Deja Vu? Jein, denn sicher ähneln sich die Bilder und im engbegrenzten Bereich vor Ort um den Zaun mag man sich erinnert fühlen. Auch die äußeren, politischen Umstände ähneln sich. Damals wie heute regiert eine Grosse Koalition und eine parlamentarische Opposition ist kaum erkennbar und dennoch bemerke ich, bezogen auf die gesamtgesellschaftliche Befindlichkeit einen erhebliche Unterschied.
Die 68iger-Proteste wurden gefühlsmäßig von der weitüberwiegenden Mehrheit der jungen Nachkriegsgeneration getragen, weil sie Befreiung versprach, vom spießigen Mief der Adenauerzeit, von Verhaltensnormen, die noch aus der Nazizeit stammten und, ganz wichtig, sexuelle Befreiung. Veränderung lag in der Luft, eine Zukunftsperspektive zum Besseren. Unter diesen Voraussetzungen war es egal, wofür, oder wogegen protestiert wurde. Notstandgesetze, Vietnamkrieg, Hochschulreform, egal – wichtig war der Protest und man ahnte, oder merkte bald, trotz allem Springergezeters, dass die Politik sich diesem Wunsch nach Veränderung nicht entziehen konnte.
Auch heute gibt es tiefsitzende Abneigungen gegen bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen, Globalisierung, US-Imperialismus, Konsumterror usw., aber die junge Generation in ihrer Mehrheit spürt, dass sich diese Entwicklungen nicht aufhalten lassen, jedenfalls nicht durch Protestieren, und steht in ihrer Mehrheit resigniert abseits. Die Protestierer am Zaun in Heiligendamm sind nur eine Minderheit, der noch nicht einmal bewusst ist, dass sie von den Herrschenden als Kulisse und Alibi für eine absurde Polit-Show benutzt wird.
Sie haben eine interessante Differenz herausgearbeitet: Eine Art Einsicht (positiv formuliert), dass die Verhältnisse nicht aufzuhalten sind. Das korrespondiert m. E. damit, dass die bzw. eine Alternative, wie sie 1967ff noch in den Köpfen der Protestler kreiste (Marcuse et. al.; Adorno schon nicht mehr, der war zu resignativ) nicht (mehr) existiert bzw. nicht mehr vorstellbar ist.
Wenn bspw. im Rahmen der Neugründung der "Linkspartei" Bisky von der "Systemfrage" spricht (sehr vage), Lafontaine aber andererseits davon redet, dass die "einfachen Leute" mehr am Wohlstand teilhaben sollen, so ist letzteres "nur" systemimmanent -ersteres wird (leider?) nicht unterfüttert.
Die sexuelle Befreiung der 68er wurde durch den medizinischen Fortschritt erst möglich gemacht - zur gleichen Zeit kam in Europa die Anti-Baby-Pille auf den Markt. Ohne diese Entwicklung wäre auch das (wie so vieles andere) in den üblichen Worthülsen erstickt.
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Die 68iger-Proteste wurden gefühlsmäßig von der weitüberwiegenden Mehrheit der jungen Nachkriegsgeneration getragen, weil sie Befreiung versprach, vom spießigen Mief der Adenauerzeit, von Verhaltensnormen, die noch aus der Nazizeit stammten und, ganz wichtig, sexuelle Befreiung. Veränderung lag in der Luft, eine Zukunftsperspektive zum Besseren. Unter diesen Voraussetzungen war es egal, wofür, oder wogegen protestiert wurde. Notstandgesetze, Vietnamkrieg, Hochschulreform, egal – wichtig war der Protest und man ahnte, oder merkte bald, trotz allem Springergezeters, dass die Politik sich diesem Wunsch nach Veränderung nicht entziehen konnte.
Auch heute gibt es tiefsitzende Abneigungen gegen bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen, Globalisierung, US-Imperialismus, Konsumterror usw., aber die junge Generation in ihrer Mehrheit spürt, dass sich diese Entwicklungen nicht aufhalten lassen, jedenfalls nicht durch Protestieren, und steht in ihrer Mehrheit resigniert abseits. Die Protestierer am Zaun in Heiligendamm sind nur eine Minderheit, der noch nicht einmal bewusst ist, dass sie von den Herrschenden als Kulisse und Alibi für eine absurde Polit-Show benutzt wird.
Wenn bspw. im Rahmen der Neugründung der "Linkspartei" Bisky von der "Systemfrage" spricht (sehr vage), Lafontaine aber andererseits davon redet, dass die "einfachen Leute" mehr am Wohlstand teilhaben sollen, so ist letzteres "nur" systemimmanent -ersteres wird (leider?) nicht unterfüttert.
Die sexuelle Befreiung der 68er wurde durch den medizinischen Fortschritt erst möglich gemacht - zur gleichen Zeit kam in Europa die Anti-Baby-Pille auf den Markt. Ohne diese Entwicklung wäre auch das (wie so vieles andere) in den üblichen Worthülsen erstickt.