Dickes Fell oder Verletzung der Persönlichkeitsrechte?

Kurt Beck hat eine einstweilige Verfügung gegen die Satirezeitschrift "Titanic" erwirkt und sieht seine Persönlichkeitsrechte verletzt durch das aktuelle Titelbild:

Titelbild Titanic Juli 2006

Wie die Diskussionen im Netz (u. a. im "Lawblog") zeigen, macht er sich damit sehr unbeliebt. Es gehört zum guten Ton, dies als "Satire" und Scherz einzuordnen.

Nun: Ich halte das nicht für witzig. Ganz und gar nicht. Man stelle sich ein Titelbild auf der Bild-Zeitung mit einem Farbigen vor: Knallt ihn ab. Das würde von denen, die so heftig für die Meinungsfreiheit eintreten und fast kollektiv Herrn Beck Humorlosigkeit bescheinigen, bestimmt als Affront aufgefasst und zu Recht auf das heftigste bekämpft werden.

Oder es möge sich jeder selber einmal auf dem Titelblatt einer Zeitung wiederfinden und dort "zum Abschuss freigegeben" werden. Auch wenn es "nur" Humor sein soll. (Übrigens ziemlich populistischer Humor; ziemlich unterste Schublade.)

"Titanic" ist ja eine Satirezeitschrift. (Wirklich?) Also muss man das alles witzig finden? Oder darf man auch gegenteiliger Meinung sein und Geschmacklosigkeiten als solche nicht benennen?

Arme Satire, die solche Redakteure braucht. Da rege sich noch jemand über antijüdische Karikaturen aus dem Iran auf? Mit welch' zweierlei Mass wird hier gemessen?

Und noch was: Wundert es da noch, dass sich so wenige (auch fähige) Leute finden lassen, um in der Politik Verantwortung zu übernehmen?
blackconti - 2006-07-04 18:42

Als sich Ihre Seite im IE öffnete, endete der Titanic-Titel am unteren Rand mit der Unterzeile: „Problembär ausser Rand und Band.“ Das fand ich komisch und zum Lachen. Letzteres blieb mir dann im Halse stecken, als ich durchscrollte und den ganzen Titel sah.
Das ist einfach nur geschmacklos.
Satire darf alles sein, aber nicht primitiv und leider neigt die Titanic des öfteren dazu.
Ich kann Beck gut verstehen, dass er sich das nicht gefallen lässt.
Trotzdem – die Assoziation Beckfoto – Problembär hat doch was komisches, oder?

Gregor Keuschnig - 2006-07-04 19:54

Witzig wäre es...

wirklich, aber ohne die Zeile "Knallt die Bestie ab". Das geht m. E. zu weit und zwar viel zu weit.
kranich05 - 2006-07-04 19:30

Auch auf die Gefahr, als humorlos zu gelten:
Volle Zustimmung zu Ihrem Standpunkt!

Satire darf alles

Das Cover hätte ja niemanden gestört, wenn sich Beck (oder seine Anwälte, aber das ist Spekulation) nicht daran gestört hätte(n). Denn dann wäre es nur den Abonnenten und denen aufgefallen, die zum Titanic-Regal (stationär oder digital) gehen.
Nu aber: weil einer beleidigt ist sollen alle anderen nix mehr sehen dürfen?

Gregor Keuschnig - 2006-07-05 07:45

Nein,

Satire darf nicht alles. Wie eigentlich niemand alles "darf". Das hatten (und haben) wir schon oft genug...

Es geht nicht ums "Sehen dürfen" und es geht auch nicht um "beleidigt" sein. Eines stimmt allerdings: Die Ambivalenz von Becks Aktionen, dass nämlich jetzt erst recht alle aufmerksam werden. Aus diesem Dilemma gibt es kein Entrinnen.
Mirja (anonym) - 2006-07-05 15:01

Satire?

Kann sein, dass Satire alles darf. Wenn denn all das, was sich selbst die Bezeichnung "Satire" gibt, um sich hinter diesem Satz verstecken zu können, nur wenigstens auch wirklich Satire wäre. Titanic ist mir zu satirelos, nur Hau-drauf-"Witz", der mitnichten witzig und viel zu naheliegend ist. Ein bisschen feinsinniger darf Satire schon sein.
Köppnick - 2006-07-05 18:40

"Satire darf alles"

Bereits der für sich allein stehende Satz ist formallogischer Unsinn. Wenn Satire alles darf, dann kann es keine Satire geben, weil nichts oder niemand auf der Welt alles sein kann oder machen darf.
Gregor Keuschnig - 2006-07-05 15:03

Ergänzung

Interessant die Phase der Denunziation in der Bloggosphäre. Gemäss Telegehirn" (sic!) - dem "libertären Blog" verwende ich die Sprache eines Rassisten, weil ich das Wort "Farbige" verwende und übe mich in "Gutmenschentum" (ein Begriff, den Victor Klemperer in der LTI eindeutig als Vokabular der Nationalsozialisten zuordnet). Da soll ich wohl demnächst dem Zensor Betreiber vorher eine politisch-korrekte Version zuschicken, damit er sein libertäres Mütchen kühlen kann.

Einen Kommentar hier oder einen Trackback oder einen Hinweis setzt er natürlich nicht. Mein Kommentar ist nicht angekommen; ich nehme mal an, ein technischer Defekt. Oder man will unter seinesgleichen bleiben. Auch gut.

