Mmh, „übersättigt“ ja, das empfinde ich mit. Und das weitere setzt dann natürlich doch auch etwas andere Akzente (Askese - Opfer) – auch sie leuchten mir ein, nicht nur als Ihre Lesart (obwohl ich selber vielleicht nicht darauf gekommen wäre). Ich muss zugeben, dass Teil des eigenen Rausches bei solchen geistern wie Sloterdijk für mich dann auch die Lust an der Verführbarkeit ist, einer gewissen Wörtlichkeit ohne die mitzuhörenden Echos und Anklänge nachzugeben. Das wird selber mir dann manchmal verspätet verdächtig.
Ich sehe aber auch immer schon den etwas dubiosen Schatten, den so ein Genie-Tier wie S. notwendig werfen muss. Es hat immer auch etwas von einem Künstler, der ja auch rabiat sein Ding befördern und nach vorne bringen muss; und hier wäre es, das Genie, ja doch auch deutlich Nietzscheaner und behauptete sich immer auch aus einer Kraft seiner selbst. Und die muss notwendig blinde Flecken haben.
(Und neuerdings kriege ich ja auch schon mal Nachricht von Sloterdijks Attitüden im akademischen Bereich. Da wäre ich allerdings immer auch großzügig. Selbst so eine Type wie Lüpertz wäre mir weniger auf die Nerven gegangen, wenn er ein interessanter Maler gewesen wäre.)
Aber es gibt auch bei mir so etwas wie eine Bereitschaft, zuletzt auch den Verführer zu stürzen. Allerdings sehe ich niemanden, der das intellektuell vermöchte. (Die Argumente gegen Sloterdijk hörte und höre ich sehr wohl und manche leuchten auch ein.)
Und ja, dann die eigenen Narben in so einem weit gehenden Wurf nicht ganz vergessen zu können (vor allem, wenn sie damals teils von wirklich sehr dummen Positionen aus kamen), ist dann doch ein Makel. Aber eitel war er schon immer.
Den letzten Punkt an Unterscheidung dann finde ich weiter führend: Dass er die Masse nicht verachtet. Zwar fällt mir jetzt kein direkter Leitsatz Heideggers dahin ein, aber dass die Bewältigung der modernen Unbehaustheit dann doch ein Projekt wäre, in dem jeder allein steht, zumal die Unangeleiteten, hatte schon etwas von impliziter Ignoranz, wenn nicht von Verachtung auch. Das gefiel mir immer bei Sloterdijk, dass er diese deutsche Linie – Jünger, Schmidt... Helmuth Lethen („Verhaltensregeln der Kälte“) – zwar präsent, sie aber als historisch angesehen hatte, was sie auch sein muss. – Oder nicht? Sie könnte, eventuell mit dem neuen Ansatz Sloterdijks für „Übungen“, ja auch wieder den Kult des heroischen Einzelnen befeuern. Meist ist die Masse ja doch nicht zu retten, obwohl man sie, ihre Transmissionskräfte, sehr gut für die eigenen Positionen benutzen kann. Disziplin ist ja auch der Masse keine immer rundum verdächtige Tugend. Oft sind die eigenen (reflexhaften) Verdächtigen gegen sie schon überholter...
Wenn ein Buch schon Befreiungen erlaubt, seien es sekundäre, indirekte, welche auch immer, ist es sicher lesenswert.
Ich finde, man kann bei Heidegger im "Man" und der "Uneigentlichkeit" der Existenz schon eine gewisse Reserviertheit, ja auch Verachtung erkennen; Beispiel zum "Man":
"Das Man ist überall dabei, doch so, daß es sich auch schon immer davongeschlichen hat, wo das Dasein auf Entscheidung drängt. Weil das Man jedoch alles Urteilen und Entscheiden vorgibt, nimmt es dem jeweiligen Dasein die Verantwortlichkeit ab. Das Man kann es sich gleichsam leisten, daß 'man' sich ständig auf es beruft. Es kann am leichtesten alles verantworten, weil keiner es ist, der für etwas einzustehen braucht. Das Man 'war' es immer und doch kann gesagt werden, 'keiner' ist es gewesen. In der Alltäglichkeit des Daseins wird das meiste durch das, von dem wir sagen müssen, keiner war es. Das Man entlastet so das jeweilige Dasein in seiner Alltäglichkeit....Und weil das Man mit der Seinsentlastung dem jeweiligen Dasein ständig entgegenkommt, behält es und verfestigt es seine hatznäckige Herrschaft." Und dann kommt der harte Satz "Jeder ist der Andere und Keiner er selbst." ("Sein und Zeit", §27)
Einerseits finde ich das teilweise von grosser Luzidität (teilweise fast prognostisch, was nach 1945 geschah) - und teilweise eben gruselig.
Da ist natürlich Sloterdijk leichter - und vordergründig optimistischer. Vor einem neuen Kult des Einzelnen (des "Übenden") schreckt er zurück (nicht umsonst behandelt er die russischen Revolutionäre und behält - wie Sie schreiben - im Hinterkopf Schmitt et. al.).
