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    <title>Begleitschreiben (&quot;Denken ist vor allem Mut...&quot; (Ludwig Hohl)) : Rubrik:Aussenpolitik</title>
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    <description>&quot;Denken ist vor allem Mut...&quot; (Ludwig Hohl)</description>
    <dc:publisher>Gregor Keuschnig</dc:publisher>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:date>2009-12-02T09:26:50Z</dc:date>
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    <title>Begleitschreiben</title>
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    <title>Dexter Filkins: Der ewige Krieg</title>
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    <description>&lt;img title=&quot;Dexter Filkins  Der ewige Krieg&quot; height=&quot;240&quot; alt=&quot;Dexter Filkins  Der ewige Krieg&quot; width=&quot;240&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Dexter-Filkins-Der-ewige-Krieg.jpg&quot; /&gt;Dexter Filkins, 1961 geboren, &lt;i&gt;kam zum ersten Mal als Korrespondent der Los Angeles Times im April 1998 nach Afghanistan und berichtete von dort regelmäßig bis zum Sommer 2000&lt;/i&gt;. Kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001, die er in New York erlebte, ging er nach Afghanistan zurück und blieb dort bis Ende 2002. Von März 2003 bis August 2006 lebte Filkins im Irak und berichtete von dort für die New York Times aus deren Bagdader Büro. &quot;Der ewige Krieg&quot;, ein in den USA vielfach prämiertes Buch, verspricht, so der Untertitel, &quot;Innenansichten aus dem &apos;Kampf gegen den Terror&apos;&quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder einmal ein irreführender und effekthascherischer Untertitel. Er ist in doppelter Hinsicht irreführend. Zunächst existiert er im US-amerikanischen Original gar nicht - das Buch heißt dort einfach nur &quot;The Forever War&quot;. Zum anderen suggeriert man durch den Gebrauch der Vokabel &quot;Kampf gegen den Terror&quot; (der zudem noch eine falsche, verharmlosende Übertragung des &quot;War on [against] terror[ism]&quot; darstellt) eine mindestens teilweise introspektive Analyse über eine reine Schilderung des eigentlichen Krieges hinaus. Dies wird jedoch durch Filkins nicht geleistet  (was in anderer Hinsicht im Laufe des Buches zum Problem wird). &lt;a href=&quot;http://www.nytimes.com/2008/12/14/books/review/10Best-t.htm?_r=1&quot;&gt;(Interessant ist, dass &quot;The Forever War&quot; auf Platz 2 der &quot;New York Times&quot;-Liste der besten &quot;Non-fiction&quot;-Bücher des Jahres 2008 steht, während auf Platz 1 Jane Mayers &quot;Inside Story&quot; über die Intentionen der Bush-Regierung mit dem Titel &quot;The Dark Side&quot; steht.)&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Ballast erst einmal befreit, kann das Buch als das gelesen werden, was es sein soll: Reportage, Reise- bzw. Erlebnisbericht, gelegentlich auch selbstreferenzielle Darstellung des Alltags eines amerikanischen Journalisten in einem kulturell vollkommen fremden (und fremdbleibenden) Gebiet. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert  nach einem Epilog gibt es rd. 70 Seiten Schilderungen aus Afghanistan. Der deutlich umfangreichere Teil umfasst dann fast 300 Seiten über den Irak.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Streunende Hunde und Wodka in Strömen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Filkins arbeitet durchaus mit Schockelementen in seinen Reportagen, die den Leser bannen sollen, was man gleich zu Beginn des Afghanistan-Kapitels feststellt. So ist er &lt;i&gt;Ehrengast&lt;/i&gt; einer Art &quot;Gerichtstag&quot; im Fußballstadion zu Kabul im Jahr 1998. Zunächst wird einem vermeintlichen Dieb die Hand abgehackt. Und danach wird ausführlich über die Exekution eines Mörders berichtet. Gemäß der Scharia, so weiß Filkins, kann die Familie des Ermordeten den Täter durch Verzeihen begnadigen. Die Familie macht jedoch in diesem Fall keinen Gebrauch davon; ein Familienmitglied exekutiert den Delinquenten. Filkins schildert jedoch nicht nur diesen barbarischen Akt als solches. Für ihn steht dies repräsentativ für ein von ihm zutiefst verabscheutes System. Hier prallten, so die Stereotype, &lt;i&gt;zwei Jahrhunderte aufeinander&lt;/i&gt;. Aber wieso vergisst er die Hinrichtungsprozeduren in den USA, die zwar nach außen &quot;zivilisierter&quot; verlaufen  de facto jedoch mit dem gleichen Resultat? Das Prinzip der Rache, welches er tief in der afghanischen (muslimischen?) Gesellschaft verankert sieht (im Irak-Teil erzählt ihm jemand, wie aus Rache das Blut des Mörders tatsächlich getrunken wurde), setzt er nicht im Kontext zum vermeintlich aufgeklärten Westen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man eine Reportage als bloßes Abbild des Geschehenen versteht, erscheint dieser Einwand vielleicht als Beleg übermäßiger politischer Korrektheit. Aber Filkins belässt es eben nicht bei der bloßen Schilderung der Ereignisse. Seine Sprache ist immer auch schon implizit Urteil. Harmlos noch, wenn die Straßenkinder von Afghanistan angelaufen kommen &lt;i&gt;wie eine Herde Wildpferde&lt;/i&gt;. Aber wenn er die Hand hebt, laufen sie weg &lt;i&gt;wie streunende Hunde&lt;/i&gt;. Auf dem Hinrichtungsplatz gibt es ein &lt;i&gt;Gerangel wie bei einem Rugbyspiel&lt;/i&gt; (die Vergleiche mit amerikanischen Symbolen ist natürlich für sein Publikum gedacht). Die &quot;Taliban&quot; (er definiert diesen Begriff nicht) sind grundsätzlich &lt;i&gt;niederträchtig und finster&lt;/i&gt; (oder sind die &lt;i&gt;finster&lt;/i&gt; Dreinschauenden immer gleich &quot;Taliban&quot;?), &lt;i&gt;strohdumm&lt;/i&gt; oder schlichtweg &lt;i&gt;Mistkerle&lt;/i&gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;Dexter Filkins   c New York Times&quot; height=&quot;250&quot; alt=&quot;Dexter Filkins   c New York Times&quot; width=&quot;400&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Dexter-Filkins-c-New-York-Times.jpg&quot; /&gt;Er berichtet von Hotel-Angestellten, die sich wehmütig an die goldene Zeit Ende der 1960er Jahre erinnern (und man sieht den Reporter nickend). Die Frauen trugen Miniröcke, &lt;i&gt;in den zahlreichen Bars des Hotels flossen Gin und Wodka in Strömen&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;der Champagner wurde aus Frankreich eingeflogen&lt;/i&gt;. Dies ist offensichtlich (s)ein Ideal für &lt;i&gt;eine einstmals funktionierende Gesellschaft&lt;/i&gt;. Dann &lt;i&gt;seien die Dinge aus dem Ruder gelaufen&lt;/i&gt; zitiert er seinen Gesprächspartner und es folgt eine äußerst knappe und naturgemäß unvollständige Schilderung der historischen Ereignisse. Dem Leser, der nur Filkins als Augen- und Ohrenzeugen hat, bleiben beispielsweise Grund und Ausmaß der Unterstützung der USA und des Westens für die Mudschaheddin im Kampf gegen die Sowjetunion verborgen. Immerhin erwähnt er, dass die Taliban-Regierung zunächst durchaus beliebt war in der Bevölkerung, da sie den Bürgerkrieg beendete und Ordnung schuf (freilich eine diktatorische). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die verräterische Sprache&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Schilderung der Warlords, die Teile Afghanistans während der Zeit des Bürgerkriegs abwechselnd beherrschten bzw. bekriegten, kann man an den Attributen ablesen, wer ihm (und somit &quot;den&quot; Amerikanern) genehm ist und wer nicht. Der im September 2001 ermordete Massoud sah mit seiner Wollmütze wie &lt;i&gt;ein Künstler&lt;/i&gt; aus und wird neutral als &lt;i&gt;tadschikische[r] Kommandant&lt;/i&gt; bezeichnet. Dostum dagegen ist ein &lt;i&gt;usbekische[r] Schlächter&lt;/i&gt; (als er später Kontakt mit Amerikanern aufnimmt, fällt das Urteil dann milder aus; eine gelungene Reportage gelingt ihm von den inoffiziellen Kontakten der USA zu Dostum) und Hekmatyar ein &lt;i&gt;islamistische[r] Fanatiker&lt;/i&gt;. Es gehört zu den Merkwürdigkeiten dieses Buches, wie Filkins die Saga von Mullah Omar wiedergibt ohne auf dessen spätere Funktion als Oberhaupt der Taliban-Regierung hinzuweisen (er bleibt der &lt;i&gt;einäugige Omar&lt;/i&gt;).   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer weiß der Reporter, wer gut und böse ist. In den Berichten aus dem Irak wird dies noch offensichtlicher. Hier zeigt sich das Elend des &quot;embedded&quot; Journalismus. So wird im Epilog die Schlacht um Falludscha im November 2004 beschrieben: AC/DC-Musik gegen Muezzin-Gesänge. Ein gelungenes Bild, aber Filkins belässt es dabei nicht, sondern verfällt dem Schlachtengetümmel. Da werden die Flüche amerikanischer Soldaten zitiert, die aus Dschihadisten &lt;i&gt;&quot;verkackte Turbanträger&quot;&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;&quot;Wichser&quot;&lt;/i&gt; machen und ganz schnell gerät der Reporter in diesen Platoon-Sog, denen fast alle erliegen, auch diejenigen, die vorgeben &quot;Anti-Kriegs&quot;-Bücher oder Filme machen zu wollen oder gemacht zu haben, weil sie vergessen, dass mit Schilderungen aus einer Perspektive genau das erzeugt wird, was man zu verhindern sucht: ein archaisches Mitgefühl, ein Mit-Fiebern; Parteilichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Filkins&apos; Sprache ist entlarvend: Die amerikanischen Soldaten sind stets &lt;i&gt;jung&lt;/i&gt;, sehen meist noch aus wie &lt;i&gt;Kinder&lt;/i&gt;, die es in eine &lt;i&gt;Horrorwelt&lt;/i&gt; verschlagen hat. Einer hat eine Stimme wir ein &lt;i&gt;Junge vor dem Stimmbruch&lt;/i&gt;. Die &lt;i&gt;Jungs&lt;/i&gt; sind dennoch &lt;i&gt;hart&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;findig&lt;/i&gt;, manchmal auch &lt;i&gt;entschlossen&lt;/i&gt;. Sie sind &lt;i&gt;großgewachsen, gutaussehend und gesellig&lt;/i&gt;. Einer hat ein &lt;i&gt;kantiges Kinn&lt;/i&gt; wie Johnny Cash. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen stehen &lt;i&gt;die Iraker&lt;/i&gt;. Ein Mann hat da nicht einfach nur einen Bart, sondern es wird erwähnt, dass ihm dieser &lt;i&gt;von einem Ohr bis zum anderen&lt;/i&gt; reicht (Filkins ist aufgrund der Ereignisse in Afghanistan und der Bartpflicht unter den Taliban sensibilisiert). Einer hat einen &lt;i&gt;runde[n] Kopf&lt;/i&gt;, ein anderer einen &lt;i&gt;dicke[n] Hals&lt;/i&gt;. Manche sind &lt;i&gt;rundlich&lt;/i&gt;; meist werden ihnen eher langsame Bewegungsabläufe attestiert. Den irakischen Patrouillen &lt;i&gt;hing der Bauch über dem Gürtel&lt;/i&gt;. Grundsätzlich scheinen sie auch dort &lt;i&gt;finsterblickend&lt;/i&gt;. Für Physiognomien von &quot;Einheimischen&quot; werden ohne Ausnahme negative Formulierungen verwendet. Nie ist ein Iraker schlank oder gutaussehend, es sei denn er ist im Filkins-Tross, also Übersetzer, Fahrer (die sehen dann schon mal aus wie &quot;Dirty Harry&quot;) oder Hilfesuchender (denen er Stipendien oder Arbeitsmöglichkeiten in den USA verschafft, wenn es möglich ist). Ausführlich geht er auf die &lt;i&gt;arabische Mentalität&lt;/i&gt; ein (bzw. das, was er dafür hält) aber auch hier gilt, dass diejenigen, die in seiner unmittelbaren Umgebung agieren von den sonst üblichen Dysphemismen &quot;befreit&quot; sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Pietà versus Computerspiel&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äußerst suggestiv werden Ursache und Wirkung aufgehoben und immer mehr umgekehrt: Die Invasoren werden zu &lt;i&gt;Kinder[n]&lt;/i&gt; (Kinder wecken in uns fast instinktiv Schutzgefühle), die fast wie tragische Helden agieren und von den undankbaren, finsteren Einheimischen (die gar nicht gefragt wurden, ob sie diese  Form der Demokratie haben wollten) in einen Krieg verstrickt werden. Man kann dies leicht an den den Metaphern illustrieren. So stirbt ein amerikanischer Soldat in den Armen eines Kameraden (ein Pietà-Bild), aber die &lt;i&gt;Turbanträger&lt;/i&gt; werden in die Luft gesprengt (wie in einem Computerspiel; entsprechend schildert er auch die Einzelheiten wie austretende Gehirnmasse). Und wenn ihm, wie in Afghanistan, tatsächlich Kindersoldaten begegnen, beschreibt er diese mit seltsam anerkennendem Gestus. Er bittet sie, sich von ihm fotografieren zu lassen (also sich für ihn noch in Pose werfen) und lässt den Leser wissen, der habe dieses Bild &lt;i&gt;im Regal&lt;/i&gt; bei sich zu Hause stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Filkins&apos; Verständnis für die amerikanischen Soldaten ist schier grenzenlos; seine Bewunderung gipfelt fast in Heldenverehrung. Er wird zum Sprachrohr derjenigen, die  wie er sich ausdrücken würde  ihren Arsch auch für ihn hinhalten, verliert dabei jegliche Distanz und macht sich gemein mit einer Sache. Verständlich vielleicht, wenn einem die Kugeln um die Ohren pfeifen, aber wo bleibt da die Professionalität, wenn man so etwas schreibt: &lt;i&gt;Trotz der überwältigenden Hitze gingen die Marines fast täglich raus, beladen mit Ausrüstung und Waffen. Hinaus in die Nacht, hinaus in die Trümmer. Darauf aus, Menschen zu töten. Manchmal rannten sie los und warfen dabei einen Kanister, der grünen Rauch verströmte.&lt;/i&gt; Kein Wort, wer ihnen den Befehl für solche Aktionen gab und worin ihr Sinn besteht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur einmal (in der Mitte des Buches) verlässt er den selbstgebastelten metaphorischen Schützengraben und dies kommt dann fast einem Befreiungsschlag gleich: &lt;i&gt;Es hatte keinen Zweck, die Jungs zu sentimentalisieren&lt;/i&gt; schreibt er plötzlich von &quot;seinen&quot; Soldaten. &lt;i&gt;[S]chließlich waren sie ausgebildete Killer. Sie konnten einen Menschen zielsicher aus 500 m Entfernung erschießen oder ihm die Kehle durchschneiden, von einem Ohr bis zum anderen&lt;/i&gt; (das gleiche Bild wie beim ungeliebten Bartträger). &lt;i&gt;Und sie stellten nicht viele Fragen. Sie glaubten an das, was sie taten; sie taten, was ihnen gesagt wurde, und sie töteten Menschen. Manchmal frustrierten sie mich; manchmal wünschte ich, sie würden mehr Fragen stellen.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&quot;Riesige Scheißhaufen&quot; beim Abzug&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Genau diesen Wunsch hat der Leser auch an den Autor. Bestimmte Fragen stellt Filkins nämlich gar nicht. Etwa wenn ein Marine ein Musikvideo schaut, in dem Parolen gegen Bush und den Irakkrieg skandiert werden, dann hätte man es gerne gehabt, wenn der Reporter den Soldaten nach dessen Meinung dazu befragt hätte. Die Hintergründe, die zu diesem Krieg führten, thematisiert er nie. Die Rechtmässigkeit des Einsatzes wird nicht angesprochen. Seine eigentlich gut gelungene Reportage über Ahmad Chalibi vermittelt unterschwellig den Eindruck, die Bush-Regierung sei auf diesen Mann hereingefallen, als er ihnen von Arsenalen von Chemie- oder Nuklearwaffen erzählte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal schreibt Filkins, die Marines &lt;i&gt;redeten nie davon, dass man Herz und Verstand der Menschen gewinnen müsse.&lt;/i&gt; Aber erstens ist dies primär keine Aufgabe der Marines (sondern derer, die sie befehligen) und zweitens: Wie soll dies in Anbetracht der Ereignisse geschehen? Er beschreibt die für die Bevölkerung äußerst erniedrigende Vorgehensweise der amerikanischen Soldaten bei den nächtlichen Hausdurchsuchungen, bei der Waffen oder Aufständische aufgespürt werden sollen. Er spricht von der &lt;i&gt;Strategie der eisernen Hand&lt;/i&gt; und unterschlägt die Wankelmütigkeit der Besatzer, die mal eisern durchgreifen und dann wieder den Dingen wochenlang ihren Lauf lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er berichtet über den Einmarsch von 6000 Marines in Falludscha. Da gab es unter anderem ein &lt;i&gt;Problem&lt;/i&gt; mit den Toiletten: &lt;i&gt;Man konnte nicht einfach irgendwo im Freien die Hose herunterlassen, auch nachts nicht, denn die Aufständischen hatten extrem gute Scharfschützen. Die Toiletten funktionierten nicht, weil es kein Wasser gab.&lt;/i&gt; (Warum brach eigentlich die Infrastruktur nach Einmarsch der Amerikaner zusammen?) &lt;i&gt;In der Großen Moschee, einem der Orte, wo wir einen Tag blieben, benutzten die Marines den Raum für die Aufbewahrung der Koranexemplare als Toilette  nicht aus Respektlosigkeit gegenüber dem Koran, sondern weil man dort ungestört war.&lt;/i&gt; (Wurde die Moschee ansonsten von Gläubigen noch benutzt?) &lt;i&gt;Ein paar Pappkartons dienten als Toilettenschüsseln, und wenn sie voll waren, wurden sie rausgetragen. Riesige, tropfende Pappkartons, gefüllt mit Menschenscheiße.&lt;/i&gt; (Wohin wurden sie verbracht?) &lt;i&gt;Doch auf unserem Vormarsch benutzten wir hauptsächlich die Toiletten in den Privathäusern. Wir brachen in die Häuser ein und kackten in die Toiletten, und wenn die voll waren, machten wir auf den Boden. Bei unserem Abzug hinterließen wir riesige Scheißhaufen.&lt;/i&gt; Fast entschuldigend dann: &lt;i&gt;Im Irak gab es tagtäglich sehr viel Schlimmeres als im Haus wildfremder&lt;/i&gt; (sic!) &lt;i&gt;Leute Fäkalien zu hinterlassen.&lt;/i&gt; (Als sei es besser, im Haus von Bekannten eine kollektive Notdurft zu verrichten.) Pflichtschuldig folgt dann noch der Satz: &lt;i&gt;Trotzdem&lt;/i&gt; (sic!) &lt;i&gt;hatte ich kein gutes Gefühl dabei.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gibt es keine Einzelanschauung wird grobschlächtig pauschalisiert: Der Irak sei ein &lt;i&gt;Irrenhaus&lt;/i&gt;, weiß er. Oder &lt;i&gt;von Anfang an&lt;/i&gt; ein &lt;i&gt;großes Täuschungsmanöver&lt;/i&gt; gewesen (er meint ausdrücklich  n i c h t  das Täuschungsmanöver der Bush-Regierung, um den Einmarsch zu legitimieren, sondern die Angewohnheit der &lt;i&gt;Aufständischen&lt;/i&gt;, sich zu ergeben, wenn sie ihre ausweglose Lage erkennen, aber bei nächstbester Gelegenheit wieder angreifen). Zu Beginn erscheint ihm der ganze Irak &lt;i&gt;traumatisiert&lt;/i&gt; und voller Verschwörungstheorien, was die Amerikaner angeht (von den amerikanischen Verschwörungstheorien abermals kein Wort). Und konzediert er im Gespräch mit Chalibi, dass der Irak ein &lt;i&gt;säkulare[s], fortschrittliche[s] Rechtssystem&lt;/i&gt; gehabt habe (er kann damit nur die Saddam-Zeit gemeint haben), so ist für ihn 2006 Bagdad in &lt;i&gt;vorzivilisatorischem Zustand&lt;/i&gt;, beherrscht von einem &lt;i&gt;Ökosystem des Schreckens&lt;/i&gt;. Warum dies so ist  der Leser muss die Antwort anderswo suchen, im vorliegenden Buch gibt es nicht einmal ein Bemühen darum, diesen Punkt zu klären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Befehl und Gehorsam&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dexter Filkins ist natürlich kein Bushist. Und man ist zunächst durchaus dankbar, kein wohlfeiles Bush-Bashing serviert zu bekommen. Aber die Ausklammerung jeglicher politischer Implikationen folgt zu sehr dem Prinzip der &quot;Neutralität&quot; des Militärs. Ein wesentlicher Faktor von Demokratien ist das Primat der Politik, welches auch vom Militär nicht angetastet wird. Insofern ist die Armee eines Landes ausführendes Organ eines demokratisch legitimierten politischen Willens, was in diesem Fall ein Dilemma darstellt (aber auch das ist nicht das Thema). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist das Prinzip von Befehl und Gehorsam, und zwar sowohl im Verhältnis zwischen Politik und Armee als auch innerhalb der Armee. Der Armee steht es demzufolge weder zu die politischen Entscheidungen (demokratischer Regierungen) zu kritisieren, geschweige denn sich diesen zu verweigern. Filkins übernimmt die Rolle dieses Mikrokosmos der Armee, die losgelöst vom Rest der Welt auf ihre Hierarchiestruktur baut und die Handlungsanweisungen umsetzt, als gegeben und unabänderlich an (vielleicht auch, weil seine eigene physische Existenz direkt davon abhängt). Damit einher geht jedoch - ob er will oder nicht - die implizite Billigung genau der politischen Entscheidung(en), die ein Soldat als Soldat nicht zu kritisieren hat. Ist die Befehlmaschinerie dem Soldaten eingedrillt worden, so ist sie beim Reporter keineswegs von Beginn an präsent. Durch den Umstand, in die Truppe &quot;eingebettet&quot; zu sein mutiert Filkins (mindestens zeitweise) zum Soldaten, der wie ein Soldat sieht, handelt und spricht (die moral-ethischen Verwicklungen dieser Struktur streift Filkins natürlich überhaupt nicht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Maße, wie die Annäherung zwischen Amerikanern und der einheimischen Bevölkerung sichtbar scheitert, nimmt diese unreflektierende Position noch zu. Damit wird aber auch die notwendige oder mindestens erstrebenswerte Objektivität des Reporters immer brüchiger. Auch in den Begegnungen mit den &quot;einfachen&quot; Menschen schwingt neben Unverständnis auch jene neokoloniale Attitüde mit, die niemals einen Zweifel über die Richtigkeit des eigenen Standpunkts aufkommen lässt. Die sprachlichen und kulturellen Barrieren werden zementiert; es entsteht ein Gruppenverhalten zwischen &quot;uns&quot; und &quot;denen&quot;, welches irgendwann schon bei der flüchtigen Betrachtung eines &lt;i&gt;Irakers&lt;/i&gt; auf der Straße antizipiert wird. Eine objektive Berichterstattung ist kaum noch möglich und wird später auch gar nicht mehr angestrebt, da sie die eigenen Urteile befragen müsste und sich herausstellen könnte, dass sie bestenfalls nur einen Teilausschnitt eines Ganzen sind. Der eingebettete Journalist ist emotional in seiner &quot;Gruppe&quot; verstrickt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bleibt nicht aus, dass Filkins im Laufe des Buches über seine Empfindungen, seinen Alltag und die Schwierigkeiten des Reporter-Daseins berichtet. Wir erfahren wann, wo und wieviel er joggte, was er dabei trug und wie die irakischen Posten seine Kleidung (Shorts) indirekt missbilligten (als man ihm ein irakisches Fußballnationalmannschaftstrikot schenkt ist er zwar gerührt  er weiß natürlich über die Fußballbegeisterung großer Teile der Bevölkerung  aber die knielange Nylonhose [ein Wink mit dem Zaunpfahl, den er natürlich verstand] ignoriert er). Wir lesen von der Hitze, den Problemen mit dem Satellitentelefon, der rationierten Stromversorgung, die den Betrieb des Laptop erschwert. In den besseren Momenten lesen wir von einer Art Gewöhnung an die irgendwann alltäglichen (Selbstmord-)Anschläge und Filkins&apos; kruden Theorien (bei Selbstmordattentaten bildete sich immer weißer Rauch  bei Bombenanschlägen schwarzer; den entstehenden Rauch vergleicht er mit der Hiroshima-Bombe und ist vermutlich noch stolz auf diesen Vergleich). Und natürlich lesen wir ausführlich von den Gefahren, die Filkins und die Crew (Übersetzer, Fahrer, Fotografen  die Beschreibungen über &quot;sein&quot; Team ist stets sehr respekt-, ja liebevoll) ausgesetzt waren und auf diese subtile Art soll natürlich eine Art &quot;Wir&quot;-Gefühl auch beim Leser erzeugt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kann jemand irgendwann nicht mehr aus seiner übergestreiften Haut. Nie überlegt er, ob eine Wahl nach westlichen Kriterien für den Vielvölkerstaat und dessen Proporz überhaupt sinnvoll ist. Nie überlegt er, warum &lt;i&gt;die Iraker&lt;/i&gt; einerseits amerikanische Hilfsgelder annehmen, andererseits jedoch keinerlei &quot;Liebe&quot; zu den USA entwickeln (eher im Gegenteil). Dies mit einem Hinweis auf die &lt;i&gt;Mentalität&lt;/i&gt; abzutun, ist oberflächlich und niveaulos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Durchaus gute Seiten&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dieses Buch ist nicht ausschließlich schlecht. Es gibt sehr gute Berichte und Portraits. Etwa wenn er die Pressekonferenz des &quot;Tugendministers&quot; der Taliban beschreibt und dessen Kriterienkatalog nüchtern ausbreitet. Oder die kleine Geschichte, als er beim Joggen in Bagdad einen Jungen trifft, dieser auf Saddam Husseins Republikanischen Palast zeigt und dieser Junge dann sagt &lt;i&gt;&quot;Haus von Saddam&quot; [] &quot;Jetzt Haus von Bush&quot;.&lt;/i&gt; Die Geschichte des Arztes in der Kinderklinik, die ohne kontinuierliche Stromversorgung ist - dessen Rede rüttelt auf. Auch die Schilderung, wie mit einem unglaublichen Material- und Soldatenaufwand ein Heckenschütze in einem verlassenen Gebäude gejagt wird (er flieht nachher mit Fahrrad) ist äußerst gelungen und zeigt in diesem Moment überdeutlich den Wahnsinn dieses Krieges. Und immer wenn Filkins in den USA Ehemalige trifft (die scheinbar alle nach Rückkehr ihren Dienst quittiert haben), gelingen atmosphärisch-dichte Schilderungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zu Recht sieht Filkins den Irak längst im Bürgerkrieg. Die beteiligten Parteien beschreibt er durchaus; fast gebetsmühlenartig erklärt er den Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten, erklärt, warum die Schiiten von Anfang an skeptisch gegenüber den Amerikanern waren (sie wurden im Golfkrieg 1991 von den Amerikanern zum Aufstand ermuntert, dann jedoch alleine gelassen), erläutert die Zersplitterungen der einzelnen Gruppen eindringlich und zeigt in einem sehr die Orientierungslosigkeit der amerikanischen Politik auf (insbesondere Paul Bremer erscheint nicht in gutem Licht). Dennoch: Als sich vieles bequemerweise auch auf al-Qaida zurückführen lässt, übernimmt er dies gerne, vielleicht weil er dem Leser zu Hause irgendwann nicht mehr alle Einzelheiten zumuten wollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber in dem er die amerikanische Seite immer wieder heroisiert bzw. als Opfer darstellt, ist seine Sicht parteiisch. Auch (oder gerade weil) er zugibt, dass der Irak seit 2004 &lt;i&gt;verloren&lt;/i&gt; sei (was ihn prompt von sogenannten Patrioten Beschimpfungen einbrachte), erstaunt die vollkommen fehlende Empathie für die, die er so pauschal &lt;i&gt;die Iraker&lt;/i&gt; oder, mehr Differenzierung ist aber nicht drin, &lt;i&gt;die Aufständischen&lt;/i&gt; nennt (in einer Fußnote auf Seite 379 erläutert Filkins immerhin, wie er den Begriff des &quot;Aufständischen&quot; definiert und das diese Pauschalisierung &lt;i&gt;unumgänglich&lt;/i&gt; sei  warum es überhaupt Aufständische gibt, versucht er erst gar nicht herauszufinden)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unverständlich, warum die einzelnen Reportagen derart unstrukturiert abgedruckt werden. Zwar gibt es Aufteilungen in Kapitel, aber die thematische Anordnung überzeugt nicht. Übersichtlicher wäre es gewesen, die Texte chronologisch zu ordnen, schon um Entwicklungen besser sichtbar zu machen. So ist der Leser mal im Jahr 2003, dann 2006 und irgendwann wieder 2004. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Fazit&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt sehr viele überflüssige Wiederholungen, Skandalisierungen und auch Widersprüche. Wobei niemand einen Vorwurf erhebt, wenn man die Lage im Irak 2004 anders eingeschätzt hatte als 2006. Aber wenn von Falludscha als der &lt;i&gt;feindseligste[n] Stadt&lt;/i&gt; und wenige Seiten später von Samarra als der &lt;i&gt;gefährlichsten&lt;/i&gt; Stadt des Irak die Rede ist, so sind diese Attribute ob ihrer Subjektivität schlichtweg überflüssig. Und einerseits wird die Brutalität im afghanischen Bürgerkrieg hervorgehoben und einige Seiten später heisst es dann, Krieg in Afghanistan &lt;i&gt;war eine ernste Sache aber so ernst auch wieder nicht&lt;/i&gt; (darauf anspielend, dass die Kriegsparteien zu bestimmten Jahreszeiten einen stillschweigenden, partiellen Waffenstillstand einhielt). Schließlich: Was soll man eigentlich von einem Journalisten halten, der Iraker bei der Betrachtung des Fußball-WM-Spiels 2006 Portugal gegen Niederlande beobachtet und bemerkt, das Spiel würde aus einem &lt;i&gt;Stadion in Luxemburg&lt;/i&gt; übertragen (gemeint ist übrigens Nürnberg)? Und richtig peinlich wird es, wenn sich Filkins am Ende als Hündin &quot;Laika&quot; in einem Sputnik im Weltall sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer etwas über Terrorismus, deren Ursachen und Möglichkeiten der wirklichen Bekämpfung erfahren möchte lese &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4538876/&quot;&gt;Louise Richardson &quot;Was Terroristen wollen&quot;.&lt;/a&gt; Über die neuen Kriegsformen Ende des 20./Anfang des 21. Jahrhunderts erfährt man sehr Interessantes in &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5779538/&quot;&gt;Martin van Crevelds &quot;Gesichter des Krieges&quot;.&lt;/a&gt; Und wer zeitgenössische Landser-Romantik des 21. Jahrhundert bevorzugt, ist bei Dexter Filkins ziemlich gut aufgehoben. 

