Zu Ihrem letzten Absatz: Ehrlich: Sind Sie da selber optimistisch? Bleibt diese Art Literatur nicht für Wenige?
Ich verstand Winkels immer so, dass er einen Mittelweg versuchte: Offensiv, was ja auch seine Leidenschaft ist, außer in seinen Nischen (Spezial-Publikationen und Deutschlandfunk) auch im Medium des Blöden zu verteidigen (TV)... um dahin, über immer mehr Aufklärung per Kritik (erst mal egal, welche, obwohl er seine Instrumentarien immer offen gelegt hat, offener als andere), dann doch das Bessere zu transportieren. (Und hatte er da nicht auch ein paar Erfolge?)
Kann man überhaupt mehr erwarten? Beim Verlust der Relevanz nicht nur von Literatur-Literatur, sondenr überhaupt der Schrift, sowie von deren Medien, nämlich den „Qualitätszeitungen“, die einzig noch in größerem Rahmen aufwändigere „Kritik“ versuchen (wenn auch da bereits ziemlich ungenügend, aber wenn es schon mal Ausnahmen gibt, dann doch eben da)?
Auch die ausführenden Personen der Kritik streben ja nach einer gewissen Relevanz, also kommen auch sie anscheinend um die Heidenreich-Effekte (Popularisierungen = Verflachung) nicht herum. Es geht also da um „Positionen“ (zusätzlich zur Aufmerksamkeitswährung).
Ich stimme Ihnen in dem meisten Beklagten zu, halte Winkels aber eher für einen „von den Guten“. So wenige gibts ja davon nicht.
~.~
Vielleicht dann bei der Gelegenheit:
Ich wollte die ganze Zeit etwas zu Ihrer „Meere“-Kritik sagen – die ich für gelungen halte -, aber etwas Entscheidendes, den Ansprechpunkt, den aus meiner Perspektive besonderen zu Herbsts Text, vermisse ich da: Ich kann ihn aber bisher selber nicht benennen.
Ich hatte jemandem den Link geschickt, weil ich ihm „Meere“ dann leihen wollte. Auf meine Frage hin, Gelesen?, antwortete er ja...aber: Hat ihm das Buch jetzt gefallen? (Schlagen Sie nicht mich: ich referiere hier nur...)
Ist man nicht gerade bei den "Guten" besonders kritisch? Seine Idee, Literatur im Fernsehen adäquat zu präsentieren, hebt ihn per se noch nicht heraus.
Seine Kritik an Handkes Serbien-Prosa ist da exemplarisch für mich. Natürlich kann man Handkes Texte kritisieren. Die Frage ist doch nach dem wie. Und da greift Winkels dann all zu gerne zum gängigen Chirurgenbesteck (das, worauf die anderen ihre Fingerabdrücke hinterlassen haben und noch bluttriefend ist), um eine missliebige These zu desavouieren. Im Tagesspiegel-Artikel ist er dabei mitnichten geläutert - sondern greift zur gleichen Metaphorik.
Wer die Diskussionen in Klagenfurt, die soeben zu Ende gegangen sind, gesehen hat, konnte schön das Dilemma der gängigen Rezeption der Kritik sehen: Da ornamentieren neun (mehr oder weniger) eloquente, allseits gebildete Menschen ihr über all die Jahre errungenes germanistisches Wissen mit nichts anderem als - ihrem eigenen Geschmack. Und sobald es im wörtlichen Sinne problematisch wird, also ein Beitrag aus der gängigen "correctness" herausragt und - im besten Sinne - etwas "riskiert" (was nicht unbedingt bedeuten muss, das er [der Beitrag] gelungen ist), dann schnappen die Scheren des Mainstreams wieder zu.
Ich werde jetzt einmal pathetisch: Ein Kritiker, der sich von nichts mehr mitreissen lassen kann, der alles mit dem gleichen Besteck seziert und seinen Beruf fast mit somnambuler "Sicherheit" abspult - der ist verloren für die Literatur. Ich meine dabei natürlich nicht jenen Fünf-Cent-Furor einer Elke Heidenreich. Ich meine nicht mehr und nicht weniger so etwas wie Leidenschaft. Genauer: Eine Mischung zwischen Leidenschaft und Unschuld. Eine Herangehensweise an einen Text, der ihm immer und jederzeit alle Möglichkeiten lässt.
