"In der Zeit der Lindenblüte" - Josef Winklers Zorn auf Klagenfurt

Heute haben die Lesungen zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2009 begonnen und 3sat ist live aus Klagenfurt dabei. In der Pause diskutiert man über das Urheberrecht. Das hat zwar nichts mit dem Bachmannpreis zu tun, aber erregt die Gemüter.

Kein Wort über Josef Winklers gestrige Rede, die inzwischen auch die Gemüter erregen dürfte. Auf der Webseite von "Kulturzeit" findet sich allerdings hierzu bis jetzt nichts.

Dabei ist Winklers Furor beißend:
Diese Stadt Klagenfurt, die sich seit über 30 Jahren, jährlich im Juni, in der Zeit der Lindenblüte, als deutschsprachige Literaturhauptstadt feiern lässt, ist wohl die einzige Stadt Mitteleuropas mit 100 000 Einwohnern, in der es keine eigene Stadtbibliothek gibt, in einem Land, in dem der damalige, inzwischen eingeäscherte Landeshauptmann gemeinsam mit dem röm.-kath. Parteivorsitzenden der sogenannten christlich-sozialen Volkspartei - der vor einem Jahr einen schweren Verkehrsunfall überlebt und nach seiner Genesung im Freundeskreis demutsvoll erzählt hat, dass ihm, um seine Worte zu gebrauchen, die "Lourdes-Mitzi" beim Verkehrsunfall das Leben gerettet hat -, dieser Kärntner ÖVP-Vorsitzende und der ehemalige Kärntner Landeshauptmann, der sich mit seiner Asche aus dem Staub gemacht hat, haben im vergangenen Jahr beim Verkauf der Kärntner Hypo-Bank einem Villacher Steuerberater für seine zweimonatige mündliche Beratung ein Honorar in Höhe von sechs Millionen Euro in räuberischer Manier aus Landesvermögen zugeschanzt. Und höchst appetitlicherweise ist dieser Villacher Steuerberater auch noch der persönliche Steuerberater des Kärntner ÖVP-Politikers, dem himmel- und gottseidank die Lourdes-Mitzi bei einem Verkehrsunfall das Leben gerettet hat. Gegrüßt seiest du, Maria, Königin der Güte, Ölbaum der Barmherzigkeit, durch welchen uns die Arznei des Lebens zukommt!


Winkler hört gar nicht mehr auf:
Aber für eine Stadtbibliothek in der Landeshauptstadt, wie es sie in jeder Stadt Mitteleuropas gibt, hatten diese drei erwähnten Politiker in den letzten Jahren, und eigentlich seit dieser Literaturwettbewerb existiert, kein Geld. Sie haben kein Geld für eine Bibliothek für Kinder und Jugendliche. Sie haben kein Geld für Bücher. Sie haben kein Geld für die Bücher von Ingeborg Bachmann. Sie haben kein Geld für "Der gute Gott von Manhattan". Sie haben kein Geld für die "Anrufung des Großen Bären". Sie haben kein Geld für "Die gestundete Zeit". Sie haben kein Geld für "Malina", für "Das dreißigste Jahr". Seit über 30 Jahren haben sie kein Büchergeld für die Jugend dieser österreichischen Stadt! denke ich, in der Henselstraße, vor dem Haus von Ingeborg Bachmann stehend, auf den an der rosaroten Hausmauer sich hochrankenden Rosenstrauch und immer wieder nach rechts zum Schildpattkranz schielend, der schwer auf der Gartentür des Nachbarhauses hängt. "Es ist kein Geld im Haus. Keine Münze fällt mehr ins Sparschwein. Vor Kindern spricht man nur in Andeutungen. Sie können nicht erraten, dass das Land im Begriff ist, sich zu verkaufen und den Himmel dazu, an dem alle ziehen, bis er zerreißt und ein schwarzes Loch freigibt."


Die Rede ist wahrhaftig und sie ist mutig, denn Winkler ist im Universitätsbetrieb von Klagenfurt eingebunden.

In einem irrt er aber, denn die Frage wie lange werden sich die Bevölkerung des Landes K. und die Bewohner der Stadt K. von diesen schamlosen und räuberischen Politikern, den Hausherrn des Landes Kärnten und den Hausherrn der Stadt Klagenfurt, noch ausbeuten lassen, wann werden sie endlich auf die Straße gehen und den Mund aufmachen, wie lange werden sie sich noch schweigend einrichten, wie lange noch werden sie demütig sein und sich lammfromm ausrauben lassen . . . stellt sich so gar nicht. Schliesslich wurden diese schamlosen und räuberischen Politiker ja mehrheitlich gewählt.

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