Mir kam es direkt merkwürdig vor und habe nochmal nachgesehen. Dein Eindruck, dass Dawkins Agnostiker als Weicheier ansieht, trügt, da er sich selbst ausdrücklich als Agnostiker bezeichnet. Er sagt wörtlich, dass er kein Atheist sei.
im Moment nicht zur Hand aber der Begriff "Weichei" fällt in Verbindung mit Agnostizismus durchaus. Er unterscheidet zwei verschiedene Arten von Agnostikern - VPA "vorübergehend pragmatisch" und PPA "prinzipiell permanent". Da bei einem Agnostiker immer die Möglichkeit der Existenz eines Gottes besteht, lehnt das ziemlich eindeutig ab. - Spätestens nach dem Kapitel, wo er beweisen will, dass Gott "vermutlich" nicht existiert.
Wie gesagt, ich habe das Buch im Moment nicht zur Hand, wüsste aber gerne, wo er sich dort dezidiert als Agnostiker outet (ohne die Ebene des wissenschaftlichen Agonistizismus zu verlassen) oder sich sogar als Nicht-Atheist bezeichnet.
Übrigens: Die Wikipedia-Artikel zum Thema sind nicht besonders aussagefähig. In einem Artikel wird Dawkins tatsächlich als Agnostiker geführt - im Dawkins-Artikel selber als "bekennender Atheist". Auch wenn die Dawkins-Seite skeptischen Stimmen gegenüber nicht aufgeschlossen ist und alles wieder löscht, was das Denkmal ankratzen könnte - ich glaube (sic!), hier haben sie recht.
Peter (anonym) - 2007-10-17 20:32
Ich bitte die Quelle zu entschuldigen. In einem Wartezimmer stolperte ich heute über das Stern-Interview mit Dawkins, wo er dies explizit so sagt. Im Netz findet man noch einige Interviews, wo er diese Haltung dediziert einnimmt. Leider dominiert die aktuelle Hype die ersten Google-Seiten, so dass die älteren Treffer untergehen.
Ich stimme ja zu, dass Dawkins mit dem aktuellen Buch den Rubikon überschritten hat. Vielleicht ist es dem Verlag geschuldet, vielleicht seine eigene Entscheidung, um schlicht Wind zu machen. Allgemein halte ich Dawkins aber nicht für unseriös.
Peter (anonym) - 2007-10-17 20:41
Nachtrag
Das Stern-Interview ist übrigens auch hier zu lesen. Der entsprechende Absatz lautet:
Ich bin Agnostiker. Üblicherweise sind Agnostiker Leute, die eine 50 : 50-Wette über die Existenz Gottes eingehen: Kann sein, dass es ihn gibt, kann auch sein, dass es ihn nicht gibt. Das finde ich zu wenig. Auf der anderen Seite stehen die Atheisten. Atheismus in purer Form heißt: Gott gibt es mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit nicht. Auch diese Position teile ich nicht. Ein Wissenschaftler sollte sich nie hundertprozentig sicher sein. Aber es geht um mehr als 50 : 50. Vermutlich glauben Sie ebenso wenig wie ich an die Existenz von Feen oder von unsichtbaren Wesen in rosa Uniformen. In diesem Sinne sind wir fast alle Agnostiker. Genau darum geht es auch bei der Existenz Gottes.
will ich nicht diskutieren; die soll jeder aus diesem Buch herauslesen. Seine Methoden sind - naja, nicht besonders wissenschaftlich.
Danke für die Quelle. Wenn sich Dawkins als Agnostiker bezeichnet, ist das ein Witz. Etwa so, als würde sich Kim Yong-Il als Demokrat bezeichnen (womit ich Dawkins nicht mit Kim vergleichen will). Ich verstehe das nur so, dass er sich ein bisschen anbiedern will.
Dawkins beginnt den Gotteswahn mit dem "Geständnis", er wolle mit diesem Buch zum Atheismus bekehren. Dies sei ein grosses, realistisches Ziel. Er bekennt sich zum Stolz auf den Atheismus. Ob er sich d e z i d i e r t als Atheist bezeichnet, kann ich im Moment nicht rekonstruieren.
Irgendwo berichtet Dawkins von einer Skala von 1 bis 7 - wobei 1 die absolute Frömmigkeit darstellt und 7 die 100%ige Gottesleugnung. Dawkins stuft sich dort - wenn ich es richtig in erinnerung habe - bei 6,5 ein. Um eine Umfrage hierzu auszuwerten, wirft er 6er und 7er in den gleichen Topf (was logisch ist) und nennt sie Atheisten.
Mir scheint Dawkins "Agnostizismus" rhetorischer Natur zu sein:
"Ein Wissenschaftler sollte sich nie hundertprozentig sicher sein."
So nach dem Motto, wenn es schon zum guten Ton gehört...
