Das Manifest: "Gegen den neuen Totalitarismus"
In der vergangenen Woche veröffentlichten zwölf Schriftsteller und Intellektuelle in einer französischen Satirezeitschrift ein Manifest, welches hier zitiert wird:
Gegen den neuen Totalitarismus
Nachdem die Welt den Faschismus, den Nazismus und den Stalinismus besiegt hat, sieht sie sich einer neuen weltweiten totalitären Bedrohung gegenüber: dem Islamismus.
Wir Schriftsteller, Journalisten, Intellektuellen rufen zum Widerstand gegen den religiösen Totalitarismus und zur Förderung der Freiheit, Chancengleichheit und des Laizismus für alle auf.
Die jüngsten Ereignisse nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen zeigt die Notwendigkeit des Kampfes für die universellen Werte. Dieser Kampf kann nicht mit Waffen, sondern muß auf dem Feld der Ideen gewonnen werden. Es handelt sich nicht um ein Aufeinanderprallen der Kulturen oder einen Gegensatz von Okzident und Orient, sondern um einen weltweiten Kampf der Demokraten gegen die Theokraten.
Wie alle Totalitarismen nährt sich der Islamismus aus der Angst und der Frustration. Auf diese Gefühle setzen die Haßprediger, um mit ihren Bataillonen eine Welt der Unfreiheit und Ungleichheit zu erzwingen. Wir aber sagen laut und deutlich: Nichts, nicht einmal Verzweiflung, rechtfertigt Massenverdummung, Totalitarismus und Haß. Der Islamismus ist eine reaktionäre Ideologie. Überall, wo er sich breit macht, zerstört er Gleichheit, Freiheit und Laizismus. Wo er erfolgreich ist, führt er nur zu einer Welt des Unrechts und der Unterdrückung: Der Frauen durch die Männer und aller anderen durch die Integristen.
Wir lehnen den "kulturellen Relativismus" ab, der im Namen der Achtung der Kulturen und der Traditionen hinnimmt, daß den Frauen und Männern der muslimischen Kultur das Recht auf Gleichheit, Freiheit und Laizität vorenthalten wird.
Wir weigern uns, wegen der Befürchtung, die "Islamophobie" zu fördern, auf den kritischen Geist zu verzichten. Dies ist ein verhängnisvolles Konzept, das die Kritik am Islam als Religion und die Stigmatisierung der Gläubigen durcheinanderbringt.
Wir plädieren für allgemeine Meinungsfreiheit, damit sich der kritische Geist auf allen Kontinenten gegen jeden Mißbrauch und gegen alle Dogmen entfalten kann.
Wir richten unseren Appell an die Demokraten und freien Geister aller Länder, damit unser Jahrhundert eines der Aufklärung und nicht eines der Verdummung wird.
Ayaan Hirsi Ali, Chahla Chafiq, Caroline Fourest, Bernard-Henri Lévy; Irshad Manji, Mehdi Mozaffari, Maryam Namazie, Taslima Nasreen; Salman Rushdie, Antoine Sfeir, Philippe Val, Ibn Warraq.
Aus dem Französischen von Jochen Hehn.
Dieses Manifest ist ein Zeugnis für Sprach- und Konzeptionslosigkeit.
Die Unterzeichner appellieren an den “kritischen Geist“, den sie vor lauter Selbstgewissheit nicht mehr haben. Sie sind befangen in ihrer Argumentation, da sie von der Richtigkeit ihrer Vorstellungen zutiefst überzeugt sind. Feindbilder schmieden zusammen.
Einige von ihnen sind unmittelbar von Extremisten bedroht bzw. wurden bedroht. Menschlich sind die artikulierten Ängste verständlich. Aber gibt keine kritische Auseinandersetzung, sondern nur eine Beschimpfung.
Implizit werden Muslime als dumm dargestellt. Die sozialen und politischen Verhältnisse, die die Massen in die Arme dieses Systems führt, werden ausgeblendet. Es wird keine Hand an die gemässigten Führer gereicht, sondern den Extremisten wird noch mehr Öl geliefert, mit dem sie ihr Feuer am Leben erhalten.
Der fragende Muslim assoziiert mit Demokratie die Bilder von Folteropfern in Abu Graib und den Gefangenen in Guantánamo. Das haben sie zu Hause auch; die Attraktivität dieses Freiheitsbegriffes hält sich in Grenzen.
„Kultureller Relativismus“ wird abgelehnt. Das ist gleichbedeutend mit einer territorialen Hegemonialstellung westlicher Werte. Etwas anderes sagen die Verfechter einer „Leitkultur“ auch nicht.
Man ruft zum Widerstand auf. Aber wo soll denn dieser Widerstand stattfinden? Soll ich der türkischen Frau auf der Strasse das Kopftuch herunterreissen? An wen richtet sich dieses Manifest? Ausser an diejenigen, die sowieso nicht gemeint sind.
Und in dem zum Widerstand gegen den religiösen Totalitarismus aufgerufen wird, ermöglichen sie der Gegenseite mit dem gleichen Argument wider einen „ökonomischen“ oder „laizistischen“ oder „ökonomisch-laizistischen“ Totalitarismus aufzurufen.
