Notizen aus der Provinz
In Düsseldorf ist Wahlkampf. Nicht, dass das Interesse der Bevölkerung riesig wäre. Schliesslich sind noch Sommerferien und die Oberbürgermeisterwahl erst am 31. August. Nach und nach beginnt man sich vielleicht über die komischen Plakate zu wundern, die Leute zeigen, die man noch nie gesehen hat. Und den Brief mit der Wahlbenachrichtigung hat man erst seit ein paar Tagen.
Leider scheint die These, dass Alliterationen als eher komisch und karikierend betrachtet werden, bei den Wahlkämpfern von SPD und den Grünen nicht bekannt zu sein.
Zumal, wenn die Werbeagentur, die für den Wahlkampf verantwortlich zeichnet, selber einen Namen wie "Kreativ Konzept" trägt. Was kann man da schon anders erwarten: "Kortmann kommt!" heisst es dort (SPD und Grüne haben eine gemeinsame Kandidatin; die Grünen plakatieren allerdings dezenter ohne das Portraitbild). Die Dame heisst auch noch Karin Kortmann – man hätte auch "Karin Kortmann kommt" plakatieren können. Aber: Wo kommt sie denn? Wo kommt sie her? Ist das eine Drohung oder eine Verheissung des Messias – in Form einer weiblichen Variante? Und: Hat sie überhaupt einen Parkplatz?
Auch der Kandidat der "Freien Wähler" Klaus Kirchner wirbt mit einem kernigen Spruch "Stark und Sozial" heisst es da, und: "Kirchner kann's". Auch hier scheinen sich die Ambivalenzen der Alliteration noch nicht herumgesprochen zu haben.
Mit all dem hat der Kandidat der CDU nichts zu tun. Nicht nur, dass Dirk Elbers nahezu umfassende Hilfe der "Rheinischen Post" erhält (der mit Abstand grössten Lokalzeitung in Düsseldorf), die alleine schon die Einweihung eines "Wahlkampfbüros" als gesellschaftliches Ereignis bejubelt.
Unverblümte Wahlkampfhilfe für den "Hausmeister Dirk" kommt auch von Wolfgang Osinski, Kommunikationsberater und Betreiber des ominösen "Düsseldorf-blog" (mit einer stattlichen Kundenliste, die aber immerhin aufgelistet wird), einer "Zeitung im Internet", die "in der Regel abseits vom Mainstream" agiert, und – wow! – "auch kritisch" berichtet (freilich sucht er sich aus, gegen wen diese Kritik gerichtet ist). Natürlich geht man – ganz abseits vom Mainstream - davon aus, dass es Elbers schafft (soviel zum Demokratieverständnis). Das "Düsseldorf-blog" hat übrigens eine interessante Linkliste, die unter anderem auch das rassistische Weblog "Politically Incorrect" aufführt. Bei dieser virtuellen Geistespartnerschaft braucht man auch keine Stabreime als Wahlkampfslogans mehr. Wobei mir dann die doch lieber sind.
Eine pointierte Sicht auf den Düsseldorfer Wahlkampf findet man übrigens in der "Rainer'schen Post". Auch wenn man gelegentlich ob der Polemik ein bisschen erschrecken mag – das ist eindeutig mehr als nur unterhaltsam.
Ergänzung - 07. August: In der NRZ kann man jetzt Antworten der beiden Kandidaten Elbers und Kortmann auf stadtpolitische Fragen nachlesen. Mir fallen die teilweise sehr kurzen Sätze von Elbers auf. Und vermutlich nennt man das "politisches Talent", wenn man so antwortet, dass man eigentlich nichts sagt.
>>>>Notizen 2. Teil
Leider scheint die These, dass Alliterationen als eher komisch und karikierend betrachtet werden, bei den Wahlkämpfern von SPD und den Grünen nicht bekannt zu sein.
Zumal, wenn die Werbeagentur, die für den Wahlkampf verantwortlich zeichnet, selber einen Namen wie "Kreativ Konzept" trägt. Was kann man da schon anders erwarten: "Kortmann kommt!" heisst es dort (SPD und Grüne haben eine gemeinsame Kandidatin; die Grünen plakatieren allerdings dezenter ohne das Portraitbild). Die Dame heisst auch noch Karin Kortmann – man hätte auch "Karin Kortmann kommt" plakatieren können. Aber: Wo kommt sie denn? Wo kommt sie her? Ist das eine Drohung oder eine Verheissung des Messias – in Form einer weiblichen Variante? Und: Hat sie überhaupt einen Parkplatz?
Auch der Kandidat der "Freien Wähler" Klaus Kirchner wirbt mit einem kernigen Spruch "Stark und Sozial" heisst es da, und: "Kirchner kann's". Auch hier scheinen sich die Ambivalenzen der Alliteration noch nicht herumgesprochen zu haben.Mit all dem hat der Kandidat der CDU nichts zu tun. Nicht nur, dass Dirk Elbers nahezu umfassende Hilfe der "Rheinischen Post" erhält (der mit Abstand grössten Lokalzeitung in Düsseldorf), die alleine schon die Einweihung eines "Wahlkampfbüros" als gesellschaftliches Ereignis bejubelt.
Unverblümte Wahlkampfhilfe für den "Hausmeister Dirk" kommt auch von Wolfgang Osinski, Kommunikationsberater und Betreiber des ominösen "Düsseldorf-blog" (mit einer stattlichen Kundenliste, die aber immerhin aufgelistet wird), einer "Zeitung im Internet", die "in der Regel abseits vom Mainstream" agiert, und – wow! – "auch kritisch" berichtet (freilich sucht er sich aus, gegen wen diese Kritik gerichtet ist). Natürlich geht man – ganz abseits vom Mainstream - davon aus, dass es Elbers schafft (soviel zum Demokratieverständnis). Das "Düsseldorf-blog" hat übrigens eine interessante Linkliste, die unter anderem auch das rassistische Weblog "Politically Incorrect" aufführt. Bei dieser virtuellen Geistespartnerschaft braucht man auch keine Stabreime als Wahlkampfslogans mehr. Wobei mir dann die doch lieber sind.
Eine pointierte Sicht auf den Düsseldorfer Wahlkampf findet man übrigens in der "Rainer'schen Post". Auch wenn man gelegentlich ob der Polemik ein bisschen erschrecken mag – das ist eindeutig mehr als nur unterhaltsam.
Ergänzung - 07. August: In der NRZ kann man jetzt Antworten der beiden Kandidaten Elbers und Kortmann auf stadtpolitische Fragen nachlesen. Mir fallen die teilweise sehr kurzen Sätze von Elbers auf. Und vermutlich nennt man das "politisches Talent", wenn man so antwortet, dass man eigentlich nichts sagt.
>>>>Notizen 2. Teil
Gregor Keuschnig - 2008-08-05 14:06

