Was Lothar Struck in seiner Beschreibung aus Handke's KUKUCK
auf GLAND+ELEND zitiert macht mich neugierieg
auf das Buch, auf hoher oder niedere See, jedenfalls angeblich auf langsamen Maultier Weg zu mir. Das Bewusstsein von aussen betrachtet zu werden und sich darauf einzustellen faellt mir wohl zu erst auf, und weil's ein bewachter Grenzuebergang erinnert an den Anfang ich glaub von Uwe Johnson's Zwei Ansichen wo etwas "sportliches" in dem Verhalten der Waechter und dem Verhaeltniss zwischen ihnen und den bewachten Grenzgaengern. Auch, dass Handke versucht keine Seite zu bevorzugen, also ein treuer Reporter zu sein, die er doch sonst ueberhaupt nicht gern hat [nicht gern!] sie z.b. was und wie der Reporter in dem Del Gredos Roman spricht und
beschreibt. Was die Vergleiche, Aehnliches mit dem Stueck Zurüstungen für die Unsterblichkeit betrifft mag stimmen, ich muesste aber noch mal in dem Stueck rum stoebern welches mir nicht so auf den Lippen liegt wie viele andere. Vielleicht faellt
dem werten geschaetzten Scott Abbot dort in Land der Utas auch noch was dazu ein.
"Auf der Brücke brauchte ich mich, gegen die Erwartung, nicht auszuweisen. Sie wurde auf der serbischen Seite bewacht von Franzosen, das war schon an den Uniformen zu erkennen, auf der albanischen Seite von, an jenem Morgen wenigstens, schwarzen Amerikanern. Grüßen in den beiden Sprachen, und freundliches, jedenfalls nirgends argwöhnisches Zurückgegrüßtwerden. Mir war, ich sei der erste Brückengänger am Tag, und die Soldaten sähen sich bei meinem Passieren in der Tat als Angehörige einer Schutztruppe. […] Die Stacheldrahtrollen, beiseite geschoben hüben wie drüben dann, wirkten wie aus einer Vorzeit.
"Im albanischen Teil angekommen, ging ich im Brückenrhythmus weiter, als hätte ich da zu tun. Nur nicht als Neugieriger oder sonst wer erscheinen. Breite Gehsteige, auch durch die hier fehlende Tausendkioskmeile und also viel Platz zum Gehen. […] Wieviel Luft allein schon um die sichtlich neuerbaute monumentale Moschee, welche, mit ihrem Minarett, sowohl Hauptplatz als auch Hauptkreuzung markierte. […]
"Die Cafés hier mit offenen Terrassen, auch das ein Unterschied zu denen im Norden, wo die Terrassen, bis auf die einzelne Ausnahme wie das "Dolce Vita", mit Plastikplanen verkleidet waren, so daß das Geschehen dahinter von der Straße aus nur sehr vage und überdies verzerrt sichtbar wurde. Hier dagegen saßen die meist jungen Gäste, zahlreicher jedenfalls als wir Fußgänger, ganz offen im Freien, bei Kaffee oder Bier. […] Wenn einem der Sitzer da der doch wohl offensichtlich stadt- wie landfremde Passant auffiel, so ließ er das aber keinmal spüren. Oder war es eher so, daß er, der Passant, im voraus beschlossen hatte, niemandem aufzufallen? War so etwas denn möglich? An jenem friedlichen Morgen und Vormittag ja. Aus solcher den Norden wie den Süden umfassenden Friedlichkeit heraus ein einziges Wundern, daß das nicht auch schon in der Zeit vorher so hatte sein können, zusammen mit dem Gedanken, einem gewissen, im einzelnen dagegen ganz und gar ungewissen, daß das kein ganz leerer oder grundloser Wahn war: der Friede hatte seinen Grund – er lag in der Luft und ebenso klar auf der Hand – er hatte (eine) Zukunft, wenn es für diese auch im Norden und Süden zwei sehr verschieden klingende Wörter gab, 'budućnost' und 'ardhme'."
