Also “Staatsgeheimnisse” gibt’s ganz sicher – man denke nur mal an das, was regelmäßig rauskommt, wenn die CIA sich mal wieder gerichtlich zwingen lässt, so genannte Dokumente zu veröffentlichen. Gäbs das bei uns, würde es sicher entsprechende Finsternisse enthüllen – man denke nur mal an das Ritual mit den Untersuchunsgausschüssen. Da braucht es nicht viel eigene Paranoia, wenn man mal anfängt zu rekapitulieren, was alles schon rausgekommen ist. Wo es einmal hergestunken hat, ist fast immer noch mehr.
Ich – der Kempowski nach und nach für sich entdeckt - sehe aber auch, dass solche Hintergründe sehr wohl interessant sein können, um gewisse Details der Literatur besser zu verstehen; ich verweise auf das, um was uns die Unermüdlichkeit der Kafka-Forscher bereichert hat. Für das Verständnis muss das nicht zwingen etwas bringen - kann es aber durchaus, auch wenn es den Genius der Texte nicht erklärt, ihn oft noch verstärkt. (Aber doch auch manchmal eine Ebene hinzufügt – oder ebene neue Rätsel.)
Fragen muss man aber wohl doch nach einem Journalismus, der derart boulevardesk verfährt. Wenn man die (vielleicht noch verständliche) Freude des Spezialisten über seine Trouvaillen wegrechnet, bleibt die Lust an der Enthüllung, am Scoop, für den der originäre Geist der Bücher letztlich schon nachrangig ist. Das, was einmal ein „Werk“ war, wird hier auf eine gewisse Weise sekundär, die eigentlich viel skandalöser ist. Und konzediert man dem Schreiber eine "Liebhaberei" mit dem Autor, hat es schon fast etwas von Verrat.
mikerol - 2009-05-07 06:06
die verschiedenen geheimdienste muessen
ihre krimen natuerchlich verheimlichen, ob ein verschwiegenes krimen dann ein geheimnis ist? sind alle sogenannten "staats" [vater/muetter] geheimnisse von krimineller natur? ausser in faellen da sich geheimdienste, oder branchen, selbststaendige akteure werden, koennen ihre untaten auf befehle ihrer obrigkeiten zurueck verfolgt werden. also mystifikationen, "the mysteries"... was liegt da wirklich verborgen? heikel wurde es immer besonders wenn's auf espionage von waffenartigen sachen ankam.
en-passant - 2009-05-08 14:24
Was wäre da eigentlich besser?
USA: Die CIA und weitere mit den oft widerlicheren Verbrechen - aber der Möglichkeit, sie doch später publik zu machen (und der mindestens indirekten Bestrafung durch Verachtung der USA durch weite Teile der Weltöffentlichkeit).
Oder D: Mit der duckmäuserischeren Klandestinität - und dem falschen - und damit letztlich zu immer "falscheren" Selbstbildern führenden weißen Weste?
(Bliebe noch Hugo Chavez - aber der ist wahrscheinlich nur aus der großen Distanz sympathisch...)
Ohne Geheimdienstexpertentum: Ist nicht die "Fallhöhe" beim BND eine ganz andere als die der Geheimdienste in den USA? Was gibt es schon für großartige "Geheimnisse" - vor allem nach dem sogenannten Kalkten Krieg? Und wie oft dient(en) die Geheimdienste in den USA als verlängerter Arm der Regierungen, die sie für's Grobe dann einsetzten, um sich selber nicht die Finger schmtzig zu machen. Da muß dann irgendwann der Geheimdienstboß abtreten (oder wird hochgelobt). Tatsächlich so etwas wie ein Bauernopfer (da trifft's dann mal).
Und tatsächlich: Die Publizität, die Katharsis, die man dann in den USA vornimmt - wenigstens gibt man's (irgendwann) zu. Wo andere Dienste das Mäntelchen draufhalten (ich denke an Russland aber auch Demokratien wie Israel), da wird in Zyklen eine Art von Remedur praktiziert. Manchmal muß man aufräumen, damit es wieder weitergehen kann.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Geheimnis & Verrat
Ich – der Kempowski nach und nach für sich entdeckt - sehe aber auch, dass solche Hintergründe sehr wohl interessant sein können, um gewisse Details der Literatur besser zu verstehen; ich verweise auf das, um was uns die Unermüdlichkeit der Kafka-Forscher bereichert hat. Für das Verständnis muss das nicht zwingen etwas bringen - kann es aber durchaus, auch wenn es den Genius der Texte nicht erklärt, ihn oft noch verstärkt. (Aber doch auch manchmal eine Ebene hinzufügt – oder ebene neue Rätsel.)
Fragen muss man aber wohl doch nach einem Journalismus, der derart boulevardesk verfährt. Wenn man die (vielleicht noch verständliche) Freude des Spezialisten über seine Trouvaillen wegrechnet, bleibt die Lust an der Enthüllung, am Scoop, für den der originäre Geist der Bücher letztlich schon nachrangig ist. Das, was einmal ein „Werk“ war, wird hier auf eine gewisse Weise sekundär, die eigentlich viel skandalöser ist. Und konzediert man dem Schreiber eine "Liebhaberei" mit dem Autor, hat es schon fast etwas von Verrat.
die verschiedenen geheimdienste muessen
Was wäre da eigentlich besser?
Oder D: Mit der duckmäuserischeren Klandestinität - und dem falschen - und damit letztlich zu immer "falscheren" Selbstbildern führenden weißen Weste?
(Bliebe noch Hugo Chavez - aber der ist wahrscheinlich nur aus der großen Distanz sympathisch...)
@en-passant
Und tatsächlich: Die Publizität, die Katharsis, die man dann in den USA vornimmt - wenigstens gibt man's (irgendwann) zu. Wo andere Dienste das Mäntelchen draufhalten (ich denke an Russland aber auch Demokratien wie Israel), da wird in Zyklen eine Art von Remedur praktiziert. Manchmal muß man aufräumen, damit es wieder weitergehen kann.