&lt;hr /&gt;
&lt;small&gt;Die kursiv gesetzten Passagen sind Zitate aus dem besprochenen Buch.&lt;/small&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2009-12-01T19:40:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/6056081/">
    <title>Avraham Burg: Hitler besiegen</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/6056081/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Avraham Burg  Hitler besiegen&quot; height=&quot;282&quot; alt=&quot;Avraham Burg  Hitler besiegen&quot; width=&quot;183&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Avraham-Burg-Hitler-besiegen.jpg&quot; /&gt;Ein Buch wie eine Hilfeschrei. Hier schreibt einer, der getrieben ist von einer besseren Welt. Getrieben von dem Aufsprengen eines Teufelsreises mit den Mitteln der Einsicht, des Arguments  und der Empathie. Der Autor ist Avraham Burg, 1955 geboren, ehemaliger Offizier in einer Fallschirmjägereinheit, ehemaliger Vorsitzender der &quot;Jewish Agency&quot; und ehemaliger Knesset-Sprecher (ein vielfach &quot;Ehemaliger&quot; also). Burg ist Sohn eines &quot;Jeckes&quot;, eines Dresdner Universitätsprofessors, der in Deutschland blieb &lt;i&gt;so lange es eben ging&lt;/i&gt;, für eine Unterorganisation des Mossad in Paris illegale Einwanderer herausschmuggelte und dafür sogar mit NS-Offizieren verhandelte und später Minister in mehreren israelischer Regierungen wurde und einer arabischen Jüdin, die als Kind nur mit Glück und Hilfe (ihres arabischen Vermieters) dem &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Hebron_(1929)&quot;&gt;Hebron-Massaker 1929&lt;/a&gt; entkam. Dieses Buch will er auch verstanden wissen als Gespräch mit seinem (verstorbenen) Vater und als Dialoggrundlage für seine Kinder (uns es gibt berührende Momente der Annäherung und der Bewunderung seinen Eltern gegenüber). 

&lt;center&gt;*   *   *   *   *&lt;/center&gt;

Von Johannes Rau stammt der Satz: &quot;Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt. Ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anderen verachtet.&quot; Genau um diese Differenz geht es in dem Buch &quot;Hitler besiegen&quot;: Burg ist ein Patriot, der sich gegen das nationalistisch werdende, sich isolationistisch gebärdende und dabei mehr und mehr in Paranoia verfallende Israel positioniert und stattdessen seine, die Werte seiner Familie, die Werte der Gründerväter, die Werte eines modernen, neuen Judentums, setzen möchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[&lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/6056084/&quot;&gt;weiterlesen und Kommentarmöglichkeit&lt;/a&gt;]</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-23T08:20:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5452811/">
    <title>Obama ante portas</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5452811/</link>
    <description>Interessantes und teilweise herausfordernd-aggressives Interview mit &lt;a href=&quot;http://www.merkur.de/2009_03_geistesgegenwart-choms.32125.0.html?&amp;no_cache=1&quot;&gt;Noam Chomsky im &quot;Rheinischen Merkur&quot;.&lt;/a&gt; Chomsky zeigt sich als Kassandra, und das nicht nur, was Obamas Präsidentschaft angeht:

&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Vieles weist darauf hin, dass sie ähnlich verlaufen könnte wie Bushs zweite Amtsperiode. Während Bushs Politik am Anfang von extremer Arroganz, Rechtsbeugungen und Kriminalität bestimmt war, kehrte er in seiner zweiten Amtszeit zu gemäßigten Standards zurück. Obamas Team achtete sorgfältig darauf, nie zu viel zu verraten. Im Vordergrund stand die hochfliegende Rhetorik von Hoffnung und Wandel und Einheit. Aber was bedeutet das denn?&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Chomsky stellt die Frage, wer der Mensch hinter der Kampagne ist, die die Welt so begeistert hat:

&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Aus dem, was Obama sagt, lässt sich nicht schließen, wer er ist. Selbst die Linken halten Obama für einen prinzipiellen Gegner des Irakkrieges. War er das? Für ihn war der Irakkrieg ein strategischer Missgriff. Prinzipielle Ablehnung hätte bedeutet zu sagen, dass es falsch ist, nicht, dass es nicht funktioniert.&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im aktuellen Gaza-Krieg hält Chomsky (wie viele Linken) Israel für den Aggressor und vergleicht die Situation der Einwohner von Gaza mit dem Warschauer Ghetto. Dieser Vergleich ist allerdings vollkommen abwegig, da das Warschauer Ghetto den Nationalsozialisten als Zwischenstation zum Weitertransport in die Vernichtungslager diente. Was Chomsky zu einem solchen irrsinnigen Vergleich getrieben hat, bleibt wohl sein Geheimnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;small&gt;(Im Link sind erscheinen die Kapitel-Überschriften wie Äusserungen Chomskys!)&lt;/small&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast ergiebiger ist da das &lt;a href=&quot;http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=sw&amp;dig=2009/01/17/a0154&amp;cHash=a2af8ff1f0&quot;&gt;&quot;taz&quot;-Interview mit Bill Ayers&lt;/a&gt;. Ayers&apos; Sicht auf die Präsidentschaft Obamas ist eher vorsichtig optimistisch:

&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Obama ist überdurchschnittlich smart, er hat herausragende Qualitäten, und seine Wahl ist ein geradezu vernichtender Schlag gegen den Überlegenheitsglauben der Weißen. Er wird einer der intelligentesten Präsidenten sein. Als er während des Wahlkampfs gefragt wurde, wen Martin Luther King, wäre er noch am Leben, unterstützen würde, lachte Obama nur und sagte: King wäre auf der Straße und würde Gerechtigkeit fordern, er würde keinen von uns unterstützen. So etwas verstehen nur sehr wenige Politker. Dazu müssen wir Obama beglückwünschen. Aber links war er nie. Er ist ein Moderater.&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warten wir&apos;s ab.

