Wohlfeile Empörung

Machen Sie einmal die Probe: Erwähnen Sie auf einer Party, einer Betriebsfeier, am Stammtisch oder einfach nur einmal in der U-Bahn im Gespräch die Namen "Ackermann", "Mehdorn", "Zumwinkel" oder "Schäuble". Wenn Sie sich bis zu diesem Zeitpunkt in einer gewissen konfrontativen Spannung mit Ihrem Gesprächspartner befunden haben, so werden sich sofort die Züge lockern, die Situation wird sich entspannen. Alleine die Nennung eines dieser Namen signalisiert: Wenigstens an dieser Stelle stimmen wir überein. Kein (sogenannter) Karabett-Beitrag kommt inzwischen ohne diesen Effekt aus; früher oder später nennen wir sie doch. Die Lacher sind vorprogrammiert. Unsere Buhmänner (wann startet Guido Knopp diese neue Serie?). Das Publikum scheint ihre Erwähnung sehnsüchtig zu erwarten. Nie war die Katharsis so billig. Das sie nur künstlich ist, spielt doch in der synthetischen Welt, in der wir eh leben, keine Rolle mehr.

Dazu haben die vier in vielen Jahren mit vermutlich grossen Entbehrungen in punkto Redlichkeit und Integrität selber mit allen Kräften beigetragen. Kein Fettnäpfchen haben sie ausgelassen. Den Buhmann-Status muss man sich hart erarbeiten, er fällt einem nicht so einfach zu. Steht man erst einmal auf der Liste, geht es aber ziemlich schnell.

Zugegeben, das Format früherer Buhmänner wie Strauß oder Wehner, haben die heutigen Protagonisten nicht. Dazu fehlt ihnen ein wesentlicher Charakterzug: Den der Konsequenz. Die heutigen Buhmänner sind es auch deshalb, weil ihre Handlungen, mit denen sie ihr Image aufgebaut haben, inkonsistent sind. Daher glaubt man auch ihren Läuterungen nicht mehr. Die modernen Kulturkritiker, die natürlich auch nicht mehr Format der früheren Feuilletonisten besitzen, sondern nur noch weichgespülte Empörungsschreiber sind, ficht das nicht an. Ihre Bleistifte sind allzeit bereit.

Ähnliches gilt natürlich auch für die politischen Journalisten, die mit Innenminister Schäuble gut ausgestattet sind. Schäuble ist von den genannten derjenige mit dem grössten Erregungspotential. Das hat sowohl mit seiner Position zu tun (Innenminister waren in Deutschland nie besonders beliebt), als auch mit der ausserordentlichen Gabe immer dann, wenn Deeskalation im politischen Diskurs angebracht wäre, exakt das Gegenteil zu tun.

Darüber wird gelegentlich vergessen, dass nicht alles, was Schäuble so sagt, falsch sein muss, nur weil es Schäuble gesagt hat. Beziehungsweise: Dass das, was Schäuble feststellt, nicht deshalb falsch sein muss, weil es Schäuble festgestellt hat. Und dass die Lösungen, die Schäuble dann anbietet, oftmals falsch sind, lenkt dann – idealerweise - davon ab, das Problem als solches wenigstens einmal wahrzunehmen.

Ein gutes Beispiel ist Schäubles jüngster Vorschlag, Stimmenthaltungen im Bundesrat nicht als solche zu werten, sondern nur Ja-Stimmen zu Gesetzentwürfen oder Ablehnungen zu werten und danach zu beurteilen, ob das Gesetz angenommen ist oder nicht.

Möglich wäre dies nur mit einer Grundgesetzänderung. Die Empörung in nahezu allen Fraktionen (CDU/CSU halten sich zurück) ist enorm. Frau Künast von den Grünen (sie hatte seinerzeit im Kabinett Schröder dem später vom Bundesverfassungsgericht einkassierten Luftsicherungsgesetz zugestimmt) meint erklären zu müssen, Schäuble hätte die Demokratie nicht verstanden. Die FDP, die in mehreren Länderkoalitionen beteiligt ist, zeigt sich ebenfalls entrüstet.

