Ehrenamtlich
Ergänzung vom 05.12.2006:
Die Medien vermelden es: Bundesfinanzminister Steinbrück hat Geld bereitgestellt, um das Ehrenamt zusätzlich zu fördern. Die bisherige Pauschale in Höhe von EUR 1.848,--/Jahr soll auf ungefähr EUR 2.100,-- aufgestockt werden. Insgesamt wird ein Programm für 400 Millionen Euro aufgelegt.
Fast überall positive Resonanz. Viele Ehrenamtliche leisten in der Tat tolle Arbeit und ohne sie würde das "System" längst zusammengebrochen sein. Sie bekommen für diese Arbeit jetzt eine höhere Anerkennung. Das ist gut so.
Aber wenn von allen möglichen Seiten eine stärkere finanzielle Ausstattung des Ehrenamtes gewünscht und gefordert wird, so ist dies nicht immer im Sinne der Anerkennung. Oft genug werden nämlich reguläre Tätigkeiten mit "Ehrenamtlichen" ersetzt. Das geschieht mehr, als allgemein zugegeben wird. Und oft geschieht dies auch noch "cash"; mehrfaches Kassieren ist dabei natürlich nicht ausgeschlossen.
Diverse Organisationen ersetzen sukzessive reguläre Beschäftigungsverhältnisse durch Ehrenamt. Nicht einmal 400 Euro sind sie bereit, zu zahlen.
Die Hilfsbereitschaft der Gesellschaft ist natürlich lobenswert. Aber sie sollte nicht ausgenutzt werden. Diejenigen, die mehr finanzielle Anreize für Ehrenamtliche fordern tun dies nicht aus reiner Menschenliebe. Soviel Ehrlichkeit sollte sein.
Beitrag vom 14.09.2006:
Ein Altenheim sucht eine Dame für die Rezeption am Wochenende, speziell sonntags. Keine schwere Arbeit. Eine Bekannte ruft die zuständige Dame an. Sie vereinbaren einen Termin; die Bekannte gab zu erkennen, dass sie einen 400-Euro-Job in einem 70 km entfernten Ort hat und an drei Tagen in der Woche nicht kommen kann. Die Dame findet es toll, dass meine Bekannte so weite Anreisen zu Arbeitsplätzen akzeptiert.
Man trifft sich. Die Dame zeigt der Bekannten rund eine Stunde das Heim, erzählt über die Tätigkeit. 2-3 mal im Monat sonntags plus eventuell als "Springer". Dann erst erfährt die Bekannte, dass die Stelle ehrenamtlich ausgeübt werden soll. Geld ist keines dafür vorgesehen.
Ehrenamtlich bedeutet: Ein- oder zweimal im Jahr ein Abendessen mit der Belegschaft. Einige Händedrucke. Eine schöne Rede auf der Weihnachtsfeier und ein obligatorisches Dankeswort.
Selbst Aufwandsentschädigungen sind für einige Tätigkeiten zu teuer geworden. Zivis werden abgebaut. Zu teuer. 400 Euro-Jobs erst recht. Es soll niemand mehr über 40 Jahre eingestellt werden. Es geht um den Altersschnitt. Bei Ehrenamtlichen macht man eine Ausnahme; die werden nicht gezählt. Billig, billig.
Meine Bekannte hatte sich nicht mehr gemeldet. Die Frau vom Altenheim ist entrüstet hierüber. Man hätte ihr und der Arbeitssuchenden die eine Stunde (plus 40 Minuten Anfahrt) auch sparen können - wenn man am Telefon sofort die "Konditionen" benannt hätte. Auf diese Idee kommt die Frau nicht. Sie entrüstet sich lieber. Sie versteht nicht, warum man nicht für nichts arbeiten möchte. Sie selbst ist quasi unkündbar; Festangestellte. Wer hier Empathie sucht, muss scheitern.
Einige Altenheime bekommen Belegungsprobleme. Da man aufgrund des Pflegestufenschlüssels eine grosse Anzahl Pflegebedürftiger der Stufe III benötigt (schwerster Pflegefall), die Sozialkassen aber nicht mehr blind bereit sind über 3.800 Euro monatlich hierfür zu bezahlen (natürlich auch unter Anrechnung der Rente - die oft genug nur eine Minirente ist, was dann zu finanziellen Verpflichtungen durch Verwandte führt), gibt es "Fehlbelegungen". Sie sind der GAU für ein Altenheim. Um nicht sofort Pflegepersonal abzubauen, wird an allen Ecken und Enden gespart. Es gibt Heime, die mit einem Lebensmittelsatz von 4 Euro (in Worten: vier) pro Person und Tag kalkulieren. Für alle drei Mahlzeiten. Küchenhilfen schmieren die Brote für das Abendessen vor dem Frühstück. Kann sich jemand vorstellen, wie die Brote nach 9 Stunden aussehen?
Irgendwann werde ich hierüber mal Genaueres schreiben.
Die Medien vermelden es: Bundesfinanzminister Steinbrück hat Geld bereitgestellt, um das Ehrenamt zusätzlich zu fördern. Die bisherige Pauschale in Höhe von EUR 1.848,--/Jahr soll auf ungefähr EUR 2.100,-- aufgestockt werden. Insgesamt wird ein Programm für 400 Millionen Euro aufgelegt.
