Ich erlaube mir freundlich, dem "Augen auf ..." - Beitrag noch drei Tagebuchtexte zur Weihnacht hinzuzufügen:
Joao kam nach Hause und sagte, er habe Leibschmerzen. Ich stellte fest, dass es daran lag, dass er eine verdorbene Wassermelone gegessen hatte. Heute haben sie einen Lastwagen Wassermelonen in der Nähe des Flusses ausgekippt. Ich weiß nicht, warum diese unvernünftigen Kaufleute ihre verdorbenen Sachen hier in der Nähe der Favela auskippen; die Kinder sehen es und essen es.
Meiner Ansicht nach treiben die Großhändler in Sao Paulo die dem Volk ebenso Spass, wie Cäsar, wenn er die Christen quälte. Nur, dass der heutige Cäsar dem Cäsar der Vergangenheit überlegen ist. Die anderen wurden aus Glaubensgründen verfolgt. Und wir werden vom Hunger verfolgt! Damals ließen diejenigen, die nicht sterben wollten, davon ab, Christus zu lieben.
Aber wir können nicht davon ablassen zu essen.
Carolina Maria de Jesus, Sao Paulo, Favela do Canindé, 25. Dezember 1958, aus "Tagebuch der Armut. Aufzeichnungen einer brasilianischen Negerin"
Wenn man aber die Soldaten in Reih' und Glied vor ihren Weihnachtstischen ansieht, wo - auch in Reih' und Glied - für jeden das Messer, das Stück Seife, Strümpfe, die Zigarren oder Zigaretten aufgebaut sind, so weiß man schlechterdings nicht das mindeste davon wie sie nun das aufnehmen. Man weiß nicht, ob sie sich freuen, ob sie diese Geschenke würdigen oder nicht würdigen, ob sie dankbar sind oder undankbar, ob sie irgendwo in ihrem Inneren etwas Festliches empfinden.
Die Weihnachtsbescherungen, wie sie im Frieden und dort aus Wohltätigkeit eingerichtet sind, kranken schon an der Masse der Teilnehmenden. Aber Soladtenweihnachtsbescherungen sind wirklich ein Mord an der ganzen schönen Idee.
Rudolf G. Binding (dt. Schriftsteller), Westflandern, 25. Dezember 1915.
Der Winter liegt schwer auf mit. Alles ringsum ist so traurig und schweigend. Der Schnee fällt in dichten Flocken,, und nicht unter liebenden Freunden verbringe ich den langen Abend. O wie sehn' ich mich nach einer Seele, die mich liebt! Die Menschen um mich her sind ohne Teilnahme, und kalt und flüchtig ihre Worte.
August Graf von Platen (dt. Dichter), München, 25. Dezember 1815
Der Feldwebel Arthur Binz, Albat/Krim
Die gestrige Kompanieweihnachtsfeier war zu tumultös und äußerlich. Die gleich zu Anfang gehaltene Rede des Kompaniechefs war zwar schön und gedankenreich, aber die völlige Übergehung des christlichen Gedankens auch beim heutigen Fest wollte mir wieder gar nicht gefallen...
[...]
Der Maler Iwan Korotkow, Leningrad
Ich stand vor einer Bäckerei Schlange, um Brot zu bekommen. Drinnen leuchtete schwach eine Lampe und man gab uns gegen die Brotkarte eine Krume. Ich spürte etwas unter meinen Füßen und ich trat darauf. In jenem Augenblick dachte ich überhaupt nicht daran, daß es ein Mensch sein könnte. Ich dachte, jemand hat dort einen Sack abgestellt. Ich konnte nicht fassen, was da los war. Ich stieg darüber, die anderen folgten mir. Erst als ich draußen war, merkte ich, daß wir einen Menschen mit Füßen getreten hatten. Alle sind auf ihm rumgetrampelt und niemand war sich bewußt, was er tat.
Walter Kempowski, "Das Echolot - Barbarossa 1941"
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Schöne Idee. Leider ist der Blog ja sozusagen klinisch tot, sonst könnte man so etwas grösser "aufziehen"...
Kein klinisch toter Blog zählt 8 Kommentare allein am 24. und 25.12. Und dass zu den Weihnachtsfeiertagen weniger los ist, kann man auch positiv sehen.