Peter (anonym) - 2007-10-17 23:51
Hast du eigentlich "Das egoistische Gen" oder "Der blinde Uhrmacher" gelesen? Wenn nicht, wäre dies eine Möglichkeit Dawkins' Leumund wieder herzustellen. Bei dem zweiten Buch merkt man allerdings schon, dass der Mann von dem Fundamentalismus mancher Opponenten gezeichnet war.
Und, die 6,5 wird von ihm dezidiert (Ja,Danke!) begründet, in dem er sich ausdrücklich auf die Russel'sche Teapot-Analogie ( heute wohl eher als Spaghettimonster bekannt ) bezieht.
Zählt man die bereits postulierten Götter, die die Menscheit so hervorgebracht hat, bleibt dann als Wahrscheinlichkeit pro Gott nicht viel. Sicherlich wird es einem Evangelikalen in Amerika keinerlei Kopfzerbrechen bereiten Apollo als denkbaren Gott zu verwerfen. Aber mit welchem Recht? Würden alle Menschen, nicht per Geburtsort, sondern per Ontogenese einen bestimmten offenbarten Gott anbeten, sähe die Situation völlig anderns aus.
Agnostik ist eben nicht die 50:50 Haltung, sondern nur die Anerkennung, dass die Frage schlussendlich nur aus einer unmöglichen Metaposition zu beurteilen wäre. Real existierende Religionen haben dabei aber noch viel größere Angriffsflächen als die durch Kant freigepinselten.
Ich habe begonnen, Dawkins Buch zu lesen. Die gesamte Einleitung nutzt er, Theismus, Deismus, Pantheismus und Atheismus voneinander abzugrenzen und die "Religion" von Wissenschaftlern zu erklären. Sein Lieblingsbeispiel sind unzählige Zitate von Einstein, die, aus dem Zusammenhang gerissen, den Eindruck vermitteln können, Einstein wäre religiös im Sinne des Theismus gewesen. Zu sich selbst schreibt Dawkins:
Indes, ich nenne mich lieber nicht "religiös", weil diese Bezeichnung missverständlich ist - auf verhängnisvolle Weise missverständlich, weil für die allermeisten Menschen "Religion" das "Übernatürliche" impliziert. Sehr schön hat es auch Carl Sagan formuliert: "Wenn man mit 'Gott' die Gesamtheit der physikalischen Gesetze meint, die das Universum beherrschen, dann gibt es natürlich einen Gott. Doch dieser Gott ist emotional unbefriedigend. Es hat nicht viel Sinn, zum Gravitationsgesetz zu beten.
Summa summarum: Dawkins ist ein lupenreiner Atheist, der auch den Agnostizismus kritisiert. Deismus (abwesender Gott) ist für ihn ein verwässerter Theismus (personalisierter Gott), Pantheismus (Gott ist Natur) verwässerter Atheismus. Wenn er sich tatsächlich als Agnostiker bezeichnet hat, dann nur zähneknirschend aus erkenntnistheoretischen Gründen.
Nein, ich habe die anderen Dawkins-Bücher nicht gelesen. Und ich wollte auch seinen Leumund nicht angreifen - das kann ich gar nicht und schon gar nicht auf Dawkins' Gebiet. Das Interesse besteht übrigens weiterhin bei mir - ich habe bereits das Buch von Christopher Hitchen auf dem Tisch (Dawkins zitiert Hitchen gelegentlich).
Ich glaube, man muss dabei die institutionalisierte Religionsausübung von der Sehnsucht vieler Menschen nach transzendentalem Glauben unterscheiden.
Die Institution "katholische Kirche" beispielsweise kann man mit sehr vielen, guten Gründen kritisieren. Man kann die Vereinnahmung der Evangelien kritisieren, man kann die Exegese kritisieren, man kann die historischen Verirrungen wie Kreuzzüge, Inquisition, usw. angreifen (letzteres macht Dawkins nicht) - man kann die aktuellen Verstrickungen des Vatikan kritisieren und/oder dessen Haltung während der NS-Zeit. All dies ist wichtig, legitim und durchaus aufklärerisch. Man kann und muss auch die nach wie vor starken EInflüsse der christlichen Kirchen in das deutsche Gemeinwesen hinein kritisieren - ich finde es beispielsweise skandalös, dass der Kirchensteuerabzug von den Finanzämtern durchgeführt wird und dass es einen Religionsunterricht in den Schulen gibt, der ausschliesslich die christliche Religion nahebringt.
Aber man kann und darf das im Menschen wesende Gefühl, was nur undeutlich mit "reiligiös" beschrieben ist, nicht per se als Aberglauben denunzieren. Ich glaube, dass Dawkins das gleiche macht, was er den Kreationisten vorwirft: Er setzt sich und seinen Wissenschaftsglauben absolut; Dawkins ist - im schlechtesten Sinn - ein Dogmatiker.
"Der Gotteswahn" ist deshalb nicht aufklärerisch, weil er dem Leser gar keine Chance lässt, sich ein eigenes Bild zu machen. Für Dawkins sind Gläubige dumm und krank. Und wer das nicht begreift, ist auch dumm. Basta. Dawkins ist ein Jakobiner.
