Als ich Bowling for Colombine sah, war mir schon klar, dass hier einiges inszeniert und übersteigert dargestellt war. Ich bin absolut kein Freund von aus dem Kontext herausgerissenen Zitaten.
Allerdings ist in unserer Gesellschaft - so scheint es mir - gar keine andere Form der Darstellung mehr möglich, um gefühlsmäßige Einstellungen anzuprangern.
Die Geschichte in der Bank nehme ich gerne als Beispiel. Selbstverständlich ist es ein Übergriff, wenn Moore einen persönlichen Gefallen als Regel darstellt. Die Aussage selbst, dass man bei Kontoeröffnung eine Schusswaffe bekommt, holt aber noch niemanden vom Baum herunter, schon gar nicht in Amerika.
Nur die Karrikatur kann überhaupt auf das Aberwitzige hinweisen.
Mir fällt übrigens noch ein besseres Szenario ein.
Der prospektive Kunde geht mit Munition in die Bank, nimmt das Gewehr in Empfang, lädt es probehalber und macht einen Banküberfall damit.
Das Konto hat er zuvor mit einem gefälschten Personalausweis eröffnet. Gestohlener Personalausweis ist dazu notwendig, weil die Personalprüfungsroutinen in Amerika sehr gut greifen. Der Personalausweis darf also noch nicht als gestohlen gelten. Am besten man bringt daher vorher eine Person gleichen Geschlechts um, beraubt sie um die Papiere, maskiert sich dem Foto ähnlich und schon geht's los.
Ich weiß nicht, wieviel von dem Gespräch mit Charles Heston "geschönt" wurde, doch wenn man das gesehen hat, reicht auch schon die Hälfte, um das Kotzen aufsteigen zu lassen.
Wir leben in einer Zeit, in dem die Demagogie im Film genauso lügen muss wie die Werbung, oder?
Das Problem des demagogisch-"lügenden" Dokumentarfilms ist, dass er sich auf das Niveau des Gegenstands begibt, welches er vorgibt zu bekämpfen. Ich frage mich immer, warum die Aussage, dass man bei einer Kontoeröffnung eine Schusswaffe "gratis" bekommt, per se schon "niemandem vom Baum herunterholt". Warum muss eine an sich perverse Botschaft noch künstlich aufgeblasen werden, damit sie als Perversion begriffen wird? Und - viel schlimmer: Welche Affekte müssen irgendwann noch konstruiert werden, um eine Wirkung zu erzeugen?
Das Beispiel mit der Karikatur greift m. E. nicht ganz: Hier ist jedem bewusst, das es Überzeichnungen gibt. Sie sind das Wesen dieser Kunstform. Aber ein FIlm, der als Dokumentarfilm daherkommt, muss genau sein - andernfalls wird die Botschaft und - noch schlimmer! - das ganze Genre diskreditiert.
Es sind jetzt übrigens rd. 3 Wochen nach der Deutschland-Premiere des kanadischen Films vergangen. Grossartige weitere Wellen hat er wohl nicht geschlagen; in den Feuilletons gab es nur Randmeldungen. Ich vermute, das liegt daran, weil man sich mit einer Kritik an Moore auch selber befragen müsste - und das wollen die Damen und Herrn Gesinnungästheten nicht. Also wird es unter den Teppich gekehrt.
Glaube mir, für mehr als 50% der amerikanischen Staatsbürger ist dies sicher nichts Besonderes, wenn die Bank Schusswaffen ausgibt. Es hängt im Prinzip schon am Anspruch, Schusswaffen tragen zu dürfen, warum sollte dann die Ausgabe etwas Besonderes sein.
Ich glaube schon, dass man sich auf das Niveau "hinunter"-bewegen muss, um verstanden zu werden, man muss die Leute "an den Eiern packen", wie man zu sagen pflegt.
Was bewirken denn zB alle jede Warnungen vor Klimakatastrophen?
-
"Ach, wann wird das sein?" ...
Was hat Moore jetzt, nachdem bekannt wird, dass er Szenen manipuliert hat, erreicht? Ausser, dass er den Gegnern noch Wasser auf die Mühlen geschüttet hat?
Die Warnungen vor den Klimakatastrophen finden u. a. eben deswegen nicht das notwendige Gehör, weil sie in den 70er Jahren ("Club of Rome") in übertriebenem Alarmismus gewarnt haben. Später musste man die Prognosen korrigieren. Da es recht angenehm ist, mit dem Status quo fortzufahren, kann jetzt jede Form von Warnung hinsichtlich der Temperaturerwärmung nivelliert werden ("Die haben sich ja schon damals geirrt.").
Wenn jemand in einem Kino immer wieder "Feuer" ruft, dann wird spätestens nach dem dritten Mal niemand mehr aufstehen und den Saal verlassen - auch wenn es dann wirklich brennen sollte!
Die Diskussion um die Klimakatastrophe läuft ja (zumindest in Deutschland) noch etwas anders: Jahrelang wurde suggeriert, wir (die Deutschen) tun ja schon genug. Durch die Stillegungd er Dreckschleudern in der ehemaligen DDR hatte man auf dem Papier auch viel erreicht. Jetzt, als herauskommt, dass der CO2-Ausstoss in Deutschland gestiegen ist, kommt eine Hysterisierung daher, die uns weissmachen will, dass wir mit 45 neuen Kohlekraftwerken (die selbstverständlich "auf dem neuesten Stand der Technik" sind), ein paar Energiesparlampen, dem Abschalten von "stand-by"-Funktionen (was technisch oft genug gar nicht geht) und ein bisschen weniger Urlaubsflügen das Problem schon lösen werden. Der deutsche Umweltminister hat neulich erklärt, dass es keiner grösseren Anstrengung (bzw. Einschränkung des Lebensstils - der GAU der Konsumgesellschaft!) bedürfe, um situationsgemäss zu reagieren. Das ist das exakte Gegenteil dieses alarmistischen Redens in den Medien.
