Möchtegernbesserwisser
Seit Donnerstag bin ich ein Möchtegernbesserwisser. So ganz offiziell. Sagt ein Grimme-Preisträger. Der Stefan Niggemeier. Der muß es ja wissen. Der sieht ja ständig die Splitter in den Berichten der Anderen. Ich weiss noch nicht, ob irgendwo eine Preisvergabe stattfinden wird oder ob es einen Orden gibt. Wenigstens eine Urkunde? Meine Mitpreisträger haben auch noch keine Nachricht erhalten. Wir sind ganz aufgeregt. Ich habe noch nie einen Preis bekommen.
Und das kam so. Vorgestern hat der Stefan Niggemeier so einen schönen Beitrag geschrieben. Und da haben drei, vier Leute geschrieben, dass sie es komisch finden, warum man in den deutschen Medien immer "Bombay" liest. Sicher, die Menschen dort haben andere Probleme. Nicht erst seit diesen Terroranschlägen. Die Stadt hiesse aber Mumbai. So ganz offiziell. Den Hinweis fand Stefan Niggemeier ganz toll. So richtig investigativ.
So, wie er manchmal seine Beiträge schreibt. Diesen hier oder hier oder hier, auch das oder das. Vorbild war für mich jetzt das und das.
Stefan Niggemeier findet es nämlich albern, wenn man seine Leser ignoriert und nicht auf die Fehler, die man macht und von Lesern aufmerksam gemacht wird, reagiert. Er findet zum Beispiel sueddeutsche.de albern. Er findet es auch albern, Myanmar Myanmar zu nennen. Birma klingt genau so schön. Ist eben zigfach verständlicher und wird von dpa, AP, AFP und reuters in ihren deutschsprachigen Meldungen gewählt. Oder Leningrad? Ist doch viel verständlicher als Sankt Petersburg. Die englischsprachige Presse findet Niggemeier nicht so gut, weil die nicht so verständlich schreiben. Die schreiben nämlich Mumbai. Es ist ja schön, wenn die deutschen Agenturen mal was richtig machen. Und der Springer hat ja auch immer "SBZ" gesagt, dann "sogenannte 'DDR'", dann "DDR" 1987 und seit 1987 noch zwei Jahre DDR.
Der Stefan Niggemeier findet es super, wenn die Deutschen für die Leute in Mumbai kämpfen, damit die auch Bombay sagen dürfen. Obwohl das ja ein bisschen deutsch ist. Immer so "korrekt". Meine Schwiegermutter sagt auch immer noch Wehrmacht. Und manchmal Mark. Die möchte auch, dass man in den Nachrichten immer noch die Mark-Beträge mit angibt. Vielleicht sagt der Stefan Niggemeier den Agenturen das mal. Wäre doch viel verständlicher für meine Schwiegermutter.
Ich lass das jetzt mit dem kommentieren bei Stefan Niggemeier. So ein toller Rechthaber wie er werde ich doch nie. Das muß man neidlos anerkennen.
Und das kam so. Vorgestern hat der Stefan Niggemeier so einen schönen Beitrag geschrieben. Und da haben drei, vier Leute geschrieben, dass sie es komisch finden, warum man in den deutschen Medien immer "Bombay" liest. Sicher, die Menschen dort haben andere Probleme. Nicht erst seit diesen Terroranschlägen. Die Stadt hiesse aber Mumbai. So ganz offiziell. Den Hinweis fand Stefan Niggemeier ganz toll. So richtig investigativ.
So, wie er manchmal seine Beiträge schreibt. Diesen hier oder hier oder hier, auch das oder das. Vorbild war für mich jetzt das und das.
Stefan Niggemeier findet es nämlich albern, wenn man seine Leser ignoriert und nicht auf die Fehler, die man macht und von Lesern aufmerksam gemacht wird, reagiert. Er findet zum Beispiel sueddeutsche.de albern. Er findet es auch albern, Myanmar Myanmar zu nennen. Birma klingt genau so schön. Ist eben zigfach verständlicher und wird von dpa, AP, AFP und reuters in ihren deutschsprachigen Meldungen gewählt. Oder Leningrad? Ist doch viel verständlicher als Sankt Petersburg. Die englischsprachige Presse findet Niggemeier nicht so gut, weil die nicht so verständlich schreiben. Die schreiben nämlich Mumbai. Es ist ja schön, wenn die deutschen Agenturen mal was richtig machen. Und der Springer hat ja auch immer "SBZ" gesagt, dann "sogenannte 'DDR'", dann "DDR" 1987 und seit 1987 noch zwei Jahre DDR.
