"Theirs is the real nuclear terror" - Über rhetorische Terroristen und wirkliche Gefahren

Doomsday clockIm Zusammenhang mit dem Atomtest von Nordkorea wird abermals die Gefahr beschworen, dass unsichere, dem Westen feindliche Regierungen nukleares Material an Terroristen verkaufen könnten und somit eine neue Qualität des Terrorismus drohe.

William M. Arkin (versierter Militärkenner und Autor u. a. der "Washington Post") vertritt in einem Beitrag "The continuous misusing of fear" (Der stetige Missbrauch der Angst) für das "Bulletin of Atomic Scientists" die gegenteilige Auffassung.

Sein Resumee: Die Welt ist, was die Weiterverbreitung atomarer Bewaffnung angeht, sicherer geworden. Und dies obwohl zunächst nach dem Zusammenbruch der UdSSR von den Auguren anderes prophezeit wurde. Die Angst, die von weiten Teilen der politischen Klasse (der USA – dies beobachtet Arkin sehr genau) verbreitet wird, dient durchsichtigen Zielen: Die Welt soll glauben, dass die Bekämpfung des Terrorismus mit militärischen Mitteln die einzige Möglichkeit darstellt.

Schön zeigt Arkin die fast gleichlautende Rhetorik der Demokraten (sein Bezugspunkt ist hier Senator Kennedy) als auch von Cheney und Bush auf. Im Kern gehen beide von der gleichen These aus. Die Republikaner benutzen die selbst geschürte Angst innerhalb der Bevölkerung vor dem atomaren Terrorschlag als Begründung sowohl für präemptive Schläge (gemäss ihrer Doktrin) als auch für die systematische Aushöhlung von Bürgerrechten. Letzteres geschieht übrigens schleichend; durch die teilweise mediale Gleichschaltung begünstigt. Die Demokraten springen fast zwangsläufig auf den Zug, um nicht bei der Bevölkerung als schwach und nachgiebig dazustehen; sie werden dazu fast getrieben – für eine eigenständige Position sind sie offensichtlich zu schwach.

Belegt wird, dass die Proliferation in den 90er Jahren gut vorangekommen war. Alle ehemaligen UdSSR-Republiken, auf deren Territorien sich atomare Waffen befanden, gaben diese zurück. Neben Kasachstan und der Ukraine übrigens der neue "Schurkenstaat" Weissrussland (ein Grund dafür, dass die USA sehr lange Lukaschenko unterstützt hatte). Arkin zeigt auch auf, dass Pläne anderer Staaten, sich nuklear zu bewaffnen, aufgrund von politischen Bemühungen nicht mehr weiterverfolgt wurden (beispielsweise Brasilien, Argentinien, Südafrika). Aber auch bei den Hauptatommächten USA und Russland macht Arkin erfolgreiche Abrüstungsbemühungen fest – die allerdings auf der Stelle treten.

Arkin sieht Parallelen zur Hysterisierung vor dem Irak-Krieg 2003 und der aktuellen Diskussion um das Atomprogramm des Irak. Heute sind es "Zentrifugen" – damals, 2003, waren es "Aluminiumröhren". Heute ist es "Hisbollah", die als Gefahr für die ganze Welt dargestellt wird – damals wurde Saddam Hussein beschuldigt, gemeinsame Sache mit Al-Qaida gemacht zu haben. Entsprechend der Doktrin werden solange Interpretationen von Geschehenem publiziert und manipuliert, bis der kriegerische Konflikt in der Öffentlichkeit unausweichlich und notwendig erscheint.

Letztlich konstatiert er: Von der Perspektive des Iran oder Nordkoreas aus, haben die in den 90er Jahren erodierenden Souveränitätsrechte in Verbindung mit der Nach-11. September-Politik, die präemptive Militärschläge durchaus vorsehen und der Aussetzung absichtsvoller Abrüstungsbemühungen der "Fünf" ['klassischen' Atommächte, die gleichzeitig ständige Mitglieder im Weltsicherheitsrat sind], die Berechtigung und Notwendigkeit für Massenvernichtungswaffen erhöht.

