Ich habe das Buch vor einigen Wochen auch gelesen.
Genau wie du fand ich die politischen Schlussfolgerungen übertrieben. Es gibt eine Konstante in der Welt, die menschliche Natur. Menschen schlagen sich seit Tausenden von Jahren nicht die Köpfe ein, weil ihnen die Informationen fehlen, sondern weil sie glauben, dass sie damit ihren Interessen am besten dienen. Außerdem muss man auch beachten, dass stärker als die nützlichen Informationen die umgewälzten Datenmengen wachsen, und damit auch die Möglichkeiten der Desinformation, der Manipulation und des Obskurantismus.
Freie Software an sich ist kein neues Phänomen, so etwas gab es schon immer. Ich glaube auch nicht, dass sich das Verhältnis zwischen den Programmierstunden, die auf proprietäre und auf freie Software verwendet wird, in letzter Zeit wesentlich geändert hat. Der Unterschied besteht nur darin, dass man über das Netz heute leichter an die freie Software herankommt, während die proprietäre einem nach wie vor verschlossen bleibt.
Möller vergisst auch, dass ein Großteil der Software heute in Geräten steckt, von medizinischer Technik, über Haushaltsgeräte bis hin zu industriellen Anlagen und Autos. Hier ist die Software ein Produktbestandteil und unterliegt zwangsläufig dem jeweiligen Geschäftsmodell.
Ein wirklich neues Konzept erkenne ich in solchen Firmen wie Trolltech (die Qt herstellen) oder in Canonical (Hersteller von Ubuntu), die anderen Linux-Distributoren verfolgen ähnliche Ansätze. Sie stellen einen großen Teil ihres Quellcodes frei zur Verfügung und verdienen ihre Brötchen mit dem Support an Firmenkunden. Dieses Modell hat in der (reinen) Softwareindustrie eine große Zukunft – Dienstleistungen.
Das Hauptproblem der Softwareindustrie ist nicht frei oder proprietär, sondern die Qualität. Der Umfang, in der Software überall eingesetzt wird, ist sehr viel schneller gewachsen als die Werkzeuge, mit denen man Qualität erzeugen kann. Hier erkenne ich tatsächlich einen Unterschied zwischen freier und proprietärer Software: Die Spannweite der Qualitätsunterschiede bei freier Software ist größer. Es gibt ganz ausgezeichnete Produkte, die wirklich von ihren begabten Schöpfern und vielen begeisterten Testern profitieren, aber die großen Linuxdistributionen enthalten auch unglaublich viel Schrott, den Hobbyprogrammierer mal schnell für sich zusammengeschoben haben und der auf mysteriösen Wegen auf die Linux-CDs gelangt, manches stürzt schon beim Starten ab. Industriesoftware ist meist durchschnittlich, nicht zu gut, weil man den Aufwand aus Kostengründen zu minimieren sucht, aber gut genug, um das Zeug verkaufen zu können.
Interessant in seinem Buch – aus Gründen, die dir sicherlich verständlich sind - fand ich die Abschnitte über die Iterationsstufen, die die Methoden zur Troll- und Sozialkontrolle in verschiedenen Diskussionsforen durchlaufen haben. Auch hier zeigt sich, dass es den Stein der Weisen nicht gibt, man wurstelt sich halt so durch.
Zur Blogosphäre finden sich ein paar interessante Statements im Buch: Viele starten relativ euphorisch, ihre Begeisterung lässt aber sehr schnell nach. Und einige (wir beiden kennen genug Beispiele) betreiben das Bloggen um des Bloggens willen, oder welchen Sinn soll es haben, in Stundenabständen irgendwo gelesene Agenturmeldungen abzuschreiben?
Aber summa summarum – ein interessantes, lesens- und diskussionswürdiges Buch, von einem wirklichen Insider und Macher von Wikipedia und Co. geschrieben, auch wenn man nicht allen seinen Schlussfolgerungen zustimmen mag.
Ich bin durch das Buch ja durch ein Zitat in Deinem "Forum Vier" aufmerksam geworden (es ging um Trolle).
Viel Neues hat es in dieser Hinsicht nicht gebracht. Es hat mich eher in der Meinung bestätigt, dass allzu technische Tools alleine nicht helfen, sondern auch soziale Interaktionen gefordert sind. Das ist einerseits vielleicht furchtbar (Menschen sind ungerecht), andererseits aber auch irgendwie tröstlich.
Industriesoftware ist meist durchschnittlich, nicht zu gut, weil man den Aufwand aus Kostengründen zu minimieren sucht, aber gut genug, um das Zeug verkaufen zu können.
Das ist genau der Punkt und das, was ich mit der Trägheit der Industrie meinte. Diese versucht natürlich mit dem minimalsten Aufwand das Maximum an Profit zu generieren. Leider ist es ja inzwischen so, dass Profit und Qualität bei vielen Unternehmen im Gegensatz zu stehen scheinen. Hierin liegt ja u. a. die grosse Gefahr von Monopolen (oder auch Oligopolen).
Möller übersieht jedoch Deinen vorherigen Satz mit dem Schrott. Für ihn ist per se das Arbeiten an Open-Source-Projekten besser als die kommerzielle Arbeit. Das dies unkoordiniert und nutr mit grossem administrativen Aufwand zu koordinieren ist, blendet er m. E. ein bisschen blauäugig aus.