&lt;hr /&gt;
Dank an &lt;a href=&quot;http://handke-discussion.blogspot.com/&quot;&gt;Michael Roloff &lt;/a&gt;für die Links.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2009-01-17T18:42:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5424513/">
    <title>Peter Sloterdijk: Theorie der Nachkriegszeiten</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5424513/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Peter Sloterdijk Theorie der Nachkriegszeiten&quot; height=&quot;333&quot; alt=&quot;Peter Sloterdijk Theorie der Nachkriegszeiten&quot; width=&quot;200&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Peter-Sloterdijk-Theorie-der-Nachkriegszeiten.jpg&quot; /&gt;Es ist ja nicht so, dass sich Peter Sloterdijk darüber beklagt, dass das deutsch-französische Verhältnis &lt;i&gt;vom Heroismus zum Konsumismus&lt;/i&gt; mutiert scheint und inzwischen mit &lt;i&gt;wohlwollende[r], gegenseitige[r] Nicht-Beachtung&lt;/i&gt; vermutlich zutreffend charakterisiert ist. Am Ende empfiehlt er ja sogar den grossen Konfliktherden der Welt, sich &lt;i&gt;nicht zu sehr füreinander&lt;/i&gt; zu interessieren. Denn erst &lt;i&gt;gegenseitige Desinteressierung und Defaszination&lt;/i&gt; lassen &lt;i&gt;Kooperation und Vernetzung&lt;/i&gt; zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thesen basieren auf einer Rede, die 2007 gehalten wurde. Einerseits wird das deutsch-französische Verhältnis skizziert (zunächst weit ausholend und dann doch auf die Zeit nach 1945 konzentriert) und zum anderen die Rolle Deutschlands in Europa befragt. Ein Europa, für das die Bezeichnung &quot;Nachkriegseuropa&quot; 64 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs langsam obsolet sein dürfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&quot;Metanoia&quot; und &quot;Affirmation&quot;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 50jährige Jubiläum des gemeinsamen Gottesdienstes zwischen Adenauer und de Gaulle im Jahre 1962 in Reims antizipierend (Sloterdijk greift hier spitzbübisch dem &quot;Jubiläumsjahr&quot; 2012 vor [nur die Evangelische Kirche in Deutschland ist da geschäftiger: sie beginnt &lt;a href=&quot;http://www.luther2017.de/&quot;&gt;im Jahr 2008 die Feierlichkeiten&lt;/a&gt;, die sogenannte &quot;Lutherdekade&quot;, die 2017 ihren Höhepunkt haben soll]), stellt er trocken, aber wahrscheinlich zutreffend fest: &lt;i&gt;Es gehört fast keine Phantasie dazu, um sich die Reden vorzustellen, die manhören wird.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast ständig waren Deutsche und Franzosen im Wechselspiel zwischen Krieg und Frieden aufeinander fixiert und miteinander (teilweise fatal) &quot;verbunden&quot;. Sloterdijk beschreibt die &lt;i&gt;psychosoziale[n]&lt;/i&gt; Verwicklungen als &lt;i&gt;pathogene gegenseitige Faszination&lt;/i&gt; und kreiert dafür die Begriffe &lt;i&gt;Metanoia&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Affirmation&lt;/i&gt;. Dabei ist &lt;i&gt;Metanoia&lt;/i&gt; weniger als &lt;i&gt;christliche Buße&lt;/i&gt;, sondern als &lt;i&gt;das weltliche Umlernen im Dienste erhöhter Zivilisationstauglichkeit&lt;/i&gt; zu verstehen. Das bloße &quot;Wunden lecken&quot; eines verlorenen Krieges genügt bei dieser Art säkularer Reinigung nicht. Genau wie die Sloterdijksche &lt;i&gt;Affirmation&lt;/i&gt; mit dem Triumph des (Kriegs-)Gewinners nur unzureichend beschrieben scheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch ist es gerade das Affirmative, welches in der Interdependenz zwischen den beiden Polen (sprich: Welten oder [platter ausgedrückt] Nationen) bestimmend (konstituierend?) ist. Sloterdijks Beispiel ist das des im Prinzip kriegsverlorenen Italien des Jahres 1918, welches sich nur durch das Bündnis der Alliierten in einem &lt;i&gt;verstümmelten Sieg&lt;/i&gt; als Mitgewinner des Ersten Weltkriegs hinüberretten konnte. Diese in &lt;i&gt;Sieg umgefälschte Niederlage&lt;/i&gt; führte nicht zur &lt;i&gt;metanoetischen&lt;/i&gt; Reinigung. Stattdessen schwang sich eine &lt;i&gt;ultranationalistische Partei&lt;/i&gt; zu einer &lt;i&gt;heroischen Hyper-Affirmation&lt;/i&gt; auf: die Faschisten. Mussolini &lt;i&gt;errang bei Wahlen 1924 nicht weniger als 66% der Stimmen&lt;/i&gt;. Und statt kluger strategischer Affirmation der Siegermächte mit den Kriegsverlierern gab es den Versailler Frieden, so wird insinuiert (ohne es direkt anzusprechen).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;De Gaulle statt Mussolini&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;de Gaulle und Adenauer Reims 1962&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;de Gaulle und Adenauer Reims 1962&quot; width=&quot;294&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/de-Gaulle-und-Adenauer-Reims-1962.jpg&quot; /&gt;Die Parallele zum siegreichen Verlierer Italien 1918 sieht Sloterdijk am Ende des Zweiten Weltkrieges in Frankreich: &lt;i&gt;Denn so wie die Alliierten vom November 1917 an für die Italiener eine letzte Front errichtet hatten, damit sie bis zum Tag der deutschen Kapitulation durchhielten, trugen die Alliierten die realen Kriegslasten für die Franzosen  bis zu jener unvergesslichen &quot;Libération&quot; am 25. August 1944, als de Gaulle an der Spitze improvisierter eigener Truppen einen triumphalen Einzug in Paris hält.&lt;/i&gt; Und eben &lt;i&gt;weil die französische Niederlage von 1940 um vieles eindeutiger ausgefallen war als die italienische von 1917, geriet die Einreihung der Franzosen (die nur in Jalta fehlten) unter die Siegermächte um vieles auffälliger als die der Italiener nach dem Ende des Ersten Weltkrieges.&lt;/i&gt; Aber &lt;i&gt;immerhin&lt;/i&gt;, so wird erleichtert vermerkt, habe es in Frankreich de Gaulle und nicht eine Figur wie Mussolini gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sloterdijk attestiert sehr wohl &lt;i&gt;Ansätze einer authentischen französischen Metanoia&lt;/i&gt; die aber &lt;i&gt;wegen der erneuten Demütigungen durch die Entkolonialisierungskonflikte in Indochina und Nordafrika&lt;/i&gt; scheiterten bzw. rudimentär blieben. 1958 &lt;i&gt;diktierte&lt;/i&gt; de Gaulle dann die &lt;i&gt;starke präsidiale Fixierung für &quot;la grande nation&quot;&lt;/i&gt;, überhöhte das Präsidentenamt mit dem &lt;i&gt; Elysée [als]  europäisches Weißes Haus&lt;/i&gt;. Hinzu kam dann Anfang der 60er Jahre die &lt;i&gt;zugespitzteste Form einer post-stressorischen Affimationsstrategie&lt;/i&gt;: die französischen Nuklearwaffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussenpolitisch verbucht er de Gaulles Versöhnung mit Adenauer durchaus als Akt &lt;i&gt;metanoetische[r] Qualität&lt;/i&gt;, während an den &lt;i&gt;linken Kriegergebnisfälschungen&lt;/i&gt;, die mindestens teilweise in &lt;i&gt;die Flucht in die sozialistische Übergröße&lt;/i&gt; führte (Stalin wurde da &lt;i&gt;kaum als störend empfunden&lt;/i&gt;) kein gutes Haar läßt. Den Sieg der Roten Armee habe die französische Linke &lt;i&gt;auf das Konto des linken Widerstands&lt;/i&gt; umgebucht, in dem man eine &lt;i&gt;kämpfende Kirche des nachträglichen Widerstands&lt;/i&gt; implementiert habe, die sich &lt;i&gt;als generelle Kritik der bürgerlichen Gesellschaft und des spätkapitalistischen Zeitalters&lt;/i&gt; gerierte, &lt;i&gt;indem sie den Marxismus, die Semiologie und die Psychoanalyse zu einem suggestiven Amalgam vermischte&lt;/i&gt;. Natürlich beschreibt Sloterdijk hier auch die französischen Linksintellektuellen, die sich so gerne mit dem Wort &lt;i&gt;&quot;engagiert&quot;&lt;/i&gt; umgeben und heute nur noch ihren &lt;i&gt;polemischen Gebrauchswert&lt;/i&gt; kultivieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Camus vs. Sartre&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erscheint der Prozess der &lt;i&gt;Implosion des linken Feldes in Frankreich&lt;/i&gt; (schon seit 1989) fast unausweichlich. Es handelt es sich, so Sloterdijk, um &lt;i&gt;den finalen Zusammenbruch des pseudo-metanoetischen Systems, mit dem sich die französische Linke falsche Siege und phantomische Souveränitäten auf dem Feld der aufgewühlten Nachkriegsaffekte und Nachkriegsdiskurse zu verschaffen gewusst hatte.&lt;/i&gt; Das war einmal. Von den Verhältnissen eingeholt, ist nicht nur eine Atomisierung der französischen Sozialisten zu beobachten, sondern die französische Linke insgesamt, &lt;i&gt;reduziert auf einen hilflosen und hysterischen Progressismus&lt;/i&gt; stehe &lt;i&gt;längst in der Kälte&lt;/i&gt; und wärme sich &lt;i&gt;nur noch an Strohfeuern die Hände&lt;/i&gt; während die &lt;i&gt;post-gaullistische gemäßigte Rechte&lt;/i&gt; in mehreren Metamorphosen inzwischen das &lt;i&gt;Experiment Sarkozy&lt;/i&gt; hervorgebracht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast als einziger ragt Albert Camus bezüglich der &lt;i&gt;authentische[n] metanoetische[n] Leistungen&lt;/i&gt; heraus. Camus habe schon &lt;i&gt;in den späten vierziger Jahren auf die richtigen Fragen die richtigen Antworten gegeben&lt;/i&gt;. Er habe Recht behalten mit der Formulierung &lt;i&gt;&quot;Das Unglück ist heute das gemeinsame Vaterland&quot;&lt;/i&gt;, diesem &lt;i&gt;großen europäischen Versöhnungwort&lt;/i&gt;. Denn Sarte &lt;i&gt;spielte nach 1945, durchwegs aus sicherer Distanz, mit dem Feuer der bewaffneten Revolte  von seinem fatalen Vorwort zu Frantz Facons &quot;Die Verdammten dieser Erde&quot; von 1961 bis hin zu seinem trotzigen Besuch in Stammheim, wo er zu seiner Enttäuschung einen Schwachkopf namens Baader vorfand, der den Besuch des Denkers nicht wert war.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Sloterdijk Sartre als &lt;i&gt;Galionsfigur der französischen Pseudo-Metanoia&lt;/i&gt; und exemplarisch für die französische Linke mit ihrem &lt;i&gt;neurotischen Exzeptionalismus und einem messianischen Aggressionsexport&lt;/i&gt; sieht, ist Camus der Prototyp (bzw. wohl eher Lichtgestalt) &lt;i&gt;eines selbstkritisch besonnenen Frankreichs in der Mitte Europas nach dessen postimperaler und postideologischer Beruhigung.&lt;/i&gt; (Bei beiden  Sartre und Camus  betont Sloterdijk auch aus Ergebenheit Sartre gegenüber, dass &lt;i&gt;wir auf Höhen&lt;/i&gt; blicken, &lt;i&gt;zu denen heute kaum noch ein Autor aufsteigt&lt;/i&gt;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz dazu sieht Sloterdijk für die Bundesrepublik einen neuen &lt;i&gt;Aggregatzustand&lt;/i&gt;. Die Nachkriegszeit, zahlreichen &lt;i&gt;Bewährungsproben&lt;/i&gt; ausgesetzt und diese meist gemeistert, nähere sich &lt;i&gt;ihrem Ende&lt;/i&gt;, und zwar aus &lt;i&gt;psychopolitischen undkulturbiologischen Gründen&lt;/i&gt;. Deutschland habe &lt;i&gt;vorzeigbare Resultate&lt;/i&gt; geliefert, die &lt;i&gt;Grundrichtung&lt;/i&gt; habe gestimmt und das &lt;i&gt;überkommene deutsche Decorum mit samt seinen dunkel-romantischen heroistischen und ressentimentalen Erblasten im Licht der Kriegsergebnisse, mehr noch im Licht der mitverschuldeten Zivilisationskatastrophe&lt;/i&gt; sei reevaluiert und revidiert worden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur &lt;i&gt;Normalisierungsverweigerer&lt;/i&gt; und deren &lt;i&gt;Furor des negativen Nationalismus&lt;/i&gt; bezweifelten hartnäckig die &lt;i&gt;Übergangsphase&lt;/i&gt; der sukzessiven &lt;i&gt;Auflösung des permanenten metanoetischen Ausnahmezustands&lt;/i&gt; in das &lt;i&gt;manifeste Stadium seiner Normalisierung&lt;/i&gt;, die &lt;i&gt;Überführung in gewöhnliche alltagspatriotische Verhältnisse&lt;/i&gt;.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die üblichen Aufgeregtheiten&lt;/b&gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und flugs sind sie da. Diejenigen, die ihre &lt;i&gt;zunehmende Weltfremdheit nur durch erhöhte moralische Aufgeregtheit kompensieren&lt;/i&gt; (können?) und in &lt;i&gt;scheinmoralischen Schauprozessen&lt;/i&gt; auf &lt;i&gt;vermeintliche Konvertiten oder Verräter der fortschrittlichen Sache&lt;/i&gt; eindreschen (hüben wie drüben übrigens)  genau wie von Sloterdijk in anderen Zusammenhängen beschrieben. Sie rufen &quot;Geraune&quot; (&lt;a href=&quot;http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/lesart/818798/&quot;&gt;Rudolf Walther im Deutschlandfunk&lt;/a&gt;) oder &lt;a href=&quot;http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~EE5F13BF84CCE4AD9842FCB60C96532FD~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed_feuilleton&quot;&gt;distanzieren sich vorsorglich von den (dem?) &quot;Philosophen&quot;&lt;/a&gt; oder inszenieren aus der warmen Stube ihre &lt;i&gt;mediale Treibjagd&lt;/i&gt; wie der seneszente Moritatensänger Klaus Harpprecht in der &quot;Zeit&quot;, der in mustergültiger Beschränktheit vom &quot;Schwadroneur in Schwarz-Weiß-Rot&quot; daher schnattert und sich wünscht, man kümmere sich &quot;einen Dreck&quot; um Sloterdijks &quot;abenteuerliche These&quot;. Harpprechts Beitrag (leider von der &quot;Zeit&quot; nicht online gestellt) ist ein Musterbeispiel für das alarmistisch-tribunale Feuilleton altlinken (und somit altbackenen) Stils.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht haben sie aber auch in der heute notwendigen Eile dieses kleine Büchlein nicht genau genug gelesen oder sind schlichtweg ein bisschen überfordert (man braucht tatsächlich ein gewisses [historisches] Basiswissen, wie &lt;a href=&quot;http://www.vorwaerts.de/nachrichten/lob-der-geschichtslosigkeit&quot;&gt;Dorle Gelbhaar&lt;/a&gt; richtigerweise feststellt). Oder man wittert die Möglichkeit der Revitalisierung, Sloterdijk endlich in die &quot;rechte&quot; Ecke stellen zu können, nachdem der erste Denunziationsversuch 1999 anlässlich seines Essays &lt;a href=&quot;http://www.uni-oldenburg.de/EthikProjekt/Regeln_f%FCr_den_Menschenpark.htm&quot;&gt;&quot;Regeln für den Menschenpark&quot;&lt;/a&gt; kläglich scheiterte (wohl auch deswegen, weil die affektgesteuerten Gesinnungs-Gouvernanten Sloterdijks intellektuellen Volten nicht gewachsen waren). Anhand des aktuellen Buches den Wunsch einer Art Wiederbelebung des Wilhelmismus zu unterstellen, ist abenteuerlich und zeugt genauso von tendenziöser Lektüre wie der scheinbar bei vielen schon eingebaute Beissreflex, der bei den Worten &lt;i&gt;Normalisierung&lt;/i&gt; bzw. &lt;i&gt;Normalität&lt;/i&gt; hervorschnellt. Der einschränkende Satz Sloterdijks (&lt;i&gt;Man möge in die Ausdrücke &quot;Normalität&quot; und &quot;Normalisierung&quot; nicht zuviel hineinlesen.&lt;/i&gt;) wird mit Bedacht und somit keinesfalls absichtslos überlesen, weil er das morsche Schmähungstürmchen ansonsten natürlich sofort zum Einsturz brächte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Walser und Benedikt XVI.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht also ein bisschen voreilig sieht Sloterdijk &lt;i&gt;die lange Serie der landesüblichen Skandale&lt;/i&gt; (&lt;a href=&quot;http://www.thorwalds-internetseiten.de/weltbbotho.htm&quot;&gt;Botho Strauß&apos; &quot;Anschwellender Bocksgesang&quot;&lt;/a&gt;, Enzensbergers &quot;Aussichten auf den Bürgerkrieg&quot;, Walser) &lt;i&gt;erschöpft&lt;/i&gt; (er fügt allerdings die kleine Einschränkung &lt;i&gt;zunächst&lt;/i&gt; hinzu). Exemplarisch werden die Aufregungen am Beispiel von &lt;a href=&quot;http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/WegeInDieGegenwart_redeWalserZumFriedenspreis/&quot;&gt;Martin Walsers Paulskirchenrede im Herbst 1998&lt;/a&gt; aufgezeigt. Sloterdijk sieht hier Walsers Protest gegen die &lt;i&gt;mechanisierte Form pseudo-metanoetischer deutscher Schuldlustrhetorik&lt;/i&gt;. Stattdessen plädiere dieser für eine &lt;i&gt;Form der Metanoia, die sich dem Geschehenen authentischer zuwendet, als jede noch so gut gemeinte Denkmalpflege es vermöchte&lt;/i&gt;. Denn ohne &lt;i&gt;innere Vergegenwärtigung&lt;/i&gt;, so Sloterdijks Interpretation des Schriftstellers, könne es &lt;i&gt;keine ernsthafte, durchs Gewissen gehende Befassung mit den Schrecken deutscher Verbrechen geben.&lt;/i&gt; Dieser Vorgang bilde &lt;i&gt;ein notwendiges Korrektiv gegen die Selbstläufigkeiten der veranstalteten Erinnerung&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem brausenden Applaus &lt;i&gt;&quot;in situ&quot;&lt;/i&gt; am Ende von Walsers Rede (auch von denen, die später vehement kritisierten) war man &lt;i&gt;sich selber ein paar Minuten lang zehn Jahre voraus&lt;/i&gt;. Inwiefern Walser mit der Rede auf die Rezeption seines autobiografischen Romans &quot;Ein springender Brunnen&quot; Bezug nahm, bleibt hier unberücksichtigt, obwohl es indirekt als Beleg für Sloterdijks Feuilletonkritik herhalten könnte. Etliche Rezensenten hatten in der Kindheitsgeschichte der 30er und 40er Jahre der Figur Johann (die 1945 achtzehn Jahre alt ist und in vielen Punkten grob vereinfachend als das Alter Ego Walsers bezeichnet werden kann) den Bezug auf die Verbrechen der Nationalsozialisten &quot;vermisst&quot; (viele erklären das Wort von der &quot;Auschwitzkeule&quot; in der Rede aus diesem Zusammenhang). Den Keim für diesen Konflikt mit den &lt;i&gt;semitotalitär wirksame[n] Medien&lt;/i&gt; sieht Sloterdijk allerdings in Walsers &lt;i&gt;schöne[r] Unklugkeit&lt;/i&gt; in den 70er/80er Jahren öffentlich den Glauben an die Wiedervereinigung nicht dem Mainstream geopfert, sondern darauf als politischen Ziel bestanden zu haben. Und das am &lt;i&gt;Hypermoral-Standort Deutschland&lt;/i&gt;! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So war dann die Reaktion der &lt;i&gt;deutschen Seite&lt;/i&gt; des &lt;i&gt;Tumults&lt;/i&gt; entsprechend  eine Revanche (Bubis&apos; Rolle als notwendiger &quot;Überhellhöriger&quot; nimmt er hier ausdrücklich aus). Brillant wie Sloterdijk die Skandalisierungsmechanismen in einem Satz zusammenfasst (Hervorhebung vom entzückten Rezensenten): &lt;i&gt;&lt;b&gt;Das Prinzip des Skandals ist stets die Enteignung der Wahrnehmung durch die Paraphrase, und seine Vollzugsform ist die Vernichtung des Wortlauts durch das Gerücht.&lt;/b&gt;&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das an Martin Walser, einem der &lt;i&gt;fleißigsten Arbeiter im Weinberg der deutschen Metanoia&lt;/i&gt; (Grass sieht Sloterdijk vor allem von den &lt;i&gt;Überspitzungen seines eigenen Moralismus&lt;/i&gt; eingeholt; vergessend, dass es sich um ein mindestens platzverweisverdächtiges Revanchefoul altlinker Revolutionsverklärer handelt). Ungeachtet des Frontenwechsels von Frank Schirrmacher anlässlich des Streits um das Walser-Buch &quot;Tod eines Kritikers&quot; (wird nur in einer Fußnote erwähnt; die Desertion Schirrmachers gar nicht) geht Sloterdijk sogar so weit, dem deutschen Feuilleton zu empfehlen, in der &lt;i&gt;jetzigen Entspannungsphase&lt;/i&gt; einen &lt;i&gt;zweiten Blick auf die Affaire zu werfen&lt;/i&gt; - schon weil &lt;i&gt;zwischen den Namen Martin Walser und Benedikts XVI.&lt;/i&gt; ein Zusammenhang bestehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sloterdijk erkennt in der Wahl Joseph Ratzingers zum Papst im Jahr 2005 eine Manifestierung für die &lt;i&gt;Tiefenerholung der deutschen Nachkriegszivilisation&lt;/i&gt;. Und so sieht er Benedikt XVI. (und Walser) in einer Reihe mit &lt;i&gt;Heuss, Niemöller, Adorno, Dahrendorf, Willy Brandt, Weizsäcker, Grass, Kluge und Enzensberger&lt;/i&gt;. Alleine diese &quot;Shortlist&quot; der deutschen &lt;i&gt;Metanoia&lt;/i&gt; gäbe reichlich Stoff zur Analyse. Wieso fehlt dort Adenauer? Oder Kohl? Und ist nicht der Friedensnobelpreis 1971 an Willy Brandt schon eine koppernikanische Wende in der Wahrnehmung der Anderen auf Deutschland (und der sogenannte Einigungsprozess Kohls und Genschers 1989/90 erst recht)?  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Vom Idioten zum gewöhnlichen politischen Egoisten&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber was bedeutet das für Deutschland im Allgemeinen und das deutsch-französische Verhältnis im speziellen? &lt;i&gt;Mit der sich vollendenden Wandlung Deutschlands zu einer metanoetisch stark durchgearbeiteten und zivilisatorisch einigermaßen regenerierten Nation sind die Zeiten zu Ende, in denen schon die Wendung &quot;deutsche Interessen&quot; als ein Rückfall in Denkformen der NS-Zeit galt. Wenn es ein halbes Jahrhundert lang im deutschen Interesse lag, so wenig wie möglich Interessen zu zeigen&lt;/i&gt; - vergessen wird hier die Entspannungspolitik der sozial-liberalen Koalition - &lt;i&gt;so kann die Zukunft des Landes nur in einer Rückkehr zu einer gemäßigten Affirmativität liegen.&lt;/i&gt; Dies werde im übrigen &lt;i&gt;von den ausländischen Partnern der Deutschen erwartet&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sloterdijk konstatiert, Deutschland sei &lt;i&gt;schon seit einer Weile dabei, seine Übergangsrolle als Idiot der europäischen Familie abzulegen und sich zu einem gewöhnlichen politischen Egoisten zu entwickeln&lt;/i&gt;. Und hier könne es sich, wie ironisch bemerkt wird, &lt;i&gt;von Frankreich eine Menge abschauen&lt;/i&gt;. In einer kleinen Ergänzung wird versucht, die Disparität seiner Äusserungen zu Ungunsten Frankreichs noch zu kompensieren: Deutschland habe, so die These, &lt;i&gt;aus der Wahrhaftigkeit seiner Metanoia eine Lüge gemacht, da es seine totale Abhängigkeit von der militärischen Schutzfunktion anderer wie eine moralische Leistung vor sich her&lt;/i&gt; trage. &lt;i&gt;Die Deutschen neigen zu der Überzeugung, sie hätten aufgrund ihrer vergangenen Verbrechen einen höheren Anspruch darauf erworben, in einer Welt zu leben, in der es keine Kriege gibt.&lt;/i&gt; Warum Frankreich im Gegensatz dazu durch seine (relativ autarke) Verteidigungsbereitschaft &lt;i&gt;aus der Lebenslüge eine Wahrheit&lt;/i&gt; gemacht hat, bleibt ein bisschen diffus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Beziehungslosigkeit als Friedensprogramm&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende unterbreitet Sloterdijk dann seine These von der &lt;i&gt;wohltuende[n] Entflechtung&lt;/i&gt; der beiden Nationen, der &lt;i&gt;Auflösung der fatalen Überbeziehung&lt;/i&gt;, die mindestens seit Napoleon das Verhältnis bestimmte. Die &lt;i&gt;heilsame Freundschaft&lt;/i&gt;, begründet 1962, ruhe auf der &lt;i&gt;soliden Basis&lt;/i&gt; der errichteten &lt;i&gt;Beziehungslosigkeit, die man diplomatisch als Freundschaft zwischen den Völkern beschreibt.&lt;/i&gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fast heiter spielt Sloterdijk mit den offiziellen Versatzstücken deutsch-französischer Beziehungsrhetorik und deren verströmende Festreden-Langeweile. Nicht die exzessive Beschäftigung miteinander ist für ihn Garant für &quot;gutnachbarliche Beziehungen&quot;, sondern das eher das &lt;i&gt;gelassene, von detaillierten Kenntnissen zumeist wenig getrübte Nebeneinander&lt;/i&gt;. Merkwürdig nur, dass dieses Buch eine Art post-paneuropäischer Zeit vorweg zu nehmen scheint: die Europäische Union als Klammer der &quot;Beziehung&quot; (und als ein unausweichlicher Faktor, was das &quot;Nebeneinander&quot; angeht) kommt allenfalls als Randphänomen vor. Sieht Sloterdijk in Konsequenz der Thesen in seinem Buch &quot;Falls Europa erwacht&quot; von 1994 die EU bereits als untergehendes Konstrukt? Damals konstatierte er, dass eine EU, die sich als neues Imperium definiere &quot;die Reste seiner Seele&quot; verlöre und sah für diesen Fall den &quot;Untergang durch Verwahrlosung in den nächsten drei Generationen&quot; voraus. Sein damaliges Credo, man möge sich auf ein &quot;Nicht-Reich, eine neue Union politischer Einheiten&quot; einigen, um der &quot;imperialen Allianz von Ambition und Zynismus&quot; auszuweichen, wird nicht ansatzweise aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sieht Sloterdijk die EU im Jahr 2012 bereits auf dem Rückzug? Oder warum glaubt man eine Reanimation des Primats der Nationalstaaten herauszulesen? Hat für ihn die paneuropäische Idee, die &quot;Hyperpolitik&quot; der &quot;Wettgemeinschaftauf Weltverbesserung&quot;, die aber das Gegenteil einer Welt- oder Kontinentalinnenpolitik darstellt  (&quot;Im selben Boot&quot;, 1995), bereits ausgedient zu Gunsten einer &lt;i&gt;benignen Entfremdung&lt;/i&gt;? Was, wenn die &quot;Nachkriegsgesellschaft&quot; nur eine trübe Sonntagsgesellschaft von siebenundzwanzig (und bald vielleicht noch mehr) Solisten darstellt, die als gemeinsame Melodie höchstens die ersten Takte von &quot;Hänschen Klein&quot; intonieren können, zu einer Symphonie jedoch in kakophones Getöse abstürzen? Wäre dann nicht die &lt;i&gt;Defaszination&lt;/i&gt; der &lt;i&gt;glücklich Getrennten&lt;/i&gt; eine lobenswerte Alternative zur Wiederbelebung einer wie auch immer gearteten (gefährlichen) bi- oder multilateralen Bündnispolitik? Ist so der &lt;i&gt;nach-geschichtliche &apos;modus vivendi&apos;&lt;/i&gt; einer &lt;i&gt;Friedensordnung höherer Stufe&lt;/i&gt; zu verstehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles bleibt kursorisch, manches wird angedacht, einiges mit dicken Strichen nur grob skizziert (beispielsweise eine immer wieder hervorbrechende Medienkritik), aber bei allen Ungenauigkeiten, die einer solchen &lt;i&gt;Vorübung&lt;/i&gt; nun einmal eigen sind  das Buch ist anregend (Sloterdijks aphoristisches Schreiben ist fast immer ein Gewinn), einige Thesen verblüffend und luzide. Auch und gerade dort, wo man dem Autor nicht mehr unbedingt folgen mag.  