Fast überall positive Resonanz. Viele Ehrenamtliche leisten in der Tat tolle Arbeit und ohne sie würde das "System" längst zusammengebrochen sein. Sie bekommen für diese Arbeit jetzt eine höhere Anerkennung. Das ist gut so.
Aber wenn von allen möglichen Seiten eine stärkere finanzielle Ausstattung des Ehrenamtes gewünscht und gefordert wird, so ist dies nicht immer im Sinne der Anerkennung. Oft genug werden nämlich reguläre Tätigkeiten mit "Ehrenamtlichen" ersetzt. Das geschieht mehr, als allgemein zugegeben wird. Und oft geschieht dies auch noch "cash"; mehrfaches Kassieren ist dabei natürlich nicht ausgeschlossen.
Diverse Organisationen ersetzen sukzessive reguläre Beschäftigungsverhältnisse durch Ehrenamt. Nicht einmal 400 Euro sind sie bereit, zu zahlen.
Die Hilfsbereitschaft der Gesellschaft ist natürlich lobenswert. Aber sie sollte nicht ausgenutzt werden. Diejenigen, die mehr finanzielle Anreize für Ehrenamtliche fordern tun dies nicht aus reiner Menschenliebe. Soviel Ehrlichkeit sollte sein.
Beitrag vom 14.09.2006:
Ein Altenheim sucht eine Dame für die Rezeption am Wochenende, speziell sonntags. Keine schwere Arbeit. Eine Bekannte ruft die zuständige Dame an. Sie vereinbaren einen Termin; die Bekannte gab zu erkennen, dass sie einen 400-Euro-Job in einem 70 km entfernten Ort hat und an drei Tagen in der Woche nicht kommen kann. Die Dame findet es toll, dass meine Bekannte so weite Anreisen zu Arbeitsplätzen akzeptiert.
Man trifft sich. Die Dame zeigt der Bekannten rund eine Stunde das Heim, erzählt über die Tätigkeit. 2-3 mal im Monat sonntags plus eventuell als "Springer". Dann erst erfährt die Bekannte, dass die Stelle ehrenamtlich ausgeübt werden soll. Geld ist keines dafür vorgesehen.
Ehrenamtlich bedeutet: Ein- oder zweimal im Jahr ein Abendessen mit der Belegschaft. Einige Händedrucke. Eine schöne Rede auf der Weihnachtsfeier und ein obligatorisches Dankeswort.
Selbst Aufwandsentschädigungen sind für einige Tätigkeiten zu teuer geworden. Zivis werden abgebaut. Zu teuer. 400 Euro-Jobs erst recht. Es soll niemand mehr über 40 Jahre eingestellt werden. Es geht um den Altersschnitt. Bei Ehrenamtlichen macht man eine Ausnahme; die werden nicht gezählt. Billig, billig.
Meine Bekannte hatte sich nicht mehr gemeldet. Die Frau vom Altenheim ist entrüstet hierüber. Man hätte ihr und der Arbeitssuchenden die eine Stunde (plus 40 Minuten Anfahrt) auch sparen können - wenn man am Telefon sofort die "Konditionen" benannt hätte. Auf diese Idee kommt die Frau nicht. Sie entrüstet sich lieber. Sie versteht nicht, warum man nicht für nichts arbeiten möchte. Sie selbst ist quasi unkündbar; Festangestellte. Wer hier Empathie sucht, muss scheitern.
Einige Altenheime bekommen Belegungsprobleme. Da man aufgrund des Pflegestufenschlüssels eine grosse Anzahl Pflegebedürftiger der Stufe III benötigt (schwerster Pflegefall), die Sozialkassen aber nicht mehr blind bereit sind über 3.800 Euro monatlich hierfür zu bezahlen (natürlich auch unter Anrechnung der Rente - die oft genug nur eine Minirente ist, was dann zu finanziellen Verpflichtungen durch Verwandte führt), gibt es "Fehlbelegungen". Sie sind der GAU für ein Altenheim. Um nicht sofort Pflegepersonal abzubauen, wird an allen Ecken und Enden gespart. Es gibt Heime, die mit einem Lebensmittelsatz von 4 Euro (in Worten: vier) pro Person und Tag kalkulieren. Für alle drei Mahlzeiten. Küchenhilfen schmieren die Brote für das Abendessen vor dem Frühstück. Kann sich jemand vorstellen, wie die Brote nach 9 Stunden aussehen?
Irgendwann werde ich hierüber mal Genaueres schreiben.
Gregor Keuschnig - 2006-12-05 13:30


Das ist schon ein Wahnsinn
Meine Frau arbeitet oft eine Stunde länger, um die Verwaltungsarbeit aufzuarbeiten, die eigentlich während der regulären Arbeitszeit erledigt werden sollte. Wenn es aber Komplikationen gibt, und die gibt es fast immer, kann man froh sein, wenn frau mit der Pflegetätigkeit nicht überfordert wird.
Dabei ist das wirklich noch ein gutes Heim, wo sich die Leute wohl fühlen und teilweise sehr gut gelaunt sind, selbst wenn es sich um 95 - 100-jährige handelt.
Ich kenne sogar Personen, die so einen Dienst ehrenamtlich machen würden, ob sie sich aber die Reisespesen leisten können.