Noch etwas zur katholischen Kirche: Bei allen (auch oben aufgezählten) Kritikpunkten zeigt sich doch im Vergkleich zum Islam, wie wichtig eine Institutionalisierung sein kann. Der Islam kennt so etwas nicht (der Protestantismus auch nicht) und daher gibt es - was die Interpretation des Koran angeht - keine "einheitliche Meinung". Die Krux daran zeigt sich jetzt: Religion kann von jedem Prediger in seinem Sinn fast beliebig gedeutet und instrumentalisiert werden. Was nach aussen hin als pluralistisch gilt, birgt eine grosse Gefahr in sich.
Diese Gefahr ist nicht nur im Islam virulent, sondern auch im Protestantismus, der uns in den USA begegnet. Dawkins greift diesen ja auch vollkommen zurecht an. Er macht dies nur mit den falschen Mitteln. Ich glaube auch, dass auf Dauer Bewegungen wie die Evangelikalen eine grössere Gefahr für unsere Demokratie darstellen, wie der sogenannte Islamismus. Aber man schärft das Bewusstsein dafür nicht, dass man auch alle "wohlmeinenden" Christen in derartiger Form verprellt und diffamiert.
Peter (anonym) - 2007-10-18 11:14
@Köppnik
Nur aus erkenntnistheoretischen Gründen?
@Gregor Keuschnig
Ich glaube nicht, dass Dawkins religiöse Menschen per se für dumm hält. Haggard-Jünger sicherlich, aber nicht allgemein (hier wird gerne seine Freundschaft zu dem ehemaligen Bischof von Oxford genannt). Er versteht sie nur nicht. Da es mir ebenso geht, mag meine Empathie den ein oder anderen Fehlgriff relativieren.
Das Kausalitätsprinzip ist dem Menschen in die Wiege gelegt. Der Drang Ursachen für Wirkungen zu finden, ist eine der Eigenschaften, die den Mensch zum Menschen macht. Die letzte Ursache, den unbewegten Beweger oder wie immer man das nennen will, zu finden, kommt also nicht von ungefähr. Was ist jetzt demütiger? Wenn ich mir anmaße diese letzte Ursache zu bennenen oder wenn ich sage dies liegt außerhalb meiner Möglichkeiten?
Es wäre für Herrn Schäuble oder auch Beckstein angenehm mit einem institutionalisierten Islam zu verhandeln. Das ist aber rein politisch motiviert. Warum gibt es denn eine katholische Institutionalisierung? Fing das nicht damit an, dass Paulus Johannes aus dem Boot schubste? Dass Augustinus die Kirche kurzfristig neu erfunden hat? Anders formuliert, ist das nicht reines Menschenwerk zum Machterhalt und hat mit der Frage nach Agnostik, Deismus oder Theismus überhaupt nichts zu tun?
Wenn wir davon ausgehen, dass wir keine letzte Ursache und keinen Sinn unseres Daseins mit Sicherheit begründen können, dann stehen wir, wie Camus gezeigt hat, vor der Absurdität unserer Existenz: Wir sind, aber wir wissen nicht wieso oder wozu.
Trotz allem: Es ist nahe liegend irgendwelche Deutungen zu versuchen und jede Metaerzählung - wie Religion - bindet den Menschen in einen sinnstiftenden Rahmen ein, sie gibt ihm Orientierung. Das ist meines Erachtens der wesentlichste Grund für Religion. Sie ist einfach eine psychologische "Notwendigkeit" (ebenso wie viele Ideologien). Die eigene Existenz soll erträglich sein, wir wollen glauben, dass unser Tun und Lassen irgendeinen Sinn hat. Ich kann das verstehen.
Zur Institutionalisierung: Abseits vom Machterhalt, es ist für den Gesetzgeber natürlich einfach und wünschenswert wenn er "einen" Ansprechpartner für jede Religionsgemeinschaft hat. Ich glaube diese Forderung an den Islam ist legitim und notwendig; das heißt ja auch nicht, dass es dann nur eine Spielart des Islam gibt.
Es steht wörtlich im Buch, dass er religiöse Menschen für dumm hält. Das schliesst nicht aus, dass er einigen, wenigen Bischöfen Respekt bezeugt. Vermutlich wird er dann durch dessen Intellekt ein bisschen milder gestimmt.
Die Frage, ob Religion zum Machterhalt für bestimmte Eliten dient, ist nicht einfach zu beantworten. Die Ursprünge des Christentums müssen m. E. als "rein" gedacht werden. Später - und das meine ich mit der institutionalisierten Kirche - wurden Interessen gebündelt und Meinungen kanonisiert (und andere bekämpft). Aber Dawkins betreibt mit seinem jakobinischen Atheismus nichts anderes. Das unterscheidet ihn vom Existenzialismus, der den Menschen zwar von Gott "befreit", dies jedoch weder dogmatisch macht, noch Andersdenkende pauschal denunziert. Der Existenzialismus lässt mir die Freiheit, mich für das Nichts zu entscheiden - Dawkins will mich zum Parteigänger machen.
