die Demonstranten fahren in ihren mehrheitlich garantiert mehr als 120 mg/km CO2 emittierenden Automobilen erst einmal nach Hause
Ich war im Urlaub mit zwei Autonomen zusammen, die sonst ebenfalls bei den Anti-G8-Demos zugange gewesen wären. Diese haben mir erzählt, dass die Bundesbahn die Bereitstellung von Sonderzügen für die Demonstranten verweigert hat, was ihr bei Fußball- und sonstigen Großveranstaltungen nicht im Traum einfallen würde. Die Demonstranten konnten also gar nicht anders, als mit Autos an- und abzureisen. Im übrigen werden dazu häufig Mietwagen verwendet, um der Polizei die Schnüffelei nicht allzu leicht zu machen.
Der G8-Gipfel war genauso eine Demonstration der Arroganz der Macht wie die Militärparaden auf dem Roten Platz: Seht her, wie machen das einfach, und ihr könnt nichts dagegen tun!
Ich erstaune über die Symbolkraft dieses Treffens, die in keinem Zusammenhang zu dessen Bedeutung steht. Dies mit den Paraden auf dem "Roten Platz" zu vergleichen ist ziemlich abwegig.
In den 70er und auch noch 80er Jahren waren die Übereinstimmungen in den Zielen zwischen den G6 bzw. G7 ziemlich gross. Man diskutierte über die Wege. Beherrschende Themen waren zunächst fast ausschliesslich ökonomische Probleme (Wechselkursschwankungen; Öl-Kartell); später kamen aussenpolitische Themen dazu.
Die Gemeinsamkeiten sind seit spätestens Ende der 90er Jahre arg reduziert. Dies liegt u. a. auch an der Haltung der USA, die ja auch unter Clinton ziemlich weltmachtmässig agierte (das wird heute weitgehend verdrängt). Seit Russland dazu kam, sind die aussenpolitischen Differenzen eh so gross, dass ausser einem informellen Plausch und Kennenlernen auf Staatschefebene kaum noch etwas übrigbleibt. Dafür sind in der Tat die monetären Mittel verschwendet.
Dagegen zu demonstrieren, ist ein gutes Recht. Aber die Demonstationen entwickelten sich vollkommen losgelöst von der tatsächlichen Strahlkraft des Treffens. Natürlich war es ein grosser Fehler, sich hinter einem Zaun zu verbarrikadieren; alleine deshalb trifft der Aufmarsch-Vergleich schon nicht.
Polemisch formuliert könnte man sagen, dass erst die Proteste den Gipfel aufgewertet haben. Genauer: Die Demonstranten haben dem Treffen erst durch ihre umfassende (und auch teilweise militante) Präsenz einen Stellenwert eingeräumt, der ihm nicht zukommt.
Im übrigen: Bei Gunnar Heinsohn ist nachzulesen, dass Kulturen, die sich durch Mauern oder Zäune vor Feinden abschotten wollten, früher oder später untergegangen sind. Heinsohn wertet Mauern als Signale für die Schwäche einer Macht. Übertragen auf den Zaun um Heiligendamm könnte man also durchaus sagen: Der Grad der Verbarrikadierung ist ein Symbol von Schwäche. Also auf gar keinen Fall eine "Arroganz der Macht", sondern pure Angst.
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Kleiner Einwurf
Ich war im Urlaub mit zwei Autonomen zusammen, die sonst ebenfalls bei den Anti-G8-Demos zugange gewesen wären. Diese haben mir erzählt, dass die Bundesbahn die Bereitstellung von Sonderzügen für die Demonstranten verweigert hat, was ihr bei Fußball- und sonstigen Großveranstaltungen nicht im Traum einfallen würde. Die Demonstranten konnten also gar nicht anders, als mit Autos an- und abzureisen. Im übrigen werden dazu häufig Mietwagen verwendet, um der Polizei die Schnüffelei nicht allzu leicht zu machen.
Der G8-Gipfel war genauso eine Demonstration der Arroganz der Macht wie die Militärparaden auf dem Roten Platz: Seht her, wie machen das einfach, und ihr könnt nichts dagegen tun!
Arroganz der Macht?
In den 70er und auch noch 80er Jahren waren die Übereinstimmungen in den Zielen zwischen den G6 bzw. G7 ziemlich gross. Man diskutierte über die Wege. Beherrschende Themen waren zunächst fast ausschliesslich ökonomische Probleme (Wechselkursschwankungen; Öl-Kartell); später kamen aussenpolitische Themen dazu.
Die Gemeinsamkeiten sind seit spätestens Ende der 90er Jahre arg reduziert. Dies liegt u. a. auch an der Haltung der USA, die ja auch unter Clinton ziemlich weltmachtmässig agierte (das wird heute weitgehend verdrängt). Seit Russland dazu kam, sind die aussenpolitischen Differenzen eh so gross, dass ausser einem informellen Plausch und Kennenlernen auf Staatschefebene kaum noch etwas übrigbleibt. Dafür sind in der Tat die monetären Mittel verschwendet.
Dagegen zu demonstrieren, ist ein gutes Recht. Aber die Demonstationen entwickelten sich vollkommen losgelöst von der tatsächlichen Strahlkraft des Treffens. Natürlich war es ein grosser Fehler, sich hinter einem Zaun zu verbarrikadieren; alleine deshalb trifft der Aufmarsch-Vergleich schon nicht.
Polemisch formuliert könnte man sagen, dass erst die Proteste den Gipfel aufgewertet haben. Genauer: Die Demonstranten haben dem Treffen erst durch ihre umfassende (und auch teilweise militante) Präsenz einen Stellenwert eingeräumt, der ihm nicht zukommt.
Im übrigen: Bei Gunnar Heinsohn ist nachzulesen, dass Kulturen, die sich durch Mauern oder Zäune vor Feinden abschotten wollten, früher oder später untergegangen sind. Heinsohn wertet Mauern als Signale für die Schwäche einer Macht. Übertragen auf den Zaun um Heiligendamm könnte man also durchaus sagen: Der Grad der Verbarrikadierung ist ein Symbol von Schwäche. Also auf gar keinen Fall eine "Arroganz der Macht", sondern pure Angst.