Vorweg: Ich habe die oben stehenden Kommentare nur überflogen, falls sich manches wiederholt, bitte ich um Verzeihung.
Bloggen ist mittlerweile ein verbreitetes Phänomen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen ist das technische "Substrat" vorhanden, zum anderen haben viele Menschen (in unserer westlichen Welt) auch Zugang dazu, sei es nun als Leser oder als Schreibende. Das Bloggen resultiert aber auch aus gesellschaftlichen Entwicklungen bzw. treibt es diese weiter voran - ich denke hier an wechselwirkende, sich selbst verstärkende Prozesse.
Zuvor vielleicht noch zu dem immer wieder beanstandeten "Müll" in den Weiten des World Wide Web. Man sollte sich darüber vielleicht nicht über Gebühr erregen, vorallem wenn man bedenkt, dass vieles was früher in Tagebücher gekritzelt wurde, was auf fliegenden Blättern notiert wurde, heute eben in einem Blog, in Foren, oder auf persönlichen Seiten in digitalisierter Form deponiert wird. Ist nun einmal so. Bedauernswert, beklagenswert, aber nicht mehr als zu anderen Zeiten.
Drei Schlagworte: "Individualisierung", "Ökonomisierung der Lebenswelt", "Postmoderne". Anhand dieser ist es vielleicht möglich, sich dem Phänomen zu nähern, es verstehbar zu machen. Ich bin mir nicht gänzlich sicher ob ich auf dem richtigen Weg bin, aber es scheint mir so, als ob das Bloggen eine Konsequenz unserer Zeit ist, sich quasi logisch aus ihr ableiten lässt. Und ich bin mir ziemlich sicher: Eine monokausale Erklärung gibt es nicht. Und: Alle Erklärungen sind miteinander verwoben. Also zum ersten:
Die Individualisierung/>
Dazu wurde oben bereits einiges gesagt, daher vielleicht nur so viel: Es scheint logisch, dass das Netz "mitindividualisiert", das heißt die virtuelle Ebene die gesellschaftliche spiegelt. Ein Blog liefert die Möglichkeit ganz gezielt, eben das, was mich als Individuum interessiert, oder belangt, zu behandeln, zu kommentieren, und gleichzeitig für "alle" einsehbar zu machen. Ein Blog ermöglicht, sich mit Facetten dieser ungeheuer komplizierten, unüberschaubaren und in Detailwissen aufgesplitterten Welt zu beschäftigen. Das isolierte Individuum, von der Vielfältigkeit der Welt überwältigt und abgestossen, beginnt wieder mit Teilen, mit Splittern dieser Welt zu interagieren - auf textueller, virtueller Ebene. Ja, vielleicht ist gerade diese Illusion ein ganz wesentlicher Punkt: Mein Blog ermöglicht es mir in die Welt hinauszuschreien, ich werde gehört und wahrgenommen! Und wenn wir an Krisengebiete denken stimmt das teilweise sogar, denn Blogs aus solchen Regionen werden gerne gelesen.
Ökonomisierung/>
Du schriebst, ein Blog ist auch eine Marke. Genau. Mann kann sich verkaufen, anbieten, präsentieren und darstellen. Dinge die der allgegenwärtige Markt fordert. Schriftsteller, Politiker, Journalisten, Stars, Sportler - sie alle vermarkten etwas, nämlich sich selbst - und sie haben ihre Fangemeinden, die konsumieren wollen (zumeist wahrscheinlich nicht mehr; die Forderungen die Du beispielsweise an einen Blog stellst sind gänzlich andere). Ein Blog ist also die Möglichkeit ein bestimmtes Selbstbild zu verbreiten, zu transportieren, Werbung zu machen, und zwar auf ganz "persönlicher" Ebene, aber - und das ist wiederum wichtig - für alle sicht- und lesbar.
Das posmoderne Paradigma/>
Ein Blog bietet auch die Möglichkeit der Moderation und kommt damit dem, was man - zugegeben vereinfacht - als postmoderne Beliebigkeit bezeichnet, entgegen. Ich kann mit Hilfe meines Blogs "alles" sein, jede Meinung vertreten, einmal dieses, dann jenes. Das reale Individuum, das sich mit verschiedenen Identitäten zu schmücken versteht (der Markt fordert!), tut im Web genau dasselbe. Es will glitzern und schauspielern. Einen festen Kern gibt es nicht. Hier kann man perfekt tarnen und täuschen, mehr aus sich machen als tatsächlich da ist, lügen, schwindeln, schön reden - alles ist möglich, die "Wahrheit" natürlich auch. Der Blog verankert dieses Schauspiel (man findet ihn wieder), im Gegensatz zum Chat, wo man ein ähnliches Spiel treiben kann, aber eben diesen Ankerpunkt nicht hat.
