Nachrichtenagenturen sind natürlich auch nicht unfehlbar
Da hängt es vom Thema und den Ressourcen einer Redaktion ab, ob man doch noch einmal nachrecherchieren kann. Wenn dpa eine Meldung über den Ticker schickt, dass der Präsident von Nicaragua gestürzt wird (nur ein Beispiel) und die Tageszeitung keinen Korrespondeten vor Ort hat, noch keine anderen Agentur darüber berichtet hat und die Deadline naht, dann hat die Redaktion nur zwei Möglichkeiten: 1. Die Meldung erst einmal nicht bringen und abwarten oder 2. Die Meldung mit Verweis auf dpa als Quelle veröffentlichen.
Bei so Kleinigkeiten wie dem Ingeborg-Bachmann-Preis würde ich jetzt fast sagen: Schwamm drüber, ob's der erste oder der dritte Wahlgang war. Hauptsache der Preisträger stimmt. Klar, wehret den Anfängen. Wer sich heute beim Wahlgang irrt, der unterscheidet morgen vielleicht nicht mehr zwischen Terroristen und Islamisten. Aber da würde ich hier nochmal die Kirche im Dorf lassen.
Allerdings hätte in diesem Fall wirklich ein einfaches Telefonat genügt, wenn die Redaktion sich unsicher war. Meistens dürfte aber die Zeit fehlen, so etwas noch einmal nachzurecherchieren. In einer idealen Zeitungswelt mit viel Zeit wäre das sicher drin gewesen. In der Realität leider nicht immer...
Zu Medienbloggern: Deren Meinung wird natürlich auch gesteuert. Was die bekanntesten Blogger schreiben, verbreitet sich meist wie ein Lauffeuer, egal was es ist. Das kann in vielen Fällen sehr nett sein, in den meisten anderen Fällen ist es einfach nur einfallslos.
Ich habe mehrfach geschrieben, dass es sich um eine Kleinigkeit handelt. Aber wenn schon bei einer solchen Kleinigkeit Falsches geschrieben wird - wie soll ich dann komplexere Meldungen einordnen? Und wenn eine Redaktion des Senders, der die Veranstaltung überträgt, sich einer dpa-Meldung bedienen muss, dann kommt mir das vor, als liesse ich mir das aktuelle Wetter meines Wohnortes per Webcam anzeigen, statt aus dem Fenster zu schauen. Schwamm drüber, für diesen Fall, okay. Aber: Gerade weil es eine Banalität ist, horche ich auf.
Für mich stellt sich die Frage, welcher Depp das für dpa beobachtet hat. Und um Ihr Beispiel zu übernehmen: Auch bei einer Meldung eines gestürzten Staatschefs muss dpa das ja irgendwo herhaben. Agenturen haben Korrespondenten, die bestimmte Länder "betreuen", beispielsweise in dem sie den lokalen Rundfunk abhören - oder wiederum Leute haben, die das für sie tun. Was ich immer interessant finde: Bei aussergewöhnlichen Ereignissen wie Naturkatastrophen oder auch Unruhen werden - wenn man die Fernsehnachrichten verfolgt - oft Korrespondenten befragt, die tausende von Kilometern vom Geschehen entfernt sind. Ihnen werden Fragen gestellt, die oftmals derart detaillierte Kenntnisse erfordern würden, dass die Antworten - je nach Korrespondent - entweder vollkommen nichtssagend ausfallen (der bessere Fall; der Journalist gibt zu verstehen, das er eigentlich nichts sagen kann) oder blosse Behauptungen darstellen (ohne nur ansatzweise eine Quelle dafür zu benennen).
Es gibt hinreichend Literatur darüber, die die Berichterstattung in Kriegsgebieten wie dem Irak oder - in den 90er Jahren - in Jugoslawien beschreiben. Die Mehrzahl der Journalisten bleibt/blieb im jeweils dafür vorgesehenen Hotel - und verwertete die zu bestimmten Zeiten veröffentlichten Kommuniques. Wenn's hoch kam, dann wurde noch unterschieden, welche Seite was geschrieben hat.
