Bester Journalismus:

Sabine Rueckert         c Stern.deAb in den Knast von Sabine Rückert.

Seit langer Zeit der beste Artikel, den ich in der "ZEIT" gelesen habe.

Eine Bestandsaufnahme über die zunehmende Hysterisierung von Kriminalität in unserer Gesellschaft und die Versäumnisse der Politik (die auf einem ganz anderen Gebiet liegen, als der tumbe Populismus dies nahelegt).

Unbedingt lesen! Preiswürdig.
La Tortuga - 2006-05-28 19:26

Absolut

1A und dringend nötig. Ich sagte doch schon immer, all die Sich-Bedrohtfühlenden sollten mal nach Medellín oder Monrovia zur Kur geschickt werden, damit sie lernen, was Kriminalität ist.
Bedenklich finde ich allerdings einige (die Mehrheit) der Leserkommentare zum Artikel.

Gregor Keuschnig - 2006-05-28 20:11

Emotional

Gerade bei einem solchen Thema bleibt das nicht aus. Geradezu abstrus fand ich den Vorwurf, der Artikel sei "frauenfeindlich".

Viele fassen Strafe immer noch ausschliesslich als "Rache" auf.

Ich möchte nicht wissen, wieviele Schmähbriefe die Autorin erhält.

---
Ergänzung 29.5.06

Es gibt auch rühmliche Ausnahmen wie diese.
Nein, das bin ich nicht.
Ich bin (Gast) - 2006-05-29 00:19

Polar

Einspruch! Der Artikel und Focus TV befinden sich an den jeweiligen Enden des Spektrums, da beide das eigentliche Problem verkürzen (Focus TV ist natürlich vollständig insdiskutabel).

So wie Focus TV die fehlende Therapie marginalisiert, deutet Frau Rückert die eigentliche Unlösbarkeit nur kurz an. Die Stilisierung von möglichen Therapien zu einem Königsweg halte ich für enorm fragwürdig ( wir erinnern uns an Gert Postel ) und wirkt mehr als gezwungener Versuch der Autorin eine Lösung zu fassen zu kriegen, die nicht vorhanden ist.

Letztendlich steht und fällt die Argumentation mit dem Vertrauen in die Psychiatrie. Ich spreche der Psychiatrie die Urteilskraft mit halbwegs nenneswerter Genauigkeit vollständig ab, womit die Argumentation hinfällig wird.

P.S. Erst bei der Bild-Zeitung, dann bei der taz? Wie geht das denn?
P.P.S. Die sprachliche Qualität des Artikels ist unwürdig.

Gregor Keuschnig - 2006-05-29 13:07

Königsweg?

Komisch: Wenn eine Therapie "kein Königsweg" ist (wer hat das im übrigen behauptet?) und der Psychiatrie in Bausch und Bogen "die Urteilskraft" entzogen wird (die sie im übrigen nie beansprucht) - wieso wird dies dann im Focus-Bericht "marginalisiert" und wie so ist dieser dann "indiskutabel"?

Der Artikel zeigt, dass es empirische Belege für entsprechende Erfolge von Therapien gibt. Diese funktionieren allerdings nicht zu 100%, da Menschen keine Maschinen sind, denen man nur einen neuen Motor einsetzen muss. Wenn man jede Profession nach diesem Massstab beurteilen würde, wären Ärzte generell überflüssig, da sie nie alle heilen können.

Die Autorin erhebt im übrigen nie den Anspruch, eine Lösung zu wissen oder zu entwerfen, sondern zeichnet nur ein aktuelles "Stimmungsbild". Insofern schiesst die Kritik meilenweit vorbei, denn man muss nicht Koch sein um festzustellen, dass eine Suppe versalzen ist.

Zum Schluss wird dann noch der Versuch unternommen, aufgrund der Vita der Autorin deren Fähigkeiten zu diskreditieren. Das spricht für sich.
Ich bin (Gast) - 2006-05-29 17:03

@Antworten

Aj, warum so garstig? Weil jemand anderer Meinung ist, kann man in diesem Tonfall antworten. Das spricht wohl für sich.

