das &quot;&lt;a href=&quot;http://www.bloch-akademie.de/txt/t4_02.htm&quot;&gt;bäuerische Tao&lt;/a&gt;&quot; nennt - also eine gewisse Kargheit in allem, inklusive Sexus - als inneres Mass. Oder als Mass, welches ihm Halt gibt, und zu dem er wiederkehren kann; es herrscht bei ihm noch im gewissen Sinn Nachkriegszeit. Deswegen das Übelwerden, die Nausea bei den fetten Österreichern, dem ganzen amerikanischen Fettvolk hier, das glücklicherweise früh an Diabetes sterben wird.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese, seine Wesensart, führt natürlich dann zu inneren und äusseren Konflikten, wie dem, in besten Hotels zu wohnen, die Kreditkarte zücken, und so. Ansonsten auch könnte man auf den Gedanken kommen, dass er eher aristokratischer Herkunft sei mit seinem Hass des Handels: ja schön zerlegt im &quot;Bodensee&quot;, auch in den &quot;Unvernünftigen&quot;, über sich selbst lustig gemacht als mit-Geld-vollgestopften -Taschen-Erfolgsmensch in den &quot;Dörfern&quot; und im &quot;Gredos&quot;-Buch (&quot;Der Bildverlust&quot;) in dem &quot;Novo Bazaar&quot; Teil bis zur Todlangweiligkeit gegeisselt. Geiz aber auf keinen Fall.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gesagt: Konflikt zwischen einem besseren Lebensstandard und der Herkunft; auch mit dem autoritären, der eo ipso Kern des &quot;Autor-seins&quot; ist. Der dann weiss, dass er einiges viel besser kann als alle andere, was ihn dann manchmal dazu verleitet sich für Kafka oder Goethe zu halten als ob es nicht genügt, die &quot;Briefmarke Handke&quot; zu sein!  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Worüber er wahrscheinlich, hoffentlich, auch manchmal lacht über die Lächerlichkeit solchen Vergleichsmanie. Und das Minderwertigkeitgefühl sowie sein Gegenteil, die defensive Arroganz, überwindet. Was er da in &quot;Unter Tränen fragend&quot; beobachtet hat, dieses Zurückgeworfensein auf den einfachen Tauschhandel, ist die Grundlage des Marxismus, und deswegen verwunderte mich als er in einem Interview neulich sagte, er befürworte diesen vollkommenen Überhandnehmen des Kapitals im Nachkriegs-Belgrad, außer dass er sich seinen Spass macht mit dem Interviewer, um zu erkunden ob dieser sich so bei Handke eigentlich auskennt, er führt ja viele Interviewer an der Nase herum, spielt Katz und Maus mit ihnen.&lt;/font&gt;    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Es gibt den unausrottbaren Gedanken, in &quot;&lt;a title=&quot;Die Tablas von Daimiel&quot; href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/files/Die-Tablas-von-Daimiel/&quot;&gt;Die-Tablas-von-Daimiel&lt;/a&gt; (pdf, 8,192 KB)&quot; sei dokumentiert, dass Handke Milosevic&apos; Faszination erlegen sei und nur um Haaresbreite widerstanden habe, sich als Entlastungszeuge zur Verfügung zu stellen. Ich lese das keineswegs heraus. Wie kommt dieser Schluss zustande?&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Die &quot;Tablas&quot; sind am Schreibtisch erdacht. Ich glaube, er hat sich überlegt, wie er die Leute davon überzeugen kann, dass ein so verruchter Mann wie Milosevic eine tragische Figur ist. Wie kann ich sie von meiner Intuition überzeugen das dem so ist. Ein Zeuge muss etwas bezeugen können, was man hier so &quot;Character Witness&quot; nennt, dafür taugte Handke, da er ja nicht aktiv an irgendwelchen (angeblich) kriminellen Akte und Aktivitäten von M. dabei war, ihn aber für den Vertreter, Bewahrer der Idee eines Vereinigten Jugoslawien hält. Wie weit darf ein Bewahrer gehen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abraham Lincoln als Verteidiger der Vereinigten Staaten ist auch sehr, sehr weit gegangen. Hätte die Union verloren, wäre er dafür vor Gericht gestellt worden. Die Lage auf dem Balkan war/ist weit komplizierter als sie 1860 in den Vereinigten Staaten war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handke sagte ja in dem Interview mit den Kroaten im &quot;Globus&quot; wieder, dass er als Zeuge auftreten sollte  als hätte er die &quot;Tablas&quot; vergessen. Also der Impuls, diese Art Stolz besteht dann immer noch; seltsam.&lt;/font&gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Muss Handke nicht annehmen, dass die kroatischen Leser von &quot;Globus&quot; die &quot;Tablas&quot; gar nicht haben lesen können (mangels Übersetzung beispielsweise; ist ja nur in &quot;Literaturen&quot; erschienen)?&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Was Handke annimmt wissen wir nicht. Aber er ist stolz darauf; das gibt er doch an. Wir haben ja auch nicht die geringste Idee, wie das Interview geschnitten worden ist.&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Kann die brachiale Ablehnung von Handkes Argumentation auch damit zusammenhängen, dass Sezessionsbewegungen seit der Zeit der Kolonialkämpfe fast immer als &quot;Freiheitskämpfe&quot;, also positiv, gesehen wurden? Ich kenne keine Sezession, die nicht wenigstens zeitweise intellektuelle Unterstützung bekam. Selbst die Basken hatten ihre Freunde und seit Anfang der 90er Jahre sogar die Tschetschenen, obwohl dort ein Idiot wie Dudajew der Führer der Sezessionsbewegung war.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Ja, die anti-kolonialen Freiheitsbewegungen, Nachfolge des Zerfalls, der Selbstzerstörung der Europäischen Kolonialherrschaft, haben dann in ihre Nachfolgeimpulse zu unzähligen kleineren Freiheits-/Unabhängigkeitsbewegungen gefunden, die aber alle schon im 19. Jahrhundert ihren Keim hatten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ja die Tragödie der Vereinigten Staaten nach dem Tode Roosevelts, nicht unterscheiden zu können zwischen antikolonialen Freiheitsbewegungen und Bewegungen, die unter die Knute des Komintern fielen; ein ideologisch, paranoides Fehlurteil des amerikanischen Kapitals welches zu dem Zerfall dieses Imperiums führen wird...&lt;/font&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Die USA hat doch im Kalten Krieg die Stellvertreterkriege gegen die UdSSR geführt; die &quot;westlichen Befreiungsorganisationen&quot; unterstützt - und die von den Russen unterstützten bekämpft...&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Die USA hat jede der nationalen Freiheitsbewegungen, bis auf wenige - Castro ganz am  Anfang - unterdrückt und sich mit tyrannischen Diktatoren eingelassen, oder sie installiert. In Mittelamerika ja schon seit dem 19. Jahrhundert.  Also, ich fall&apos; nicht mehr auf dies Demokratiegefasel herein. Die Reihe der undemokratischen, tyrannischen Akte um direkten Einfluss, Kontrolle zu behalten oder wieder zu gewinnen: Mossadegh abgesägt in 1953, Schah installiert, mit unangenehmen Folgen, die jetzt noch den Nahen Osten beeinflussen; ich kann dieses Gequassel über die &quot;Moderne&quot;, die der Islam verpasst hat schon nicht mehr lesen, als ob sich die französische, britische oder amerikanische oder russische &quot;Moderne&quot; in der Gegend ausser in ihrer Bewaffnung noch irgendwie anders &quot;modern&quot; gezeigt hätte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wurde den Franzosen gestattet, ihre Kolonialherrschaft in Indochina wieder herzustellen, nachdem die Vietnamesen den Amerikanern doch beigestanden hatten in ihrem Krieg gegen die Japaner und ungeheuer unter der japanischen Besetzung gelitten haben [auch wieder so eine Million Tote]. Meiner Erfahrung und meines Erachtens ist niemand vertrauensunwürdiger als der &quot;Yankee Trader&quot;; die drei Dulles Brüder: Alan von der CIA, John Foster, der Aussenminister, und der dritte ein episkopalischer Bischof! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die afghanische Regierung destabilisiert Carter/Brezinsky (1976) und dann die Mudschaheddin aus der ganzen Welt importiert, damit sie die Russen bekämpfen, mit Stinger Missiles ausgestattet. Die Überbleibsel, die man dann in 2003 zurückzukaufen suchte. Der Kongo, Angola - absolut brutale Machpolitik; natürlich scheinheilig wie sonst was. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tito oder Ceausescu waren ja auch &quot;Schweinehunde, aber unsere&quot;; zwar kommunistische, aber eben mit Tanks deren Rohre gegen Osten zielten. Kostete so um 100 Millionen per Jahr, und war nach dem Ende des Kalten Krieges scheinbar nicht mehr notwendig. Der Amerikanische Aussenminister, Baker, fand, dass &quot;wir da keinen Hund hätten&quot; um den schönen Texas Ausdruck &quot;we don&apos;t have a dog there&quot; mal zu übersetzen, und ich war lang genug in West Texas um zu wissen, wie viel mehr die Männer dort ihre Jagdhunde als ihre Frauen lieben....&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Im Falle Jugoslawiens hat das bürgerliche Lager (insbesondere in Deutschland) einen &quot;linken Reflex&quot; antizipieren wollen  nur, dass die Linken, die es Anfang/Mitte der 90er Jahre kaum noch wirkungsmächtig gab, gegen die Zerschlagung Jugoslawiens war.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Ja, der jugoslawische Kommunismus schien ein möglicheres, menschlicheres Modell als das der sowjetischen Parteidiktatur. Man musste sich schon ziemlich heftig gegen Tito und die Parteikorruption stellen, um im Gefängnis zu landen.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handke hat vielleicht recht, nicht gerade originell oder genial, als er sagte: wenn das ökonomisch funktioniert hätte, wäre es vielleicht auch nicht nach &quot;Stämmen&quot; entlang geplatzt. Inwiefern die Anerkennung Deutschlands der kroatischen Tudjman-Ustascha-Nachfolgerregierung und der Slowenischen als Förderung der Sezession verantwortlich ist, bin ich nicht in der Lage zu beurteilen. Da muss man, glaube ich, ziemlich genau die verschiedenen Situationen untersuchen, was da dem Zufall,  der Tradition, den Mächteverhältnissen und dem ökonomischen, parteilichen, religiösen und rein persönlichen zuzuschreiben ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handke jedenfalls hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie eine politisch motivierte Wut geliefert. So was weckt in mir, insofern ich eine analytische Stellung dazu einnehme, den Wunsch zu verstehen warum dem so ist. Alle die, inklusive Handke, die solche Wutanfälle als kindisch verurteilen, also mit moralischem Ekelgefühl, verpassen das wichtige an ihnen.&lt;/font&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;In den &quot;Tablas&quot; steht, dass er &lt;b&gt;nicht&lt;/b&gt; als Zeuge auftreten möchte. Den einzigen Grund, den er direkt nennt ist die &quot;Illegitimität oder Willkürlichkeit des Tribunals&quot;, im Kern also: er glaubt, das Gericht kann nicht mehr anders, als Milosevic verurteilen, was bedarf es da eines Zeugen? Und was soll er bezeugen? (Diese Frage stellt er nur sehr indirekt.) Dem Vorwurf, er &quot;kneife&quot; begegnet er ja offensiv, etwa nach dem Motto &apos;Ich gelte doch eh&apos; schon als Freund eines Massenmörders  da kann es nicht mehr schlimmer in der öffentlichen Meinung kommen...&apos;&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Handke zollt Milosevic eine Art Respekt. Vielleicht vergleichbar mit dem Respekt, den er zu seinem slowenischen Grossvater Sivec hatte, der ja schon 1921 sich für ein vereinigtes Jugoslawien einstand. Jedenfalls ist diese Ehrfurcht eigentlich eine neue Note in seinem öffentlichen Gesang. In dem Werk, beispielsweise in &quot;Über die Dörfer&quot;, findet man schon Anzeichen davon. Er gehört ja übrigens auch inzwischen der orthodoxen Kirche an.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich werde mir die &quot;Tablas&quot; noch mal anschauen. Aber ich habe auch den Eindruck, dass es Handke mulmig geworden ist bei der Vorstellung da lange Zeit gegrillt zu werden, und vielleicht wäre das auch der Provokation zu viel. Ich glaube, es steht in einem der veröffentlichten Tagebücher, dass er nicht glaube sich, auch wenn er unschuldig sei, gut vor Gericht verteidigen zu können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nachdem er sich drei Stunden mit M., vielleicht auch mehr und, da er es irgendwo einmal angibt, vielleicht auch einmal zusammen mit Harold Pinter, im Gefängnis unterhalten hat - er war beeindruckt, aber das war glaube ich nicht das erste Mal, denn es schienen da ja familiäre Bekanntschaften von früher aus Belgrad zu bestehen, jedenfalls deutet Handke an, dass er zum Begräbnis auch aus diesem Grund gefahren sei.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Grade seiner Haltungen zu M. wechseln ja gelegentlich von Interview zu Interview - je nach dem, mit wem er da spricht, wer ihn da anruft. Wenn Herr Greiner von der &quot;Zeit&quot; kommt, oder die Leute von der NZZ ist da mehr Verlass. Als Hausherr in Chaville, scheint es mir, ist Handke manchmal herrisch, manchmal sehr verspielt, manchmal passiv-aggressiv. Wenn er ein Interview mit einem Freund, Thomas Deichmann von &lt;a href=&quot;http://www.novo-magazin.de&quot;&gt;Novo&lt;/a&gt; macht, wie zur Zeit des Kosovo Krieges, sind sie grossartig und sehr ergiebig.&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...&lt;i&gt;wird &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2556374/&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; fortgesetzt...&lt;/i&gt;