Naja, wer eine derartig verqueres Weltbild hat... Interessanterweise wird wenige Zeilen später wird von "Du bist Meinungsfreiheit" gesprochen - dabei ist es ja exakt das, was man nicht will.

Interessanter Gedanke parallel dazu - gerade in Foren und Blogs: Diejenigen, die am lautesten nach "Demokratie" und "Meinungsfreiheit" rufen, sind oft identisch mit denjenigen, die repressiv oder hinterrücks agieren.

Vielleicht ergibt sich ja irgendwann einmal die Gelegenheit, den Betreiber dieses Blog "zum Abschuss freizugeben". Selbstverständlich nur rein satirisch.

Mirja (anonym) - 2006-07-06 14:06

"Farbiger"

Welcher Ausdruck, der einen "Menschen mit dunkler Hautfarbe" (das harmlosesete Synonym, das openthesaurus anbietet) in einem Wort bezeichnen soll, steht denn nicht im Verdacht, rassistisch zu sein? Möge man sich totsuchen...
Telegehirn (anonym) - 2006-07-06 19:48

Antwort

Ich habe Ihnen einmal ausführlich in meinem Blog geantwortet. Das würde sonst Ihren Kommentarbereich sprengen. Dann heisst es wieder, daß ich repressiv wäre, oder so. Das möchte ich natürlich vermeiden. Nichts liegt mir ferner als einen sensiblen Menschen zu verletzen.
Hier meine
Ihr Kommentarbereich ist nicht sehr Nutzerfreundlich. als Firefox User hab ich ein Problem. Ich finde das recht repressiv.
Telegehirn (anonym) - 2006-07-06 20:09

Ihr Blog hakt

Erst der Ärger wegen der Probleme mit Firefox und dann funktioniert hier XHTML nicht.
Hier also der Link:
http://telegehirn.wordpress.com/2006/07/06/kurt-beck-vs-titanic-es-gutmenschelt-in-der-blogosphare/
Mirja (anonym) - 2006-07-06 22:47

Fragen an Telegehirn

(In der Hoffnung, auch hier gefunden zu werden, ich mag nicht wild in allen möglichen fremden Blogs herumkommentieren, ohne selbst zur "Bloggosphäre zu gehören.)

a) Wieso muss Menschen, die eine andere Art von Humor bevorzugen als man selbst, generelle Humorlosigkeit unterstellt werden? Wenn Herr Keuschnig nicht in das allgemeine Horn tutet, wird er als humorlos deklariert. Wenn Herr Beck nicht alles hinnimmt, wird er als humorlos deklariert. (Vielleicht will auch er die Sache nur zur Steigerung seiner Popularität nutzen, Verschwörungstheorie: Deal zwischen "Titanic" und Beck - man weiß es nicht.) Aber niemand ist wohl gern Opfer solcher "Humorattacken", da würde den meisten der Humor flöten gehen. Wenn nicht, ist derjenige welche entweder rückgratlos oder ein selbstgefälliges A[---].

b) Was ist eigentlich schlecht am "modernen Gutmenschentum"? Ist es so, dass man Bösemensch zu sein, auf die Kacke zu hauen, anderen die Fesse zu polieren und letztlich alles mit einem "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten" abzublocken hat? Ja, ich fürchte schon. (Das meine ich generell, nicht ausschließlich auf den Schlagabtausch hier bezogen.) Schade.
Gregor Keuschnig - 2006-07-07 08:09

Telegehirn

Wenden Sie sich bei technischen Fragen oder Problemen bitte an den Betreiber (www.twoday.net). Da bekommen Sie sicherlich Hilfe, dass es dann bei Ihnen nicht mehr hakt.

Es ist lächerlich, dass Sie auf meinen Kommentar hier nicht antworten, obwohl ich Ihnen die Gelegenheit gebe (man kann das auch so einstellen, dass nur bei twoday angemeldete User antworten dürfen).

Die LTI haben Sie immer noch nicht gelesen, sonst würden Sie das Wort "gutmenschelt" nicht mehr verwenden bzw. sparsamer. Da erspare ich mir dann den Rest.
Olaf (anonym) - 2006-07-08 20:05

Übers Ziel hinaus freigegeben

"Vielleicht ergibt sich ja irgendwann einmal die Gelegenheit, den Betreiber dieses Blog "zum Abschuss freizugeben". Selbstverständlich nur rein satirisch."

Diesen Absatz würde ich als recht unverholene Drohung einschätzen - er wird auch nicht satirisch durch die Aussage, er wäre es.
Telegehirn (anonym) - 2006-07-09 15:13

Antworten an Mirja

Ich komme leider erst jetzt dazu zu antworten

zu a) Das ist keine Unterstellung sondern eine Feststellung. Deutschland ist eben keine Hochburg des Humors/Sarkasmus und die Politik schon gar nicht. Hier fühlt sich fast jeder gleich angepisst.

zu b) Die "modernen Gutmenschen" wollen es allen recht machen. Selbst wenn man sich dafür all seiner edelsten Rechte beraubt. Es darf sich nur keiner angepisst fühlen. Nur keine Konflikte. Keinen Streit. Diese Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität lehne ich ab.

Lieber Georg Keuschnig,

ich möchte Ihnen erst einmal demütigst dafür danken, daß Sie mir gnädigerweise die Möglichkeit des Kommentierens einräumen, ohne das ich mich bei twoday anmelden muss. Mille Grazie...

Ehrlich gesagt ist mir LTI relativ egal. Ist das Ihre Bibel? Ich verwehre mich ernergisch gegen Ihren Vorwurf ich würde nationalsozialistische Terminologie verwenden.