Zu Stimmenthaltungen im Bundesrat kommt es immer dann, wenn sich – bedingt durch die jeweilige Regierungskonstellation des Bundeslandes – die Koalition nicht auf ein gemeinsames Abstimmungsverhalten im Bundesrat festlegen kann. Für diesen Fall werden in den jeweiligen Koalitionsverträgen Klauseln eingefügt, die eine Enthaltung im Bundesrat vorsehen. Denn im Bundesrat können die für jedes Land vorgesehenen Stimmen nicht aufgeteilt werden. Die Enthaltung wird gewählt, damit die beteiligten Parteien in der Regierungskoalition ihr Gesicht wahren können.

Schäuble nimmt die bröckelnde Zustimmung zu seinem hoch umstrittenen BKA-Gesetz zum Anstoss für diesen Vorschlag. Das ist Schäubles erster Fehler. Hierdurch wird deutlich, dass es ihn gar nicht primär um eine Reform des Bundesrats geht, sondern um sein Gesetz.

Der zweite Fehler ist, dass man eine Blockadesituation beklagt, mit der man selber oft genug politisch agiert hat. Damals wäre niemand auf die Idee gekommen, das Grundgesetz entsprechend zu ändern.

Schäubles höchst unglücklicher Vorstoss ist aber dennoch mehr als nur eine Peinlichkeit. Er zeigt eine grundsätzliche Frage auf: Warum eine Enthaltung, die eine Vereinbarung eines Koalitionsvertrages ist, quasi in den Verfassungsrang heben (wie dies einige Kritiker indirekt suggerieren)? Würden Enthaltungen nämlich nicht mehr zählen, wären die einzelnen Landesregierungen gezwungen, sich zu positionieren – entweder sie stimmen zu oder lehnen ab. Was wäre daran eigentlich so furchtbar?

Wenn speziell die kleinen Parteien (FDP, Grüne, Linke) den Vorstoss Schäubles so vehement ablehnen, haben sie dabei eben gerade nicht nur das demokratische Gemeinwesen im Blick, sondern ihren Status als Mehrheitsbeschaffer in den jeweiligen Koalitionsregierungen in den Ländern. Und die bequeme Position von Landesregierungen, sich aus allen tatsächlich schwierigen Fragen mittels einer schnöden Enthaltung herauszumogeln, wäre nicht mehr möglich. Die Chance, sich auch als Minderheitspartei über eine konkrete Ablehnung im ein oder anderen Fall für den Wähler zu profilieren, sieht man offensichtlich nicht.

Ich glaube nicht, dass eine Verfassungsänderung im Sinne Schäubles möglich ist. Ich glaube auch nicht, dass sie unbedingt wünschenswert ist. Aber die Gründe sind andere, als jetzt in wohlfeiler Empörungsrhetorik suggeriert wird. Es wäre notwendig auch über die Institution Bundesrat neu nachzudenken. Das Festhalten an den angeblich so lange bewährten Strukturen, ist nicht die Lösung sondern Teil des Problems. Aber ich sehe ein, dass es viel einfacher ist, den Buhmann Schäuble wieder abzuwatschen. Das hält so schön vom Nachdenken ab.
Heinz Kamke (Gast) - 2008-11-22 14:13

Ja, aber...

Ihren Ausführungen stimme ich weitestgehend zu. Mit Blick auf das gewählte Beispiel der Abstimmungsregeln bin ich jedoch etwas näher bei Schäuble (schreibe ich das gerade wirklich?) als Sie ("nicht unbedingt wünschenswert"), und hatte aufgrund Ihrer Hinführung auch eher erwartet, dass Sie sich gegen das "Herausmogeln" der Landesregierungen aussprechen würden.

Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich aktuell wohl für ein Ausblenden der Enthaltungen im Abstimmungsergebnis stimmen; gleichzeitig muss ich jedoch einräumen, nicht ausreichend überschauen zu können, ob der Wegfall der Option "Enthaltung" die kleinen Parteien auf mittlere Sicht in einem Maß schwächen würde, das schädlich für unser Land wäre.

Ganz offensichtlich fällt mir die Argumentation schwer, möglicherweise würde ich gar "kippen". Dass diese Diskussion jedoch gar nicht inhaltlich geführt wird, ist bedauerlich. Herr Schäuble hat mit seinem plumpen Vorstoß vermutlich dazu beigetragen, dass sie auch auf Sicht nicht geführt werden kann. Jetzt ist er also auch bei mir der Buhmann.

