kranich05 - 2007-04-15 11:49

Lieber Gregor Keuschnig,

eine Entschuldigung würde ich zwar als etwas "Sichtbares" betrachten aber durchaus als KEINE Konsequenz.
Eine Klarstellung? Was ist unklar, das klarzustellen wäre?

Sehe ich Gespenster?
Die These vom Antifaschismus des Filbinger könnte man selbst als ein Schrittchen der "Wiedereingliederung/Reimplantation von Elementen faschistischer Substanz in unseren deutschen Alltag" betrachten.
Es lassen sich mühelos weiterer Beispiele finden, darunter auch mächtige. Wenn wir einer Meinung sind, daß Rassismus zur faschistischen Substanz gehört, so sehe ich den massenhaft goutierten Rassismus z. B. der Website "PI" voll uns ganz die von mir konstatierte und befürchtete Tendenz erfüllen.
Entschuldige, wenn ich damit Eulen nach Athen trage, daß ich auf die aktuellen Heise-Artikel dazu verweise:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24739/1.html
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24792/1.html
Broder gibt den provozierenden Außenseiter aus aufklärerischen, antifaschistischen usw. Traditionen. In Fakt aber steht er einem "Europa erwache!" näher.

Gregor Keuschnig - 2007-04-15 16:19

Heise-Artikel sind gelegentlich reichlich alarmistisch geschrieben - und in genau dieses Horn möchte ich nicht stossen. Der Alarmismus, der erzeugt wird, trägt nämlich irgendwann zu einem nicht unmassgeblichen Teil zu einer Verdrossenheit bei, da sie ein Unterlegenheitsgefühl und dann irgendwann Gleichgültigkeit erzeugt (aktuelles Beispiel dürfte die Diskussion um den sogenannten "Klimawandel" [ein Euphemismus] sein - auch hier wird aufgrund der fortschreitenden publizistischen Hysterienpenetration das Gegenteil dessen erreicht, was man eigentlich möchte). Aber das wäre ein anderes Thema.

Eine Reimplementieren faschistischen Gedankenguts in die Gesellschaft würde bedeuten, dass Oettingers Rede kanonisiert würde. Das ist ja keineswegs der Fall - ausser derzeit bei der baden-württembergischen CDU (was jedoch zunächst einmal verständlich ist - man erinnere sich an die originäre Flilbinger-Affäre 1978 und wie lange es dauerte, bis die Mauern brachen). Kein Mensch von klarem Verstand kann die Thesen Oettingers übernehmen. Vielen von denen, die ihm jetzt zustimmen, sähen ihre Karriere gefährdet, das Pferdchen zu schnell zu wechseln.

Ich glaube, dass aktuell eine Entschuldigung nicht mehr ausreichend ist - wie sie auch immer ausfällt. Klarstellung hätte bedeuten können, dass Oettinger betont hätte, er habe auf die beiden "positiven Fälle" rekurriert - zugegebenermassen ein Drahtseilakt.

Ich glaube allerdings auch nicht an einen Rücktritt, obwohl eine Rechtsstaatspartei wie die FDP, mit der Oettinger in BW koaliert auf Dauer eine solche Kröte nicht gut schlucken kann.

Viel interessanter finde ich, was jemanden wie Oettinger geritten hat, derartiges zu verlautbaren. Es ist kein Affekt gewesen. Er hätte sich klar sein müssen, welche Wellen das schlägt. Ich glaube nicht, dass dies ein "populistischer Akt" gewesen ist - vermutlich ist es ein Ausfall - er hat schlichtweg das gesagt, was er meint, ohne auf die Wirkung Wert zu legen. Man sollte ihm dankbar sein, dass man jetzt so gut über seine Gesinnung Bescheid weiss.

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