Genau! Er zerstört das Nichts, indem er wieder etwas, eine Idee, als sicher annimmt, und es an seine Stelle setzt.
Peter (anonym) - 2007-10-18 17:33
@Metepsilonema
Trotz allem: Es ist nahe liegend irgendwelche Deutungen zu versuchen und jede Metaerzählung - wie Religion - bindet den Menschen in einen sinnstiftenden Rahmen ein, sie gibt ihm Orientierung. Das ist meines Erachtens der wesentlichste Grund für Religion. Sie ist einfach eine psychologische "Notwendigkeit" (ebenso wie viele Ideologien). Die eigene Existenz soll erträglich sein, wir wollen glauben, dass unser Tun und Lassen irgendeinen Sinn hat. Ich kann das verstehen.
Wo kommt die Sinnstiftung her? Offenbarung? Mir hat sich nichts offenbart und nehme an, dass meinen religösen Mitmenschen der Glaube nur per gesellschaftlicher Doktrin zu Teil wurde. Die psychologische Notwendigkeit hört sich eher nach "Ich möchte, also ist" an. Wenn du so leichtfertig behauptest, dass es nahe liegend ist irgendwelche Deutungen zu versuchen, dann frage ich mich was daran nahe liegend ist. Wieso ist ausgerechnet der christliche Gott sinnstiftend? Wieso überhaupt? Warum nicht Apollo et al.? Wie klärst du das Leib-Seele-Problem? Nahe liegend sehe ich da gar nichts. "Ich weiß, dass ich nichts weiß" ist naheliegend.
@Gregor Keuschnig
Die Frage, ob Religion zum Machterhalt für bestimmte Eliten dient, ist nicht einfach zu beantworten. Die Ursprünge des Christentums müssen m.E. als "rein" gedacht werden.
Deshalb hatte ich Johannes und Paulus erwähnt. Schon während der frühen Institutionalisierung kam es zum Sündenfall.
Später - und das meine ich mit der institutionalisierten Kirche - wurden Interessen gebündelt und Meinungen kanonisiert (und andere bekämpft).
Und diese kanonisierte Meinung kam wem per Offenbarung (oder welche "Beglaubigung" gibt es) und warum ist er legitimierter als andere? Entschuldigung, dass ist für mich hanebüchen.
Ich Stelle einfach mal die These auf: Was Agnostizismus für Naturwissenschaftler, ist Existenzialismus für die Geisteswissenschaft. Beide erlauben den Rückzug vor den "großen Fragen", schmecken aber je nach geistiger Herkunft besser. Mehr Freiheit sehe ich da nicht.
Wo kommt die Sinnstiftung her? Offenbarung? Mir hat sich nichts offenbart und nehme an, dass meinen religösen Mitmenschen der Glaube nur per gesellschaftlicher Doktrin zu Teil wurde. Die psychologische Notwendigkeit hört sich eher nach "Ich möchte, also ist" an. Wenn du so leichtfertig behauptest, dass es nahe liegend ist irgendwelche Deutungen zu versuchen, dann frage ich mich was daran nahe liegend ist. Wieso ist ausgerechnet der christliche Gott sinnstiftend? Wieso überhaupt? Warum nicht Apollo et al.? Wie klärst du das Leib-Seele-Problem? Nahe liegend sehe ich da gar nichts. "Ich weiß, dass ich nichts weiß" ist naheliegend.
Nicht alle Religionen sind Offenbarungsreligionen, das ist nur eine Kategorie.
Die Sinnstiftung wird von uns konstruiert, und wenn man es genau nimmt, dann beginnt sie dort wo wir auf irgendetwas zu hoffen beginnen, wo wir glauben, oder meinen, dass das was wir tun irgendeine Bedeutung hat. Es ist nicht einfach die Sinnlosigkeit seiner Existenz hinzunehmen (man versuche einmal daraus alle Konsequenzen zu ziehen und danach zu leben); und natürlich, es ist in einem gewissen, wenn auch oft unbewussten Sinne ein "Ich möchte, also ist". Apollo et al. ist genauso sinnstiftend wie Jesus, Allah, Buddha, oder die Aufklärung, wieso auch nicht (das wurde, glaube ich, doch nirgends bestritten)?
Worauf ich hinaus will ist, dass jede Deutung unser Dasein wesentlich erleichtert, uns quasi ein Grundlage, einen Bezug, eine Rechtfertigung gibt. Das "ich weiß nichts" ist quälend! Camus schreibt " [...] er ist ein Blinder, der sehen will und weiß dass die Nacht keine Ende hat." (aus dem Kopf zitiert). Wir wollen nicht sehen, dass es so ist. Die Sinnstiftung ist eine Befreiung, eine Befreiung von der Absurdität der Existenz! Es lebt sich einfach um soviel besser. Und wer will schon unglücklich sein?