@ Olaf:
Damit möchte der Blogbetreiber provozieren, aber wie ich schon erwähnte: zum Abschuß wurde ich längst freigegeben.
Gregor Keuschnig - 2006-07-09 16:19

Bibel?

Ich nehme an, Sie kennen das Buch nicht. Es heisst "LTI - Lingua Tertii Imperii" und ist von Victor Klemperer. Es ist - kurz zusammengefasst - eine philologische Studie über die Sprache des sogenannten Dritten Reiches. Sehr interessant, gelegentlich natürlich höchst sensibel geschrieben, da Klemperer ja - wie Sie vielleicht wissen - als Jude nur durch viele Zufälle überlebt hat (eindrucksvoll in den vor einigen Jahren vom Aufbau-Verlag herausgegebenen Tagebüchern nachzulesen).

Klemperer zeigt darin u. a., wie Wörter und Begrifflichkeiten von den Nationalsozialisten für ihre Zwecke vereinnahmt und neu verwandt wurden. Die Lektüre rund 60 Jahre nach Erscheinen des Buches ist immer noch erhellend, auch wenn manches heute recht übertrieben anmutet.

Die Formulierung "Gutmensch" ist eindeutig eine demagogisch konnotierte Formulierung. Sie wird stets denunzierend benutzt. Ich würde sie einem sich intellektuell gegebenden Stammtischgehabe zuordnen. Auch wenn Sie sich noch so "ernergisch" verwenden.

Sie lehnen "Friede-Freude-Eierkuchen"-Mentalität ab. Wenn Sie meinen Blog genau gelesen haben, hätten Sie herausgefunden, dass ich das auch ablehne. Alleine der Beck-Beitrag zeigt, dass ich das ablehne.

Einen Widerspruch gibt es in Ihrer Aussage: Wenn Sie Diskurs wünschen, also Konfrontation, wieso würgen Sie diese durch rhetorische Tiefschläge sofort ab? Wieso fordern Sie quasi einen Konformismus ein (hier zum "Titanic"-Cover), wenn Sie andererseits dem Nonkonformismus das Wort reden? Die Antwort könnte darin liegen, dass Sie doch - entgegen Ihrer Intention - die Meinungsführerschaft bestimmen wollen, d. h. Sie bestimmen, was konform ist und was nicht. Statt sich dem zu stellen, wird jeder sofort in Ecken gestellt (wie hier der Mitdiskutant "kranich05") und denunziert. (Erinnert mich an eine Situation vor vielen Jahren, als ein Fahrkartenkontrolleur in der U-Bahn von sich progressiv gebenden Jugendlichen sofort als "Faschist" bezeichnet wurde. Immerhin besassen sie kurzfristig Aufmerksamkeit. Vielen reicht das.)

Sie wollen letztlich nichts anderes, als die Leute bekehren - und zwar zu Ihren Bedingungen. Damit agieren Sie exakt so, wie Sie es anderen (berechtigt oder nicht) vorwerfen.

Humor und Sakarmus sind in Deutschland tatsächlich unterentwickelt, weil sich solche Krawall"satiriker" wie von "Titanic" dafür halten. Wer am lautesten schreit, wird gehört; die feinen Untertöne beispielsweise englischen Humors kommen bei dieser Kakophonie des banalen Plakatismus gar nicht mehr an.

Die Politik betreibt in Deutschland seit einiger Zeit höchsten Humor - es wird nur leider nicht als solcher wahrgenommen.

Spamvorwurf: Ihre Wortwahl lasse ich mal stehen; Sie entlarven sich damit selbst. Ich hatte in den letzten 24 Stunden nicht nur sehr viele Klicks, sondern auch über 50 Spammails. Üblich sind 2 oder 3 pro Woche.
Telegehirn (anonym) - 2006-07-11 00:07

Jetzt reicht es

Ich entlarve mich selbst? Sonst geht es Ihnen noch gut. Weder habe ich Ihnen Spam-Mails geschickt, noch bin ich dafür in irgendeiner Weise dafür verantwortlich. Alles andere ist ein Lüge und das wissen Sie auch. Ich lasse mich nicht von Ihnen verleumden und herabsetzen.

Ich möchte Ihren Sachverstand nicht überfordern, aber es wird wohl so sein, daß Sie an einen Spider geraten sind, der ihre Mail-Adresse gelesen hat und nun haben Sie den Salat. Es ist nun leider so, daß Ihr Blog durch meine Verlinkung etwas Aufmerksamkeit erhalten hat. Da kann das schon mal passieren.

Wissen Sie was merkwürdig ist? Seit ich Ihren Blog verlinke sind bei mir 180 Spam-Kommentare eingegangen. Nicht das Sie damit was zu tun hätten. Wie käme ich dazu einen anderen Blogger ohne Beweise als Spammer zu denunzieren? Obwohl Sie das ja so mit mir gemacht haben.

Auf diesem Niveau kann ich mit Ihnen nicht diskutieren. Nur soviel: mir ist sowohl Klemperer bekannt, als auch das LTI. Ich habe beide verstanden. Sie leider nicht. Sie können sich Ihre oberlehrerhafte Belehrung schenken.

Ich will niemanden bekehren. Das bilden Sie sich ein!
Fellow Passenger - 2006-07-06 01:25

Man muß das nicht witzig finden. Man kann auch gegenteiliger Meinung sein. Das rechtfertigt aber nicht automatisch, den Witz zu verbieten.

