Man darf die Bevölkerungsentwicklung nicht von der allgemeinen ökonomischen und politischen Entwicklung des entsprechenden Landes oder der Region trennen. Es ist nicht die Relation der Kinderzahlen im Vergleich zu anderen Gebieten der Erde entscheidend, sondern die Perspektiven der Menschen bei sich zu Hause. Wenn man das mit hinein rechnet, dann hat Heinsohn natürlich recht. Bei den ersten Kreuzzügen um 1000 n. Chr. wird ja als eine der wesentlichen Ursachen auch immer wieder genannt, dass wegen des Erbrechts viele Zweit- und Drittgeborene ihr Land verlassen mussten, weil sie daheim keine Perspektive mehr hatten.
Was Heinsohn in deinem Zitat über Besitz und Eigentum schreibt, ist aber – mit anderen Worten – sowohl im Marxismus als auch in der Volkswirtschaftslehre Grundlagenwissen und im Gegensatz zu Heinsohns Worten durchaus sehr gut verstanden. Der Unterschied zwischen Besitz und Eigentum liegt nicht an den damit verbundenen Rechtstiteln, sondern was man mit dem bereits Vorhandenen macht. Ob eine einfache oder eine erweiterte Reproduktion erfolgt und wie diese organisiert wird. Es ist also der Unterschied zwischen quasifeudalen und kapitalistischen Gesellschaftsstrukturen.
Seine Grundthese lässt sich meiner Meinung nach in einem einfachen Satz unterbringen: Wenn der Zinssatz der Bevölkerungsentwicklung größer als der Zinssatz der ökonomischen Entwicklung ist, die Menschen objektiv und im Durchschnitt ärmer werden, dann führt das automatisch zu politischen Problemen und in der heutigen globalisierten Welt zu Migrationsströmen, die zudem pseudoreligiös unterfüttert werden.
Gerade in Bezug auf China und viele Entwicklungsländer der islamischen Welt ist für mich deshalb die Hauptfrage, ob es dort auf dem Weg zu einer modernen Gesellschaft möglich ist, das Stadium des Manchesterkapitalismus zu überspringen, also maximaler Profitraten mit sehr wenig politischen Rechten der Mehrheit und maximal unterschiedlicher Nutznießung vom Fortschritt in der Gesellschaft. Wenn das nicht gelingt, haben wir ein gewaltiges Problem: Höheren ökonomischen Zuwachsraten steht ein primitiveres Politikverständnis und ein noch archaischeres Alltagsdenken gegenüber.
Genau das sagt er ja: Die Perspektiven der Menschen zuhause ist entscheidend. Wenn im Verhältnis der möglichen Positionen ("Posten") zu viele Nachkommen vorhanden sind, gibt es entweder ethnische Spannungen innerhalb der Entität (dies u. a. wenn – wie in vielen afrikanischen Staaten – die Grenzen willkürlich und ohne Berücksichtigung der ethnischen Gegebenheiten gezogen wurden) oder der "Zorn" richtet sich nach aussen. Die Plausibilität des Heinsohnschen Denkens liegt in der Parallelität dieser Faktoren.
Deine Subsummierung verstehe ich vermutlich nicht richtig.: Der "Zinssatz" der Bevölkerungsentwicklung – also das, was er youth bulge nennt – ist in einigen Ländern weit über 40% (teilweise bis an 50%). Es gibt keinen direkten Rekurs auf das Zinsniveau der von ihm proklamierten Eigentumsgesellschaft; Heinsohns Annahme liegt ja u. a. darin, dass sehr viele Länder noch keine ausreichende Infrastruktur für diese Eigentumsgesellschaft zur Verfügung haben.
Deine Befürchtung, was China angeht, ist m. E. längst Realität: Das ökonomischen Wachstum geniesst dort absolute Priorität; alles ist ihm untergeordnet. Ein Punkt allerdings stimmt mich nach Heinsohns Lektüre skeptisch: Die chinesische Regierung müsste schnellstens von ihrer repressiven Ein-Kind-Politik Abstand nehmen, um der ohne Zweifel sonst unabänderlich kommenden Vergreisung vorzubauen. Diese Politik war ja eigentlich der Tatsache geschuldet, dass China irgendwann nicht autarkgenug sei, um seine Bevölkerung zu ernähren. In der globalisierten und vor allem technisierten Welt dürfte dieses "Argument" nicht mehr zutreffen (selbst wenn man Lebensmittel ob einer grösseren Bevölkerungsanzahl importieren müsste, wäre der Nachteil des schwindenden Handelsbilanzdefizites geringer als der Nachteil, irgendwann keinen "nachwachsenden Markt" mehr zu haben) . Im Moment interessiert dies aber wohl niemanden, da die Wachstumsraten enorm sind; immer noch sind hunderte von Millionen Chinesen potentielle Wohlstandsgewinnler (das Land ist immer noch sehr argrarisch strukturiert).