Die Hälfte der Kommentare ist ja von mir selber... Und ich rede nicht von den Weihnachtsfeiertagen. Aber ich lass' das Lamentieren jetzt, weil nichts zu ändern ist. Bald ist Schluss, weil ich In Bälde einfach nichts mehr zu sagen habe.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
25. Dezember
Joao kam nach Hause und sagte, er habe Leibschmerzen. Ich stellte fest, dass es daran lag, dass er eine verdorbene Wassermelone gegessen hatte. Heute haben sie einen Lastwagen Wassermelonen in der Nähe des Flusses ausgekippt. Ich weiß nicht, warum diese unvernünftigen Kaufleute ihre verdorbenen Sachen hier in der Nähe der Favela auskippen; die Kinder sehen es und essen es.
Meiner Ansicht nach treiben die Großhändler in Sao Paulo die dem Volk ebenso Spass, wie Cäsar, wenn er die Christen quälte. Nur, dass der heutige Cäsar dem Cäsar der Vergangenheit überlegen ist. Die anderen wurden aus Glaubensgründen verfolgt. Und wir werden vom Hunger verfolgt! Damals ließen diejenigen, die nicht sterben wollten, davon ab, Christus zu lieben.
Aber wir können nicht davon ablassen zu essen.
Carolina Maria de Jesus, Sao Paulo, Favela do Canindé, 25. Dezember 1958, aus "Tagebuch der Armut. Aufzeichnungen einer brasilianischen Negerin"
Wenn man aber die Soldaten in Reih' und Glied vor ihren Weihnachtstischen ansieht, wo - auch in Reih' und Glied - für jeden das Messer, das Stück Seife, Strümpfe, die Zigarren oder Zigaretten aufgebaut sind, so weiß man schlechterdings nicht das mindeste davon wie sie nun das aufnehmen. Man weiß nicht, ob sie sich freuen, ob sie diese Geschenke würdigen oder nicht würdigen, ob sie dankbar sind oder undankbar, ob sie irgendwo in ihrem Inneren etwas Festliches empfinden.
Die Weihnachtsbescherungen, wie sie im Frieden und dort aus Wohltätigkeit eingerichtet sind, kranken schon an der Masse der Teilnehmenden. Aber Soladtenweihnachtsbescherungen sind wirklich ein Mord an der ganzen schönen Idee.
Rudolf G. Binding (dt. Schriftsteller), Westflandern, 25. Dezember 1915.
Der Winter liegt schwer auf mit. Alles ringsum ist so traurig und schweigend. Der Schnee fällt in dichten Flocken,, und nicht unter liebenden Freunden verbringe ich den langen Abend. O wie sehn' ich mich nach einer Seele, die mich liebt! Die Menschen um mich her sind ohne Teilnahme, und kalt und flüchtig ihre Worte.
August Graf von Platen (dt. Dichter), München, 25. Dezember 1815
25. Dezember 1941
Die gestrige Kompanieweihnachtsfeier war zu tumultös und äußerlich. Die gleich zu Anfang gehaltene Rede des Kompaniechefs war zwar schön und gedankenreich, aber die völlige Übergehung des christlichen Gedankens auch beim heutigen Fest wollte mir wieder gar nicht gefallen...
[...]
Der Maler Iwan Korotkow, Leningrad
Ich stand vor einer Bäckerei Schlange, um Brot zu bekommen. Drinnen leuchtete schwach eine Lampe und man gab uns gegen die Brotkarte eine Krume. Ich spürte etwas unter meinen Füßen und ich trat darauf. In jenem Augenblick dachte ich überhaupt nicht daran, daß es ein Mensch sein könnte. Ich dachte, jemand hat dort einen Sack abgestellt. Ich konnte nicht fassen, was da los war. Ich stieg darüber, die anderen folgten mir. Erst als ich draußen war, merkte ich, daß wir einen Menschen mit Füßen getreten hatten. Alle sind auf ihm rumgetrampelt und niemand war sich bewußt, was er tat.
Walter Kempowski, "Das Echolot - Barbarossa 1941"
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Schöne Idee. Leider ist der Blog ja sozusagen klinisch tot, sonst könnte man so etwas grösser "aufziehen"...
@Metepsilonema
Kein Aufruf zur Selbstexegese.
In der Tat:
Ich meinte: Bald ist Schluss, weil ich einfach nichts mehr zu sagen habe. Aber ich werde das zu gegebener Zeit noch kommunizieren.
Erstmal guten Rutsch!
Ebenfalls guten Rutsch!