Ich verstand den "Ordnungsruf" eher an die eigene Adresse...aber lassen wir das.
Hochinteressant: Amstetten als "Bestätigung" des Jelinek-Bilds hätte gar nicht mehr des Kommentars durch sie bedurft. Das leuchtet mir ein. Dass sie es dennoch getan hat - vermutlich gar nicht anders konnte - zeigt, dass auch sie dem medialen mehr "ausgeliefert" ist, als sie zugibt. Ansonsten ziert sie sich ja immer (ist nicht nach Stockholm gefahren - wie die betagte Lessing).
Und tatsächlich: Wie Wallraff in seinem Aufdeckungswahn ge- und befangen ist, so ist sie in einer Art Österreich-Paranoia gefangen - der Paranoia ihrer Gegner (in anderen Punkten) überhaupt nicht mehr unähnlich.
Was sollte daran schlimm sein, sollte sie es lesen? (Sie wird es NIE lesen, weil so etwas in ihrem dichotomischen Weltbild nicht vorkommen DARF.)
Ich denke, dass man diesen abstrusen Themen vielleicht wirklich eher mit Umwegen und Umkreisungen näher kommt (anstatt vorschnell generalisierenden Erklärungen à la "Alle Ösis sind verdruckste Gewalttäter" usw).
Eine Sache von Jelinek, die mir immer gelungen schien - denn ihre mit-kaputte Sprachmechanik muss ihr ja nicht die Hellsicht (vielleicht eh eine partikulare Kraft) auf ihre Gegenstände nehmen -, war ihr "Wolken.Heim". Und etwas sagt mir, dass sie sich auch dieser "Verschränkung" mit ihren Themen-Gegenständen bewusst ist, d.h. dass ihre, Jelineks "strukturelle" Nähe zu den Absonderlichkeiten ihres Heimatlandes - oder, weiter gefasst, einem deutschsprachigen, von dessen gemeinsamen Untiefen durchzogenen Geist - ihr auf eigene Weise einleuchtet... wie er sie eben "inspiriert".
(Überhaupt heißt ja nicht, dass Menschen, die zu anderen ästhetischen Findungen und Ergebnissen kommen, auch ansonsten ständig irren müssen. Und was ich so stellenweise in "Neid" finde, scheint mir auch darauf hin zu deuten.)
Dass sie diesen Stockholm-Bromborium flieht, würde ich ihr nicht vorwerfen, im Gegenteil: Glück, in der Position zu sien, sich diese Rituale schenken zu können!
@fely
Und wenn sie mitläse, was wäre schlimm? Wieso die kalten Schauer? Sie müsste doch nun wirklich gewohnt sein, dass die Leute sich das Maul über ihre Schrecklichkeit zerreißen. Vielleicht lächelt sie öfter über uns, als wir glauben? Und überhaupt: Sind die Verteufelten ansonsten des ihnen Vorgeworfenen nicht manchmal ausnehmend nette Leute? Die Frau Jelinek - ist nicht auch charmant? Ja, küss' die Hand!
war das Buch, was mich von der Jelinek dann "abgebracht" hat. (Auf die Idee "Neid" zu lesen, würde ich nie mehr kommen.)
Zitatschnipsel von Heidegger über RAF-Botschaften zusammengequirlt mit ihrem Parlando; ausgeschlachtet und eine Wort- bzw. Textschimäre bildend. Vielleicht als Sprachkunstwerk "gelungen" - das mag sein. "Patchwork" nannte man das doch früher, oder - ambitioniert - Montage. Aber doch nicht Literatur. Da waren doch die Dadaisten in ihrer Verspieltheit noch politischer und in ihrem Gestus noch revolutionärer.
(Ich habe irgendwo auf Video ein Gespräch mit ihr und Wolfgang Korruhn - für "ZAK". Lust, es zu suchen.)
Da haben wir's, jetzt fühle ich mich mißverstanden. Meine Befürchtung, das Subjekt unserer Diskussion könnte hier mitlesen, war vorgespielt. Ich hätte dazu höchstens in einem Punkt Bedenken: wir hätten uns gar nichts zu sagen und würden dieses Manko - wie üblich - durch einen Wortschwall kaschieren. Für so was habe ich immer weniger Geduld Kraft.