Noch ein wichtiger Hinweis zur Religion: Heinsohn ist ein unbedingter Verfechter der These, dass der "Zorn" der jungen Männer vor der Religion vorhanden war. Erst der Zorn – dann die Schriften, die diesen metaphysisch unterfüttern. Dies war sowohl beim Christentum der Fall – als auch jetzt beim Islam. Was er nur streift (ich zitiere es in meinem – zugegeben exzessiv langen – Aufsatz): Die zornigen jungen Männer des Islam bieten gar keinen neuen Entwurf an – sie sind (einfach formuliert) "nur dagegen". Ein über das metaphysische hinaus gehender sozialer, ökonomischer und politischer Überbau – irgendwelche Utopien – gibt es nicht bzw. nur metaphysisch verbrämt ("Gottesstaat").
So ganz vermag ich Deiner Aussage, dass es unerheblich ist, ob etwas Besitz oder Eigentum ist, nicht zu folgen: Für denjenigen, der sich über ein Stück Land beugt und es bewirtschaftet ist sehr wohl relevant, ob seine Erträge irgendwann zu festen Preisen verkauft werden (damit wäre bspw. die Qualität zweitrangig) oder ob er mit der Ernte frei agieren kann (weil sein Land sein Besitz ist). Der Kommunismus ist u. a. daran gescheitert, dass Leistungsanreize schon im Keim erstickt wurden. Das er sich so lange gehalten hat, ist dennoch nicht ungewöhnlich: Eine "Grundversorgung" war unter bestimmten Bedingungen (der politischen Angepasstheit bspw.) unabhängig von der Leistung garantiert. Ich habe neulich einen Beitrag aus Nordkorea gesehen. Dort hat man bei ab und zu experimentiert und Menschen ein kleines Stück Land zur eigenen Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis war, dass in diesen Regionen die Lebensmittelknappheit, die fast permanent in diesem Land virulent ist, zurückging. Und dies, obwohl es sich "nur" um Besitz handelte!
Besitz oder Eigentum
Da habe ich mich wohl schlecht ausgedrückt. Ich wollte sagen, dass er damit nichts Neues gefunden hat, seine phänomenologische Beschreibung ist die des Unterschieds zwischen Feudalismus und Kapitalismus. Eine „Marktwirtschaft“ gab es in beiden. In der vorkapitalistischen Ära wurden dort Waren gehandelt, im Kapitalismus kommen als entscheidende Triebkräfte das Kapital und die Arbeitskraft hinzu. Derjenige der nur letzteres besitzt, muss sich selbst verkaufen, ist zwar juristisch frei, kann diesen „Sachzwängen“ aber nicht entgehen. Der Kapitalbesitzer verleiht die Möglichkeit etwas zu produzieren und fordert einen Zins dafür.
Das ist genau Heinsohns Unterschied: Besitz benutzt man selbst, Eigentum kann man gegen Zinsen verleihen, der Zins ist die wieder zu Geld geronnene Arbeitskraft des Leihenden. Gesellschaften nach diesem Strickmuster sind dynamischer als alle vorhergehenden, weil man jetzt einen objektiven Maßstab für die Wertschöpfung hat – es ist der Zinssatz, den man für alles und jeden bestimmen kann. Das Kapital strebt immer zu dessen Maximum, das ist der Grund für das exponentielle Wachstum kapitalistischer Gesellschaften. Heinsohns Irrtum besteht vielleicht darin (ich kenne das Buch ja nicht), dass er glaubt, allein der Übergang von „Besitz“ zu „Eigentum“ allein würde die Gesellschaft zum Besseren wenden. Es bedarf aber eines die Ökonomie regulierenden politischen Überbaus, dieser entsteht erst in einem zweiten Schritt, wenn man durch den Manchester-/Raubtierkapitalismus durch ist.
