mikerol69 - 2008-10-06 02:41

Hiermit einige meiner Gedanken zu disser schönen Leistung vom Keuschnig

hiermit mein sontags kommentar, Lieber Lothar "Keuschnig"

Dem stimme ich im allgemeinen zu, dass das Slowenische bei Peter Handke mehr als nur eine Beschäftigung mit seinen Ahnen ist, irgenwie musste dieser verblüffend primitive jahrelange Deutschen [selbst] Hass ja eine Gegengegend haben. Ich erinnere ich mich wie kurz nach dem ich das „Neunte Land“ vor ungefähr 15 Jahren las, dann in der mir verhassten „Travel Section“ der New York Times zwei Slovenische Doktoranden als Barkeeps in einer Slovenischem Restaurant deutsche Mercedes Besucher grinsend oder mit Grinsen bedienten! Es liegt schon viel konkretes in diesem Traumland im Vergleich zu dem eher nebulösen – ans Glasperlenspiel erinnernden Friedenzelt im DEL GREDOS.

Handke gerät, glaub ich schon lange, aber in einen Konflikt mit seiner grossen tiefschürfenden Slovenishen Identitäts Findung Erarbeitung in DER WIEDER-HOLUNG und dem Stammesfrieden das ein vereinigtes Yugslavien für ihn bedeutet, besonders dadurch da Yugoslavien auch Sozialismus bedeutet, Herderische Impulse stossen da auf etwas gesellschaftliches, und dem grossen Wunsch, der Suche, dieses der Unfriedlichkeit als Kind ausgesetzten, nach Frieden... was in einer gewissen Komik ausartet wenn Sorge in der LANGSAMEN HEIMKEHR versucht friedenstiftende Formen in geologischen Formationen zu finden. Sehr viel dieses Landschaften beschreiben hängt auch damit zu sammen, und die Vorliebe für Dichter wie Hermann Lenz und Stifter. Was Titos Yugoslavien betrifft, sollte man ja nicht vergessen was für ein artificielles, von Amerikanischen Geld unterstützes Gebilde es war – und wie wenig dazu gehörte es in den Untergang und Stammeskämpfe zu treiben, die Deutsche [Gentschers] Anerkennung von Kroatien, einem Ustasha Nachfolge Regierung garantierte doch das wieder Ausbrechen der Nachkriegs Kämpfe?? Mehr als Andeutungen dazu finded man in Handkes grossen EINBAUM Stück, in dem auch viel Brecht und Kipphardt stecken.

Man sollte wahrscheinlich mal überlegend sich einfühlen in einen solchen verstörten wütenden Burschen wie der höchst talentierte Handke einer gewesen ist zur Kindheit [siehe die hundert Mucken die ihn auf Wut brachten - Versuch über die Müdigkeit und WUNSCHLOSES UNGLUECK]... und sich vorstellen, dass er allein sich auf Wanderschaft machte nach dem Abitur - und DIE WIEDERHOLUNG wo er genau das tut – immer noch auf aber spirituelle Suche nach den toten heroischen Onkeln [wie ja auch in DIE HORNISSSEN, seinem ersten Buch auf der Insel Krk 1965 geschrieben... also das träumende Suchen, auch in die Musik weg, wie in dem Versuch über die Jukebox. Also erstmals physisch weg weg von den bis auf den Grossvater/Mutter Sivec miserablen Verhältnissen, auch der Armut... für mich ist DIE WIEDERHOLUNG besonders wichtig weil ich das Buch zu einer Zeit las da ich Zeit hatte mich seinem „King of Slowness“ Syntax zu überlassen... also sehr gesund fand ich das in den staubigen Pfäden im Chapparal der St. Monica Montanas ausserhalb von Los Angeles.

Was „Platz“ Anweisung der Erinnerung betrifft, verwundert mich so ein Wunsch, oder Notwendigkeit. Also, dass Handke kein „Recherche du Temp perdu“ will, und Proust scheinbar auch nicht besonders leiden mag, geht mir schon auf: aber warum, frage ich mich, diese e w i g e Wieder-Holung, immer wieder???? Liegt es an einer Traumata, die im Grunde genommen, immer noch dazwischen steht?

