Ich habe Sloterdijk bisher nur vom Namen gekannt. Und dann lese ich hier etwas über die Theorie der Nachkriegszeiten und heute entdecke ich in meinem Stapel Zeitungen dieses Interview aus der Süddeutschen Zeitung mit ihm:
Und wie war das mit dem Elfenbeinturm? Nicht nur die Wortneuschöpfungen von P. Sloterdijk, sondern u.a. auch sein Arbeitsbereich ( siehe in der Einleitung zum Interview von Eva Karcher) scheinen einem Turmniveau zu entsprechen.
Seine Sichtweisen zum Thema Zukunft sind spannend, locken Assoziationen und Neugier hervor. Warum spricht die Politik tatsächlich nicht von Inflation? Das frage ich mich seit Beginn der Berichterstattung über die Wirtschaftskrise. Eine Wirtschaftskrise ohne Inflation? Gibt es nicht.
Mit seinem Satz „ Nun zeigt sich, dass die Natur ein Gedächtnis hat, sie sammelt Eindrücke, sie erinnert sich an uns. ...“ fiel mir sofort Frank Schätzing und sein „Schwarm“ ein. ( Schätzing und das dazugehörende Marketing hin oder her, es ist ihm gelungen, einen spannenden Science fiction- und Umwelt- Thriller zu schreiben). Ich denke da sofort ans verdreckte Mittelmeer und die Nordsee, in denen seit Jahrzehnten unser Zivilisationsdreck verkappt wird.
Oder an die Ausbeutung der Meere. Und das nicht nur für den Fischmarkt.
Japan ist z.B. sehr an den Abbau von Methanhydrat interessiert, da ihr Energieverbrauch enorm hoch ist. Vor ein paar Jahren habe ich gelesen, das sie keine Mühen und kein Geld scheuen, so schnell wie möglich an diesen Rohstoff heranzukommen. ( Leider fällt mir die Literaturquelle dazu nicht mehr ein, habe jedoch diese zwei Links gefunden. Ich hoffe, es reicht für meine o.g. Aussage).
Ich verstehe Peter Sloterdijk so, das er u.a. keine Zukunft für eine Normalisierung der Ökologie sieht. Die Welt im palliativem Zustand. Das ist deutlich und konsequent mitgeteilt. Aber wird es die erreichen, die es hören und verstehen sollten?
Wirtschaftskrisen ohne "Inflation" gibt es schon - man nehme die Deflation in Japan in den 90er Jahren. Inflation ist hier auch weniger als Preisteuerung gebraucht, sondern als eine Art Überhitzung.
Der Kapitalismus hat immanent nur zwei Reaktionsmöglichkeiten: Entweder er füllt die Blase, die laufend Faulgase produziert mit weiteren Gasen (das macht man im Moment, in dem man abermals Geld vergibt, was man eigentlich nicht hat) oder man verknappt das Abstraktum Geld (das hat man in den 30er Jahren gemacht). Vom Zweiten kennt man die Folgen, daher macht man das Erste - was aber wieder zum Kreislaufkollaps (vulgo Krise) führen wird.
Eine schöne Zusammenfassung liefert Sloterdijk hier:
Die Frage ist also, ob eine philanthro-kapitalistische Makropolitik im Zusammenspiel mit einem spendablen Welt-Steuerstaat global lebbare Verhältnisse herbeiführen kann.
Weiter oben sagt er (richtigerweise), dass der Kapitalismus immer zyklisch ist und die Krise nur eingedämmt werden kann. Grob formuliert die Fußballplattitüde paraphrasiert: Nach der Krise ist immer vor der Krise.
Auch die Betrachtungen über das Verhältnis zur Natur finde ich sehr erhellend:
Der Mensch der prähistorischen und historischen Zeiten konnte seine Dramen vor dem Hintergrund einer Natur aufführen, von der man dachte, sie werde nie reagieren. Man ließ seine Abfälle praktisch folgenlos irgendwo liegen, die Hufeisen der römischen Kavallerie stecken ja heute noch im deutschen Schlamm. Doch wir haben die glücklichen Jahrtausende humaner Expansion hinter uns. Natur war das Außen, in dem unser Handeln scheinbar spurlos verschwand. Diese Auffassung ist für immer dahin. Mit einem Mal funktionieren unsere Externalisierungen nicht mehr, die Abfälle kehren zurück, der Wahnsinn verpufft nicht mehr in der Weite der Ozeane. Nun zeigt sich, dass die Natur ein Gedächtnis hat, sie sammelt Eindrücke, sie erinnert sich an uns. Jetzt müssen wir uns mit einer bedrohlich erinnerungsfähigen, scheinbar immer rachelüsterneren Natur zusammenraufen.