Ihrem Vergleich mit der "Bild" vermag ich nicht zu folgen. Wäre der beanstandete Titel so wie er ist in "Bild" erschienen, wäre das nicht hinnembar, weil die "Bild" (warum auch immer) als Tageszeitung gilt und man annehmen müsste, die Aufforderung sei ernst gemeint.

Dafür braucht es keinen "Farbigen". Den Begriff beanstandet Telegehirn völlig zurecht, denn er ist diskriminierend. Das ist er weil er die Menschen in Weiße und den Rest teilt, ohne diesem Rest zuzugestehen, verschiedener Hautfarbe zu sein.

Und ja, Titanic ist wirklich eine Satirezeitschrift. Auch wenn der Dickschä prächtige Schädel von Herrn Beck das Wort "Satiremagazin" verdeckt, kann man das leicht erkennen, wenn man sie liest. Darin finden sich neben allerlei Albernheiten durchaus feinsinnige Glossen, gesalzene Polemiken und mit spitzer Feder gezeichnete Karikaturen.

Es ist bestürzend zu sehen, wie eine Armada von Berufsbetroffenen einen Angriff auf den SPD-Chef wähnt, statt den Witz als das zu verstehen, was er ist: Eine Satire auf den Medienwirbel rund um den zum Zeitpunkt der Drucklegung des Heftes noch lebenden Braunbären "Bruno" und die absurde Wortschöpfung "Problembär". Den Text mit dem Portrait eines stattlichen und fröhlichen Politikers zu illustrieren, zeigt sehr schön, wie blödsinnig das ganze Gehabe um den angeblich verhaltensgestörten Bären war.

Wenn Sie allerdings tatsächlich den Umstand, daß in der Regierung keine fähigen Leute sitzen darin begründet sehen, daß fähige Leute sich fürchten, von Satireblättern verspottet zu werden, ist ihnen wohl nicht mehr zu helfen.

Armer Herr Beck! Wie geknickt muß das Ego sein, wenn man sich schon durch eine Satire bedroht fühlt?

Gregor Keuschnig - 2006-07-06 08:10

Lektürehinweis

Bitte genau meinen Beitrag lesen: Wo habe ich geschrieben, dass es (das Titelbild) verboten gehört? Warum unterstellen Sie etwas, was dort gar nicht steht?

Titanic ist eine Satirezeitschrift? Wer sagt das denn? Reicht es, das zu benennen, was es sein soll? (Schlag' nach bei Wittgenstein!)

Das, was Titanic (oft genug) bietet, ist vom Niveau her ähnlich der "Bild"-Zeitung (die beispielsweise - das ist auch satirisch gemeint, ich weiss - von Olli Dietrich als Satirezeitung rubriziert wird). Ähnlich wie "BILD" wähnen sich die "Titanic"-Macher im Vollbesitz der Wahrheit und - vor allem - der Deutungshoheit: Sie bestimmen, was Satire ist. (Bei "Bild" bestimmen die Redakteure, was die Leute zu empfinden, zu glauben, zu mutmassen, zu wissen haben.)

Nein, das Titelblatt ist keine Satire mehr. Dabei bleibe ich unabhängig der rechtlichen Bewertung des Vorgangs. Es erinnert mich an antijüdische Hetzkarikaturen, die im Mittleren Osten kursieren - die ja (komischerweise? glücklicherweise!) niemand hier abdruckt.

Ich bin bin kein "Berufsbetroffener". Kurt Beck als Mensch interessiert mich nicht; ich kritisiere seine Politik, wenn ich sie schlecht finde und lobe sie, wenn ich sie gut finde. Und entsprechend erlaube ich mir, diese (sogenannte) "Satire" nicht als solche zu empfinden. Ich habe mir nur vorgestellt, wie ich mich fühlen würde, wenn ein solches Titelbild mit meinem Konterfei frei verkäuflich wäre.
Köppnick - 2006-07-06 10:24

Kann, muss, darf,

alles richtig. Dass Herrn Becks Anwälte mit der einstweiligen Verfügung durchgekommen sind, zeigt, dass es sowohl Anwälte als auch Richter gibt, die eine andere Meinung haben als der oder die Redakteure der Titanic oder diese wenigstens respektieren. Vielleicht bewegt sich Satire ja immer an einer Grenze, die für jeden an einer anderen Stelle liegen kann. Zum Recht auf freie Meinungsäußerung gehört auch, später die Konsequenzen dafür zu tragen.

Wer ein Titelblatt bringt, auf dem der SPD-Vorsitzende abgebildet ist, und darunter in riesigen Buchstaben zu schreiben "Knallt die Bestie ab", muss sich über die folgenden Reaktionen nicht wundern. Vielleicht wollte man so die Auflage steigern, das will die Bildzeitung mit ihren geschmacklosen Teasern ja auch.
Fellow Passenger - 2006-07-06 11:18

Ich unterstellte nicht, Sie hätten geschrieben, das Titelblild gehöre verboten. Verboten wurde es aber einstweilen. Falls Sie allerdings tatsächlich gegen ein Verbot sein sollten, was ich stark bezweifle, haben Sie das nicht gerade deutlich herausgearbeitet.

Zur Frage Satirezeitschrift ja oder nein: Eine Suchanfrage nach "satiremagazin titanic": fördert bei Google 12500 Treffer zutage. Sucht man nach "nachrichtenmagazin titanic", sind es nur 23. Zufall?