Was der Handke den Kobal über Erinnerung sagen lässt und die verschiedenen Kommentare dazu, das stimmt schon alles: aber bei dem Verständniss des Erinnerten hapert es, und Erinnernung ist keine Garantie das sie stimmt oder einigermassen volkommen ist, oder das das wichtigste, oft das schmerzhafteste nicht unerinnert bleibt. „Ich scheib aus meiner Wunde“ lässt Handke seinen zerfetzten Parzifal in „Der Kunst desFragens“ sagen: immer wieder Erinnern – Erinnerung als Versuch der Ueberwindung des Trauma [der Traumata] bis jetzt noch nicht ganz gelungen, und als Surrogat für Alle traumatisierten, die Rolle des Künstlers, auf komischem Umweg, beinah verschrobener Art. Im HAUSIERER tat er das auf andere Weise auch.

Ich weiss nicht ob Handke das Slowenische kannte als er und seine Mutter 1944 nach Berlin gingen, aber als er nach Griffen zurück in 1948 berlinerte er ... das Slowenisch hat er erst richtig gelernt um Die Wiederholung schreiben zu könne, eignes Wörterbuch gemacht und so und sich die Literature einverleibt und daraus übersetzt. Hafner hat schon recht mit der Begründung von Handke’s Ablehnung vom Dialekthaften, darüber hab ich mich auch mal mit dem Handke Freund Skwara – dem „don Juan der mit der selben Frau“ in der Niemandsbucht auftaucht, unterhalten. Das war wirklich ein keuscheartiges Gebäude in dem er diese Jahre verbrachte. Beim Haslinger gibts ein Bild davon.... aber wenn man sich von früh an in die Bücher verkriecht ist das mindestens weniger schlimm???

Ich weiss schon, dass die Briefe des Bruder’s der Mutter ein Art Familien Heiligtum [heirloom] für Handke waren, ich hatte immer das Gefühl“ , dass der gefallene Bruder [Brüder] doch Partisanen gewesen seien??? oder vielleicht verwechsle ich jetz Handke’s eigenen Wunschtraum mit der blöden Wirklichkeit.

Das wandern, phantasieren sich beruhigen spielen ja eine grosse Rolle auch in anderen Büchern, z.b. Del Gredos ist ein beinah reines Wander and Reise Buch. Auch zu betonen ist, dass Handke in seinen Romanen, Prosa und Gedichten, nur über sich selbst, eigene Erlebnisse schreibt, projiziert, in dem er Figuren wie, z.b. die Bankierin von Del Gredos, den Sorger von Heimkehr oder den geistesgestörten Josef Bloch als „personae“ für seinen eigenen Geisteszustand , abgrenzende Filter PHANTASIERT!! sich frei phantasieren heisst es ja immer wieder, also kein Selbsverständniss, kein psychologische Kategorisierung oder Analyse sondern Versuch aus dem Ich auszubrechen und Kontakt aufzunehmen, warum sonst, was sich doch interressanterweise viel mehr entwickelt als dieser zeitweise sehr unglückliche Autor, nämlich seine unübertreffliche Technik sich, sein Ich, sprachlich darzustellen... das interressiert mich mehr – die Geisteszustände - als das autobiographische das ich bis zu den psychoanalytischen Abgründen erforscht; bei den Dramen, den frühen sowie den späteren ist das anders; da breitet, verfächert sich die konkretiesierende Phantasie! Die Stücke also überleben dann vielleicht noch eher??? Wie gesagt, ich mach mir gerade viel Gedanken, wieder, um all dieses, an Hand einer längeren Summa über die ganze Prosa an Hand einer Riesen Rezension und Kommentar über den Del Gredos Roman ... ist schon irgend so ein Meisterwerk mit einigen Schwächen was wohl zu erwarten ist in einem Werk von 350 tausend Wörtern. Es lohnt sich aber wirklich besonder durch was Lothar „Sperrigkeiten“ nennt durchzulesen, langsam; einige Teile sind auch nur „geschrieben“ so wie ein Profi gewieft es auch kann und vieleicht muss um so ein Riesenwerk zusammenzubasteln dass auf lange Strecken hin von spektakulären Intensität ist, sagt derjenige der so was gern hat, und in dritten Kapitel so vielleicht die besten fünf tausend Worte enthält die in der westlichen Literatur irgendjemand je geschrieben, ich meine die Beschreibung der Vernichtung die der Tormento Tropical in Nordfrankreich, im Foret de Chaville in den frühen Jahren des neuen Jahrhunderts hinterlassen hat.


