Caravaggio in Düsseldorf
Noch bis 7. Januar ist in der "Stiftung museum kunst palast" in Düsseldorf die ambitionierte Caravaggio-Ausstellung zu sehen. Ambitioniert deshalb, weil nicht weniger als die seit Jahrzehnten andauernde Debatte um die Urheberschaft bei Caravaggio zu dekonstruieren als eines der Ziele der Ausstellung verkündet wird und auch seine revolutionären Bilderfindungen in den Vordergrund zu stellen ausführlich versucht wird. So ist der Titel der Ausstellung Auf den Spuren eines Genies wörtlich zu verstehen:
Vor dem Hintergrund der Fragestellung von Original, Variante und Kopie aus eigener und fremder Hand gibt die Düsseldorfer Ausstellung und der begleitende umfangreiche Katalog neue Einblicke in das Abenteuer der kunsthistorischen Forschung.
Verwirrend die oft gleich anmutenden Exponate – und verwirrend die an den Wänden angebrachten Texte. Was ist nun Kopie und was ist Original? Was bedeutet überhaupt "Kopie"? Ob Caravaggio (genauer: Michelangelo Merisi da Caravaggio) Ateliers hatte und/oder Schüler mit dem Kopieren seiner Gemälde beauftragte, ist vollkommen ungewiss (wird mehrheitlich im Moment bestritten). Ob zweit- oder drittklassige Maler Caravaggio einfach abgemalt haben, um ihren Kunden wenigstens eine Kopie verkaufen zu können? Oder ob Kunstfälscher am Werk waren? Nichts genaues weiss man nicht. Aber das eloquent.
Der Zuseher ertappt sich bei vier Versionen eine Bildes beim Rätselspiel "Original und Fälschung" der "HörZu" und sucht die "Fehler". Ist für den Betrachter, der die Emphase, den Ausdruck, die Leidenschaft auf den Bildern wahrnehmen möchte, wichtig, ob dieses Bild von Caravaggio ist oder nicht? Lenken nicht die zugegebenermassen manchmal sehr detailgetreuen Schilderungen, wann welche Version als Original galt (und warum oder warum jetzt nicht mehr) die Aufmerksamkeit ab?
Die Ausstellung zeigt Röntgenbilder, vermutete Kopien, echte Kopien (!), vermutete Originale – vergleicht sie und der Betrachter: versteht nichts. Die Röntgenbilder sind nicht erklärend; teilweise von schlechter Druckqualität. Als Belege dienen manchmal schlechte Drucke nicht vorhandener Originale. Da fragt man sich wirklich, ob nicht weniger (Erläuterung) mehr gewesen wäre.
Viele Besprechungen der Ausstellung heben hervor, dass der Betrachter sich selber auf eine kunstdetektivische Reise begeben kann. Das ist keinesfalls so. Die ausgehängten Texte sind manchmal von einer seltsamen Umständlichkeit. Statt Abbildungen der besseren Unterscheidung wegen zu nummerieren, steht dort nur "Abb." und "Abb". Welche gemeint ist, wenn vom Original die Rede ist, bleibt unklar.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die religiösen oder mythologischen Motive heute ein bisschen angestaubt wirken. Die Ausdruckskraft vieler Bilder wirkte ein bisschen aufgesetzt. Hinreissend aber einige Einzelstücke – nicht unbedingt die Exponate, vor denen sich die Trauben der Besucher drängten: "Der Tod Mariens" beispielsweise oder "Maria Magdalena in Ekstase".
Der Tod Mariens
Maria Magdalena in Ekstase
Bilder von grosser Intensität und Kraft. Da kommen die exzessiv analysierten Bilder (Kopien / Originale) "Johannes der Täufer (Knabe mit Widder)" oder die lasziv-homoerotisch anmutende Darstellung des Amor nicht mit.
Die Betrachtungen und Erläuterungen in der Ausstellung (im Katalog vertieft) mögen den Experten oder stark interessierten Laien ansprechen. Dem den Phänomenen zugeneigte Betrachter, der sich verlieren möchte in den Bildern, verbauen sie nur den Blick. Wie die Fülle von Menschen, die sich an diesem Samstag um die Bilder versammelte. Führungen in japanisch, Busladungen holländischer Kunstfreunde (ich komme auch bald zu Euch!) und viele Besucher, die sich den telefonähnlichen Apparaten zuwendeten und sich erklären liessen, was sie sahen, sorgten für ein ziemliches Gewimmel mit nicht unerheblicher Geräuschkulisse.