Dennoch (oder besser trotzdem) sieht er die Gefahr der verwilderten Weiterverbreitung für geringer an, als zu Zeiten des Kalten Krieges. Arkins Artikel versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Bestätigung der aktuellen Bush-Politik, sondern rekurriert u. a. auf die Politik seiner Vorgänger (Bushs Vater sowohl als der Clinton-Administration).

Nicht verschwiegen werden soll, dass in der gleichen Zeitschrift auch ein Aufsatz mit der gegenteiligen These zu lesen ist: "The ongoing failure of imagination" (Das fortlaufende Fehlen der Vorstellung) von Graham Allison. Da dort jedoch die gängige Mainstream-Meinung vertreten wird, ist er natürlich nicht so interessant.
blackconti - 2006-10-20 16:41

Wie gewohnt, lieber Herr Keuschnig, bewundere ich Ihre besonnene und kenntnisreiche Art, Ihrem Unbehagen an bestimmten politischen oder gesellschaftlichen Zuständen Ausdruck zu verleihen. Wenn ich zwischen Ihren Zeilen lese, so denken sie doch auch, wie William S. Arkin, wie auch ich, dass die Bestrebungen zur nuklearen Aufrüstung Nordkoreas oder des Iran aufgrund der aggressiven Politik der US-Regierung , zwar nicht gutzuheißen, aber verständlich sind. Da lassen wir doch unseren Emotionen einmal freien Lauf und wünschen uns ganz unverhohlen: Hoffentlich verschwindet diese ganze verlogene Bush-Clique so schnell wie möglich im Orkus der Geschichte. Unheil hat sie schon genug angerichtet. ( Ich bin Ihnen nicht böse, wenn Sie das wieder löschen, denn ich habe hier unten in Afrika gut pöbeln. Die CIA weiß höchstwahrscheinlich nicht mal wo das liegt.)

Gregor Keuschnig - 2006-10-20 21:21

Warum soll ich sowas löschen?

Im Falle Nordkoreas ist die Sache ja fast tragisch: Als fast einzig vernünftige aussenpolitische Massnahme der Administration Clinton hatte man ja eine Annäherung an Nordkorea betrieben (sehe die Aussenministerin noch mit den dortigen Machthabern dinieren). Diese Politik war sehr vernünftig und hat auch die bilateralen Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea verbessert.

Mit Bush war das aus. Auf seiner "Achse des Bösen" liegt auch Nordkorea. Die Kette der Fehler begann...

Spannend wird es, wer nach Bush folgt.

OT: Haben Sie zufällig die beiden Filme von Wolf von Lojewski über Namibia gesehen?
blackconti - 2006-10-21 01:07

Naja, weil meine Einlassung dem seriösen Stil Ihres Blogs möglicherweise nicht gerecht wird.
Apropo Namibia: Den Bericht von v. Lojewski habe ich mit Interesse angeschaut, zumal wir Namibia schon mehrfach bereist haben und im Januar wieder 2 Wochen dort unterwegs sein werden. Viele der von von Lojewski gezeigten Orte kenne ich aus eigener Anschauung und, soweit ich das beurteilen kann, war die Beschreibung recht stimmig.
Er suchte und fand natürlich jede Menge Hinweise auf die deutsche Kolonialzeit, aber in der Realität heute ist das eher eine Marginalie der Geschichte. Viel wichtiger und überall noch spürbar ist der Einfluss aus der Zeit der südafrikanischen Verwaltung, d.h. in den Städten ist gibt es keinen Unterschied zwischen Namibia und Südafrika. Die gleichen Shops, die gleichen Banken, die gleichen Townships, das gleiche Nebeneinander von Schwarz und Weiß. Parallelgesellschaften, ohne wirkliche Kenntnisse voneinander.
Für uns aber immer wieder faszinierend die überwältigende Wüstenlandschaft der Namib, Sand so weit das Auge reicht, die riesigen Entfernungen auf Gravelroads, die bizarren Felsformationen des Nauklufgebirges, eine Nacht am flutlichterhellten Wasserloch des Okaukjejo-Camps im Ethosha- Nationalpark oder eine Kraxeltour am Waterberg. Sicher werde ich zu gegebener Zeit etwas detaillierter berichten.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
Gregor Keuschnig - 2006-10-21 14:45

2 x OT

Naja, weil meine Einlassung dem seriösen Stil Ihres Blogs möglicherweise nicht gerecht wird.
Nein. - Ich möchte allerdings noch erwähnen, dass ich - neben der baldigen Demission der Bush-Administration - auch ein möglichst rasches Ende der Diktatur in Nordkorea wünsche. - Im Interesse der Menschen dort.