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Kurz zu den "bekanntesten Bloggern": Ich lese das so gut wie nie mehr, weil es für mich selten einen Mehrwert gebracht hat. Wobei die Definition dieses "Mehrwerts" sehr subjektiv ist und eigentlich nichts über eine Qualität dieser Texte aussagt. Den Ruhm, den diese Leute in der Szene haben, resultiert nicht zuletzt aus einem gewissen Pioniermythos.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Nachrichtenagenturen sind natürlich auch nicht unfehlbar
Bei so Kleinigkeiten wie dem Ingeborg-Bachmann-Preis würde ich jetzt fast sagen: Schwamm drüber, ob's der erste oder der dritte Wahlgang war. Hauptsache der Preisträger stimmt. Klar, wehret den Anfängen. Wer sich heute beim Wahlgang irrt, der unterscheidet morgen vielleicht nicht mehr zwischen Terroristen und Islamisten. Aber da würde ich hier nochmal die Kirche im Dorf lassen.
Allerdings hätte in diesem Fall wirklich ein einfaches Telefonat genügt, wenn die Redaktion sich unsicher war. Meistens dürfte aber die Zeit fehlen, so etwas noch einmal nachzurecherchieren. In einer idealen Zeitungswelt mit viel Zeit wäre das sicher drin gewesen. In der Realität leider nicht immer...
Zu Medienbloggern: Deren Meinung wird natürlich auch gesteuert. Was die bekanntesten Blogger schreiben, verbreitet sich meist wie ein Lauffeuer, egal was es ist. Das kann in vielen Fällen sehr nett sein, in den meisten anderen Fällen ist es einfach nur einfallslos.
Schwämmchen drüber
Für mich stellt sich die Frage, welcher Depp das für dpa beobachtet hat. Und um Ihr Beispiel zu übernehmen: Auch bei einer Meldung eines gestürzten Staatschefs muss dpa das ja irgendwo herhaben. Agenturen haben Korrespondenten, die bestimmte Länder "betreuen", beispielsweise in dem sie den lokalen Rundfunk abhören - oder wiederum Leute haben, die das für sie tun. Was ich immer interessant finde: Bei aussergewöhnlichen Ereignissen wie Naturkatastrophen oder auch Unruhen werden - wenn man die Fernsehnachrichten verfolgt - oft Korrespondenten befragt, die tausende von Kilometern vom Geschehen entfernt sind. Ihnen werden Fragen gestellt, die oftmals derart detaillierte Kenntnisse erfordern würden, dass die Antworten - je nach Korrespondent - entweder vollkommen nichtssagend ausfallen (der bessere Fall; der Journalist gibt zu verstehen, das er eigentlich nichts sagen kann) oder blosse Behauptungen darstellen (ohne nur ansatzweise eine Quelle dafür zu benennen).
Es gibt hinreichend Literatur darüber, die die Berichterstattung in Kriegsgebieten wie dem Irak oder - in den 90er Jahren - in Jugoslawien beschreiben. Die Mehrzahl der Journalisten bleibt/blieb im jeweils dafür vorgesehenen Hotel - und verwertete die zu bestimmten Zeiten veröffentlichten Kommuniques. Wenn's hoch kam, dann wurde noch unterschieden, welche Seite was geschrieben hat.
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Kurz zu den "bekanntesten Bloggern": Ich lese das so gut wie nie mehr, weil es für mich selten einen Mehrwert gebracht hat. Wobei die Definition dieses "Mehrwerts" sehr subjektiv ist und eigentlich nichts über eine Qualität dieser Texte aussagt. Den Ruhm, den diese Leute in der Szene haben, resultiert nicht zuletzt aus einem gewissen Pioniermythos.