Der Film von Werner Raeune, der am Eingang gezeigt wird, verklärt Caravaggio ein wenig zum Wegbereiter der Moderne und Revoluzzer und schliesst allzu leicht vom unsteten Leben des Künstlers auf das Werk.
Vor dem Hintergrund der Fragestellung von Original, Variante und Kopie aus eigener und fremder Hand gibt die Düsseldorfer Ausstellung und der begleitende umfangreiche Katalog neue Einblicke in das Abenteuer der kunsthistorischen Forschung.
Verwirrend die oft gleich anmutenden Exponate – und verwirrend die an den Wänden angebrachten Texte. Was ist nun Kopie und was ist Original? Was bedeutet überhaupt "Kopie"? Ob Caravaggio (genauer: Michelangelo Merisi da Caravaggio) Ateliers hatte und/oder Schüler mit dem Kopieren seiner Gemälde beauftragte, ist vollkommen ungewiss (wird mehrheitlich im Moment bestritten). Ob zweit- oder drittklassige Maler Caravaggio einfach abgemalt haben, um ihren Kunden wenigstens eine Kopie verkaufen zu können? Oder ob Kunstfälscher am Werk waren? Nichts genaues weiss man nicht. Aber das eloquent.
Der Zuseher ertappt sich bei vier Versionen eine Bildes beim Rätselspiel "Original und Fälschung" der "HörZu" und sucht die "Fehler". Ist für den Betrachter, der die Emphase, den Ausdruck, die Leidenschaft auf den Bildern wahrnehmen möchte, wichtig, ob dieses Bild von Caravaggio ist oder nicht? Lenken nicht die zugegebenermassen manchmal sehr detailgetreuen Schilderungen, wann welche Version als Original galt (und warum oder warum jetzt nicht mehr) die Aufmerksamkeit ab?
Die Ausstellung zeigt Röntgenbilder, vermutete Kopien, echte Kopien (!), vermutete Originale – vergleicht sie und der Betrachter: versteht nichts. Die Röntgenbilder sind nicht erklärend; teilweise von schlechter Druckqualität. Als Belege dienen manchmal schlechte Drucke nicht vorhandener Originale. Da fragt man sich wirklich, ob nicht weniger (Erläuterung) mehr gewesen wäre.
Viele Besprechungen der Ausstellung heben hervor, dass der Betrachter sich selber auf eine kunstdetektivische Reise begeben kann. Das ist keinesfalls so. Die ausgehängten Texte sind manchmal von einer seltsamen Umständlichkeit. Statt Abbildungen der besseren Unterscheidung wegen zu nummerieren, steht dort nur "Abb." und "Abb". Welche gemeint ist, wenn vom Original die Rede ist, bleibt unklar.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die religiösen oder mythologischen Motive heute ein bisschen angestaubt wirken. Die Ausdruckskraft vieler Bilder wirkte ein bisschen aufgesetzt. Hinreissend aber einige Einzelstücke – nicht unbedingt die Exponate, vor denen sich die Trauben der Besucher drängten: "Der Tod Mariens" beispielsweise oder "Maria Magdalena in Ekstase".
Bilder von grosser Intensität und Kraft. Da kommen die exzessiv analysierten Bilder (Kopien / Originale) "Johannes der Täufer (Knabe mit Widder)" oder die lasziv-homoerotisch anmutende Darstellung des Amor nicht mit.
Die Betrachtungen und Erläuterungen in der Ausstellung (im Katalog vertieft) mögen den Experten oder stark interessierten Laien ansprechen. Dem den Phänomenen zugeneigte Betrachter, der sich verlieren möchte in den Bildern, verbauen sie nur den Blick. Wie die Fülle von Menschen, die sich an diesem Samstag um die Bilder versammelte. Führungen in japanisch, Busladungen holländischer Kunstfreunde (ich komme auch bald zu Euch!) und viele Besucher, die sich den telefonähnlichen Apparaten zuwendeten und sich erklären liessen, was sie sahen, sorgten für ein ziemliches Gewimmel mit nicht unerheblicher Geräuschkulisse.
Der Film von Werner Raeune, der am Eingang gezeigt wird, verklärt Caravaggio ein wenig zum Wegbereiter der Moderne und Revoluzzer und schliesst allzu leicht vom unsteten Leben des Künstlers auf das Werk.
Gregor Keuschnig - 2006-12-18 09:51
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