China
Das demografische Problem Chinas wird größer als das des Westens werden. Es gibt nämlich dort überhaupt kein staatliches Rentensystem. Die Alten wurden bisher (im Sinne Konfuzius) von ihren Kindern ernährt. Die Einkindpolitik hat dieses System zerstört, aber kein neues an dessen Stelle gesetzt. China generiert sein hohes Wachstum heute dadurch, dass es weder für die Altersvorsorge noch für den Umweltschutz sorgt, die Chinesen verkonsumieren heute die Zinsen ihrer Zukunft. Dieser Umgang mit den eigenen Menschen hat in China Tradition, es gibt ein Buch einer Exilchinesin (den Namen habe ich vergessen), die berechnet hat, dass Mao mehr Leute auf dem Gewissen hat als Hitler und Stalin zusammen.
Kapitalismus
Deine Darstellung des Zinsmodells entspricht genau dem, was im Buch gemeint ist. Mein Zitat ist - was das ökonomosche Argument Heinsohns angeht - ziemlich vollständig; später wird noch einmal am Rande der Gedanke gestreift.
Es ist nicht so, dass Heinsohn der Übergang von Besitz zu Eigentum alleine ausreicht, um die Verhältnisse in der (sogenannten) Dritten Welt zu ändern. Es ist aber das einzige "Argument" überhaupt, was von ihm in diese Richtung geht. Das ist ja auch einer meiner Kritikpunkte am Buch: es gibt keine "Auswege" - aber vielleicht liegt es daran, dass es nicht Aufgabe des Buches sein soll, diese zu benennen.
Was Heinsohn vermutlich wirklich glaubt, ist, dass eine Eigentumsgesellschaft sozusagen parallel auch eine soziopolitisch stabile Infrastruktur schafft, die zu mehr Rechtssicherheit und damit zu mehr Prosperität führt. Was diese Staaten brauchen ist dann keine staatliche Gängelung (das haben / hatten sie genug), sondern ein freies Spiel auf den Weltmärkten. Zu welchen Verwerfungen das allerdings führt, sehen wir am Beispiel Chinas bzw. der Reaktionen der multinationalen Konzerne darauf.
China
Ich vermute Du meinst dieses Buch hier. Neulich lief eine Knopp-Doku im ZDF, in der die These von den 70 Millionen Toten bestätigt wurde.
Ich finde, solche Zahlenakrobatik macht wenig Sinn. Wenn man schon Massenmörder rubrizieren will (Heinsohn ist ja auch Völkermordforscher!), dann könnte man dies auch an dem Prozentsatz der eigenen Bevölkerung festmachen, die man umgebracht hat. Dann wäre m. E. Pol Pot blutrünstiger als Mao und Stalin.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Keine Entkopplung
Was Heinsohn in deinem Zitat über Besitz und Eigentum schreibt, ist aber – mit anderen Worten – sowohl im Marxismus als auch in der Volkswirtschaftslehre Grundlagenwissen und im Gegensatz zu Heinsohns Worten durchaus sehr gut verstanden. Der Unterschied zwischen Besitz und Eigentum liegt nicht an den damit verbundenen Rechtstiteln, sondern was man mit dem bereits Vorhandenen macht. Ob eine einfache oder eine erweiterte Reproduktion erfolgt und wie diese organisiert wird. Es ist also der Unterschied zwischen quasifeudalen und kapitalistischen Gesellschaftsstrukturen.
Seine Grundthese lässt sich meiner Meinung nach in einem einfachen Satz unterbringen: Wenn der Zinssatz der Bevölkerungsentwicklung größer als der Zinssatz der ökonomischen Entwicklung ist, die Menschen objektiv und im Durchschnitt ärmer werden, dann führt das automatisch zu politischen Problemen und in der heutigen globalisierten Welt zu Migrationsströmen, die zudem pseudoreligiös unterfüttert werden.
Gerade in Bezug auf China und viele Entwicklungsländer der islamischen Welt ist für mich deshalb die Hauptfrage, ob es dort auf dem Weg zu einer modernen Gesellschaft möglich ist, das Stadium des Manchesterkapitalismus zu überspringen, also maximaler Profitraten mit sehr wenig politischen Rechten der Mehrheit und maximal unterschiedlicher Nutznießung vom Fortschritt in der Gesellschaft. Wenn das nicht gelingt, haben wir ein gewaltiges Problem: Höheren ökonomischen Zuwachsraten steht ein primitiveres Politikverständnis und ein noch archaischeres Alltagsdenken gegenüber.