Jetzt würde ich noch gerne was über seine Attitüden hören. Wenn Sie möchten, können wir auf das Mailing ausweichen (das werde ich wohl ab Sommer sowieso versuchen - statt des Blogs, den "Meister" paraphrasierend: 'Du mußt deine Kommunikation ändern'): begleitschreiben ät googlemail dot com
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Ich sehe aber auch immer schon den etwas dubiosen Schatten, den so ein Genie-Tier wie S. notwendig werfen muss. Es hat immer auch etwas von einem Künstler, der ja auch rabiat sein Ding befördern und nach vorne bringen muss; und hier wäre es, das Genie, ja doch auch deutlich Nietzscheaner und behauptete sich immer auch aus einer Kraft seiner selbst. Und die muss notwendig blinde Flecken haben.
(Und neuerdings kriege ich ja auch schon mal Nachricht von Sloterdijks Attitüden im akademischen Bereich. Da wäre ich allerdings immer auch großzügig. Selbst so eine Type wie Lüpertz wäre mir weniger auf die Nerven gegangen, wenn er ein interessanter Maler gewesen wäre.)
Aber es gibt auch bei mir so etwas wie eine Bereitschaft, zuletzt auch den Verführer zu stürzen. Allerdings sehe ich niemanden, der das intellektuell vermöchte. (Die Argumente gegen Sloterdijk hörte und höre ich sehr wohl und manche leuchten auch ein.)
Und ja, dann die eigenen Narben in so einem weit gehenden Wurf nicht ganz vergessen zu können (vor allem, wenn sie damals teils von wirklich sehr dummen Positionen aus kamen), ist dann doch ein Makel. Aber eitel war er schon immer.
Den letzten Punkt an Unterscheidung dann finde ich weiter führend: Dass er die Masse nicht verachtet. Zwar fällt mir jetzt kein direkter Leitsatz Heideggers dahin ein, aber dass die Bewältigung der modernen Unbehaustheit dann doch ein Projekt wäre, in dem jeder allein steht, zumal die Unangeleiteten, hatte schon etwas von impliziter Ignoranz, wenn nicht von Verachtung auch. Das gefiel mir immer bei Sloterdijk, dass er diese deutsche Linie – Jünger, Schmidt... Helmuth Lethen („Verhaltensregeln der Kälte“) – zwar präsent, sie aber als historisch angesehen hatte, was sie auch sein muss. – Oder nicht? Sie könnte, eventuell mit dem neuen Ansatz Sloterdijks für „Übungen“, ja auch wieder den Kult des heroischen Einzelnen befeuern. Meist ist die Masse ja doch nicht zu retten, obwohl man sie, ihre Transmissionskräfte, sehr gut für die eigenen Positionen benutzen kann. Disziplin ist ja auch der Masse keine immer rundum verdächtige Tugend. Oft sind die eigenen (reflexhaften) Verdächtigen gegen sie schon überholter...
Wenn ein Buch schon Befreiungen erlaubt, seien es sekundäre, indirekte, welche auch immer, ist es sicher lesenswert.
"Das Man ist überall dabei, doch so, daß es sich auch schon immer davongeschlichen hat, wo das Dasein auf Entscheidung drängt. Weil das Man jedoch alles Urteilen und Entscheiden vorgibt, nimmt es dem jeweiligen Dasein die Verantwortlichkeit ab. Das Man kann es sich gleichsam leisten, daß 'man' sich ständig auf es beruft. Es kann am leichtesten alles verantworten, weil keiner es ist, der für etwas einzustehen braucht. Das Man 'war' es immer und doch kann gesagt werden, 'keiner' ist es gewesen. In der Alltäglichkeit des Daseins wird das meiste durch das, von dem wir sagen müssen, keiner war es. Das Man entlastet so das jeweilige Dasein in seiner Alltäglichkeit....Und weil das Man mit der Seinsentlastung dem jeweiligen Dasein ständig entgegenkommt, behält es und verfestigt es seine hatznäckige Herrschaft." Und dann kommt der harte Satz "Jeder ist der Andere und Keiner er selbst." ("Sein und Zeit", §27)
Einerseits finde ich das teilweise von grosser Luzidität (teilweise fast prognostisch, was nach 1945 geschah) - und teilweise eben gruselig.
Da ist natürlich Sloterdijk leichter - und vordergründig optimistischer. Vor einem neuen Kult des Einzelnen (des "Übenden") schreckt er zurück (nicht umsonst behandelt er die russischen Revolutionäre und behält - wie Sie schreiben - im Hinterkopf Schmitt et. al.).
Jetzt würde ich noch gerne was über seine Attitüden hören. Wenn Sie möchten, können wir auf das Mailing ausweichen (das werde ich wohl ab Sommer sowieso versuchen - statt des Blogs, den "Meister" paraphrasierend: 'Du mußt deine Kommunikation ändern'): begleitschreiben ät googlemail dot com