el combatante (Gast) - 2006-11-08 11:24

Schnuffig, die Generation Geizgeilsaubillig

Ja, wir leben schon in lustigen Zeiten. Zwischen saubillig und geizgeil machen sich Promis auf dem Eis lächerlich; andere zucken mit ihren Brustmuskeln im Takt und werden Heroen für eine Woche. Was will man eigentlich noch mehr von einer postheroischen Gesellschaft verlangen?

Ein Freund von mir hat jüngst seinen Fernseher abgeschafft. Er sagt, seitdem sehe er die Welt wieder mit anderen, mit weniger verklebten Augen und spreche sogar wieder mit Jugendlichen aus dem Prekariat. Wow. (Übrigens auch ein Boykotteur von Media M. und Co., um hier mal wieder den Bezug zu bekommen).

Gregor Keuschnig - 2006-11-08 13:37

Ich gestehe...

diese Konsequenz, nämlich den Fernseher abzuschaffen, bringe ich (noch) nicht auf. Etliches interessiert mich eben doch. Noch gibt es einige Rosinen, die man herauspicken kann - ich gebe aber zu, es werden über das Jahr betrachtet weniger.

Mit Jugendlichen aus dem Prekariat würde man gelegentlich tatsächlich gerne sprechen, wenn sie nicht fast immer ihre MP3-Geräte in den Ohren hätten (im Bus; in der U-Bahn). Man müsste sie schon anbrüllen.

Danke für den ersten Kommentar und willkommen!
Cleos - 2006-11-08 16:30

Den Fernseher abzuschaffen,

würde bedeuten, eine Sucht weniger.Würde aber auch bedeuten, weniger informiert zu sein.Würde mich das stören? Darüber denke ich jetzt nach.
Mir fiel mit dem Lesen der Eventual- Konsequenz ein, es wäre auch immer eine gute Idee, den Pc nicht hochzufahren.
Wenn man das allerdings so wie ich beruflich jeden Tag machen muß, gestaltet es sich schwierig.Aber irgendwie belüge ich mich da ein wenig selbst....
Danke für den Gedanken(der so alt nicht ist, den man aber gerne beiseite schiebt).
lg Cleos
Gregor Keuschnig - 2006-11-09 08:09

Nicht alles,

was man aus Neigung macht, ist deswegen gleich "Sucht". Und ob man tatsächlich weniger informiert ist, wage ich zu bezweifeln bzw. gilt nur für ausgesuchte Sachen.

Unabhängig davon glaube ich, dass der Entschluss, sich von seinem Fernsehgerät zu trennen, irgendwann gar nicht mehr schwerfallen wird. Die Trivialisierung ist gerade bei den öffentlich-rechtlichen Medien in den letzten Jahren stark vorangeschritten. Vermutlich wird sich Fernsehen in den nächsten Jahren auch verändern. Zunächst technisch - und damit einhergehend vermutlich auch von der Rezeption her. Starre Programme wird es nicht mehr geben - der Zuschauer greift auf (kostenpflichtige) Archive der Anstalten zurück und lädt sich das Gewünschte herunter. Seriöse Nachrichten und Hintergründe werden somit teuer bezahlt werden müssen, da sie - nach den Gesetzen des Marktes - wenig nachgefragt werden.

Lesen alleine ist ja leider auch kein Selbstzweck.
Cleos - 2006-11-09 09:57

Das trifft hundertpro zu

liebes Begleitschreiben-nicht alles ist Sucht.Es ist idividuelll beim einen Sucht und beim andern keine. Bei mir ist es eine gewisse Sucht, die Sucht alles wissen zu wollen(was ja eh nicht geht) und damit zu kontrollieren.Es gibt ganz klare Scores in der Medizin was die Sucht betrifft und nach denen teilt man ein.(ich habs nicht erfunden, aber es ist eine Regel, eine Übereinkunft,z.b. ist im ICD "Sucht" ganz klar definiert).

Aber zum Thema Fernsehen ist dies ein interessanter Ansatz was Sie schreiben und ich mkir vorstelle:
Eine Art modernes Pay-TV, aber man kann wählen preislich zwischen den Qualitäten.
Das hieße dann, rein spekulativ, der mit der dickeren Geldbörse
könnte qualitativ besser informiert werden.
Quantität gegen Qualität.
Ein (Volkssender) für alle?(kostenfrei)

Auch Schreiben ist nicht immer Selbstzweck.Es ist bei Ihnen manchmal geradezu eine Herausforderung...
Lg Cleos
Gregor Keuschnig - 2006-11-10 07:56

Bloss nicht:

Ein (Volkssender) für alle?(kostenfrei)
"Kostenfrei" gibt es übrigens nicht. Ich finde das System der öffentlich-rechtlichen Anstalten in D (ich glaube, der ORF ist auch ähnlich strukturiert?) nicht schlecht. Es hat nur den Nachteil, dass es in letzten Jahrzehnten sukzessive von Parteien und Interessengruppen (aller Art - nicht nur ökonomischer) usurpiert wurde.

Mit den Gebührenzahlungen bekommen die Sender allerdings irgendwann Legitimationsprobleme: Weil alle zahlen müssen, fühlen sie sich genötigt, dem Massengeschmack nachzugeben, d. h. den privaten Fernsehanstalten nachzueifern. Das geht zu Lasten des Niveaus. Es gibt zwar noch Rosinen, aber diese sind teilweise recht gut im Kuchen versteckt, so dass man mindestens ein Aufnahmegerät braucht, um aufschlussreiches, was um 00.25 Uhr beginnt, irgendwann sehen zu können. Der Rest ist Selbstdisziplin des Zuschauers: Schaut er sich das aufgenommene auch wirklich an oder wird es irgendwann einfach überspielt?
Cleos - 2006-11-10 14:20

Einige Moderatoren,

meist männlich, schnucklig anzusehen wanderten aus den Privatsendern ja schon zu den öffentlich Rechtlichen ab.
Das ist sicher wegweisend und man kann der Vermutung nachgehen, ob man diese Schnuckelchen als Eyecatcher geholt hat , damit die ehemals Privatsenderfans nun Öffentlichrechtlichfans werden.

Ich habe gar kein Aufnahmegerät und ich würde es mir auch nicht ansehen,da haben Sie vollkommen recht und auch damit dass die guten Sendungen meist am Abend kommen wo ich längst penne.

Rosinen kommen oft auf 3Sat und im WDR(für mich zumindest)-
auch zu christlichen Zeiten.

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