Ich stimme Lothar zu:
Die Suche bleibt zwar faktisch erfolglos und Kobal kehrt am Ende wieder zurück zu Familie, aber diese Reise, die eine Reise zu sich selbst ist ("Die Wiederholung" ist ein klassischer Entwicklungsroman) hat den Protagonisten verwandelt, denn in den epiphanischen Erscheinungen, erzeugt durch Aufgehen in der Landschaft, ist er sehr wohl seinem Bruder begegnet. Denn Filip Kobal hat es mit dem Schein! Dabei ist Schein als Abglanz fremden Erlebens, nicht mit Täuschung zu verwechseln. "Wiederholung" bedeutet bei Handke auch immer "Verwandlung" (eine Tatsache, die Hafner ein bisschen vernachlässigt). Und am Ende beginnt Filip auch über das Erzählen zu erzählen; ein weiteres, häufiges (und wichtiges! aber wie M.R.) Motiv bei Handke, was Hafner (fast naturgemäss) vernachlässigt. Und die einst zerstrittene Familie ist plötzlich miteinander versöhnt.“ Versöhnlich ist Handke aber kaum selbst.


Auch in diesem stimmer Lothar und ich überein: „
Dabei war immer schon klar: Handke vertraut explizit nicht der gängigen Geschichtsschreibung, die für ihn im Dienst der Gegenwart steht. Das Grundmisstrauen den vermittelnden Instanzen gegenüber, gegen das Vorausgewusste sitzt tief. Handkes Ideal von Überlieferung, die Anschauung, der Augenschein, "verfechtet" ein induktives Verfahren: Und Nahsicht und Weitsicht haben dabei in eins zu gehen: Weitsicht wird erst, wenn Nahsicht wird: Die Sierra fern nur durch das Weggras nah.. Poetische Evidenz wohnt nur dem Bild inne nicht die Faktengenauigkeit. Nur die Anschauung führt zur Wiederholung.“ T’ja entweder glaubt man an Jesus hier oder an Fakten, ich selbst guck da in ein Gehign MIR und seh da was damit ausgeschaletd wird!

Auch dies finde ich wichtig: „
Das Wiederholen wird als Gegenmaßnahme gegen die Abwesenheit zum Mittel der Vergegenwärtigung, ist dadurch unterschieden vom Erinnern, das die Vergangenheit in der Vergangenheit belässt. Der Moment der Epiphanie zeichnet sich aus durch ein alles andere verdrängendes Hier und Jetzt. Gekonnt verknüpft Hafner das Wiederholungs- mit dem Abwesenheitsmotiv. Die Abwesenden werden zu Sehnsuchtsobjekten, wie man exemplarisch in "Die Abwesenheit" sehen kann. Ein Greis, ein Spieler, ein Soldat und eine Schöne machen sich jeder für sich auf, finden aber schnell, wie zufällig, zueinander. Doch erst nachdem der Alte…verschwindet, wissen die verbliebenen drei, wo es langgeht. Das gesuchte Andere – ihr erklärtes Ziel – offenbart sich erst…durch diese Abwesenheit. Nach der Unsicherheit, gar Angst, erfolgt das Zerwürfnis. Schliesslich aber kommen die drei zum Erzählen und Jeder der drei legte schließlich dem anderen den Arm um die Schultern. Und für eine kleine Weile saßen wir da und ließen uns einfach sehen. (Ein ähnliches Arrangement, ausgefeilter und verspielter, im 1989 entstandenen Theaterstück "Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land"). Am Ende die Versöhnung - womit der Bogen zur "Wiederholung" wieder geschlagen ist (und die Verwandlung eingetreten ist).“

Was für mich sehr wichtig ist im Verständniss von Handke’s Liebe eines vereinigten Jugoslavien, dass dies auf der Wahl des Grossvater’s Sivec für die erste Union in 1921 basiert [Slovenien war eigenständiger Staat von 1919 bis 1921!] und für Sivec so etwas wie eine Kontinuität des K.U.K. bedeutet, das friedliche Zusammenleben von Verschiedenen, auch der Grossvater schon Phantast! Deswegen halte ich den lieben Handke auch für einen heimlichen Anhänger solcher Wünsche!

