Der andere Fokus der ARD - Objektivität adé
Wie so oft wollte man sich im tagesschau-Blog ein bisschen selber feiern. Thomas Roth schilderte seine Mühen um das Interview mit Wladimir Putin. Als Sensation angepriesen (als einzigem europäischen Sender ein Interview gewährt), wurde am Freitag das Programm noch ergänzt. Von 23.30 Uhr an wurden zehn Minuten ausgestrahlt. Roth schreibt aber im Blogbeitrag, dass das Interview 60 Minuten dauerte. Wo war denn aber eigentlich der Rest?
Auf dem tagesschau-Blog trat nun – trotz des Wochenendes - eine Dynamik ein, die wohl die Redaktion überraschte. Im russischen Fernsehen war das Interview nämlich entweder ganz oder mindestens in einer Fassung von rund 27 Minuten zu sehen. Und im Laufe der Zeit verdichtete sich der Verdacht, dass die Kürzungen, die in der ARD vorgenommen wurden, den Tenor des Gespräches stark entstellt wiedergaben. Alle Passagen, in denen Putin (und auch Roth) auf die Fehler der georgischen Machthaber eingingen, fielen der Schere zum Opfer. Und auch Putins Ausführungen über die Verstrickungen der USA in den Konflikt, wie er sie beurteilt, wurden nicht gesendet.
Der Gipfel der Unverschämtheit war dann jedoch der Einwurf eines "Moderators" heute Nachmittag:
Aber was bedeutet denn "anderer Fokus"? Das bedeutet nichts anderes, als dass die ARD-Redaktion Aussagen von Interviews nach gewissen Meinungen aussiebt und Unliebsames nicht sendet. Man kann das Zensur nennen, es ist aber mindestens und eindeutig Meinungsmanipulation. Es ist das Gleiche, was man in unsäglichen Brandreden den ach so undemokratischen Chinesen anlässlich der Olympischen Spiele vorgeworfen hat: Man lässt nur die Meinung an die Öffentlichkeit, die einem passt.
Die bräsige und unbotmässige Arroganz dieses "Moderators" ist inakzeptabel für ein öffentlich-rechtliches Medium. Wie in einigen Kommentaren anklingt, könnte zumindest einige Tage nach dem Interview eine Aufarbeitung stattfinden und das gesamte Interview nun gesendet werden. Hierzu schweigt man. Das mindeste wäre es, die im Netz kursierende Version des vollständigen Interviews zu autorisieren oder eben zu korrigieren. Auch hierzu: Kein Wort.
Das ganze Vorgehen ist jedoch eine Katastrophe für den objektiven Journalismus, der eindeutig zu Gunsten einer Parteinahme verlassen wurde. Die ARD sorgt mit diesem unprofessionellen und stümperhaften Verhalten nicht nur dafür, dass krude Verschwörungstheorien immer wieder neue Nahrung erhalten, sondern erschüttert auch nachdrücklich die Informationskompetenz eines öffentlich-rechtlichen Senders. Aber das Schlimmste dabei ist: Man ist sich dessen noch nicht einmal bewusst und glaubt auch noch, alles richtig gemacht zu haben.
PS: Ach ja, noch ein positiver Aspekt: Im tagesschau-blog wurden immerhin die relevanten Links durch die Leser stehengelassen. Immerhin. Aber das ist ein bisschen wenig.
Auf dem tagesschau-Blog trat nun – trotz des Wochenendes - eine Dynamik ein, die wohl die Redaktion überraschte. Im russischen Fernsehen war das Interview nämlich entweder ganz oder mindestens in einer Fassung von rund 27 Minuten zu sehen. Und im Laufe der Zeit verdichtete sich der Verdacht, dass die Kürzungen, die in der ARD vorgenommen wurden, den Tenor des Gespräches stark entstellt wiedergaben. Alle Passagen, in denen Putin (und auch Roth) auf die Fehler der georgischen Machthaber eingingen, fielen der Schere zum Opfer. Und auch Putins Ausführungen über die Verstrickungen der USA in den Konflikt, wie er sie beurteilt, wurden nicht gesendet.
Der Gipfel der Unverschämtheit war dann jedoch der Einwurf eines "Moderators" heute Nachmittag:
Anmerkung zum „Zensur“-Vorwurf: Das Interview mit Wladimir Putin wurde vom ersten und zweiten Kanal des russischen Fernsehens sowie vom Auslandskanal „Russia Today“ mitgedreht. Die russischen Kollegen haben ebenfalls Auszüge des insgesamt einstündigen Interviews veröffentlicht. Diese finden sich jetzt im Internet, unter anderem bei YouTube.Na, da bin ich ja beruhigt. Deshalb zahle ich Rundfunkgebühren, damit ich mir auf youtube das komplette Interview ansehen kann (was dann in russisch ist mit teilweise englischen Untertiteln).
Die Kollegen in Russland haben - zum Teil - einen anderen Fokus als die ARD gewählt. Dies ist das Ergebnis eines normalen und notwendigen journalistischen Auswahlprozesses und hat – mit einer von welchen Stelle auch immer verordneten – Zensur nichts zu tun.
Aber was bedeutet denn "anderer Fokus"? Das bedeutet nichts anderes, als dass die ARD-Redaktion Aussagen von Interviews nach gewissen Meinungen aussiebt und Unliebsames nicht sendet. Man kann das Zensur nennen, es ist aber mindestens und eindeutig Meinungsmanipulation. Es ist das Gleiche, was man in unsäglichen Brandreden den ach so undemokratischen Chinesen anlässlich der Olympischen Spiele vorgeworfen hat: Man lässt nur die Meinung an die Öffentlichkeit, die einem passt.
Die bräsige und unbotmässige Arroganz dieses "Moderators" ist inakzeptabel für ein öffentlich-rechtliches Medium. Wie in einigen Kommentaren anklingt, könnte zumindest einige Tage nach dem Interview eine Aufarbeitung stattfinden und das gesamte Interview nun gesendet werden. Hierzu schweigt man. Das mindeste wäre es, die im Netz kursierende Version des vollständigen Interviews zu autorisieren oder eben zu korrigieren. Auch hierzu: Kein Wort.
Das ganze Vorgehen ist jedoch eine Katastrophe für den objektiven Journalismus, der eindeutig zu Gunsten einer Parteinahme verlassen wurde. Die ARD sorgt mit diesem unprofessionellen und stümperhaften Verhalten nicht nur dafür, dass krude Verschwörungstheorien immer wieder neue Nahrung erhalten, sondern erschüttert auch nachdrücklich die Informationskompetenz eines öffentlich-rechtlichen Senders. Aber das Schlimmste dabei ist: Man ist sich dessen noch nicht einmal bewusst und glaubt auch noch, alles richtig gemacht zu haben.
PS: Ach ja, noch ein positiver Aspekt: Im tagesschau-blog wurden immerhin die relevanten Links durch die Leser stehengelassen. Immerhin. Aber das ist ein bisschen wenig.
Gregor Keuschnig - 2008-08-31 17:10