Man nimmt meist den Glauben, den die Mehrheit einer Gesellschaft an, das kann man von mir aus Doktrin nennen, aber es gibt genauso eine persönliche Disposition, die wohl nicht das ganze Leben lang gleich ausgeprägt ist.
Im Übrigen glaube ich, dass jemand der tatsächlich glaubt sich des "Restrisikos" durchaus bewusst ist, denn wer glaubt vertraut, und weiß gleichzeitig, dass es nicht hundertprozentig sicher ist. Etwas Mut ist daher gefordert. Nur die Eiferer und Fanatiker verwechseln Glauben und sicheres Wissen. Sie zerstören die letzte verbleibende Ungewissheit.
Warum jetzt das Leib-Seele-Problem ins Spiel kommt, verstehe ich nicht ganz, ich bitte um Erläuterung.
Ja, das ist für einige sicherlich nicht angenehm, wobei der Existenzialismus allerdings Andersdenkende nicht diffamiert und die Befreiung von jeglicher Metaphysik erfolgt m. E. übrigens aufgrund eines Denkmodells und nicht irgendwelcher empirischer Nachweisbarkeit (was Dawkins versucht und womit er kläglich scheitert). Sie ist viel filigraner und zarter.
Es gibt aber mindestens eine Stelle bei Camus, die ich aus dem Kopf erinnere, in dem er vor der "Abtrünnigkeit" (meine Formulierung) hin zur Religion in den letzten Lebensmomenten "warnt". Das hat dann ein bisschen was Rigoroses - da wird Konsequenz eingefordert.
Wenn der Existenzialismus eine Metapysikkritik darstellt - und das tut er -, dann darf er auch nicht mehr als die Entscheidung in die Hände des Individuums zu legen - sie ist damit eine persönliche geworden. Alles was darüber hinausgeht wäre ja wieder Metaphysik (das genau ist ja auch ein "Problem" der Postmoderne).
Empirische Versuche sind natürlich zum Scheitern verurteilt...
Falls du die Camus-Stelle rekonstruieren kannst (ohne allzu großen Aufwand), sie würde mich interessieren. Ich glaube es erfordert tatsächlich rigorose Konsequenz wenn man den Weg, den Camus beschreibt, gehen will. Aber es wird niemand gezwungen.
Vermutlich fordern die letzten Lebensmomente (so man sie bewusst erlebt) dazu heraus doch noch auf "Nummer sicher zu gehen" und zu glauben zu beginnen.
Ich habe das Buch
Wie gesagt, ich habe das Buch im Moment nicht zur Hand, wüsste aber gerne, wo er sich dort dezidiert als Agnostiker outet (ohne die Ebene des wissenschaftlichen Agonistizismus zu verlassen) oder sich sogar als Nicht-Atheist bezeichnet.
Übrigens: Die Wikipedia-Artikel zum Thema sind nicht besonders aussagefähig. In einem Artikel wird Dawkins tatsächlich als Agnostiker geführt - im Dawkins-Artikel selber als "bekennender Atheist". Auch wenn die Dawkins-Seite skeptischen Stimmen gegenüber nicht aufgeschlossen ist und alles wieder löscht, was das Denkmal ankratzen könnte - ich glaube (sic!), hier haben sie recht.
Ich stimme ja zu, dass Dawkins mit dem aktuellen Buch den Rubikon überschritten hat. Vielleicht ist es dem Verlag geschuldet, vielleicht seine eigene Entscheidung, um schlicht Wind zu machen. Allgemein halte ich Dawkins aber nicht für unseriös.
Nachtrag
Ich bin Agnostiker. Üblicherweise sind Agnostiker Leute, die eine 50 : 50-Wette über die Existenz Gottes eingehen: Kann sein, dass es ihn gibt, kann auch sein, dass es ihn nicht gibt. Das finde ich zu wenig. Auf der anderen Seite stehen die Atheisten. Atheismus in purer Form heißt: Gott gibt es mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit nicht. Auch diese Position teile ich nicht. Ein Wissenschaftler sollte sich nie hundertprozentig sicher sein. Aber es geht um mehr als 50 : 50. Vermutlich glauben Sie ebenso wenig wie ich an die Existenz von Feen oder von unsichtbaren Wesen in rosa Uniformen. In diesem Sinne sind wir fast alle Agnostiker. Genau darum geht es auch bei der Existenz Gottes.
Dem kann ich inhaltlich vollständig zustimmen.
Die Seriosität von Dawkins
Danke für die Quelle. Wenn sich Dawkins als Agnostiker bezeichnet, ist das ein Witz. Etwa so, als würde sich Kim Yong-Il als Demokrat bezeichnen (womit ich Dawkins nicht mit Kim vergleichen will). Ich verstehe das nur so, dass er sich ein bisschen anbiedern will.