Gregor Keuschnig - 2008-11-23 16:50

"Nicht unbedingt wünschenswert"

... aus zwei Gründen:

1. Es sähe so aus, als würde man die Spielregeln mitten im Spiel ändern, weil man nicht gewinnen kann.

2. Der wichtigere Grund: Eine Stimmenthaltung ist eben auch eine Aussage, die aber letztlich anders zu bewerten ist als eine Ablehnung. Würde man Stimmenthaltungen wegfallen lassen, hätte dies eventuell auch für den Bundestag Auswirkungen (ich bin natürlich kein Verfassungsrechtler, um sagen zu können, welche). Es kann ja durchaus Gründe dafür geben, sich einer Gesetzesvorlage der Stimme zu enthalten.

Was Schäuble unterbinden will ist, dass diese Enthaltung quasi institutionalisiert wird und ein gewisser Automatismus entsteht. Wie ich weiter unten im Kommentar ausführe, hätte die FDP im Januar (nach der Hessenwahl und vorausgesetzt, sie käme mit an die Regierung in Hessen) 29 Stimmen (von 69) "Sperrpotential". Dieses Potential entspricht allerdings in keinem Fall ihrer Repräsentation im Volk. Die liegt bei im Schnitt maximal 10% - im Bundesrat "kontrollierte" sie dann 42%!

Eine Möglichkeit bestünde evtl. darin, die Bundesratsstimmen aufzusplitten.
Köppnick - 2008-11-23 17:12

Es ist egal ob die FDP 10% oder 42% kontrolliert, *das Volk* hat sowieso zu vielen Fragen eine ganz andere Meinung als die von ihm gewählten Abgeordneten. Ich vermute, dass das BKA-Gesetz bei einer Volksabstimmung durchfiele, genauso ein Erbschaftssteuergesetz, bei dem es ja nicht nur um die ständig beklagten Familienbetriebe geht, sondern auch um sehr große Vermögen, die ziemlich glimpflich durchgehen. Und gar nicht zu reden von den Kriegseinsätzen der Bundeswehr. Die sind nun gar nicht mehrheitsfähig, die Erhöhungen der Soldatenzahlen und frisches Geld werden aber regelmäßig im Parlament durchgewunken.
Gregor Keuschnig - 2008-11-23 17:28

@Köppnick

Ahh, das ist mir viel zu einfach. 'Das Volk hat sowieso einen andere Meinung' - ja, klar. Wer sagt denn, dass die besser ist? Und wenn wir "das Volk" fragen, ob es lieber die Todesstrafe für Pädophile haben will oder Günther Jauch als Bundespräsident oder ob wir jedem einen Daimler schenken sollen oder gleich ein Grundeinkommen von 5000 Euro - dann machen wir das auch alle. Prima. Frag "das Volk" mal nach dem ersten Terroranschlag auf deutschem Boden, was die dann vom BKA-Gesetz halten. Ich habe diese hysterischen Stimmen vom "Deutschen Herbst" noch im Kopf: "Auf der Flucht erschiessen..." sagte einer da in die Kamera auf die Frage, ob man die Gefangenen zu Gunsten von Schleyer freilassen soll.

Mir macht ein linkisch-machiavellistischer Westerwelle, der die Ampelkoalition in Hessen verhindert hat, genau so viel Angst wie das entfesselte "Volk", welches sein Windchen nach der "Bild"-Zeitung richtet.

Demokratie zeigt sich nicht nur darin, virtuelle oder tatsächliche Volksabstimmungen zu machen, und danach seine Politk auszurichten.
Köppnick - 2008-11-23 21:18

Da haben wir gar keinen Dissens. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass die Prozentrechnungen auch nicht das Gelbe vom Ei sind. Es geht einfach um Macht, und hier versucht jeder, das Maximum seiner Vorstellungen durchzusetzen. Das gilt für Parteien genauso wie für das stimmungsabhängige und manipulierbare Volk. Dir fällt es jetzt bei der FDP nur besonders auf. (Die ist übrigens für mich die einzige völlig unwählbare Partei. Im Extremfall würde ich eher für die CDU als für die Liberalen stimmen.)

