Unabhängig von vielen Schwächen im Detail scheint Dawkins einen prinzipiellen Denkfehler zu machen, siehe dazu die Skizze.
Atheismus umfasst lediglich die Annahme, für das, was wir Wirklichkeit nennen, existiere keine Ursache oder, wenn es eine determinierte (notwendige) gäbe, dann wenigstens eine unbewusste, d.h. apersonale. Und Glauben wiederum will Dawkins auf die Annahme eines personalisierten Gottes reduzieren, der den Menschen wohlwollend gegenüber steht, entweder immer oder an die Einhaltung gewisser Verhaltensvorschriften gebunden.
Man kann aber auch annehmen, dass es einen entweder gleichgültigen, heute toten oder zumindest gegenwärtig abwesenden „Schöpfer“ der Wirklichkeit gibt. Das ist auch Glauben, aber außerhalb aller heutigen Religionen, ihrer Mythen und Riten stehend. Und die Wissenschaft wäre schön dumm, wenn sie die Suche nach einer solchen bewussten Ursache nicht führen würde. Sicherlich gibt es noch sehr viel mehr Möglichkeiten, zu differenzieren oder zu variieren, aber allein das reicht ja schon, um Dawkins Entweder-Oder-Argumentation als fehlerhaft zu entlarven. Es gilt eben nicht der Satz vom ausgeschlossenen Dritten, wenn es mehr als zwei einander einfach ausschließende Möglichkeiten gibt.
Ich glaube, Dawkins' Denken in bezug auf Religion ist nicht derart komplex, wie Du es hier ausbreitest. In Wirklichkeit beschäftigt er sich überhaupt nicht mit "Religionskritik". Das würde ja eine gewisse Auseinandersetzung implizieren - das ist aber nicht seine Sache (und würde sich sicherlich auch nicht so gut verkaufen).
Auf den "abwesenden Schöpfer" geht er zwar kurz ein, aber mit dem Diktum, dass es kein Wesen ausserhalb der Evolution geben kann, suggeriert er, dass es auch niemals eines gegeben haben könnte. Dawkins ist in seinen einfachen Gedankengebäuden den Religionsapologeten nicht unähnlich.
Metepsilonema (anonym) - 2007-10-16 00:14
Theismus - Atheismus
Sollten wir die Begriffe nicht enger fassen bzw. anders definieren?
Unter Atheismus verstünde ich lediglich den Glauben an die Nichtexistenz einer personalisierten, allmächtigen Ursache, eines anthropomorphen Gottes, der fähig ist in den Lauf des Universums (der Welt) einzugreifen - alle anderen Ursachen kann man unter dem Begriff Deismus zusammenfassen z.B. einen Schöpfergott der sich aus seiner Schöpfung zurückgezogen hat, einen "Vernuftgott", eventuell den aristotelischen unbewegten Beweger etc.
Der Theismus wäre dann natürlich der Glaube an eben diesen vermenschlichten, allmächtigen Gott.
Der Deismus der Aufklärung findet vor Dawkins wenn nicht Gnade, so Milde. Was natürlich meine These bestätigt, dass es sein Anti-Theismus mit Religion nur dahingehend zu tun hat, weil diese die Basis für das stellt, was er zu bekämpfen trachtet.
Ein bisschen OT: Es gibt immer nur die Möglichkeit, auf einen Kommentar zu "antworten". Ich konnte also jetzt nicht auf Deinen Kommentar antworten, sondern nur auf Köppnicks.
Wenn Du Dich bei twoday anmeldest, verschwindet das "anonym" hinter Deinem Pseudonym. Du kannst leichter kommentieren und auch Deine Kommentare editieren (und auch - was man aber sehr sparsam machen sollte - wieder löschen). Anmelden bedeutet nicht, dass Du auch einen Weblog betreiben musst.
Dawkins Denkfehler
Atheismus umfasst lediglich die Annahme, für das, was wir Wirklichkeit nennen, existiere keine Ursache oder, wenn es eine determinierte (notwendige) gäbe, dann wenigstens eine unbewusste, d.h. apersonale. Und Glauben wiederum will Dawkins auf die Annahme eines personalisierten Gottes reduzieren, der den Menschen wohlwollend gegenüber steht, entweder immer oder an die Einhaltung gewisser Verhaltensvorschriften gebunden.
Man kann aber auch annehmen, dass es einen entweder gleichgültigen, heute toten oder zumindest gegenwärtig abwesenden „Schöpfer“ der Wirklichkeit gibt. Das ist auch Glauben, aber außerhalb aller heutigen Religionen, ihrer Mythen und Riten stehend. Und die Wissenschaft wäre schön dumm, wenn sie die Suche nach einer solchen bewussten Ursache nicht führen würde. Sicherlich gibt es noch sehr viel mehr Möglichkeiten, zu differenzieren oder zu variieren, aber allein das reicht ja schon, um Dawkins Entweder-Oder-Argumentation als fehlerhaft zu entlarven. Es gilt eben nicht der Satz vom ausgeschlossenen Dritten, wenn es mehr als zwei einander einfach ausschließende Möglichkeiten gibt.
Auf den "abwesenden Schöpfer" geht er zwar kurz ein, aber mit dem Diktum, dass es kein Wesen ausserhalb der Evolution geben kann, suggeriert er, dass es auch niemals eines gegeben haben könnte. Dawkins ist in seinen einfachen Gedankengebäuden den Religionsapologeten nicht unähnlich.
Theismus - Atheismus
Unter Atheismus verstünde ich lediglich den Glauben an die Nichtexistenz einer personalisierten, allmächtigen Ursache, eines anthropomorphen Gottes, der fähig ist in den Lauf des Universums (der Welt) einzugreifen - alle anderen Ursachen kann man unter dem Begriff Deismus zusammenfassen z.B. einen Schöpfergott der sich aus seiner Schöpfung zurückgezogen hat, einen "Vernuftgott", eventuell den aristotelischen unbewegten Beweger etc.
Der Theismus wäre dann natürlich der Glaube an eben diesen vermenschlichten, allmächtigen Gott.
@Metepsilonema
Ein bisschen OT: Es gibt immer nur die Möglichkeit, auf einen Kommentar zu "antworten". Ich konnte also jetzt nicht auf Deinen Kommentar antworten, sondern nur auf Köppnicks.
Wenn Du Dich bei twoday anmeldest, verschwindet das "anonym" hinter Deinem Pseudonym. Du kannst leichter kommentieren und auch Deine Kommentare editieren (und auch - was man aber sehr sparsam machen sollte - wieder löschen). Anmelden bedeutet nicht, dass Du auch einen Weblog betreiben musst.