Heinsohn entkoppelt nichts
Deine Subsummierung verstehe ich vermutlich nicht richtig.: Der "Zinssatz" der Bevölkerungsentwicklung – also das, was er youth bulge nennt – ist in einigen Ländern weit über 40% (teilweise bis an 50%). Es gibt keinen direkten Rekurs auf das Zinsniveau der von ihm proklamierten Eigentumsgesellschaft; Heinsohns Annahme liegt ja u. a. darin, dass sehr viele Länder noch keine ausreichende Infrastruktur für diese Eigentumsgesellschaft zur Verfügung haben.
Deine Befürchtung, was China angeht, ist m. E. längst Realität: Das ökonomischen Wachstum geniesst dort absolute Priorität; alles ist ihm untergeordnet. Ein Punkt allerdings stimmt mich nach Heinsohns Lektüre skeptisch: Die chinesische Regierung müsste schnellstens von ihrer repressiven Ein-Kind-Politik Abstand nehmen, um der ohne Zweifel sonst unabänderlich kommenden Vergreisung vorzubauen. Diese Politik war ja eigentlich der Tatsache geschuldet, dass China irgendwann nicht autarkgenug sei, um seine Bevölkerung zu ernähren. In der globalisierten und vor allem technisierten Welt dürfte dieses "Argument" nicht mehr zutreffen (selbst wenn man Lebensmittel ob einer grösseren Bevölkerungsanzahl importieren müsste, wäre der Nachteil des schwindenden Handelsbilanzdefizites geringer als der Nachteil, irgendwann keinen "nachwachsenden Markt" mehr zu haben) . Im Moment interessiert dies aber wohl niemanden, da die Wachstumsraten enorm sind; immer noch sind hunderte von Millionen Chinesen potentielle Wohlstandsgewinnler (das Land ist immer noch sehr argrarisch strukturiert).
Noch ein wichtiger Hinweis zur Religion: Heinsohn ist ein unbedingter Verfechter der These, dass der "Zorn" der jungen Männer vor der Religion vorhanden war. Erst der Zorn – dann die Schriften, die diesen metaphysisch unterfüttern. Dies war sowohl beim Christentum der Fall – als auch jetzt beim Islam. Was er nur streift (ich zitiere es in meinem – zugegeben exzessiv langen – Aufsatz): Die zornigen jungen Männer des Islam bieten gar keinen neuen Entwurf an – sie sind (einfach formuliert) "nur dagegen". Ein über das metaphysische hinaus gehender sozialer, ökonomischer und politischer Überbau – irgendwelche Utopien – gibt es nicht bzw. nur metaphysisch verbrämt ("Gottesstaat").
So ganz vermag ich Deiner Aussage, dass es unerheblich ist, ob etwas Besitz oder Eigentum ist, nicht zu folgen: Für denjenigen, der sich über ein Stück Land beugt und es bewirtschaftet ist sehr wohl relevant, ob seine Erträge irgendwann zu festen Preisen verkauft werden (damit wäre bspw. die Qualität zweitrangig) oder ob er mit der Ernte frei agieren kann (weil sein Land sein Besitz ist). Der Kommunismus ist u. a. daran gescheitert, dass Leistungsanreize schon im Keim erstickt wurden. Das er sich so lange gehalten hat, ist dennoch nicht ungewöhnlich: Eine "Grundversorgung" war unter bestimmten Bedingungen (der politischen Angepasstheit bspw.) unabhängig von der Leistung garantiert. Ich habe neulich einen Beitrag aus Nordkorea gesehen. Dort hat man bei ab und zu experimentiert und Menschen ein kleines Stück Land zur eigenen Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis war, dass in diesen Regionen die Lebensmittelknappheit, die fast permanent in diesem Land virulent ist, zurückging. Und dies, obwohl es sich "nur" um Besitz handelte!
