Zehner (Gast) - 2009-06-24 20:53

Na, Ares sei Dank ...

... dass 12 Leute die Mühe auf sich genommen haben, Interesse an der Lektüre Ihrer Rezension zu bekunden. Ich wollte das eigentlich auch tun, war dann aber doch etwas befremdet, als ich mich zu diesem Behufe bei Twoday registrieren sollte. Mein Vorschlag: Wenn Sie in Zukunft mal wieder Ihre Artikel nur vorbehaltlich einer bestimmten Akklamationsquote publizieren wollen, dann wäre es vielleicht hilfreich, ein barriereärmeres Verfahren zu ersinnen, z.B. via Kommentarfunktion.
Ansonsten: Wie fast immer eine sehr lesenswerte Besprechung, auch wenn mich der Anklang der linkskonsensuellen Bewertung des Nahostkonflikts etwas abstößt.
Dennoch: Weiter so, Herr K., und in Zukunft vielleicht ein bisschen mehr Vertrauen in den Appeal Ihrer Texte?

Gregor Keuschnig - 2009-06-24 21:23

Naja, abgesehen davon, dass jetzt endlich einmal das Wort "Behufe" in diesem Blog erwähnt wurde (was längst hätte passieren müssen): Wenn es schon als zu große Anstrengung empfunden wird, sich anzumelden (was ja anonym geschehen kann) - was ist dann ein solcher Text wert?

Akklamation per Kommentar ist früher schon grandios gescheitert.

Was meinen Sie mit linkskonsensuelle[r] Bewertung des Nahostkonflikts?
Metepsilonema - 2009-06-24 21:26

Wenn Sie in Zukunft mal wieder Ihre Artikel nur vorbehaltlich einer bestimmten Akklamationsquote publizieren wollen, dann wäre es vielleicht hilfreich, ein barriereärmeres Verfahren zu ersinnen, z.B. via Kommentarfunktion.

Ich will hier keinesfalls für Gregor antworten, aber m.E. geht es darum, ob die Texte dem Leser fünf Minuten Anmeldung wert sind. Ich meine sie sind es, und man geht - so man sie nicht abonniert hat - für seine Zeitung ja auch zum Kiosk. Was spricht tatsächlich dagegen?
Metepsilonema - 2009-06-24 21:28

@Gregor

Das nenne ich synchrones Antworten!
Zehner (Gast) - 2009-06-25 21:10

Nun, ich habe die Anmeldung nicht wegen der zugegeben geringen Mühen gescheut, sondern weil ich eine vielleicht nicht ganz rationale Aversion gegen den Registrierungswahn im Internet habe. Deshalb kommentiere ich eigentlich nur in Blogs, in denen auch die Laufkundschaft ihren Senf dazugeben darf; und so wie es hier bei Herrn Keuschnig ist (ein Pseudonym genügt, nicht einmal die Angabe einer E-Mail-Adresse ist erforderlich), gefällt es mir am besten.

Im Übrigen freut es mich sehr, dass Sie meine Wortwahl goutieren. Betrachten Sie Ihr Blog durch die Erwähnung der Vokabel "Behuf" als defloriert.

Zu meinem Vorwurf der linkskonsensuellen Bewertung des Nahostkonflikts: Sie schrieben (ich kann es jetzt leider nicht verbatim zitieren, da der Text in diesem Frame nicht vorliegt), dass es Israel zur Abwechslung mal mit der rechtsstaatlichen Methode der Insurgenten-Bekämpfung versuchen sollte. Das klingt mir zu sehr nach der - in (sog.) linken Kreisen sehr weit verbreiteten - Staatsterrorismus-Leier. Das Problem - jetzt mal rein militärisch gesehen und moralische Kategorien außer Acht lassend - liegt doch wohl eher darin, dass Israel (häufig auch als Reaktion auf Entwicklugen/Signale/Taten der Gegenseite) zwischen den Polen der Härte und der Weichheit mäandriert. Aber gut, ich will hier nicht Wasser in ein Danaiden-Fass schütten.
Gregor Keuschnig - 2009-06-25 21:27

@Zehner

Registrierungswahn
Ich erkenne in der Diagnose des sogenannten Registrierungswahns des Internets eher einen (gelegentlich) paranoiden Reflex. Es kann ja sehr wohl mit Pseudonymen und Pseudonym-Mailadressen gearbeitet werden; danach bleibt die Anmeldung bestehen. Worin das Problem besteht, erkenne ich nicht.

Was ich über ihre speziellen Forderungen nach "Barrierefreiheit" halte, sage ich jetzt lieber nicht.

Israel
Meine Äusserung hat mit Staatsterrorismus-Leier nichts zu tun. Die brachiale Gewalt mit der die israelische Armee teilweise gegen Aufständische vorgeht, ist Fakt. Ein Selbstmordanschlag eines Palästinensers wird fast immer sofort mit einer Armeeaktion beantwortet. Van Creveld, der ja in Israel lebt, hält sich hier ein bisschen bedeckt. Tatsächlich ist es ja so, dass auf den brachialen Akt irgendwann wieder ein Entgegenkommen folgt (dann werden irgendwelche Terroristenführer freigelassen). Das ist genau jene Art von schwammigem Vorgehen, die van Creveld bei den USA im Irak kritisiert.

