Höchstwahrscheinlich muss man das Buch lesen, um zu verstehen, was der Autor letztlich erklären will. Nach Deiner Rezension jedenfalls bin ich nicht wirklich begierig auf die Lektüre. Besonders die Tatsache, dass auf die politischen Ursachen militärischer Auseinandersetzungen bewusst nicht eingegangen wird, dämpft mein Interesse gewaltig. Ich war nie bei der Bundeswehr, Gott sei Dank, und Militaria aller Art, alte und neue Waffensysteme sowie geniale Feldherren und ihre strategischen Schachzüge üben auf mich keinerlei Faszination aus. In jedem Krieg triumphiert die Gemeinheit und eine kalte, nüchterne Betrachtung empfinde ich nur als zynisch. Natürlich verstehe ich, dass Berufssoldaten ihre Profession nüchtern und so effektiv wie möglich ausüben. Was das für Millionen von Zivilisten auf der Welt bedeutet kann man heutzutage jeden Abend in den Nachrichten sehen.
Und zum Schluss noch, frei nach Cato: Im Übrigen bin ich der Meinung, das die Bundeswehr umgehend aus Afghanistan abgezogen werden muss.
Das Buch ist nicht zynisch; es ist einfach nur ein Einblick in eine Welt, die einem in dieser Reinkultur selten vermittelt wird. Es ist durchaus erhellend, auch wenn man mit Militär nichts am Hut hat. Mich interessiert sowas ja immer fast noch mehr.
Wass van Creveld zur Aufstandsbekämpfung im Iral sagt, dürfte er sinngemäss auch für Afghanistan meinen. Man kann über das Engagement der Bundeswehr geteilter Meinung sein (m. E. hat Schröder das damals strategisch gemacht - er schickte Soldaten lieber nach Afghanistan statt später in den Irak; dieser Krieg kündigte sich ja schon Ende 2001 an). Es wird allerdings deutlich gemacht: Rein geht immer schneller als 'raus. Das wird immer so sein.
Die damalige Entscheidung der Schröderregierung war ja vor dem Hintergrund von 9/11 und der uneingeschränkten Unterstützungszusage an die USA noch nachvollziehbar und das dabei auch taktisch-strategische Überlegungen im Spiel waren darf man wohl annehmen. Seitdem sind allerdings nun schon 7 Jahre vergangen, die Talibanregierung in Afghanistan wurde verjagt und den Rest müssen die Afghanen allein lösen.
Die Argumente von der Terrorbekämpfung am Hindukusch, von der deutschen Sicherheit, die am Hindukusch verteidigt werden muss, sind in ihrer offensichtlichen Verlogenheit einfach nur noch peinlich. In Afghanistan herrscht Bürgerkrieg, schlimm genug, aber da haben wir nichts verloren und da sollten wir uns tunlichst raushalten. Das rumgeeiere des Verteidigungsministers, dass der Krieg nicht „Krieg“ sondern „Aufbaumission“ genannt werden soll, ist schlichtweg eine Frechheit. Aufbaumission mit AWACS- und Tornadoflugzeugen – darüber kann ich nicht mal mehr lachen.
Nur weil sich die deutsche Regierung nicht traut , den Amerikanern: „Für uns ist jetzt Schluss!“ zu sagen, werden Bundeswehrsoldaten als Besatzer attackiert, wird der Tod von jungen Menschen billigend in Kauf genommen, aber mit Krokodilstränen und heuchlerischer Miene betrauert. Ach ja, die bösen, bösen Terroristen.
Die Verlogenheit der Sesselfurzer, die sich natürlich niemals selbst in Gefahr begeben, sondern immer klammheimlich, fugenlos umringt von Bodyguards, TV-gerecht die Truppen an der Front besuchen, ist kaum noch zu ertragen. Nein – Die Bundeswehr muss raus aus Afghanistan.
Ich will hier diese Diskussion nicht führen - der Begriff des Sesselfurzers ist leicht geschrieben und man muss aufpassen, dass es nicht selber auf einen zurückfällt (kenne ich in anderem Zusammenhang mit mir selber).