&lt;hr /&gt;
Mehr von und über Michael Roloff:&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://roloff.freeservers.com/about.html&quot;&gt;Seine Webseite&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.handke.scriptmania.com/&quot;&gt;Die Hauptseite seiner Textsammlung über Peter Handke&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2006-08-09T11:59:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2460962/">
    <title>&quot;Schön - wie so vieles&quot; - Michael Roloff zu Peter Handke  (I)</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2460962/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Michael Roloff&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;Michael Roloff&quot; width=&quot;300&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Michael-Roloff-.jpg&quot; /&gt;&lt;a href=&quot;http://roloff.freeservers.com/about.html&quot;&gt;Michael Roloff&lt;/a&gt;, 1937 geboren, ehemaliger Handke-Übersetzer, jetziger Handke-Leser, lebt heute in Seattle. Seine Stellungnahmen zu Handke, seinem Werk, den Ansichten zu Handkes Jugoslawien-Engagement - gelegentlich sperrig, sehr pointiert, und oft lehrreich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Begleitschreiben: &lt;i&gt;In Peter Handkes Stück &quot;Zurüstungen für die Unsterblichkeit&quot; lässt er den neuen König Pablo sagen: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;&quot;Für mich und meine Leute hier Gesetze schaffen, wie es sie noch nie gegeben hat, wie sie ohne Zwang sofort einleuchten, und wie sie auch für überall und alle gelten können  auch für mich selber! Die Enklavenweltverlassenheit darf nicht mehr unser Stammplatz sein. Warum nicht an die Macht kommen? Lust haben auf die Macht, entsprechend der Lust, die der Vorfrühling macht. Eine ganz neuartige, in der Geschichte bisher unbekannte, und dann selbstverständliche Macht ausüben  etwas wie ein Freundschaftsspiel, welches zugleich doch zählt. Die Macht lieben auf eine Weise, wie in der Geschichte noch keiner je seine Macht geliebt hat, so dass dieses Wort weltweit eine andere Bedeutung bekäme...&quot;&lt;/cite&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Worte, von Gert Voss seinerzeit im Burgtheater gehört, entwickeln Novas Monolog in &quot;Über die Dörfer&quot; weiter. Ist Handke ein politischer Utopist (im durchaus positiven Sinn)?&lt;/i&gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michael Roloff: &lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Ein bisschen schon, sonst nicht all dieses Pathos. Und das schon zur Zeit des &quot;Langsame Heimkehr&quot;-Zyklus (&quot;Langsame Heimkehr&quot;  &quot;Kindergeschichte&quot; - &quot;Die Lehre der St. Victoire&quot; - &quot;Über die Dörfer&quot;), speziell in Novas hölderlinähnlicher Hymne bei der man, als Übersetzer, am Ende dann nach Luft schnappte! Intrapsychisch gesehen ist das ein Wissen um die Unmöglichkeit der Erreichbarkeit des Ideals. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch viel Expressionistisches dort, und später &quot;der neue Mensch ja was ist aus ihm geworden, man hört nicht mehr viel davon&quot; in der &quot;Niemandsbucht&quot;. Deswegen auch wohl das Festhalten an der Idee vom vereinigten Stammesvolk der Südslawen, die eine Geschichte und eine Sprache gemeinsam haben; die Idee, dass daraus noch etwas hätte werden können. Denn in Fukuyamas neokonservativer Welt beispielsweise ist alles Utopische abgeschafft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der NY Times vom 26. Juli 2006 dann ein Artikel von ihrem jetzigen Deutschland Korrespondenten Bernstein. &lt;a href=&quot;http://www.nytimes.com/2006/07/26/world/europe/26slovenia.html&quot;&gt;Slovenia Strides Westward and Does Not Look Back &lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Peter Handke&quot; height=&quot;104&quot; alt=&quot;Peter Handke&quot; width=&quot;73&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Peter-Handke1.jpg&quot; /&gt;Diese Ansichten werden Handke wahrscheinlich nicht sehr glücklich machen. Schönes Buch das &quot;Ende des Träumers vom Neunten Land&quot;, aber ich sehe nicht ein, was an den neuen Verhältnissen ihn davon abhält weiter da in der Gegend herumzuwandern und in den Dolinen zu übernachten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All dieses macht einen störrischen Eindruck -  was er in einigen in diesem neuen Schwall von Interviews über Slowenien sagte, dass es rein ökonomische Gründe seien - Peter Handke als Bill Clinton: &quot;It&apos;s the economy, stupid.&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorschlag einer leichten, spielerischen Machtausübung kommt wohl aus einer Bühnensicht. Deswegen wohl immer die Liebe Handkes zu Schauspielerinnen, die die Illusion leicht zu sein vorspielen, bevor man dann bemerkt dass dem nicht so ist.&lt;/font&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Der Ausgang des Stückes bleibt übrigens unklar. Die &quot;Raumverdrängungsrotte&quot; steht bereit. Am Ende ist sie still, aber Peymanns Inszenierung (von 1997) legte nahe, dass sie die &quot;Macht&quot; übernimmt.&lt;/i&gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Ja das stimmt, siehe George Bush und die Neo-Cons. Die neo-liberale Art und Weise die ganze Welt zu kontrollieren... Monopolisten. Eher &quot;Go&quot; als Schachspiel... schon all die fetten Leute... eine Analogie, die ich eigentlich nicht forcieren möchte, eher etwas schön künstliches, dass nur auf der Bühnenwelt existiert.&lt;/font&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ein schönes Wort, &quot;Raumverdrängungsrotte&quot;, oder? Was assoziieren Sie damit?&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Ja, wahrlich schön. Wie so vieles. Aus der Truppe, die zum ersten Mal in dem Märchen/Film &quot;Die Abwesenheit&quot; auftaucht, sich zusammenfindet in &quot;Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten&quot;,   zum sich immer-weiter-entfernenden Horizont in &quot;Die Kunst des Fragens&quot; pilgert. Und dann auch Rotte werden kann.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Zurüstungen für die Unsterblichkeit&quot; hat einen großartigen Anfang, ganz stark, zerfällt aber schnell danach, ein irgendwie formalistischer Leerlauf,  da wo diese Nova-ähnliche Figur auftritt, hab das Stück noch nicht genau genug abgeklopft um zu sehen warum dem so ist, oder ob Handke da die Puste in dieser Phase ausgeht, das Gesetz des Formalismus ist ein hartes Gesetz.  Sein &quot;Bruderzwist in Habsburg&quot; ist das. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Die Fahrt im Einbaum: oder das Spiel zum Film über den Krieg&quot; gehört im gewissen Sinn dieser Phase noch an. Es hat das epische all dieser Stücke, angefangen mit &quot;Über die Dörfer&quot;, ist ja der wirkliche Nachfolger Brechts, auch in der Art und Weise wie er verfremdet, aber auf ganz andere Art, dadurch, dass er artifizieller ist. Ich halte ja sein Bühnenwerk im allgemeinen für viel moderner als die Prosa... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt - wie ich zur Zeit des &quot;Wilder Mann&quot;-U-Bahn-Stücks (&quot;Untertagblues&quot;) schon erwartete  beginnt er an anderem zu arbeiten: jedes Paar besteht eigentlich aus einem Dreieck soll das Thema des neuesten Stücks sein. Das stimmt schon. Jeder Sohn oder Tochter wird dem anderen Dreieck in der ödipalen Konstellation gestohlen - oder auch einem Nebenbuhler. Deswegen all die komplizierten Regeln um Ehen in Stand zu halten, und so, damit sich nicht alles während der Fortpflanzung umbringt, damit es erst überhaupt erst zu all diesen kleinen Ödipustragödien kommt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine erste Assoziation ist mit Handkes Hass der sich &quot;breitmachenden&quot;, deren einer er ja selbst, aber manchmal mit dem schönem Hamlet-Zweifel, ist. Aber er hilft dann denen, die nicht in derselben Liga sind. Siehe Petrarca Preis, durch Freundschaft mit Burda arrangiert, und die Leute die diesen Preis (der jetzt Hermann Lenz Preis heisst) bekommen, sind oft Handkes Freunde. Auch ein Zeichen des Machtausübens: Preise verteilen können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem, vielleicht nur in diesem Urteil stimmen Thomas Mann, den Handke einmal &quot;einen sehr schlechten Schriftsteller&quot; nannte, überein: in ihrer Liebe des Werks von Hermann Lenz. Manns Urteil natürlich viel früher. In den 50er Jahren las ich zuerst Lenz, durch Mann darauf aufmerksam gemacht; von Handke vor dem Verschwinden in den 70ern gerettet.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Idee - des Breitmachens - ist extrapoliert aus dieser seiner Erfahrung, und natürlich Beobachtungen von Mächtigen, zuerst des Siegfried Unseld, der doch in den 60er und 70er Jahren alle anderen deutschsprachigen belletristisch/wissenschaftlichen Verlage übernehmen wollte, und der, samt Handkes eigenem, großangelegten streberischem Selbst, Modell stand für den interessanten &apos;up by my own bootstraps&apos; (&quot;Self-made man&quot;) Quitt in &quot;Die Unvernünftigen sterben aus.&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu der Zeit hatte Handke wohl kaum andere Bekanntschaft mit Wirtschaftsmännern gehabt. Er wohnte in normalen Vierteln, außerhalb von Düsseldorf oder Köln oder wo immer, vielleicht  war es auch außerhalb von Frankfurt oder Kronberg, wo er in einem Bungalow wohnte, als er &quot;Wunschloses Unglück&quot; schrieb. Als großer Zeitungsleser und auch Verfolger all der Diskussionen unter den &quot;neuen Linken&quot;. Das ist ja auch alles in den &quot;Unvernünftigen&quot; zu finden, diese marxistischen und schon damals &quot;grünen&quot; Argumente. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert, wie das bei genieartigen Künstlern immer der Fall ist: wie schnell sie lernen. Das Alaska-Erlebnis in &quot;Langsamer Heimkehr&quot; beruht auf zwei oder drei kurzen Besuchen, und dann hatte er es &quot;intus&quot; wie man so schön zu einer Zeit sagte. Und dann eben das Erlebnis schriftlich festhalten können!