Nun, Krisengeschrei hin oder her: es könnte doch auch sein, daß der schon so oft prognostizierte Untergang in den Augen derer, die ihn prognostizierten, längst stattgefunden hat, wir also (wieder in den Augen der Prognostizierenden) bereits in einer postapokalyptischen Zeit leben. Es kommt immer darauf an, was man unter dem Untergang versteht, welche Ereignisse und Veränderungen bereits diesen Titel verdienen.
Erinnert mich an den beliebten Spruch - '"Gestern standen wir noch vor dem Abgrund - heute sind wir schon einen Schritt weiter" ,) (und plumps ;) .. alles eine Frage der Defintion/Perspektive ...
Das ist natürlich ein wesentlicher Bestandteil des Krisendiskurses: Nicht nur die Prognose, sondern das Beschreiben des aktuellen Zustands. Freilich leben die Untergangspropheten von einer Drohkulisse, d. h. es wird immer noch "schlimmer" kommen, als es jetzt ist.
In diesem Zusammenhang ist interessant, dass langfristig die Pragmatiker, d. h. diejenigen, die zwar u. U. eine gewisse Krisenhaftigkeit erkannt haben, aber immanent gegensteuerten, den Apokalyptikern und auch den "Romantikern" überlegen sind. Allerdings nicht in der öffentlichen Wahrnehmung - da wird der Diskurs immer von den jeweiligen Antipoden dominiert.
.. mediensoziologisch ist das das klassische Newswert-Thema: Je überraschender eine Neuigkeit die dennoch auf einem bekannten Thema aufsetzt (weitergedacht gilt das auch für: je extremer eine Theorie), um so größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie es schafft, aus dem Themendschungel aufzutauchen und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen ... + (zynisch ich gebe es zu) die Provokationen lassen sich in Schlagzeilen und Slogans fassen, bei den pragmatischen Standpunkten muss man immer so "lästig" viel erklären ... ,)
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In diesem Zusammenhang ist interessant, dass langfristig die Pragmatiker, d. h. diejenigen, die zwar u. U. eine gewisse Krisenhaftigkeit erkannt haben, aber immanent gegensteuerten, den Apokalyptikern und auch den "Romantikern" überlegen sind. Allerdings nicht in der öffentlichen Wahrnehmung - da wird der Diskurs immer von den jeweiligen Antipoden dominiert.