&lt;hr /&gt;
&lt;small&gt;Die kursiv gedruckten Passagen sind Zitate aus dem besprochenen Buch.&lt;/small&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.suhrkamp.de/_download/blickinsbuch/9783518069929.pdf&quot;&gt;Leseprobe  Suhrkamp-Verlag, pdf&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2009-01-05T08:08:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5164961/">
    <title>Alaska First!</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5164961/</link>
    <description>In Zeiten von &quot;neuen Ländern&quot; wie den Kosovo, Südossetien, Abchasien oder &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4555539/&quot;&gt;Lakota-Country&lt;/a&gt; ist es doch nichts besonderes mehr, wenn man einer &lt;a href=&quot;http://www.akip.org/&quot;&gt;Partei, die sich für die Unabhängigkeit Alaskas einsetzt&lt;/a&gt;, unterstützt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn man Sarah Palin heisst, gewählte Gouverneurin von Alaska? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wenn man vom US-Präsidentschaftskandidaten der Republikaner zur Kandidatin für das Amt des Vize-Präsidenten benannt wurde? Darf man dann auch einer Partei eine Grussbotschaft senden, die für die Unabhängigkeit Alaskas eintritt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;344&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/F4iCDBIAde8&amp;hl=en&amp;fs=1&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowFullScreen&quot; value=&quot;true&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/F4iCDBIAde8&amp;hl=en&amp;fs=1&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;344&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist von der wichtigen Rolle die Rede, die diese Partei (AIP) in der Politik des Landes spielt. Welche Rolle meint Palin?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und wie sorgfältig war da McCains Recherche? Es ist ja irgendwie logisch, dass jemand, der sich gegen Sexualkundeunterricht in Schulen ausspricht, bei seiner Tochter die Folgen aufgezeigt bekommt (in Form einer Teenagerschwangerschaft). McCain sagt, er wusste von der Schwangerschaft. Aha. Wusste er auch von der Grussbotschaft zum AIP-Kongress? Wusste er auch von den Vorwürfen gegenüber Palin, den geschiedenen Mann ihrer Schwester mit Mitteln ihrer politischen Macht aus dem Polizeidienst zu drängen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;small&gt;Mit Dank für das Video an &lt;a href=&quot;http://www.roloff.freehosting.net/index.html&quot;&gt;Michael Roloff&lt;/a&gt;&lt;/small&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-09-02T19:34:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5152372/">
    <title>Die &quot;Wie-es-uns-gefällt&quot;-Aussenpolitik</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5152372/</link>
    <description>In seiner Dissertation &quot;Sprache und Außenpolitik - Der deutsche und US-amerikanische Diskurs zur Anerkennung Kroatiens&quot; schreibt &lt;a href=&quot;http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRSearchServlet?query=(creator+contains+Piotrowski%2C+Ralph)+and+(objectType+=+thesis)&amp;numPerPage=10&amp;mask=editor_form_search-simpledocument.xml&quot;&gt;Ralf Piotrowski&lt;/a&gt;:

&lt;blockquote&gt;&lt;font color=&quot;#0000FF&quot;&gt;Anfang November 1991 wurde die diplomatische Anerkennung Sloweniens und Kroatiens erklärtes Ziel deutscher Außenpolitik. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Deutschland seine Politik der Anerkennung als nationale Position angesehen, die im EG-Rahmen nicht ausreichende Unterstützung fand. Von nun an konzentrierten sich die diplomatischen Bemühungen darauf, die Partnerstaaten der Europäischen Gemeinschaft auf dem eingeschlagenen Weg zu halten. Falls sich dies als nicht möglich erweisen sollte, sollte die Anerkennung notfalls im Alleingang vollzogen werden. Am 8. November 1991, während des NATO-Gipfels in Rom, richtete US-Präsident Bush an Bundeskanzler Kohl eine Demarche. Washington beschuldigte Deutschland, die internationalen Bemühungen zu unterwandern, indem es die Republiken dazu ermutige, ihre Unabhängigkeit durchzusetzen. Die deutsche Regierung fuhr dessenungeachtet mit ihrer Anerkennungspolitik fort. Mitte November informierte Bundeskanzler Kohl Präsident Mitterand offiziell über die deutschen Pläne, Kroatien anerkennen zu wollen. Mitterand gegenüber rechtfertigte Kohl dieses Vorgehen mit Verweis auf innenpolitischen Druck aus verschiedenen Richtungen. Ende November waren Kohl und Genscher zu der Überzeugung gelangt, Deutschland könne die Anerkennung Sloweniens und Kroatiens notfalls ohne einen EG-Konsens vollziehen, ohne damit die Vereinbarungen mit den EG-Partnern zu verletzen. Bundeskanzler Kohl kündigte am 27. November während einer Haushaltsdebatte die diplomatische Anerkennung noch vor dem Weihnachtsfest an.&lt;/font&gt;&lt;/blockquote&gt;

Die territoriale Integrität eines Landes, Bestandteil sämtlicher europäischer Übereinkommen (beginnend bei KSZE) wurde zu Gunsten des &quot;Selbstbestimmungsrechts der Völker&quot; ersetzt. Man nennt so etwas einen Paradigmenwechsel. Damit die Begründung für diese 180 Grad-Wendung nicht allzu viele Fragen aufwirft, begann die EG, wie Piotrowski protokolliert, ihre mindestens nach aussen hin neutrale Position zu verändern:

&lt;blockquote&gt;&lt;font color=&quot;#0000FF&quot;&gt;Anfang Dezember hoben die EG-Außenminister die Sanktionen gegen Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien auf und beschlossen positive Kompensationsmaßnahmen für die »kooperationsbereiten« Republiken. Mit diesen Maßnahmen ging die Europäische Gemeinschaft zu einer Politik der Parteinahme über. Die Wirtschaftssanktionen gegen Jugoslawien galten jetzt ausschließlich für Serbien und Montenegro. &lt;/font&gt;&lt;/blockquote&gt;

Entgegen aller Warnungen vor einer Eskalation des Jugoslawien-Konfliktes, formuliert sowohl innerhalb der EU als auch in den USA und den Vereinten Nationen blieb die deutsche Regierung Kohl/Genscher bei der Forcierung der Anerkennung Kroatiens und Sloweniens. Piotrowski beschreibt dies äusserst präzise; der Ausriss auf dem 3. Kapitel seiner Dissertation (&lt;a href=&quot;http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000001188/3_kap3.pdf;jsessionid=824B5E481A360297129170F410BFE3B6?hosts=&quot;&gt;hier als PDF herunterzuladen&lt;/a&gt;) ist äusserst interessant. Warum Genscher in diesem Fall seine ansonsten stets auf Konsens ausgerichtete Politik (den sogenannten &quot;Genscherismus&quot;) zu Gunsten dieser einseitigen Parteinahme verliess, bleibt ein Rätsel. (Auch das teilweise zugängliche Buch von &lt;a href=&quot;http://books.google.de/books?id=b1PJZuYoQucC&quot;&gt;Klaus Peter Zeidler&lt;/a&gt; vermag nur ansatzweise Erklärungen abzugeben, zeigt aber interessante Verflechtungen mit einzelnen, offensichtlich einflussstarken rechtskonservativen EG-Parlamentariern.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich hat der Zerfall Jugoslawiens seinen (vorläufigen?) Endpunkt erst im Februar dieses Jahres mit der Sezession des Kosovo erfahren. Diese Schritt  wie auch die anderen Abspaltungen im ehemaligen Jugoslawien  &lt;a href=&quot;http://www.tagesschau.de/ausland/abchasien118.html&quot;&gt;waren und sind unter Völkerrechtlern durchaus umstritten&lt;/a&gt;  vor allem die Methoden, wie sie umgesetzt und begründet wurden. &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4612848/&quot;&gt;Viele hatten im Vorfeld auf eine Kosovo-Anerkennung darauf hingewiesen&lt;/a&gt;, dass mit der fragilen Grundlage Tür und Tor für andere Sezessionsbewegungen geöffnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der seit Anfang des Monats zum Krieg eskalierte Konflikt um Südossetien, neu entfacht durch den wahnsinnigen Versuch des georgischen Präsidenten Saakaschwili, die abtrünnige Provinz mit militärischer Gewalt gefügig zu machen, offenbart nun einmal mehr die Doppelmoral des Westens. &lt;a href=&quot;http://www.tagesschau.de/kommentar/kaukasuskrise100.html&quot;&gt;Natürlich interessiert sich Russland für die &quot;Selbstbestimmung&quot; der Abchasien und Süd-Ossetien gar nicht&lt;/a&gt;, sondern benutzt die Abspaltungsbestrebungen einiger Warlords, um in einer billigen Retourkutsche dem Westen seine Doppelzüngigkeit vorzuführen: Man erkennt einfach beide georgischen Provinzen (wie gesagt, Abchasien besitzt schon länger einen freieren Status) als souverände Staaten an. Und ausgerechnet diejenigen, die sich 1992 vehement (und gegen alle Vernunft) für das &quot;Selbstbestimmungsrecht der Völker&quot; einsetzten und Jugoslawien, den kranken Patienten, mit einer gezielten Giftspritze umbrachten - ausgerechnet diese Politiker (bzw. deren Nachfolger im Geiste) pochen nun auf die &quot;territoriale Integrität&quot; Georgiens. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diejenigen, die nicht müde wurden, Jugoslawiens &quot;territoriale Integrität&quot; zu zerschlagen bestehen nun ausgerechnet darauf. Und diejenigen, die in der Sezession Tschetscheniens Terroristen am Werk sahen und die territoriale Einheit Russlands mit allen (wirklich fast allen) Mitteln vornahmen, ausgerechnet diejenigen pochen nun auf das Selbstbestimmungsrecht von Südossetien. Nachfolgende Generationen werden sich genau wie Zeitgenossen mit einem IQ &gt; 80 mit Grausen von solchen &quot;Politikern&quot; abwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der für Krisenfälle konzipierte NATO/Russland-Rat wurde von seiten der EU auf Eis gelegt (um noch härteren Sanktionen vorzubeugen), statt ihn für den Fall, wofür er geschaffen wurde, einzusetzen. Das ist ungefähr so, als würde jemand bei einem aufkommenden Brand das Wasser für die Feuerwehr erst einmal abdrehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Westen frönt derweil wieder seinem Lieblingsmonster: den Russen (vormals: die Sowjets). Er hoffiert den cholerischen Hasardeur Saakaschwili und &lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2008/35/P-Kleinhans-BiG&quot;&gt;blendet Kernpunkte und -versäumnisse der georgischen Aussenpolitik nonchalant aus.&lt;/a&gt; Christian Schmidt-Häuer, zur Zeit des Kalten Krieges Korrespondent für die ARD aus der Sowjetunion, schreibt in seiner Besprechung des Buches &quot;Die Außenpolitik Georgiens&quot; von Silke Kleinhanß:

&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Den Konflikt um Südossetien brachen die Georgier 1989 vom Zaun, als sie Georgisch zur einzigen Staatssprache dieser autonomen Republik erklärten. In ihr leben vor allem Alanen, die eine mit dem Iranischen verwandte Sprache sprechen. Da das staatliche Gewaltmonopol in den ersten Jahren der Unabhängigkeit Georgiens von kriminellen Milizen privatisiert wurde, fielen deren Warlords 1992 in das unbotmäßige Abchasien ein. Statt Sold galten Plünderungen als Belohnung. Die Verantwortung für dieses Staatsversagen schiebt Tbilissi allein Russlands Intrigen zu. Kleinhanß stellt keineswegs in Abrede, dass Moskau die Konflikte dankbar nährt und hütet oder dass die sezessionistischen Regionen heute mafiöse Enklaven sind. Doch Georgiens antirussische Außenpolitik dient vor allem der Definition der eigenen Nation, deren Bevölkerungsclans nicht in demokratische Institutionen geleitet werden.&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;

Nein, es geht nicht um das kindische &quot;wer-hat-angefangen&quot;-Spiel. Es geht darum, eine Objektivität walten zu lassen, sie wenigstens zu versuchen. Die &quot;Antworten&quot; Russlands auf den militärischen Akt Georgiens waren unverhältnismässig  soweit man dies beurteilen kann. Aber sie waren willkommene Nahrung, um den Westen von russischer Seite vorzuführen und haben in ihrer Brutalität Fakten geschaffen. Politiker mit Weitsicht und Vernunft sind im Moment auf beiden Seiten rar. Stattdessen regieren affektgesteuerte Politikerimitationen. Das kann dann noch gefährlich werden.
&lt;hr /&gt;
Mehr kritische Informationen und Fragen auch &lt;a href=&quot;http://sparrenblog.twoday.net/stories/5149323/&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-08-27T18:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4991772/">
    <title>&quot;Voted No. Not enough information.&quot; - Irlands Absage an den Lissabon-Vertrag</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4991772/</link>
    <description>In seinem Buch &quot;&lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4981352/&quot;&gt;Demokratie  Zumutungen und Versprechen&lt;/a&gt;&quot; (Zitate hieraus kursiv) stellt Christoph Möllers drei Defizite des EU-Ministerrats heraus, die man durchaus als repräsentativ für die EU insgesamt aufführen könnte:

&lt;ul&gt;  
&lt;li&gt;&lt;i&gt;&lt;b&gt;Kein europäisches Gemeinwohl&lt;/b&gt;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Die &lt;i&gt;Vertreter der Staaten vertreten die Interessen ihres Staates, nicht der EU im Ganzen.&lt;/i&gt;   

&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;i&gt;&lt;b&gt;Keine Öffentlichkeit&lt;/b&gt;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Der Ministerrat entscheidet im Ergebnis wie ein Gesetzgeber, doch ohne jede Öffentlichkeit seiner Diskussionen.&lt;/i&gt; Die Rechte des europäischen Parlaments sind höchst unterentwickelt ausgeprägt; sie divergieren je nach Politikfeld. Das ist wahrlich ein vordemokratisches Prinzip.     

&lt;/li&gt;&lt;li&gt;&lt;i&gt;&lt;b&gt;Kein nachvollziehbarer Ausgleich zwischen Sachinteressen&lt;/b&gt;&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
Die einzelnen Ressorts &lt;i&gt;regeln vor sich hin&lt;/i&gt;; der Ministerrat besteht aus &lt;i&gt;vielen Einzelministerräten&lt;/i&gt;, die oft genug gegeneinander statt miteinander arbeiten.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;

