Rose (anonym) - 2008-02-26 20:52

In einer Zeit und einem Medium, in dem es um schnelle Information geht, welche Personen nehmen sich da die Zeit, um sich eine halbe Stunde oder länger mit dem Thema Wahlrecht auseinander zu setzen?

Ich denke, der Beitrag ist auf einem hohen Niveau geschrieben, von dem sich eine relativ kleine Gruppe der InternetbenutzerInnen angesprochen fühlt.

Mich würde es auch nicht wundern, wenn die Wähler und Wählerinnen müde geworden sind. Was können StaatspolitikerInnen (egal wechler Coleur bewirken), wo die EU Politk sich gänzlich dem Kniefall vor der WTO hingegeben hat? Was in den europäischen Ländern geschieht, wird längst nicht mehr in den Ländern entschieden. Der weltweite Mobilsierung des Freihandels (ohne verpflichtenden Umweltschutz in der Industrie, Sozialstandards und Ressorcenschutz) untergräbt die Staatspolitik in mehrfacher Hinsicht, sei es auf dem Dienstleistungssektor oder in der Agrarpolitik.

Gregor Keuschnig - 2008-02-27 12:18

Es gibt

zur "Mobilisierung des Freihandels" gar keine Alternative (aber diese Mobilisierung existiert in dieser Form ja gar nicht). Sie muss nur in bestimmten Rahmenbedingungen ablaufen. Warum das nicht geschieht, hat viele Gründe - u. a. auch nationale Egoismen. Stattdessen werden Unsummen in die Subventionierung der eigenen Märkte angelegt, die einen tatsächlichen Freihandel gar nicht ermöglichen.
rosenherz - 2008-02-27 13:46

Genau, es braucht passende Rahmenbedingungen für die Menschen, nicht einzig nur für die Marktinteressen die weltgrößten Chemie- und Saatgutkonzerne.
Es ist beschämend für uns Europäer: zwei Drittel (!) des europäischen Gemüsebedarfs wird aus Spanien (Region Almeria) importiert. Dort werden die Arbeiter und Arbeiterinnen als Skaven gehalten - unter katastrophalen, menschenunwürdigen Lebens- und Arbeitbedingungen. So entstehen die schönen roten Paprika, die lechtenden Tomaten und die Babymöhrchen in unseren Supermarktregalen!

Die Subventionsförderungen sind nur ein winziger Teil der Misere in der Agrarpolitik. Die würden sich bald erübrigen, wenn wir als einkaufende Menschen bevorzugt zu den regionalen und saisonalen Produkte greifen, anstatt die Menschen in Billiglohnländern für unser tägliches Brot auszubeuten. Was für ein Unsinn, sich auf Biosprit einzuschießen, als Lösung des Klimaproblems einzuschießen, wo dabei in Asien und Brasilien unvorstellbar riesige Rodungen von Regenwald gemacht werden, um Ölplantagen in Monolutur anzulegen, auf denen intensivst mit Handelsdünger und Pestiziden gearbeitet wird für den Hunger europäischer Autos.

Von den Machenschaften der Gentechnik-Industrie ganz zu schweigen: Percy Schmeiser Saatgutzüchter aus Kanada kämpft seit über 10 Jahren gegen Gentechnikmulti Monsanto.

Die Nachbarn von Schmeiser bauten gentechnisch veränderten Raps an, bei der Ernte im Herbst wehte der Wind Saatkörner über die Grundstücksgrenzen. Von den Erntefahrzeugen und Transportfahrzeugen fiel Erntegut herab, landete im Straßengraben und an den Feldrändern. Im Jahr darauf keimte dieses gentechnisch veränderte Saatgut auf Schmeisers Feldern, seine Ernte war zu einem geringen Prozentsatz mit diesen Genpflanzen kontaminiert. Monsanto unterstellte Percy Schmeiser, er würde illegal GVO Saatgut anbauen und damit das Patentrecht verletzen. Monsanto klagte Percy Schmeiser auf 1 Mio Dollar Schadenersatz. Und so begann der lange Weg durch alle Instanzen bis zum Obersten kanadischen Gerichtshof. Das unglaubliche geschah: Monsanto erhielt Recht, Schmeiser habe die Patentansprüche Monsantos verletzt, lediglich die Schadenersatzzahlung an Monsanto wurde ihm erlassen. Die Gerichtskosten von immerhin € 250.000,- musste Percy Schmeiser selber tragen. Doch er gibt nicht auf und klagt demnächst Monsanto auf Schadenersatz.