&lt;/font&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;&quot;Grün&quot; im Sinne der damaligen politisch entstehenden Subkultur war Handke doch nie...&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Nein. Im &quot; Chinese des Schmerzes&quot; reisst der Loser nicht nur politische Plakate ab, sondern auch die Bezeichnungen der Bäume. Als ich zum letzten Mal in Deutschland war, 1991, und den ersten Schulweg in Dorf Schoenebeck (das liegt nördlich von Bremen) wahrscheinlich zum letzten Mal abpilgerte bekam ich das Gefühl, dass ich, wenn ich einen Grashalm oder Blatt irgendwo abgerissen hätten, sofort ein grüner Polizist hinter dem Busch oder einem Maulwurfloch auftauchen würde um mich zu arretieren, so viele Schilder standen da auf den sonst verblüffend unveränderten Wiesen und Feld- und Wald- und Kurzwegen zur damaligen Dorfschule. Handke macht sich lustig über die &quot;Grünen&quot; und sie haben es ja ihm heimgezahlt im Düsseldorfer Stadtrat bei der Verweigerung der Auszahlung des Preisgeldes. Der Polizist im Gehirn der Deutschen - das wirklich unausrottbare. Es taucht immer irgendwie und irgendwo auf.&lt;/font&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Glauben Sie, dass Handke den Sturm der Entrüstung anlässlich seiner &quot;Winterlichen Reise&quot; 1996 in der SZ unterschätzt hat?&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Sicherlich hat er ihn unterschätzt, so weit ich es aus Amerika trotz einigermassen gutem &quot;Fernrohr&quot; beurteilen kann. Ich glaube, sein Erstaunen war vollkommen authentisch. Er ist ja auch über seine eigenen Schimpfereien manchmal vollkommen erstaunt; was da angeblich aus dem &quot;nicht mein Selbst&quot; ziemlich psychotisch verwundet wütend und sehr verletzt verletzend herausschreit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deswegen wohl diese  Reise von Stadt zu Stadt und Vorlesen aus dem Buch, und aber auch nicht andere zu Worte kommen lassen, Wutanfall sowie jemand nicht seiner Meinung war...&lt;/font&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Handke war in Frankfurt, als er las, sehr ruhig; bat sogar um das Wort für den Vertreter der Menschenrechtsorganisation  der ihn dann wüst beschimpfte...von Aggression auf seiner Seite keine Spur... &lt;/i&gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Ja in anderen Städten war sein Selbst dann scheinbar nicht ruhig, auch nicht in Madrid bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion, als er handgreiflich werden wollte als sein Gegenüber anderer Meinung war. Also: ich kann mir auch eigentlich keine &quot;Habermassche&quot; Diskussion  also das die besseren Argumente dann &quot;siegen&quot; - in solch&apos; einem Fall wie diesem vorstellen. Unter Historikern oder Wissenschaftlern vielleicht, aber nicht während der Hitze des Gefechts. Auch so eine Ungleichzeitigkeit. Der Temperamente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eigentlich das einzige was mich -  in diesem Fall als Analytiker - an dem ganzen Skandal interessiert, warum dem so ist. Warum er so vollkommen überreizt ist, dass die Granate nur eine Sekunde von der Explosion entfernt ist - und Handke wird &quot;handgreiflich&quot; und erwürgt sein  Gegenüber, so wie Monteur und Torwart Bloch die Frau im &quot;Tormann&quot;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist das schon, &quot;Winterliche Reise&quot;? Ein bisschen Medienschimpferei und er hatte ja vollkommen Recht mit der Feststellung der Serbenhetze in Frankreich und Deutschland und auch hier in Amerika, angeleitet von der Susan Sontag, die scheinbar in Sarajevo bei den Beschießungen während der Inszenierung von Becketts &quot;Endspiel&quot; dabei war - und einige metaphorische Splitter ins Auge bekam. Und dann hier im Land &quot;wie ich mich unter Beschuss von Hauseingang zu Hauseingang rettete&quot; spielte. Also nicht seriös.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Hanoi Jane bis Sarajevo Susan, die ich sonst für vieles sehr schätze, einst verehrte, da ich mehr als eine Schwäche habe für hochintelligente, schöne, und etwas burschikose Frauen - das war so etwas ganz naiv amerikanisches, aufgeregt von ihrem eigenen Guten Willen, nur für die Medien hier dargestellt; was ich in Anlehnung an ein frühes Handke Stück ihr &quot;Quodlibet&quot;  herumstolzieren nenne, das jetzt auch von den Star Schriftstellern, Sontag, Rushdie, und natürlich auch unser Sonnenverdränger, Peter - der aber wirklich was kann und los hat - ausgeübt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Handke vollkommen gegen den Strom schwamm, war  ihm sicherlich bewusst,  tut er ja auf Anhieb, in beinahe allem. Das steht auch so in der &quot;Winterlichen Reise&quot;, und so wie ich ihn kenne bzw. kannte, kümmerte ihn das nicht allzu sehr, machte sich einen Jux daraus, was mir eigentlich imponiert, da er ja eigentlich als ein Angstmensch geboren wurde. Vielleicht ist das so ähnlich wie bei Che Guevera, der sich durch sein Asthma durchkämpfte um dann in unmöglichen Gegenden Guerillero zu werden; von absoluter Angst zum Mut.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass die Leute dann so böse auf Handke waren, hängt in diesem Fall auch mit anderen Sachen zusammen, außer Neid. Er hatte inzwischen viele Leute verwundet: &apos;Payback Time&apos; heisst das auf amerikanisch.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses gegen den Strom schwimmen - die Liebe seiner Idee von einer weiter bestehenden jugoslawischen Föderation, auf die trifft man jetzt in der Verteidigung von Milosevics&apos;, wo es wohl ein wenig heikler wird. Er schlug aber eben nicht in dieselbe Kerbe, auch nicht sprachlich. Er hat einfach auf andere Sachen geachtet, sie für sich gedeutet. Wie er es ja schon immer getan hat, weil er mehr, tiefer und anders sieht als die Allgemeinheit. Deswegen die Veränderung der Literatur auf die Botho Strauss hinweist -  sie stammt aus Handkes Wesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hängt bestimmt mit seinen auch vorhandenen autistischen Zügen zusammen. Er schrieb metaphorisch, während von ihm   Plattitüden erwartet wurden. Was mich an dem ganzen Schlamassel weiter interessiert ist, wie dieser Konsens unter den &quot;bien pensant&quot; eigentlich gestiftet worden ist. Darüber werde ich mir noch ein paar Gedanken machen. Ich habe das &quot;erste&quot; und auch das zweite &quot;coming&quot; dieser Kontroverse verfolgt, hatte mir eigentlich eine dritte nicht gewünscht, aber mit dem Tod von Milosevics dann befürchtet. Ich weiß ziemlich genau, wie hierzulande der literarische Konsens hergestellt wurde, und wie viel weniger man an diesem Konsens rütteln kann als in Deutschland.&lt;/font&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Wie meinen Sie das?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#000080&quot;&gt;Michael Schneider hat die Übersetzung der &quot;Winterlichen Reise&quot; in der New Republic rezensiert. Es war eigentlich ähnlich dem, was er am Anfang dazu im Spiegel schrieb  reichlich Unsinn. Dass die Leute dann den Brief des Übersetzers, Scott Abbot, auch Professor, Princeton Ph D, nicht druckten, als er auf fehlerhafte Lesen Schneiders aufmerksam machen wollte, das ist der Skandal. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch mein Brief zu der Zeit an die NYRB [New York Review of Books] aufgrund eines Artikels von  J.S. Marcus wurde nicht gedruckt, und der Robert Silvers und ich kamen bis dann immer gut aus, jemand den ich schon ungefähr 45 Jahren kenne und immer gut ausgekommen bin. Ein Verriss des ganzen Werks nur der politischen Jugoslawien-Stellung wegen. Bis dahin immer faire Rezensionen von ganz ordentlichen Leuten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und die Sontag sagte dann so ungefähr: &quot;Nie werd ich wieder ein Handke Buch lesen...&quot; Es gab so gut wie keine öffentliche Diskussion wie in den deutschen Feuilletons. &quot;Winterliche Reise&quot; ist auch das einzige von den Jugoslawien Büchern, welches hier verlegt wurde. Dem Scott Abbot ist es deswegen bis jetzt nicht gelungen wenigstens einen der vielen amerikanischen Universitätsverlage zu überreden einen Sammelband dieser Jugoslawienbücher herauszubringen. Das miserable Germanistentum ist auch so etwas was man als Feiglingsrotte bezeichnen könnte. Das ganze Fach könnte man hier abschaffen und außer für den Sprachunterricht würde sie niemand vermissen.&lt;/font&gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;...wird &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2504464/&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; fortgesetzt...&lt;/i&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2006-07-31T12:57:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2194004/">
    <title>Günter Grass attackiert Peter Handke. Vom ungleichen Messen</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2194004/</link>
    <description>In &lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2006/22/Grass-Rede_xml?page=all&quot;&gt; einer Rede bei der Eröffnung des PEN-Kongresses&lt;/a&gt; in Berlin sagte Günter Grass Ende Mai zur &lt;a href=&quot;http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Friedenspreise/nobel-lit-pinter.html&quot;&gt;Rede Harold Pinters anlässlich seines Literaturnobelpreises&lt;/a&gt; im Jahre 2005:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;In seinem beispielhaft schnörkellosen Text sprach sich der Dramatiker zuerst als Schriftsteller, dann als englischer Staatsbürger aus. Als seine bittere, niemanden schonende, also unser aller Versagen und rücksichtsvolles Bemänteln offenlegende Rede vorlag, löste sie hierzulande bis ins Feuilleton der &apos;Frankfurter Allgemeinen Zeitung&apos; blindwütige Attacken aus. Ein Theaterkritiker namens Stadelmaier versuchte Pinter als Altlinken, dessen Bühnenstücke längst passé seien, lächerlich zu machen und abzutun. An der Offenlegung von Wahrheiten, die hinter Beschwichtigungen und einem Gespinst von Lügen versteckt waren, wurde Anstoß genommen...Harold Pinter hat das Unrecht benannt. Beispielhaft hat er bewiesen, was »Schreiben in friedloser Zeit« bewirken kann. Wir Schriftsteller sind aufgerufen, nicht nur anders, das heißt jenseits aller Parteinahme, die Toten zu zählen, sondern auch aufgrund unserer besonderen Begabung den einzelnen Toten, gleich ob Freund oder Feind, Frau oder Kind, aus der Masse der namenlos Verscharrten zu lösen, auf dass er kenntlich wird als Opfer eines Vorgangs, der Krieg heißt und viele Ursachen hat.&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halten wir einen Moment inne. Pinter geisselte wortgewaltig und zornig in seiner Rede vor der Schwedischen Akademie (übertragen per Videoinstallation) die Aussenpolitik der USA nach dem Zweiten Weltkrieg und deren Folgen. Die Rede gilt bei deutschen Intellektuellen (zu recht) als brillante Subsummierung und eine emphatische Anklage. In Deutschland wurde sie nur von sehr wenigen Blättern publiziert. Ansonsten trifft Grass&apos; Beschreibung den Kern genau: Das deutsche Feuilleton hat über sie hergezogen, ohne dem Leser den umfassenden Einblick zu gewähren. Man war sich einig und oft genug wurde das Totschlagsargument &quot;Antiamerikanismus&quot; aufgebracht (übrigens auch für Grass&apos; Rede, die doch - im Vergliech zu Pinter - einigermassen opahaft und bieder daherkommt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Heimatland gilt Pinter als (politischer) Querulant, dessen &quot;Eskapaden&quot; nur mit seinem Alter, seiner Krankheit oder beidem &quot;entschuldigt&quot; werden. Was hierzulande wenig bekannt ist: Pinter hat auch hinsichtlich der jugoslawischen Sezessionskriege, eine dezidiert andere Meinung als der &quot;Mainstream&quot; und hat den NATO-Angriff 1999 &lt;a href=&quot;http://www.haroldpinter.org/politics/politics_serbia.shtml&quot;&gt;hart verurteilt&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 14.6. brach nun Günter Grass sein Schweigen zu Handke und gab &lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2006/25/Interv_Grass_xml?page=all&quot;&gt;der ZEIT ein Interview&lt;/a&gt;. Für seine Empathie, was das &lt;i&gt;Schreiben in friedloser Zeit&lt;/i&gt; angeht, bleibt plötzlich nichts mehr übrig. Sein Bashing gegenüber allen, die Handkes Position verstehen, erläutern, gar preiswürdig finden, ist umfassend. Ausgerechnet Grass, das &quot;moralische Gewissen&quot; (freilich eine ihm okroyierte Bezeichnung - soviel Fairness muss sein), der Wetterer wider des (politischen, gesellschaftlichen) common-sense, der (selbsternannte?  