en-passant (Gast) - 2008-04-28 18:22

Kommentieren oder nicht Kommentieren?

Hallo G.K.

Da haben Sie mir ja einen richtigen Schrecken eingejagt mit Ihrem Verweis auf mich - wo ich doch geradezu mein kleines feines Nichtbeachtetsein suche. (Naja.)

Deshalb möchte ich doch auch kurz meine Haltung umreißen. "Begleitschreiben" etwa lese ich schon regelmäßig wegen Handke - dazu muss ich meist (etwa zu der Besprechung des Briefwechsels mit Kolleritsch) gar nichts sagen.

Gejuckt, zu kommentieren, hat es mich bei dem Littell-Thema (ich hatte selber schon ein paar Seiten dazu formuliert), es dann aber gelassen - ich wäre wieder zu lang geworden. Und zwischendurch gibt es auch immer Weiterführendes. Usw.

Ich persönlich habe zunehmend das Gefühl, es sei besser, gar nicht weiter irgendwo Platz einzunehmen - mal abgesehen von der Redundanz der meisten "Meinungen" überhaupt, die kaum einen Punkt machen, geschweige denn, das Gesamte einer Diskussion im Auge (im Geiste) behalten können.

Insofern empfinde ich dann das bloße Zählen manchmal doch als ein Abbild eines "Rankings", neudeutsch für fällige Aufmerksamkeit: Und zeigte einfach es erst mal nur, ob jemand gut ist, Zu- und Gegenstimmen zu einem Thema zu generieren, und zwar abseits der Platzhirschen (wo die pure Masse es schon macht) - und das bedeutete auch was!

Und: Er setzt damit ja auch einen Rahmen für eine gewisse Qualität, weil er implizit seinen Stil oder seine Art mit dem Gegebenen zu arbeiten weitergibt, und damit, wenn nicht durchsetzt, doch einbringt. Insofern kann auch Niggemeier es sich leisten, die Abstauber-Laber-Unsinns-Kommentatoren mitzuschleppen. Und Gregor Keuschnig auch. Während in "spiegel-online" oft nur Quatsch beigetragen wird.

Es geht also in diesem Aufmerksamkeitsmarkt dann doch auch um Qualität - nicht unähnlich der diese Konkurrenz scheel beäugenden Presse. Und, ganz abgesehen vom "Inhalt" der Kommentare, zeigen dann diese auch was an. ("Sage mir, wer Dich kommentiert, und ich sage Dir...")

Das ist vielleicht kein unwesentlicher Punkt in Bezug aufs Kommentieren, und ich merke für mich, dass ich manchmal darauf achte, und dass das etwas zu dem "Bild" von einem Blog beiträgt (das ist jetzt kein Wortspiel), zu einem Aufmerksamkeitsklima drumherum. Und so empfinde ich es auch bei Niggemeier.

Dass für mich ziemlich aufregende Artikel etwa in der NZZ meist keinen einzigen "Leserkommentar" kriegen, ist dann - vielleicht - was anderes. Oder? Da macht es dann mir auch nix, wenn keiner mich kennt...

Womit ich wieder bei der ominösen "Relevanz" wäre, die manche behaupten, manche nicht haben... und andere eben doch. Wenn man zugibt, dass also auch die Umgebungsvariablen eines "hot-spots" die Leute dazu bringt, sich da zu tummeln und Meinungs- und Klick-Leben zu erzeugen... ist es vorbei mit der klassischen Erklärungen (vor allem auch denen der "Qualitätszeitungen", die unnetwegt Boden verlieren, "Kunden").

"Just keep up the good work..." las ich gestern wieder bei einem Ami. Das sagt es dann manchmal schon auch.

Gregor Keuschnig - 2008-04-28 18:32

Gejuckt, zu kommentieren, hat es mich bei dem Littell-Thema (ich hatte selber schon ein paar Seiten dazu formuliert), es dann aber gelassen - ich wäre wieder zu lang geworden.
Mir ist doch so schnell nichts zu lang... Würde mich sehr interessieren. (Mich dürstet.)

[Sorry für den "Schock", aber ich musste mich ein bisschen verteidigen, dass ich auch auf "kleinen Blogs" kommentiere]
Detlef Borchers (Gast) - 2008-04-28 22:00

Lieber en-passant,

bei der NZZ ist es so, dass die Kommentare vom zuständigen Redaktor zum Autor weitergeleitet werden, der dann antworten mag oder auch nicht. Das kann dauern. Ich bekomme jetzt z.B. die Leser-Kommentare zu meinem Nachruf auf Joe Weizenbaum (und beantworte sie)
Gregor Keuschnig - 2008-04-28 22:03

@Detlef Borchers

bei der NZZ ist es so, dass die Kommentare vom zuständigen Redaktor zum Autor weitergeleitet werden
Das ist ja immerhin schon mal was. (Das ist ironiefrei gemeint.)

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