Insgesamt kann das politische Entscheidungssystem der EU nicht nur als ausserordentlich kompliziert, sondern auch als ziemlich intransparent bezeichnet werden. Alleine die verwirrenden Bezeichnungen für die einzelnen Gremien ist nicht unbedingt angetan, Klarheit zu schaffen: EU-Rat - EU-Ministerrat - Europäischer Rat - Europarat  na, wissen Sie auf Anhieb, welcher Begriff für was steht? &lt;a href=&quot;http://www.tagesschau.de/static/flash/vertrag-von-lissabon/index.html&quot;&gt;Hier ein Versuch einer Klärung  mit Animation&lt;/a&gt;.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &lt;a href=&quot;http://vt-www.bonn.iz-soz.de/swpthemen/servlet/de.izsoz.dbclear.query.browse.BrowseFacette/domain=swp/lang=de/filter=11/sable=true/qup=true?f58=12583_12583&amp;order=creator,-pubyear,title&quot;&gt;Lissabon-Vertrag&lt;/a&gt; versprach Hoffnung, hat aber viele Beobachter relativ früh enttäuscht. Zwar hat man &lt;a href=&quot;http://vt-www.bonn.iz-soz.de/swpthemen/servlet/de.izsoz.dbclear.query.browse.BrowseFacette/domain=swp/lang=de/filter=11/sable=true/qup=true?f58=12583,12590,12591,12596_12596&amp;order=creator,-pubyear,title&quot;&gt;andere, repräsentativere Mehrheitsverfahren&lt;/a&gt; für den Ministerrat gefunden, aber mehr demokratische Legitimation ist hieraus kaum abzuleiten. Das Prinzip in punkto EU lautete hier  wie so oft: Hauptsache, man hat sich überhaupt geeinigt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich ist eines der Hauptprobleme der EU, dass die jeweils lokale, d. h. nationale Sichtweise immer zu Gunsten einer europäischen Sichtweise dominiert. Das hat natürlich damit zu tun, dass beispielsweise EU-Parlamentarier des Landes X eben in X zur Wahl stehen und danach beurteilt werden, was sie &quot;für X&quot; erreicht haben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die EU weder eine Konföderation noch eine Föderation in jeweiliger Reinkultur darstellt und gar ein Bundesstaat von der Mehrheit der Bürger quer durch alle Nationen abgelehnt würde, verschärfen sich die ohnehin virulenten Probleme demokratischer Prozesse von föderalen Gebilden. Dabei sieht Möllers das Fehlen eines &lt;i&gt;Souveräns&lt;/i&gt; nicht unbedingt als problematisch an, was in seinem Verständnis einer Ablehnung eines &lt;i&gt;letzten Wortes&lt;/i&gt; begründet ist. Aber wenn &lt;i&gt;föderale Gerichte oder Welthandelstribunale eine herausragende Bedeutung&lt;/i&gt; bekommen, in dem sie die Berechtigung erhalten &lt;i&gt;demokratische Regeln&lt;/i&gt; auszuheben, &lt;i&gt;den Markt beschränken&lt;/i&gt; und dadurch &lt;i&gt;Handlungsspielräume der beteiligten Demokratien&lt;/i&gt; begrenzen, kurz, wenn &lt;i&gt;einem Mehr an transnationaler Freiheit der Individuen ein Weniger an demokratischer Gestaltungsmöglichkeit gegenüber&lt;/i&gt; steht und wenn &lt;i&gt;demokratische Entscheidungen&lt;/i&gt; als &lt;i&gt;Verzerrung des gemeinsamen Marktes unter Verdacht&lt;/i&gt; geraten  dann entsteht ein &lt;i&gt;Legitimationsproblem&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Demokratische Mechanismen&lt;/i&gt; für den &lt;i&gt;gesamten Marktraum&lt;/i&gt; existieren eben nicht. Zwar schafft man durch die &lt;i&gt;Öffnung von Grenzen&lt;/i&gt; für bestimmte Individuen und Unternehmen &lt;i&gt;Freiheitsgewinne&lt;/i&gt;, aber diese werden eben nicht &lt;i&gt;durch einen demokratischen Gegenprozess aufgefangen&lt;/i&gt;, der, wie in &lt;i&gt;nationalen Demokratien&lt;/i&gt; durch &lt;i&gt;Mehrheiten Grenzen&lt;/i&gt; gesetzt werden, die &lt;i&gt;Benachteiligte schützen&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;NO to Lisbon&quot; height=&quot;134&quot; alt=&quot;NO to Lisbon&quot; width=&quot;178&quot; align=&quot;right&quot; class=&quot;right&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/NO-to-Lisbon.jpg&quot; /&gt;Das Gefühl eines regelwütigen, bürokratischen, letztlich unregierbaren Monstrums macht sich breit. Nationalismus und Regionalismus greifen um. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob all dies bei der Abstimmung der Iren eine Rolle gespielt hat? Vermutlich eher nicht. Oder: Vielleicht doch mehr, als man vermutet. Denn wenn Systeme nicht eine gewisse Übersichtlichkeit haben, wenn komplizierten Mechanismen noch kompliziertere hinzufügt werden, wenn also der Schwung der frischen Liebe erst einmal dem Alltag gewichen ist, dann beginnt das Grübeln, dieses unerklärte Grummeln und die Zweifel, die dann zusätzlich gesät werden, können fruchtbaren Boden finden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wäre ein Leichtes das Scheitern des Referendums in Irland den innenpolitischen Problemen der amtierenden Regierung anzulasten. Selbst wenn  warum sollte dadurch die Entscheidung weniger legitimiert sein? Fest steht, dass in einem demokratischen Verfahren die Kraft des Arguments der Befürworter nicht verfangen hat. Das ist mitnichten ein Grund, das Verfahren an sich infrage zu stellen  wie man es von seiten der Staats- und Regierungsschefs der EU getan hat, in dem man eben nicht über den Vertrag hat abstimmen lassen. Statt eine Sache positiv zu vertreten, wird sie oktroyiert; statt den Gegnern mit Argumenten zu begegnen, werden sie ignoriert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So stimmten &lt;a href=&quot;http://www.rte.ie/news/features/lisbontreaty/commentspeople.html&quot;&gt;die Neinsager in Irland vermutlich für viele Neinsager in der EU&lt;/a&gt;; auch (und vielleicht gerade) in Ländern wie Frankreich und Deutschland; Grossbritannien sowieso. Aber nichht die Neinsager stürzen die EU in eine &quot;Krise&quot;, sondern in die Krise ist die EU durch eine unterirdisch schlechte Vermittlung schon lange. In der Wirtschaft nennt man das Marketing. Es reicht nicht, zu besonderen Gelegenheiten die Vorzüge der Reisefreiheit zu preisen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den üblichen verwaltungstechnischen Tricks wird man vielleicht noch dafür sorgen können, dass auch Irland später dem Lissabon-Vertrag doch noch zustimmt. 2002 hatte man die Iren ja auch noch ein zweites Mal über Nizza abstimmen lassen. Es wird so lange gewählt, bis das Ergebnis stimmt? Seltsames Verständnis, welches die Legitimation der EU weiter untergräbt  wie übrigens auch die Reaktion des Kommissionspräsidenten: eine Mischung zwischen hilflosen Durchhaltefloskeln und arrogantem Gutsherrengehabe. Indem man das Votum der Bürger Irlands abwiegelt oder lächerlich macht, delegitimieren sich die Repräsentanten erneut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsache ist, dass es in Deutschland weder in den Medien noch in der politischen Klasse bisher eine irgendwie geartete relevante Diskussion über den Vertrag von Lissabon gegeben hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christoph Möllers geht sogar noch weiter, in dem er den mangelnden Diskurs über die europäische Integration selbst kritisiert und als ein Fehler eines konsensuellen Systems interpretiert: &lt;i&gt;Es mag gute Gründe und noch bessere Interessen für die europäische Integration geben, aber wir hatten mangels demokratischer Auseinandersetzung nie Gelegenheit, sie kennenzulernen. So bleibt die europäische Integration in Deutschland eine Art Naturereignis und die Zustimmung zu ihr ein auf die Dauer eher zufälliger Umstand, auf den man erst vertrauen könnte, wenn sich eine Gegenansicht artikuliert hätte.&lt;/i&gt; Den Faden könnte man sehr wohl auf die Diskussion um die Demokratie an sich weiterspinnen und die  angebliche - Demokratieverdrossenheit. Aber das wäre ein &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4981352/&quot;&gt;anderes Thema&lt;/a&gt;.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-06-13T18:31:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4628071/">
    <title>Madeleine Albright: Amerika du kannst es besser</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4628071/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Madeleine Albright  Amerika du kannst es besser&quot; height=&quot;240&quot; alt=&quot;Madeleine Albright  Amerika du kannst es besser&quot; width=&quot;240&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Madeleine-Albright-Amerika-du-kannst-es-besser.jpg&quot; /&gt;Der Untertitel des Buches lautet &quot;Was ein guter Präsident tun und was er lassen sollte&quot; - und er ist wörtlich gemeint! Madeleine Albright hat eine Art Vademecum für den neuen Präsidenten verfasst (zusammen mit dem von anderen Büchern bereits bekannten Bill Woodward, der in der deutschen Ausgabe erst auf dem Schmutztitel erscheint); einen Ratgeber, der sich insbesondere den Abläufen im &quot;&lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/1515025&quot;&gt;Treibhaus&lt;/a&gt;&quot; Washington und der Aussenpolitik widmet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zeugt nicht nur von erstaunlichem Selbstbewusstsein, sondern offenbart auch eine gewisse Pikanterie. Zwar beteuert Albright zu Beginn, dass sie die maskuline Form für &quot;Präsident&quot; nur aus aktuellen Gründen beibehält (und die weibliche Form für den Aussenminister [die Aussenminister&lt;b&gt;in&lt;/b&gt;] verwendet), aber durch die Prognose, einen Präsidenten aus ihrer Partei (den Demokraten) ab Januar 2009 im Weissen Haus zu sehen, kann sie eigentlich nur Barack Obama beim Schreiben des Buches im Auge gehabt haben. Denn Hillary Clinton braucht sie weder über die überbordende Bürokratie, noch über illoyale Beamte, die Abgründe im Umgang mit der Presse, die Fallstricke des Nationalen Sicherheitsrates (NSC), die mehr oder weniger bedeutungslose Rolle des Vizepräsidenten in der amerikanischen Verfassung oder die Gewichtung des Aussenministeriums im Verhältnis zum Pentagon aufzuklären  das hat sie in den acht Jahren der Präsidentschaft ihres Mannes gewiss zur Genüge mitbekommen. Obama dürften derartige Verflechtungen (die hier sicherlich nur stark vereinfacht wiedergeben werden; die tatsächlichen Vernetzungen und Seilschaften dürften den potentiellen Leser [1.] schnell ermüden und [2.] für einen Aussenstehenden kaum nachvollziehbar sein) nicht derart präsent sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so verwundert es dann nicht unbedingt, wenn Hillary Clinton Albright stiekum aus der Vorzeige-Wahlkampfmannschaft entfernt hat. Das hat eventuell den Grund, dass sie glaubt, Albright werde zu stark mit dem (derzeit verhassten) Washingtoner Politestablishment in Verbindung (wie neulich die &quot;Zeit&quot; mutmasste). Es kann aber auch damit zu tun haben, dass Albright das, was sie in dem Buch beschreibt, einer Hillary Clinton nicht so richtig zutraut und ihr dies so zu verstehen geben will. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Immer wieder: Kennedy und Clinton&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei gibt es nach der Lektüre keinen Zweifel: Hillarys Mann, Bill Clinton, ist eine Leit- und Schlüsselfigur für Albright. Übertroffen wird diese Verehrung nur durch die Glorifizierung von John F. Kennedy. (Bei den republikanischen Präsidenten lässt sie Respekt und eine gewisse Anerkennung für Reagan anklingen.) Dies führt manchmal zu erstaunlichen, euphemistischen historischen Interpretationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erwähnt Albright nur in einem Passivsatz, dass Kennedy quasi den Grundstein zum Vietnamkrieg gelegt hatte (sie zeichnet ihn gleichsam als einen Antimilitaristen). Die Gründe für die immer steigende Präsenz der USA im damaligen Südvietnam  die umstrittene &quot;Domino-Theorie&quot; Dulles&apos; bzw. Eisenhowers (sie feierte im amerikanischen Neokonservatismus in Bezug auf die Demokratisierung des Nahen Ostens wieder Auferstehung)  wird vollends unter den Tisch gekehrt. So hat dann Johnson nach dem Attentat auf Kennedy eben nicht den Vietnamkrieg bloss &quot;geerbt&quot; und war  auch das vereinfacht Albright  &lt;i&gt;von seinen eigenen Zweifeln geprägt&lt;/i&gt;. Er hat vielmehr entscheidend zur Eskalation beigetragen und unter seiner Präsidentschaft begannen 1965 die Bombardements auf Nordvietnam (dass Johnson einfach nur nicht der erste &lt;i&gt;Verliererpräsident&lt;/i&gt; in der Geschichte sein wollte, darf doch keine seriöse Rechtfertigung sein). Dies kann durchaus als Kontinuum von Kennedys &quot;Bollwerk&quot;-Politik gegen den Kommunismus betrachtet werden und entsprach einfach der damaligen Doktrin. Eine übertriebene Heroisierung von Protagonisten trägt meistens wenig zur nüchternen Betrachtung der Geschichte bei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albright nimmt sich am Anfang vor, wenig von der Vergangenheit und viel von der Zukunft zu reden. Das hält sie nicht immer ein, weil sie naturgemäss auf Entwicklungen der letzten Jahre Bezug nehmen muss. Ihre Rekurse gehen jedoch teilweise über Lincoln bis Washington zurück. Man kann dabei förmlich mit Händen greifen, wie sehr sie während der Präsidentschaft von George W. Bush gelitten haben muss und einige Male verlässt sie ihre diplomatische Zurückhaltung (gequält wirken da die gelegentlichen Lobe auf die Bush-Regierung, die sich fast nur an Selbstverständlichkeiten festmachen). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Nicht ohne Bigotterie&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da ist dann von einer &lt;i&gt;Beschädigung des guten Namens Amerika&lt;/i&gt; die Rede; Bush habe &lt;i&gt;versagt&lt;/i&gt; und sie stellt die &lt;i&gt;schiere Inkompetenz&lt;/i&gt; der gegenwärtigen Regierung fest. Die USA hätten die &lt;i&gt;moralische Legitimität verloren&lt;/i&gt;. Ihren Nachfolgern schreibt sie ins Stammbuch: &lt;i&gt;Armagaddon zu antizipieren ist keine Aussenpolitik&lt;/i&gt; und an die Adresse von Colin Powell mag die nüchtern formulierte Feststellung gehen, &lt;i&gt;Loyalitätkann Talent nicht ersetzen&lt;/i&gt; (obwohl sie dies in einem anderen Zusammenhang formuliert). All dies nicht frei von Zorn (sie spricht milder von &lt;i&gt;Unmut&lt;/i&gt; bzw. &lt;i&gt;Ärger&lt;/i&gt;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei dieser Empörung ist viel Bigotterie dabei. Wenn zwei das gleiche tun, ist es noch lange nicht das selbe  so kann, ja, in einigen Feldern, muss man argumentieren. Natürlich wird Bush immer als Aggressor der Irakkrieges 2003 gelten. Aber der Krieg 1999, der zum Bombardement Serbiens unter der Federführung der Clinton-Administration führte, war ebenfalls völkerrechtswidrig. Und auch damals wurde mit &quot;Beweismaterial&quot; argumentiert, was sich nachträglich als gefälscht herausstellte.  Und wenn Albright  berechtigterweise  die Afghanistan-Politik Bushs scharf attackiert, so übersieht sie nonchalant &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4612848/&quot;&gt;die offensichtlichen und bis heute bitter nachwirkenden Fehler, die im Kosovo (und auch Bosnien) gemacht wurden&lt;/a&gt;. In beiden Fällen ist die Befriedung nur oberflächlich; die Probleme wurden nicht gelöst, sondern höchstens vertagt, in Wirklichkeit aber konserviert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eindrücklich aber Albrights Plädoyer, dass die USA sich wieder in multinationale bzw. &lt;i&gt;multilaterale Mechanismen&lt;/i&gt; (des Rechts, des Klimaschutzes, der UN, der Menschenrechte) einzubinden habe. Sie entwirft sogar das Modell eines Quartetts &lt;i&gt;euroatlantische[r] politischer Führer&lt;/i&gt; (Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und die USA), die eine &lt;i&gt;neue Grundlage&lt;/i&gt; für &lt;i&gt;gemeinsame Projekte [] für den globalen Fortschritt&lt;/i&gt; spielen sollen. Nüchtern betrachtet reduziert sie damit die G8 auf G4.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Internes aus dem Apparat&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Einblicke in den internen Apparat des Weissen Hauses sind aufschlussreich und ernüchternd zugleich. Es ist vermutlich mehr als nur ein Bonmot, wenn sie den Präsidenten als mehr oder weniger Gefangenen einer Bürokratie sieht, der oft genug droht, von entscheidenden Informationen keine Kenntnis zu erhalten und sich hauptsächlich erst einmal in der Balance zwischen dem NSC (es wird nicht ganz klar, welche Art Zuständigkeit dieses Gremium genau haben soll; Albright erläutert aber eindrucksvoll, wie brillant Kissinger es genutzt hat, so dass der amtierende Aussenminister seinerzeit oft genug gar nicht wahrgenommen wurde), dem Pentagon und dem Aussenministerium zurechtfinden muss. Ist die Entscheidung dann getroffen, hapere es oft genug in der Ausführung. Viermal, so Albright, habe man während der Kuba-Krise 1963 die strikten militärischen Anordnungen Kennedys &lt;i&gt;absorbiert&lt;/i&gt; (bzw. diese anders &quot;interpretiert&quot;). Gleichzeitig zitiert sie allerdings auch Truman, der die Bürokratie als Entschuldigung nicht gelten lässt. (&lt;i&gt;&quot;Wenn der Präsident weiss, was er will, kann ihn kein Bürokrat aufhalten&quot;&lt;/i&gt;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das möchte man der ehemaligen UN-Botschafterin Albright auch zurufen, wenn sie sich in diesem Zusammenhang ein bisschen kleinlaut für ihre Zustimmung im Sicherheitsrat zum Truppenabzug auf dem Höhepunkt der Bürgerkriegsmassaker in Ruanda 1994 rechtfertigt. Der Präsident sei, so Albright, einfach nicht entsprechend informiert gewesen und sie habe ihren Protest an einen &lt;i&gt;Abteilungsleiter des NSC &lt;/i&gt; weiterleiten müssen. Eine ausserordentlich unbefriedigende und billige Entgegnung für das eigene Versagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&quot;Blutflecken auf dem Fussboden&quot;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob der Einblick, der Albright dem Leser einen Türspalt zum Oval Office gestattet, korrekt ist? Deutlich wird jedenfalls (manchmal bis zum Erschrecken): Präsidialdemokratien haben  paradoxerweise gerade in der heutigen Zeit der globalen Nachrichtenpolyphonie - Nachteile gegenüber parlamentarischen Demokratien. Die Entscheidungen, die der Präsident mehr oder weniger aufgrund weniger Berater (die er selber bestimmt und die darüber hinaus keinerlei Legitimation besitzen), alleine und quasi ohne direkte Kontrolle trifft, hängen entscheidend von einer im wesentlichen nicht demokratischen beglaubigten Administration ab. Albright plaudert wohl ein bisschen aus dem Nähkästchen, wenn sie die Gefahr beschreibt, dass sich Berater zu einer Art Desinformationskartell zusammenschliessen und dem Präsidenten entweder Wichtiges verschweigen oder Tatsachen uminterpretieren. Ihr Risiko ist gering  die Entscheidung hat stets der &quot;einsame&quot; Präsident zu treffen und zu verantworten. Der/die Berater winden sich u. U. mit einer damals unklaren Faktenlage heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Beispiele für diese Ereignisse gibt es sicherlich genug  auch und gerade in der jüngeren Vergangenheit. Dennoch scheint Albright manchmal allzu arg in ihrer Ratgeberrolle in dem Buch aufzugehen (das zeigt sich auch dann, wenn sie  oft genug  Handlungsmaxime zu den unterschiedlichsten Problemen in vier oder fünf Punkten knapp und knackig, allerdings auch gelegentlich oberflächlich, ausformuliert). Denn auch wenn jemand wie Obama ins Weisse Haus einziehen sollte  ganz so unbedarft ist dieser sicherlich nicht, dass man an jeder Ecke einen missgünstigen Berater wittern oder &lt;i&gt;nach Blutflecken auf dem Fussboden&lt;/i&gt; suchen müsste, weil &lt;i&gt;unter der Oberfläche freundlicher Notizen und ziviler Umgangsformenein manchmal bösartiger Kampf [brodelt], bei dem es darum geht, den Präsidenten in einem bestimmten Sinne zu beeinflussen.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben den Fallstricken des Regierungs- und Beamtenapparates des Weissen Hauses beschäftigt sich Albright  natürlich!  mit der amerikanischen Aussenpolitik. Zwar stört auch dort eine passagenweise eitle Selbstbeweihräucherung der eigenen Ära (und die Verklärung Clintons, der sich, so Albright einmal unfreiwillig komisch, gegen Ende der Amtszeit &lt;i&gt;aufgearbeitet&lt;/i&gt; habe)  und das nicht nur im bereits angesprochenen verklärenden Blick auf den Kosovo-&quot;Einsatz&quot;. Ungeachtet der vereinzelten Widersprüche (&lt;i&gt;Interventionen in Bürgerkriegen: Finger weg&lt;/i&gt; - und dann plädiert sie doch wieder für entsprechende Einmischungen) und bisweilen altklugen Ratschläge (bei militärischen Interventionen: &lt;i&gt;immer auf der Seite der Sieger stehen&lt;/i&gt;), ist das Buch zunächst einmal Balsam auf wunde Seele des Europäers, der in den letzten Jahren an der Bush-Politik schier verzweifelt ist.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albright nimmt den imaginären, neu gewählten Präsidenten fast fürsorglich an das Händchen und zeigt ihm in einem Parforceritt die grosse Welt. Über die (in den USA seit je stark umstrittene) Entwicklungshilfe, die eingestandene &lt;i&gt;Heuchelei&lt;/i&gt; der Atommächte, was den Atomwaffensperrvertrag angeht (nach einigen nachdenklichen Tönen fällt sie dann leider in das Grossmachtdenken zurück), dem immer mehr aus dem Blickwinkel der USA verschwindenden Europa (interessant hier ihre Charakterisierung von Frankreich: &lt;i&gt;quietschendes Rad&lt;/i&gt;), dem nach wie vor gefährlichen Nahen Osten, Nordkorea (eindrücklich die Schilderungen über ihre Reise nach Nordkorea und Kim-Jong Il; hier ist sie besonders hart, was Bushs Politik angeht, der die &quot;Sonnenscheinpolitik&quot; sabotierte, um Jahre später dann doch all das zu tun, was er vorher negiert hatte), der &quot;Nachbarschaft&quot; Mittel- und Südamerikas bis zur Bewertung von Russland, China (sie sieht die Bedrohung der Vergreisung des Landes), Indien (&lt;i&gt;&quot;strategischer Partner&quot;&lt;/i&gt; für Indien setzt sie in Anführungszeichen) und Pakistan  alles wird mindestens kursorisch gestreift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Nachdenkliches, Versammlung von Allgemeinplätzen und Widersprüchen&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vieles wird stark vereinfacht dargestellt und oft kommt das Buch wie eine Art Fussballstammtisch daher  lauter Bundestrainer dort, die alles besser wissen (am schlimmsten sind ja meistens diejenigen, die früher tatsächlich mittendrin waren). So merkt man an Kleinigkeiten, wie wenig differenziert Albright manchmal vorgeht. Ihr Loblied auf Angela Merkel verknüpft sie mit der Befürchtung, dass ihre &lt;i&gt;wackelige Koalition&lt;/i&gt; halte. Den europäischen Kommunismus habe man &lt;i&gt;niedergetrotzt&lt;/i&gt; (kein Wort beispielsweise von der Entspannungspolitik oder den Bürgerrechtsbewegungen). Russland sei, so Albright, &lt;i&gt;nie wirklich Teil des Westens&lt;/i&gt; gewesen  was immerhin dazu führt, dass sie Russland eine Art Sonderrolle was Demokratisierung angeht, zugesteht (mit George Kennan argumentierend). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mal ist Diplomatie &lt;i&gt;kein Selbstzweck&lt;/i&gt;, dann wiederum singt sie das hohe Lied von Verhandlungsbereitschaft. Mal ist militärische Gewalt &lt;i&gt;am nützlichsten, wenn sie nicht zum Einsatz kommt&lt;/i&gt;, dann wiederum waren kriegerische Massnahmen nach dem Anschlag des 11. September &lt;i&gt;unvermeidlich&lt;/i&gt; - warum, sagt sie nicht (und der Afghanistan-Einsatz wird von ihr harsch kritisiert). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die USA und die OAS (Organisation Amerikanischer Staaten) &lt;i&gt;haben, mit wenigen Ausnahmen, gemeinsam gegen den Totalitarismus gekämpft&lt;/i&gt; - aber ich fürchte, Albright muss da ein bisschen nachsitzen und die Geschichte zum Beispiel von Venezuela, Guatemala, Nicaragua oder Chile nach einmal nachlesen. Das gilt auch für die reichlich beschönigende Schilderung der &lt;i&gt;höchsten moralischen Standards&lt;/i&gt;, was den Einsatz von Atomwaffen und vor allem der Verhinderung einer atomaren Katastrophe (während des Kalten Krieges) angeht. Zwar hätten die USA als erste und bisher einzige Macht diese Waffen einmal eingesetzt, aber Albright versucht allen Ernstes zu vermitteln, man habe die Kräfte, die man losgelassen habe, auch vorbildlich gebändigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Scheitern von Camp David bei den Friedensverhandlungen zwischen Arafat und Barak 2000 weist sie ausschliesslich Arafat zu; Clinton sei zu &lt;i&gt;gutmütig&lt;/i&gt; gewesen. Merkwürdig dann, wenn sie  in einer der sehr seltenen Momente wirklich Neues erzählt - und berichtet, dass Arafat bei der Ablehnung des mühsam ausgehandelten Kompromisses Tränen in den Augen gehabt habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in anderen Feldern verfechtet Albright für die USA typische imperiale Politik. Sie beklagt beispielsweise die &lt;i&gt;Schieflage&lt;/i&gt; in der NATO und meint damit die disparitätischen finanziellen Aufwendungen der USA im Verhältnis zu Europa  und drängt auf eine Anpassung der europäischen Beiträge. Zwar bekräftigt sie, dass die USA mehr mit/in der NATO kooperieren sollen (die Worte &lt;i&gt;Kooperation&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;Vertrauen&lt;/i&gt; findet man sehr oft im Buch), aber letztlich eskomptiert sie die Dominanz der USA. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant, dass sie Bushs Präventivschlagpolitik durchaus in der bisherigen US-Politik verankert sieht. Prinzipiell, so Albright, zeige sich da nichts Neues. Man habe &lt;i&gt;im Libanon, in Grenada, Panama, Somalia, im Irak, in Haiti, in Bosnien und im Kosovo in diesem Sinne interveniert.&lt;/i&gt; Vollends ausgeblendet wird eine kritische Betrachtung dieser Interventionen. Ein grosser Schwachpunkt: diese Politik wird nicht aufgearbeitet. Soll der künftige US-Präsident alle Fehler noch einmal neu machen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Nachdenkliches und Unkonventionelles&lt;/b&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Aspekte sieht Albright jedoch mit einer erfrischenden Klarheit. Hier würde man sich wirklich wünschen, dass einige von ihren Vorschlägen in eine neue Politik einfliessen möge. Von der Heuchelei in der Weiterverbreitung von Atomwaffen war schon die Rede (&lt;i&gt;Wir predigen, was wir selbst nicht praktizieren&lt;/i&gt;). Auch die Wirkungsmächtigkeit von Wirtschaftssanktionen gegen Staaten sieht sie sehr kritisch  und praktisch als wirkungslos an (umso merkwürdiger, dass sie doch immer mal wieder in solchen Mechanismen zurückfällt). Vernünftige Politik bestünde u. a. darin, es gar nicht erst zu solchen Eskalationen kommen zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz  zu kurz  beschäftigt sich Albright auch mit der EU. In einer kleinen, aber interessanten, leider nur kursorisch ausgeführten Bemerkung, spricht sie von der EU als dem &lt;i&gt;europäische[n] Experiment&lt;/i&gt;, welches eine &lt;i&gt;kritische Phase erreicht&lt;/i&gt; habe. Der Prozess der Vereinigung sei &lt;i&gt;zu weit vorangeschritten, um ihn wieder rückgängig zu machen.&lt;/i&gt; Die Europäer würden jedoch zu sehr an ihren &lt;i&gt;nationalen Besonderheiten&lt;/i&gt; hängen. Ihr Verhältnis zur Institution der 27 ist ambivalent: &lt;i&gt;beeindruckend umfassend oder hoffnungslos schwerfällig&lt;/i&gt;. Man darf annehmen, dass diese zurückhaltenden Formulierungen mit Bedacht gewählt sind, aber eine durchaus pessimistische langfristige Prognose stellt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Einschätzung zu Südasien (Indien/Pakistan) ist von erfrischender Selbstkritik geprägt (&lt;i&gt;Was können wir für Pakistan tun, nicht, was kann Pakistan für uns tun&lt;/i&gt;). Die Kooperation mit Diktatoren als Verbündete sieht sie mindestens ambivalent; einen &lt;i&gt;moralischen Relativismus&lt;/i&gt; lehnt sie ab. In der Behandlung des Nahostkonflikts weist sie auf die Friedensinitiative von Saudi-Arabien (2002) und der Arabischen Liga (2007) hin und sieht sie als Gerüst, auf das sich sehr wohl aufbauen lasse. Diese Vorschläge nicht wenigstens einmal aufgegriffen zu haben, stellt für sie ein Fehler dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ganz kann sie natürlich der Bündnisrolle Israels nicht abschwören. Unglücklich hier ihre Formulierung, der Präsident solle sich bei &lt;i&gt;Vertretern der jüdischen Gemeinden in den USA&lt;/i&gt; bezüglich der Nahostpolitik &lt;i&gt;politische Rückversicherung&lt;/i&gt; einholen. Und gequält die &quot;politisch korrekte&quot; Ergänzung, dies auch mit &lt;i&gt;Vertretern der arabischen Seite&lt;/i&gt; in Amerika zu tun; fast ein wenig despektierlich zu sagen, diese Gespräche seien &lt;i&gt;sicherlich kein Frühlingsspaziergang&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Äusserungen zum Al-Qaida-Terrorismus sind  für US-amerikanische Verhältnisse  geradezu revolutionär. Man kann zwar nicht den &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4538876&quot;&gt;Richardson-Massstab&lt;/a&gt; anlegen, aber die Unterscheidung zwischen &lt;i&gt;moderat&lt;/i&gt; und &lt;i&gt;säkular&lt;/i&gt; in Bezug auf politische Diktatoren und die Feststellung, dass Al-Qaidas Hass auch und vor allem auf die &lt;i&gt;säkularen politischen Führer&lt;/i&gt; in der arabischen Welt zielt, sind Erkenntnisse, die der heutigen Regierung (und weiten Teilen der amerikanischen Bevölkerung) vollkommen fremd sein dürften. Am Ende wagt sie dann sogar noch eine Art Therapie, in dem sie einen Zusammenschluss gemässigter islamischer Gelehrter zusammenbringen möchte, der die gewalttätigen Methoden der islamistischen Terroristen thematisch blossstellen und als &lt;i&gt;ketzerisch&lt;/i&gt; und anti-islamisch ächten soll  und dies in einer breit angelegten medialen Kampagne. So soll quasi das islamische Deckmäntelchen von Bin Laden &amp; Co. decouvriert werden, es müsste auch für den &quot;einfachen Muslim&quot; deutlich werden: &lt;i&gt;Al-Qaida bietet der Welt kein Kalifat, sondern ein Gefängnis an&lt;/i&gt;.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Hybris durch Demut ersetzen&lt;/i&gt; - so heisst es einmal  sei die Devise (mindestens aussenpolitisch), die der neue Präsident zu vertreten habe. Er müsse wieder mehr zuhören, die Verbündeten einbinden, nicht selbstherrlich sich über die Weltgemeinschaft erheben. Aber Albright ist sich bewusst, dass dies kein leichter Weg sein wird. Eventuell wird es einen neuen Isolationismus geben; sie redet diesem vehement das Wort. Und am Ende dann Appelle  Appelle an das eigene Vertrauen, an die Kraft und den Geist Amerikas und nach drei Schritten Entgegenkommen geht sie zwei wieder zurück, wenn sie schreibt, niemand werde die USA &lt;i&gt;respektieren, wenn wir jedem die Türe aufhalten gemäss dem Motto &apos;Nach Ihnen!&apos;. Andererseits muss man in der Führungsrolle&lt;/i&gt; - diese wird nicht in Frage gestellt - &lt;i&gt;weder fordernd noch schrill auftreten; wirksamer sind ruhige Überzeugungsarbeit, eine feste Überzeugung und Fairness.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;It&apos;s the economy, Madeleine!&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Machen wir uns nicht vor: Wenn Albright nicht gerade Details aus ihrer politischen Vergangenheit berichtet, entspricht das aussenpolitische Wissen, was hier zusammengetragen wird, in etwa dem, was ein interessierter Zeitgenosse mit durchschnittlicher Lektüre und einigen Dokumentationen in Funk und Fernsehen problemlos rezipiert hat. Innenpolitische Themen der USA spricht sie gar nicht an. Fast alle Experten sagen aber voraus, dass die Innenpolitik (das Gesundheitssystem beispielsweise) und die heimische wirtschaftliche Situation (Hypothekenkrise inklusive einer drohenden Rezession in Amerika) die Wahlen entscheiden werden. DAS interessiert die Amerikaner, deren notorischer Optimismus ins Wanken geraten scheint. Albright ist allerdings keine ausgewiesene Expertin in diesen Fragen. Und die Themen des vorliegenden Buches interessiert in den USA vermutlich nur eine kleine Minderheit. Schade eigentlich.      