Ein Dokument selektiver Wahrnehmung. Die Ausblendung all dessen, was nicht in das ideologische Konzept passt.
Gegen den neuen Totalitarismus
Nachdem die Welt den Faschismus, den Nazismus und den Stalinismus besiegt hat, sieht sie sich einer neuen weltweiten totalitären Bedrohung gegenüber: dem Islamismus.
Wir Schriftsteller, Journalisten, Intellektuellen rufen zum Widerstand gegen den religiösen Totalitarismus und zur Förderung der Freiheit, Chancengleichheit und des Laizismus für alle auf.
Die jüngsten Ereignisse nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen zeigt die Notwendigkeit des Kampfes für die universellen Werte. Dieser Kampf kann nicht mit Waffen, sondern muß auf dem Feld der Ideen gewonnen werden. Es handelt sich nicht um ein Aufeinanderprallen der Kulturen oder einen Gegensatz von Okzident und Orient, sondern um einen weltweiten Kampf der Demokraten gegen die Theokraten.
Wie alle Totalitarismen nährt sich der Islamismus aus der Angst und der Frustration. Auf diese Gefühle setzen die Haßprediger, um mit ihren Bataillonen eine Welt der Unfreiheit und Ungleichheit zu erzwingen. Wir aber sagen laut und deutlich: Nichts, nicht einmal Verzweiflung, rechtfertigt Massenverdummung, Totalitarismus und Haß. Der Islamismus ist eine reaktionäre Ideologie. Überall, wo er sich breit macht, zerstört er Gleichheit, Freiheit und Laizismus. Wo er erfolgreich ist, führt er nur zu einer Welt des Unrechts und der Unterdrückung: Der Frauen durch die Männer und aller anderen durch die Integristen.
Wir lehnen den "kulturellen Relativismus" ab, der im Namen der Achtung der Kulturen und der Traditionen hinnimmt, daß den Frauen und Männern der muslimischen Kultur das Recht auf Gleichheit, Freiheit und Laizität vorenthalten wird.
Wir weigern uns, wegen der Befürchtung, die "Islamophobie" zu fördern, auf den kritischen Geist zu verzichten. Dies ist ein verhängnisvolles Konzept, das die Kritik am Islam als Religion und die Stigmatisierung der Gläubigen durcheinanderbringt.
Wir plädieren für allgemeine Meinungsfreiheit, damit sich der kritische Geist auf allen Kontinenten gegen jeden Mißbrauch und gegen alle Dogmen entfalten kann.
Wir richten unseren Appell an die Demokraten und freien Geister aller Länder, damit unser Jahrhundert eines der Aufklärung und nicht eines der Verdummung wird.
Ayaan Hirsi Ali, Chahla Chafiq, Caroline Fourest, Bernard-Henri Lévy; Irshad Manji, Mehdi Mozaffari, Maryam Namazie, Taslima Nasreen; Salman Rushdie, Antoine Sfeir, Philippe Val, Ibn Warraq.
Aus dem Französischen von Jochen Hehn.
Dieses Manifest ist ein Zeugnis für Sprach- und Konzeptionslosigkeit.
Die Unterzeichner appellieren an den “kritischen Geist“, den sie vor lauter Selbstgewissheit nicht mehr haben. Sie sind befangen in ihrer Argumentation, da sie von der Richtigkeit ihrer Vorstellungen zutiefst überzeugt sind. Feindbilder schmieden zusammen.
Einige von ihnen sind unmittelbar von Extremisten bedroht bzw. wurden bedroht. Menschlich sind die artikulierten Ängste verständlich. Aber gibt keine kritische Auseinandersetzung, sondern nur eine Beschimpfung.
Implizit werden Muslime als dumm dargestellt. Die sozialen und politischen Verhältnisse, die die Massen in die Arme dieses Systems führt, werden ausgeblendet. Es wird keine Hand an die gemässigten Führer gereicht, sondern den Extremisten wird noch mehr Öl geliefert, mit dem sie ihr Feuer am Leben erhalten.
Der fragende Muslim assoziiert mit Demokratie die Bilder von Folteropfern in Abu Graib und den Gefangenen in Guantánamo. Das haben sie zu Hause auch; die Attraktivität dieses Freiheitsbegriffes hält sich in Grenzen.
„Kultureller Relativismus“ wird abgelehnt. Das ist gleichbedeutend mit einer territorialen Hegemonialstellung westlicher Werte. Etwas anderes sagen die Verfechter einer „Leitkultur“ auch nicht.
Man ruft zum Widerstand auf. Aber wo soll denn dieser Widerstand stattfinden? Soll ich der türkischen Frau auf der Strasse das Kopftuch herunterreissen? An wen richtet sich dieses Manifest? Ausser an diejenigen, die sowieso nicht gemeint sind.
Und in dem zum Widerstand gegen den religiösen Totalitarismus aufgerufen wird, ermöglichen sie der Gegenseite mit dem gleichen Argument wider einen „ökonomischen“ oder „laizistischen“ oder „ökonomisch-laizistischen“ Totalitarismus aufzurufen.
Ein Dokument selektiver Wahrnehmung. Die Ausblendung all dessen, was nicht in das ideologische Konzept passt.
Gregor Keuschnig - 2006-03-07 12:14