Unsere Zeit "fordert" den Blog, sie bedingt ihn, und er wiederum sie - insofern wird das Phänomen von Dauer sein.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Der Blog als Logik unserer Zeit
Bloggen ist mittlerweile ein verbreitetes Phänomen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen ist das technische "Substrat" vorhanden, zum anderen haben viele Menschen (in unserer westlichen Welt) auch Zugang dazu, sei es nun als Leser oder als Schreibende. Das Bloggen resultiert aber auch aus gesellschaftlichen Entwicklungen bzw. treibt es diese weiter voran - ich denke hier an wechselwirkende, sich selbst verstärkende Prozesse.
Zuvor vielleicht noch zu dem immer wieder beanstandeten "Müll" in den Weiten des World Wide Web. Man sollte sich darüber vielleicht nicht über Gebühr erregen, vorallem wenn man bedenkt, dass vieles was früher in Tagebücher gekritzelt wurde, was auf fliegenden Blättern notiert wurde, heute eben in einem Blog, in Foren, oder auf persönlichen Seiten in digitalisierter Form deponiert wird. Ist nun einmal so. Bedauernswert, beklagenswert, aber nicht mehr als zu anderen Zeiten.
Drei Schlagworte: "Individualisierung", "Ökonomisierung der Lebenswelt", "Postmoderne". Anhand dieser ist es vielleicht möglich, sich dem Phänomen zu nähern, es verstehbar zu machen. Ich bin mir nicht gänzlich sicher ob ich auf dem richtigen Weg bin, aber es scheint mir so, als ob das Bloggen eine Konsequenz unserer Zeit ist, sich quasi logisch aus ihr ableiten lässt. Und ich bin mir ziemlich sicher: Eine monokausale Erklärung gibt es nicht. Und: Alle Erklärungen sind miteinander verwoben. Also zum ersten:
Die Individualisierung/>
Dazu wurde oben bereits einiges gesagt, daher vielleicht nur so viel: Es scheint logisch, dass das Netz "mitindividualisiert", das heißt die virtuelle Ebene die gesellschaftliche spiegelt. Ein Blog liefert die Möglichkeit ganz gezielt, eben das, was mich als Individuum interessiert, oder belangt, zu behandeln, zu kommentieren, und gleichzeitig für "alle" einsehbar zu machen. Ein Blog ermöglicht, sich mit Facetten dieser ungeheuer komplizierten, unüberschaubaren und in Detailwissen aufgesplitterten Welt zu beschäftigen. Das isolierte Individuum, von der Vielfältigkeit der Welt überwältigt und abgestossen, beginnt wieder mit Teilen, mit Splittern dieser Welt zu interagieren - auf textueller, virtueller Ebene. Ja, vielleicht ist gerade diese Illusion ein ganz wesentlicher Punkt: Mein Blog ermöglicht es mir in die Welt hinauszuschreien, ich werde gehört und wahrgenommen! Und wenn wir an Krisengebiete denken stimmt das teilweise sogar, denn Blogs aus solchen Regionen werden gerne gelesen.
Ökonomisierung/>
Du schriebst, ein Blog ist auch eine Marke. Genau. Mann kann sich verkaufen, anbieten, präsentieren und darstellen. Dinge die der allgegenwärtige Markt fordert. Schriftsteller, Politiker, Journalisten, Stars, Sportler - sie alle vermarkten etwas, nämlich sich selbst - und sie haben ihre Fangemeinden, die konsumieren wollen (zumeist wahrscheinlich nicht mehr; die Forderungen die Du beispielsweise an einen Blog stellst sind gänzlich andere). Ein Blog ist also die Möglichkeit ein bestimmtes Selbstbild zu verbreiten, zu transportieren, Werbung zu machen, und zwar auf ganz "persönlicher" Ebene, aber - und das ist wiederum wichtig - für alle sicht- und lesbar.
Das posmoderne Paradigma/>
Ein Blog bietet auch die Möglichkeit der Moderation und kommt damit dem, was man - zugegeben vereinfacht - als postmoderne Beliebigkeit bezeichnet, entgegen. Ich kann mit Hilfe meines Blogs "alles" sein, jede Meinung vertreten, einmal dieses, dann jenes. Das reale Individuum, das sich mit verschiedenen Identitäten zu schmücken versteht (der Markt fordert!), tut im Web genau dasselbe. Es will glitzern und schauspielern. Einen festen Kern gibt es nicht. Hier kann man perfekt tarnen und täuschen, mehr aus sich machen als tatsächlich da ist, lügen, schwindeln, schön reden - alles ist möglich, die "Wahrheit" natürlich auch. Der Blog verankert dieses Schauspiel (man findet ihn wieder), im Gegensatz zum Chat, wo man ein ähnliches Spiel treiben kann, aber eben diesen Ankerpunkt nicht hat.
Unsere Zeit "fordert" den Blog, sie bedingt ihn, und er wiederum sie - insofern wird das Phänomen von Dauer sein.