Aber dennoch bin ich dafür, mehr Mitbestimmung von den Parteien an das Volk rückzuübertragen. Die ersten Abstimmungen mögen noch mächtig daneben gehen, aber ich glaube an und hoffe auf Lernprozesse - wenn die Mehrheiten im Volk begreifen, an welchem langen Hebel sie jetzt sitzen und welche Verantwortung sie auf einmal tragen.
en-passant (Gast) - 2008-11-22 15:52

Obwohl ich immer weniger Sympathien aufbringe für diese Landesfürsterei, die unbedingt mitreden will und auch immer gleich nach Ausgleich schreit oder darum schachert, ist es doch innerhalb der Logik dann auch der Beteiligung der „Splitterparteien“, dass sie im Porporz ihr Propörzchen auch gewahrt sehen wollen – und das muss sich ja in solchen Entscheidungen an Nicht-Entscheidbarkeit auf Landesregierungsebene auch spiegeln.

Die eigentlich zentrale Frage ist bei allen Sachentscheidungen aber doch allzu oft die Machtfrage. Und das ist ebenfalls wieder logisch innerhalb eines Systems, das so angelegt ist, dass um alles gerungen werden muss. Die Gutsherrenart Schäubles und der Partei, deren Streitposition er nicht nur vertritt sondern leider auch allzu oft formuliert, ist selber schon darin angelegt.

Bedenklich ist vielleicht nur, dass immer mehr solcher Entscheidungen in einer Logik ganz anderer Aspekte und Bedenklichkeiten verlaufen und teils sicher auch bewusst dahin vorangetrieben werden („verschieben wir’s in einen Fachausschuss“), und oft kaum jemand außer dem professioneller geneigten Publikum weiß, worum es eigentlich geht. Oder ist das Anzeichen nur für die wachsende Komplexität der Zustände, die dann durch Personen, die für markante Positionen stehen, geregelt werden soll? Insofern wäre mit der Landesfürsterei der „Personenkult“ selber dann selber zu bekämpfen. (Die dringlichste Frage bei Ministerwechsel: Wer wird es werden?).

„Italienische Zustände“ aber, wie manchmal gefordert als Weg zu größerer Verteilung auch partiellerer Beteiligung, bringen nur mehr Verschleierung. Man müsste also schon im Sinne der Kompetenz der Letztentscheider („Volk“) für Vereinfachungen sein. Den Problemen wird man vielleicht eh nicht mehr gerecht. Und manchmal haben dann eben auch die bewährten Institutionen mit daran Schuld.

 

Köppnick - 2008-11-22 17:57

Dass die Herren immer abgewatscht werden, liegt darin, dass sie stellvertretend für ein Schicksal stehen, an dem der Einzelne nichts ändern kann oder das wenigstens so empfindet. Zugleich liegt in ihren Funktionen aber auch das Versprechen, etwas für ihre Gläubigen zu tun. Früher war das doch auch so, dass der Schamane leiden musste, wenn seine Prophezeiungen und seine Regentänze nicht stimmten bzw. nicht fruchteten. Menschen brauchen immer Götter, vor denen sie sich gern fürchten, aber die sie nicht zu häufig enttäuschen dürfen.

Zu Schäubles Vorschlag: Die einzelnen Machtinstrumente sind gegeneinander austariert, man kann nicht eines ändern, ohne dass es einen Einfluss auf vieles andere hätte. Im betreffenden Fall: Man kann dann in Koalitionsverträge auch hineinschreiben, dass man *gegen* ein Gesetz stimmen *muss*, wenn einer der beiden Partner das so will. Dann haben wir den Ypsilanti-Effekt eben häufiger. Oder aber bestimmte Koalitionen werden per se unmöglich, weil ein gesichtswahrender Kompromiss per Gesetz ausgeschlossen wurde.

Entgegen Schäubles Meinung nützt die jetzige Regelung beiden Seiten: Es ermöglicht die Trennung von Landes- und Bundespolitik und es erzwingt die Konsenssuche zwischen Bund, Ländern und Parteien.