Der Rekurs in ethische Gefilde bestätigt den Kommentator en-passant: Sloterdijk ist eben genau nicht zynisch. Das ist heutzutage selten. Man sollte ihm mindestens zuhören.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Nachgedanken
Ich habe Sloterdijk bisher nur vom Namen gekannt. Und dann lese ich hier etwas über die Theorie der Nachkriegszeiten und heute entdecke ich in meinem Stapel Zeitungen dieses Interview aus der Süddeutschen Zeitung mit ihm:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/332/453028/text/
Und wie war das mit dem Elfenbeinturm? Nicht nur die Wortneuschöpfungen von P. Sloterdijk, sondern u.a. auch sein Arbeitsbereich ( siehe in der Einleitung zum Interview von Eva Karcher) scheinen einem Turmniveau zu entsprechen.
Seine Sichtweisen zum Thema Zukunft sind spannend, locken Assoziationen und Neugier hervor. Warum spricht die Politik tatsächlich nicht von Inflation? Das frage ich mich seit Beginn der Berichterstattung über die Wirtschaftskrise. Eine Wirtschaftskrise ohne Inflation? Gibt es nicht.
Mit seinem Satz „ Nun zeigt sich, dass die Natur ein Gedächtnis hat, sie sammelt Eindrücke, sie erinnert sich an uns. ...“ fiel mir sofort Frank Schätzing und sein „Schwarm“ ein. ( Schätzing und das dazugehörende Marketing hin oder her, es ist ihm gelungen, einen spannenden Science fiction- und Umwelt- Thriller zu schreiben). Ich denke da sofort ans verdreckte Mittelmeer und die Nordsee, in denen seit Jahrzehnten unser Zivilisationsdreck verkappt wird.
Oder an die Ausbeutung der Meere. Und das nicht nur für den Fischmarkt.
Japan ist z.B. sehr an den Abbau von Methanhydrat interessiert, da ihr Energieverbrauch enorm hoch ist. Vor ein paar Jahren habe ich gelesen, das sie keine Mühen und kein Geld scheuen, so schnell wie möglich an diesen Rohstoff heranzukommen. ( Leider fällt mir die Literaturquelle dazu nicht mehr ein, habe jedoch diese zwei Links gefunden. Ich hoffe, es reicht für meine o.g. Aussage).
http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/bstuecke/02728/index.html
http://www.sopos.org/aufsaetze/457dd9ac1be87/1.phtml
Ich verstehe Peter Sloterdijk so, das er u.a. keine Zukunft für eine Normalisierung der Ökologie sieht. Die Welt im palliativem Zustand. Das ist deutlich und konsequent mitgeteilt. Aber wird es die erreichen, die es hören und verstehen sollten?
Danke für das Interview
Der Kapitalismus hat immanent nur zwei Reaktionsmöglichkeiten: Entweder er füllt die Blase, die laufend Faulgase produziert mit weiteren Gasen (das macht man im Moment, in dem man abermals Geld vergibt, was man eigentlich nicht hat) oder man verknappt das Abstraktum Geld (das hat man in den 30er Jahren gemacht). Vom Zweiten kennt man die Folgen, daher macht man das Erste - was aber wieder zum Kreislaufkollaps (vulgo Krise) führen wird.
Eine schöne Zusammenfassung liefert Sloterdijk hier:
Die Frage ist also, ob eine philanthro-kapitalistische Makropolitik im Zusammenspiel mit einem spendablen Welt-Steuerstaat global lebbare Verhältnisse herbeiführen kann.
Weiter oben sagt er (richtigerweise), dass der Kapitalismus immer zyklisch ist und die Krise nur eingedämmt werden kann. Grob formuliert die Fußballplattitüde paraphrasiert: Nach der Krise ist immer vor der Krise.
Auch die Betrachtungen über das Verhältnis zur Natur finde ich sehr erhellend:
Der Mensch der prähistorischen und historischen Zeiten konnte seine Dramen vor dem Hintergrund einer Natur aufführen, von der man dachte, sie werde nie reagieren. Man ließ seine Abfälle praktisch folgenlos irgendwo liegen, die Hufeisen der römischen Kavallerie stecken ja heute noch im deutschen Schlamm. Doch wir haben die glücklichen Jahrtausende humaner Expansion hinter uns. Natur war das Außen, in dem unser Handeln scheinbar spurlos verschwand. Diese Auffassung ist für immer dahin. Mit einem Mal funktionieren unsere Externalisierungen nicht mehr, die Abfälle kehren zurück, der Wahnsinn verpufft nicht mehr in der Weite der Ozeane. Nun zeigt sich, dass die Natur ein Gedächtnis hat, sie sammelt Eindrücke, sie erinnert sich an uns. Jetzt müssen wir uns mit einer bedrohlich erinnerungsfähigen, scheinbar immer rachelüsterneren Natur zusammenraufen.
Der Rekurs in ethische Gefilde bestätigt den Kommentator en-passant: Sloterdijk ist eben genau nicht zynisch. Das ist heutzutage selten. Man sollte ihm mindestens zuhören.