Viel wichtiger und überall noch spürbar ist der Einfluss aus der Zeit der südafrikanischen Verwaltung, d.h. in den Städten ist gibt es keinen Unterschied zwischen Namibia und Südafrika. Die gleichen Shops, die gleichen Banken, die gleichen Townships, das gleiche Nebeneinander von Schwarz und Weiß. Parallelgesellschaften, ohne wirkliche Kenntnisse voneinander.
Sehen Sie - ein sehr interessanter und neuer Aspekt. Ich dachte mir, dass nicht alles gesagt ist.. Vielen Dank!
Peter (anonym) - 2006-10-21 11:32

Ja, aber...

Die Methodik der Bush-Administration ist sicherlich korrekt beschrieben. Aber :
  • Seit dem "Technologietransfer" des pakistanischen Atomphysikers Abdul Qadeer Khan sollte aber auch klar sein, dass Atombomben-KnowHow zur Ware geworden ist.
  • Dass die nordkoreanische Bombe weitere Bomben in Asien provoziert, halte ich nicht für ganz abwegig. Die japanische Entwicklung z.B. empfinde ich als besorgniserregend.
  • Spätestens die Globalisierung hat vielen Staaten der Welt einen Technologieschub gegeben, der Entwicklungen denkbar macht, die bisher unmöglich schienen.
Daher ist die Problematik zweigleisig. Die Instrumentalisierung durch die Gang hinter Bush ist in der kurzlebigen Mediendiktatur USA ohne Zweifel vorhanden, das Problem deswegen aber trotzdem vorhanden.

Gregor Keuschnig - 2006-10-21 14:41

Ja, aber (II)

Den Technologieschub bestreitet der Autor vermutlich gar nicht. Die Khan-Gang wird ja auch in seinem Artikel mal erwähnt. Bestrebungen, sich nuklear zu bewaffnen, waren aber - so der Autor (ich kann das nicht so dezidiert beurteilen) vor den 90er Jahren wesentlich stärker ausgeprägt als heute (Südamerika; Südafrika).

Die japanische Entwicklung ist wirklich besorgniserregend. Die nationalistischen Kräfte (Abe ist diesen sehr zugetan) wollen lieber heute als morgen ein stark bewaffnetes - evtl. nuklear bewaffnetes - Japan. Dies ist sicherlich unabhängig von Nordkorea und wird eher als Vorwand benutzt. Das losgetretene Wettrüsten beruht aber zu einem nicht unwesentlichen Bestandteil auf die Rubrizierung Nordkoreas als Schurkenstaat durch die Bush-Administration.

Den Technologieschub, den Sie ansprechen, wird man nicht aufhalten können. Denoch ist die Gefahr, dass Atombomben sozusagen triviale Waffen werden, relativ gering. Man kann so etwas "nicht mal eben" herstellen. Das entsprechend benötigte Equipment wird nur in den hochindustrialisierten Staaten hergestellt; Pakistan und Indien sind letztlich nur zur Atombombe gekommen, weil sie die "Hardware" auf dem Markt (über Schleichwege) kaufen konnten. Also letztlich wieder "unser" Problem. Theoretisch weiss jeder Physikstudent im zweiten Semester, wie eine solche Bombe funktioniert; das ist kein Geheimnis mehr.
Köppnick - 2006-10-22 09:34

Alle Techniken, die Menschen erfanden, haben sich im Laufe der Zeit verbreitet, wenn andere darin einen (politischen, wirtschaftlichen oder sonstwelchen) Nutzen für sich selbst entdecken konnten, gleichgültig ob das Ackerbau und Viehzucht, Porzellan, Schrift oder Waffen waren. Im Nachhinein kann man lediglich Details analysieren, die hemmend oder beschleunigend auf diese Prozesse gewirkt haben.

