Der Atheismus, wie auch der Theismus benötigen notwendiger Weise den Glauben. Nur der Agnostiker ist sich bewusst, dass er die Existenz Gottes nicht erkennen kann. Er ist der einzige der mit möglichst wenigen zusätzlichen Annahmen auskommen will bzw. muss. Er ist es, der den meisten Mut benötigt, und sicher alles andere als ein "Weichei".
Im Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten: wir stiften einen Sinnzusammenhang, und brauchen dazu Prämissen die wir nicht beweisen oder widerlegen können, und daher glauben müssen, oder wir akzeptieren die Sinnlosigkeit dieser Welt, ihre Kälte und Bedeutungslosigkeit (die allermeisten von uns befreien sich davon wohl unbewusst). Letzteres ist nicht unbedigt einfach zu (er)tragen, das hat immer wieder den Sieg der Religionen, und anderer ideologischer Systeme und Ideen ausgemacht. Auch aus dem Evolutionismus (Naturalismus) kann (ungewollt?) ebenso ein solches System entstehen (siehe: http://www.zeit.de/2007/42/Biologismus).
Ich frage mich - in Unkenntis des Dawkinsschen Werkes - ob er sich dessen bewusst ist, er vielleicht ein System schafft (mit erschafft), das er am Ende selbst bekämpfen müsste?
Über den Biologismus gab es bei diesem Beitrag einige interessante Kommentare.
Wenn ich schreibe, dass er keine neue Ideologie entwickelt, so meine ich, dass er nichts Neues postuliert - ausser einen Rekurs auf die "gängigen" Naturwissenschaften (= Evolutionslehre). Indirekt hast Du natürlich Recht: Die von ihm stark unterstützte "Brights"-Bewegung ist ja so etwas wie eine "atheistische Religionsgemeinschaft". Es gibt da ein Forum, in dem in frappierender Weise die Nicht-Religion verabsolutiert wird - und durchaus totalitäre Züge entwickelt (ähnlich bspw. wie heute im fundamentalistischen Christentum und Islam).
Da er die Evolutionslehre als absolute Wahrheit setzt, schafft er auch kein System in dem Sinne, was zu bekämpfen ist. Um sich vom Vorwurf des Fundamentalismus abzugrenzen schreibt er einmal, dass, wenn man ihm beweise, dass die Evolutionslehre falsch sei, er auch sofort von ihr "abschwören" würde (mein Wort; ich habe das Buch im Moment nicht zur Hand, zitiere daher aus dem Kopf und von Notizen).
Das mit den Weicheiern des Agnostizismus geht dahingehend, dass er natürlich seinem dichotomischen Weltbild geschuldet irgendwann nur schwarz oder weiss gelten lässt; alles andere ist dann für ihn ein Hinwegstehlen. Einen kleinen Kompromiss macht er, wo er Kants Gottesidee "durchgehen" lässt diesen Agnostizismus offenbar "akzeptiert". Da hat Immanuel aber noch mal Glück gehabt!
Willkommen hier! Hoffe auf mehr Reaktionen von Dir.
Metepsilonema (anonym) - 2007-10-13 19:20
Danke.
Die Qualität Deiner Beiträge lädt dazu ein öfter mal vorbeizuschauen, die Reaktionen werden dann - so es die Zeit zulässt - hoffentlich folgen.
Kann ich auf Deinen Kommentar nicht direkt antworten, oder habe ich das System nicht durchschaut?
Eine "neue" Ideologie?
Im Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten: wir stiften einen Sinnzusammenhang, und brauchen dazu Prämissen die wir nicht beweisen oder widerlegen können, und daher glauben müssen, oder wir akzeptieren die Sinnlosigkeit dieser Welt, ihre Kälte und Bedeutungslosigkeit (die allermeisten von uns befreien sich davon wohl unbewusst). Letzteres ist nicht unbedigt einfach zu (er)tragen, das hat immer wieder den Sieg der Religionen, und anderer ideologischer Systeme und Ideen ausgemacht. Auch aus dem Evolutionismus (Naturalismus) kann (ungewollt?) ebenso ein solches System entstehen (siehe: http://www.zeit.de/2007/42/Biologismus).
Ich frage mich - in Unkenntis des Dawkinsschen Werkes - ob er sich dessen bewusst ist, er vielleicht ein System schafft (mit erschafft), das er am Ende selbst bekämpfen müsste?
Wenn ich schreibe, dass er keine neue Ideologie entwickelt, so meine ich, dass er nichts Neues postuliert - ausser einen Rekurs auf die "gängigen" Naturwissenschaften (= Evolutionslehre). Indirekt hast Du natürlich Recht: Die von ihm stark unterstützte "Brights"-Bewegung ist ja so etwas wie eine "atheistische Religionsgemeinschaft". Es gibt da ein Forum, in dem in frappierender Weise die Nicht-Religion verabsolutiert wird - und durchaus totalitäre Züge entwickelt (ähnlich bspw. wie heute im fundamentalistischen Christentum und Islam).
Da er die Evolutionslehre als absolute Wahrheit setzt, schafft er auch kein System in dem Sinne, was zu bekämpfen ist. Um sich vom Vorwurf des Fundamentalismus abzugrenzen schreibt er einmal, dass, wenn man ihm beweise, dass die Evolutionslehre falsch sei, er auch sofort von ihr "abschwören" würde (mein Wort; ich habe das Buch im Moment nicht zur Hand, zitiere daher aus dem Kopf und von Notizen).
Das mit den Weicheiern des Agnostizismus geht dahingehend, dass er natürlich seinem dichotomischen Weltbild geschuldet irgendwann nur schwarz oder weiss gelten lässt; alles andere ist dann für ihn ein Hinwegstehlen. Einen kleinen Kompromiss macht er, wo er Kants Gottesidee "durchgehen" lässt diesen Agnostizismus offenbar "akzeptiert". Da hat Immanuel aber noch mal Glück gehabt!
Willkommen hier! Hoffe auf mehr Reaktionen von Dir.
Danke.
Kann ich auf Deinen Kommentar nicht direkt antworten, oder habe ich das System nicht durchschaut?