Nur kurz: Der Punkt ist, dass die Afghanen 2001 nicht gefragt wurden, was sie wünschen und ob sie von den Taliban befreit werden wollten. Insofern war schon die Entscheidung, einzumarschieren u. U. falsch. Den Fehler des überhasteten Einstiegs löst man aber nicht dadurch, überhastet auszusteigen. Van Crevelds Buch zeigt: Die Aufstandsbekämpfung als Armee ist kontraproduktiv, es sei denn, man führt sie mit äusserster Brutalität (was m. E. nicht dauerhaft funktioniert). Eine Bewaffnung (= Schutz der Aufbautruppen) hätte durch lokale Polizei gewährleistet werden müssen, die es allerdings nicht gab.
Zudem ist man ohne langfristiges Konzept einmarschiert und hat sich in Scharmützeln begeben. Etliche Verhaltensweisen werden als koloniale Attitüden verstanden (vermutlich mit Recht).
Ich kann nur um Entschuldigung bitten, aber höchstwahrscheinlich bin ich durch die Bush-Administration übersensibilisiert. Ich kann einfach diese Typen, die unter absoluter Geheimhaltung für einen publicityträchtigen Auftritt in die Krisengebiete einfliegen, nicht mehr ertragen. Und wenn mir dann so ein Herr Jung noch irgendeinen Quark erzählt, dann geht mit mir der Gaul durch. Sein Betroffenheitsgetue angesichts des Todes von Bundeswehrsoldaten ist pure Heuchelei. Aber dennoch – Ende der Diskussion.
Es gibt hier nichts zu entschuldigen; die Einwände sind ja berechtigt. Ich sehe die Forderung, die Soldaten aus Afghanistan sofort abzuziehen nur für ähnlich wohlfeil an wie ein "Weiter so".
Jungs Rolle ist dabei sekundär; das würde jeder genauso machen in seiner Position. Wenn man die Opferzahlen heranzieht, ist Deutschland mit bisher 35 Toten noch glimpflich davongekommen.
Van Creveld zeigt, wie in den Kriegen der Vergangenheit das Militär von der Politik abgekoppelt war und sich verselbständigte. Das ist inzwischen nicht mehr der Fall: Heute "dient" das Militär der Politik (alles andere empfinden wir als merkwürdig). Insofern ist die Politik richtungsbestimmend, was militärische Einsätze angeht. Der Vorwurf des "Verheizens" ist also immer in der Luft.
Der Fehler beim Afghanistan-Einsatz war, dass man militärisch wusste, wie man vorzugehen hatte, aber für das zivile Programm danach keine ausreichenden Mittel zur Verfügung stellte (personell wie finanziell). Geld wurde in zentralistische Strukturen gesteckt, statt in regionalen Projekte. Man wusste über die ethnischen und sozialen Implikationen rein gar nichts und glaubte, man werde wie Befreier aufgenommen, als man die sogenannten Taliban entmachtete (die man in den 80er Jahren gegen die UdSSR noch unterstützte). Statt die regionalen Strukturen mit in politische Entscheidungsprozesse einzubinden (wie es traditionell verankert ist) liess man die Leute zentralistisch einen Präsidenten wählen (natürlich eine Marionette). Die Hoffnungen waren immens und wurden schnell enttäuscht. Das spülte wieder Unterstützung für die islamistischen Paschtunen heran.
Obama hat das erkannt, aber ihm sind nicht zuletzt finanziell die Hände gebunden. Er hat ja den Klotz Irak noch am Bein.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Und zum Schluss noch, frei nach Cato: Im Übrigen bin ich der Meinung, das die Bundeswehr umgehend aus Afghanistan abgezogen werden muss.
Wass van Creveld zur Aufstandsbekämpfung im Iral sagt, dürfte er sinngemäss auch für Afghanistan meinen. Man kann über das Engagement der Bundeswehr geteilter Meinung sein (m. E. hat Schröder das damals strategisch gemacht - er schickte Soldaten lieber nach Afghanistan statt später in den Irak; dieser Krieg kündigte sich ja schon Ende 2001 an). Es wird allerdings deutlich gemacht: Rein geht immer schneller als 'raus. Das wird immer so sein.
