Ich will meine Ruhe!
Jetzt ist es wieder soweit. Die sogenannte nachrichtenarme Zeit fängt an. Die Politiker sind in Urlaub. Endlich auch Erholung vom Worthülsenland Berlin. Nur einige Hinterbänkler, die während des normalen Betriebs regelmässig (und meist aus gutem Grund) überhört werden, melden sich jetzt zu Wort. Schlimm genug, dass es immer noch genug Journalisten gibt, die uns das als wichtig anbieten müssen.
Aber so oft man sich auf den Urlaub von Merkel, Beck, Westerwelle & Co. freut – so oft wird dies enttäuscht. Es ist ungefähr so, als sei der Urlaub des Nachbarn, der endlich einmal Ruhe verheisst, vorzeitig beendet worden. Oder erst gar nicht angetreten. Denn die Medien entblöden sich nicht, uns in sogenannten Sommerinterviews Jahr für Jahr diesen Urlaub von den Phrasendreschern noch zu vermiesen. Kaum die Türen des Parlaments geschlossen, suchen sie die Parteivorsitzenden auf und belästigen diese (und uns!) mit sinnlosem small-talk-Geplauder hinter dem jedes Harald-Schmidt-Interview als Perle des investigativen Journalismus gelten muss.
Warum soll ein genervter, erholungsbedürftiger Bürger unbedingt mitbekommen, wenn Peter Hahne Kurt Beck trifft? Wenn sie sich schon treffen – warum muss das publik gemacht werden? Jeder Feldhase hat heutzutage ausgiebige Schonzeiten, um sich zu vermehren und seine Brut aufzuziehen, die von den Jägern respektiert werden. Warum ist ausgerechnet der Fernsehzuschauer und Zeitungsleser weiterhin schutzlos?
Selbst wenn er die einschlägigen Sendungen ignoriert – irgendeine banale, im Zweifel doppeldeutige Äusserung zu irgendeinem trivialen Thema ("Wer wird 2013 Kanzlerkandidat?") schafft es immer in die Nachrichten. Und bloss nicht den Hinweis auf "Bonn direkt" oder "Bericht aus Bonn" vergessen!
Kann man nicht einmal im Jahr für drei, vier Wochen eine Art Waffenstillstand schliessen? Die Griechen unterbrachen ihre Kriege zur Feldarbeit. Ist es nicht möglich, das triviale Geschwätz, mit dem uns monatelang etliche Politiker belästigen, und was man zu ertragen hat, um die ein oder andere Perle zu entdecken, für eine kurze Zeit nicht zu senden? Machen denn Peter Hahne oder Ulrich Deppendorf nie Urlaub? Warum sagt denen eigentlich niemand, dass das, was sie da fragen für einen politisch interessierten Menschen einer intellektuellen Beleidigung gleichkommt?
Warum sagt denn niemand, dass dieses volkstümliche Getue nicht nur peinlich, sondern auch lächerlich ist? Das Politiker Urlaub machen, sei ihnen gegönnt. Aber ich will das nicht sehen. Ich will ja auch nicht sehen, wie sie beispielsweise frühstücken. Oder lesen. Warum lässt man ihnen nicht ihre Intimität und sorgt damit dafür, dass es keine heuchlerischen Yellowpress-Geschichten mit Familie (ohne Gebliebte[r]) gibt?
Politiker sind für Politik zuständig. Und nicht, um uns touristisch noch zu animieren oder uns zu beweisen, dass es sie auch ohne Krawatte gibt. Und solange man keine interessierten, nachfragenden, bohrenden Journalisten hat, die Sachkenntnis und rhetorische Brillanz besitzen um das Schönsprech zu desavouieren – solange man diese Kuschelteddys, die uns schon jahraus, jahrein mit ihren bräsigen Analysen langweilen (und später dann erklären, warum ihre Einschätzungen gar nicht stimmen konnten) – so lange uns dieses Hoftheater derart miserabel vorgespielt wird, bitte ich nur um eins: Geht endlich in Urlaub und gönnt auch dem Bürger seine verdiente Erholung.
Wir werden sie brauchen, in den nächsten zwölf Monaten.