Im Falle der Atomwaffen war sicherlich der Fakt, der den Prozess am stärksten forciert hat, die kontraproduktive Haltung der "offiziellen" Atommächte. Es gibt für nichtatomwaffenbesitzende Staaten überhaupt keinen Grund, deren Worten Glauben zu Schenken, weil die Taten der Waffenbesitzer eine andere Sprache sprechen. Dass jahrzehntelang alles gut gegangen ist, lag am Kalten Krieg, der alle anderen Konflikte überdeckt hat. Jetzt ist es gerade die Politik der USA mit dem Ziel, kleinere Atomwaffen zu entwickeln, die die Gefahr eines tatsächlichen Einsatzes weiter in die Höhe treibt.

Herr Arkins vergisst auch den Overkill-Faktor zu erwähnen: Zu Zeiten des Kalten Krieges reichte die Kapazität der Russen dazu, die USA etwa 20x zu vernichten, bei den Amerikanern in Bezug auf die Sowjetunion war es, glaube ich, Faktor 6. Von einer wirklich glaubhaften Abrüstung kann man erst sprechen, wenn die heutigen Arsenale auf wenige Prozent ihrer jetzigen Größe geschrumpft wurden. Man kann jeden Menschen nämlich nur einmal totschlagen, nicht zwanzigmal. Die jetzige quantitative Verringerung ist einfach ein ökonomisierender Prozess, auch Waffen müssen sich rechnen.

Ein weiteres Problem ist die sogenannte friedliche Nutzung der Atomenergie. Es gibt einfach keine, erst gar keine aus dem Ausland kontrollierbare Grenze, an der die friedliche Nutzung endet und die militärische Nutzung beginnt. Es wird mit atomwaffenfähiger Technologie gearbeitet und es fällt waffenfähiges Material an. Wer für Atomkraftwerke ist, der vergrößert das Verstrahlungsrisiko und die Möglichkeiten, sich in den Besitz von waffenfähiger Technologie zu bringen.

Peter (anonym) - 2006-10-22 11:38

Waffenfähiges Material

Ein weiteres Problem ist die sogenannte friedliche Nutzung der Atomenergie. Es gibt einfach keine, erst gar keine aus dem Ausland kontrollierbare Grenze, an der die friedliche Nutzung endet und die militärische Nutzung beginnt.
Die meisten heutigen Kraftwerke arbeiten mit schwach angereichertem Material, dass nicht direkt waffenfähig ist. Es gibt aber weltweit noch viele, vor allem Forschungsreaktoren, die mit hoch angereichertem Material arbeiten. In Deutschland ist das z.B. Garching, dass fast nur noch als Neutronenquelle dient (welch ein Wahnsinn). In Russland ist das Problem viel größer, was eine intensive amerikanisch-russische Zusammenarbeit bewirkt hat die schlecht bewachten Forschungseinrichtungen "abzurüsten".
Gregor Keuschnig - 2006-10-23 09:31

Overkill

Leider finde ich auf die Schnelle Deine Zahlen nicht bestätigt, dass die UdSSR irgendwann einmal eine Überlegenheit gegenüber der USA hatte. Über die Overkill-Situation gibt es aber in der Wikipedia einen interessanten Artikel.

Ein entscheidender Punkt war (und ist es heute noch), was unter Zweitschlagskapazität verstanden wird: Unter Zweitschlagskapazität versteht man die Möglichkeit eines atomaren Gegenschlages nach dem Erstangriff des Feindes mit nuklearen Waffen. Diese Bedrohung soll den Gegner von einem Erstschlag abhalten. Dieser Punkt veranlasste ja die Grossmächte ihre Overkillpotentiale aufzubauen.

Die Bestände der "kleinen" Atommächte (Grossbritannien, Frankreich und – noch? – China) sowie die "inoffiziellen" Atommächte (Israel, Indien, Pakistan und wohl auch Nordkorea) verfügen vermutlich nicht über entsprechende Zweitschlagskapazitäten. Sie sind / waren allerdings auch spürbar weniger von atomaren Erstschlägen bedroht. Die Intention der "inoffiziellen" für die nukleare Bewaffnung ist auch eine andere: Sie wollen den Besitz einer Waffe sein, die sie als Ultima Ratio einsetzen können bzw. die als Abschreckung für eine (tatsächliche oder eingebildete) Bedrohung durch äussere Feinde eingesetzt werden könnte.

