Jedlickis Buch, vor allem der angesprochene Aufsatz über Geschichte und Ausblick der europäischen Intellektuellen erscheint mir auch aus postmoderner Perspektive eine vielversprechende Lektüre. Ich suche gelegentlich, aber schon seit längerem immer wieder Parallelen zwischen der selbstlähmenden Ablehnung "großer Erzählungen" und objektiver Erkenntnisse einerseits und der kulturpessimsitischen Rückzugshaltung der frz. Décadence andererseits. Aus beidem - vor allem den postmodernen Variationen - kann ich stellenweise nicht mehr als intellektuellen Reaktionismus herauslesen. Jedlickis Relativierung dieser Kritik unter dem Begriff der segensreichen Krise, die man dem gefühlten Untergang gesellschaftlicher Eliten gegenüberstellen kann, ist da ein sehr schöner, feinfühliger Zug. Und doch frage ich mich, ob Jedlickis seinen Horizont nicht doch zu eng abgesteckt hat. Die dramatisierten Untergangsstimmen waren und sind europäische</b Stimmen, die über Europa lamentieren. Die unvollendete Projekte der Aufkläung und Moderne - samt ihrer befürchteten Ab- und Umbrüche - haben allerdings auch weitreichende Konsequenzen für die Neuordnung der Welt außerhalb Europas bedeutet - Konsequenzen wie den Imperialismus, die wohl kaum jemand als segensreich bezeichnen dürfte. Diese postkoloniale Perspektive, diese weiterreichende Relativierung europäischer Ängste gegenüber der tatsächlichen Reichweite Europas fehlt mir hier, oder irre ich mich?
Schwer zu sagen. Natürlich beschränkt sich Jedlicki in der Darstellung primär der englischen und ein bisschen der französischen Philosophie und Politik der damaligen Zeit. Gelegentlich fliesst ein bisschen Nietzsche und natürlich Spengler ein. Ich vermag diese Fokussierung nur dann jemandem vorzuwerfen, wenn er den Anspruch erheben würde, ein umfassendes Bild zeichnen zu wollen - das negiert Jedlicki allerdings ausdrücklich.
Insofern ist diese Betrachtungsweise natürlich ein bisschen eurozentristisch.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Zu eng gesteckt?
Insofern ist diese Betrachtungsweise natürlich ein bisschen eurozentristisch.