Ob die Dame charmant sein kann? Keine Ahnung. Mein Interesse, dies rauszufinden, tendiert, nach allem was ich bisher weiß, gegen Null.
Finde ich nicht. Dezidierte Meinungen, aber nicht unhöflich oder despektierlich.
Selbst wenn sie mitläse: Äussern würde sie sich nie. Weil ihr alles wie eine Rechtfertigung vorkommen würde. Der "Diskurs", dieser Fetisch der Informationsgesellschaft, ist für Leute wie sie eine Niederung, in die sie sich nicht mehr freiwillig begibt. Sie wollen ihn höchstens nur noch anregen. Handke hatte sich anfänglich wenigstens in Diskussionen zu seinem Serbienbuch begeben. Jelinek hat das - meines Wissens - nie gemacht. Das sagt auch einiges aus.
Mit "wir" habe ich natürlich nur mich selbst und die hypothetische Mitdiskutantin Elfriede Jelinek gemeint. Da bin ich sicher, daß wir uns nichts zu sagen hätten. Und - wiederum unter der Annahme einer hypothetischen, trotz allem stattfindenden Diskussion zwischen diesen zwei Personen - habe ich hier von einem hypothetischen Wortschwall geschrieben.
Ich hoffe, dadurch wird es etwas klarer. Es fiele mir nicht im Traum ein, im Namen Anderer zu sprechen.
Dezidierte Meinungen, aber nicht unhöflich oder despektierlich? Sicher. Ich respektiere aber den Menschen an sich, und weniger das, was die Gesellschaft glaubt, aus ihm machen zu müssen.
Ich respektiere aber den Menschen an sich, und weniger das, was die Gesellschaft glaubt, aus ihm machen zu müssen.
Was ich Jelinek vorwerfe, ist eben dass sie sich so verhält, wie die Gesellschaft es von ihr erwartet. Und WIE sie das hervorbringt, dünkt mich, dass sie es nur noch reflexhaft macht. Als ein Posieren sozusagen.
Letztlich kann zunächst einmal jemand nichts für das öffentliche Bild, was man sich von ihm gemacht hat. Im "Fall" Grass hat man das gesehen: Die Entrüstung ob seiner SS-Zugehörigkeit entzündete sich zum Grossteil daran, weil er doch als das "Gewissen" der Bundesrepublik galt. Das war aber ein Attribut, welches ihm - zunächst einmal - von aussen gegeben wurde. Freilich, er hat sich nie dezidiert dagegen "gewehrt". Vorzuwerfen wäre ihm, dass er es irgendwann aufgenommen und - auf seine Art - gepflegt hat. Dann irgendwann zu sagen "Ich war es aber nicht" ist ein bisschen heuchlerisch.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
@en-passant + fely
Hochinteressant: Amstetten als "Bestätigung" des Jelinek-Bilds hätte gar nicht mehr des Kommentars durch sie bedurft. Das leuchtet mir ein. Dass sie es dennoch getan hat - vermutlich gar nicht anders konnte - zeigt, dass auch sie dem medialen mehr "ausgeliefert" ist, als sie zugibt. Ansonsten ziert sie sich ja immer (ist nicht nach Stockholm gefahren - wie die betagte Lessing).
Und tatsächlich: Wie Wallraff in seinem Aufdeckungswahn ge- und befangen ist, so ist sie in einer Art Österreich-Paranoia gefangen - der Paranoia ihrer Gegner (in anderen Punkten) überhaupt nicht mehr unähnlich.
Was sollte daran schlimm sein, sollte sie es lesen? (Sie wird es NIE lesen, weil so etwas in ihrem dichotomischen Weltbild nicht vorkommen DARF.)
Also ausdrücklich: Keine Ordnungsrufe!
Eine Sache von Jelinek, die mir immer gelungen schien - denn ihre mit-kaputte Sprachmechanik muss ihr ja nicht die Hellsicht (vielleicht eh eine partikulare Kraft) auf ihre Gegenstände nehmen -, war ihr "Wolken.Heim". Und etwas sagt mir, dass sie sich auch dieser "Verschränkung" mit ihren Themen-Gegenständen bewusst ist, d.h. dass ihre, Jelineks "strukturelle" Nähe zu den Absonderlichkeiten ihres Heimatlandes - oder, weiter gefasst, einem deutschsprachigen, von dessen gemeinsamen Untiefen durchzogenen Geist - ihr auf eigene Weise einleuchtet... wie er sie eben "inspiriert".