Agitationstip für Amateurbetroffene: Wenn Argumente fehlen, einfach mal laut "Antisemitismus" rufen. Hilft immer.
Gregor Keuschnig - 2006-07-06 11:30

Weiterer Agitationstip

Statt "Antisemitismus" (wird übrigens meistens falsch verwendet, da Araber auch Semiten sind), kann man auch "Antiamerikanismus" einsetzen. Nur, damit Sie mal ein neus Agitationswort haben. - Wie ich zu dieser Art Diskussionskultur stehe, ist in diesem Blog relativ klar ersichtlich, wenn man sich die Mühe macht, einige Beiträge zu lesen.

Wenn sich Titanic als "Satiremagazin" bezeichnet, ist es nur allzu logisch, dass Google dies in den Ergebnissen reflektiert. Das ist aber kein Argument; erst recht nicht, was die Qualität der Zeitschrift angeht. (Zur Zuverlässigkeit von Suchmaschinen: Man suche "brillant" - die richtige Schreibweise - und dann "brilliant").

Ein Künstler wird nicht zum Künstler, in dem er dies selbst proklamiert. Eine Satirezeitschrift ist nicht automatisch witzig, satirisch oder ironisch, nur weil sie sich so bezeichnet und dies medial multipliziert wird.
Mirja (anonym) - 2006-07-06 13:32

Mirja

"Und ja, Titanic ist wirklich eine Satirezeitschrift. Darin finden sich neben allerlei Albernheiten durchaus feinsinnige Glossen, gesalzene Polemiken und mit spitzer Feder gezeichnete Karikaturen."

--- Früher habe ich das alles auch mal in der "Titanic" gefunden. Neulich wollte ich mir für eine Bahnfahrt mal wieder eine kaufen und habe vorher natürlich drin geblättert. Großes Gähnen, liegen gelassen, nicht gekauft. Kann natürlich sein, dass ich einfach alt geworden bin und sich mein Geschmack geändert hat.

"Eine Suchanfrage nach "satiremagazin titanic": fördert bei Google 12500 Treffer zutage. Sucht man nach "nachrichtenmagazin titanic", sind es nur 23. Zufall?"

--- Natürlich kein Zufall, weil sich "Titanic" selbst den Titel "Satiremagazin" verleiht und kein Nachrichtenmagazin sein will. Google-Treffer da als Argument anzuführen geht daneben. Anzahl von Google-Treffern zur Wahrheitsfindung zu benutzen ist überhaupt bestenfalls eine vorläufige Krücke. Lieber mal nachschlagen, was Satire eigentlich ist und mit dem Inhalt von Titanic vergleichen. Nicht überall, wo Satire drauf steht, ist auch Satire drin.

Es ist natürlich nicht völlig klar, was eine Satire ausmacht, was noch Satire ist, was nicht mehr. Und es gibt -zig verschiedene Arten von Satiren. Meine persönliche Meinung: Satire soll hauptsächlich gesellschaftliche Missstände anprangern, ins Lächerliche ziehen, auf die Schippe nehmen usw. Falls nicht die Gesellschaft, sondern einzelne Personen, dann doch bitte mit etwas mehr Inhalt als "Beck sieht aus wie ein Bär, hahaha, ist das lustig". Wie gesagt: großes Gähnen. Ja, vermutlich sollte es eine Satire auf den Medienwirbel um Bär Bruno sein. Ist aber mit diesem Titel überhaupt nicht gelungen - meilenweit an Bruno vorbei geschossen, sozusagen.
Nein, verboten werden sollte das Titelbild deswegen nicht. Die Reaktion von Beck finde ich auch überzogen.
Aber der Satz "Die Satire darf alles" darf nicht zu wörtlich genommen werden, da sollte man schon den Kontext beachten, in dem dieser Satz geschrieben wurde. Der Satz darf auch nicht ständig als Freibrief für echte Bosheiten missbraucht werden.
Schade, dass die "Titanic" wegen dieser Sache so viel Gratis-Werbung bekommt.
Mirja (anonym) - 2006-07-06 13:59

Ergänzung:

Thomas Gsella sagt: "Wir wollten die bärenverachtende Grausamkeit der bayerischen Bärenkiller geißeln" (welche Wortwahl). Da hätten sie bei dem Titel wohl besser ein Bild von Paddington Bär genommen. Oder eines von einem Gummibärchen. Oder den Berliner Bären. Oder einen Plüschteddy mit Herzchen. Oder Samson. Oder Käpt'n Blaubär. Oder den Charmin-Bär. Ja, der gefiele mir dafür am besten. Da hätte ich wohl Schmunzeln können. Irgendwie glaube ich Gsella nicht so ganz.
Fellow Passenger - 2006-07-07 01:38

Ich fürchte Antiamerikanismus ist als Totschlagargument völlig ungeeiegnet. Es fehlt das Tabu. Ich kann mich jederzeit hinstellen und behaupten, daß ich George W. B. für einen Volltrottel halte, ohne besonderen Gegenwind befürchten zu müssen.

Das "Argument" Google ist natürlich Quatsch, da haben Sie schon recht, bester Herr Keuschnig. Es fiel mir nur ein, weil Sie sich meiner qualitativen Argumentation in dieser Hinsicht bislang hartnäckig verschließen. Vielleicht kommen wir uns andersherum näher. Für was, wenn nicht eine Satirezeitschrift, halten Sie denn die "Titanic"? In Ihrem Beitrag oben sprachen sie eben genau von einer Satirezeitschrift. Vielleicht ein Versehen.