Dawkins beginnt den Gotteswahn mit dem "Geständnis", er wolle mit diesem Buch zum Atheismus bekehren. Dies sei ein grosses, realistisches Ziel. Er bekennt sich zum Stolz auf den Atheismus. Ob er sich d e z i d i e r t als Atheist bezeichnet, kann ich im Moment nicht rekonstruieren.
Irgendwo berichtet Dawkins von einer Skala von 1 bis 7 - wobei 1 die absolute Frömmigkeit darstellt und 7 die 100%ige Gottesleugnung. Dawkins stuft sich dort - wenn ich es richtig in erinnerung habe - bei 6,5 ein. Um eine Umfrage hierzu auszuwerten, wirft er 6er und 7er in den gleichen Topf (was logisch ist) und nennt sie Atheisten.
Rhetorik?
"Ein Wissenschaftler sollte sich nie hundertprozentig sicher sein."
So nach dem Motto, wenn es schon zum guten Ton gehört...
Und, die 6,5 wird von ihm dezidiert (Ja,Danke!) begründet, in dem er sich ausdrücklich auf die Russel'sche Teapot-Analogie ( heute wohl eher als Spaghettimonster bekannt ) bezieht.
Zählt man die bereits postulierten Götter, die die Menscheit so hervorgebracht hat, bleibt dann als Wahrscheinlichkeit pro Gott nicht viel. Sicherlich wird es einem Evangelikalen in Amerika keinerlei Kopfzerbrechen bereiten Apollo als denkbaren Gott zu verwerfen. Aber mit welchem Recht? Würden alle Menschen, nicht per Geburtsort, sondern per Ontogenese einen bestimmten offenbarten Gott anbeten, sähe die Situation völlig anderns aus.
Agnostik ist eben nicht die 50:50 Haltung, sondern nur die Anerkennung, dass die Frage schlussendlich nur aus einer unmöglichen Metaposition zu beurteilen wäre. Real existierende Religionen haben dabei aber noch viel größere Angriffsflächen als die durch Kant freigepinselten.
...falls du noch Interesse an dem Thema hast.
@Peter
Ich glaube, man muss dabei die institutionalisierte Religionsausübung von der Sehnsucht vieler Menschen nach transzendentalem Glauben unterscheiden.
Die Institution "katholische Kirche" beispielsweise kann man mit sehr vielen, guten Gründen kritisieren. Man kann die Vereinnahmung der Evangelien kritisieren, man kann die Exegese kritisieren, man kann die historischen Verirrungen wie Kreuzzüge, Inquisition, usw. angreifen (letzteres macht Dawkins nicht) - man kann die aktuellen Verstrickungen des Vatikan kritisieren und/oder dessen Haltung während der NS-Zeit. All dies ist wichtig, legitim und durchaus aufklärerisch. Man kann und muss auch die nach wie vor starken EInflüsse der christlichen Kirchen in das deutsche Gemeinwesen hinein kritisieren - ich finde es beispielsweise skandalös, dass der Kirchensteuerabzug von den Finanzämtern durchgeführt wird und dass es einen Religionsunterricht in den Schulen gibt, der ausschliesslich die christliche Religion nahebringt.
Aber man kann und darf das im Menschen wesende Gefühl, was nur undeutlich mit "reiligiös" beschrieben ist, nicht per se als Aberglauben denunzieren. Ich glaube, dass Dawkins das gleiche macht, was er den Kreationisten vorwirft: Er setzt sich und seinen Wissenschaftsglauben absolut; Dawkins ist - im schlechtesten Sinn - ein Dogmatiker.
"Der Gotteswahn" ist deshalb nicht aufklärerisch, weil er dem Leser gar keine Chance lässt, sich ein eigenes Bild zu machen. Für Dawkins sind Gläubige dumm und krank. Und wer das nicht begreift, ist auch dumm. Basta. Dawkins ist ein Jakobiner.
Noch etwas zur katholischen Kirche: Bei allen (auch oben aufgezählten) Kritikpunkten zeigt sich doch im Vergkleich zum Islam, wie wichtig eine Institutionalisierung sein kann. Der Islam kennt so etwas nicht (der Protestantismus auch nicht) und daher gibt es - was die Interpretation des Koran angeht - keine "einheitliche Meinung". Die Krux daran zeigt sich jetzt: Religion kann von jedem Prediger in seinem Sinn fast beliebig gedeutet und instrumentalisiert werden. Was nach aussen hin als pluralistisch gilt, birgt eine grosse Gefahr in sich.
Diese Gefahr ist nicht nur im Islam virulent, sondern auch im Protestantismus, der uns in den USA begegnet. Dawkins greift diesen ja auch vollkommen zurecht an. Er macht dies nur mit den falschen Mitteln. Ich glaube auch, dass auf Dauer Bewegungen wie die Evangelikalen eine grössere Gefahr für unsere Demokratie darstellen, wie der sogenannte Islamismus. Aber man schärft das Bewusstsein dafür nicht, dass man auch alle "wohlmeinenden" Christen in derartiger Form verprellt und diffamiert.