Zum Thema: Die Autorin benutzt an verschiedenen Stellen die gleiche schluchzende Musik wie Focus TV. Die Vorstrafen werden als fast normal marginalisiert, die Behörde als Verweigerer der Therapie eines Therapiewilligen als mindestens mitschuldig dargestellt. Nein, das riecht streng. Das mag man nicht wahrnehmen, ist man gleicher Meinung.

Das Dilemma, einfach vor einem nicht lösbaren Problem zu stehen, wird verschwiegen. Dass ein Politiker in der Lage die populistische Variante wählt, ist ebenso unsinnig wie verständlich. Aber was ist die Alternative? Wer will da ein Gutachten abgeben? Man muss schon größenwahnsinnig sein.

Zum Schluss wird dann noch der Versuch unternommen, aufgrund der Vita der Autorin deren Fähigkeiten zu diskreditieren. Das spricht für sich
Arbeitet jemand hintereinander für Bild-Zeitung und taz ist das normal, erlaubt keine Rückfrage? Für mich schon. Das hat mit Diskreditierung wohl nichts zu tun. Die Frage muss man sich gefallen lassen.
Gregor Keuschnig - 2006-05-29 18:46

Garstig? Nö

Die Aussage, dass man vor einem nicht lösbaren Problem stehen soll, ist purer Fatalismus. Natürlich behauptet niemand, dass Therapien immer allumfassend helfen. Wo liegen denn die Alternativen? Ach ja, es kann ja eigentlich keine geben, denn es ist ja ein nicht lösbares Problem.

Sorry, das ist mir zu wenig. Das ist noch nicht mal rhetorisch gut. Einem Hungrigen nimmt man nicht das Butterbrot weg, und sagt ihm, es schmeckt einem nicht, also wird es ihm auch nicht schmecken.

Im konkreten Fall ist die Behörde selbstredend mitschuldig am Rückfall, da ein Therapieangebot nicht bzw. viel zu spät gegeben wurde, obwohl der Täter darum gebeten hat. Dass es die Winkelzüge nicht kannte, um vielleicht in einem anderen Bundesland therapiert zu werden, kann man ihm nicht anlasten. Was wäre in diesem Fall besser gewesen? So, wie es geschehen ist oder der Versuch einer Therapie von Anfang an?

Wir reden über 20 derartiger Fälle im Jahr (jeden davon bekomme ich zu lesen, zu hören und zu sehen). Die Vielzahl gelungener Resozialisierungen ist natürlich keine Nachricht wert. Da wiegelt man lieber weiter auf.

Vielleicht fragen Sie die Autorin direkt, wie es sich mit ihrem Berufsweg verhält?
Ich bin (Gast) - 2006-05-29 18:59

@Garstig? Nö

Schade. Aber in dem Tonfall nicht.
Gregor Keuschnig - 2006-05-29 19:05

Schade.

Tja, schade. Sehe leider keinen garstigen Tonfall. Nur Fragen. Aber leider keine Antworten. Nicht einmal Versuche.
Ich bin (Gast) - 2006-05-30 23:16

SCNR


Gregor Keuschnig - 2006-06-03 20:47

Mehr als Provokation?

Ich kann den Zusammenhang zwischen dem verlinkten Beitrag und dem Rückert-Artikel nicht erkennen. Können Sie ihn mir erläutern? Welche Alternative(n) haben Sie?
kranich05 - 2006-05-31 21:11

Hervorragender Beitrag

http://opablog.twoday.net/stories/2099001/
Ich möchte nur hinzufügen, dass das hier am Problem Gewaltkriminalität aufgezeigte Wachsen sozialdarwinistischer Tendenzen in unserer Gesellschaft ebenso in anderen gesellschaftlichen Bereichen nachzuweisen ist, so z. B. in der Sozialarbeit, wie ich im Zusammenhang mit dem Signal aus der Rütlischule darzustellen versucht habe.

Trackback URL:
http://begleitschreiben.twoday.net/stories/2078835/modTrackback

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Gregor Keuschnig - 2009-12-23 08:26
Falls du dies noch nicht...
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@steppenhund
Es gibt Programme, da gibst Du nur mehr Personen, Hauptsujet...
Gregor Keuschnig - 2009-12-21 19:34
@Dietmar Hillebrandt
Ich bin nicht beleidigt. Was ich aber nicht mag, ist,...
Gregor Keuschnig - 2009-12-21 12:08

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