Ihner Argumentation, Herr oder Frau Mirja, vermag ich zu folgen. Wahrscheinlich, weil Sie tatsächlich auch Argumente ins Feld führen. Was mich wundert: War Ihnen beispielsweise der Artikel "Der Deutsche" von Stefan Gärtner auf Seite 16 ff wirklich zu flach? Fanden Sie O. M. Schmitts Rezension von "Park Avenue" langweilig?

Von "Gratis-Werbung" kann man aber wohl nicht sprechen. Die Fotomontage von Björn Engholm in der Badewanne in der Uwe Barschel tot aufgefunden wurde, brachte Engholm zwar 40.000 DM
Schadenersatz, kostete den Titanic-Verlag aber 230.000 DM. Bei einer Druckauflage von knapp 100.000 Heften (verkauft werden wohl nur um die 60.000) ist das ziemlich viel.

Die Herren Döpfner und Dieckmann kostet solcherlei nur ein müdes Arschrunzeln. Nicht weil sie, wie man fast vermuten möchte, Mengenrabatte bekommen, sondern weil es angesichts der millionenstarken Auflage einfach keine Rolle spielt. Der einzige Unterschied ist, daß Dick & Doof ihre Witze als Tatsachen verkaufen, während Titanic einen Witz, Witz sein lässt.
Köppnick - 2006-07-07 09:14

@Mirja

Versuch es anstelle der Titanic mal mit dem Eulenspiegel. Den sollte es am Bahnhofskiosk auch geben. Der Eulenspiegel enthält nicht diese Art Dampfhammer"satire", sondern ist etwas feinsinniger.
Gregor Keuschnig - 2006-07-07 09:59

@Fellow Passenger

Ja, "Antiamerikanismus" ist wirklich (in jeder Hinsicht) abgegriffen; da haben sie recht. (Im vergangenen Jahr wurde jemandem unterstellt, er sei antiamerikanisch, weil er leise Zweifel an der "Sauberkeit" des Radfahrers Lance Armstrong äusserte; naja, dieses Niveau brauchen wir nicht weiter zu diskutieren, glaube ich).

Dass ich Titanic als Satirezeitschrift bezeichnet habe - nehmen Sie's als Zitat. Wie ich sie einordnen soll? Ich weiss es nicht. Herr Köppnick bezeichnet es im heutigen Posting als "Dampfhammer'satire'" - das trifft es sehr genau. Man schart eine gewisse Anzahl von Gläubigen (bspw. übriggebliebene "Altlinke"), um dann in Stammtischmanier (nur von der anderen, der [scheinbar] intellektuellen Seite kommend) nach Belieben auf die konsensuellen "Hassobjekte" einzudreschen. Das ist dem allgemeinen Politik(er)-Bashing billigster Sorte zum Verwechseln ähnlich. Das ist der Grund, warum mich dieses Cover auch stört.

Wir werden uns vermutlich nicht einig, was Satire ist und was nicht - das müssen wir ja auch gar nicht. Aber: Es ist nicht immer gleich die Keule der Denunziation für diejenigen herauszuholen (das haben Sie ausdrücklich nicht gemacht!), die dies ablehnen.

Im übrigen glaube ich, dass es sehr wohl einen Werbeeffekt gibt, der sich allerdings nicht pekuniär niederschlägt. Titanic ist eine der Zeitschriften, die (fast) jeder kennt, aber kaum jemand regelmässig kauft.
"Dick & Doof" gefällt mir ausnehmend gut!
Fellow Passenger - 2006-07-08 03:50

Ich hätte es gar nicht vermutet, verehrter Herr Keuschnik, aber es scheint, wir kommen tatsächlich zu einer Einigung.

"Dampfhammersatire" trifft es ganz gut, wenn es zu beschreiben gilt, was auf den Titelseiten der verschiedenen Ausgaben von "Titanic" zu sehen ist. Fairerweise muß man aber auch sehen, daß der Titel praktisch nie mit dem Inhalt des Periodikums zu tun hat. Das ist aber bei anerkannten "Faktenmagazinen" wie "Focus" oder "Illustrieren", wie "Stern" kaum anders. Das Cover ist bei allen natürlich immer in erster Linie Werbung. Der Spiegel druckt auch immer wieder gerne nackte Damen auf seine Titelseite, obwohl es im Heft dann doch nicht so um Sex geht.

Komischerweise scheint sich niemand darüber ereifert zu haben, als Titanic Angela Merkel auf dem Cover zeigte und die Frage stellte, "Darf das Kanzler werden". Hätte das Merkel die Kanzlerin klagen sollen?

Politiker-Bashing sollte einem Magazin das defnintionsgemäß sagt, "wir meinen es nicht wörtlich". vulgo Satiren schreibt, schon erlaubt sein. Im Gegenzug darf jeder bekunden, wenn er das gar nicht lustig findet.

Was ich nicht verstehe, ist, wo Sie den Werbeeffekt sehen. Die Fronten scheinen festgelegt zu sein. Sie haben, so nehme ich an, nicht einmal das aktuelle Heft gekauft, ich bekomme seit 1990 alle Ausgaben zugestellt. Die im Impressum angegebene Druckauflage von rund 100.000 Stück hat sich seit dem nie wesentlich geändert.