Aber so oft man sich auf den Urlaub von Merkel, Beck, Westerwelle & Co. freut – so oft wird dies enttäuscht. Es ist ungefähr so, als sei der Urlaub des Nachbarn, der endlich einmal Ruhe verheisst, vorzeitig beendet worden. Oder erst gar nicht angetreten. Denn die Medien entblöden sich nicht, uns in sogenannten Sommerinterviews Jahr für Jahr diesen Urlaub von den Phrasendreschern noch zu vermiesen. Kaum die Türen des Parlaments geschlossen, suchen sie die Parteivorsitzenden auf und belästigen diese (und uns!) mit sinnlosem small-talk-Geplauder hinter dem jedes Harald-Schmidt-Interview als Perle des investigativen Journalismus gelten muss.
Warum soll ein genervter, erholungsbedürftiger Bürger unbedingt mitbekommen, wenn Peter Hahne Kurt Beck trifft? Wenn sie sich schon treffen – warum muss das publik gemacht werden? Jeder Feldhase hat heutzutage ausgiebige Schonzeiten, um sich zu vermehren und seine Brut aufzuziehen, die von den Jägern respektiert werden. Warum ist ausgerechnet der Fernsehzuschauer und Zeitungsleser weiterhin schutzlos?
Selbst wenn er die einschlägigen Sendungen ignoriert – irgendeine banale, im Zweifel doppeldeutige Äusserung zu irgendeinem trivialen Thema ("Wer wird 2013 Kanzlerkandidat?") schafft es immer in die Nachrichten. Und bloss nicht den Hinweis auf "Bonn direkt" oder "Bericht aus Bonn" vergessen!
Kann man nicht einmal im Jahr für drei, vier Wochen eine Art Waffenstillstand schliessen? Die Griechen unterbrachen ihre Kriege zur Feldarbeit. Ist es nicht möglich, das triviale Geschwätz, mit dem uns monatelang etliche Politiker belästigen, und was man zu ertragen hat, um die ein oder andere Perle zu entdecken, für eine kurze Zeit nicht zu senden? Machen denn Peter Hahne oder Ulrich Deppendorf nie Urlaub? Warum sagt denen eigentlich niemand, dass das, was sie da fragen für einen politisch interessierten Menschen einer intellektuellen Beleidigung gleichkommt?
Warum sagt denn niemand, dass dieses volkstümliche Getue nicht nur peinlich, sondern auch lächerlich ist? Das Politiker Urlaub machen, sei ihnen gegönnt. Aber ich will das nicht sehen. Ich will ja auch nicht sehen, wie sie beispielsweise frühstücken. Oder lesen. Warum lässt man ihnen nicht ihre Intimität und sorgt damit dafür, dass es keine heuchlerischen Yellowpress-Geschichten mit Familie (ohne Gebliebte[r]) gibt?
Politiker sind für Politik zuständig. Und nicht, um uns touristisch noch zu animieren oder uns zu beweisen, dass es sie auch ohne Krawatte gibt. Und solange man keine interessierten, nachfragenden, bohrenden Journalisten hat, die Sachkenntnis und rhetorische Brillanz besitzen um das Schönsprech zu desavouieren – solange man diese Kuschelteddys, die uns schon jahraus, jahrein mit ihren bräsigen Analysen langweilen (und später dann erklären, warum ihre Einschätzungen gar nicht stimmen konnten) – so lange uns dieses Hoftheater derart miserabel vorgespielt wird, bitte ich nur um eins: Geht endlich in Urlaub und gönnt auch dem Bürger seine verdiente Erholung.
Wir werden sie brauchen, in den nächsten zwölf Monaten.
Gregor Keuschnig - 2008-07-13 10:43


Weil unsere Politiker so gut regieren können! :(
Naja,
Eine Entwicklung, die in Deutschland erst noch kommt. Wie schon anderweitig gesagt: Österreich ist uns da um einige Jahre voraus.
Immerhin habt Ihr aber Journalisten, die den amtierenden Budneskanzler auch schon einmal fragen, ob sein Scheitern nicht auch auf mangelnde emotionale und soziale Intelligenz zurückzuführen sei. In Deutschland würde "so einer" nur noch Reportagen von Beerdigungen machen dürfen.
@Gregor