klingt das denunziatorisch?) Wahrer der demokratischen Kultur, poltert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grass kam für mich - insbesondere in den 90er Jahren - als Vielunterzeichner mit fast pawlowscher Reflexhaftigkeit daher, wenn es galt, das Gute zu verteidigen, das Böse zu geisseln (die Deutungshoheit blieb dabei freilich immer bei ihm). Warum jetzt erst zu Handke? Vielleicht hat er hier etwas länger überlegt und abgewogen: Nimmt er eine Handke-freundliche Position ein, bricht die geballte Macht des Feuilletons auch noch über ihn herein  und dies 79jährig. Ganz sicher kein Vergnügen, zumal die (ästhetischen und persönlichen) Scharmützel mit Reich-Ranicki endlich, nach Zig-Jahren ausgeräumt scheinen  man hat seinen Frieden geschlossen. Der (verdiente) Literaturnobelpreis gibt gelegentlich zusätzlich guten Schutz. Warum also dies aufgeben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Womit alles begann...Cover vom Buch Winterliche Reise... &quot; height=&quot;150&quot; alt=&quot;Womit alles begann...Cover vom Buch Winterliche Reise... &quot; width=&quot;94&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Womit-alles-begann-Cover-vom-Buch-Winterliche-Reise.jpg&quot; /&gt;Was dann am meisten erstaunt, ist Grass&apos;, des Dichters, halt- und hilflose Sprache: Handke habe sich &lt;i&gt;verrannt&lt;/i&gt; heisst es am Anfang noch gemässigt, bis es dann schnell furioser wird, wenn er von Handkes &lt;i&gt;Parteinahme&lt;/i&gt; für Serbien spricht, welche &lt;i&gt;unsinnig&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;einseitig&lt;/i&gt; sei. Am Ende heisst es dann, Handke habe &lt;i&gt;immer die Neigung gehabt, mit den unsinnigsten Argumenten eine Gegenposition einzunehmen&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nehmen wir einen Moment an, Grass&apos; Diktum der &lt;i&gt;Parteinahme&lt;/i&gt; würde stimmen: Warum ist sie denn per se &lt;i&gt;unsinnig&lt;/i&gt;? Generell gefragt: Ist eine &lt;i&gt;Parteinahme&lt;/i&gt; nicht immer &lt;i&gt;einseitig&lt;/i&gt; - dieser Vorwurf also ein Pleonasmus? Wer bestimmt denn Sinn und Unsinn eines Argumentes, eines Kommentars, einer Sichtweise? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Sentenz zeigt die Fehlerhaftigkeit von Grass&apos; Argumentation. Handke sieht sein Geschriebenes nicht als blosse &lt;i&gt;Parteinahme&lt;/i&gt;, als einfachen Kontrapunkt nach dem Motto, ich widerspreche per se wenn jemand &quot;schwarz&quot; sagt, mit &quot;weiss&quot;. Dennoch: Als auf dem Höhepunkt der Kriegsberichterstattungen (es waren ja mehrere Kriege und mehrere Höhepunkte)  war / ist es nicht geradezu eine Pflicht, gegen die (wie sich später mehrfach herausgestellt hat) falschen und tendenziösen Berichte auch einmal eine andere Sicht mindestens als Möglichkeit des Denkens, Betrachtens, Sehens einzuführen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie begründet Grass seine Meinung, Handkes Sichtweise als &lt;i&gt;Meinungen, die man nachweislich als falsch bezeichnen kann&lt;/i&gt; in Bausch und Bogen abzuqualifizieren? Wir werden es nicht erfahren; es wurde leider nicht gefragt.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und was bedeutet denn, &lt;i&gt;mit den unsinnigsten Argumenten eine Gegenposition einzunehmen&lt;/i&gt;? Welches sind denn Handkes &lt;i&gt;unsinnigste Argumente&lt;/i&gt;? Oder hört, besser: liest, man nur die vorgefertigte, angelesene Meinung diverser journalistischer Artikel aus Grass&apos; Urteil heraus und weniger das genaue Studium der Bücher? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenigstens bleibt Grass konsequent (aber: &lt;i&gt;Konsequenz allein ist keine Kunst&lt;/i&gt;): Mit Grandezza negiert er die Notwendigkeit einer differenzierteren Betrachtung per se. Damit lässt er  ob er will oder nicht  nur den Mainstream gelten, obwohl er eingangs noch die politische Rolle der EU und Deutschlands bei der viel zu vorzeitigen Anerkennung von Slowenien und Kroatien konstatiert. Lapidar und wenig überzeugend seine Einlassungen zum Kosovo-Krieg der NATO: &lt;i&gt;Ich bin für den Militärschlag gegen den serbischen Terror im Kosovo gewesen. Aber dann kam es unter Oberhoheit der Vereinigten Staaten jeden Tag zu den so genannten Kollateralschäden.&lt;/i&gt; Ah ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf unterstellt Christof Siemes, der überforderte Fragesteller, Handke stilisiere Milosevic zum &quot;Opfer&quot;, was schlichtweg falsch ist. Für Grass eine Steilvorlage: &lt;i&gt;Ihn [Milosevic] zähle ich nun nicht zu den anonymen, unbekannten Opfern von politischen Fehlentscheidungen. Die wahren Opfer liegen an verschiedenen Stellen verscharrt, in Srebrenica und anderswo.&lt;/i&gt; Grass insinuiert damit, Handke würde Srebenica und andere Massaker in irgendeiner Form goutieren. Er ignoriert damit (unwissentlich? bösartig??) Handkes verschiedene  eindeutigen  &lt;a href=&quot;http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/99/77022/&quot;&gt;Stellungnahme(n)&lt;/a&gt;, die man hätte mindestens vorher lesen sollen, wenn man schon die Lektüre der Primärliteratur verabsäumt hat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grass sieht im weiteren Verlauf bei Handke nur eine Art starrsinniger &lt;i&gt;Konsequenz&lt;/i&gt;. Dieser Konsequenz spricht er als Wert an sich eine &lt;i&gt;poetische Qualität&lt;/i&gt; ab. Das ist natürlich richtig. Grass geht aber davon aus, dass Handkes Besuch und Rede bei der Beerdigung aus Loyalitätsgründen zu Milosevic geschehen sei; eine Art trotzige Parteinahme mit dem Nebeneffekt, sich wieder als Provokateur zu generieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handke schreibt hierzu: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&gt;&gt; Es war die Sprache, die mich auf den Weg brachte, die Sprache einer so genannten Welt, die die Wahrheit wusste über diesen &quot;Schlächter&quot; und &quot;zweifellos&quot; schuldigen &quot;Diktator&quot;, dem noch sein Tod zur Schuld gereichen sollte, weil er sich &quot;vor dem Schuldspruch, ohne Zweifel lebenslänglich, weggestohlen&quot; habe  warum, fragte ich, bedurfte es da noch eines Gerichtes, um ihn schuldig zu sprechen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Solche Sprache war es, die mich veranlasst zu meiner Mini-Rede in Pozarevac  in erster und letzter Linie solche Sprache, nicht eine Loyalität zu Slobodan Milosevic, sondern die Loyalität zu jener anderen, der nicht journalistischen, der nicht herrschenden Sprache. &lt;&lt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Martin Mosebach     c ZDF&quot; height=&quot;170&quot; alt=&quot;Martin Mosebach     c ZDF&quot; width=&quot;140&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Martin-Mosebach-c-ZDF.jpg&quot; /&gt;Am Rande gefragt: Wer würde eigentlich Otto Schily eine ideologische oder sonst wie geartete Nähe zu Ulrike Meinhof attestieren, nur weil dieser auch auf ihrer Beerdigung anwesend war und eine Rede gehalten hat? Und, wie es der Dichter Martin Mosebach in seinem &lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2006/24/P_-Handke_xml&quot;&gt;wunderbaren Artikel &quot;Vom Recht, Verbrecher verstehen zu wollen&quot;&lt;/a&gt; (&quot;Epik ist Vielstimmigkeit, kein Unisono&quot;) auf den Punkt gebracht hat: &quot;Dass die letzte Ehre, die man einem Toten erweist, niemals der Rechtfertigung bedarf, sondern einer jener axiomatischen Akte ist, die das Fundament der Humanität bilden, scheint bei gewissen Verteidigern der Menschenrechte nicht mehr verstanden werden zu können.&quot; (Ein klassischer &quot;Antigone-Konflikt&quot;?) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in einem Punkt irrt Grass auch, wenn er sagt &lt;i&gt;Handke wird ja Rechenschaft nicht für sein literarisches Werk abverlangt, sondern für seine politischen Ansichten&lt;/i&gt;. Die Absetzung seines Stückes Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land vom Spielplan der &lt;a href=&quot;http://twylyfe.kultur.at/log/set15/log704b.htm&quot;&gt;Comédie Française&lt;/a&gt; zeigt, dass der Streit längst eine andere Dimension bekommen hat, das es einigen um die Desavouierung auch von Handkes Werk geht. Das hat Grass nicht erkannt und  abermals bedauerlich  wurde vom Christof Siemes nicht angesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant, wie sich Grass zur Frage nach dem moralischen Mainstram äussert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;ZEIT: Wieder ist die Rede davon, dass es in Deutschland eine Art moralischen Mainstream gibt, von dem man nicht abweichen darf. Gibt es eine solche Diktatur der Political Correctness?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grass: Nein, so weit würde ich nicht gehen. Es gibt keinen Meinungsterror, aber Tabuisierungen, und da ist es schwer, eine Gegenmeinung zu formulieren, ohne gleich unter einen argumentfreien Verdacht gestellt zu werden. Als ich 1989/90 vorschlug, es zunächst mit einer Konföderation zu versuchen, war das ein Tabu. Es ging nur um Deutschland, einig Vaterland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZEIT: Sie konnten Ihre Position nicht äußern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grass: Äußern schon, aber es hat niemand mehr zugehört. Wenn man infrage stellte, was beschlossen wurde, galt man als Feind der deutschen Einheit. So wie auch jede Kritik an Amerika gleich als Antiamerikanismus diffamiert wird. Ein Totschlaginstrument.&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Typisch: Grass beantwortet die Frage nach dem &quot;Mainstream&quot; gar nicht, sondern erwidert, dass es keinen &quot;Meinungsterror&quot; gebe. Nur: Das hat niemand behauptet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen davon, dass Grass en passant Öffentlichkeit vermisst (was sicherlich nicht objektiv ist  denn Grass war seinerzeit sehr wohl im Gespräch und ist es immer noch, wenn er es möchte)  plötzlich, wenn es ihn selber betrifft, wird seine Sicht was &quot;Mainstream&quot; angeht, wieder &quot;dagegen&quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies zeigt den Unterschied zwischen Handke und Grass  einem fragenden, tastenden Dichter, und einem immer alles wissenden: Grass kennt nur &quot;dafür&quot; oder &quot;dagegen&quot;. Die Dichotomien der Eindeutigkeiten. Keine Grautöne. Keine Differenzierungen. Die Welt muss einfach bleiben. Er ist damit denen, die er stets so pauschal angreift, in keinster Weise unähnlich  nur, dass er (meist) von der entgegengesetzten Position kommt. Das stört  übrigens solange nicht, solange Grass Positionen einnimmt, denen man selbst weitgehend zustimmt. Die Holzschnitte seiner Argumentationen werden erst dann sichtbar, wenn Grass alles mit ihnen erklären will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen Unterschied zwischen poetischer und journalistischer Sprache sieht Grass nicht. Wozu ist Grass denn noch ein Dichter?