kranich05 - 2006-12-13 11:32

??

Hallo,
Deine ausführliche Besprechung läßt mich mit mehr Zweifeln als Erleuchtung zurück.
Das beginnt mit der Ausgangsthese Heinsohns von den überzähligen jungen Männern (Was ist mit den Frauen?).
Was heißt es, sie seien chancenlos? Müßte nicht der Zusammenhang von Wirtschaftsweise und Chancen betrachtet werden?
Auch in unserer Gesellschaft gilt es als schlichte Tatsache, daß 5-10 Millionen Menschen überzählig/chancenlos sind. Offenkundig hat das bei uns nichts mit 2.-, 3.- usw. Söhnen zu tun.

Auch Heinsohns Betrachtung von Besitz- und Eigemtümergesellschaften macht mich eher schwindlig in meinem armen Kopf. Der Feudalherr, der antike (oder nichtantike) Sklavenhalter bleiben Eigentümer, auch wenn sie keineswegs kapitalistisch wirtschaften. H. scheint ziemlich rigoros das Verständnis von Eigentumsverhältnissen als Formen von Produktionsverhältnisen zu ignorieren....
Na schön, das gilt heute wohl als sein Recht.
Oder argumentiert er diesbezüglich?

Gregor Keuschnig - 2006-12-13 12:56

Aggressionspotential...

geht für Heinsohn von männlichen Nachkommen aus. Damit dürfte er nicht so schief liegen. Und um es ein wenig platt auszudrücken: Der "Posten", den die Frau in vielen Gesellschaftsen auch heute noch einnimmt, ist die der Gebärerin; der Hüterin des Nachwuchs. Wie ich erwähnte, zeigt er hieraus keinen Ausweg (man kann allerdings sagen, es ist nicht sein Thema gewesen).

In Entitäten, die Frauen Zugang zu Bildung bieten (Schule; Universität; Beruf), sinken normalerweise innerhalb von ein, zwei Generationen die Geburtenzahlen (Kind pro Frau).

"Chancenlos" bedeutet, dass sie innerhalb ihrer Entität keine Möglichkeiten haben, Posten zu besetzen. Diese sind in der Regel durch den Erstgeborenen besetzt. Möglichkeiten, sich in abstrakte Arbeitsverhältnisse einzubringen, gibt es meist nicht,(was an den Arbeitslosenquoten in diesen Staaten deutlich wird). Das ist natürlich ein bisschen vereinfacht; es gibt durchaus auch heute noch Gesellschaften, in der ein Sohn die Nachfolge des Vaters antritt (wobei auch immer); einer eine soziale oder politische Aufgabe übernimmt und einer "für die Religion" abgestellt wird.

Der Rekurs auf unsere Gesellschaft ist dahingehend abwegig, da es sich (1.) um eine aussterbende Gesellschaft handelt (die islamischen Länder, Indien, sehr viele schwarzafrikanische Staaten jedoch dramatisch ansteigende Kinderzahlen melden), also die Population (dramatisch) zurückgeht und (2.) die "chancenlosen" hier durch soziale Transferleistungen einigermassen abgesichert sind. Somit entfällt die Option, sein "Glück" anderweitig zu suchen.

Der antike Sklavenhalter war in Heinsohns Sinn nicht Eigentümer; er war "nur" Besitzer, der sich zwar als Eigentümer generierte, dies jedoch nicht belegen konnte (er brauchte es wohl auch nicht, weil ihn niemand befragt hatte). Wozu Heinsohn tendiert – wenn ich ihn da richtig verstanden habe – ist ein Wirtschaften, in der Eigentum die Rolle einer Art Geldbeschaffungsmaschine spielt, was wiederum die Ökonomie antreibt, neue Posten schafft, usw...
Cleos - 2006-12-14 21:46

Danke Gregor,danke Gunnar Heinsohn,

ein überwältigendes Buch, einfach,stimmig und schlüssig.
Die Frauen werden nicht vergessen, aber sie führen die Kriege ja nicht.Sie werden mit den übriggebliebenen Spermaträgern neue
Männer generieren für den nächsten Krieg.....

Ich werde mir schon mal ein hübsches Kopftuch aussuchen oder mich mit den Chinesen anfreunden, Schlitz- bzw.Mandelaugen hab ich ja eh....

Ein großartiger Soziologe, mir wird schwindlig von seinem Können ,schweerige Sachverhalte ganz einfach zu formulieren-das können eben nur die ganz Gscheiten...

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