Der Stefan Niggemeier findet es super, wenn die Deutschen für die Leute in Mumbai kämpfen, damit die auch Bombay sagen dürfen. Obwohl das ja ein bisschen deutsch ist. Immer so "korrekt". Meine Schwiegermutter sagt auch immer noch Wehrmacht. Und manchmal Mark. Die möchte auch, dass man in den Nachrichten immer noch die Mark-Beträge mit angibt. Vielleicht sagt der Stefan Niggemeier den Agenturen das mal. Wäre doch viel verständlicher für meine Schwiegermutter.
Ich lass das jetzt mit dem kommentieren bei Stefan Niggemeier. So ein toller Rechthaber wie er werde ich doch nie. Das muß man neidlos anerkennen.
Gregor Keuschnig - 2008-11-29 09:46


Sprache lebt
Und was die Namen betrifft: Alle Umbenennungen von Orten oder Ländern verfolgen politische Ziele. Wenn man aber außerhalb dieses Kontextes agiert, sind die politischen Ziele unter Umständen weniger wichtig, hier zählt mehr, dass man sein Gegenüber versteht. In Thailand heißt Myanmar übrigens weder so noch Birma sondern immer noch Burma. Die meisten Burbirmyanmesen werden diese Transliterationen sowieso nicht verstehen, weil sie ihre Heimat noch ganz anders bezeichnen.
Als ich vor langer Zeit in Rumänien war, haben die dort lebenden Deutschen ganz selbstverständlich Herrmannstadt und Kronstadt gesagt, nicht Sibiu oder Brasov. Vor zwei Wochen habe ich mit meiner Geigenlehrerin über ihre Heimat gesprochen, sie ist Slowakin. Wir haben dann auch über die Tschechoslowakei gesprochen. Heute getrennt in Tschechien und Slowakei. Zwei der Namen enden auf "ei", wenn man aber gleichlautend Tschechei sagt, bekommt man aus Gründen der PC einen auf den Deckel. Und ich sagte brav Brno, sie ganz selbstverständlich Brünn.
Und natürlich verfolgen solche Änderungen politische Ziele. Sieht man ja an Karl-Marx-Stadt - jetzt Chemnitz. Nachrichtenmedien haben aber m. E. nicht dahingehend "gegen zu politisieren", dass sie schlichtweg solche Umbenennungen ignorieren und zu Gunsten einer ominösen Verständlichkeit, die nur eigene Bequemlichkeit ist, vorgehen.
Natürlich nennt ein Amerikaner München "Munich" (weil es dafür einen entsprechenden Anglizismus gibt). Wenn München jedoch aus irgendwelchen Gründen mal in "Ude-Stadt" umbenannt würde (oder "Franz-Josef-Strauß-Stadt"), dann muss man dem "offiziell" folgen, ob man will oder nicht (umgangssprachlich bleibt das natürlich noch drei Generationen München oder Munich.)
Aber darauf kommt es eigentlich nicht an. Wenn jemand auf seinem Blog oft minimalste Fehler geisselt und zu Grundsatzfragen aufbauscht, muss man in bestimmten Sachen auch eine gewisse Konsequenz an den Tag legen. Und wenn man Kommentare zulässt, die dann mal vom üblichen Bild der Heiligenverherung oder stammtischhaften Beschimpfung absehen, dann erwarte ich einen anderen Umgang. Aber natürlich hat der Hausherr das Recht, die ungewünschten Partygäste rauszuwerfen.
Was Breslau, Brünn, Herrmannstadt und Kronstadt anbelangt: Hier schreckt man als Deutscher zurück, weil man nicht weiß, ob das nicht belastete Bezeichnungen aus der Nazizeit sind.
