"Es gibt keine Idyllen in dieser Welt. Nirgendwo."
Schönes Interview mit Peter Handke in den "Salzburger Nachrichten" (SN).*
*Salzburger Nachrichten, 11. August 2009, Seite 10; Interview mit Bernhard Flieher
SN: Wünschten Sie sich, manchmal etwas oberflächlicher wahrgenommen zu werden?Irgendwann am Ende wird es dann ein bisschen Ernst:
Handke: Ja, Sie haben recht. Ich würd’ mir wünschen, dass einige meiner Stücke als Boulevard stücke wahrgenommen werden.
SN: Passiert aber nicht. Vielleicht auch, weil Sie ja so ein Art Heiligkeit umgibt, der Dichter jenseits von jedem, der im Wald um Paris Schwammerl sucht, sich manchmal provokant zu Wort meldet. Das ist doch nicht schön, nur so – als Schwieriger – wahrgenommen zu werden.
Handke: Natürlich ist es ein Dilemma heutzutage für einen, der ernsthaft Literatur schreibt, Träume formuliert, vielleicht wirke ich da manchmal nicht so ernsthaft, sondern etwas flapsig, aber die Frage ist tatsächlich immer schwieriger zu beantworten: Wo habe ich meinen Platz als Schreiber? Es ist eine schwierige Situation, ein Dilemma, das nie größer war als in dieser Zeit.
SN: Woran liegt das?
Handke: Wir werden immer in ein bisschen ein seltsames Licht gerückt. Und das ist ja auch normal. Aber die meisten Schriftsteller und Schreiber sind ja längst unglaublich tüchtige Bankiers und Produzenten und Regisseure und auch die Conferenciers ihrer selbst. Ich hab’ das schon auch zwischendurch ein paar Mal versucht zu machen, Aber ich hab’ bemerkt: Ich bin da nicht gut darin.
Es gibt keine Idyllen in dieser Welt. Nirgendwo. […] Nie hat’s Idylle gegeben. Nie. Es gibt vielleicht Atemräume für einen Moment. Und es ist vielleicht ein Vorteil, einen Garten zu haben, um dort lesen zu können. Aber es hat nichts mit Idylle zu tun. Der Garten kann Ort es größten Dramas sein oder des schönsten Dramas. Vielleicht gibt’s solche Momente, wenn der Wind durch die Kastanien geht. Aber Idylle ist das nicht. Vielleicht ein Aufatmen und dann denkt man: Jetzt ist jetzt. Das ist ja eine Gabe, das sagen zu können.Etwas über Handkes in Salzburg gespieltes Stück: "Bis daß der Tag Euch scheidet oder Eine Frage des Lichts". Und hier die Besprechung aus "Kulturzeit" von 3sat.
*Salzburger Nachrichten, 11. August 2009, Seite 10; Interview mit Bernhard Flieher
Gregor Keuschnig - 2009-08-12 09:47