Die Folgen des Gentechnikeinsatzes in Kanada:
Durch Verkreuzung mehrerer gentechnisch veränderter Rapssorten entwickelte sich ein sogenanntes Superunkraut, das die Chemieindustrie noch nicht in den Griff bekommen hat. Das heißt, der Chemieeinsatz hat sich massiv erhöht. Weiters sind die Erträge, wie ursprünglich von Monsanto versprochen nicht gestiegen, sondern bei Raps um 10% und bei Soja um 15% gesunken. Percy Schmeiser berichtet auch davon, dass es in Kanada derzeit nicht mehr möglich ist, Bio-Raps bzw. Bio-Soja anzubauen, da die gentechnische Verunreinigung derart hoch angestiegen ist.

Appell von Schmeiser an die europäischen Bauern:
Lasst euch die Gentechnik nicht aufzwingen. Ein Nebeneinander (Koexistenz) von gentechnisch verändertem Saatgut ist nicht mit Bio-Bauern und konventionell gentechnikfreier Landwirtschaft möglich.

Knebelverträge mit Monsanto:
Verwendet ein Bauer gentechnisch verändertes Saatgut der Fa. Monsanto hat er folgende Auflagen:
1. Kein eigenes Saatgut darf verwendet werden
2. Ausschließlich chemische Pflanzenschutzmittel der Fa. Monsanto kommen zum Einsatz
3. Auch noch 3 Jahre nach Beendigung eines Vertragsanbaues dürfen die Kontrolleure von Monsanto den gesamten Hof durchsuchen
4. Die Lizenzgebühren betragen Dollar 40,- pro Hektar und Jahr
5. Bei Problemen mit Monsanto darf öffentlich nicht darüber geredet werden und auch nicht gerichtlich gegen Monsanto vorgegangen werden

Kontrollmethoden der
Fa. Monsanto:
Percy Schmeiser berichtet davon, dass Sprühbomben per Helikopter abgeworfen werden. Die Sprühbomben enthalten Pflanzenschutzmittel, deren Wirkung nur gentechnisch verändertes Saatgut übersteht. Das heißt, wenn z.B. die Sojapflanze den Sprühbombeneinsatz gesund überlebt hat, ist der Fa. Monsanto der Nachweis gelungen, dass GVO Saatgut verwendet worden ist und der Betrieb wird angezeigt. Weiters wird das sogenannte Terminatorgen eingesetzt, das einen Nachbau von Saatgut sowieso verhindert, da die Keimfähigkeit des Samens zerstört wird. Neuerdings gibt es laut Percy Schmeiser auch das sogenannte Schummelgen. Die Wirkung: Wenn keine chemischen Pflanzenschutzmittel der Fa. Monsanto eingesetzt werden, trägt die Kultur keine Frucht bzw. hat keine Samenentwicklung. Dies alles liest sich wie ein Krimi und sollte den Österreichern und auch der EU zu denken geben.

Resümee von Percy Schmeiser:
Die Koexistenz von Gentechnikanbau und Gentechnikverzicht ist selbst in Kanada, in einem so großen Land unmöglich, das heißt sobald Gentechnikanbau genehmigt wird, ist die Verseuchung garantiert. Der Einsatz der Gentechnik in Kanada hatte auch wirtschaftlich verheerende Folgen: So z.B. ist die gesamte Honigernte in Kanada mit Gentechnik kontaminiert und kaum absetzbar. Diese multinationalen Konzerne wollen zu 100% die Kontrolle über das Saatgut und somit über die Welternährung erlangen. Europa hat noch die Chance zur Gentechnik großteils Nein zu sagen.
Percy Schmeiser meint abschließend, wenn diesen Saatgutkonzernen Patente für Saatgut zugesprochen werden, dann müssen sie zwingend auch die Haftung für sämtliche Folgeschäden übernehmen.

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Peter Viehrig - 2008-08-08 00:51
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