„Aus diesem Grund müssen wir unseren eigenen Weg zur Moderne zwangsläufig auf Elemente des kritischen Geistes stützen, die ihren Ausdruck in der arabischen Kultur selbst finden, um im Inneren dieser Kultur eine Dynamik der Veränderung in Gang zu setzen“.
Ich kann nicht beurteilen, inwiefern der gute Al-Jabri damit allein steht bzw. wie viele Intellektuelle diesen Ansatz teilen. So weit es meine Beobachtung betrifft – aber etwa auch den „Glauben“ eines Albert Camus in die durchaus gegebene Anknüpfungsfähigkeit arabischer Kultur – scheint mir in diesem Satz ein Kardinalfehler bei ihm zu liegen (oder eben Wunschdenken, die Idee, mit einer arabischen Utopie die historische Kränkung durch das Abgehängtsein und den Kolonialismus überkommen zu müssen). [Ich weiß, dass ich hier unzulässig vereinfache.]
Mit sämtlichen arabischen Intellektuellen, mit denen ich je gesprochen habe (hier und in Frankreich, dazu in diversen Ländern vor allem Nordafrikas, aber auch etwa in den Emiraten), war der allergrößte Teil geradezu durchdrungen von europäischem Denken und Kultur (und das fast mehr als Europäer, denen Vieles ihrer Errungenschaften so selbstverständlich vorkommt, dass sie aufgehört haben, es weiterzudenken und es hochmütig doch stillschweigend als eine Art Weltnorm der Vernunft ansehen).
Der andere Teil war „radikal“ in dem Sinne, dass der Islam als absolut und Container sämtlicher Lösungen und Heilsbringungen angesehen wurde. Politisch war das oft zweideutig. Aber immer galt es als Fixpunkt, dass die Diktaturen und korrupten Systeme – nach m.E. überall am verhasstesten: Ägypten – zu überkommen seinen. Und selbst wenn es um die Wiedereinführung der Scharia ging, war das Werkzeug dahin ein europäisches. Und nicht zuletzt: Auch die „Revolution“ ist seit 1789 etwas Europäisches.
Mir scheint, die Ideen an sich – etwa ja auch der Panarabismus eines Nassers oder eines Gaddhafis – haben im Moment einfach nicht genug starke Wirkungskraft.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Fromme Wünsche?
Ich kann nicht beurteilen, inwiefern der gute Al-Jabri damit allein steht bzw. wie viele Intellektuelle diesen Ansatz teilen. So weit es meine Beobachtung betrifft – aber etwa auch den „Glauben“ eines Albert Camus in die durchaus gegebene Anknüpfungsfähigkeit arabischer Kultur – scheint mir in diesem Satz ein Kardinalfehler bei ihm zu liegen (oder eben Wunschdenken, die Idee, mit einer arabischen Utopie die historische Kränkung durch das Abgehängtsein und den Kolonialismus überkommen zu müssen). [Ich weiß, dass ich hier unzulässig vereinfache.]
Mit sämtlichen arabischen Intellektuellen, mit denen ich je gesprochen habe (hier und in Frankreich, dazu in diversen Ländern vor allem Nordafrikas, aber auch etwa in den Emiraten), war der allergrößte Teil geradezu durchdrungen von europäischem Denken und Kultur (und das fast mehr als Europäer, denen Vieles ihrer Errungenschaften so selbstverständlich vorkommt, dass sie aufgehört haben, es weiterzudenken und es hochmütig doch stillschweigend als eine Art Weltnorm der Vernunft ansehen).
Der andere Teil war „radikal“ in dem Sinne, dass der Islam als absolut und Container sämtlicher Lösungen und Heilsbringungen angesehen wurde. Politisch war das oft zweideutig. Aber immer galt es als Fixpunkt, dass die Diktaturen und korrupten Systeme – nach m.E. überall am verhasstesten: Ägypten – zu überkommen seinen. Und selbst wenn es um die Wiedereinführung der Scharia ging, war das Werkzeug dahin ein europäisches. Und nicht zuletzt: Auch die „Revolution“ ist seit 1789 etwas Europäisches.
Mir scheint, die Ideen an sich – etwa ja auch der Panarabismus eines Nassers oder eines Gaddhafis – haben im Moment einfach nicht genug starke Wirkungskraft.