Köppnick - 2006-03-18 10:41

Erfolg einer Gesellschaft

Mir ist noch ein weiterer Gedanke gekommen: Woran misst man eigentlich den Erfolg einer Gesellschaft?

Vergleicht man Ost- und Westdeutschland vor der Vereinigung, dann waren die Geburtenraten im Osten wesentlich höher. Dafür gab es natürlich Gründe: Die tatsächliche Gleichberechtigung der Frau im Berufsleben, deren Berufstätigkeit nicht nur gebilligt sondern de facto gefordert wurde. Die damit einhergehende massive Förderung der Kinderbetreuung. Und nicht zu vergessen der Wohnungsmangel, der eine frühzeitige Heirat (der Durchschnitt einer Ersteheschließung dürfte so um die Zwanzig gelegen haben) erforderte, um aus der Wohnung der Eltern herauszukommen. Die Scheidungsrate lag sehr hoch, aber da die Frauen berufstätig waren und blieben, waren die Unterhaltsprobleme, die im Westen so beklagt werden, praktisch unbekannt. Nach der Wende brachen die Geburtenraten ein, auf ein Niveau, dass noch unter dem im Westen liegt.

Auch in Deutschland gibt es jetzt noch Bevölkerungsgruppen mit einem überdurchschnittlich hohen Reproduktionsniveau: Türken, Muslime, andere Ausländer. Ähnliche Verhältnisse finden wir im Ausland. Vor dem Ausbruch von Aids sahen die Hochrechnungen für Afrika dort einen überproportionalen Anstieg der Bevölkerung voraus. Oder nehmen wir China vor der Einführung der Ein-Kind-Politik.

Wenn wir jetzt den (evolutionären) Erfolg einer Gesellschaft daran festmachen, dass sie wenigstens in der Lage ist, sich selbst zu erhalten, dann ist das westliche Modell gescheitert. Diese einfache Schlussfolgerung stellt sämtliche unserer sonstigen Werte auf den Prüfstand, auf die wir doch so stolz sind, und die wir gern anderen Menschen aufoktroyieren wollen. Der typisch westliche Ansatz, sämtliche Lebensrisiken und die Zukunft planbar zu machen, bereits beim Kinderkriegen an die Höhe der Rente zu denken, pervertiert menschliches Leben zu einer Rechenaufgabe. Menschen die so denken, bekommen keine Kinder mehr oder bereuen ihre Kinder später.

Ich könnte es mir jetzt sehr leicht machen und sagen, dass Marx das Scheitern des Kapitalismus bereits 1867 vorausgesagt und sich nur in der Erscheinungsform des Kollapses geirrt hat, aber leider ist uns mit dem Zusammenbruch des Sozialismus auch eine realistische Alternative abhanden gekommen. Denn auch die heutigen sozialen Milieus oder Staaten mit ausreichender Reproduktion steuern aus anderen Gründen unaufhaltsam dem eigenen Untergang zu.

Gregor Keuschnig - 2006-03-20 12:38

Was bedeutet "Erfolg"?

Ich vermute einmal, dass "die Evolution" keinen Unterschied zwischen der westlichen Industriegesellschaft und beispielsweise der asiatischen oder afrikanischen Gesellschaft macht. Einzig und allein zählt die Verbreitung der Spezies Mensch. Etwas grobschlächtig verallgemeinernd könnte man doch sagen, dass die Quantität den "Erfolg" einer Spezies darstellt. Ohne Erfolg bedeutet: ausgestorben.

Wie in einem der gelöschten Kommentare ausgeführt wurde, waren Kinder früher Altersvorsorge. Die Entwicklung unserer Gesellschaft in den letzten 150-200 Jahren hat dazu geführt, dass dies nicht mehr direkt, sondern nur noch indirekt der Fall ist (durch die Sozialversicherungssysteme). Die Kinder arbeiten nicht mehr direkt für die Familie, sondern es bleibt alles sehr viel abstrakter.

Es bestehen eindeutige Zusammenhänge, dass, wenn die gesundheitliche Versorgung und die Bildungsmöglichkeiten in einer Gesellschaft optimiert werden, die Anzahl der Kinder drastisch - schon nach 1, 2 Generationen, zurückgeht.

Interessant ist, dass in mindestens zwei Konflikten der (westlichen) Welt dies mit entscheidend wird: Im Kosovo hat in den letzten Jahrzehnten die albanische Bevölkerung derart viele Kinder bekommen, dass sie serbische Minderheit dort (die politisch herrschte) inzwischen zahlenmässig vollkommen unbedeutend geworden ist. Ähnliches gilt, wenn man sicher das Verhältnis der palästinensischen Bevölkerung zur israelischen ansieht - auch hier werden "Fakten" durch die grosse Fruchtbarkeit der Palästinenser geschaffen.

Allerdings entstehen in solchen stark verjüngten Gesellschaften (wie auch beispielsweise im Iran) wiederum andere Probleme: Arbeitslosigkeit und mangelnde Perspektiven.

Welche Gesellschaft hat also "Erfolg"?

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die Einseitigkeit ...
hat ihren Grund einfach darin, dass Weiss sich über...
steppenhund (anonym) - 2008-09-06 18:21
Aber er reduziert es...
Aber er reduziert es wieder auf die für Europäer...
Gregor Keuschnig - 2008-09-06 17:34
In der Sache an sich...
In der Sache an sich gebe ich aber Karl Weiss recht.
steppenhund - 2008-09-06 17:27
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Ich schätze die Artikel von Karl Weiss nicht besonders,...
Gregor Keuschnig - 2008-09-06 17:17
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tinius - 2008-09-06 17:03
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steppenhund - 2008-09-06 16:57
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