Witzigerweise habe ich bei Mumbai zunächst nicht an Bombay gedacht, erst die sprachlich gemischte Berichterstattung hat dann bei mir den Zusammenhang hergestellt. Ich hätte gewettet, dass die Umbenennung etwas mit dem "Abschütteln des kolonialen Jochs" zu tun gehabt hat, aber der entsprechende Abschnitt in der Wikipedia gibt in dieser Beziehung keinen Hinweis.
Dieselbe Diskussion gab es schon mal bei Myanmar, Birma, Burma. Da war sie genauso wenig ergiebig. Wenn man sich auf so etwas fixiert, dann verliert man die eigentlichen Vorgänge aus den Augen. Und die sind doch katastrophal genug. Die Reaktionen in den Medien sind es übrigens auch. Da wird zum Beispiel darauf hingewiesen, dass Indien etwa viermal weniger Sicherheitskräfte hat als andere Länder. Nur, was hätte eine größere Zahl an Polizisten in dieser Situation ausrichten können? Die ganze Fixierung in Bezug auf den Terrorismus, mit mehr Gewalt das Problem lösen zu können, führt völlig in die falsche Richtung. Im Fall des Islamismus muss man nach den Ursachen forschen und wie man sie langfristig beseitigt.
Ich betrachte "Möchtegernbesserwisser" nicht als persönlichen Angriff, sondern als Standpunkt. Der ist in Ordnung; diese Meinung kann er haben und soll er auch sagen.
Seine Beiträge sind deswegen nicht schlechter oder besser als vorher. Ich sehe nur eine grosse Diskrepanz zwischen dem Anspruch, den er an andere und auch an die Kommentaroren hegt (letzteres mehr oder weniger unausgesprochen; er mischt sich eher selten in die Diskussionen ein) und dem, wie er selber Themen einsetzt und bewertet.
In diesem Fall ist es ihm wichtig zu zeigen, dass ein Bild, welches im Kontext mit den Terroranschlägen in Mumbai gezeigt wird, eine Woche vorher bei einer ganz anderen Gelegenheit gezeigt wurde. Im Grunde genommen erhebt er den Vorwurf der Bilderfälschung. Dieser Vorwurf ist primär korrekt. Und das ist das Thema.
Jetzt kann man sagen - auch und gerade als Blogbesitzer -: Leute, bleibt beim Thema. Das heisst: Thema ist nicht Mumbai / Bombay, Thema ist nicht der internationale Terrorismus, Thema ist nicht die fragile Lage des Vielvölkerstaates Indien, usw. Die Praxis hat allerdings gezeigt, dass solche "Themenbeschränkungen" nicht besonders gut funktionieren.
Man könnte mit der gleichen Verve sagen, dass der Nachweis der blödsinnigen Bebilderung in den Onlinemedien ebenfalls albern ist. ich empfinde das sogar als höchst albern. Aber SN ist gezwungen, ständig neues Material für seinen Blog zu produzieren. Da kann doch eine solche Albernheit wie es nun einmal diese Symbolfotos sind, auch entspannend auf die Leser wirken. Als nichts anderes sehe ich das. Vielleicht sieht man mir aber einfach nach, dass ich Namen nicht immer nur für "Schall und Rauch" halte (huch, jetzt bin ich auch noch gegen Goethe; der Grössenwahnsinn!). Ich finde das eigentlich ein interessantes Thema: Wo ist es PC, wo ist es Ignoranz und Dummheit, wo ist es bewusste Provokation (SBZ), usw.
Und natürlich kann man über die affektgesteuerte Berichterstattung in den Medien über diese Terroranschläge sprechen. In einem Medienblog allemal. Aber dazu bedarf es mehr, als nur ein Bild ins Netz zu stellen.
--
PS: Im Grunde ist die Begründung, etwas albern zu finden, albern. Ich denke dabei an Reich-Ranicki, der in der letzten FASZ die Frage gestellt bekam, wann bzw. woran er merke, dass ein Buch nicht gut ist (sinngemäss). Sinngemäss antwortete Reich-Ranicki: 'Wenn es mich langweilt'. Das ist - in diesem Sinne - Reich-Ranicki Niveau. Ich sehe ein, dass das bequem ist. Aber nicht mehr.