Ihre Einlassung, Herr oder Frau Egalo finde ich allerdings interessant. Wenn ich Sie recht verstehe, fabriziert Metzger Raab astreine Satire, während Titanic mehr so eine Art Unterschichen-Bashing betreibt, ja? Sie können es sogar besser? Dürfte ich da bitte auf eine Leseprobe von Ihnen bestehen? Das wäre durchaus in Ihrem Interesse, denn bislang halte ich Sie, ehrlich gesagt, für einen eher einfachen Geist.
Gregor Keuschnig - 2006-07-08 16:55

Teileinigung

Ich hatte das Wörtchen Satire in Dampfhammer'satire' (wie Herr Köppnick auch) in Anführungszeichen gesetzt. Es ist keine Satire, sondern Verunglimpfung.

Und wenn man das Wort "Farbige" kritisiert (aufgrund einer vollkommen blödsinnigen Verdrängung der Tatsache, das es tatsächlich Menschen verschiedener Hautfarben auf dieser Welt gibt und diese Benennung an sich noch keine Diskriminisrung darstellt) und gleichzeitig das Vorgehen der "Titanic" goutiert, dann bleiben schon Differenzen in der Beurteilung.

Die Einlassung, jeder dürfe bekunden, dass er dies nicht witzig findet, ist mir zu gönnerhaft. Sie impliziert eine höhere Warte.

Im Internet kann man ja in verschiedenen Foren und auch auch bei Satirikern durchaus differenzierte Meinungen zum Fall Beck finden.

Wenn selbst die gelegentlichen Skandale zu keiner Steigerung der Auflage bei der Titanic führen (wenigstens kurzfristig), so ist das einerseits merkwürdig . könnte jedoch auch andererseits zeigen, dass das Magazin selbst bei extremer Ausrichtung keine dauerhafte Neugier weckt.
Köppnick - 2006-07-08 17:15

@Keuschnig

Die Festlegung, das Wort "Farbiger" als Diskriminierung anzusehen, rührt daher, dass man "Weiß" als keine Farbe ansieht (~unbunt~). Physikalisch entspricht das etwa dem Kenntnisstand zu Goethes Zeiten. Wenn man es mit der heutigen Farbenlehre ganz genau nimmt, sind Weiße auch Farbige. Nur reines Schwarz wäre keine Farbe, aber dieses Schwarz kommt in der Natur nicht vor.

Nach meiner Beobachtung setzt ein Streit um Wörter und deren Deutung immer dann ein, wenn man sich nicht mehr mit Argumenten auseinandersetzen möchte. Da reiht sich dann Farbiger in die Liste von Totschlagwörtern wie Antisemit, Linker, Rechter, etc. ein.
egalo (anonym) - 2006-07-07 17:25

Ich stimme dem Autor dieses Artikels komplett immer zu. Die Titanic
habe ich mir einmal gekauft, doch da bin ich ziemlich
reingefallen. Humor muss Grenzen haben, soetwas ist keine Satire
sondern Schundliteratur. Was soll man denn da verstehen? Satire ist
eventuell was Stefan Raab macht, nicht das Cover der Titanic. Könnte
ich es besser? Ja. Das mit der Satire ist sowieso kein Zeichen
der Intelligenz, sondern dass man kein ordentliches Leben führen kann,
demnach also meist irgendwelche Linke Schmarotzer die verpasst haben ein
ordentliches Leben zu führen. Ihnen Herr Fellow Passenger sage ich
ohne solche zeitungen ginge es Deutschland besser!! Jedenfalls hätte es
früher solche Sachen bei uns hier nicht gegeben, auch wenn nicht alles gut war.

Gregor Keuschnig - 2006-07-07 18:12

Ich werde...

Ihren Kommentar bei Gelegenheit löschen müssen, da die Beschimpfung "Linke Schmarotzer" nicht akzeptabel ist.
egalo (anonym) - 2006-07-07 18:31

Ich entschuldige mich, können Sie sich das nicht einfach wegdenken?

kranich05 - 2006-07-09 11:14

Mein Eindruck

Wenn es zum Streit kommt bei Themen, die irgendwie mit Pressefreiheit zusammenhängen, beobachte ich immer wieder eine aufgeregte, ich meine oft bis zur Hysterie aufgeregte, Verteidigung dieses höchsten demokratischen Gutes.
Die Medien müssen dürfen, dürfen, dürfen.
Diese Haltung sehe ich im bedauerlichen Gegensatz zu einem verbreiteten, lähmenden Gleichmut gegenüber der tatsächlichen, monopolistischen Medienmacht (Macht in Medien und mittels Medien).
Gleichsam:
Die demokratischen Kämpen schlagen sich auf der Bühne bis aufs Blut (vulgo Tomatensaft), das wirkliche Leben (der Freiheit oder Unterdrückung von Information) spielt ganz woanders.

Ein Nebeneffekt: Die Diskussion hat mir die Bekanntschaft mit "Telegehirn" gebracht samt der dort aufzufindenden Schubladenkultur der "Bloggosphäre"; ziemlich köstlich.

Gregor Keuschnig - 2006-07-09 13:40

Zum Nebeneffekt:

Ich hab noch nicht reingeschaut; merke nur, dass von dort aus mein Blog vollgespamt wird. Lohnt sich die Bekanntschaft?
Telegehirn (anonym) - 2006-07-09 15:52

Wohl wahnsinnig geworden?

