Caspar David Friedrich in Essen
Noch bis zum 3. September im Essener Folkwang-Museum, danach nach Hamburg: Die Caspar David Friedrich-Ausstellung ist unbedingt zu empfehlen. Trotz des leicht bombastischen Titels ("Die Erfindung der Romantik"). Und wie so oft waren / sind es nicht die grossen, bekannten (teilweise bis zur Unkenntlichkeit reproduzierten) Bilder Friedrichs, wie der "Wanderer", "Der einsame Baum", "Kreidefelsen auf Rügen" oder "Das Eismeer", die, im Original betrachtet, dann doch noch einmal einen neuen, frischen Eindruck vermitteln, sondern die eher kleinen und kleinsten Werke des als (zu recht? – oder voreilig?) eingestuften Melancholikers.
Zwei dieser Kleinigkeiten seien gezeigt. Das Einscannen aus dem Katalog hat zugegebenermassen die Farben verändert; bereits das Bild im (unbedingt empfehlenswerten) Katalog selber ist dunkler als die zarten, kleinen Originale.
Mondscheinlandschaft mit Ruine einer Wasserburg, 1795
Landschaft mit Brücke, um 1800 (Aquarell)
Diese Preziosen sind fast die Ausnahme. In den Aquarellen ist Friedrich oft ohne Einschränkungen heiter. Denn in nahezu allen Ölbildern – und nicht nur denen mit Grab- und Friedhofsmotiven - geht es bei ihm immer um Alles – um Leben und Tod. Fast immer gibt es einen hellen Moment, eine lichte Stelle, einen schauenden Mensch (nie frontal uns anschauend, meist in der Rückenansicht) – und gleichzeitig das Motiv des Gegenteils: eine Bedrohung; Vergänglichkeit, Tod. Todessehnsucht habe ich dabei nie gesehen – Respekt schon eher. Oder sogar Trost.
Für Friedrich, der als gläubiger Protestant geschildert wird, zeigt sich in der Natur Gott. Nur das unterscheidet Friedrich wohl vom modernen Existentialismus: Der Glaube an Gott (nicht die Gewissheit) ermöglicht das Dasein. Manche Bilder sind fast Suchspiele – irgendwann entdeckt man einen Menschen, der wie verloren (oder "geworfen") in der gewaltigen Natur steht und schaut; für uns schaut. Dabei ist Natur nie bedrohend, auch wenn im "Regenbogen"-Bild gewaltige, dunkle Wolken den Horizont verfinstern – der Mensch steht im Licht.

Aber was sage ich? Man soll hinfahren (sofern man kann) und schauen. Einige Zeichnungen und Aquarelle werden übrigens nicht nach Hamburg mitgenommen und werden nur für die Essener Ausstellung gezeigt.
Angenehm war, dass es am Freitag vormittag nicht überfüllt war, wobei das kleine Folkwang-Museum allerdings schnell an Grenzen stösst. Die Schulklassen waren technisch auf dem neuesten Stand – der Lehrer sprach in normaler Lautstärke und über Kopfhörer bekamen die Schüler trotzdem alles mit. Fast zwei Drittel der anderen Besucher mussten sich ebenfalls von anderen Geräten erklären lassen, was sie sehen. Ein Raum wurde mit fast esoterisch anmutender Glasharfenmusik beschallt und zwei Bilder wurden von hinten angeleuchtet. Dafür mussten wohl einige kleinere Ölgemälde in einem viel zu hellen Gang hängen; ein ruhiges Betrachten war dort kaum möglich.
Zwei dieser Kleinigkeiten seien gezeigt. Das Einscannen aus dem Katalog hat zugegebenermassen die Farben verändert; bereits das Bild im (unbedingt empfehlenswerten) Katalog selber ist dunkler als die zarten, kleinen Originale.
Diese Preziosen sind fast die Ausnahme. In den Aquarellen ist Friedrich oft ohne Einschränkungen heiter. Denn in nahezu allen Ölbildern – und nicht nur denen mit Grab- und Friedhofsmotiven - geht es bei ihm immer um Alles – um Leben und Tod. Fast immer gibt es einen hellen Moment, eine lichte Stelle, einen schauenden Mensch (nie frontal uns anschauend, meist in der Rückenansicht) – und gleichzeitig das Motiv des Gegenteils: eine Bedrohung; Vergänglichkeit, Tod. Todessehnsucht habe ich dabei nie gesehen – Respekt schon eher. Oder sogar Trost.
Für Friedrich, der als gläubiger Protestant geschildert wird, zeigt sich in der Natur Gott. Nur das unterscheidet Friedrich wohl vom modernen Existentialismus: Der Glaube an Gott (nicht die Gewissheit) ermöglicht das Dasein. Manche Bilder sind fast Suchspiele – irgendwann entdeckt man einen Menschen, der wie verloren (oder "geworfen") in der gewaltigen Natur steht und schaut; für uns schaut. Dabei ist Natur nie bedrohend, auch wenn im "Regenbogen"-Bild gewaltige, dunkle Wolken den Horizont verfinstern – der Mensch steht im Licht.

Aber was sage ich? Man soll hinfahren (sofern man kann) und schauen. Einige Zeichnungen und Aquarelle werden übrigens nicht nach Hamburg mitgenommen und werden nur für die Essener Ausstellung gezeigt.
Angenehm war, dass es am Freitag vormittag nicht überfüllt war, wobei das kleine Folkwang-Museum allerdings schnell an Grenzen stösst. Die Schulklassen waren technisch auf dem neuesten Stand – der Lehrer sprach in normaler Lautstärke und über Kopfhörer bekamen die Schüler trotzdem alles mit. Fast zwei Drittel der anderen Besucher mussten sich ebenfalls von anderen Geräten erklären lassen, was sie sehen. Ein Raum wurde mit fast esoterisch anmutender Glasharfenmusik beschallt und zwei Bilder wurden von hinten angeleuchtet. Dafür mussten wohl einige kleinere Ölgemälde in einem viel zu hellen Gang hängen; ein ruhiges Betrachten war dort kaum möglich.
Gregor Keuschnig - 2006-08-16 08:40