Nur aus erkenntnistheoretischen Gründen?
@Gregor Keuschnig
Ich glaube nicht, dass Dawkins religiöse Menschen per se für dumm hält. Haggard-Jünger sicherlich, aber nicht allgemein (hier wird gerne seine Freundschaft zu dem ehemaligen Bischof von Oxford genannt). Er versteht sie nur nicht. Da es mir ebenso geht, mag meine Empathie den ein oder anderen Fehlgriff relativieren.
Das Kausalitätsprinzip ist dem Menschen in die Wiege gelegt. Der Drang Ursachen für Wirkungen zu finden, ist eine der Eigenschaften, die den Mensch zum Menschen macht. Die letzte Ursache, den unbewegten Beweger oder wie immer man das nennen will, zu finden, kommt also nicht von ungefähr. Was ist jetzt demütiger? Wenn ich mir anmaße diese letzte Ursache zu bennenen oder wenn ich sage dies liegt außerhalb meiner Möglichkeiten?
Es wäre für Herrn Schäuble oder auch Beckstein angenehm mit einem institutionalisierten Islam zu verhandeln. Das ist aber rein politisch motiviert. Warum gibt es denn eine katholische Institutionalisierung? Fing das nicht damit an, dass Paulus Johannes aus dem Boot schubste? Dass Augustinus die Kirche kurzfristig neu erfunden hat? Anders formuliert, ist das nicht reines Menschenwerk zum Machterhalt und hat mit der Frage nach Agnostik, Deismus oder Theismus überhaupt nichts zu tun?
@Gregor Keuschnig
Trotz allem: Es ist nahe liegend irgendwelche Deutungen zu versuchen und jede Metaerzählung - wie Religion - bindet den Menschen in einen sinnstiftenden Rahmen ein, sie gibt ihm Orientierung. Das ist meines Erachtens der wesentlichste Grund für Religion. Sie ist einfach eine psychologische "Notwendigkeit" (ebenso wie viele Ideologien). Die eigene Existenz soll erträglich sein, wir wollen glauben, dass unser Tun und Lassen irgendeinen Sinn hat. Ich kann das verstehen.
Zur Institutionalisierung: Abseits vom Machterhalt, es ist für den Gesetzgeber natürlich einfach und wünschenswert wenn er "einen" Ansprechpartner für jede Religionsgemeinschaft hat. Ich glaube diese Forderung an den Islam ist legitim und notwendig; das heißt ja auch nicht, dass es dann nur eine Spielart des Islam gibt.
@Peter und Metepsilonema
Die Frage, ob Religion zum Machterhalt für bestimmte Eliten dient, ist nicht einfach zu beantworten. Die Ursprünge des Christentums müssen m. E. als "rein" gedacht werden. Später - und das meine ich mit der institutionalisierten Kirche - wurden Interessen gebündelt und Meinungen kanonisiert (und andere bekämpft). Aber Dawkins betreibt mit seinem jakobinischen Atheismus nichts anderes. Das unterscheidet ihn vom Existenzialismus, der den Menschen zwar von Gott "befreit", dies jedoch weder dogmatisch macht, noch Andersdenkende pauschal denunziert. Der Existenzialismus lässt mir die Freiheit, mich für das Nichts zu entscheiden - Dawkins will mich zum Parteigänger machen.
@Gregor Keuschnig
Trotz allem: Es ist nahe liegend irgendwelche Deutungen zu versuchen und jede Metaerzählung - wie Religion - bindet den Menschen in einen sinnstiftenden Rahmen ein, sie gibt ihm Orientierung. Das ist meines Erachtens der wesentlichste Grund für Religion. Sie ist einfach eine psychologische "Notwendigkeit" (ebenso wie viele Ideologien). Die eigene Existenz soll erträglich sein, wir wollen glauben, dass unser Tun und Lassen irgendeinen Sinn hat. Ich kann das verstehen.
Wo kommt die Sinnstiftung her? Offenbarung? Mir hat sich nichts offenbart und nehme an, dass meinen religösen Mitmenschen der Glaube nur per gesellschaftlicher Doktrin zu Teil wurde. Die psychologische Notwendigkeit hört sich eher nach "Ich möchte, also ist" an. Wenn du so leichtfertig behauptest, dass es nahe liegend ist irgendwelche Deutungen zu versuchen, dann frage ich mich was daran nahe liegend ist. Wieso ist ausgerechnet der christliche Gott sinnstiftend? Wieso überhaupt? Warum nicht Apollo et al.? Wie klärst du das Leib-Seele-Problem? Nahe liegend sehe ich da gar nichts. "Ich weiß, dass ich nichts weiß" ist naheliegend.
@Gregor Keuschnig
Die Frage, ob Religion zum Machterhalt für bestimmte Eliten dient, ist nicht einfach zu beantworten. Die Ursprünge des Christentums müssen m.E. als "rein" gedacht werden.