Gregor Keuschnig - 2008-10-06 12:56

Viel Zustimmung meinerseits (und Dank)

Versöhnlich ist Handke aber kaum selbst.
Vielleicht daher diese permanenten Wieder-Holungen, die Sie bemerken?

Mir kommt die Verfilmung von Bölls "Billard um halbzehn" von Huillet/Straub in den Sinn (die Filmemacher mochte Handke): Sie hieß "Nicht versöhnt". Auch in Bölls Roman, den Handke, glaube ich, "betulich" nannte (Bücher von Böll mag Handke vermutlich nicht ob ihres politischen Realismus, geht es um "Erinnerungen" in einer Familie, um "Wieder-Holungen", die letztlich nicht zum Versöhnen führen. Seine Bücher sind immer das Gegenteil, nein: ihre Protagonisten versuchen die Versöhnung.

Was wird bleiben fragen Sie? In jedem Fall die Journale, besonders "Die Geschichte des Bleistifts" und "Gestern Unterwegs". Bei den Romanen "Die Wiederholung", aber auch "Langsame Heimkehr", das sperrige Epos "Der Bildverlust" und die "Morawische Nacht" werden Handke "über-dauern"; viel eher als seine Stücke (hiervon dann wirklich nur "Das Spiel vom Fragen" – aber das ist wirklich ein grandioses Drama). Als Geheimtip noch die Versuche, besonders "Versuch über den geglückten Tag". Ach ja, und hoffentlich "Noch einmal für Thukydides".

Alles in allem schreibt Handke zwar von sich selber, aber seine "Wirkung" geht darüber hinaus: Das sind Entwicklungs-, ja Bildungsromane. Bildungsromane auch, weil sie den Leser "bilden" ("bildsam" heisst das bei Stifter, einem seiner Vor-bilder).

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

PERSONEN- UND SACHVERZEICHNIS

HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.

Kontakt

Kommentare hier...

Schau dir mal an, wer...
Schau dir mal an, wer in Deutschland keine Gewerbesteuer...
Peter42 - 2009-12-23 10:31
@Peter42 / Feindbilder
Es ist immer wieder interessant, auf Spiegel-Artikel...
Gregor Keuschnig - 2009-12-23 08:26
Falls du dies noch nicht...
Falls du dies noch nicht gelesen hast, glaubst du vielleicht...
Peter42 - 2009-12-22 20:59
@steppenhund
Es gibt Programme, da gibst Du nur mehr Personen, Hauptsujet...
Gregor Keuschnig - 2009-12-21 19:34
@Dietmar Hillebrandt
Ich bin nicht beleidigt. Was ich aber nicht mag, ist,...
Gregor Keuschnig - 2009-12-21 12:08

...anderswo

@Peter42 / Feindbilder
Es ist immer wieder interessant, auf Spiegel-Artikel...
begleitschreiben - 2009-12-23 08:26
@steppenhund
Es gibt Programme, da gibst Du nur mehr Personen, Hauptsujet...
begleitschreiben - 2009-12-21 19:34
@Dietmar Hillebrandt
Ich bin nicht beleidigt. Was ich aber nicht mag, ist,...
begleitschreiben - 2009-12-21 12:08

Such!

 

Grundsätzliches

Das Copyright der Texte liegt bei demjenigen, der mit dem Pseudonym hier als Gregor Keuschnig zeichnet. Verwendungen/Links mit Quellenangabe und Unterrichtung per Mail gestattet. Kommerzielle Verwertung ohne Kenntnis des Verfassers ist ausdrücklich untersagt und wird zur Anzeige gebracht. Kommentare, die ausschliesslich kommerziellen Zwecken (Suchmaschinenoptimierung und/oder Linkweiterleitungen) dienen, werden gelöscht. Disclaimer: Für Verlinkungen von diesem Blog auf andere Webseiten wird keine Verantwortung oder gar Haftung übernommen (Einzelheiten siehe unterlegten Link).

DIV. 1

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma

sorua enabled
xml version of this page
xml version of this page (summary)

twoday.net AGB

kostenlose counter

DIV. 2

kostenloser Counter


Blog Top Liste - by TopBlogs.de
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de