Ja, schade für das Rauschen interessierte ich mich eigentlich auch. Und die Enthüllungen der „Lebenslügen“ – das ist ja immer die große Geste. Aber solches uninspiriertes Geschimpfe bedient, glaube ich, ein anderes Bedürfnis. Schon eine längere Zeit kann man ein vages Unwohlsein mit der schönen neuen Medienwelt spüren (von dem dann etwa der „Heidelberger Appell“ so etwas wie der Rahm auf der argumentativ, weil oft um Zusammenhalt, also die Rezepte, nicht wirklich wissend, nicht fett zu machenden Mies-Muschel-Suppe ist).
Allerdings merke ich bei mir selber, dass ich so was manchmal gerne lese, weil ich nämlich auch oft genervt bin von dem ganzen Digi-Gedödel, einer immer selbstreferentielleren Netz-Kultur, die eigentlich gar keine rechte ist (sondern einerseits wiederum höchst fragmentarisch, andererseits nur eine Ausweitung der sattsam bekannten Konsum- und Unterhaltungswelten) und die auch nichts Wegweisenderes in der Hinterhand zu haben scheint, als immer nur neuen Lifestyle und Gadgets und „Anwendungen“ und neu aufgelegten new-Economy-Hype. Was das alles macht aus den Bewusstseinen macht und wie dadurch die Welt zunehmend zu eben reinen Benutzeroberflächen gerät – wer will das wissen? Und ist das außerhalb der akademischen, sich selber zunehmend in immer komplexeren Stellungen absondernden Fragewelt interessant? Ich vermute, solche Bücher werden eben aus solchem Frust heraus geschrieben, um „Stimmungen“ zu formulieren und neue Übersichtlichkeiten zu suggerieren, und sie fallen dann mit dem Hang und dem Bedarf nach knackigen Verkürzungen auf ihre eigene Miesepetrigkeit herein, die sich „kritisch“ zu geben vermeint.
Da fällt mir noch ein: Was ist eigentlich aus den Gedanken Joseph Weizenbaums geworden? Oder Vilem Flussers? Bezeichnenderweise „alte Männer“, die für das Geklingel weniger anfällig waren, aber gewohnt, eine Sache ein paar Ebenen „tiefer“ zu durchdenken. Aber das ist vielleicht selber wieder ein Zeichen für Kultur-Pessismismus. Die Enttäuschung jedenfalls, neben dme Rauschen flimmert auch sie...
Um von hinten anzufangen: Unter "Ausgewählte Literaturhinweise" steht natürlich Flusser ("Medienkultur") und Weizenbaum ("Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft" und "Computermacht und Gesellschaft: Freie Reden"). Da steht aber auch Lovink und Peter Schaar.
Also was macht sie aus dieser Literatur? Meines Erachtens: Nichts. Sie opfert zu Gunsten des Klamauks ihre Ernsthaftigkeit.
Ein Schreiben aus Frustration - das trifft's wohl. Natürlich stören einem die Handytelefonierer im Alltag (warum man jetzt im Düsseldorfer U-Bahn-Netz telefonieren kann, verstehe ich eh nicht). Oder diese Mailkultur, die von einigen dahingehend missverstanden wird, alles nur noch zu ignorieren.
Aber das kommt dann doch daher wie die Oma, die davor warnt noch im Bett zu lesen, weil das sowieso alles Schund sei.
Das ist natürlich kein Kulturpessimismus. Wär's das doch wenigstens geworden! Tatsächlich liest man das am Anfang ganz schmissig mit, aber dann wird es redundant. Sie setzt dem teilweise esoterischen Idealismus der Web-Avantgarde (der mich genauso anwidert) nur ihr miesepetriges Gebrabbel entgegen.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Flimmern & Rauschen
Allerdings merke ich bei mir selber, dass ich so was manchmal gerne lese, weil ich nämlich auch oft genervt bin von dem ganzen Digi-Gedödel, einer immer selbstreferentielleren Netz-Kultur, die eigentlich gar keine rechte ist (sondern einerseits wiederum höchst fragmentarisch, andererseits nur eine Ausweitung der sattsam bekannten Konsum- und Unterhaltungswelten) und die auch nichts Wegweisenderes in der Hinterhand zu haben scheint, als immer nur neuen Lifestyle und Gadgets und „Anwendungen“ und neu aufgelegten new-Economy-Hype. Was das alles macht aus den Bewusstseinen macht und wie dadurch die Welt zunehmend zu eben reinen Benutzeroberflächen gerät – wer will das wissen? Und ist das außerhalb der akademischen, sich selber zunehmend in immer komplexeren Stellungen absondernden Fragewelt interessant? Ich vermute, solche Bücher werden eben aus solchem Frust heraus geschrieben, um „Stimmungen“ zu formulieren und neue Übersichtlichkeiten zu suggerieren, und sie fallen dann mit dem Hang und dem Bedarf nach knackigen Verkürzungen auf ihre eigene Miesepetrigkeit herein, die sich „kritisch“ zu geben vermeint.
Da fällt mir noch ein: Was ist eigentlich aus den Gedanken Joseph Weizenbaums geworden? Oder Vilem Flussers? Bezeichnenderweise „alte Männer“, die für das Geklingel weniger anfällig waren, aber gewohnt, eine Sache ein paar Ebenen „tiefer“ zu durchdenken. Aber das ist vielleicht selber wieder ein Zeichen für Kultur-Pessismismus. Die Enttäuschung jedenfalls, neben dme Rauschen flimmert auch sie...
Also was macht sie aus dieser Literatur? Meines Erachtens: Nichts. Sie opfert zu Gunsten des Klamauks ihre Ernsthaftigkeit.
Ein Schreiben aus Frustration - das trifft's wohl. Natürlich stören einem die Handytelefonierer im Alltag (warum man jetzt im Düsseldorfer U-Bahn-Netz telefonieren kann, verstehe ich eh nicht). Oder diese Mailkultur, die von einigen dahingehend missverstanden wird, alles nur noch zu ignorieren.
Aber das kommt dann doch daher wie die Oma, die davor warnt noch im Bett zu lesen, weil das sowieso alles Schund sei.
Das ist natürlich kein Kulturpessimismus. Wär's das doch wenigstens geworden! Tatsächlich liest man das am Anfang ganz schmissig mit, aber dann wird es redundant. Sie setzt dem teilweise esoterischen Idealismus der Web-Avantgarde (der mich genauso anwidert) nur ihr miesepetriges Gebrabbel entgegen.