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand wie Handke freimütig (naiv?) bekennt, dass er nichts weiss, keine Ahnung hat, &quot;Alleinschuld&quot;- oder Kollektivschuldurteile hinterfragt  damit kann jemand wie Grass, der stets die Moral und das Besserwissen für sich beansprucht hat, nichts anfangen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Günter Grass ist ein grosser Schriftsteller und ist (war?) ein guter Beobachter deutscher Innenpolitik. Sein Blick ist dabei nicht vorurteilsfrei  aber warum auch. Seine politischen Präferenzen sind immer noch auf Leute wie Willy Brandt ausgerichtet; insofern pflegt man die Tempel der Vergangenheit. Ja, ich bin Grass für sein Engagement zu Brandt dankbar. Es war damals gesellschaftlich verdammt notwendig. Das ist aber über dreissig Jahre her. Und, wer weiss, vielleicht haben andere mit weniger lautem &quot;Engagement&quot; ähnliches ausgerichtet? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe Grass&apos; (politisch katastrophales) Buch &quot;Ein weites Feld&quot;, in dem er 1990 literarisch ein neues, quasi &quot;viertes Reich&quot; im Deutschland nach der Vereinigung  am Horizont hervorlugen sah und dies kunstvoll, polemisch, heiter und gelegentlich bösartig tat, mit Genuss gelesen und seine Unsinnigkeiten immer verteidigt. Hätte ein Amerikaner dieses Buch über Deutschland geschrieben  es wäre hymnisch besprochen worden. Bei Grass wurde es verrissen, weil es im damaligen Mainstream nicht passte. Grass machte es den Verächtern leicht, weil sein Wiederaufstehen Bismarcks oder anderer Reichspolitiker lächerlich daherkam. Hinter jedem Baum sah er einen wiederaufstrebenden deutschen Nationalismus - sah er &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsgr%C3%BCndung&quot;&gt;1871&lt;/a&gt; zurückkommen. Dies zeigte für viele die Fehlerhaftigkeit seiner politischen Grobmotorik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Wort von der &quot;kommoden Diktatur&quot;, welches die DDR gewesen sei, wird ihm heute noch um die Ohren geschmissen. Für viele symbolisiert es die Fehlerhaftigkeit seiner historischen Einordnungen. Das mag sein. Dennoch: Grass bleibt primär Dichter, und ein guter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Botho Strauss hat recht, als er in seinem (teilweise zurecht) umstrittenen Artikel &quot;&lt;a href=&quot;http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E920B982940FD43F88F34E383349EEA21~ATpl~Ecommon~Scontent.html&quot;&gt;Was bleibt von Handke&lt;/a&gt;&quot; schreibt: &quot;Was bleibt schließlich von dem angeblichen Sänger des großserbischen Reichs, Peter Handke? Nicht nur der sprachgeladenste Dichter seiner Generation, sondern wie nur Überragende es sind, ein Episteme-Schaffender (nach dem Wortgebrauch Foucaults), eine Wegscheide des Sehens, Fühlens und Wissens in der deutschen Literatur.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hätte mir gewünscht, Grass hätte zu Handke geschwiegen. Seine paternalistischen, schulmeisterlichen Sentenzen führen in die Irre, verbauen die Sicht und wirken seltsam hölzern.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;sup&gt; Alle kursiv geschriebenen Stellen sind Zitate von Günter Grass.&lt;/sup&gt;

&lt;hr /&gt;

Zum Weiterlesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &lt;a href=&quot;http://www.nzz.ch/2006/06/17/li/articleE7H0L.print.html&quot;&gt;Wochenendausgabe vom 17.6. der NZZ&lt;/a&gt; (Info via &lt;a href=&quot;http://adresscomptoir.twoday.net/stories/2187600/&quot;&gt;Adresscomptoir&lt;/a&gt;) ist ein Interview mit Peter Handke abgedruckt, welches sich ausschliesslich mit der Jugoslawien-Problematik beschäftigt. &lt;a href=&quot;http://www.nzz.ch/2006/06/17/li/articleE7LWR.html&quot;&gt;Martin Meyers Statement &lt;/a&gt; hierzu soll nicht verschwiegen werden.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2006-06-19T08:43:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2090161/">
    <title>Der schändliche Rückzug: Kein Heine-Preis für Peter Handke</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2090161/</link>
    <description>Soeben wird bekannt, dass der Heine-Preis voraussichtlich in diesem Jahr doch nicht an &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Handke&quot;&gt;Peter Handke &lt;/a&gt; geht.  Die Fraktionen von SPD, FDP und Grünen im Düsseldorfer Stadtrat haben sich darauf verständigt, die Vergabe der Auszeichnung an Handke zu verhindern. Das geht vermutlich einfach, da sie das Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro nicht zur Verfügung stellen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgesehen von der Tatsache, dass damit die Entscheidung einer eigentlich autonomen Jury desavouiert wird (und wiederum zeigt, wie abhängig sich die Kultur von den politischen Entscheidungsträgern macht)  es zeigt, dass die Dreckkampagne der letzten Wochen (sicherlich hauptsächlich initiiert von Leuten, die Handkes Bücher nicht gelesen haben) Wirkung gezeigt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Worum geht es?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
S&lt;img title=&quot;Peter Handke&quot; height=&quot;216&quot; alt=&quot;Peter Handke&quot; width=&quot;250&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Peter-Handke.jpg&quot; /&gt;eit der Erscheinung seiner Erzählung Gerechtigkeit für Serbien  in den ersten Januartagen des Jahres 1996 in der Süddeutschen Zeitung spalten sich die Feuilletons - und nicht nur diese - in Handkehasser und Handkeverehrer. Die meisten Handkehasser nutzen willkommen die über Jahre vorher schon vorgenommene literarische Kritik, um ihn jetzt über den Umweg zur Erklärung der politischen Unperson, literarisch zu desavouieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handke hatte in der Reiseerzählung unter anderem Fragen ob der ausschliesslichen Schuld der Serben an den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien seit 1991 gestellt und Kritik an der Berichterstattung der Medien geübt, die ausschliesslich die Serben zum Alleinschuldigen darstellten. Handke, der Jahrzehnte lang keine Lesungen seiner Bücher mehr vorgenommen hatte, las in mehreren Städten aus seinem Buch vor, so u. a. in Frankfurt. Mit starker Sicherheitspräsenz (Taschenkontrolle) beim Betreten des Theaters begann dort nach Handkes Lesung eine leidenschaftlich geführte Diskussion auf der Bühne und auch im Publikum. Handkebefürworter, die die Sicht des Vorsitzenden der Gesellschaft für bedrohte Völker, der dem Text ablehnend bis feindselig gegenüberstand, nicht hören wollten, mussten von Handke beruhigt werden. Die Wellen schlugen hoch, nahezu alle Medien lehnten seine Einwürfe als Jargon der Uneigentlichkeit  und menschenverachtend ab. Im Herbst 1996 erschien dann Handkes Sommerlicher Nachtrag zu einer winterlichen Reise , der weniger beachtet, aber im Detail um so gründlicher verrissen wurde; allgemein galt als belegt, Handke habe nur noch einen draufsetzen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Beginn des Kosovo-Konfliktes, der schliesslich im März 1999 in das NATO-Bombardement gegen Jugoslawien eskalierte, äusserte sich Handke wiederholt und vehement in teils polemischer und auch verletzender  Art und Weise gegen die Intervention. Inzwischen galt als ausgemacht, dass Handke eine serbenfreundliche, ja Miloevic-treue Haltung einnahm. Anlässlich der Meldung der Rückgabe des Büchner-Preises und seinem Austritt aus der katholischen Kirche wurde Handke in der ARD-Tagesschau als pro-serbisch bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Kritiker, die Handke literarisch wohl gesonnen waren und seine 96er Bücher als eine Art Ausrutscher betrachten wollten, brachen jetzt endgültig mit ihm. Oft war zu hören, Handke sei in einer Art Wahn verfallen; er sei nicht mehr derselbe, der beispielsweise einst das so poetische Drehbuch zu Wim Wenders Film Der Himmel über Berlin  geschrieben habe. Andere nutzten die Gelegenheit mit ihm abzurechnen, seine Bücher als immer schon langweilig abzufertigen, was in Anbetracht der political correctness, die stets bei Künstlern einwandfrei zu sein hat, dann sozusagen legitimiert wurde.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handkes Einlassungen, er sei nicht pro-serbisch, sondern nur &lt;i&gt;mit den Serben&lt;/i&gt; , sein Erläutern, dass er Massaker und Verbrechen der Serben weder leugne noch bagatellisierte - all dies wurde in der allgemeinen Hetzjagd nicht mehr wahrgenommen. Seine Interviews Mitte Mai im österreichischen Nachrichtenmagazin News und dann einige Tage später in der Süddeutschen Zeitung, in denen er sich rüde und wütend gegen die politischen Verantwortlichen des Bombardements echauffierte, trugen sicherlich nicht zu einer Versachlichung bei, zumal Handke hier eine gewisse Einseitigkeit leicht nachzuweisen war (fragbar kann dann sein, ob Interviews eigentlich ausgewogen zu sein haben).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei hätten die oft wütenden und überraschten Reaktionen von Kritikern und Lesern ruhig etwas gelassener ausfallen können. Hätte man Handkes Werk, welches in den letzten rund dreissig Jahren ja durchaus einiges Volumen hat, genau gelesen, hätte man Handkes Furor nicht nur erahnen, sondern auch besser einzuschätzen gewusst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Jugoslawien = Arkadien&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Selbst unter Nichtberücksichtigung der in den letzten Jahren erschienenen Bücher, spielt Jugoslawien (sehr oft, aber beileibe nicht ausschliesslich, die Provinz Slowenien) in Handkes Werk eine sehr zentrale Rolle: Die Wiederholung (1986), Noch einmal für Thukydides (1991/1997), Abschied des Träumers vom Neunten Land (1991),der Gespräch-Band Noch einmal vom Neunten Land (1993). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen anderen  Erzählungen und Theaterstücken spielen Motive aus Handkes zahlreichen Reisen nach Jugoslawien immer wieder hinein. So ist es zum Beispiel möglich, Handkes Märchen Die Abwesenheit mindestens teilweise in Jugoslawien einzuordnen oder auch die Erzählung Wunschloses Unglück thematisiert anhand der Mutter Handkes die soziale Stellung der sogenannten Kärntner Slowenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handke besetzt Jugoslawien als einen positiven Topos des Zusammenlebens von Menschen. Anders als viele Intellektuelle, die in Titos Jugoslawien den ersehnten Dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus ausmach(t)en und das Land politisch als Modell idealisier(t)en, verwendet Handke eine politische Erhöhung nur im Sieg Titos gegen das Nazi-Regime (&lt;i&gt;Licht einer Idee&lt;/i&gt;). Auch das Handkes Mutter slowenischen Ursprungs ist, wird wohl nur eine untergeordnete Rolle für sein Interesse an Jugoslawien spielen, hat aber wohl seinen Zugang zur slowenischen Sprache, die Handke fliessend beherrscht (er hat u. a. Autoren wie Florjan Lipu übersetzt) und Mentalität befördert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handkes Affinität zu Jugoslawien (insbesondere Slowenien) liegt anders begründet: Zunächst hat es beim jungen Peter Handke eine Art Initiation in Jugoslawien gegeben (über die wir sehr wenig wissen).  