(Überhaupt heißt ja nicht, dass Menschen, die zu anderen ästhetischen Findungen und Ergebnissen kommen, auch ansonsten ständig irren müssen. Und was ich so stellenweise in "Neid" finde, scheint mir auch darauf hin zu deuten.)
Dass sie diesen Stockholm-Bromborium flieht, würde ich ihr nicht vorwerfen, im Gegenteil: Glück, in der Position zu sien, sich diese Rituale schenken zu können!
@fely
Und wenn sie mitläse, was wäre schlimm? Wieso die kalten Schauer? Sie müsste doch nun wirklich gewohnt sein, dass die Leute sich das Maul über ihre Schrecklichkeit zerreißen. Vielleicht lächelt sie öfter über uns, als wir glauben? Und überhaupt: Sind die Verteufelten ansonsten des ihnen Vorgeworfenen nicht manchmal ausnehmend nette Leute? Die Frau Jelinek - ist nicht auch charmant? Ja, küss' die Hand!
"Wolken.Heim"
Zitatschnipsel von Heidegger über RAF-Botschaften zusammengequirlt mit ihrem Parlando; ausgeschlachtet und eine Wort- bzw. Textschimäre bildend. Vielleicht als Sprachkunstwerk "gelungen" - das mag sein. "Patchwork" nannte man das doch früher, oder - ambitioniert - Montage. Aber doch nicht Literatur. Da waren doch die Dadaisten in ihrer Verspieltheit noch politischer und in ihrem Gestus noch revolutionärer.
(Ich habe irgendwo auf Video ein Gespräch mit ihr und Wolfgang Korruhn - für "ZAK". Lust, es zu suchen.)
@en-passant&Gregor Keuschnig
GeduldKraft.Ob die Dame charmant sein kann? Keine Ahnung. Mein Interesse, dies rauszufinden, tendiert, nach allem was ich bisher weiß, gegen Null.
Wortschwall? Nichts zu sagen? (@fely)
Selbst wenn sie mitläse: Äussern würde sie sich nie. Weil ihr alles wie eine Rechtfertigung vorkommen würde. Der "Diskurs", dieser Fetisch der Informationsgesellschaft, ist für Leute wie sie eine Niederung, in die sie sich nicht mehr freiwillig begibt. Sie wollen ihn höchstens nur noch anregen. Handke hatte sich anfänglich wenigstens in Diskussionen zu seinem Serbienbuch begeben. Jelinek hat das - meines Wissens - nie gemacht. Das sagt auch einiges aus.
@Gregor Keuschnig
Ich hoffe, dadurch wird es etwas klarer. Es fiele mir nicht im Traum ein, im Namen Anderer zu sprechen.
Dezidierte Meinungen, aber nicht unhöflich oder despektierlich? Sicher. Ich respektiere aber den Menschen an sich, und weniger das, was die Gesellschaft glaubt, aus ihm machen zu müssen.
@fely
Was ich Jelinek vorwerfe, ist eben dass sie sich so verhält, wie die Gesellschaft es von ihr erwartet. Und WIE sie das hervorbringt, dünkt mich, dass sie es nur noch reflexhaft macht. Als ein Posieren sozusagen.
Letztlich kann zunächst einmal jemand nichts für das öffentliche Bild, was man sich von ihm gemacht hat. Im "Fall" Grass hat man das gesehen: Die Entrüstung ob seiner SS-Zugehörigkeit entzündete sich zum Grossteil daran, weil er doch als das "Gewissen" der Bundesrepublik galt. Das war aber ein Attribut, welches ihm - zunächst einmal - von aussen gegeben wurde. Freilich, er hat sich nie dezidiert dagegen "gewehrt". Vorzuwerfen wäre ihm, dass er es irgendwann aufgenommen und - auf seine Art - gepflegt hat. Dann irgendwann zu sagen "Ich war es aber nicht" ist ein bisschen heuchlerisch.