Der Wikipedia-Artikel über Atommächte zeigt u. a. die offiziellen Zahlen der Sprengköpfe. Interessant ist das Kapitel, in dem die Länder aufgeführt sind, die an Plänen gearbeitet haben, sich nuklear zu bewaffnen. Arkins' Tenor, dass in den 90er Jahren eine spürbare Entspannung eingetreten ist, wird auch in diesem Artikel bestätigt, der aufzeigt, dass eine ganze Menge Standorte mit Nuklearsprengköpfen geschlossen wurden.
Köppnick - 2006-10-24 17:55

@Gregor

Für dieses Verhältnis zwischen der UdSSR und den USA gibt es eine einfache Erklärung: Bei etwa gleicher Anzahl von Sprengköpfen (bzw. genauer deren Vernichtungskraft) ergibt sich das zahlenmäßige Verhältnisse der n-fachen Vernichtung aus dem reziproken Verhältnis der Flächen der beiden Staaten. Das Territorium der USA ist kleiner und kannd deshalb entsprechend häufiger belegt werden.

Der Widersinn der Fortsetzung des Wettrüstens bei bereits bestehender n-facher Vernichtungsmöglichkeit wurde übrigens in den 80er Jahren auch in SED-Parteiversammlungen kontrovers diskutiert, nachdem man (indirekt über die Pershing-Raketen und den dadurch ausgelösten politischen Streit in der BRD) von der Existenz der SS20 in der DDR erfahren hatte. Bis dahin waren die meisten davon ausgegangen, dass es weder auf BRD- noch auf DDR-Territorium Atomwaffen gibt. Danach wurde bei auch "bei uns" den Leuten vor Augen geführt, dass es die Möglichkeit gibt, dass USA und SU auf deutschem Territorium einen Stellvertreterkrieg führen. Für mich heute noch ein Grund, sowohl den Russen als auch den Amerikanern mit einigem Misstrauen zu begegnen. Denen ist (allerdings genau wie uns) das Hemd näher als die Hose.
Gregor Keuschnig - 2006-10-25 09:20

@Köppnick

Auf die Idee, die Sprengköpfe bzw. Waffenpotentiale proportional zur Fläche umzurechnen bin ich nicht gekommen. Ich halte diese Rechnung auch für nicht zwingend, da eine flächenmässige "Verseuchung" des Gebietes des eventuellen Kriegsgegners nicht das primäre Ziel darstellt. Wie man anhand der Abwürfe von Hiroshima und Nagasaki gesehen hat, zielt das Vernichtungspotential von Atomwaffen unmittelbar auf die Zivilbevölkerung. Zwar gibt es die sogenannten "taktischen Atomwaffen" aber ihre volle Wirkung erhalten Atomwaffen nur durch das Drohpotential beispielsweise Grossstädte zu bombardieren.

Was ich nie verstanden habe, ist, dass man die von Dir beschriebene Problematik eines "Stellvertreterkrieges" auf deutschem Boden (DDR und BRD) durch den Doppelbeschluss noch zementieren wollte (Schmidt und Kohl waren sich ja hier seltsam einig; Egon Bahr hatte Vorbehalte).

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass drei (der fünf) offiziellen Atommächte bis heute nicht auf den Ersteinsatz ihrer Nuklearwaffen verzichtet haben – nur zwei haben dies getan.
kranich05 - 2006-10-23 22:12

Wunsch und Wirklichkeit

Ich finde die Verbreitung von Atomwaffen nicht wünschenswert. (Ihre Existenz übrigens auch nicht.)
Daß sich weitere Staaten darum bemühen, über Atomwaffen zu verfügen, ist in dieser unserer Welt nicht nur ein völlig rationales, sondern auch absolut notwendiges Verhalten.
Der Erfolg solcher Staaten kann gebremst werden aber nur ALLMACHT könnte ihn verhindern.

Das Thema findet sich übrigens auch bei der alten Eule.

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