Die Argumente von der Terrorbekämpfung am Hindukusch, von der deutschen Sicherheit, die am Hindukusch verteidigt werden muss, sind in ihrer offensichtlichen Verlogenheit einfach nur noch peinlich. In Afghanistan herrscht Bürgerkrieg, schlimm genug, aber da haben wir nichts verloren und da sollten wir uns tunlichst raushalten. Das rumgeeiere des Verteidigungsministers, dass der Krieg nicht „Krieg“ sondern „Aufbaumission“ genannt werden soll, ist schlichtweg eine Frechheit. Aufbaumission mit AWACS- und Tornadoflugzeugen – darüber kann ich nicht mal mehr lachen.
Nur weil sich die deutsche Regierung nicht traut , den Amerikanern: „Für uns ist jetzt Schluss!“ zu sagen, werden Bundeswehrsoldaten als Besatzer attackiert, wird der Tod von jungen Menschen billigend in Kauf genommen, aber mit Krokodilstränen und heuchlerischer Miene betrauert. Ach ja, die bösen, bösen Terroristen.
Die Verlogenheit der Sesselfurzer, die sich natürlich niemals selbst in Gefahr begeben, sondern immer klammheimlich, fugenlos umringt von Bodyguards, TV-gerecht die Truppen an der Front besuchen, ist kaum noch zu ertragen. Nein – Die Bundeswehr muss raus aus Afghanistan.
Nur kurz: Der Punkt ist, dass die Afghanen 2001 nicht gefragt wurden, was sie wünschen und ob sie von den Taliban befreit werden wollten. Insofern war schon die Entscheidung, einzumarschieren u. U. falsch. Den Fehler des überhasteten Einstiegs löst man aber nicht dadurch, überhastet auszusteigen. Van Crevelds Buch zeigt: Die Aufstandsbekämpfung als Armee ist kontraproduktiv, es sei denn, man führt sie mit äusserster Brutalität (was m. E. nicht dauerhaft funktioniert). Eine Bewaffnung (= Schutz der Aufbautruppen) hätte durch lokale Polizei gewährleistet werden müssen, die es allerdings nicht gab.
Zudem ist man ohne langfristiges Konzept einmarschiert und hat sich in Scharmützeln begeben. Etliche Verhaltensweisen werden als koloniale Attitüden verstanden (vermutlich mit Recht).
@blackconti
Jungs Rolle ist dabei sekundär; das würde jeder genauso machen in seiner Position. Wenn man die Opferzahlen heranzieht, ist Deutschland mit bisher 35 Toten noch glimpflich davongekommen.
Van Creveld zeigt, wie in den Kriegen der Vergangenheit das Militär von der Politik abgekoppelt war und sich verselbständigte. Das ist inzwischen nicht mehr der Fall: Heute "dient" das Militär der Politik (alles andere empfinden wir als merkwürdig). Insofern ist die Politik richtungsbestimmend, was militärische Einsätze angeht. Der Vorwurf des "Verheizens" ist also immer in der Luft.
Der Fehler beim Afghanistan-Einsatz war, dass man militärisch wusste, wie man vorzugehen hatte, aber für das zivile Programm danach keine ausreichenden Mittel zur Verfügung stellte (personell wie finanziell). Geld wurde in zentralistische Strukturen gesteckt, statt in regionalen Projekte. Man wusste über die ethnischen und sozialen Implikationen rein gar nichts und glaubte, man werde wie Befreier aufgenommen, als man die sogenannten Taliban entmachtete (die man in den 80er Jahren gegen die UdSSR noch unterstützte). Statt die regionalen Strukturen mit in politische Entscheidungsprozesse einzubinden (wie es traditionell verankert ist) liess man die Leute zentralistisch einen Präsidenten wählen (natürlich eine Marionette). Die Hoffnungen waren immens und wurden schnell enttäuscht. Das spülte wieder Unterstützung für die islamistischen Paschtunen heran.
Obama hat das erkannt, aber ihm sind nicht zuletzt finanziell die Hände gebunden. Er hat ja den Klotz Irak noch am Bein.