Unter anderem dann, wenn ich mit einem so bedeutendem Literaturpreis wie dem Bachmann-Preis überhaupt nichts anfangen kann.
Obwohl der Grund, dass ich mit dem Bachmann-Preis nichts anfangen kann, nicht darin besteht, dass ich mit anspruchsvoller Prosa nichts anfangen könnte. Eher daran, dass ich den Eindruck (oder das Vorurteil?) habe: Will ich mal einen so richtig langweiligen Text lesen, liege ich bei Klagenfurt-Gewinnern meistens richtig. (Vorteil deshalb, weil ich "Torpedo auf sechs Uhr" vom diesjährige Preisträger Jens Petersen für eine ganz flotte Kurzgeschichte halte - über die ich in einer Anthologie für Jugendliche ("Geschichtenkoffer für Schatzsucher") stieß, und das auch nur, weil die als Remittend auf den Grabbeltisch landete, und der "miltaristische" Titel der Story mich neugierig machte. Wieder ein Grund mehr, mir selbst Banausentum zuzuschreiben ... Seinen diesjährigen Siegerbeitrag würde ich gut finden, wenn es nicht erkennbar ein Romankapitel wäre. Die Schreibe (etwas anderes als "Stil" ist jedenfalls dem harten Thema angemessen.
Das sind fast immer Leute, denen die Bücher schon in die Wiege geschmissen wurden und schon Akademikereltern haben und es irgendwie exotisch finden, wenn sie mal eine "richtige" Arbeit machen mussten, das steht ja dann immer gleich im Lebenslauf.
Das scheint für mich ein über die Klagenfurter Misere herausweisendes Phänomen zu sein: Das Leben findet in den meisten Prosatexten ja in dem Milieu statt, in dem auch der Autor lebt. Das heißt, im Falle der besagten behüteten Bildungsbürgerkinder: Es findet rein gar nicht statt. (Es sei denn, sie sind irgendwann mal "abgestürzt" oder "ausgestiegen" und haben deshalb wirklich etwas erlebt.)
Vielleicht wirkte Jens Petersens Romankapitel deshalb so erfrischend, weil es von "abgestürzten" Menschen handelt. Wenn leider auch nicht wirklich originell (über Junkies, Obdachlose, Ausgestoßene haben schon zu viele ähnlich geschrieben).
Naja, da muss ich ein bisschen widersprechen. Die tatsächlich "langweiligen" Prosastücke, also diese Germanisten-Literatur, ist auf dem Rückzug. Okay, Stangl 2007 (2. Platz) oder auch die Sieger von 2005 und 2003 waren wohl noch eher in diese Kategorie einzuordnen.
Gegentypen dazu die Sieger von 1996 (Bremer), vor allem 2001 (Michael Lentz) und auch Rammstedt im vergangenen Jahr.
Entdeckungen für mich in Klagenfurt waren Andreas Maier, Tellkamp, Stanisic (der niedergemacht wurde von Radisch; ebenso wie Kern), Lewitscharoff, von Düffel...
Dass das Leben nicht stattfindet ist an sich nicht schlimm - es wird aber nicht literarisch verarbeitet, sondern nur beschreibend. Und das erzeugt dann diese Ödnis.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Manchmal fühle ich mich als "Kulturbanause"
Obwohl der Grund, dass ich mit dem Bachmann-Preis nichts anfangen kann, nicht darin besteht, dass ich mit anspruchsvoller Prosa nichts anfangen könnte. Eher daran, dass ich den Eindruck (oder das Vorurteil?) habe: Will ich mal einen so richtig langweiligen Text lesen, liege ich bei Klagenfurt-Gewinnern meistens richtig. (Vorteil deshalb, weil ich "Torpedo auf sechs Uhr" vom diesjährige Preisträger Jens Petersen für eine ganz flotte Kurzgeschichte halte - über die ich in einer Anthologie für Jugendliche ("Geschichtenkoffer für Schatzsucher") stieß, und das auch nur, weil die als Remittend auf den Grabbeltisch landete, und der "miltaristische" Titel der Story mich neugierig machte. Wieder ein Grund mehr, mir selbst Banausentum zuzuschreiben ... Seinen diesjährigen Siegerbeitrag würde ich gut finden, wenn es nicht erkennbar ein Romankapitel wäre. Die Schreibe (etwas anderes als "Stil" ist jedenfalls dem harten Thema angemessen.
Das sind fast immer Leute, denen die Bücher schon in die Wiege geschmissen wurden und schon Akademikereltern haben und es irgendwie exotisch finden, wenn sie mal eine "richtige" Arbeit machen mussten, das steht ja dann immer gleich im Lebenslauf.
Das scheint für mich ein über die Klagenfurter Misere herausweisendes Phänomen zu sein: Das Leben findet in den meisten Prosatexten ja in dem Milieu statt, in dem auch der Autor lebt. Das heißt, im Falle der besagten behüteten Bildungsbürgerkinder: Es findet rein gar nicht statt. (Es sei denn, sie sind irgendwann mal "abgestürzt" oder "ausgestiegen" und haben deshalb wirklich etwas erlebt.)
Vielleicht wirkte Jens Petersens Romankapitel deshalb so erfrischend, weil es von "abgestürzten" Menschen handelt. Wenn leider auch nicht wirklich originell (über Junkies, Obdachlose, Ausgestoßene haben schon zu viele ähnlich geschrieben).
Lanze für einige Gewinner
Gegentypen dazu die Sieger von 1996 (Bremer), vor allem 2001 (Michael Lentz) und auch Rammstedt im vergangenen Jahr.
Entdeckungen für mich in Klagenfurt waren Andreas Maier, Tellkamp, Stanisic (der niedergemacht wurde von Radisch; ebenso wie Kern), Lewitscharoff, von Düffel...
Dass das Leben nicht stattfindet ist an sich nicht schlimm - es wird aber nicht literarisch verarbeitet, sondern nur beschreibend. Und das erzeugt dann diese Ödnis.