Ein gesundes, seriöses Mittelmass, welches bedeuten würde den Bürger Ernst zu nehmen, ist nicht in Sicht.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Allerdings ist in unserer Gesellschaft - so scheint es mir - gar keine andere Form der Darstellung mehr möglich, um gefühlsmäßige Einstellungen anzuprangern.
Die Geschichte in der Bank nehme ich gerne als Beispiel. Selbstverständlich ist es ein Übergriff, wenn Moore einen persönlichen Gefallen als Regel darstellt. Die Aussage selbst, dass man bei Kontoeröffnung eine Schusswaffe bekommt, holt aber noch niemanden vom Baum herunter, schon gar nicht in Amerika.
Nur die Karrikatur kann überhaupt auf das Aberwitzige hinweisen.
Mir fällt übrigens noch ein besseres Szenario ein.
Der prospektive Kunde geht mit Munition in die Bank, nimmt das Gewehr in Empfang, lädt es probehalber und macht einen Banküberfall damit.
Das Konto hat er zuvor mit einem gefälschten Personalausweis eröffnet. Gestohlener Personalausweis ist dazu notwendig, weil die Personalprüfungsroutinen in Amerika sehr gut greifen. Der Personalausweis darf also noch nicht als gestohlen gelten. Am besten man bringt daher vorher eine Person gleichen Geschlechts um, beraubt sie um die Papiere, maskiert sich dem Foto ähnlich und schon geht's los.
Ich weiß nicht, wieviel von dem Gespräch mit Charles Heston "geschönt" wurde, doch wenn man das gesehen hat, reicht auch schon die Hälfte, um das Kotzen aufsteigen zu lassen.
Wir leben in einer Zeit, in dem die Demagogie im Film genauso lügen muss wie die Werbung, oder?
Ich glaube nicht
Das Beispiel mit der Karikatur greift m. E. nicht ganz: Hier ist jedem bewusst, das es Überzeichnungen gibt. Sie sind das Wesen dieser Kunstform. Aber ein FIlm, der als Dokumentarfilm daherkommt, muss genau sein - andernfalls wird die Botschaft und - noch schlimmer! - das ganze Genre diskreditiert.
Es sind jetzt übrigens rd. 3 Wochen nach der Deutschland-Premiere des kanadischen Films vergangen. Grossartige weitere Wellen hat er wohl nicht geschlagen; in den Feuilletons gab es nur Randmeldungen. Ich vermute, das liegt daran, weil man sich mit einer Kritik an Moore auch selber befragen müsste - und das wollen die Damen und Herrn Gesinnungästheten nicht. Also wird es unter den Teppich gekehrt.
Ich glaube schon, dass man sich auf das Niveau "hinunter"-bewegen muss, um verstanden zu werden, man muss die Leute "an den Eiern packen", wie man zu sagen pflegt.
Was bewirken denn zB alle jede Warnungen vor Klimakatastrophen?
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"Ach, wann wird das sein?" ...
Die Warnungen vor den Klimakatastrophen finden u. a. eben deswegen nicht das notwendige Gehör, weil sie in den 70er Jahren ("Club of Rome") in übertriebenem Alarmismus gewarnt haben. Später musste man die Prognosen korrigieren. Da es recht angenehm ist, mit dem Status quo fortzufahren, kann jetzt jede Form von Warnung hinsichtlich der Temperaturerwärmung nivelliert werden ("Die haben sich ja schon damals geirrt.").
Wenn jemand in einem Kino immer wieder "Feuer" ruft, dann wird spätestens nach dem dritten Mal niemand mehr aufstehen und den Saal verlassen - auch wenn es dann wirklich brennen sollte!
Die Diskussion um die Klimakatastrophe läuft ja (zumindest in Deutschland) noch etwas anders: Jahrelang wurde suggeriert, wir (die Deutschen) tun ja schon genug. Durch die Stillegungd er Dreckschleudern in der ehemaligen DDR hatte man auf dem Papier auch viel erreicht. Jetzt, als herauskommt, dass der CO2-Ausstoss in Deutschland gestiegen ist, kommt eine Hysterisierung daher, die uns weissmachen will, dass wir mit 45 neuen Kohlekraftwerken (die selbstverständlich "auf dem neuesten Stand der Technik" sind), ein paar Energiesparlampen, dem Abschalten von "stand-by"-Funktionen (was technisch oft genug gar nicht geht) und ein bisschen weniger Urlaubsflügen das Problem schon lösen werden. Der deutsche Umweltminister hat neulich erklärt, dass es keiner grösseren Anstrengung (bzw. Einschränkung des Lebensstils - der GAU der Konsumgesellschaft!) bedürfe, um situationsgemäss zu reagieren. Das ist das exakte Gegenteil dieses alarmistischen Redens in den Medien.
Ein gesundes, seriöses Mittelmass, welches bedeuten würde den Bürger Ernst zu nehmen, ist nicht in Sicht.