All das habe ich bei den schriftlichen Kritiken von Winkels selten gelesen. Sondern immer nur einen routinierten Apparat, der mich als Leser irgendwann kalt lässt. Darin, in jener gelegentlich sogar wichtigtuerischen Kompetenzsimulation, liegt ein Problem, warum ambitionierte Literatur nicht mehr "populär" ist (wobei "populär" nicht "goutiert" bedeuten muss!). Und in dieser Lage erscheint mir Winkels' Anrufung arg heuchlerisch.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Zur Schwierigkeit von Kritik
Ich verstand Winkels immer so, dass er einen Mittelweg versuchte: Offensiv, was ja auch seine Leidenschaft ist, außer in seinen Nischen (Spezial-Publikationen und Deutschlandfunk) auch im Medium des Blöden zu verteidigen (TV)... um dahin, über immer mehr Aufklärung per Kritik (erst mal egal, welche, obwohl er seine Instrumentarien immer offen gelegt hat, offener als andere), dann doch das Bessere zu transportieren. (Und hatte er da nicht auch ein paar Erfolge?)
Kann man überhaupt mehr erwarten? Beim Verlust der Relevanz nicht nur von Literatur-Literatur, sondenr überhaupt der Schrift, sowie von deren Medien, nämlich den „Qualitätszeitungen“, die einzig noch in größerem Rahmen aufwändigere „Kritik“ versuchen (wenn auch da bereits ziemlich ungenügend, aber wenn es schon mal Ausnahmen gibt, dann doch eben da)?
Auch die ausführenden Personen der Kritik streben ja nach einer gewissen Relevanz, also kommen auch sie anscheinend um die Heidenreich-Effekte (Popularisierungen = Verflachung) nicht herum. Es geht also da um „Positionen“ (zusätzlich zur Aufmerksamkeitswährung).
Ich stimme Ihnen in dem meisten Beklagten zu, halte Winkels aber eher für einen „von den Guten“. So wenige gibts ja davon nicht.
~.~
Vielleicht dann bei der Gelegenheit:
Ich wollte die ganze Zeit etwas zu Ihrer „Meere“-Kritik sagen – die ich für gelungen halte -, aber etwas Entscheidendes, den Ansprechpunkt, den aus meiner Perspektive besonderen zu Herbsts Text, vermisse ich da: Ich kann ihn aber bisher selber nicht benennen.
Ich hatte jemandem den Link geschickt, weil ich ihm „Meere“ dann leihen wollte. Auf meine Frage hin, Gelesen?, antwortete er ja...aber: Hat ihm das Buch jetzt gefallen? (Schlagen Sie nicht mich: ich referiere hier nur...)
"von den Guten"
Seine Kritik an Handkes Serbien-Prosa ist da exemplarisch für mich. Natürlich kann man Handkes Texte kritisieren. Die Frage ist doch nach dem wie. Und da greift Winkels dann all zu gerne zum gängigen Chirurgenbesteck (das, worauf die anderen ihre Fingerabdrücke hinterlassen haben und noch bluttriefend ist), um eine missliebige These zu desavouieren. Im Tagesspiegel-Artikel ist er dabei mitnichten geläutert - sondern greift zur gleichen Metaphorik.
Wer die Diskussionen in Klagenfurt, die soeben zu Ende gegangen sind, gesehen hat, konnte schön das Dilemma der gängigen Rezeption der Kritik sehen: Da ornamentieren neun (mehr oder weniger) eloquente, allseits gebildete Menschen ihr über all die Jahre errungenes germanistisches Wissen mit nichts anderem als - ihrem eigenen Geschmack. Und sobald es im wörtlichen Sinne problematisch wird, also ein Beitrag aus der gängigen "correctness" herausragt und - im besten Sinne - etwas "riskiert" (was nicht unbedingt bedeuten muss, das er [der Beitrag] gelungen ist), dann schnappen die Scheren des Mainstreams wieder zu.
Ich werde jetzt einmal pathetisch: Ein Kritiker, der sich von nichts mehr mitreissen lassen kann, der alles mit dem gleichen Besteck seziert und seinen Beruf fast mit somnambuler "Sicherheit" abspult - der ist verloren für die Literatur. Ich meine dabei natürlich nicht jenen Fünf-Cent-Furor einer Elke Heidenreich. Ich meine nicht mehr und nicht weniger so etwas wie Leidenschaft. Genauer: Eine Mischung zwischen Leidenschaft und Unschuld. Eine Herangehensweise an einen Text, der ihm immer und jederzeit alle Möglichkeiten lässt.
All das habe ich bei den schriftlichen Kritiken von Winkels selten gelesen. Sondern immer nur einen routinierten Apparat, der mich als Leser irgendwann kalt lässt. Darin, in jener gelegentlich sogar wichtigtuerischen Kompetenzsimulation, liegt ein Problem, warum ambitionierte Literatur nicht mehr "populär" ist (wobei "populär" nicht "goutiert" bedeuten muss!). Und in dieser Lage erscheint mir Winkels' Anrufung arg heuchlerisch.