&lt;hr /&gt;
&lt;small&gt;Alle kursiv gedruckten Passagen sind Zitate aus dem besprochenen Buch.&lt;/small&gt;
&lt;hr /&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-19T09:52:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4628064/">
    <title>Madeleine Albright: Amerika, du kannst es besser</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4628064/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Madeleine Albright  Amerika du kannst es besser&quot; height=&quot;240&quot; alt=&quot;Madeleine Albright  Amerika du kannst es besser&quot; width=&quot;240&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Madeleine-Albright-Amerika-du-kannst-es-besser.jpg&quot; /&gt;Der Untertitel des Buches lautet &quot;Was ein guter Präsident tun und was er lassen sollte&quot; - und er ist wörtlich gemeint! Madeleine Albright hat eine Art Vademecum für den neuen Präsidenten verfasst (zusammen mit dem von anderen Büchern bereits bekannten Bill Woodward, der in der deutschen Ausgabe erst auf dem Schmutztitel erscheint); einen Ratgeber, der sich insbesondere den Abläufen im &quot;&lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/1515025&quot;&gt;Treibhaus&lt;/a&gt;&quot; Washington und der Aussenpolitik widmet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zeugt nicht nur von erstaunlichem Selbstbewusstsein, sondern offenbart auch eine gewisse Pikanterie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[&lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4628071&quot;&gt;weiterlesen und kommentieren&lt;/a&gt;]

&lt;br /&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-19T09:49:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4612848/">
    <title>Kosovo ante portas</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4612848/</link>
    <description>Seit einigen Monaten wird in der EU (und nicht nur dort) über einen eventuellen neuen Status der südserbischen Provinz Kosovo diskutiert. Das lange Aufgeschobene holt nun sukzessive die Beteiligten wieder ein. Vermutlich wird das Kosovo in den nächsten Wochen einseitig seine Unabhängigkeit von Serbien verkünden  mit mehr oder weniger stillschweigender Rückendeckung der EU, die sich hierzu bereits festgelegt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Januar-Ausgabe der &quot;Blätter für deutsche und internationale Politik&quot; gibt es einen luziden Artikel von Reinhard Mutz mit dem Titel &quot;&lt;a href=&quot;http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=2735&quot;&gt;Kriegswaise Kosovo&lt;/a&gt;&quot;, der die politischen Entwicklungen (bzw. Versäumnisse) der letzten Jahre skizziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Paradigmenwechsel&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mutz stellt klar, dass eine Anerkennung des Kosovo ein Kontinuum in der Abkehr des Prinzips der &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/KSZE#Schlussakte_von_Helsinki&quot;&gt;Schlussakte von Helsinki&lt;/a&gt; darstellt. &lt;i&gt;Danach sind staatliche Grenzen nicht unveränderbar, aber sie sind unverletzlich. Das Recht auf Selbstbestimmung gilt, aber es ist der Pflicht zum Gewaltverzicht nachgeordnet. Wer neue Grenzen ziehen und andere Staaten gründen will, muss den Weg politischer Verständigung gehen.&lt;/i&gt; Kühl aber zutreffend summiert Mutz: &lt;i&gt; Die Vereinigung Deutschlands ist so zustande gekommen, die Zerteilung Jugoslawiens nicht. &lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ambivalente, wenn nicht gar völkerrechtwidrige Politik der EU  und insbesondere Deutschlands  lässt sich wie ein roter Faden verfolgen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt; Sie hat bei Ausbruch des Krieges 1991 das Bestreben der Slowenen und Kroaten, unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht nicht länger in einem jugoslawischen Staat leben zu wollen, zu ihrer Sache gemacht. Über das Bestreben anderer Minderheiten, beispielsweise der kroatischen Serben, unter Berufung auf dasselbe Selbstbestimmungsrecht nicht in einem kroatischen Staat leben zu wollen, ist sie hinweggegangen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie hat nach dem Übergreifen des Krieges auf Bosnien-Herzegowina 1992 die Bildung eines multinationalen, multiethnischen, multikonfessionellen bosnischen Staates ultimativ betrieben. Der Auflösung des multinationalen, multiethnischen, multikonfessionellen jugoslawischen Staates hatte sie gerade Beihilfe geleistet. &lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ahtisaari-Plan, der die Basis für die Unterstützung der EU und der USA für einen unabhängigen Staat Kosovo darstellt, ist die Fortsetzung eines Paradigmenwechsels, der das Recht auf Selbstbestimmung &lt;b&gt;vor&lt;/b&gt; der Unverletzlichkeit der Grenzen des Nationalstaates setzt. Mit gleicher Münze gerechnet, könnte, ja müsste man auch für die Basken, die Katalanen, Tirol, die abtrünnigen Nordprovinzen Italiens (&quot;&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Padanien&quot;&gt;Padanien&lt;/a&gt;&quot;) und/oder die Korsen unabhängige Staaten deklarieren (und - weitergehend - beispielsweise den Kurden oder den sezessionsistischen Bewegungen auf dem Kaukasus).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Politik des Westens ist gescheitert.&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mutz beschreibt, wie die bisherige Politik des Westens gescheitert ist. An der Eskalation des Konfliktes gibt er der NATO (und dem Westen) entscheidende Mitschuld: &lt;i&gt;Als entscheidende Instanz der Konfliktregulierung auf dem Balkan war sie eine Fehlbesetzung.&lt;/i&gt; Der albanischen Befreiungsorganisation (?) &quot;UÇK&quot; wurde  es gestattet, &lt;i&gt;&quot;in das Vakuum vor[zustossen], das der Abzug der Serben hinterlassen hatte&quot;&lt;/i&gt; (so zitiert Mutz Klaus Naumann, den Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses von 1996-1999 und seinerzeit für die militärpolitischen Entscheidungen der NATO verantwortlich). Die &quot;UÇK&quot; habe, so Naumann, das Holbrooke-Abkommen &lt;i&gt;kaputtgemacht&lt;/i&gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die politischen Ziele des Kosovo-Friedens sind nicht erreicht worden. Stattdessen haben sich die &lt;i&gt;Gewaltverhältnisse lediglich umgekehrt. Hatten im alten Jugoslawien die Kosovo-Albaner das Los des entrechteten und unterdrückten Bevölkerungsteils zu tragen, so erleiden heute die nichtalbanischen Minderheiten, die im Kosovo verblieben sind, dasselbe Schicksal. Sie leben in beschützten Enklaven.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits am 11. Mai 2007 schrieb Hansjörg Eiff, der letzte deutsche Botschafter im zerfallenden Jugoslawien, in der &quot;Süddeutschen Zeitung&quot;: 

&lt;blockquote&gt;&quot;Gegen eine Anerkennung des Kosovo als Staat spricht derzeit unter anderem die seit dem Ende des Kosovo-Kriegs im Jahr 1999 bestehende faktische Teilung der Region: in einen Hauptteil, der von der internationalen Übergangsverwaltung (Unmik) und den albanisch dominierten Selbstverwaltungseinrichtungen regiert wird, sowie in einen mehrheitlich an Serbien grenzenden Gebietsteil im Norden andererseits. Weder Unmik noch die im Aufbau befindliche Kosovo-Regierung haben in diesem mit Serbien wirtschaftlich und politisch eng verbundenen gebiet ihre Herrschaft zu etablieren vermocht. Auch Versuche des internationalen Vermittlers, das Problem mit einem Dezentralisierungsmodell zu lösen, versprechen keinen Erfolg. Eine Änderung dieser Verhältnisse wäre wohl nur mittels militärischer Gewalt möglich.&quot;&lt;/blockquote&gt;

&lt;b&gt;Ist die Teilung eine Lösung?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eiff tritt  quasi als eine Art Notlösung - für eine &lt;a href=&quot;http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/c/c2/Kosovo_Serben3.png&quot;&gt;Teilung des Kosovo&lt;/a&gt; ein, die jedoch höchstens von den Serben akzeptiert werden würde, da die im Norden befindlichen Kohle- und Metallvorkommen dann an Serbien fallen würde. Zudem sieht der Ahtisaari-Plan eine Teilung des Kosovo explizit nicht vor, d. h. er übernimmt hier per se schon die Verhandlungsposition der Kosovaren. Dennoch meint Eiff, dass eine Aufteilung, beschlossen auf einer &quot;internationalen Balkankonferenz&quot; einem &quot;dauerhaften Frieden in der Region&quot; mehr dienen würde, als &quot;die Fortsetzung des Status quo oder eine Entwicklung, die durch einseitige Schritte bestimmt ist.&quot; Sie hätte auch, so Eiff, den Vorteil, &quot;dass das internationale Protektorat über den Kosovo in absehbarer Zeit beendet werden könnte.&quot;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ein autonomer Kosovo-Staat, der übrigens noch sehr lange Zeit auf robuste Unterstützung anderer Truppen angewiesen sein dürfte, überleben soll, hat im Auftrag der EU Anfang 2007 das &quot;Institut für Europäische Politik&quot; aus Berlin untersucht. Der Bericht, der im Internet kursiert [&lt;a href=&quot;http://balkanforum.org/IEP-BND/iep0001.PDF&quot;&gt;PDF-Dokument hier; 9,12 MB&lt;/a&gt;] (eine Verifikation der Echtheit wurde vom IEP nicht gegeben; man zog es vor, wiederholte Anfragen darüber unbeantwortet zu lassen), listet ungeschminkt die Fragilität dieses Gebildes auf, sei es in ökonomischer, sozialer und gesellschaftlicher Hinsicht. Das Kosovo ist kein Staat, in dem Werte eines pluralistischen Rechtsstaates auch nur marginal implementiert sind. Der Bericht weist auf den extrem hohen &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/3058196/&quot;&gt;&quot;youth bulge&quot;-Anteil&lt;/a&gt; der zu mehr als 90% albanisch-sprechenden Bevölkerung hin und die gravierenden Probleme einer praktisch nicht existierenden Volkswirtschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mutz weist in seinem Artikel darauf hin, dass die Sezessionsbestrebungen in der Region mit einer Anerkennung des Kosovo bei weitem nicht vom Tisch wären. Die grösste Strahlkraft hätte es jedoch auf das ohnehin fragile Bosnien-Herzegowina: &lt;i&gt;Die muslimischen Bosnier betreiben die Abschaffung der serbischen Autonomie. Im Gegenzug spielen die bosnischen Serben mit dem Plan eines Referendums über den Anschluss ihrer Teilrepublik an Belgrad. Die Loslösung Kosovos von Serbien würde ihnen Auftrieb geben.&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein bisschen Hoffnung keimt auf, weil sich der slowenische EU-Ratspräsident Dimitrij Rupel als Vermittler anbieten möchte. Ob es ihm gelingt, die geostrategischen Interessen der USA (und auch Russlands) zu Gunsten einer europäischen Position zu verändern und die beiden divergierenden Standpunkte in einen Kompromiss zu überführen, bleibt abzuwarten. Man sollte ihm viel Erfolg wünschen.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-14T07:37:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4538869/">
    <title>Louise Richardson: Was Terroristen wollen</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4538869/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Louise Richardson Was Terroristen wollen&quot; height=&quot;240&quot; alt=&quot;Louise Richardson Was Terroristen wollen&quot; width=&quot;240&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Louise-Richardson-Was-Terroristen-wollen.jpg&quot; /&gt;Der Untertitel des Buches &lt;i&gt;Was Terroristen wollen&lt;/i&gt; verspricht nicht zuviel: &lt;i&gt;Die Ursachen der Gewalt und wie wir sie bekämpfen können&lt;/i&gt;. Louise Richardson, Politikprofessorin aus Harvard, hat sich jahrzehntelang mit Terrorismus beschäftigt und diesen wissenschaftlich untersucht. Das vorliegende Buch ist dabei sowohl eine populärwissenschaftliche Zusammenfassung ihrer Untersuchungen als auch Wegweiser, wie demokratische und liberale Rechtsstaaten mit dieser Bedrohung umgehen können, die ja  auch das wird im Laufe der Lektüre deutlich  kein neuartiges Phänomen darstellt (und auch nicht einer bestimmten Kultur zugeschrieben werden kann).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tatsache, dass Richardson Irin ist und auch selbst als Jugendliche mit dem Terrorismus der IRA (bzw. PIRA) konfrontiert wurde, bringt noch eine zusätzliche Facette in dieses Buch hinein (die jedoch nur sehr dezent und am Anfang erwähnt wird). So berichtet die Autorin sehr wohl, wie die Infiltration im Elternhaus, in der Schule und unter Freunden wie eine Art schleichendes Gift in ihr fortschritt und dieses für Terroristen und ihre Anhänger typische dichotomische Weltbild erzeugte. Und sie schildert ihr Erweckungserlebnis, welches sie schlagartig &quot;bekehrte&quot;, als sie auf dem Dachboden ein Foto des Onkels fand, der als widerständischer Freiheitsheld in der Familie gefeiert wurde, auf dem Foto jedoch ausgerechnet eine britische Uniform trug und alle Mythengeschichten, jene &lt;i&gt;erinnerte Historie&lt;/i&gt;, die von Generation zu Generation immer weitererzählt wurde, auf einen Schlag zu Lügen mutierten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/4538876/&quot;&gt;[weiterlesen und Kommentarmöglichkeit]&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2007-12-16T15:16:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/3332480/">
    <title>&quot;Independent Jewish Voices&quot; für eine differenzierte Betrachtung im Nahostkonflikt</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/3332480/</link>
    <description>Vor einigen Tagen meldete sich eine Gruppe britischer Juden (&lt;a href=&quot;http://jewishvoices.squarespace.com/signatories/&quot;&gt;hierunter&lt;/a&gt; auch viele prominente Intellektuelle und Künstler wie beispielsweise der Historiker Eric Hobsbawm, der Filmemacher Mike Leigh, Schauspieler Stephen Fry, Literaturnobelpreisträger Harold Pinter und der Soziologe Richard Sennett) unter dem programmatischen Titel &quot;&lt;a &gt;Independent Jewish Voices&lt;/a&gt;&quot; zu Wort. Ihre Erklärung wurde erstmalig im liberalen &quot;&lt;a href=&quot;http://www.guardian.co.uk/international/story/0,,2005870,00.html&quot;&gt;Guardian&lt;/a&gt;&quot; publiziert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den &quot;Independant Jewish Voices&quot; handelt es sich um einen (losen) Zusammenschluss. Ihre &quot;&lt;a href=&quot;http://jewishvoices.squarespace.com/declaration-2/&quot;&gt;Declaration&lt;/a&gt;&quot; liest sich wie ein Befreiungsschlag gegen ein Establishment, von dem sie sich nicht mehr repräsentiert fühlen (&lt;small&gt;Die Übersetzung erfolgte durch mich; sie ist weder autorisiert noch beansprucht sie alleinige Gültigkeit. Der gesetzte Link ermöglicht es jedem, den Wortlaut im Original zu lesen und selbst zu übersetzen.&lt;/small&gt;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass das breite Spektrum der Meinungen unter der jüdischen Bevölkerung dieses Landes von jenen Einrichtungen nicht widergespiegelt wird, welche die Autorität beanspruchen, die jüdische Gemeinschaft als Ganzes zu vertreten.[...] Wir haben uns daher entschlossen, den Ausdruck von alternativen jüdischen Meinungen zu befördern, insbesondere unter Berücksichtigung der ernsten Situation im Nahen Osten, welche die Zukunft sowohl von Israelis als auch von Palästinensern sowie die Stabilität der ganzen Region bedroht. Wir werden von den folgenden Prinzipien geleitet: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1.	Menschenrechte sind universal und unteilbar und sollten ohne Ausnahme gelten. Das ist in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten ebenso gültig wie anderswo auf der Welt. &lt;br /&gt;
2.	Palästinenser und Israelis haben das gleiche Recht auf ein friedliches und sicheres Leben. &lt;br /&gt;
3.	Frieden und Stabilität setzt notwendig voraus, dass die Konfliktparteien internationalen Gesetzen zustimmen. &lt;br /&gt;
4.	Es gibt keine Rechtfertigung für jede Form des Rassismus, einschließlich des Antisemitismus, antiarabischen Rassismus oder Islamophobie in jeder Ausprägung. &lt;br /&gt;
5.	Der Kampf gegen den Antisemitismus ist lebenswichtig, wird aber dann untergraben, wenn die Opposition gegen israelische Regierungspolitik automatisch als antisemitisch gebrandmarkt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Grundsätzen wird widersprochen, wenn diejenigen, die behaupten, im Auftrag der Juden in Großbritannien und anderer Länder zu sprechen und die Politik einer Besatzungsmacht höher zu bewerten als die Menschenrechte.&lt;/cite&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unterzeichner treten für einen fair verhandelten Frieden ein, der die Bedürfnisse beider Seite berücksichtigen solle. Emphatisch beschwören sie die &lt;i&gt;jüdische Tradition&lt;/i&gt; für den Kampf &lt;i&gt;universaler Freiheit, Menschenrechte und sozialer Gerechtigkeit&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonderen Diskussionsstoff dürfte der Satz &lt;i&gt;Die Lehren, die wir aus unserer eigenen Geschichte gezogen haben, zwingen uns dazu, das auszusprechen.&lt;/i&gt; bieten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab natürlich Beschimpfungen der übelsten Art (in diversen Foren nachzulesen; auch auf der vom &quot;Guardian&quot; eingerichteten &lt;a href=&quot;http://commentisfree.guardian.co.uk/category/independent_jewish_voices/&quot;&gt;Diskussionsseite&lt;/a&gt;) und auch die Broderlogik, dass es sich um selbsthassende Juden handelt, wird immer wieder gerne ins Feld geführt. Dies sind jedoch kleingeistige Ablenkungsmanöver, wenn einem im Rausch des Widerspruchs die Argumente sozusagen mitten im Schreiben ausgehen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entrüstung ist vermutlich deshalb so stark, weil die Erklärung einen Kernpunkt berührt: Der gelegentlich zu beobachtende vorauseilende Gehorsam, der israelischen Politik (fast) einen Blankoscheck auszustellen, wird von vielen jüdischen Eliten inzwischen nicht nur als peinlich empfunden, sondern als kontraproduktiv abgelehnt. Dies belegen zahlreiche Beispiele  auch in Israel (man denke u. a. an die &lt;a href=&quot;http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2914658/&quot;&gt;hier besprochene Grossman-Rede&lt;/a&gt;). Zwar funktionieren die Denunziationsmechanismen noch, aber es &quot;bröckelt&quot;: Längst sind die fast pawlowschen Abwehrreflexe bei Reden dieser Art unglaubwürdig geworden, da sie keinerlei substantielle Lösungsvorschläge bereithalten, sondern nur einen Status quo zu erhalten trachten, der die Probleme konserviert und sogar verschärft, statt sie zu lösen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und um nicht der Einseitigkeit beschuldigt zu werden: Natürlich ist das Verhalten etlicher Repräsentanten der Palästinenser in den letzten Jahren auch nicht gerade vertrauenerweckend  was jedoch die Dringlichkeit einer vernünftigen politischen Initiative eher noch verstärkt, als sich auf die bekannten und gewohnten Positionen zurückzuziehen, oder? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Deklaration der &quot;Independant Jewish Voices&quot; zielt auf ein weltweites Echo. Es ist spannend zu beobachten, ob dies geschieht, insbesondere wie die Reaktionen der grossen jüdischen &quot;Diaspora&quot; in den USA ausfallen wird (dort streitet derzeit Tony Judt ziemlich auf sich allein gestellt für eine differenziertere Sicht). In den deutschen Medien wurde m. W. nur in der &quot;Kulturzeit&quot; von 3sat &lt;a href=&quot;http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/104674/index.html&quot;&gt;ein Beitrag&lt;/a&gt; gebracht  und ein Gespräch mit einem der Initiatoren, Donald Sassoon. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man stelle sich eine ähnliche Initiative in Deutschland vor  und der Aufschrei, der von den üblichen Gesinnungspolizisten und Meinungsmonopolisten angeführt würde. Vielleicht finden sich aber trotzdem die mutigen hier in Deutschland  oder sie schliessen sich den Briten an.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2007-02-17T14:42:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/3088207/">
    <title>Willkommen im Club</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/3088207/</link>
    <description>Ein reichlich ernüchternder Text (mit einem skurrilen Titel): &quot;&lt;a href=&quot;http://www.taz.de/pt/2006/12/13/a0176.1/text&quot;&gt;Sieg der Essiggurke&lt;/a&gt;&quot; von &lt;a href=&quot;http://ivayloditchev.cult.bg/about.html&quot;&gt;Ivaylo Ditchev&lt;/a&gt;. Ditchevs Analyse der bereits vor der tatsächlichen Mitgliedschaft in der EU desillusionierten Bulgaren entspricht sicherlich den Tatsachen. Die &quot;Halbwertzeit&quot;, in der die Europäische Union noch Bürger zu begeistern vermag, hat in den letzten Jahren dramatisch abgenommen. Bereits bei der letzten EU-Erweiterung im Mai 2005 hielten sich in den Bevölkerungen vieler neuer Beitrittsländer (Polen; Tschechische Republik) EU-Gegner und EU-Befürworter die Waage. Inzwischen sind die Befürworter längst in der Minderheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ditchevs Analyse, ein neuer Nationalismus stemme sich sozusagen einem legislativen Bürokratiemonster EU entgegen, während die Nationalregierungen bei der (nach wie vor fragilen) Demokratisierung der Gesellschaft versagen, mag für Länder wie Bulgarien zutreffen. Das beschriebene Phänomen ist aber in der gesamten EU virulent  auch bei Ländern, die der Gemeinschaft seit Jahrzehnten angehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ersetzt man die Vokabel &quot;Nationalismus&quot; durch &quot;protektionistischen Regionalismus&quot;, so kommt man der Sache schon sehr viel näher. Diese Bewegung existiert seit Jahren  überall in der EU: Der Usurpierung durch unkontrollierte, globalisierte (und teilweise als &quot;bedrohlich&quot; empfundene) Warenströme hat sich der Trend einer sanften Regionalisierung entgegengestemmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Fernsehkoch legt heutzutage Wert auf jahreszeitliche und &quot;regionale Produkte&quot;. Wozu Spargel aus Taiwan, wenn vor der Haustür welcher angebaut wird? Und warum Popmusik in (meist unverständlichem und/oder banalem) englisch hören müssen, wenn es auch Texte in der eigenen Sprache gibt? Weshalb sich ständig Anglizismen aussetzen müssen? Ist das bereits Nationalismus? Oder ist es nur eine Hinwendung zu einer Regionalisierung, die (beispielsweise in Deutschland) im Zweifelsfall nicht &quot;deutsche Küche&quot; en vogue erscheinen lässt, sondern &quot;bayerische&quot; oder &quot;pfälzische&quot;? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man frage einen Briten nach seiner Herkunft: Er ist &lt;i&gt;zuerst&lt;/i&gt; Engländer, Waliser, Schotte oder Nordire  danach geht es noch detaillierter in die weitere Regionalisierung (Grafschaft; Stadt). Auf die Idee, er sei Brite, kommt er meist gar nicht (oder zuletzt). Das schottische Parlament hat unter Tony Blair grosse autonome Rechte erhalten. Ähnliche Regionalisierungen gab es in Spanien. In Italien mündeten Regionalbestrebungen in die faschistische &quot;Lega Norte&quot;, die offen für eine Sezession des &quot;reichen Nordens&quot; vom &quot;armen Süden&quot; eintritt; auch in Belgien treiben sich wahrlich nationalistische Kräfte um  wie man vor einigen tagen vorgeführt bekam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir erleben europaweit eine Wiederbelebung von Regionalstrukturen, die im besten Fall föderal organisiert sind bzw. werden. Dies ist nicht zuletzt ein Verdienst linksliberaler Kräfte der 80er und 90er Jahre (in Deutschland insbesondere der Grünen), die im Schulterschluss mit konservativen EU-Gegnern als eine Art Dompteur den Regionalismus in der Bevölkerung aufgegriffen, domestiziert und irgendwann institutionalisiert haben (&quot;Europa der Regionen&quot;). Er diente in der Urform als Abwendung gegen jene zentralistisch-seelenlosen Politik- und Gesellschaftsentwürfe, die in hunderte Seiten umfassenden Verordnungen den Sitz des Traktors oder den Krümmungsgrad der Banane definieren  aber den Bürger mit den Sorgen des Alltags alleine lassen und nicht in der Lage sind, die ohne Zweifel gravierenden Vorteile einer Europäischen Union (jenseits eines gemeinsamen Marktes) verständlich herauszuarbeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei ist übrigens die Europäische Union   hierüber sind sich viele Experten einig  keine lupenreine demokratisch legitimierte Organisation. Der Verfassungsvertrag hätte dies nicht geändert. Die Verordnungsmonster, die in immer kürzeren Zyklen die Autonomie regionalen Handelns einschränken, sind oft derart welt- und kulturfremd, dass es einem schaudern mag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn im Januar 2007 Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, so werden die geschwollenen Sonntagsreden der politischen Eliten sich irgendwann so weit von der &quot;gefühlten&quot; Lage weiter Teile der Bevölkerung unterscheiden, dass jede zusätzliche Belobigung des &quot;gemeinsamen Europa&quot; just das Gegenteil dessen bewirkt, was erreicht werden soll: das Prinzip kommunizierender Röhren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angela Merkel hat angedroht, den EU-Verfassungsvertrag wieder auf die Agenda zu setzen. Vielleicht erklärt ihr noch rechtzeitig vor der ersten Ratssitzung unter ihrem Vorsitz jemand, dass dieser in mindestens zwei Ländern mit demokratischen Mitteln gescheitert ist. Es macht also keinen Sinn, am bestehenden Entwurf einfach festzuhalten oder nur marginal zu verändern und im Zweifel so lange abstimmen zu lassen, bis das Ergebnis stimmt. Diese Haltung  von vielen EU-Funktionären trotzig angenommen  offenbart das inzwischen dramatische Demokratiedefizit, welches sich in Brüssel und Strassburg herausschält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1998 trumpfte der damalige neue Aussenminister Joschka Fischer vollmundig auf, man werde die neuen Beitrittsländer erst nach ausgiebigen und wichtigen Reformen innerhalb der bestehenden EU aufnehmen  erst intern reformieren und danach neu aufnehmen. Politische Zusagen der Kohl-Regierung  das stellten Schröder/Fischer schnell fest  waren schon längst weitergegangen; der Dicke hatte offensichtlich nicht ausführlich genug die Eleven informiert. So sehr sich auch die rot-grüne Regierung noch um kosmetische Details bemühte  der Zug war längst unabänderbar in die Erweiterungsrichtung abgefahren. Historiker werden irgendwann einmal diese vollkommen überhastete und auch medial ungeheuer schlecht vermittelte Politik als den Anfang vom Ende der politischen, europäischen Union ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Völker der neuen Beitrittsländer in etwa die Welle erkannten, die mit einer Mitgliedschaft auf sie zukommt, war es zu spät. Jahrelang war ihnen suggeriert worden, die EU sei eine Organisation, in der man oben einen Euro einwerfe und unten zwei Euro herausbekomme. Der Schock war gross, als die Bedingungen und Zeiträume genannt wurden. Sie wussten noch nicht, dass man in Verträgen das Kleingedruckte auch lesen muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Billige und primitive Populisten hatten ein leichtes Spiel: Sie konnten mit antieuropäischen Ressentiments auf Stimmenfang gehen und trafen fruchtbaren Boden an. Wenn man die heruntergefallenen Äpfel nicht aufsammelt, muss man sich nicht wundern, wenn ein anderer sie vermarktet.     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Türken werden sich 2020 wehmütig daran erinnern, dass sie nun eigentlich der EU hätten beitreten wollen. Nur wird es die EU in der jetzigen Form dann nicht mehr geben. Einige wenige werden ob der verlorenen Chancen nachtrauern, die man verspielt hat. Andere werden befriedigt feststellen, dass die Klammer eines gemeinsamen Marktes ausreicht, um in Europa auch weiterhin aussenpolitisch konfliktfrei zu halten. In Bulgarien wird man auch weiterhin die lokale Essiggurke bevorzugen und in Deutschland die Spreewälder. Warum auch nicht.