Deshalb hatte ich Johannes und Paulus erwähnt. Schon während der frühen Institutionalisierung kam es zum Sündenfall.
Später - und das meine ich mit der institutionalisierten Kirche - wurden Interessen gebündelt und Meinungen kanonisiert (und andere bekämpft).
Und diese kanonisierte Meinung kam wem per Offenbarung (oder welche "Beglaubigung" gibt es) und warum ist er legitimierter als andere? Entschuldigung, dass ist für mich hanebüchen.
Ich Stelle einfach mal die These auf: Was Agnostizismus für Naturwissenschaftler, ist Existenzialismus für die Geisteswissenschaft. Beide erlauben den Rückzug vor den "großen Fragen", schmecken aber je nach geistiger Herkunft besser. Mehr Freiheit sehe ich da nicht.
Langsam, langsam
Wo kommt die Sinnstiftung her? Offenbarung? Mir hat sich nichts offenbart und nehme an, dass meinen religösen Mitmenschen der Glaube nur per gesellschaftlicher Doktrin zu Teil wurde. Die psychologische Notwendigkeit hört sich eher nach "Ich möchte, also ist" an. Wenn du so leichtfertig behauptest, dass es nahe liegend ist irgendwelche Deutungen zu versuchen, dann frage ich mich was daran nahe liegend ist. Wieso ist ausgerechnet der christliche Gott sinnstiftend? Wieso überhaupt? Warum nicht Apollo et al.? Wie klärst du das Leib-Seele-Problem? Nahe liegend sehe ich da gar nichts. "Ich weiß, dass ich nichts weiß" ist naheliegend.
Nicht alle Religionen sind Offenbarungsreligionen, das ist nur eine Kategorie.
Die Sinnstiftung wird von uns konstruiert, und wenn man es genau nimmt, dann beginnt sie dort wo wir auf irgendetwas zu hoffen beginnen, wo wir glauben, oder meinen, dass das was wir tun irgendeine Bedeutung hat. Es ist nicht einfach die Sinnlosigkeit seiner Existenz hinzunehmen (man versuche einmal daraus alle Konsequenzen zu ziehen und danach zu leben); und natürlich, es ist in einem gewissen, wenn auch oft unbewussten Sinne ein "Ich möchte, also ist". Apollo et al. ist genauso sinnstiftend wie Jesus, Allah, Buddha, oder die Aufklärung, wieso auch nicht (das wurde, glaube ich, doch nirgends bestritten)?
Worauf ich hinaus will ist, dass jede Deutung unser Dasein wesentlich erleichtert, uns quasi ein Grundlage, einen Bezug, eine Rechtfertigung gibt. Das "ich weiß nichts" ist quälend! Camus schreibt " [...] er ist ein Blinder, der sehen will und weiß dass die Nacht keine Ende hat." (aus dem Kopf zitiert). Wir wollen nicht sehen, dass es so ist. Die Sinnstiftung ist eine Befreiung, eine Befreiung von der Absurdität der Existenz! Es lebt sich einfach um soviel besser. Und wer will schon unglücklich sein?
Man nimmt meist den Glauben, den die Mehrheit einer Gesellschaft an, das kann man von mir aus Doktrin nennen, aber es gibt genauso eine persönliche Disposition, die wohl nicht das ganze Leben lang gleich ausgeprägt ist.
Im Übrigen glaube ich, dass jemand der tatsächlich glaubt sich des "Restrisikos" durchaus bewusst ist, denn wer glaubt vertraut, und weiß gleichzeitig, dass es nicht hundertprozentig sicher ist. Etwas Mut ist daher gefordert. Nur die Eiferer und Fanatiker verwechseln Glauben und sicheres Wissen. Sie zerstören die letzte verbleibende Ungewissheit.
Warum jetzt das Leib-Seele-Problem ins Spiel kommt, verstehe ich nicht ganz, ich bitte um Erläuterung.
Nicht nur von Gott
Der Existenzialismus befreit nicht nur von Gott, sondern von sämtlicher Metaphysik, was vermutlich nicht allen genehm ist.
@Metepsilonema
Es gibt aber mindestens eine Stelle bei Camus, die ich aus dem Kopf erinnere, in dem er vor der "Abtrünnigkeit" (meine Formulierung) hin zur Religion in den letzten Lebensmomenten "warnt". Das hat dann ein bisschen was Rigoroses - da wird Konsequenz eingefordert.
@Gregor
Empirische Versuche sind natürlich zum Scheitern verurteilt...
Falls du die Camus-Stelle rekonstruieren kannst (ohne allzu großen Aufwand), sie würde mich interessieren. Ich glaube es erfordert tatsächlich rigorose Konsequenz wenn man den Weg, den Camus beschreibt, gehen will. Aber es wird niemand gezwungen.
Vermutlich fordern die letzten Lebensmomente (so man sie bewusst erlebt) dazu heraus doch noch auf "Nummer sicher zu gehen" und zu glauben zu beginnen.