Ihr "Blog" wird von meinem aus vollgespamt? Was meinen Sie damit? Wer spamt Sie wie und womit voll? Wollen sie behaupten ich würde Sie vollspamen oder dazu anstiften? Sie sollten das einmal bitte näher erläutern.
Es kann natürlich sein, daß sich ein paar meiner LeserInnen davon überzeugen wollten, wie so ein linker Spiesserblog aussieht. Die Titanic war so freundlich meinen Beitrag "...es gutmenschelt in der Blogosphäre" zu verlinken und das könnte dann dazu geführt haben, daß die mal mehr als 20 Besucher hatten.

@ kranich05:

Ihr Beitrag "übelste Hetze" ist von verstecktem Antisemitismus durchzogen. Das Herr A. aus T. Israel ausradieren will und an der Bombe baut und gerne das Werk der Nazis beenden will, daß blenden Sie vollkommen aus. Sie sind auch so einer aus der links-etatischen Ecke.
kranich05 - 2006-07-11 02:28

merkwürdige Erfahrung

Hallo Herr Keuschnig,
ich will ihre Aufmerksamkeit nicht unnötig beanspruchen. Ich erzähl einfach mal, was mir passiert ist.
Durch irgend einen Zufall bin ich auf das Block "njus" gestoßen. Hab es oberflächlich gesichtet, hatte nicht den schlechtesten Eindruck.
Fand dies Blog etwas später rubriziert bei "Telehirn" unter "rechte Nerds". Hab's daraufhin nochmal genauer angesehen (das also hab ich "Telehirn" zu danken) und mich dort zum Posting "Heuchlerische Moral" in eine Diskussion eingelassen. Diese Diskussion läuft irgendwie merkwürdig, und ich würde mich freuen, wenn Sie darauf auch mal ein Auge werfen und mir eventuell Ihre Meinung sagen würden.
http://myblog.de/njus/art/3938144

Gregor Keuschnig - 2006-07-11 13:53

Schwierig

Ich glaube, da werden bestimmte Dinge nicht zueinandergedacht und oftmals diverse Kinder gleichzeitig mit dem Bade ausgeschüttet. Die Rubrizierung ("rechte nerds" - aber was für eine Wortschöpfung!) scheint bei einigen Beiträgen zu stimmen - bei anderen wiederum nicht. Es erstaunt mich oft, über was sich die Blogger so alles Gedanken machen und auch schon fertige Urteile haben (vom Verbot des Analverkehrs ohne Kondom über Naddel bis zur höchsten Weltpolitik).

Von den vielen Rechtschreibefehlern (Flüchtigkeitsfehler! ein Symptom!) abgesehen: Katastrophal ist die Sprache (wie bei Telegehirn ja auch). In Kombination mit der für sie "gepachteten Wahrheit" bemerken sie gar nicht (aus Unwissenheit?), in welchen sprachlichen Traditionen sie sich bewegen. Diskussionen sind mit ihnen vermutlich nicht möglich, da sie im zweiten Posting bereits beim anderen Wahnsinn unterstellen oder diffamieren.

Texte wie dieses Memorandum des deutschen Journalistenverbandes verstehen sie vermutlich gar nicht. Letztlich passen sie sich nur dem allgemeinen Medienhysterismus an, in dem derjenige das meiste Gehör bekommt, der am lautesten schreit. Das das alles u. U. nichts mit Qualität zu tun hat (meistens das Gegenteil), müssen die Leser herausfinden - jeder für sich selber und immer wieder neu.
Köppnick - 2006-07-11 15:54

Zwei Argumente

Ich habe mir die von Ihnen verlinkte Diskussion auch durchgelesen. Dieser Thread erscheint am Anfang tatsächlich merkwürdig, weil der Gedanke „Besser Bücher verbrennen als Menschen verfolgen“ ja zunächst in sich logisch ist. Man darf sich dann auf keinen Fall auf den Standpunkt stellen, dass das Argument falsch ist, weil es andere falsch finden, man benötigt eigene Gründe. Ich würde zwei Argumente in die Diskussion einbringen, der erste ist mehr theoretisch (allgemeiner Argumentationsfehler), der zweite auf das konkrete Beispiel bezogen:

Eine Bücherverbrennung in Sachsen und die Verfolgung von Minderheiten in Osteuropa stehen in keinem kausalen Zusammenhang zueinander. Der Zusammenhang wird aber in diesem Thread hergestellt. Das ist ein charakteristisches Beispiel von Relativismus ala, „weil dort mehr Schaden angerichtet wurde, ist das aber schlimmer“. In diesem Fall wird das kleinere Verbrechen dadurch „relativiert“, dass man es mit einem größeren vergleicht. Es müssen aber beide Geschehnisse unabhängig voneinander be- und verurteilt werden.

Anne Franks Tagebuch ist gewissermaßen ihr symbolische Grabstein. Das Tagebuch zu verbrennen ist also analog dem Beschmieren oder Umwerfen von Grabsteinen. Außerdem ist die Bücherverbrennung in Deutschland der Auftakt gewesen für noch schlimmere Taten. Ähnlich landesspezifische Symbolik findet man zum Beispiel beim Hakenkreuz. In vielen Ländern ist das ein x-beliebiges Symbol (z.B. in Tibet an vielen Autobussen zu finden), in Deutschland jedoch untrennbar mit der NS-Zeit verbunden. Man kann und darf sich nicht aus dieser spezifischen Art der Bewertung der Vergangenheit des eigenen Volkes lossagen, wenn man in Deutschland groß geworden ist.

Trackback URL:
http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2287396/modTrackback

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Gregor Keuschnig - 2008-08-06 17:11
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