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    <title>Begleitschreiben (&quot;Denken ist vor allem Mut...&quot; (Ludwig Hohl)) : Rubrik:Melancholie</title>
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    <description>&quot;Denken ist vor allem Mut...&quot; (Ludwig Hohl)</description>
    <dc:publisher>Gregor Keuschnig</dc:publisher>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:date>2008-07-10T22:33:31Z</dc:date>
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    <title>Begleitschreiben</title>
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    <title>Kleines Plädoyer für eine neue Naturbetrachtung</title>
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    <description>Im Feuilleton der aktuellen Ausgabe der &quot;Zeit&quot; ist ein kleiner, fast ein wenig verstecker, feiner Artikel der deutschen Schriftstellerin Marion Poschmann zu lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb einer Artikelserie mit dem eher schwammigen Titel &quot;Die Zukunft der Natur&quot; ist Poschmanns &quot;&lt;a title=&quot;Traut dem Augenschein&quot; href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/files/Traut-dem-Augenschein/&quot;&gt;Traut-dem-Augenschein&lt;/a&gt; (pdf, 516 KB)!&quot; ein kurzes, aber emphatisches Plädoyer für einen radikal anderen Umgang mit dem, was wir (oft genug fälschlicherweise) Natur nennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bisschen fühlte ich mich bei ihren Gedanken an die seinerzeit heftig diskutierten Fernsehfilme des Journalisten Horst Stern erinnert, der in den 70er Jahren unter anderem mit dem verkitschten Blick einerseits und dem rein ökonomischen Blick andererseits aufräumen und in drastischen Worten (und Bildern) die Naturlosigkeit des &quot;modernen Menschen&quot; aufzeigte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Poschmann konstatiert heute  richtigerweise  das in jedem &lt;i&gt;Reihenhausgarten&lt;/i&gt; ein &lt;i&gt;grösserer Artenreichtum&lt;/i&gt; (sowohl von Fauna und Flora) vorliegt, als in den Monokulturen der deutschen Wälder. Das Ergebnis solcher ausschliesslich ökonomisch betriebener Fortwirtschaft zeigt sich übrigens bei Extremereignissen wie dem Sturm &quot;Kyrill&quot; von Mitte Januar diesen Jahres oder den Borkenkäferplagen vergangener Jahre: Da es keine Vielfalt mehr gibt, sondern alles industriellen Gesichtspunkten untergeordnet ist, kommt es bei Ereignissen der oben beschriebenen Art zu Massenschädigungen grosser Waldbestände. Die Tatsache, dass in gesunden Mischwäldern weitaus geringere Schäden auftreten, wird ignoriert. Die Versuchung, den Ertrag über Monokulturen deutlich zu erhöhen, ist einfach zu gross; zumal mächtige Verbände bei den Politikern immer noch genug Geld für Schadenersatz lockermachen können, wenn es denn zu grossen Ertragsverlusten kommt. So wird dann der Verursacher der Malaise noch belohnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zurück zum Artikel. In kurzen und knappen Worten beschreibt die Schriftstellerin, wie der westliche Lebensstil zur Entfremdung der Natur gegenüber führt. Die &lt;i&gt;Vereinnahmung der Aussenwelt, um das Ich zu stabilisieren&lt;/i&gt; ist jedoch, so Poschmann, &lt;i&gt;bei näherem Hinsehen [ein] Konstrukt&lt;/i&gt;. Die Folgen sind fatal: &lt;i&gt;Je deutlicher das wird, desto heftiger der Stabilisierungsaufwand. Zwar behauptet sich die freue Entfaltung des Individuums als höchster Wert; aber da Freiheit erst einmal Leere bedeutet, erleben wir die panische Auffüllung dieser Leere mit Gegenständen, Statussymbolen und Komfort.&lt;/i&gt; Diese &lt;i&gt;Surrogate&lt;/i&gt; führen jedoch in einer Art Spirale zur immer weiteren Vertiefung der Leere, die dann wieder zu mehr Konsum führt, und so weiter.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Lebensstil wird als &lt;i&gt;das Natürliche&lt;/i&gt; empfunden. Als Gipfelpunkt dieser Unnatürlichkeit macht Poschmann dann das Automobil als &lt;i&gt;heilige Kuh&lt;/i&gt; aus, was zwar ein wenig kurz greift  es liessen sich beliebig andere &quot;heilige Kühe&quot; benennen (den Computer; die Medien bzw. den Medienkonsum [welche der uns so zahlreich präsentierten &quot;Informationen&quot; brauchen wir &lt;b&gt;unbedingt&lt;/b&gt;?]; die ökonomischen Abläufe, usw.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Folge ist, dass, so Poschmann, der &lt;i&gt;Respekt vor der Natur&lt;/i&gt; verloren geht. Dem gegenüber setzt sie den &lt;i&gt;radikal ästhetischen Umgang mit der Natur&lt;/i&gt;; kein rousseauhafter Reflex (&quot;Zurück zur Natur&quot;), sondern eher in kontemplativer, sinnlicher Art. Nicht sich selbst möglich weit weg von &quot;natürlichen Abläufen&quot; setzen, sondern wieder mehr als Teil der Natur fühlen. Poschmann vertritt die These, dass diese Anschauung der Natur den Menschen näher an den Gedanken der Endlichkeit führt  während die Surrogate unseres Konsums eine &lt;i&gt;symbolische Unsterblichkeit&lt;/i&gt; suggerieren. Die Folgen sind, dass wir uns unserer Verantwortung der Welt gegenüber nicht mehr bewusst werden, da unser Handeln fast ausschliesslich der Gegenwart dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man muss Marion Poschmanns Schlussfolgerungen nicht unbedingt teilen, um mit ihrer Diagnose überein zu stimmen. Aber ein schöner und lohnender Denkanstoss beim Osterspaziergang ist es allemal.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/topics/Melancholie&quot;&gt;Melancholie&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2007-04-07T12:51:00Z</dc:date>
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