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Was Lothar Struck in seiner Beschreibung aus Handke's KUKUCK
auf das Buch, auf hoher oder niedere See, jedenfalls angeblich auf langsamen Maultier Weg zu mir. Das Bewusstsein von aussen betrachtet zu werden und sich darauf einzustellen faellt mir wohl zu erst auf, und weil's ein bewachter Grenzuebergang erinnert an den Anfang ich glaub von Uwe Johnson's Zwei Ansichen wo etwas "sportliches" in dem Verhalten der Waechter und dem Verhaeltniss zwischen ihnen und den bewachten Grenzgaengern. Auch, dass Handke versucht keine Seite zu bevorzugen, also ein treuer Reporter zu sein, die er doch sonst ueberhaupt nicht gern hat [nicht gern!] sie z.b. was und wie der Reporter in dem Del Gredos Roman spricht und
beschreibt. Was die Vergleiche, Aehnliches mit dem Stueck Zurüstungen für die Unsterblichkeit betrifft mag stimmen, ich muesste aber noch mal in dem Stueck rum stoebern welches mir nicht so auf den Lippen liegt wie viele andere. Vielleicht faellt
dem werten geschaetzten Scott Abbot dort in Land der Utas auch noch was dazu ein.
"Auf der Brücke brauchte ich mich, gegen die Erwartung, nicht auszuweisen. Sie wurde auf der serbischen Seite bewacht von Franzosen, das war schon an den Uniformen zu erkennen, auf der albanischen Seite von, an jenem Morgen wenigstens, schwarzen Amerikanern. Grüßen in den beiden Sprachen, und freundliches, jedenfalls nirgends argwöhnisches Zurückgegrüßtwerden. Mir war, ich sei der erste Brückengänger am Tag, und die Soldaten sähen sich bei meinem Passieren in der Tat als Angehörige einer Schutztruppe. […] Die Stacheldrahtrollen, beiseite geschoben hüben wie drüben dann, wirkten wie aus einer Vorzeit.
"Im albanischen Teil angekommen, ging ich im Brückenrhythmus weiter, als hätte ich da zu tun. Nur nicht als Neugieriger oder sonst wer erscheinen. Breite Gehsteige, auch durch die hier fehlende Tausendkioskmeile und also viel Platz zum Gehen. […] Wieviel Luft allein schon um die sichtlich neuerbaute monumentale Moschee, welche, mit ihrem Minarett, sowohl Hauptplatz als auch Hauptkreuzung markierte. […]
"Die Cafés hier mit offenen Terrassen, auch das ein Unterschied zu denen im Norden, wo die Terrassen, bis auf die einzelne Ausnahme wie das "Dolce Vita", mit Plastikplanen verkleidet waren, so daß das Geschehen dahinter von der Straße aus nur sehr vage und überdies verzerrt sichtbar wurde. Hier dagegen saßen die meist jungen Gäste, zahlreicher jedenfalls als wir Fußgänger, ganz offen im Freien, bei Kaffee oder Bier. […] Wenn einem der Sitzer da der doch wohl offensichtlich stadt- wie landfremde Passant auffiel, so ließ er das aber keinmal spüren. Oder war es eher so, daß er, der Passant, im voraus beschlossen hatte, niemandem aufzufallen? War so etwas denn möglich? An jenem friedlichen Morgen und Vormittag ja. Aus solcher den Norden wie den Süden umfassenden Friedlichkeit heraus ein einziges Wundern, daß das nicht auch schon in der Zeit vorher so hatte sein können, zusammen mit dem Gedanken, einem gewissen, im einzelnen dagegen ganz und gar ungewissen, daß das kein ganz leerer oder grundloser Wahn war: der Friede hatte seinen Grund – er lag in der Luft und ebenso klar auf der Hand – er hatte (eine) Zukunft, wenn es für diese auch im Norden und Süden zwei sehr verschieden klingende Wörter gab, 'budućnost' und 'ardhme'."