@Gregor
Da habe ich mich wohl schlecht ausgedrückt. Ich wollte sagen, dass er damit nichts Neues gefunden hat, seine phänomenologische Beschreibung ist die des Unterschieds zwischen Feudalismus und Kapitalismus. Eine „Marktwirtschaft“ gab es in beiden. In der vorkapitalistischen Ära wurden dort Waren gehandelt, im Kapitalismus kommen als entscheidende Triebkräfte das Kapital und die Arbeitskraft hinzu. Derjenige der nur letzteres besitzt, muss sich selbst verkaufen, ist zwar juristisch frei, kann diesen „Sachzwängen“ aber nicht entgehen. Der Kapitalbesitzer verleiht die Möglichkeit etwas zu produzieren und fordert einen Zins dafür.
Das ist genau Heinsohns Unterschied: Besitz benutzt man selbst, Eigentum kann man gegen Zinsen verleihen, der Zins ist die wieder zu Geld geronnene Arbeitskraft des Leihenden. Gesellschaften nach diesem Strickmuster sind dynamischer als alle vorhergehenden, weil man jetzt einen objektiven Maßstab für die Wertschöpfung hat – es ist der Zinssatz, den man für alles und jeden bestimmen kann. Das Kapital strebt immer zu dessen Maximum, das ist der Grund für das exponentielle Wachstum kapitalistischer Gesellschaften. Heinsohns Irrtum besteht vielleicht darin (ich kenne das Buch ja nicht), dass er glaubt, allein der Übergang von „Besitz“ zu „Eigentum“ allein würde die Gesellschaft zum Besseren wenden. Es bedarf aber eines die Ökonomie regulierenden politischen Überbaus, dieser entsteht erst in einem zweiten Schritt, wenn man durch den Manchester-/Raubtierkapitalismus durch ist.
China
Das demografische Problem Chinas wird größer als das des Westens werden. Es gibt nämlich dort überhaupt kein staatliches Rentensystem. Die Alten wurden bisher (im Sinne Konfuzius) von ihren Kindern ernährt. Die Einkindpolitik hat dieses System zerstört, aber kein neues an dessen Stelle gesetzt. China generiert sein hohes Wachstum heute dadurch, dass es weder für die Altersvorsorge noch für den Umweltschutz sorgt, die Chinesen verkonsumieren heute die Zinsen ihrer Zukunft. Dieser Umgang mit den eigenen Menschen hat in China Tradition, es gibt ein Buch einer Exilchinesin (den Namen habe ich vergessen), die berechnet hat, dass Mao mehr Leute auf dem Gewissen hat als Hitler und Stalin zusammen.
@Köppnick
Deine Darstellung des Zinsmodells entspricht genau dem, was im Buch gemeint ist. Mein Zitat ist - was das ökonomosche Argument Heinsohns angeht - ziemlich vollständig; später wird noch einmal am Rande der Gedanke gestreift.
Es ist nicht so, dass Heinsohn der Übergang von Besitz zu Eigentum alleine ausreicht, um die Verhältnisse in der (sogenannten) Dritten Welt zu ändern. Es ist aber das einzige "Argument" überhaupt, was von ihm in diese Richtung geht. Das ist ja auch einer meiner Kritikpunkte am Buch: es gibt keine "Auswege" - aber vielleicht liegt es daran, dass es nicht Aufgabe des Buches sein soll, diese zu benennen.
Was Heinsohn vermutlich wirklich glaubt, ist, dass eine Eigentumsgesellschaft sozusagen parallel auch eine soziopolitisch stabile Infrastruktur schafft, die zu mehr Rechtssicherheit und damit zu mehr Prosperität führt. Was diese Staaten brauchen ist dann keine staatliche Gängelung (das haben / hatten sie genug), sondern ein freies Spiel auf den Weltmärkten. Zu welchen Verwerfungen das allerdings führt, sehen wir am Beispiel Chinas bzw. der Reaktionen der multinationalen Konzerne darauf.
China
Ich vermute Du meinst dieses Buch hier. Neulich lief eine Knopp-Doku im ZDF, in der die These von den 70 Millionen Toten bestätigt wurde.
Ich finde, solche Zahlenakrobatik macht wenig Sinn. Wenn man schon Massenmörder rubrizieren will (Heinsohn ist ja auch Völkermordforscher!), dann könnte man dies auch an dem Prozentsatz der eigenen Bevölkerung festmachen, die man umgebracht hat. Dann wäre m. E. Pol Pot blutrünstiger als Mao und Stalin.