Und zum anderen war es Slowenien, in dem Handke seine Wirklichkeit gefunden hatte: &lt;i&gt;Es war das genaue Gegenteil zu jener Unwirklichkeit, wie sie in Grausen versetzt den Schreiber der Briefe eines Zurückgekehrten (Hofmannsthal), welcher nach langer Abwesenheit von seinen deutschen Landen vor keinem einzigen Gegenstand da mehr dessen Existenz fühlt: Kein Krug wirkt mehr als Ding Krug, kein Tisch steht mehr da als Tisch; sämtliche Dinge in dem Gebiet Deutschland erscheinen dem Zurückgekehrten als gegenstandslos. Wie gegenständlich aber wurden dafür mir durch die Jahre, jedesmal, gleich beim wiederholten Überschreiten der Grenze, die Dinge in Slowenien: Sie entzogen sich nicht - wie das meiste inzwischen nicht bloss in Deutschland, sondern überall in der Westwelt -, sie gingen einem zur Hand. Ein Flussübergang liess sich spüren als Brücke; eine Wasserfläche wurde zum See; der Gehende fühlte sich immer wieder von einem Hügelzug, einer Häuserreihe, einem Obstgarten begleitet...wobei das Gemeinsame all dieser Dinge die gewisse herzhafte Unscheinbarkeit gewesen ist, eine Allerwelthaftigkeit, eben das Wirkliche, welches wie wohl nichts sonst jenes Zuhause-Gefühl des Das ist es, jetzt bin ich endlich hier! ermöglicht. &lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der positive Topos Jugoslawien speist sich also bei Handke nicht nur bzw. ausschliesslich aus einer politischen Richtung, wie dies beispielsweise in der Nach-68er-Bewegung der Fall war. Titos von der Sowjetunion losgelöste Politik, eine Art Lavieren zwischen Kommunismus auf der einen Seite und dem durchaus Akzeptieren des Kapitalimus (Tourismus) auf der anderen Seite (und den damit verbundenen Öffnungen des Landes) hat für Handke keine direkte Bedeutung. Er ist Betrachter eines Landes, welches Jugoslawien heisst, aber dessen politische Konstellation ihm für diese Betrachtung gleichgültig ist. Die wenigen Stellen in seinen Büchern, in denen er unmittelbar Bezug auf die Geschichte Jugoslawiens und des Widerstandes Titos und seiner Partisanen gegen die Nationalsozialisten nimmt, dienen ihm eher als Klammer einer für ihn offensichtlich so wahrgenommenen Identität der Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handke bekennt in Abschied des Träumers vom Neunten Land, dass er den Grund für die Abspaltung Sloweniens (und Kroatiens), diese Kleinstaaterei, nicht sehen  kann (und bekräftigte dies seinerzeit in der Fernsehsendung Titel, Thesen, Temperamente), was bei vielen Lesern und Intellektuellen auf  Unverständnis stiess, hoffte man doch, Handke als Verfechter der slowenischen Nation zu. Handke befürchtet nun eine Kommerzialisierung, Verwestlichung Sloweniens , &lt;i&gt;Unwirklichkeitsstreifen- oder gürtel&lt;/i&gt; , malt sogar die Einbetonierung wie in Andorra aus; ein Staat, der zwar existiert, aber dann auch wieder nicht, nur fiskalisch und als &lt;i&gt;entseelte Folklore&lt;/i&gt;. Spielte also die Politik innerhalb der Poesie Handkes keine Rolle, so ändert sich dies mit dem drohenden Zerfall dieses Staatenbundes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Abschied des Träumers vom Neunten Land benennt es Handke ganz klar: Jugoslawien ist für ihn &lt;i&gt;eine der wenigen Sachen, welche bei mir zusammengehören mit dem Beiwort mein; Sache nicht meines Besitzes, sondern meines Lebens.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz vor der Abspaltung Sloweniens und Kroatiens erscheint in der Tageszeitung eine kleine Geschichte mit dem Titel Noch einmal für Jugoslawien, die von ihm später in die Taschenbuchausgabe von Noch einmal für Thukydides unter dem Titel Geschichte der Kopfbedeckungen in Skopje  übernommen wird. Handke beschreibt hier ausschliesslich die Kopfbedeckungen der Menschen, die ihm auf dem Marktplatz von Skopje begegnen. In einer Art letzter Verzweiflung beschwört er das Miteinanderleben unterschiedlichster Menschen- und Religionsgruppen als friedliches Idyll, als Möglichkeit, Modell für ein friedliches Zusammenleben der ganzen Welt. Unterschiede nicht nivellieren, sondern befördern und gegenseitig respektieren - das exakte Gegenbild zur westlichen Einheitskultur, die einerseits den grenzenlosen Individualismus propagiert, anderseits jedoch die Massenkultur und die damit verbundene Vereinheitlichung pflegt. Die für Handke wichtigen, am Goetheschen Weltbild orientierten Vorgänge, wie beispielsweise das Geltenlassen der Phänomene, ist in dieser Welt nicht mehr möglich. Dies mit dem später häufig geäusserten Vorwurf der Idyllisierung eine vorindustriellen Welt abzufertigen, zeigt nur, in welch kleingeistigen Kategorien Kritiker oft ihre Urteile voreilig treffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Sprache&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Die Botschaft verhallt; in Abschied des Träumers vom Neunten Land gibt es Handkes ersten, wenn auch milden Zornesausbruch gegen die &lt;i&gt;Finstermannriege&lt;/i&gt; der FAZ oder dem &lt;i&gt;grossmäulig-ahnungslosen&lt;/i&gt; Spiegel . An dieser &lt;i&gt;Sache des Lebens&lt;/i&gt;, die ihn von nun an nicht mehr ruhen lässt, weil sein Arkadien - Jugoslawien - zerfällt, beginnt der Dichter Handke seine Sprachkritik, die auch zugleich Sach-Kritik wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freilich ist Handke kein Sprachkritiker wie beispielsweise Viktor Klemperer, der in seinem Buch LTI  die schleichende Infiltration einer speziell konnotierten Sprache auf die moralische Integrität einer Gesellschaft dokumentiert und Sprache nicht als bloss dahergesagtes, als Harmlosigkeit darstellt, sondern den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Sprache und Tat belegt bzw. Sprache als Tat wertet. Handkes Herangehensweise war eher philosophisch-poetologisch, wobei Einflüsse durch Ludwig Wittgenstein unverkennbar sind. Zwar erkennt Handke auch (und besonders in seinen 96er-Büchern) die Verwendung der Sprache als Medium der Beeinflussung von Massen, erlaubt sich jedoch gleichzeitig, Begriffe, die schier unrettbar verloren sind durch den Gebrauch in der LTI, wieder zu erretten, sie - die Worte - sozusagen nicht der LTI zu überlassen .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz neuer und ergänzender Sicht auf die Sprachkritik ist es erstaunlich, mit welcher Stringenz Handke immer schon auf den Zusammenhang der Verwendung von Sprache und deren politisch/soziale Konnotation reflektiert hat, freilich selten so direkt wie im Jahre 1969. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Tautologien der Justiz&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Im 1972 erscheinenden Sammelband Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms schreibt Peter Handke im Vorwort: &lt;i&gt;Von allen Texten in diesem Buch habe ich eigentlich nur Die Tautologien der Justiz ganz von mir aus geschrieben&lt;/i&gt;  und erläutert den hauptsächliche Grund für seine hier versammelten Feuilletons: das Geldverdienen, jene 300 Schilling pro Beitrag. Er war, als Die Tautologien der Justiz entstand, ein bekannter Nachwuchsschriftsteller, gerade reüssiert mit seinem Theaterstück Publikumsbeschimpfung. Handke etablierte damals auch das sogenannte Triviale in seine Betrachtungen, Essays und Feuilletons, etwa ein Fussballspiel oder eine Fernsehsendung mit Anneliese Rothenberger und verknüpfte das Beobachten mit Reflexionen über unsere Wahrnehmungen. Dies war im Grunde auch der Impetus des als Provokation empfundenen Stücks Publikumsbeschimpfung, in dem zwar vordergründig das anwesende Publikum beschimpft wurde, tatsächlich jedoch Rezeptionsgewohnheiten befragt werden sollten. So wundert es nicht, wenn Handke am Schluss des kurzen Vorwortes, &lt;i&gt;möglichst viele dieser Texte als Geschichten&lt;/i&gt;  gelesen haben möchte - ein Anliegen, das uns noch anderweitig begegnen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tautologien der Justiz ist ein Essay, der oberflächlich auch als eine Gerichtsreportage verstanden, in diesem Fall dann: missverstanden werden könnte. Handke thematisiert die Prozesse der unmittelbaren Nach-1968-Ära, in der es nicht mehr um die grossen Taten, sondern um vergleichsweise Bagatelldelikte wie Land- bzw. Hausfriedensbruch, Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration oder auch das Verrichten der Notdurft im Gerichtssaal geht. Er erweist sich als Beobachter dieser Vorgänge, aber nicht in journalistischer (berichtender, genremalerischer) Art, sondern auf einer sprach-reflexiven Ebene, also exakt in einem Bereich, den man einen dichterischen nennen würde, obwohl es sich um die strukturellen Gemeinsamkeiten  geht. Er zeigt, dass in der (versuchten) Neutralität des Richters versteckt oder sogar offen das Urteil bereits implizit vorhanden ist: &lt;i&gt;Die Motivationen für die Straftaten werden zwar keineswegs ausgeklammert, spielen aber nicht bei der Frage Schuldig oder Nicht Schuldig? eine Rolle, sondern erst bei der Frage Wie sehr schuldig?, das heisst bei der Zumessung der Strafe...&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den gesamten Essay über belegt Handke nun die vorweggenommene Verurteilung anhand decouvriender Details der Sprache der entsprechenden Richter und Staatsanwälte. Wichtig ist hierbei, dass Handke durchaus Ahnung von der Materie besass, da er immerhin einige Semester Jura studiert hatte. Er weist nun nicht nur die verräterische Sprache nach, sondern geht noch einen Schritt weiter: Er entlarvt (fast wie ein Detektiv) die Scheinargumentation der Justiz, die - so Handke - tautologisch argumentierte. Es ist so, weil ich es sage! , zitiert er einen Richter und es folgen nun detailliert Aufdröselungen aus den einzelnen Stadien eines Prozesses, der Beweisaufnahme, der Verhandlung und der Urteilsbegründung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Details von Handkes Argumentation sind eher nebensächlich. Genauso ist es unwichtig (auch für Handke), ob die Angeklagten den ihnen zur Last gelegten Tatbestand erfüllt haben oder nicht. Im Essay geht nicht darum, Schuld zu erkennen bzw. zu sanktionieren (also das eigentliche Werkzeug des Juristen). Die Herangehensweise des Dichters ist eine andere: Sie besteht - pathetisch ausgedrückt - darin, ob dem Angeklagten ein fairer Prozess überhaupt gemacht werden kann, da die ermittelnden und damit beschäftigten Menschen, die bestimmte Organe des Staates vertreten, eine verinnerlichte Vormeinung der Ereignisse haben - nicht zuletzt durch die Medien und deren Berichterstattung entstanden - , die sich nicht nur in der Sprache, die sie verwenden, spiegelt, sondern durch die sie umgebende Sprache erzeugt wird. Handke geht es also auch nicht unmittelbar darum, die Sprache der Justiz zu decouvrieren oder gar aufzudecken (ein wenig natürlich schon), sondern die Ursache der sich in ihrer Sprache findenden Urteile (Vorurteile) in ihrer Sprache zu suchen . &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Beweis tritt der Autor über die detailgemässe Analyse der Protokolle, Gutachten und Urteilsbegründungen an. Handke weist nach, dass Erläuterungen über Angeklagte wie Lebt von seinen Eltern, Erhält ein Stipendium oder die Tatsache, dass der Vater wegen Linksabweichung aus der Sozialistischen Studentenschaft ausgeschlossen wurde, a priori negativ konnotiert werden. Den Titel seines Essays bezieht Handke nicht nur aus dem oben erwähnten Richterzitat, sondern aus der Behandlung der in den Prozessen aussagenden Polizisten. Ihre Aussagen werden a priori positiv konnotiert: &lt;i&gt;Von Polizisten heisst es meist: gibt an, bestätigt, vom Angeklagten oder Entlastungszeugen in der Regel aber: behauptet. Die Polizeibeamten bekunden ihre Aussagen immer klar und sicher, durchaus glaubwürdig, übereinstimmend...Widersprechen sich aber einmal die Aussagen von Polizeibeamten, so sind sie trotzdem glaubwürdig, weil diese Widersprüche nur beweisen, dass die Polizisten ihre Aussagen nicht vorher abgesprochen haben&lt;/i&gt; .