Was Du zum Zukunftsmarkt der "Dienstleistungen" schreibst ist theoretisch richtig. Praktisch lechzen beispielsweise Unternehmen nach Support = Dienstleistung. Aber: Sie soll gleichzeitig nichts kosten. Dienstleistung ist in Deutschland auch mit "kostenlos" konnotiert - wir hatten die Diskussion hier an anderer Stelle neulich.
HIER gibt es ein Personen- und Sachverzeichnis dieses Weblogs. Es soll als zusätzliche Orientierungshilfe zu den "Ressorts" und der Suchfunktion dienen.
Ich habe das Buch vor einigen Wochen auch gelesen.
Freie Software an sich ist kein neues Phänomen, so etwas gab es schon immer. Ich glaube auch nicht, dass sich das Verhältnis zwischen den Programmierstunden, die auf proprietäre und auf freie Software verwendet wird, in letzter Zeit wesentlich geändert hat. Der Unterschied besteht nur darin, dass man über das Netz heute leichter an die freie Software herankommt, während die proprietäre einem nach wie vor verschlossen bleibt.
Möller vergisst auch, dass ein Großteil der Software heute in Geräten steckt, von medizinischer Technik, über Haushaltsgeräte bis hin zu industriellen Anlagen und Autos. Hier ist die Software ein Produktbestandteil und unterliegt zwangsläufig dem jeweiligen Geschäftsmodell.
Ein wirklich neues Konzept erkenne ich in solchen Firmen wie Trolltech (die Qt herstellen) oder in Canonical (Hersteller von Ubuntu), die anderen Linux-Distributoren verfolgen ähnliche Ansätze. Sie stellen einen großen Teil ihres Quellcodes frei zur Verfügung und verdienen ihre Brötchen mit dem Support an Firmenkunden. Dieses Modell hat in der (reinen) Softwareindustrie eine große Zukunft – Dienstleistungen.
Das Hauptproblem der Softwareindustrie ist nicht frei oder proprietär, sondern die Qualität. Der Umfang, in der Software überall eingesetzt wird, ist sehr viel schneller gewachsen als die Werkzeuge, mit denen man Qualität erzeugen kann. Hier erkenne ich tatsächlich einen Unterschied zwischen freier und proprietärer Software: Die Spannweite der Qualitätsunterschiede bei freier Software ist größer. Es gibt ganz ausgezeichnete Produkte, die wirklich von ihren begabten Schöpfern und vielen begeisterten Testern profitieren, aber die großen Linuxdistributionen enthalten auch unglaublich viel Schrott, den Hobbyprogrammierer mal schnell für sich zusammengeschoben haben und der auf mysteriösen Wegen auf die Linux-CDs gelangt, manches stürzt schon beim Starten ab. Industriesoftware ist meist durchschnittlich, nicht zu gut, weil man den Aufwand aus Kostengründen zu minimieren sucht, aber gut genug, um das Zeug verkaufen zu können.
Interessant in seinem Buch – aus Gründen, die dir sicherlich verständlich sind - fand ich die Abschnitte über die Iterationsstufen, die die Methoden zur Troll- und Sozialkontrolle in verschiedenen Diskussionsforen durchlaufen haben. Auch hier zeigt sich, dass es den Stein der Weisen nicht gibt, man wurstelt sich halt so durch.
Zur Blogosphäre finden sich ein paar interessante Statements im Buch: Viele starten relativ euphorisch, ihre Begeisterung lässt aber sehr schnell nach. Und einige (wir beiden kennen genug Beispiele) betreiben das Bloggen um des Bloggens willen, oder welchen Sinn soll es haben, in Stundenabständen irgendwo gelesene Agenturmeldungen abzuschreiben?
Aber summa summarum – ein interessantes, lesens- und diskussionswürdiges Buch, von einem wirklichen Insider und Macher von Wikipedia und Co. geschrieben, auch wenn man nicht allen seinen Schlussfolgerungen zustimmen mag.
Viel Neues hat es in dieser Hinsicht nicht gebracht. Es hat mich eher in der Meinung bestätigt, dass allzu technische Tools alleine nicht helfen, sondern auch soziale Interaktionen gefordert sind. Das ist einerseits vielleicht furchtbar (Menschen sind ungerecht), andererseits aber auch irgendwie tröstlich.
Industriesoftware ist meist durchschnittlich, nicht zu gut, weil man den Aufwand aus Kostengründen zu minimieren sucht, aber gut genug, um das Zeug verkaufen zu können.
Das ist genau der Punkt und das, was ich mit der Trägheit der Industrie meinte. Diese versucht natürlich mit dem minimalsten Aufwand das Maximum an Profit zu generieren. Leider ist es ja inzwischen so, dass Profit und Qualität bei vielen Unternehmen im Gegensatz zu stehen scheinen. Hierin liegt ja u. a. die grosse Gefahr von Monopolen (oder auch Oligopolen).
Möller übersieht jedoch Deinen vorherigen Satz mit dem Schrott. Für ihn ist per se das Arbeiten an Open-Source-Projekten besser als die kommerzielle Arbeit. Das dies unkoordiniert und nutr mit grossem administrativen Aufwand zu koordinieren ist, blendet er m. E. ein bisschen blauäugig aus.
Was Du zum Zukunftsmarkt der "Dienstleistungen" schreibst ist theoretisch richtig. Praktisch lechzen beispielsweise Unternehmen nach Support = Dienstleistung. Aber: Sie soll gleichzeitig nichts kosten. Dienstleistung ist in Deutschland auch mit "kostenlos" konnotiert - wir hatten die Diskussion hier an anderer Stelle neulich.