etwas Neues kann ich eigentlich gar nicht hinzufügen. Es war ein einziges Ärgernis von A bis Z, mit Ausnahme der gerechtfertigten Wahl des Siegertextes. Und nochmals sei gesagt: besonders die "Kritik" (wenn man das überhaupt noch so nennen darf) gegenüber Martin von Arndt und Pedro Lenz waren schlichtweg unter jedem Hund und absolut respektlos - zudem nicht gerechtfertigt, selbst wenn sie sachlich und mit Anstand vorgebracht worden wäre.
Zwei Dinge noch, die mich ausserdem auf die Palme brachten: erstens Burkhard Spinnens mehrmaliges Beteuern, dass Klagenfurt nichts mit Markttauglichkeit der Literatur zu tun hätte, wo es praktisch ausschliesslich darum geht; zweitens das ewige Gedöns der Jury, dass Literatur "realistisch" zu sein habe - wer will "Realismus" lesen?!? Ich jedenfalls nicht. Da könnte ich geradesogut Sims am Computer spielen anstatt ein Buch zu lesen.
Das Highlight (neben den wenigen wirklich grossen Texten) waren Ilija Trojanows luzide Kommentare.
Und an Gregor Keuschnig ein grosses Lob und Dankeschön für diese ebenso luzide Berichterstattung. Das ist jedenfalls ein Zückerchen, alle Jahre wieder die eigene Lebenserwartung durch erhöhten Blutdruck zu verkürzen. (Aber wir werden alle länger leben als dieser Wettbewerb!)
Ich stelle mir manchmal den jungen Franz Kafka da vor. Oder - warum nicht? - Kleist. Würde man bei Kafkas Verwandlung auch das Rechercheergebnis präsentieren, dass noch nie eine Mensch als Insekt aufgewacht ist? Würde man beim Erdbeben von Chili nachgegoogelt haben, dass es zum Zeitpunkt der Geschichte dort vielleicht gar kein Erdbeben gegeben hat? Und Frau Strigl (jemand, der Literatur in zwei Tagen rund dreihundertmal als "Text" bezeichnet, weil ihr vor lauter Phantasielosigkeit nicht anderes mehr einfällt) findet noch einen falschen Konjunktiv? Oder - man stelle sich das mal vor - bei Goethe monieren, dass sich doch niemand in einen Hund verwandeln kann - Herr Spinnen hat hierfür doch extra beim Berliner Zoo recherchiert.
Martin Walser zitiert in seiner interessanten Rede zum 60jährigen Bestehen der Bayerischen Akademie der Schönen Künste eine Besprechung von Alfred Kerr aus dem Jahr 1913 über einen sehr bekannten Roman eines sehr berühmten Dichters. Kerr schrieb (nach Walsers Zitat): "...ich finde hier einen verhüllten Kitschling...Wenig Blut und viel Haltung. Schwaches Deutsch...alles im Grunde musiklos...schleichend geschoben...alles zusammengedrockst...Bemerkenswert, daß er so oft Angaben über einen Dichter macht, ohne just ein solcher zu sein."
Die Lösung steht hier: Thomas Mann: Tod in Venedig
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Es wurde alles gesagt,
Zwei Dinge noch, die mich ausserdem auf die Palme brachten: erstens Burkhard Spinnens mehrmaliges Beteuern, dass Klagenfurt nichts mit Markttauglichkeit der Literatur zu tun hätte, wo es praktisch ausschliesslich darum geht; zweitens das ewige Gedöns der Jury, dass Literatur "realistisch" zu sein habe - wer will "Realismus" lesen?!? Ich jedenfalls nicht. Da könnte ich geradesogut Sims am Computer spielen anstatt ein Buch zu lesen.
Das Highlight (neben den wenigen wirklich grossen Texten) waren Ilija Trojanows luzide Kommentare.
Und an Gregor Keuschnig ein grosses Lob und Dankeschön für diese ebenso luzide Berichterstattung. Das ist jedenfalls ein Zückerchen, alle Jahre wieder die eigene Lebenserwartung durch erhöhten Blutdruck zu verkürzen. (Aber wir werden alle länger leben als dieser Wettbewerb!)
Noch ein kurzer Nachklapp
Martin Walser zitiert in seiner interessanten Rede zum 60jährigen Bestehen der Bayerischen Akademie der Schönen Künste eine Besprechung von Alfred Kerr aus dem Jahr 1913 über einen sehr bekannten Roman eines sehr berühmten Dichters. Kerr schrieb (nach Walsers Zitat): "...ich finde hier einen verhüllten Kitschling...Wenig Blut und viel Haltung. Schwaches Deutsch...alles im Grunde musiklos...schleichend geschoben...alles zusammengedrockst...Bemerkenswert, daß er so oft Angaben über einen Dichter macht, ohne just ein solcher zu sein."
Die Lösung steht hier: Thomas Mann: Tod in Venedig