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Vorgehensweise gipfelt in dem Satz Recht muss Recht bleiben. Das nennt Handke die Tautologie der Justiz: &lt;i&gt;Leute, die glauben, dass diese Justiz nicht in Ordnung sei, dürfen das der Allgemeinheit nicht in jener Weise zeigen, die von dieser Justiz nicht zugelassen ist...Die Vertreter des Rechts sagen, was Recht ist; andere Meinungen und Aktionen, die diesen anderen Meinungen notwendig folgen, können also ab sofort als fremd im Sinn von volksfremd und staatsfremd bezeichnet werden.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Augenblick hat sich Handkes sprachkritischer Impetus in diesem Essay zu einem sachlichen gewandelt, nein, besser: ergänzt. Er nimmt zwar noch immer nicht Partei für (oder gegen) die Angeklagten, spricht jedoch indirekt der Justiz ob des tautologischen Problems die Kompetenz ab, über jene Leute zu richten, die gegen sie selber opponiert haben. Die Haltung der Justiz sieht Handke im politischen Gestus der Angeklagten begründet: Weil etwas wie beispielsweise Hausfriedensbruch aus politischen Motiven geschehen sei, beweist es für die Justiz, dass es geschehen sei.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tautologien der Justiz endet mit einem zaghaften Appell an &lt;i&gt;die Vertreter der Legislative, die allein ein solches Bewusstsein von Sachlichkeit steuern können, um Aufmerksamkeit für das zu ersuchen, was in den Gerichtssälen jetzt still und sachlich Tag für Tag abgehandelt wird.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms versammelten Feuilletons und Essays waren bis ungefähr 1990 für viele das politischste, was Handke je geschrieben hatte. Neben poetologisch-programatischen Versuchen wie Die Literatur ist romantisch, seinem berühmten Princeton-Verdikt, welches in Zur Tagung der Gruppe 47 in USA präzisiert wird, gibt es vier Essays (als Politische Versuche  bezeichnet), in denen Handke Stellung zu zeitpolitischen Vorgängen bezieht (Die Tautologien der Justiz  ist die ausführlichste Stellungnahme). Sie alle datieren zwischen 1967 und 1969, sind also unter dem Eindruck der 68er-Bewegung entstanden. Sie fallen dennoch durch kühle, ja distanzierte, fast logisch-argumentativ daherkommenden Ton auf (mit Ausnahme der ältesten Textes, der etwas radikal die Abschaffung aller dem einzelnen übergeordneten Institutionen des Staates  fordert), ohne jedoch als Journalistik bezeichnet werden zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch den Zerfall Jugoslawiens änderte sich Handkes Zurückhaltung, was politische Inhalte in seinem poetischen Werk angeht. Was selbst die deutsche sogenannte Wiedervereinigung nicht schaffte, nämlich eine in dieser Hinsicht irgendwie kommentierende Position Handkes (der Deutschland gegenüber mehr und mehr skeptisch gegenübersteht ), geschah nun: Wie kaum ein anderer Intellektueller nahm Handke seine private Angelegenheit zum Anlass, in das Politische vorzustossen - mit den Mitteln des Dichters: der Sprache. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;1995/96&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
Im Januar 1996 war die Welt froh, für Bosnien-Herzegowina einen Friedensplan gefunden zu haben. Vorausgegangen war ein jahrelanger, in den Medien mit allen Einzelheiten präsentierter sogenannter Bürgerkrieg. Das Friedensabkommen von Dayton war unterschrieben und Bosnien-Herzegowina de jure ein separater Staat, de facto jedoch in drei Zonen eingeteilt. Das Bild der Öffentlichkeit über diesen Krieg war im grossen und ganzen relativ klar: Serbien (welches nun auch zur Verwirrung vieler Jugoslawien, oder, um diese Verwirrung zu verringern, Rest-Jugoslawien genannt wurde [man stelle sich vor, die Bundesrepublik Deutschland seinerzeit Rest-Deutschland genannt zu haben!]) war der Aggressor, der Massaker verübte, die Bevölkerung von Sarajevo belagerte (was zu Assoziationen mit der deutschen Belagerung Leningrads [heute Sankt Petersburg] führte) und die systematische Vertreibung nicht-serbischer Bevölkerung betrieb (ethnische Säuberung). Es war somit ein Schönheitsfehler, dass ausgerechnet der für all dies doch verantwortliche, der damalige jugoslawische Präsident Slobodan Miloevic, in Dayton als Friedensgarant gebraucht und auch akzeptiert wurde. Die westlichen Medien umgingen die Argumentationsproblematik mit der Schuldzuweisung für die Greueltaten an den Führer der bosnischen Serben, den Psychoanalytiker und Schriftsteller Radovan Karadzic und dessen General Mladic. Beide hätten zwar ihre Macht niemals ohne Miloevics Zustimmung ausüben können, aber als Miloevic einsah, den Krieg nicht mehr gewinnen zu können, liess er die Karadzic-Truppe politisch fallen und mutierte zum Friedensengel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die intellektuelle Aufarbeitung der Ereignisse war noch nicht abgeschlossen, als im Januar 1996 in der SZ Handkes Aufsatz Gerechtigkeit für Serbien erschien. Die ganze Rezeptionsgeschichte dieser Erzählung (die auch Essay ist) wiederzugeben, ist unmöglich. Fast einhellig jedoch wurde der Text negativ beurteilt. Entscheidend für die Beurteilung war aber, dass Handke exakt auf die Vorgehensweise traf, die er vor fast dreissig Jahren bei der Justiz anlässlich der Studentenprozessen beschrieben hatte. Man &lt;i&gt;geht selbst bei den Tatsachenfeststellungen mit verdeckt normativen Begriffen vor, gibt diese aber als Tatsachenbezeichnungen aus.&lt;/i&gt; So wurde nicht nur in den Medien über die Jugoslawien-Kriege berichtet, so verfuhr man auch mit dieser Erzählung.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handke kehrte nun dieses Prinzip nicht einfach um (wie beispielsweise der Kritiker Hubert Winkels bemerkte, der Handke nur eine Dualität von Setzung und Gegensetzung  attestierte), sondern arbeitet die in der Kriegsberichterstattung verwandte Sprache anhand ihrer strukturellen Gemeinsamkeiten und Konnotationen auf, in dem er sie befragt (wobei natürlich klar ist, dass diese Fragen keine naiven Fragen, sondern Befragungen sind).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da aber nicht sein durfte, weil es nicht so sein durfte (Es ist so, weil ich es sage, und deshalb nicht so, weil es Handke sagt), brauste ein Sturm der Entrüstung auf. Auf die einzelnen, teilweise auch unverschämten Anmassungen, soll hier nicht eingegangen werden (so ist es beispielsweise absurd, Handke einen blossen Willen zur Provokation vorzuwerfen, hätte er doch jahrelang vorher an anderen Gegenständen provozieren können, ihm Gefühlskälte  für die Opfer zu attestieren oder gar wirtschaftliche Motive zu unterstellen). Interessant bleibt jedoch, warum Handkes Text eine derartige Abneigung erfuhr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sigrid Löffler sieht in ihrem Aufsatz Peter Handke und die Kontroverse um seine Streitschrift Gerechtigkeit für Serbien  eine tollkühne Provokation [welche] der Dichter hier unternimmt, durch nichts legitimiert als durch die schiere Eigenmächtigkeit des Künstlers...Er will...seine poetische Erfahrung, seinen Dichterblick, dem Bild entgegensetzen, das die Medien weltweit von den Serben entworfen haben. Das geht eben nur in Serbien. Insofern ist der Vorwurf, Handke habe nicht die Massengräber von Srebrenica besucht , geprägt vom Unverständnis der Absicht dieser Erzählung gegenüber (Gerade jene Kritiker, die selber nie einen Fuss in das Kriegsgebiet gesetzt haben... - Sigrid Löffler).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So liegt Handkes Hauptschuld darin, die Frage (wohlgemerkt: die Frage) nach der Schuld der Sezessionskriege einfach noch einmal neu zu stellen, dahingehend neu, dass man vielleicht fragen kann, ob nicht tatsächlich die gemutmassten 200.000 Toten für die unabhängigen Republiken Kroatien und Bosnien-Herzegowina zu viel seien. Er sagt ausdrücklich nicht, dass man die Expansionspolitik Serbiens hätte deshalb zulassen müssen; es ist nicht Handkes Intention, Tagespolitik zu machen, aber es ist sein Anliegen zu fragen, ob vielleicht zwischen einem serbisch-dominierten Rest-Jugoslawien und der Vielstaaterei nicht eine politische Zwischenlösung hätte gefunden werden können, ja müssen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handkes ausführliche Schilderung beispielsweise auf einem Belgrader Markt liessen zwei Vorwürfe aufkommen: Einerseits idyllisiere er eine Art vorindustrielle Gesellschaft (Serbien erlebte seinerzeit den UNO-Boykott), andererseits hätte Handke sozusagen gut reden, da er nach seiner Reise wieder in die so verhasste Konsumwelt zurückkehre und mitmache. Beide Vorwürfe tragen in sich den gleichen Kern: Wir leben in der besten aller Gesellschaften. Der Dichter weiss dies zwar (er lebt ja dort), aber er sagt es nicht und wünscht den Serben quasi die weitere Armut (Jargon der Uneigentlichkeit; s.o. ).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Meinung im Kopf, mutet es tatsächlich reichlich skurril an, wenn Handke von &lt;i&gt;walddunklen massigen Honigtöpfen&lt;/i&gt;, &lt;i&gt;truthahngrossen Suppenhühnern&lt;/i&gt; oder den fast zur Berühmtheit gelangten &lt;i&gt;andersgelben Nudelnestern oder -kronen&lt;/i&gt;  erzählt, aber warum eigentlich? Was ist so empörend an Handkes Einlassung, &lt;i&gt;Und ich erwischte mich dann sogar bei dem Wunsch, die Abgeschnittenheit des Landes - nein, nicht der Krieg - möge andauern; möge andauern die Unzugänglichkeit der westlichen und sonstwelchen Waren- und Monopolwelt?&lt;/i&gt; Ist es nicht Aufgabe der Literatur das jeweils andere, uns Unbekannte zu erzählen, nahezubringen? Was ist eigentlich das empörende an &lt;i&gt;andersgelben Nudelnestern&lt;/i&gt;? Oder ist unsere Leitkultur bereits derart verinnerlicht, dass anderes nicht mehr zugelassen werden kann? Ist die Wegwerf-Warenwelt auch in den Köpfen und Körpern der Literaturkritiker so verinnerlicht, dass sie als die nur noch einzige gilt? Können Erzählungen nur noch dann akzeptiert werden, wenn sie dem common sense entsprechen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die moralische Empörung des Feuilletons stützte sich auf die radikale Infragestellung die geschehenen Ereignisse in exakt jenem Ablauf zu sehen, wie dies mehrheitlich gesehen wurde und durch die allgemeine Berichterstattung implementiert war. Jedwede Kritik wurde sofort als Propaganda abgebürstet und Handke schlichtweg die Eignung abgesprochen, sich hierüber ein Urteil zu bilden.  Die Frage nach dem Warum? bleibt auf der Strecke. Statt Ursachenforschung sieht Handke die Berichterstattung reduziert auf &lt;i&gt;nackte, geile, marktbestimmende Fakten- und Scheinfakten-Verkauf&lt;/i&gt; . Der ursächliche Impetus eines Journalisten, hinter die Fassaden zu schauen sei bei der Mehrzahl der &lt;i&gt;Fernfuchtler&lt;/i&gt;  abhanden gekommen. Zuviel sei a priori bereits als Wahrheit vorausgesetzt, und, was stets vergessen wird: &lt;i&gt;Wenn man wissen will, was eine Nachricht ausmacht, muss man die Kamera umdrehen, muss zeigen wie sie ausgewählt, geschnitten, nachbearbeitet, getextet wird und welche Ideen ihr zur Prominenz verhelfen &lt;/i&gt;. Wer dies jedoch vergisst zu reflektieren, verliert das kritische Bewusstsein, ein Urimpuls des Journalisten (und auch Dichters). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgewandelt könnte man jetzt formulieren: Die Vertreter der Meinung sagen, was Recht ist; andere Meinungen und Aktionen, die diesen anderen Meinungen notwendig folgen, können also ab sofort als fremd, also unwahr bezeichnet werden. Und: Die Meinungsmacher übersetzen einfach objektive Bezeichnungen in subjektive Wertbegriffe und sie können, indem sie von den letzteren ausgehen, durchaus logisch verurteilen.  &lt;i&gt;Die Botschaft dieser Bilder, das sind sie selbst. Sie sind tautologisch, indem sie sagen: Seht her, der Krieg ist kriegerisch.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei geht es Handke nicht darum, Recht zu haben oder Recht zu bekommen (eher im Gegenteil, er wehrt sich ja gerade gegen diese Art von &lt;i&gt;Faktenhuberei&lt;/i&gt;). Dennoch möchte er, dass seine Position mindestens einmal berücksichtigt wird: &lt;i&gt;Warum sagst du das alles? - Weil es kaum einer sonst sagt...&lt;/i&gt;  Er möchte schlichtweg, dass seine Anschauung der Dinge die gleiche Wertigkeit besitzt, wie jene ausschnitthafte und letztlich tautologische Betrachtung der Tages-Journalistik. Die grundlegende Problematik der in der Welt an Schärfe und Intensität zunehmenden Konflikte und  Katastrophen können und sollen von ihr nicht berührt werden: Ein Bericht über einen Erdrutsch verlangt nach Bildern von Zerquetschten, gestürzten Hütten, aufegebahrten Leichen, nicht nach Analysen der Abholzungen, auf die Erdrütsche zurückzuführen sind. (Roger Willemsen)  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all dem Geschrei wurde Handkes Friedensimpuls in diesem Text nicht nur nicht gesehen, sondern auch noch Gegenstand der Verspottung. Im Gegensatz zum Aufarbeiten der Geschichte, zum bis ins letzte Detail herausfinden, wer was wann wie gemacht und wen umgebracht hat, setzt Handke die Amnestie: &lt;i&gt;Die bösen Fakten festhalten, schon recht. Für einen Frieden jedoch braucht es noch anderes, was nicht weniger ist als die Fakten. Kommst du jetzt mit dem Poetischen?  Ja, wenn dieses als das gerade Gegenteil verstanden wird vom Nebulösen. Oder sag statt das Poetische besser das Verbindende, das Umfassende - den Anstoss zum gemeinsamen Erinnern, als der einzigen Versöhnungsmöglichkeit, für die zweite, die gemeinsame Kindheit.&lt;/i&gt;  Handke plädiert eindringlich für das gemeinsame Sich-Erinnern, für den Umweg über das Festhalten bestimmter Nebensachen, welches er weit nachhaltiger sieht als das &lt;i&gt;Einhämmern der Hauptfakten&lt;/i&gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dies keine politische Naivität ist und als blosses Schwärmertum abgetan werden kann, beweist sowohl die Entwicklung der Versöhnung in Südafrika als auch die neuere Friedensforschung: Eines der konstantesten Elemente des Friedenschlusses, das sich über Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende hinweg sowohl innerhalb als auch ausserhalb Europas, sowohl in zwischen- als auch in innerstaatlichen Regelungen feststellen lässt, ist die Amnestie, in dem Sinne, dass jede Seite für dasjenige, was ihr von den Gegenseite angetan worden ist, Straffreiheit gewährt. Es handelt sich dabei selbstverständlich nicht um ein tatsächliches Vergessen - das wird von niemandem verlangt -, wohl aber um ein fiktives, insofern beide Seiten versprechen, sich so zu verhalten, wie wenn alles vergeben und vergessen wäre. Im übrigen steht es jeder Seite frei, Kriegsverbrecher aus ihren eigenen Reihen abzuurteilen (Jörg Fisch: Der fingierte Weltstaat oder Pinochet und die internationale Ordnung in Kursbuch, Juni 1999). Ein Standpunkt, der zweifellos eine Überprüfung einer moralischen Geschichts- und Politiksicht bedeuten würde.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie heisst es denn bei dem Philosoph Peter Sloterdijk in seinen Poetik-Vorlesungen: Hat nicht das regenerative Genie von Menschen immer neue Möglichkeiten erschlossen, vor die tödlichen Kapitel der Geschichte zurückzublättern und auf heillose Überlieferung mit der Stiftung neuer Lebensformen aus dem Geist des Anfangens zu antworten? Diese Überlegungen...machen deutlich, warum eine Poetik des Anfangens das Gegenteil einer romantischen Voreingenommenheit für gute alte Zeiten zur Voraussetzung hat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Kein Ende in Sicht&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
In seinem bereits im Vorfeld stark diskutierten Theaterstück von 1999 Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg  thematisiert Handke seine gesammelte Verzagtheit zum Thema Jugoslawien. Das Stück ist eine Mischung zwischen subversiver Medienkritik, tolldreister Jugoslawien-Verteidigung und Friedenssehnsucht. Am Ende lässt er alle Beteiligten, die vorher vor zwei Regisseuren ihre jeweilige Geschichte des Krieges erzählt haben, in einem imaginären Einbaum eine symbolische (und mystische?) Friedensfahrt unternehmen. Seriöse Kritiker wie Joachim Kaiser in der Süddeutschen Zeitung haben den mangelnden dramatischen Bogen des Stückes bemerkt und dies mit dem Furor des Autors erklärt. Dies ist sicherlich richtig, aber es ist kein Stück im herkömmlichen Sinne, sondern eher eine Art Erzähltheater. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hieraus eine gesteigerte Subjektivität abzuleiten die nur losgelöst von den objektiven Tatsachen sozusagen separiert betrachtbar  ist, wäre falsch. Es geht Handke ja eben nicht um &lt;i&gt;Faktenhuberei&lt;/i&gt;, um das Aufsammeln von möglichst vielen Tatsachen , die dann sozusagen gesühnt (oder gar gerächt) werden sollen (und wenn, dann von den eigenen Leuten ). So ist für ihn kein Frieden möglich. Dies wäre - im Sinne Sloterdijks - keine Poetik des Neuanfangens, da heillose Überlieferungen zur Rache und Vergeltung, zum Aufrechnen führen. Und insofern kehren wir zum Ausgangspunkt der Handkeschen Betrachtungen selbst wieder zurück: Über das Erzählen von Geschichten soll die Welt, sollen die Menschen wieder miteinander versöhnt werden, sich miteinander versöhnen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Max Frisch erläuterte einem Schweizer Bundesrat in einer Fernsehsendung einmal sein Literaturverständnis. Obwohl es literarisch kaum grössere Antipoden gibt als Handke und Frisch, so ist doch erstaunlich, welche Übereinstimmung sich zwischen den beiden in der theoretischen Betrachtung feststellen lässt. Literatur (für Frisch gleichgesetzt mit Poesie) bricht unsere versteinerten Selbstverständlichkeiten auf, reisst uns mit. Daher ist sie eo ipso nicht staatsbürgerlich. Frisch kommt zur Lösung: Da findet etwas anderes statt als Meinungspropaganda.  Literatur ist somit von der Publizistik (der Journalistik) eindeutig zu unterscheiden. Diese Unterscheidung reklamiert Handke für seine Jugoslawien-Bücher (und nicht nur für diese).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Welt, die auch Handke im Vorort von Paris umgibt, die Konsum- und Warenwelt stiftet für ihn kein versöhnendes Klima. Es ist eine Welt, in der Medien nur Ausschnitte von Bildern zeigen, die gerade opportun sind, es ist eine Welt, die die eine Hegemonie mit der anderen ersetzt. Handke ist mehr ein Moralist, als es scheinen mag. Er will aber bei aller Moral auch eine Gerechtigkeit. Hier argumentiert er (besonders in Gerechtigkeit für Serbien) - und durchaus stringent; verliert einen Augenblick seine Dichterrolle, ohne seinen Dichterblick zu verlieren und wird zum Journalisten, der er auch nicht sein will. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ihm vermutlich implantierte Reflex des Skeptikers der jeweiligen Mehrheitsanschauung gegenüber , das ausserordentliche Sprachgefühl , das Bestehen auf das eigene Betrachten, auf die eigene Anschauung  Handkes und seine persönliche Empathie für dieses Jugoslawien  - dies sind die Gründe für seine schroffe und unbequeme, gelegentlich trotzige Haltung. Warum gibst du dieses Land nicht endlich auf? Es ist ein verlorenes Land... wird der Grieche im &quot;Einbaum&quot;-Stück gefragt und die Antwort ist von einer verblüffenden Einfachheit: Wenn heute noch Volk, dann tragisches. Und das hier ist ein tragisches Volk. Und mein Platz ist beim tragischen Volk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tragik ist hier natürlich nicht der inflationär gebrauchte Begriff diverser Seifenopernproduzenten, sondern im streng aristotelischen Sinne zu verstehen: Die Menschen haben wegen ihres Charakters eine bestimmte Beschaffenheit und infolge ihrer Handlungen sind sie glücklich oder nicht.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Handke, der Verweigerer der Betroffenheit, insofern sie von einer Seite reklamiert wird , der ungeheuer akribische Leser und Informationsbeschaffer (El País, Le Monde, FAZ, SZ, DIE ZEIT, Spiegel, u.a.), der genaue und unbestechliche Anschauer , der - dies wird immer übersehen - es auch den Serben gibt und sie weiss Gott nicht als Unschuldsengel durchgehen lässt, verdient eine ihm gemässe Auseinandersetzung und Widmung und nicht das primitive Draufschlagen mit dem Hammer, wie man üblicherweise feuilletonistisch seine Gegner erledigt und ihm einfach en passant Unterstellungen unterschiebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und: Ja, seine Anwesenheit und die kleine Rede auf der Beerdigung von Miloevic war auch für mich befremdlich. Aber wer prügelt heute noch auf diejenigen ein, die seinerzeit im Zug sich selbst tötender RAF-Terroristen Grabreden hielten oder nur hinterherliefen (auch oder weil sie &quot;nur&quot; ihre Anwälte waren und es inzwischen, 25 Jahre später, bis zum Minister brachten)? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Diskussion um die &quot;Berechtigung&quot; Handkes, den Heine-Preis zu erhalten, geht parallel mit der Absetzung seines Theaterstücks &quot;Das Spiel vom Fragen&quot; (1989 entstanden und ohne jeden Bezug zur Jugoslawien-Problematik) vom Spielplan der Comédie Française. Man beginnt, auch noch den Dichter Handke zu demontieren. Ein erbärmliches Spiel: Man liest seine Bücher nicht oder nur falsch oder nur das, was man lesen will - um dann in Bausch und Bogen sein ganzes Werk zu diskreditieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den &quot;Salons&quot; betont man zwar stets, wie wichtig der Dichterblick sei und lobt auch die engagierte Rede eines Harold Pinter - solange seine Kritik den USA gilt -  (eine Miniversion haben wir neulich bei Günter Grass gehört; reichlich opahaft)  Hauptsache, alles bleibt im common sense und man kann sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heine hätte diese Gesellschaft nicht gemocht. Ganz sicher. Insofern wäre Handke der kongeniale Preisträger gewesen. Ihn jetzt auszubooten, ist eine Frechheit. Ich schäme mich als Einwohner der Stadt Düsseldorf.

&lt;hr /&gt;

&lt;i&gt;Nachtrag (01.06.06)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
In der &quot;Süddeutschen Zeitung&quot; klare Worte (für jeden verständlich - auch endlich für Nicht-Leser) von Peter Handke  &quot;&lt;a href=&quot;http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/99/77022/&quot;&gt;Am Ende ist fast nichts mehr zu verstehen&lt;/a&gt;&quot; und ein treffender Kommentar von Thomas Steinfeld &quot;&lt;a href=&quot;http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/999/76923/&quot;&gt;Die Selbstinszenierung der üblen Nachrede&lt;/a&gt;.&quot;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Peter Handke</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2006-05-30T13:58:00Z</dc:date>
  </item>


<textinput rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/search">
   <title>find</title>
   <description>Search this site:</description>
   <name>q</name>
   <link>http://begleitschreiben.twoday.net/search</link>
</textinput>


</rdf:RDF>