Gregor Keuschnig - 2008-11-22 21:22

@Heinz Kamke, en-passant und Köppnick - kleine Parteien

Sehr interessanter Artikel in der neuen ZEIT von Brigitte Fehrle. Sie schreibt:

Nicht zuletzt wird der Bundesrat, sonst eine der berechenbarsten Institutionen in der Großen Koalition, zur Quelle des politischen Chaos. Schuld daran ist die FDP. Oder die CSU? Egal. Beide. Jedenfalls haben CSU und CDU vor einigen Wochen einen Kompromiss zur Erbschaftsteuer gefunden, den sie dann mühsam und in langen Nachtsitzungen der SPD beigebracht haben.

Doch kaum war Einigkeit erzielt, hat der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag Peter Ramsauer »Halt!« gerufen. Neue Forderungen tauchten auf, neue Schwierigkeiten. Was war passiert? Die CSU hatte auf einmal gemerkt, dass sie in Bayern neuerdings einen Koalitionspartner hat. Die FDP. Und die war mit der Regelung nicht einverstanden, weil sie eine Benachteiligung der Familienbetriebe gegenüber Kapitalgesellschaften vermutete. Nun möchte die FDP am liebsten jede Form der Erbschaftsteuer abgeschafft sehen, deshalb drohte hier, was in Koalitionen bei unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten zwischen den Partnern üblich ist: Der Ministerpräsident sollte sich im Bundesrat der Stimme enthalten.

Kurze Zeit schienen die CSU-Granden die Hoffnung zu haben, die Freien Demokraten könnten dem neuen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und der CSU-Bundestagsgruppe in Berlin die Blamage wochenlanger vergeblicher Verhandlungen ersparen. Aber da schätzten sie die FDP falsch ein. Bayern ist für Parteichef Westerwelle und die Liberalen der vorletzte Schritt – den letzten wollen sie im Januar in Hessen machen – auf dem Weg in die Bundesregierung. Für Kompromisse zugunsten der CSU ist da kein Platz.


Was Fehrle anspricht, ist folgendes: Aktuell haben die Länder, in denen die FDP mitregiert 24 Stimmen (von 69): NRW, Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg. Käme jetzt bei der Neuwahl im Januar noch Hessen dazu, wären es 29. Die Länder, in denen es SPD oder CDU-Alleinregierungen oder SPD/CDU-Regierungen gibt kämen dann auf 31. Die Mehrheit wäre (35) dahin. Im Moment gibt es noch genau diese Mehrheit noch. Das Zeitfenster ist vermutlich allerdings knapp.

In Beschlüssen, die der FDP nicht passen, kann sie ab Januar vermutlich fast alleine den Bundesrat blockieren. In den Punkten, wo sie sich mit Grünen und Linkspartei einig ist (das sind mehr, als man denkt), ist praktisch Stillstand.

Wenn man weiss, wie in der Vergangenheit solch ein Geschacher funktionierte (mit endlos-labberigen Vermittlungskompromissen, die mehr auf das Gesicht-wahren Wert legten als auf die Sache selber), kann einem das schon nicht gefallen.

Wie gesagt: Die mit FDP versehenen Landesregierungen könnten sich - wenn Schäubles Idee Gesetz würde - auch einfach dazu entschliessen, dagegen zu stimmen. Das wäre aber nicht im Sinne der grösseren Partei. Der Konflikt würde dann aber nicht im Bundesrat ausgetragen (Vermittlungsausschuss), sondern in der jeweiligen Landesregierung.

Forsch (Gast) - 2008-11-25 11:16

Stimmt! - Und doch nicht ...

Natürlich hast Du Recht: der Bundesrat ist eine Institution deren Sinn in den Tiefen des Föderalismus (fast) untergegangen ist. Nur ist die Frage nach dem "Demokratieverständnis" schon richtig, denn eine Änderung des Grundgesetzes ist nicht eine Frage von Eitelkeiten eines innenmenisters, dessen Gesetzentwurf scheitert, sondern ein gesellschaftlicher Konsenzprozess, der ganz andere demokratische Wege gehen muss. - Da liegt die Lächerlichkeit des Herrn Sch.

Gregor Keuschnig - 2008-11-25 11:20

Welche Wege...

muss denn der Konsensprozess gehen?

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