&lt;hr /&gt;
&lt;small&gt;&lt;i&gt;Dank für den Hinweis auf den TAZ-Artikel an Michael Roloff.&lt;/i&gt;&lt;/small&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2006-12-20T12:03:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/3039825/">
    <title>&quot;Wunder können nicht erwartet werden&quot; - Der Baker-Bericht beerdigt den...</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/3039825/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;Iraq Study Group Report&quot; height=&quot;110&quot; alt=&quot;Iraq Study Group Report&quot; width=&quot;80&quot; align=&quot;left&quot; class=&quot;left&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/begleitschreiben/images/Iraq-Study-Group-Report.jpg&quot; /&gt;Der vielerwartete sogenannte &quot;Baker-Report&quot; (&lt;i&gt;Iraq Study Group Report&lt;/i&gt;) ist da und &lt;a href=&quot;http://www.usip.org/isg/iraq_study_group_report/report/1206/iraq_study_group_report.pdf&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; als PDF-Dokument (902 kb) von der Seite des United States Insitute of Peace herunterzuladen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben einer aktuellen Bestandsaufnahme zeigt er auch Lösungsmöglichkeiten auf (&lt;i&gt;The Way Forward  A New Approach&lt;/i&gt;; ab Seite 32). Wie schon in den Nachrichten verschiedentlich genannt, wird auch die Aufnahme von Gesprächen mit den Regionalmächten Syrien und dem Iran befürwortet  wohl wissend um die Schwierigkeiten damit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;cite&gt;Dealing with Iran and Syria is controversial. Nevertheless, it is our view that in diplomacy, a nation can and should engage its adversaries and enemies to try to resolve conflicts and differences consistent with its own interests. Accordingly, the Support Group should actively engage Iran and Syria in its diplomatic dialogue, &lt;b&gt;without preconditions&lt;/b&gt;.&lt;/cite&gt; &lt;small&gt;Hervorhebung von mir!&lt;/small&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ohne Vorbedingungen&lt;/i&gt; - das ist revolutionär! Und wie erwartet sind die Mauerbauer und Blockierer bereits aktiv und zerpflücken dieses Konzept.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt wird die &lt;i&gt;Bildung eines neuen, internationalen Konsenses für Stabilität im Irak und in der Region&lt;/i&gt; gefordert  neben den unmittelbaren Grenzländern Türkei, Syrien, Iran und Saudi-Arabien sollen auch Ägypten und die anderen Golf-Staaten mit in diese neue Politik eingebunden werden. &lt;i&gt;Progress in Iraq is still possible&lt;/i&gt; so die (zwangsläufig?) optimistische Einleitung zu diesem Kapitel. Gefordert werden neue diplomatische Offensiven. Dies widerspricht natürlich allem, was die Bush-Administration in den letzten Jahren gesagt und wie sie gehandelt hat. Eine rein militärische Herangehensweise wird ausdrücklich abgelehnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Gedanken, den Irakern zu helfen, sich selbst zu helfen &lt;i&gt;Helping Iraqis Help Themselves&lt;/i&gt;), ist der Keim für einen geordneten Rückzug gelegt. Ein bisschen mutet einem die Strategie an, die Küche zu verlassen, nachdem man das ganze Porzellan zerschlagen hat, mit dem Tenor, man könne sich jetzt Neues kaufen. Hier zeigt sich eine Schwäche der Studie, die letztlich der entfesselten Gewalt im Irak nichts entgegensetzen kann und auch nicht mehr will. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorschläge der Kommission gehen sowohl an die US-Regierung und die Geheimdienste und Militärs als auch an die irakische Regierung. Dieser Rekurs erscheint manchmal ein bisschen einfach, was letztlich auch ziemlich offen zugegeben wird (&lt;i&gt;Miracles cannot be expected&lt;/i&gt;). Der Appell am politischen Willen der irakischen Regierung impliziert, dass bisher von dieser Seite nicht genügend Anstrengungen gemacht wurden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Studie entwickelt konkrete Zeitpläne. Bis Dezember 2007 sollte ein weitgehendes autonomes Sicherheitskonzept im Irak greifen. Dies bedeutet allerdings ein sofortiger Beginn der Umsetzung der Vorschläge. Hier merkt man, wie es der Kommission förmlich unter den Nägeln brennt. Was übrigens nicht vor gelegentlich reichlich schwammigen und nichtssagenden Formulierungen schützt, wie &lt;i&gt;The United States must do what it can do&lt;/i&gt;. Selbst in dieser ausgewiesenen Hilflosigkeit ist der Bericht jedoch Gold wert, wenn man dagegen das grossmaulige Geschwätz der Bush-Administration der vergangenen Jahre im Ohr hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine besondere Stellung wird  naturgemäss - dem Verhältnis zu Israel eingeräumt. Dabei stellt die Kommission eine Verbindung zwischen der Lösung der Probleme im Irak und dem palästinensisch-israelischen und syrisch-israelischen Konflikt her. Man hat den Ehrgeiz, die gesamte Region umfassend zu befrieden, was  wie bereits oben erwähnt  ausdrücklich zur Wahrnehmung der Berücksichtigung der Interessen Syriens und des Iran führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Seite 39 wird die Wichtigkeit der Lösung der gesamten Nahostproblematik herausgestellt. Der einfache Satz &lt;i&gt;There is no military solution to this conflict.&lt;/i&gt; widerspricht ausdrücklich der im Sommer von der israelischen Regierung praktizierten Doktrin. Die Kommission konstatiert, dass der überwiegende Anteil der israelischen Bevölkerung &quot;kriegsmüde&quot; sei. Die dann erforderlichen Schritte werden dargelegt. Sie sind allesamt nichts Neues  wohl sind sie im Kontext eines Beratungsgremiums des US-Präsidenten ziemlicher Sprengstoff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Neokonservatismus ist (vorerst) tot; Fukuyama et. al sind obsolet geworden. Auch wenn die Adepten an ihrer Theorie eisern festhalten und lediglich die Ausführung als gescheitert betrachten  die USA dürften vorerst nicht mehr dieser Ideologie anheim fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Völlig offen ist allerdings, ob Bush den Empfehlungen überhaupt zustimmen und seine Politik danach ausrichten wird. Sicherlich werden einige kleine Korrekturen in der aktuellen Irak- bzw. Nahostpolitik vorgenommen werden (Herr Steinmeier durfte immerhin schon mal nach Syrien reisen). Was nicht unterschätzt werden darf, ist jedoch, dass James Baker (der ehemalige Aussenminister) ein Freund des Vaters Bush ist. Wenn nur ein bisschen an der kolportierten Rivalitätsthese zwischen Vater und Sohn Bush stimmt, so wird er in entscheidenden Punkten erst einmal nicht nachgeben und die Einschätzung anderer Expertenkommissionen abwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etliche Vorschläge der Baker-Kommission sind vernünftig und bieten Ansätze zu Lösungen. Die Jubelrufe sind jedoch zu früh. Bush wird versuchen, sich bis zur nächsten Präsidentenwahl durchzumogeln und seinem potentiellen Nachfolger eine Rückzugsperspektive aus dem Irak mit in den Wahlkampf zu geben. Der israelisch/palästinensische Konflikt hat bei weitem nicht diese Durchdringung in der amerikanischen Gesellschaft wie die Besatzung des Irak.</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
    <dc:subject>Aussenpolitik</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Gregor Keuschnig</dc:rights>
    <dc:date>2006-12-08T08:06:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2932310/">
    <title>Reflexionen über Afghanistan</title>
    <link>http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2932310/</link>
    <description>Ein interessanter Weblog, der sich speziell auf das Vorgehen der USA in Afghanistan konzentriert: &quot;&lt;a href=&quot;http://afghanistan-the-true-story.blogspot.com/&quot;&gt;Afghanistan  the true story&lt;/a&gt;&quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand für sich die Wahrheit derart offensiv beansprucht, werde ich immer ein bisschen skeptisch. Auch habe ich nicht alles gelesen. Dennoch erscheint mir ein Hinweis angebracht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die letzten Artikel wurden von Marc W. Herold, Professor an der &lt;a href=&quot;http://wsbe.unh.edu/grad/&quot;&gt;Wittmore School of Business and Economics der Universität New Hampshire&lt;/a&gt;, verfasst, der als einer der schärfsten Kritiker der US-amerikanischen Aussenpolitik gilt und in Europa gelegentlich von der Friedensbewegung zitiert wird. Herolds besonderer Spott gilt dem afghanischen Präsidenten Karzai. Sein Bericht über den &quot;&lt;a href=&quot;http://afghanistan-the-true-story.blogspot.com/2006_05_01_afghanistan-the-true-story_archive.html&quot;&gt;Verkauf der Marke Karzai&lt;/a&gt;&quot; ist allemal lesenswert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;small&gt;&lt;i&gt;Dank an Michael Roloff für den Hinweis.&lt;/i&gt;&lt;/small&gt;</description>
    <dc:creator>Gregor Keuschnig</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 Gregor Keuschnig</dc:rights>
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