Israel kann sich allerdings die von van Creveld vorgeschlagene "Hama"-Alternative gar nicht erlauben: Erstens ist es ein demokratischer Staat und zweitens sind die Palästinenser keine Staatsangehörigen Israels. Es bleibt also nur die von mir sogenannte "rechtsstaatliche Variante". Hiervon ist man allerdings meilenweit entfernt, teils aus fehlendem Willen, teils aus Unkenntnis. Die These, dass man 99% der Aufstandsliteratur vergessen kann, weil sie von verlierern verfasst wurde, ist vermutlich zutreffend. Schlimm ist nur, dass sich Politiker (überall; nicht nur in Israel) an die Lektüre der Verlierer so klammern.
Zehner (Gast) - 2009-06-27 20:06

@ Gregor K.:

"Ich erkenne in der Diagnose des sogenannten Registrierungswahns des Internets eher einen (gelegentlich) paranoiden Reflex."

Verfolgungswahn ist da bei mir nur partiell im Spiel. Ich habe schlicht und einfach keine Lust, ein Pseudonym und/oder ein Passwort zu ersinnen und eine E-Mail-Adresse anzugeben, wenn ich davon ausgehe, dass ich die betreffende Registrierung in Zukunft kaum noch nutzen werde. Da spreche ich schlicht und einfach aus Erfahrung. Ein Einwand wäre jetzt, dass ich bei solchen - nennen wir sie - Trash-Anmeldungen ja immer dieselben Daten verwenden könnte, wodurch der kreative und mnemotechnische Aufwand drastisch reduziert würde. Aber dafür bin ich dann wirklich zu paranoid. (Sie wissen schon: Google-Analytics und dergleichen.)

"Was ich über ihre speziellen Forderungen nach "Barrierefreiheit" halte, sage ich jetzt lieber nicht."

Warum nicht? Ich respektiere Ihre Meinung und bin gewöhnlich nicht besonders schnell beleidigt. Im Übrigen können Sie als Hausherr dieses Blogs selbstredend tun und lassen, was Sie wollen. Wenn Sie hier mehr Barrieren setzen möchten, ist das Ihre Entscheidung. Ich habe nur zum Ausdruck gebracht, was ich von Ihrer Leservotums-Idee halte, weil meine Einstellung möglicherweise von anderen Internauten geteilt wird.

"Israel kann sich allerdings die von van Creveld vorgeschlagene "Hama"-Alternative gar nicht erlauben: Erstens ist es ein demokratischer Staat und zweitens sind die Palästinenser keine Staatsangehörigen Israels."

Als dritten Punkt könnte man hinzufügen: Und außerdem würde dadurch sein in der Weltöffentlichkeit (meines Erachtens zu Unrecht) ohnehin ramponierter Ruf noch mehr beschädigt.

"Es bleibt also nur die von mir sogenannte "rechtsstaatliche Variante". Hiervon ist man allerdings meilenweit entfernt, teils aus fehlendem Willen, teils aus Unkenntnis."

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Variante, die vom Vereinigten Königreich gegenüber dem IRA-Terror zum Einsatz gelangt ist, auch im Nahen Osten auf fruchtbaren Boden fiele. Ich denke, man kann die beiden Szenarien nicht wirklich vergleichen. Ich persönlich glaube nicht, dass es für den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern eine militärische Lösung gibt, bei der nicht eine der beiden Parteien de facto vernichtet würde. Was den Weg der Friedensverhandlungen betrifft, so hängt wohl viel von den Entwicklungen im Iran ab. Denn je weiter Teherans Atomprogramm voranschreitet, umso nervöser werden die Staaten in der Region - und plötzlich könnten Koalitionen entstehen, die vor Jahresfrist noch unvorstellbar gewesen wären. Andererseits könnte natürlich auch durch einen eventuellen Zusammenbruch des Mullah-Regimes dem palästinensischen Terrorismus der Nährboden entzogen werden. Oder aber es bleibt alles beim Alten.
Gregor Keuschnig - 2009-07-02 12:03

@Zehner

Das iranische Atomprogramm hat primär mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt nichts zu tun. Ich halte die Unterstützung der Palästinenser durch die "Mullahs" für weit uberschätzt. Selbstmordattentate bedürfen eben keiner besonderen Logistik; hierin liegt ja ihre "Stärke". Die Raketen von Gaza aus sind auch nicht gerade innovativ, halten jedoch die Gewaltspirale immer wieder in Gang, weil Israel permanent in die Falle tappt. Statt Abbas durch Zugeständnisse im Westjordanland (Siedlungsstop) zu stärken, ist er nur noch ein Grüssaugust für ausländische Staatsgäste.

Der Konflikt im Westjordanland ist sehr wohl mit Nordirland vergleichbar - hier wie dort handelt es sich um eine mindestens gefühlte Besatzungssituation. Unterschiede gibt es in den Mentalitäten, aber auch die dürften überwindbar sein, wenn man tatsächlich an einer Lösung interessiert ist. Derzeit haben aber beide Seiten mehr Vorteile in Aufrechterhaltung des Status quo. Daher wird nichts geändert.

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